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Lucretio - Range Gate

Visionäre Kunst. Visionärer Künstler. Beides sind Reizworte. Für mich, für viele andere auch, gerade im Zusammenhang mit elektronischer (Club-)Musik. Denn auf der einen Seite verlangt gerade auch der Schreiberling, dass dem musikalischen Erbe gehuldigt wird, dass Traditionen jeglicher Art gewahrt werden. Auf der anderen Seite verlangen dieselben jedoch regelmässig Kunstwerke, entstanden in einem geheimnisvollen Laboratorium aus nichts als einem vorausdenkendem Geist. Ist von visionärer Kunst, von einem visionären Künstler die Rede, erwarte ich selbst keine kühnen Konstrukte von etwas Zukünftigen und völlig Unwägbarem. Meiner Meinung nach erfindet der Visionär keine artifizielle Zukunft, deren Eintrittswahrscheinlichkeit gegen Null strebt. Es geht vielmehr um sein inneres Gesicht, das er - da flüchtig und fragil - in Skizzen und Notizen festzuhalten, zu verkörpern versucht. Das (kulturelle) Erbe der Vergangenheit hat er tief verinnerlicht, doch lebt und arbeitet er nicht rückwärtsgewandt. Scharf beobachtet er das Hier und Jetzt und ist dem Zeitgeist stets einen halben Schritt voraus. Bewusst schreibe ich "halber Schritt". Denn ein Visionär ist für mich kein Phantast.

In gewisser Weise sind diese Gedanken übertragbar auf Lucretio. Tief verinnerlicht hat er die historischen Wurzeln von House und Techno. Daran bestehen keine Zweifel. Zwar könnten seine Tracks gerade so gut "damals" - ihr wisst schon - entstanden sein. Doch der Abstand zum vorbekannten Formenschatz ist gegeben. Sätze, die mit "klingt wie" beginnen, werden hier keine fallen. Das mag - unter anderem - auch auf die Produktionsweise von Lucretio zurückzuführen sein. Er - übrigens auch sein Produktions- und Restoration-Partner Marieu - nimmt seine Stücke in einem Satz auf. Keine Nachbearbeitung. Analog, roh und unbelassen sind bei ihm keine blossen Schlagworte. Und dass er seine Sessions auf Tape Decks aufnimmt und diese als Vorlage für die Vinylpressung nimmt, erscheint da nur konsequent.

Deswegen sind die vier Tracks auf Range Gate auch ganz bestimmt nicht jedermanns Sache. Denn es kann schon sein, dass die Synthies für den Bruchteil einer Sekunde zu heiser klingen; dass die Rimshots oder Claps mit einem halben Takt Verzögerung einsetzen; ganz so, als ob der Musiker / Urheber seinen Einsatz unbewusst versäumt habe; mal ist der Bass "zu leise" oder nimmt erst im Verlauf des Tracks an Intensität zu. Ein an totgemasterte, jeder Lebendigkeit und Natürlichkeit beraubter Produktionen gewohntes Ohr wird sich damit sicher zu Beginn schwer tun. Für mich macht gerade dies jedoch den Reiz dieser Tracks aus. (Geheim-)Tipp!


English (short) version: three tracks meandering between raw, analogue techno with a dark, industrial ("Curfew") and deep ethereal ("A Mountain") atmosphere, and a dubby yet steppy tune ("Albatros") that rounds up this superb EP by Italy born, now Berlin based dj / producer Lucretio.


Mehr im Web:

Lucretio @ MySpace
Lucretio & Marieu a.k.a. The Analogue Cops @ Facebook
Restoration Records @ MySpace
Restoration Records @ Facebook
Restoration Records @ Soundcloud

Mixed up monday (60)

http://lovelifeandlollipops.tumblr.com/post/2758366222
Die Blogger-Auszeit hat nun doch etwas länger gedauert, als ursprünglich gedacht. War rückblickend betrachtet aber notwendig, unbedingt erforderlich. Die Tage der Internet-Abwesenheit bescherten mir teils unberührt Natur, teils pulsierendes Stadtleben. Ich habe einige Live-Acts im guten alten Dachstock erlebt und genauso genossen wie die Schneeschmelze und das leisen Frühlingserwachen in den Alpen. Die Erinnrung daran wird mich durch die kommenden Wochen der Zurückgezogenheit hindurch tragen. Aufgrund der kleinen Pause ist die Auswahl der vorgestellten Mixtapes auch nicht ganz so gross, aber dennoch spannt sie den Bogen von Disco / Boogie über (Deep) House hin zu Dubstep.


Wer es sich leisten kann, heute Nachmittag die Arbeit ruhen, alle Viere gerade sein zu lassen und sich in die Frühlingssonne zu setzen, sollte davor noch auf AOR Disco vorbeischauen. Graeme Fisher, der die Podcast-Reihe The Extended Mix betreibt, hat eine gute Handvoll Folk / Folk Rock Platten zusammengeschmissen, abgemischt und in eine Mixform gegossen. Crosby Stills Nash, Led Zeppelin, Bob Dylan, und so weiter. Check: New and Old Folk, Americana, Folk Rock and Some Other Stuff mixed by Graeme Fisher

New & Old Folk/Americana/Folk Rock & Some Other Stuff Mix by The Extended Mix



In diesem Zusammenhang ist Pflicht, bei Testpressing vorbeizuschauen. Die Jungs hosten einen Mix von Psychemagik, der sich aus Balearic / Folk / Electronica zusammensetzt: Psychemagik - Celestial Love - Mix @ Testpressing.



Stärker disco-ish eingefärbt sind die beiden folgenden "Tapes". An den Reglern dafür stand ein schweizer Musik- und Vinylliebhaber aus St. Gallen, der unter dem Namen / Pseudonym (?) Alain auflegt und u.a. auch schon in der Züricher Zukunft an den Plattentellern zu Gast war. Er spielt unter dem Label Analog Sunday, dementsprechend verwendet er für die gleichnamige Mix-Reihe auf seiner Soundcloud auch strictly vinyl. (Geheim-)Tipp:

anAloG sUnday #1.0 raw vinyl mix by Lee Alain


anAloG sUnday #2.0 raw vinyl mix by Lee Alain



Da ich eingangs von Frühlingserwachen, Alpenlandschaft und Schneeschmelze geschrieben habe, kann und darf der folgende Mix im heutigen Überblick nicht fehlen. Erstellt hat ihn Ian Kennedy, der aus dem Umfeld von Balearic Mystique, einem Liebhaber- und Sammlerkollektiv für balearisch angehauchte Sounds, stammt. Tracklist gibt es da genauso wenig wie bei Testpressing. Schade.

Ian Kennedy - Alpine Sun Mix (320 mp3) by Balearic Mystique



Cos/Mes ist ein japanisches Sammler-, DJ- und Produzenten-Duo, die vornehmlich über das Label ESP Institute ihre Interpretation von sphärisch verträumtem, aus Downtempo-Welten aufsteigendem House veröffentlichen, dabei vor Acid-, Techno- und kruden Elektronika-Anleihen jedoch nicht zurückschrecken. Gozmez Land / Chaosexotica sowie die in diesem Jahr erschienene 12" Naruto" kann ich bedingungslos empfehlen. Selbst ein Blindkauf würde nicht enttäuschen. Anyway. Über ihre Soundcloud haben Cos/Mes vor einigen Tagen einen Mix zur Verfügung gestellt, der zwar schon im letzten Jahr für die australische Site Noise In My Head aufgenommen und dort veröffentlicht wurde. Hat sich jedoch kein bisschen abgenutzt, wird es auch in zwanzig Jahren nicht. Gut bleibt eben gut:

Mix For Noise In My Head (Aug-2010) by COS/MES



Nun ein kurzer Abstecher nach Frankreich, zu Get The Curse. Gast der Podcast-Reihe ist DJ Deep. Mit seinem Label Deeply Rooted House hat er sich in den Gründerjahren ganz einem klassischen, US-geprägten House-Sound verschrieben, setzt je länger je mehr jedoch auf einen sehr rohen, unbelassenen, wie zwischen Industrie-Ruinen aufgenommenen Sound. Kantig und geradeaus, zwischen House und Techno sich bewegend. Sehr zu empfehlen, die neuesten Veröffentlichungen auf Deeply Rooted House, genauso wie sein Podcast für Get The Curse: DJ Deep - Podcast @ Get The Curse.



Eine lange Zeit war es sehr ruhig um Juergen Junker und sein Label Neurhythmics. Letztes Jahr erschien ein erster neuer Track von ihm auf Naif, in diesem Jahr erfolgt(e) mit Unhampered By Regulations Vol. 1 die Neubelebung seines Imprints. Seine Arrangements klingen rhythmisch sehr kompakt. Grosser Wiederspielwert. So auch sein Mix "Next Stop Is The Garage":

Next Stop Is The Garage by Juergen Junker



Zum Abschluss noch ein wenig Dubstep. Appleblim aus Bristol gab Anfang März sein Debüt im Room 1 des Londoner Clubs Fabric. Grund und Anlass genug, dass sich der Club auf dem hauseigenen Blog ein wenig eingehender mit dem DJ und Produzenten auseinander setzt und ihn um einen Promo-Mix gebeten hat. Dieser enthält einiges noch unveröffentlichtes Material, das im Verlauf diesen Jahres noch auf seinem eigenen Label Apple Pips erscheinen wird. Shit-hot! Fabric: Catching up with Appleblim // Appleblim - Fabric "Main Room" Mix.



In Appleblims Podcast war mit "We Bilateral" auch ein Stück des Briten George Fitzgerald zu hören. Damals noch unveröffentlicht, jüngst auf der Hotflush-Compilation "Back And Forth" erschienen. Riesentrack. Könnte ich den ganzen Tag hören, ebenso auch die wenigen zuvor erschienenen Stücke von George Fitzgerald. Seinen Sonic Router-Podcast eröffnet er ebenfalls mit "We Bilateral", um sich anschliessend durch Material von Skudge, Mrsk und ein paar exklusive Stücke zu spielen. Den Abschluss macht wieder eine eigene Produktion. "Silhouette". Sie wird auf Aus Music erscheinen. Man darf sich freuen! George Fitzgerald - Podcast @ Sonic Router.


English (short) version: i took some time out of my busy schedule and tried to calm down. I made long walks in swiss alpine forests and had the chance to attend some amazing concerts and club nights at night. Energy got refilled and now I'm back on track. The week starts off with a few mixes, selected with great care. I assure, they're more than good and seduce you to leave work for the day right now and enjoy the spring in the air filled with love. Very folky, very balearic, and some energetic house, techno and dubstep by DJ Deep, Juergen Junker, Appleblim and George Fitzgerald. Enjoy!

Fred P - The Incredible Adventures Of Captain P

Da ist es wieder. Das Gefühl, das ich schon bei "It Is What It Is", erschienen auf Semesters II und den vielen anderen Tracks von Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium hatte. Von einer Minute auf die andere könnte ich anfangen zu weinen. Es ist ein befreiendes, die Seele reinigendes Weinen, vielleicht auch ein sehnsüchtiges Weinen, das Träume und unausgesprochen Unerfülltes zu dieser einen Reaktion verdichtet.

Es ist schon erstaunlich, vielleicht ein wenig erschreckend sogar, welch direkten Zugang der Mann aus Brooklyn zu meinem Gefühlszentrum besitzt - beziehungsweise wie leicht sich seine Musik Zugang dazu verschaffen kann. Blitzschnell, wie Usain Bolt, der jamaikanische Supersprinter, geht mir seine Musik zu Herzen. Zwar kommt in letzter Zeit doch ein wenig Angst bei mir auf, dass er sich durch zahlreiche Reshape-Aufträge ein wenig abschleift, dass die Frische seiner Musik einem schnelleren Verderb unterliegt und auslaugt. Doch dann bringt er mit "The Incredible Adventures Of Captain P" eine 12" mit drei Tracks - ein Teaser zu seinem gleichnamigen Album -, auf denen er wieder einmal meisterhaft die Ästhetik des Einfachen beschwört. Die Kicks pumpen schwer, metronomisch präzise und trocken. Der Bass murmelt tief und sorgt für eine mystische Stimmung. Die Instrumentierung ist sparsam, erzeugt jedoch ein elegisches, melancholisches Flair. House. Deep House.

The Incredible Adventures Of Captain P e.p. by Fred P.


English (short) version: somber, melancholic and elegic tones - this is Fred P. a.k.a. Black Jazz Consortium.


Mehr im Web:

Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium @ Facebook
Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium @ Soundcloud
Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium - Podcast Louche Music

DJ Yoav B - Wisdom Traxx

Er hat zwar schon auf Delsin Records veröffentlicht - und das schon einige Male -, fliegt aber immer noch kaum merklich unter dem Radar der Öffentlichkeit, der israelische DJ und Produzent Yoav B. Für die niederländische Kuratorplattform, die sich ganz der Pflege, Förderung und Verbreitung eines klassisch bis zeitgemässen Maschinensouls und Roboterfunks verschrieben hat, hat er mehrere EPs produziert hat, zuletzt Love Dubs im vergangenen Jahr.

Nun ist er in das feinmaschige A&R-Netz des belgischen Techno- und Elektronikalabels Meakusma geraten. Dieses wusste letztes Jahr mit einer Veröffentlichung von [sic!], einem Projekt von Jules Etienne, Alessandro Tartari und Massimilano Pagliara, sowie in den Jahren zuvor mit mehreren Split-EPs zu überzeugen. Diese 12", zu denen mehrere Künstler jeweils einen Beitrag geleistet haben, erschienen unter dem Oberbegriff "Rüts". Allerdings ist mir persönlich nur die Rüts 3/3 gegenwärtig, auf der Move D, Benjamin Brünn, Even Tuell, Vakula und Immer.Chic mit einem Track vertreten sind.

Dort, auf Meakusma, ist Yoav B sicher gut aufgehoben. Zum einen kann Belgien nämlich auf eine grosse Techno-Vergangenheit zurück- sowie auf eine nicht zu vernachlässigende Gegenwart blicken. Die Ressurectio von R & S Records sei in diesem Zusammenhang beispielhaft erwähnt. Zum anderen brodelt es im Untergrund-nicht-Untergrund gewaltig. Dafür ist das Label Meakusma wenigstens mitursächlich, dessen Betreiber auch über die reine Labelarbeit aktiv sind und in diesem Jahr wieder einen attraktiven Programmpunkt zum Musikmarathon Eupen beitragen werden (soweit ich weiss mit Shackleton (live), Upperground Orchestra (live), Ra.H, und vielen anderen mehr; mehr Infos unter Meakusma).

So vielseitig das Programm, bunt schillernd und nur wenig greifbar auch die Musik, die auf Meakusma veröffentlichenden Künstler. Man kann den "Labelsound" nur schwer herunterbrechen auf eine einfache, gewissermassen lineare Gleichung mit nur einer Unbekannten. Selbst wenn man sich bemüht, die darauf veröffentlichte Musik analytisch aufzudröseln, wird man mit jeder Äquivalenzumformung auf weitere Unbekannte stossen. Das macht die Musik jedoch sehr spannend, denn sie spielt sich auch nach mehrmaligem Hören nicht leer. So positioniert sich die Wisdom Traxx EP von DJ Yoav B auf der einen Seite deutlich im Detroit Techno. Brachiale, dreckig-treibende Bässe und Beats vermischen sich mit verspielt psychedelischen Synthesizern. Die Kickdrums stampfen ungelenk, robotisch, und aus Synthesizern und Effekten lässt er frühlingshaft bunte Klangblumen erblühen. Kein Sound für Perlenohrring-Trägerinnen und Barbour-Jacken-Träger.


English (short) version: DJ Yoav B with a sophisticated approach to electronic dance music. Detroit classical period meets Israel's spirit and warmth. Music for people with a sound techno basis and a wide horizon.


Mehr im Web:

Meakusma @ MySpace
Meakusma @ Facebook
Meakusma @ Soundcloud
DJ Yoav B @ Soundcloud

Mixed up monday (59)

Mingus, Monk, Parker - http://onedownoneup.tumblr.com/photo/1280/428877594/1/tumblr_kytw2tyq4Q1qaq8fl

Zusätzlich zu den verschieden bunten Events noch eine gute Handvoll Mixtapes, die man sich im Verlauf dieser Woche einmal anhören kann.


Auftakt macht ein Tribute Mix, gefunden auf dem Blog der Merseburger Baude. Musikliebhaber- und Musiknerd-Kollektiv. Dan Bust nummt sich darin dem Schaffenswerk von Chain Reaction an. Klassiker! Tipp! Dan Bust - Chain Reaction Tribute Mix.


In ein Wechselbad aus tiefer Schwermut und höchster Euphorie geschickt hat mich Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium. Der Mitschnitt / Podcast ist schon ein wenig älter, bin aber erst vergangenen Freitag darüber gestolpert. Zu finden auf der Website des Halcyon-Stores, eine Ausgabe des Bandwagon Podcasts: The Bandwagon Podcast 023 - Fred P extended mix.


Weiter geht's mit Albrecht Wassersleben. Der Dresdner aus dem Uncanny Valley stand vor kurzer Zeit Rede und Antwort sowohl in einem Interview als auch hinter den Plattenspielern für Doubled Town. Muss man gelesen und gehört haben:

18 ddt podcast 018 - Albrecht Wassersleben by A.W.


Ebenfalls hörenswert ein neuer Mix aus der casa Ernie. Der Minuendo-Labelgründer hat eine Ausgabe seiner Personal Deeper Mix-Reihe veröffentlicht. Tiefenentspannt.

Ernie - PersonalDeeper Mix Spring 2011 by Ernie Minuendo Recordings


Vor einigen Tagen habe ich über die Fried Tofu Edits berichtet. Nun ist auch das Blog des Stir Fry-Meisters online. Zur Begrüssung keine Wan Tan-Suppe, dafür ausgewählte Soundbites. Ein vor Funk nur so brennender, mit süssem Soul abgelöschter Mix. Don't miss!


Letztens habe ich ein (weiteres) interessantes Blog gefunden: Emotional Pop. Darauf befinden sich jede Menge Podcasts der Blogbetreiber selbst, veröffentlicht unter dem Übernamen Makin Music Radio Mixes, sowie eine Vielzahl Gastbeiträge von DJs / Produzenten wie Marcello Giordani, Max Essa, oder Bicep (Feel My Bicep). Check!


Pauly P von Balearic Skirmish hat nach einer sehr langen Auszeit sein Blog wieder einmal befüllt. Dieses Mal mit ein paar House Tapes alter Schule, späte Achtziger, frühe Neunziger, Bobby Konders, Fingers Inc, Adonis, Ron Trent und so. Kann ich nie genug hören: House Classics 1 - 3 @ Balearic Skirmish Blog


Nicht fehlen darf in dieser Aufzählung auch der neueste Mix auf Plaid Music, der sich irgendwo zwischen Balearic / Cosmic Disco und Soul einpendelt. Bestgeeignet für einen Nachmittag wie diesen, an dem durch die aufgerissene Wolkendecke eine frühlingswarme Sonne scheint und dem nächsten Regenschauer den Boden bereitet:

Obscure Paths by Antony kein


Auf wenn ich in letzter Zeit des öfteren einen grossen Bogen um die big four / big five der Online-Musikmagazine gemacht habe - jedenfalls im Hinblick auf die Verlinkung ihrer Podcasts, da diese sowieso jeder abonniert hat -, kann ich nicht umhin, auf eine der letzten Ausgaben des Podcasts auf Fact hinzuweisen. Für diesen konnte das englischsprachige Fanzine Pangaea gewinnen. Der Hessle Audio-Gründer glänzt darauf mit einer Zusammenstellung von Dubstep und Techno - und hat mich in der vergangenen Woche über einen völlig verschissenen Dienstagabend hinweg gerettet.

[Was ich persönlich nicht verstehen kann, ist nämlich Folgendes: da gibt es in Freiburg soundsoviele Sound Systems, die sich seit zwei, drei Jahren zusätzlich zu Reggae / Dancehall auch noch Dubstep auf die Fahne schreiben. Das einzige, was dann aber auf dieser Veranstaltung lief, waren homophobe, an Bigotterie grenzende Texte voller Gottesanrufungen - "jah jah jah" - und die jamaikanisch-karibische Leichtigkeit beschwörende "easy easy easy"-Rufe völlig bekiffter MCs. Angekündigt war - wortwörtlich - die "eher elektronische" Seite von Dubstep. Es lief aber derselbe Reggae/Dub/Dancehall-Kram, wie man ihn noch von den Sommerferienlagern in Italien oder Kroatien in als vierzehnjähriger Bub in Erinnerung hat. Das Publikum war auch nur wenig älter, in der Abitur- oder Nachabiturphase. Nun ja...]


FACT mix by pangaea



English (short) versions: to round up our today's blog entries, enjoy our handpicked mixes and podcasts covering balearic / cosmic disco, raw funk and sweet soul, dub techno and the best of deep raw and honest house music.

Adryiano - Keep It Deep Guest Mix

Wie gewohnt auch am heutigen Freitagabend ein Podcast. Auf ihm verbindet sich rheinischer Frohsinn mit deepem House, denn sein Urheber lebt, arbeitet, studiert, hört, sammelt und spielt selbst Musik in Köln. Viel Spass damit. Tracklist gibt's wie gehabt nach dem Wochenende.










1. Hallo Adryiano, stell Dich doch bitte einmal selbst vor.

Hallo. Ich bin Adryiano, 24 und wohne in Köln.


2. Was war Deine musikalische Initialzündung?

In jungen Jahren habe ich tatsächlich sehr gerne Tapes gesammelt, die überwiegend aus dem Pop und Hip Hop Bereich stammen. Seit dem war die musikalische Entwicklung mehr oder weniger ein Prozedere, das mich durch verschiedene Genres und Stile führte. Irgendwann ist die Musik zur Passion geworden und Schallplatten zum festen Inventar.


3. Welches bzw. wer sind Deine grössten musikalischen Einflüsse?

Einflüsse und Inspirationen sind sicherlich bei den ganzen Zwischenstationen von Pop über Hip Hop bis letztendlich House gesammelt worden. Der Freundeskreis, der Austausch von Plattentipps untereinander und Besuche lokaler Gigs spielen eine wichtige Rolle in Sachen musikalischer Input. Des Weiteren sind es natürlich die zahlreichen internationalen Künstler, die ihren lokalen Sound auf Schallplatten pressen und global zugänglich machen. Detroit, Paris oder Moskau sind da prägnante Beispiele.


4. Wie würdest Du Deinen eigenen Stil beschreiben?

Stiltechnisch bewege ich mich derzeit irgendwo zwischen (Deep) House und Disco. Tendenziell im mittleren 110 BPM-Bereich, aber prinzipiell bin ich flexibel in Sachen Tempo und Sub-Genre.


5. Wo kann man Dir beim Auflegen über die Schultern blicken?

Zum einen ist es die Second-Floor Residency bei der "Art of House" im legendären Kölner Stadtgarten, zum anderen die Gigs bei der "thebasement presents HOUSE" in der Halle03 Heidelberg.


6. Arbeitest Du auch an eigenen Tracks?

Seit etwas über einem Jahr setze ich mich mit der Musikproduktion auseinander. Was Anfangs als Experiment begann, hat sich mittlerweile als Hobby etabliert. Soundtechnisch versuche ich Stücke zu produzieren, die schemenhaft auch in meine Sets passen könnten. Dies ist jedoch nicht immer zwangsweise der Fall. Ich denke es ist wichtig, dass Musikstücke den Moment des Produzierens und somit die Gefühlslage wiederspiegeln.


7. Pläne für Deine musikalische Zukunft?

In Sachen Musik versuche ich mir keine Deadlines oder Meilensteine zu setzen und lasse mich von Ereignissen überraschen. Geplant ist dennoch ein Vinyl-Release, das eventuell noch in diesem Jahr erscheinen wird. Es bleibt also spannend.



Podcast:

  Adryiano - Keep It Deep Guest Mix by keep-it-deep


Tracklist:


English (short) version: our guest mixer behind the wheels of today's podcast edition lives and works in Cologne / Germany and holds two small residencies in Cologne and Heidelberg. Enjoy his selection! Tracklist after the weeekend


Mehr im Web:

Adryiano @ Soundcloud
Adryiano @ Facebook

youANDme - Nightvisions

Um es kurz zu machen: youANDme sind Martin Müller und Daniel Ströter aus Berlin. Anfang / Mitte der Neunziger Jahre haben sie ihre ersten Schritte hinter Mischpult und Plattenteller geführt. Rund zehn Jahre später, 2004, fassten sie sich ein Herz, gründeten mit Rotary Cocktail ihr eigenes Label und bieten damit seither ein geeignetes Outlet für eigene Produktionen und diejenigen befreundeter Künstler. Holger Flinsch, Marko Fürstenberg, Mark Broom zählen zum engen Kreis derer, die unter Rotary Cocktail veröffentlichten genauso wie zuletzt Reyf & Eidner mit ihrer Love & Pain Sunshine & Rain EP sowie Mod.Civil mit Somebody To Love, die anfangs diesen Jahres auch auf keep-it-deep für grosse Begeisterung gesorgt hat.

Ideologischer Überbau von youANDme (und der auf ihren Label Rotary Cocktail, Polymorph und Cutz.Me vorgestellter Musik) ist demzufolge die gerade Bassdrum. Doch Martin Müller und Daniel Ströter haben sich dogmatisch nicht festgelegt auf nur eine Spielart. Sie sind somit für verschiedene Strömungen und Einflüsse offen, die sie für ihre Produktionen zu verwenden wissen. Klassischer (Deep-)House-Sound mischt sich mit (Detroit) Techno, Dub Techno nach Vorbild der Berliner Überväter vereinigt sich mit perkussivem Groove. Handwerkliches Geschick und ein feines musikalisches Gehör belegen sie mit jedem unter ihrem Projektnamen erscheinenden Track, vor allem auch mit ihren Edits. Falls nicht bekannt, hört euch einfach einmal "Miles In Aphrika" an, eine Abmischung von Lawrences traumverloren romantischem Stück "Miles" und dem hypnotisch vertrippten Aphrika von Seth Troxler.

Nun erscheinen auf dem spanischen Label Vinyl Did It drei Tracks von youANDme, zusammengefasst als Nightvisions EP. Hierauf verpflichten die beiden DJs und Produzenten ganz der dunklen Seite einer Clubnacht. "Ghosts" hat einen warmen, dunkel schimmernden Klang. Flächige Chords verbinden sich mit sanft getupfter Perkussion. Angetrieben von silbrig kalten Rim Shots und transparent gezeichneten Hi Hat-Shuffles, strebt der Track auf den Höhepunkt ihn, ohne dabei orgasmisch unkontrolliert auszubrechen. (Dub) Techno in der Andeutung.




"Nightvisions" und "Black Jack" sind im Vergleich dazu deutlicher im House anzusiedeln. Die bouncy Kickdrums lassen das Becken aus dem Stand heraus kreisen - insbesondere auf Black Jack. Dieser oberste aller House-Götter, der allem Irdischen entrückt ist, spricht daraus direkt zu uns, seinen Gläubigen. Muss zu uns sprechen. Denn anders ist diese unbekannte Kraft, die einen überkommt, nicht zu erklären. Super Track, super Platte!


English (short) version: youANDme blending together warm, colorful and floaty dub techno-like synth chords and pads with rough house beats that will beat you, hit you, choke you. Great!


Mehr im Web:


youANDme @ Facebook
youANDme @ MySpace
youANDme (Martin) @ Soundcloud
We Are youANDme

youANDme - Sunday Morning Half Past Ten - Mix @ play.fm



Vinyl Did It @ Facebook
Vinyl Did It

Rio Padice - Earth Rise

Aufgrund des ganzen Introvertiertheits-Hypes und der kaum aufhören wollenden Seelensuche nach dem musikalischen Urgrund von (Deep) House und (Detroit) Techno, frage ich mich, ob - und falls ja - wo und bei welchem Produzenten, bei welchem Label noch gute aber einfache, schlicht gehaltene Club-/Floor-taugliche House-Sounds veröffentlicht werden.

Manchmal scheint die Suche danach genauso wie das Tagesgeschäft eines Gastro-Kritikers. Täglich muss er die immergleichen Grüsse aus der Küche entgegen nehmen. Irgendein Quark- oder Pestobatzen, dazu ein einzelner Fleischwürfel in Aspik, ein Hühnerspiesschen im Erdnussmantel oder eine fritierte und längst wieder erkaltete Garnele. Aufgewertet wird das ganze mit einem fritierten Basilikumblatt. Es empfiehlt sich, einen Tag vor dem Restaurantbesuch die Speisekarte zu studieren. Denn daraus lässt sich oftmals ableiten, woraus der Gruss aus der Küche bestehen wird und in welcher Form er erscheint. So bleibt einem genug Zeit, eine erfreut-erstaunte Miene einzuüben.

Eine Zeitlang wurde alles zu Zentimeter hohen Türmchen aufgeschichtet. Gartengemüse, Fleischcheiben, und so weiter. Das Konstrukt wurde serviert auf - in der Regel - rotem Linsensalat und als Verzierung streuten die Köche eine Handvoll Blätter - essbarer! - Frühlingsblumen darüber. Dazu gesellten sich Tupfer eines eingedickten Balsamico-Essigs. Wurde Risotto gereicht, lag einsam auf dem blassen Reishaufen ein einzelner Safranfaden. Dieser stammte dafür aus dem Schweizer Safrandorf Mund, was im Endergebnis nur zu einer Preis-, nicht aber zu einer Geschmackssteigerung führte.

Die Nachspeisen bestanden aus irgendwelchen Espumas, einem aufgeschäumten Hauch von Garnichts. Dieser schmeckte auch nur nach Himbeere, Schokolade oder Mango, weil der Chef de Patisserie vor Verzehr der Löffelsüssigkeit eigens an den Tisch kam, und wortgewandt Anleitungen zum Genuss mitlieferte. Der Geschmack war also nur kraft gedanklicher Vorstellung vorhanden.

Verkünstelungen dieser Art hat heutzutage beinahe schon jeder Systemgastronomie-Anrichter drauf. Doch nach - wirklich - gut schmeckendem (schwäbischen) Kartoffelsalat oder (badischen) Brägele muss man verdammt lange suchen.

Genauso ist es auch mit der Suche nach dem einfachen, schnörkellosen und ehrlichen Clubtrack, der nicht (fälschlicherweise) den Anspruch erhebt, Chicago oder Detroit oder New York oder sonst irgendetwas zu sein. Ein Clubtrack, der aber auch nicht flach, platt und charakterlos ist und nach musikalischer Systemgastronomie oder Fast Food-Kette "schmeckt". Jeder DJ / Hörer hat da selbstredend seine persönlichen Vorstellungen und Vorlieben. Diese stellen auch eine -(un-)bestreitbare - Geschmacksfrage dar.

Wer für mich in seiner Einfachheit überzeugt, ist der aus Neapel / Italien stammende DJ und Produzent Rio Padice. Wie sein Discogs-Profil zeigt, kann er bereits auf eine ganze Menge Releases zurückblicken. Aufmerksam geworden auf ihn bin ich jedoch erst mit der 12" Rio Padice presents The Luchador".

Wie auf dieser 12", im letzten Jahr auf Tsuba Records erschienen, leisten die pumpenden Kickdrums auf auf Morris Audio Schwerstarbeit und tragen die Hauptlast der Verantwortung für die Tracks. Ausgekleidet wird das stabile Rhythmus-Gerüst mit nur wenigen Aromastoffen. Mal sind es watteweiche Pad-Sounds, die sich wie ein leichter Mantel um die Produktion legen, mal ist es ein Klaviermelodiefragment, mehr Fingerübung, mehr repetitives Moment, als tatsächlich Melodie. Sicher nichts, was einen absoluten Ewigkeitsanspruch begründet. Doch den stellt hier auch niemand.


English (short) version: bone-dry, raw and honest house music, coming from the heart, aiming to motivate and engage you to dance. Good job, Rio Padice!


Rio Padice @ Facebook
Rio Padice @ MySpace
Rio Padice - Soundwall Podcast
Rio Padice - Soundwall Podcast @ Mixcloud
Morris Audio @ Facbook
Morris Audio @ MySpace
Morris Audio @ Soundcloud
Morris Audio - Labelportrait @ de:bug (2003)
Morris Audio

Vakula - Saturday

Ich kenne kein (House-)Label der Jetztzeit, auf dem ER nicht schon vertreten ist. Ob es Quintessentials ist, auf welchem er uns auf eine Klangreise durch seine Heimatstadt Konotop nimmt, ob Uzuri, Best Works Records, Ethereal Sounds oder Firecracker Recordings - überall dort, wo Wert auf handarbeitlich gefertigte, naturbelassene und ehrliche House Musik gelegt wird, war ER bereits zugegen.

Die Rede ist von Vakula Karpenko, dem DJ / Produzenten aus der Ukraine. Sein Repertoire ist breitgefächert. Es umfasst verschiedene Erscheinungsformen von House, die jedoch ein gemeinsames Erkennungsmerkmal aufweisen. An irgendeiner Stelle, sei es bei den Rhythmuspattern, sei es in der Melodieführung, schimmern Soul und Jazz deutlich hervor. Hier zeigt sich auch die Qualität seiner Produktionen, die keineswegs in einem engen Dogma-Gehäuse eingeschlossen sind. House, Deep House kann nämlich auch Spass machen.

Mit dem Viertracker "Saturday" zündet Vakula eine weitere Stufe. Er serviert Sounds, üppig und reichhaltig ausgeschmückt wie ein herbstlicher Erntedankaltar. Trotzdem wirken sie nicht überladen und schon gar nicht erscheinen sie wie ein undurchdachtes, gar blindes Zitat der Vergangenheit. Er fügt klassische Vierviertel-Rhythmuspattern so geschickt aneinander, dass die vier Tracks durchweg auf einem komplexen, dennoch subtilen Unterbau ruhen. Darauf schichtet er harmonische Synth-Pads und instrumentale Kompositionen - ein dezent-funkiges Gitarrenlick, ein transparent perlendes Vibraphon, weiche (Hammond-)Orgelpads und (selbstredend) Pianoläufe. Festgezurrt und zusammengehalten werden sie von warmen Basstexturen. Mit einem Wort: KILLER!


Vakula - Saturday




Vakula - Touch





English (short) version: house music with deep inflections of jazz and soul bursting with atmosphere by Ukrainian producer Vakula. In a word: KILLER!


Mehr im Web:

Vakula @ Facebook
Vakula @ MySpace
Vakula @ Soundcloud
3rd Strike Records @ Resident Advisor
Under The Shade


P.S. Vakula mit "Picture of You" demnächst ein weiteres Label, das in Amsterdam beheimatete Dekmantel, mit seiner Musik bereichern. Man ist geneigt, ihm eine kreative Auszeit zu empfehlen, zu gross ist die Angst - nicht nur meine -, dass er sich selbst aufreiben, an Qualität und Ausdruckskraft verlieren könnte. Bis jetzt sehe ich jedoch noch keine Anzeichen dafür. Hoffentlich bleibt das auch so.

Mixed up... (58)

http://30.media.tumblr.com/tumblr_lh6jmnWL0D1qggg66o1_500.jpg
Was für ein Wochenende. Reich an Ereignissen und Gefühlen, wie kaum eines in diesem Jahr. Die Tage und Nächte brachten Dinge zum Vorschein, die wohl schon lange Zeit tief in meinem Unterbewusstsein geschlummert haben und die nur zu einer ganz besonderen Tages- beziehungsweise Nachtzeit, nur in einer ganz bestimmten Personenkonstellation und unter dem Einfluss von Musik und dem dunklen Geheimnis der Nacht geweckt werden. Nach Zeit und Möglichkeit folgt dieser Tage noch ein kleiner Nachtrag. Zunächst jedoch wieder ein paar Podcasts, die ich euch wärmstens ans Herz legen möchte.



Den Anfang macht heute James Shaw alias Sigha. Der Brite eroberte letztes Jahr mein Herz mit "Rawww". Dieser Track, diese EP, überzeugte sowohl aus dem Blickwinkel des Bassmusik-Enthusiasten als auch von einer (Dub)Techno-Perspektive aus betrachtet. Für den Fabric Blog hat er vor etwas mehr als einem Jahr einen Roots & Influences-Podcast eingespielt. Diesen habe ich jedoch erst jetzt gehört. Die nachwochenendliche Stimmung verlangte nach Sounds von The Velvet Underground, Aphex Twin und LFO. Tipp!

Sigha - Influences Mix for Fabriclive @ official.fm

[Einen elektronisch-technoiden Weg schlägt Sigha dagegen in seinem SSG Special Mix ein. Check!]


Eric Cloutier, Resident der New Yorker Techno-Institution The Bunker, knüpft mit seinem Dub Techno-Mix an die Insichgekehrtheit, Melancholie und bleierne Düsternis von Sighas Influences-Podcast nahtlos an. Lange, weiche Dubwellen, subsonische Bassenergie. Gross!

Eric Cloutier - Dub Explorations by eric cloutier


Den Tonabnehmer in die Hand geben könnte Eric Cloutier auch 19.454.18.5.25.5.18. Aufmerksame und musikbegeisterte Internetnutzer werden ihn, der bereits für Frozen Border / Horizontal Ground ein paar Techno-Tracks produziert hat, noch von seinem Resident Advisor Podcast her kennen. Hat ja dort für einige über die Musik hinausreichende Kommentare gesorgt. Auf Slash Dot Slash im Vergleich dazu sehr beschaulich ab. Der Techno des DJs/Produzenten ist jedoch auch für diesen Podcast direkt und roh-industriell.

Slash Dot Dash Podcast 003: 19.454.18.5.25.5.18 by Slash Dot Dash


Zum musikalischen Konzept einer Bunker-Clubnacht würde meines Erachtens auch sehr gut die Züricherin Eli Verveine passen. Vor ein paar Tagen erschien ein Beitrag von ihr für die russische Online Radio Show Kapterka. Anzuhören entweder dort, auf der Soundcloud der Kapterka Show, oder bei Eli Verveine:

Kapterka Radio Show by eli verveine


Cassy, Panoramabar-Resident, hatte im Februar diesesn Jahres einen Gig in Italien, und zwar in dem berühmt-berüchtigten Florentiner Club Tenax. Aus Promo-Gründen gab es auf Soundwall, einem italienischsprachigen Online-Musikmagazin einen Podcast. Dieser treibt sich seit wenigen Tagen zusätzlich zu iTunes auch auf irgendeiner Soundcloud herum. Da Cassy im April vergangenen Jahres das Basler Presswerk besucht hat [und ich mit der Aggressivität manch eines Nachtschwärmers nicht zurecht kam], heisst es bei diesem Podcast für mich: Augen schliessen und in Gedanken diesen Abend ohne Techno-Prolls Revue passieren lassen.

Cassy - soundwallpod39 by nightclubber.ro



Mit den folgenden Mixtapes geht es wieder etwas gemächlicher zur Sache. Das verlangsamte Tempo sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Basskraft, Rhythmus, Melodien und Harmonien der Tracks eine schon fast libidinöse Energie freisetzen. Auftakt dazu macht der Leipziger Ron Deacon. Seine Beiträge zu Platten auf Workshop Records oder Farside Records sind euch ja bekannt. Anhören. Mix und Platten:

Ron Deacon in da 116 Bpm Disko mix by Ron Deacon


Auch von Farside Records her bekannt sein dürfte Paskal, der für dieses Label gemeinsam mit Urban Absolutes die "Need Love EP" produziert hat. Sein Deeply Sunday Mix lässt sich auch an anderen Tagen hören. Check:

Paskal-Deeply Sunday Mix 14 by Paskal !


Rob Heenan war letztens auch wieder einmal aktiv. Bestechende Auswahl, feinfühlig arrangiert, top Mix:

Deep n' Raw by robheenan


Tolle Auswahl auch bei Jochen Otto aus Berlin in seinem 354mix. Bin letzte Woche aus reinem Zufall darauf gestossen. Seitdem total angetan von diesem Mixtape. Highyl recommended!

354mix by jochen otto


Mark E wird mit Stone Breaker bald sein erstes Album auf Spectral Sound veröffentlichen. Sein Stone Breaking Mix, veröffentlicht in der vergangenen Woche, darf hier auf keinen Fall fehlen:

Mark E Stonebreakin' Mix by warmhq


Das frühlingshaft warme Wetter dieser Tage lädt ein zu sportlicher Betätigung im Freien. Wer auch dabei nicht ohne Musik kann, für den haben die Jungs von Sleazy Beats einen Mix mit "Music For Serious Jogging" aufgenommen. Viel Spass, beim Hören wie beim Joggen:

Sleazy Beats - Music for Serious Jogging Volume 3 by SleazyBeats



English (short) versions: today we feature mixes with dark, industrial, raw and dubby techno and house from an anonymous Horizontal Ground / Frozen Border artist, Eric Cloutier, Eli Verveine and Cassy. Then, we go on with (deep) house and sleazy slow-motion disco flavours arranged and mixed by Ron Deacon, Paskal, Mark E and a few other music enthusiasts to discover. Enjoy!

Ricordo - Keep It Deep Guest Mix

Für den Podcast dieser Woche konnte ich den ehemaligen (Wahl-)Freiburger und neuen Wahl-Züricher Ricordo gewinnen. Er ist neben Kowski das zweite Gesicht der Freiburger Veranstaltungsreihe Deep Station. An diesem Wochenende kümmert er sich um den reibungslosen Ablauf des "Low Mid High - Festivals" im White Rabbit. Es ist ein durch und durch low-key gehaltenes Festival [dementsprechend auch kaum Werbung], in dessen Rahmen die vielfältigsten Aspekte elektronischer Clubmusik und Clubkultur thematisiert werden sollen: Low Mid High Festival @ White Rabbit. Interview mit Ricordo wird dementsprechend nachgeliefert. Der Mix ist übrigens Vinyl only, ohne Nachbearbeitung und so. Viel Spass!


Podcast:

Ricordo - Keep It Deep Guest Mix by keep-it-deep


Tracklist:

wavetest – like yourself – enterbt
illja rudman – night people – instruments of rapture (garage mix)
bc – magnificent disco – disco deviance (bc edit)
blackjoy – la stache – nrk
house to house – taste my love – clone
prosmuer – the craze – playhouse (dub mix)
italo johnson – untitled/b1 – italo johnson01
ferry ultra – rising up – peppermint jam (soul minority remix)
afmb – backup days – drumpoet
lil tony – mona – running back
levon vincent – solemn days – deconstruct
louie balo – pause – apricot
home park – what a day – enterbt
fcl – more than seven – weplayhouse
james harris – jealous guy – embassy (dub mix)



English (short) version: this week's podcast was compiled and recorded by Ricordo, a former Freiburg-based and now Zurich/Switzerland-based dj and music enthusiast. Alongside his dj partner Kowski, he regularly turns and twists the knobs when spinning together at White Rabbit club, where they host their Deep Station-series.


Mehr im Web:

Ricordo @ MySpace
Ricordo @ Soundcloud

Conforce - State Of Mind

So underground ist Conforce ja nicht mehr. Aber genau dort gehört seine Musik hin. In eine verlassene Industriebrache; in von Salz und Feuchtigkeit angegriffene Kellerräume und in Lagerhallen, deren Backsteinwände durch die Witterung porös und brüchig geworden sind; zwischen Förderbänder, die längst ausser Betrieb sind und in ausrangierte Fuhrparks langsam vor sich hinrostender Lagerfahrzeuge. So ist es auch kaum verwunderlich, dass Label wie Rush Hour, Field Recordings, Delsin oder Meanwhile zur Heimat seiner Platten geworden sind.

In diesem Jahr hat sich auch das Clone-Imperium die Dienste des niederländischen Produzenten gesichert und ein paar Tracks für seine Basement-Serie lizensiert. "State Of Mind" heisst die EP, und sie gibt Einblick in die beängstigend nachtdunkle Seite von Boris Bunnik, wie Conforce mit bürgerlichem Namen heisst.

Er wartet Harte, dreckige, unbarmherzige Drumpattern gehen Hand in Hand mit frenetischen Snare Claps, zischenden Hi-Hats und bedrohlich anschwellenden Synthesizer-Pads und tauchen einen in eine energetisch aufgeladene Atmosphäre ein:

Conforce - Spoiled @ Soundcloud

Conforce - Vulcan @ Soundcloud

"Spoiled" erscheint auf dieser 12" mit zwei unterschiedlichen Neuabmischungen. Ihr Urheber ist Kosta Athanassiadis alias XDB. Letztens erst hatte ich doch geschrieben, dass dieser Produzent derzeit einen Lauf hat. Diese Aussage bestätigt er durch seine Remixe auf dieser Platte, die beides muskulöse Kraftpakete sind. Killer!


English (short) version: organic raw techno infusion by dutch producer Conforce and XDB on remix services. Power workout without the sweat is for divas. Are you a diva?!


Mehr im Web:

Conforce @ MySpace
Conforce @ Soundcloud
Clone Recordings @ MySpace
Metrolux / XDB @ MySpace
Clone Basement Series @ Resident Advisor
Clone Recordings

FACT Mix 168 - Conforce (Jul '10) by CurleRec

June - Cytheria

Nach einem kurzen Abstecher in den House- und Dubstep-/Future Garage-common taste ist es an der Zeit, sich wieder in den Untergrund zurückzuziehen und sich auf Klangware etwas weniger bekannter Künstler zu konzentrieren.

Den Anfang macht mit "Cytheria" eine 12" auf Argys Label "These Days". Ihr Urheber entstammt dem überaus fruchtbaren musikalischen Nährboden im Westen Londons, der seit jeher interessante Musiker, DJs und Produzenten, hervorgebracht hat. Als lokaler Hub sei in diesem Zusammenhang auch das Label Honest Jon's genannt, in dessen Umfeld ja unheimlich viel passiert. Man könnte es auch als Warp Records des 21. Jahrhunderts bezeichnen, wohl wissend, dass man Honest Jon's mit dem Institutionscharakter von Warp Records nicht vergleichen kann. [Man sollte ja eigentlich gar keine Vergleiche ziehen.]

June, der Urheber von "Cytheria", ist ein bisher noch wenig erforschter Produzent, sein Werk daher kaum ausgeleuchtet. Im Mai letzten Jahres tauchte er ein erstes Mal mit einer - klassisch - handgestempelten und limitierten Platte auf und machte wenig später mit einem Beitrag auf Mathematics Recordings ein weiteres Mal auf sich aufmerksam. Jamal Moss' Plattform für elektronische (Club-)Musik ist jedoch nur bedingt ein guter Assoziationspunkt, um sich dem Sound von June auf dieser EP anzunähern. Gemeinsames Merkmal ist, dass die Tracks weder überproduziert noch klinisch rein gefiltert sind. Vielmehr kann und darf man düstere, naturtrübe und melancholische Sounds erwarten, die zwischen Chicago und Acid House, atmosphärischem Synth Pop und New Wave wandeln, ohne dabei einen neonbunten Retro-Pop-Charme für sich zu beanspruchen.


So ist denn auch bei "Cube Runner (Virtual Reality Mix)" der Grundrhythmus geprägt von einem klassischen Vierviertelschlag der House-Musik. Er pulsiert unaufhörlich und zeitfrei. Die Bassdrum brandet gleichförmig wie Meereswellen gegen den Körper und zieht einen überaus gefühlvoll, und nicht mit unwiderstehlicher Wucht, in den sanft sich kräuselnden Synth-Ozean. Man hat das Gefühl, dass umfassender Frieden und tiefe Freude sich augenblicklich einstellen. June beschreibt damit eine Ferne und Weite, in der man sich gerne verlieren möchte.


June - Cube Runner (Virtual Reality Mix)

Cube Runner (Virtual Reality Mix) by June


June - Cytheria

Cytheria by June


Die 12" wartet auch mit zwei Remixen auf. Sie liefert Terre Thaemlitz alias DJ Sprinkles. Raumgreifend ist das zutreffende Wort, um seinen "DJ Sprinkles Lost Dancefloor"-Mix zu beschreiben. Gebrochene Beats, Synthesizer-Flächen, reich an Klangfarben, dynamisch in ihrer Bewegung, bedeutungsschwere Vocal-Samples mit enigmatischem Charme, von einer Frau geschrien, ätherische Piano-Akkorde - wie in Trance erhebt man sich am Ende dieses Stückes.


June - Lost Area (DJ Sprinkles Lost Dancefloor Mix)

Lost Area (Dj Sprinkles' Lost Dancefoor) by June


English (short) version: dreamy and ethereal electronic club music grounded in classic chicago / acid house and new wave / synth pop by London based producer June. DJ Sprinkles on remixing duties serves deep atmospheric textures, warm synth tones and broken beats.


Mehr im Web:

June @ MySpace
June @ Soundcloud
June - Mnml Ssgs Special Mix
These Days Records @ MySpace

Fudge Fingas - Now About How

Der Schotte Gavin Sutherland hat mit "Gettin' Together", "Me & U" oder "Dins Dins 4 Dada", veröffentlicht auf Linkwood und Prime Numbers, Infusionen mit hochgradig konzentriertem Soul an die House-Musik angelegt. Noch im März soll mit "Now About How" sein Debüt-Album erscheinen, ebenfalls auf Prime Numbers. Neben jede Menge unveröffentlichten Tracks und Skizzen beinhaltet es auch "It's About Time" und "Me & U", die für mich zu den musikalisch schönsten Stücken im vergangenen Jahr zählen. Auf der Soundcloud des DJs und Produzenten aus Edinburgh lässt sich in das Album reinhören. Tipp!

Now About How by Fudge Fingas


English (short) version: take some time to pre-listen the debut album of Gavin Sutherland a.k.a. Fudge Fingas. It's a soulful ride through classically-rooted house music with jazz-tinged arrangements and raw funk rhythms. Don't miss!


Mehr im Web:

Fudge Fingas @ Facebook
Fudge Fingas @ MySpace
Fudge Fingas @ Soundcloud
Prime Numbers

Joy O - Wade in

Peter O'Grady, das ist Joy Orbison, hat geschafft, was viele andere Produzenten vor ihm bereits erreicht haben und nach ihm ebenfalls sehr viele erreichen werden: mit nur einer einzigen Platte Unsterblichkeit erlangen. Zutritt zum walhallischen Götterhain der Clubmusik-Produzenten verschaffte er sich 2009. "Hyph / Mngo" erschien mit dem Einherbsten jenes Jahres auf Hotflush Recordings, dem Label von Paul "Scuba" Rose. Eigentlich war es ja nur dieser Track, denn dem B-Seiten-Stück "Wet Look" blieb nur die undankbare zweite Podeststufe. So wurde über die Dramaturgie und den Spannungsaufbau auf "Hyph / Mngo" so viel geschrieben, dass ausreichend Material für wenigstens drei Magisterarbeiten vorliegt, wohingegen "Wet Look" - immer noch - als zu entdeckende B-Seite gilt.

Einen solchen Heavy Hitter zu landen, ist schon schwer. Diesen mit der Folge-Release zu toppen, scheint oftmals ausgeschlossen. Joy Orbison hingegen gelang es meines Erachtens sehr gut, mit "J. Doe / Brkln Clln" und "The Shrew Would Have Cushioned The Blow" das Euphorie-Level nicht abrutschen zu lassen. Dann war es - verhältnismässig - lange still um den britischen DJ und Produzenten. Irgendwann im letzten Jahr erschienen schliesslich zwei Tracks von ihm auf Doldrums, auf denen er sich dunkler, repetitiver, vertrackter und, ja, housiger zeigte - und einige seiner Scheuklappen-Fans vor den Kopf stiess. Nicht einfach für einen noch jungen Produzenten, der nicht auf der selben Stelle treten möchte, der sich persönlich entwickelt und dieses Wachstum auch in seine Produktionsweise, in seine Musik einfliessen lassen möchte.


Jetzt meldet sich Joy Orbison zurück auf Hotflush Recordings mit einem leicht abgeänderten Pseudonym, Joy O. Als Joy O. beschreitet er einen ganz anderen Weg auf Paul Rose's Label, der mit dem "alten" Joy Orbison gar nicht mehr viel gemein hat. Er setzt jedoch nahtlos an den beiden auf Doldrums erschienenen Tracks an. Die lang anhaltende, orgasmische Entladung und ein sanftes Weggleiten im Anschluss daran bleiben aus. Vielmehr befinden sich die beiden Stücke im beständigen Zustand der Plateauphase und brechen nach einem kurzen Euphorieschub fast schon abrupt ab, kaum dass sie den lange hinausgezögerten Höhepunkt erreicht haben.

Doch lassen wir beide Tracks erst einmal beginnen. Es fällt sofort auf, dass Joy O. weggekommen ist von den Zuckerwatte-süssen, honigklebrigen Vocal-Fragmenten, der (Neo-/Future-/Post-)Garage-Stimmung aus harten Rhythmen, zarten Flächen und eingängige, Euphorie und Depression zugleich auslösenden Harmoniebögen. "Wade In" besitzt einen starken Werkzeugcharakter. Auf diesem Stück zeigt sich Joy O. von einer schroffen, fast schon aggressiven Seite. Metallische Glockenschläge, dreckige, brachiale Bassdrum, kurze und hart angeschlagene, leicht dissonant klingende Akkorde, wirken aufkratzend, versetzen einen in Unruhe. Was man jedoch aus solchen "Tools" jedoch herausholen kann, zeigt Ramadanman / Pearson Sound - mit anderen Tracks - auf seiner Fabriclive-Compilation sehr eindrücklich.




"Jels" lässt Peter O'Grady mit einem Synthesizer-Auftakt beginnen. Damit täuscht er die Atmosphäre seines alten Materials so geschickt an, dass ihm wohl jeder auf den Leim geht. Doch Serotonin und Dopamin sind nicht umsonst ausgeschüttet. Gebraucht werden sie für die nachfolgenden Minuten. Denn Joy Orbison arbeitet aus der anfänglichen, glückgetränkten Stimmung ein wahrhaftes Rave-Monster heraus.





English (short) version: Peter O'Grady a.k.a. Joy Orbison is back on Hotflush Recordings with two raw and ravey tunes with metal midnight black soundscapes and arctic cold analogue drum patterns.


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Joy Orbison @ Facebook
Joy Orbison / Doldrum Records @ Twitter
Doldrums Records
Joy Orbison - DLDRMS001 Mix
Joy Orbison - BSRkR01 Mix
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Hotflush Records @ Soundcloud
Hotflush Recordings

Kerri Chandler - Ozone EP

O Kerri, mein Kerri! Unerschütterlich und keinem kurzfristigen Trend ergeben stehst Du auf der Weltbühne der House-Produzenten und hältst fest an der klassischen House-Konzeption!

Selbstredend neige ich ein wenig zur Heroisierung des DJs und Produzenten aus Newark / New Jersey. Doch wenn nicht bei Kerri Chandler, bei wem dann?! Unlängst erweckte er sein neues Label Madhouse Records zu neuem Leben. Nach einer Arnold Jarvis-Nummer erschien zu Jahresbeginn "Heaven", eine Koproduktion mit Christopher "Gate-Ah" McCray. Und nun also die Ozone EP. Sicher, die ihre Einschlagwirkung wird im Vergleich zu "Computer Games" und "Kong / Pong, beide auf Deeply Rooted House erschienen, und "The Thing For Linda 2010" geringer ausfallen.

Doch auch auf der Ozone EP finden sich rollende, Wirbel und Strudel bildende Basslines, die Trademark gewordenen Synth Stabs, metronomisch perfekt stampfende, dumpfe Kickdrums und "Laserschwert"-Effekte, insbesondere auf "From Day One". "13 To 41" ist dagegen sehr funky gehalten. Und bei "My Moody Life" hört man spätestens mit Einsatz des Piano-Instrumentals den East Orange-Einfluss so deutlich heraus, dass man glaubt, in Kerri Chandlers Studio zu sitzen und der lebenden House-Legende bei seinen Jam-Sessions beizuwohnen.


Kerri Chandler - Ozone EP by Madhouse Records


English (short) version: the word "legend" is kinda overused, but speaking of Kerri Chandler, it contains just the right amount of revenrence in tribute to this artist. This is why you should take some time to listen to his latest work, the Ozone EP. Signature raw basslines, synth stabs, kick drums and effects in a style that is due to his steadfast mind.


Mehr im Web:

Kerri Chandler @ MySpace
Kerri Chandler / Simply Cool Music
Kerri Chandler
Madhouse Records @ Facebook
Madhouse Records

Snuff Crew: Snuff Trax for Japan

Die letzten Tage beschlich mich im Zusammenhang mit Japan, der Natur- und sich anschliessenden Nuklearkatastrophe ein ungutes Gefühl. Bis heute ist es nicht gewichen. Kochten zu Beginn, aufgrund der für jedermann erkennbaren Umstände - Explosionen an den und in den Kraftwerken, Brände, Rauchwolken über den Reaktorgebäuden - und aufgrund der dadurch konkret greifbaren Gefahr eines atomaren Grossunfalls die Emotionen Land auf, Land ab, sehr hoch, wünschten sich auch gemässigte Befürworter der Kernkraft einen geregelten Ausstieg, lässt sich dieser Tage ein Rückfall in einen Zustand relativer Unbetroffenheit ausmachen. Der Super-GAU blieb ja aus, beziehungsweise wurde der Ist-Zustand nicht als ein solcher beschrieben.

Vielleicht sind die Atomkraftwerke in unseren Breitengraden tatsächlich sicherer. Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit einer Verkettung solch tragischer Unglücksfälle in Mitteleuropa um ein Vielfaches geringer. Aber dennoch frage ich mich aufgrund der nicht unbeträchtlichen Gefahrträchtigkeit der Atomkraftwerke folgendes: egal in welcher Branche, ob in der Autoindustrie, der Computer- oder Nahrungsmittelindustrie werden beständig Fertigungsstrassen ausgetauscht, Sicherheitsprotokolle überarbeitet und ausgetauscht, werden Produktion und Qualitätssicherung dem Stand der Technik angepasst. Nur der Energiesektor scheint Jahrzehnte hinterher zu hinken, wenn man sich einmal die Störanfälligkeit der Atommeiler und ihre Hintergründe vor Augen hält. Veraltete Technik, veraltete Sicherheitsvorkehrungen, u.s.w.

Gerade jetzt ist jedoch jeder Einzelne als TEil eines Gemeinwesens gefragt, Japan nicht zu vergessen und in seinem eigenen Land dafür zu sorgen, dass die Nachkommen so wenig wie möglich Altlasten von uns überschrieben bekommen. Es reicht ja schon der Fundus an merkwürdiger Musik und komischer Literatur. Dieser lässt sich einfach auf dem Dachboden verstauen. Mit verstrahlten, für ein Leben in Gesundheit unzumutbar verseuchten Landschaften kann man dies nicht tun. Nun ja...



In der vergangenen Woche hatte die Snuff Crew auf ihrem Blog die Veröffentlichung einer Compilation angekündigt, derein Einnahmen in Gänze an die Japanhilfe des Roten Kreuzes fliessen werden. Namhafte Produzenten haben einen Track zu dieser Compilation beigesteuert. Im Folgenden die Worte der Snuff Crew:


Finally, here it is! We are so proud and happy that the benefit compilation “Snuff Trax for Japan” finally is finished! Take a look at all the great artists who contributed to this compilation and the marvellous tracklist, we are sure, you will love it! And of course, you help the people of Japan, because we will donate 100% of the profit to the Red Cross. So – please! – buy it! Even if you usually prefer to get your mp3s from *cough* inofficial sources… this time it is really important to buy them and support our project. Thank you very very much in advance! Not only will we love you madly for the rest of our lives, but you will also get lots of carma – of course!

The compilation will come out on March, 23rd and will be available in mp3 stores. As soon as there is a player and a possibility to buy them directly, we will add it here of course.

Our loudest shouts go out to all the great artists and mastering engineers involved in this project – keep in mind: everybody worked completely for free on this project, we really have to praise you!

But now: enough words – here´s the tracklist!


Die vollständige Tracklist entnehmt bitte der Website der Snuff Crew.


Mehr im Web:

Snuff Crew
Snuff Crew @ Facebook
Snuff Crew @ Soundcloud
Snuff Crew @ Twitter


Snuff Crew: Snuff Trax For Japan @ Zero Inch

Snuff Crew: Snuff Trax For Japan @ Whatpeopleplay

Mixed up monday (57)

The White House Vinyl Room - Nixon started it. Obama inheritied it. http://musicfilter.tumblr.com/post/191469211/nixon-started-it-obama-inheritied-it-the-white
Heute, Montag, der 21. März 2011, ist Frühlingsanfang. Zu diesem Anlass sollte man etwas Besonderes schreiben; etwas, das den Leser berührt und bleibenden Bestand hat. Doch je länger ich darüber nachdenke, was ich mir zum Anliegen und Thema mache, desto bedeutungsleerer erscheinen mir die Worte. Daher lasst uns ganz schnell zur Musik wechseln.


Kick-off in den heutigen Abend macht in New York lebende Brennan Green. Die de:bug bezeichnet ihn als Disco-Eklektiker, die TAZ huldigt ihm in einem Portrait als musikalischem Freigeist und Vertreter des Beardo House. Vor nahezu vierzehn Tagen war er in Zürich und hat bei Dosci zusammen mit Lexx gespielt. Wer - wie ich - nicht dabei sein konnte, wird sich bestimmt über den folgenden Mix freuen: eine Aufzeichnung aus dem Londoner Club Bar A Bar:

Brennan Green - Toyama Set by BABradio


Eingefleischten und neuen Brennan Green-Fans sei an dieser Stelle auch sein Podcast auf XLR8R empfohlen.


Eklektisch - das Wort hat ob seines Vielgebrauchs jeglichen Gehalt verloren, steht aber alternativlos da, um unermesslichen musikalischen Stilreichtum, Vielseitigkeit und eine Offengeistigkeit, die für wenigstens drei Weekender-Festivals ausreichen würde, zusammenzufassen. Sollte man jedoch nicht überstrapazieren, diesen Begriff, da er je nach Ästhetik-/Kunstbegriff deutlich negativ konnotiert ist. Mit Sicherheit sehr ausgewählt und einen aufgeschlossenen Geist verlangend ist der folgende Mix, gefunden auf Plaid Music. Es ist ein Tribute Mix für Japan. Support:


Plaid Music: A Japanese Dream


Ein weiteres Mal hat Aera mich mit einem neuen Podcast verzaubert. Ausgewählte Sounds zwischen House, Techno, Dubtechno, Dubstep und so. Für das kleine Label Doumen Records. Big up!

Doumen Podcast 01 - AERA x DOUMEN by DOUMEN


Etwas kräftiger halten die DJs der folgenden Mixtapes die House- und Techno-Fahne hoch. Zum einen haben wir Dennis Kahnn. Er hat vergangene Woche für die Veranstaltungsreihe Instinct Raw in Paderborn einen Podcast zu Promo-Zwecken aufgenommen, mit dem ich mich 100% identifizieren kann. Recommended!

Kahnn exclusive for Instinct Raw by instinct.raw


Ebenfalls abheben kann ich zu dem neuesten Tape von KRL. Ebenfalls ein Promo-Tape für die Londoner Eventreihe Flux. Keep it slow ist auch hier das Motto:

Flux Guest Mix (March 2011) by KRL (Wolf Music)


Tief entspannt geht auch das Chicagoer Trio Damon Lamar, Specter und Chicagodeep das Auflegen an. Dieses Mal noch Sol Son mit an Bord. Fast acht Stunden insgesamt der Mitschnitt. Ein Oevre. "À la recherche du temps perdu". Mindestens!

Tetrode Sessions Damon Lamar,Specter,Chgodeep,Solson live 3-19-11 1 of 3 by chicagodeep


Tetrode Sessions - Damon Lamar, Specter, Chicagodeep, Sol Son - Part 2
Tetrode Sessions - Damon Lamar, Specter, Chicagodeep, Sol Son - Part 3


Frankfurt / Offenbach ist nicht nur Robert Johnson. Das vergessen Aussenstehende, Nicht-Insider wie ich gerne einmal. Man möge es mir Nachsehen. Umso mehr Aufmerksamkeit verdienen daher die folgenden beiden Mitschnitte. Sie stammen von der Clubnacht S T A Y, auf der regelmässig Max Vaahs, Benjamin Tritschler und Manuel Schatz an den Reglern stehen. Letzterer war ja vor langer, langer Zeit hier einmal als Guest Mixer am Start. Nahezu vor Jahr und Tag. Anyway. Letzten Freitag haben sich die S T A Y-Macher Vera und Jan Krueger eingeladen. Von Deep bis Dub, und stets 'nen trocken funkigen Grundton wahrend. Check:

Max Vaahs & Manuel Schatz:

Max Vaahs & Manuel Schatz @ STAY 18.3.2011 by Max Vaahs


Vera & Jan Krueger:

Jan Krueger + Vera b2b @ STAY, Frankfurt 18.03.11 by veragoesdeep


Top Mix auch wieder einmal von Moodytraxx, den wahrscheinlich jeder Liebhaber guter, ehrlicher House- und Techno-Musik von seinem Youtube-Kanal her kennt.

moodytraxx_d.d._märz_2011 by moodytraxx


Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf Hybrid Life und seine Podcast-Reihe. Nach DJs wie Keith Worthy, Maayan Nidam oder Deetron wurde der Ire John Daly mit der Aufgabe betraut, die nächste Folge abzumischen. Mit dem Download sollte man sich beeilen, hochgeladen ist der Mix auf einem nichtbesternten Soundcloud-Account:

HYBRIDLIFE PODCAST 14 - JOHN DALY by hlpodcast


Abschliessend noch der Hinweis auf den Essential Mix vom vergangenen Wochenende. Für ihn verantwortlich ist Dimitri From Paris. Insbesondere den Disco-Heads wird dabei das Wasser im Munde zusammenlaufen: BBC - Radio 1 - Essential Mix - Dimitri From Paris oder auf Soundcloud, einschliesslich Tracklist:

Dimitri From Paris - BBC Radio 1 Essential Mix - 19.03.2011 by djmixes


In höchstem Masse NERVIG sind jedoch die bescheuerten "Essential Mix"- und alle übrigen Jingles, die den Mix von der ersten bis zur letzten Minute durchziehen. Das trübt den Hörgenuss ungemein. Am Anfang oder Ende eines Podcasts ist diese Urheber-Kennzeichnung ja noch zu verstehen. Als DJ oder auch als Produzent eines Tracks würde ich es mir jedoch verbieten, dass mein Kunstwerk durch die inflationäre Verwendung solcher Jingles verunstaltet würde. Genug geschrieben. Ich mach' mich mal auf und davon ins Waldsee, Agent Schwiech is spinning some records!


English (short) version: today's the beginning of spring in the northern hemisphere. Therefore our mix selection is wonderfully relaxed, blessed with sun-drenched and friendly house, disco and techno chosen by Vera, Jan Krueger, Chicagodeep, Specter, Damon Lamar, Brennan Green, John Daly, and many others. Enjoy!!! [P.S. the "essential mix"-jingles that draw through the mix suck pricks!]