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Snuff Crew: Snuff Trax for Japan

Die letzten Tage beschlich mich im Zusammenhang mit Japan, der Natur- und sich anschliessenden Nuklearkatastrophe ein ungutes Gefühl. Bis heute ist es nicht gewichen. Kochten zu Beginn, aufgrund der für jedermann erkennbaren Umstände - Explosionen an den und in den Kraftwerken, Brände, Rauchwolken über den Reaktorgebäuden - und aufgrund der dadurch konkret greifbaren Gefahr eines atomaren Grossunfalls die Emotionen Land auf, Land ab, sehr hoch, wünschten sich auch gemässigte Befürworter der Kernkraft einen geregelten Ausstieg, lässt sich dieser Tage ein Rückfall in einen Zustand relativer Unbetroffenheit ausmachen. Der Super-GAU blieb ja aus, beziehungsweise wurde der Ist-Zustand nicht als ein solcher beschrieben.

Vielleicht sind die Atomkraftwerke in unseren Breitengraden tatsächlich sicherer. Vielleicht ist die Wahrscheinlichkeit einer Verkettung solch tragischer Unglücksfälle in Mitteleuropa um ein Vielfaches geringer. Aber dennoch frage ich mich aufgrund der nicht unbeträchtlichen Gefahrträchtigkeit der Atomkraftwerke folgendes: egal in welcher Branche, ob in der Autoindustrie, der Computer- oder Nahrungsmittelindustrie werden beständig Fertigungsstrassen ausgetauscht, Sicherheitsprotokolle überarbeitet und ausgetauscht, werden Produktion und Qualitätssicherung dem Stand der Technik angepasst. Nur der Energiesektor scheint Jahrzehnte hinterher zu hinken, wenn man sich einmal die Störanfälligkeit der Atommeiler und ihre Hintergründe vor Augen hält. Veraltete Technik, veraltete Sicherheitsvorkehrungen, u.s.w.

Gerade jetzt ist jedoch jeder Einzelne als TEil eines Gemeinwesens gefragt, Japan nicht zu vergessen und in seinem eigenen Land dafür zu sorgen, dass die Nachkommen so wenig wie möglich Altlasten von uns überschrieben bekommen. Es reicht ja schon der Fundus an merkwürdiger Musik und komischer Literatur. Dieser lässt sich einfach auf dem Dachboden verstauen. Mit verstrahlten, für ein Leben in Gesundheit unzumutbar verseuchten Landschaften kann man dies nicht tun. Nun ja...



In der vergangenen Woche hatte die Snuff Crew auf ihrem Blog die Veröffentlichung einer Compilation angekündigt, derein Einnahmen in Gänze an die Japanhilfe des Roten Kreuzes fliessen werden. Namhafte Produzenten haben einen Track zu dieser Compilation beigesteuert. Im Folgenden die Worte der Snuff Crew:


Finally, here it is! We are so proud and happy that the benefit compilation “Snuff Trax for Japan” finally is finished! Take a look at all the great artists who contributed to this compilation and the marvellous tracklist, we are sure, you will love it! And of course, you help the people of Japan, because we will donate 100% of the profit to the Red Cross. So – please! – buy it! Even if you usually prefer to get your mp3s from *cough* inofficial sources… this time it is really important to buy them and support our project. Thank you very very much in advance! Not only will we love you madly for the rest of our lives, but you will also get lots of carma – of course!

The compilation will come out on March, 23rd and will be available in mp3 stores. As soon as there is a player and a possibility to buy them directly, we will add it here of course.

Our loudest shouts go out to all the great artists and mastering engineers involved in this project – keep in mind: everybody worked completely for free on this project, we really have to praise you!

But now: enough words – here´s the tracklist!


Die vollständige Tracklist entnehmt bitte der Website der Snuff Crew.


Mehr im Web:

Snuff Crew
Snuff Crew @ Facebook
Snuff Crew @ Soundcloud
Snuff Crew @ Twitter


Snuff Crew: Snuff Trax For Japan @ Zero Inch

Snuff Crew: Snuff Trax For Japan @ Whatpeopleplay

Snuff Crew: Benefit Compilation for Japan

Die Snuff Crew hat uns in den letzten Jahren krachend stampfende Beats gepaart mit energetischen Snare-/Clap-Stakkati und stürmisch-schrillen Synth-Riffs geschenkt und damit eine Musik zwischen Chicago-House und Acid-Sounds weiter vorangetrieben. Gestern veröffentlichte das Produzenten-Duo auf seinem Blog einen Beitrag, in dem es sich mit den Tag für Tag weiter zunehmenden Schreckensnachrichten aus Japan kurz befasste mit der Ankündigung, schon sehr bald eine Compilation zu veröffentlichen und die Einnahmen daraus an die Japanhilfe des Deutschen Roten Kreuzes zu spenden. Die Compilation wird mit Tracks von u.a. KiNK, Neville Watson, Marcello Napoletano, Roberto Rodriguez und der Snuff Crew selbst erscheinen. Eine förderungs- und unterstützenswerte Aktion! Anbei die Worte der Snuff Crew in englischer Sprache:


We are all shocked and sad about what happened and what is still happening in Japan. Our thoughts and prayers are with all people who live there. As Snuff Crew and Snuff Trax we now want to help. So we start the „Snuff Trax For Japan“ compilation that will come out as digital release. All receipts will go to the donation account of Deutsches Rotes Kreuz (German Red Cross). Besides Snuff Crew the compilation includes tracks by a lot of great artists from the international electronic music scene. KiNK, Neville Watson, Patrick Pulsinger, Hard Ton, Elec Pt.1, The Model, Andy Blake, Luke Solomon, Dance Disorder, Photonz, Marcello Napoletano, Remute, Morning Factory, DJ M-Traxxx, Billie Ray Martin, Ascii.Disko, Romina Cohn, Discodromo, Roberto Rodriguez and many more joined this charity project.

We will keep you posted about this project very soon!


Mehr im Web:

Snuff Crew: Benefit Compilation for Japan
Snuff Crew
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Snuff Crew @ Twitter

Various Artists - Deep Raw And Real Part 4

Der zweite Teil der Quintessentials-Jubiläumsausgabe. Hierauf gehen Tracks von Toby Tobias, Marcello Napoletano, Ricardo Miranda und No Milk.

Toby Tobias, der Space Shuffler, setzt mit einem wie gewohnt discoiden Arrangement einen Akzent. Für seinen Track, "Rush Hour", verquirlt er Tiefbass mit hochpräzisen, sauberen Snare Claps, streut Glöckchensounds darüber und vermengt diese Mischung mit einem klein gehäckselten Streicher-Instrumental und feingewogenen Vocals. Gefiltert, gesamplet, Erinnerungen an die Cut up-Technik weckend, und alles eingepflegt in ein solides Fundament aus 4/4-Beats.

Hinter No Milk verbirgt sich der japanische Produzent Yusuke Uchiyama. Anfang / Mitte der Nuller-Jahre hat er unter seinem laktosefreien Künstlernamen ein paar Platten veröffentlicht, beispielsweise auf seinem eigenen Label Rhapsody. [War mir bis dato jedoch nicht bekannt]. Er geht sehr funky zu Werke, verarbeitet zudem Piano- und Trompetenklänge, und durch die Fassade einer gewollt brüchig erscheinenden Beat-Architektur schimmern seine grossen Vorbilder. Sie zu nennen wäre jedoch blosse Spekulation und uninteressantes Name Dropping.

Auch Marcello Napoletano nimmt sich in "All My Things" den rhythmischen Begleitfiguren eines Pianos an. Seine Bassdrums sind nach wie vor dynamisch und hochexplosiv, die Shuffle Hi Hat Patterns sind immer noch sehr jazzy, doch dürfte er gerne wieder einmal ein paar Schippen Sleaze auf seine Tracks aufladen.

Ricardo Miranda, Produzent aus Chicago und mit "Black Acid" einer der Hour House Is Your Rush-Hitschmiede, serviert ein modernes Stück Querflöten-/Rhodes Orgel-/Soulful-House. Zubereitet ist es allerdings ohne diesen Neunzigerjahre-Schmelzkäse, der so manch einen aus dieser Zeit stammenden Track überzieht. "Rush Hour" ist sehr low-key gehalten. Tiefsinn und dunkle Klangfarben überwiegen. In einem Wort: K.I.L.L.E.R.!


English (short) version: the second part of Quintessentials release anniversary comes with tracks by Toby Tobias - a disco tinged smasher -, Marcello Napoletano, No Milk and Chicago based artist Ricardo Miranda who delivers a piece of flute and fender rhodes / organ powerhouse without the slouchy nineties cheese.


Mehr im Web:

Toby Tobias @ MySpace
Toby Tobias @ Soundcloud
Marcello Napoletano @ MySpace
Marcello Napoletano @ Soudcloud
No Milk @ discogs
Ricardo Miranda @ MySpace

Jitterbug - Dreamreader

Eine kurze Vorschau auf das, was sich auf Millions of Moments in den kommenden Wochen und Monaten tun wird. Das Label hat von Beginn seines Bestehens an mit Musik aus dubbigen Tiefen überzeugt, ob nun schwebend-klare, transparente Melodien wie bei Japanese Synchro System im Mittelpunkt standen, fordernde, zupackende Rhythmen bei Ribn den Ton angaben, ob die rohen, analogen House-Skizzen eines Lerosa Vordergrund standen oder die von viel Soul durchzogenen Tracks eines Aaron-Carl einer neuen Zielgruppe zugeführt wurden.

Für 2011 haben sich die Labelbetreiber (und zum erweiterten Umfeld zugehörigen Produzenten) einiges vorgenommen. Es stehen Veröffentlichungen an von - schon sehr bald - Jitterbug (MOM 022), Marcello Napoletano (MOM 023) und dem zur Delsin-Familie gehörenden John Harvey alias D5. Jitterbugs Tracks zeichnen sich dabei aus durch rotzig schroffe Beats und fiebrigheisse Bassherzen. Kein kitschiger Effekt, keine süsslichen Melodieflächen stören. Und die erklärenden, beschwörenden Preacherman-Vocals stossen ebenfalls nicht negativ auf. Ich werde zu gegebener Zeit noch etwas ausführlicher darauf eingehen. Doch eines steht fest: man darf sich freuen!

Preview 2011 -Jitterbug - Dreamreader - MOM 022 by millions-of-moments



English (short) version: watch out, folks, Jitterbug comes. After two releases on Uzuri, you'll see him on Millions Of Moments where he lines up with artists like Lerosa, Bvdub or Ribn. His tracks are bass-poppin' analogue nuggets showcasing his ability to work the drum machines. Don't miss!


Jitterbug @ MySpace
Jitterbug - Podcast @ Little White Earbuds
Millions Of Moments @ MySpace
Millions Of Moments @ Soundcloud
Millions Of Moments

Mixed up monday (48)

http://katflavoredtrash.tumblr.com/post/2649004001
Die Vorfreude auf den heutigen Montagabend könnte kaum grösser sein. Agent Schwiech und Kowski zusammen an den Decks bei tageins - das ist wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag, nur viel schöner!


Musikalisch gestartet in den Abend wird zunächst mit der allerneuesten Ausgabe des Souldiction-Podcasts. Worth to check! Die Tracklist ist übrigens auf dem Blog einsehbar.

Souldiction37 by souldiction


Daran im Anschluss gibt's den neuesten Mix aus den stilsicheren Händen von Alexander Kastner alias Paskal, der mit Tracks von Toby Tobias, Wahoo und Westpark Unit mächtig Atmosphäre aufbaut und einen ganz sachte in den Abend hineinträgt:

Deeply Sunday Mix 12 by Paskal !


Tiefe Seelenruhe und damit ein perfektes Warm-up-Moment für den heutigen Montagabend schenkt auch der Schweizer Gravina. Wer sich erinnert, er war im Juli Guest Mixer für dieses Blog. Man stimme sich entweder bei 122 bpm auf "Sunday Morning" oder mit kaum schnelleren 123 bpm auf The Living Key ein. Worth to check!


Gerne gehört, ob als Produzent oder ob als DJ, ist auch Sven Weisemann. Sein neuester Mix, "The Resurrxion" ist keine Woche alt und absolut empfehlenswert: Sven Weisemann - The Resurrxion - Mix @ Soundcloud. Wie gewohnt, schreitet er sehr laidback voran. Schön!


Neues auch von Timnah Sommerfeldt. Die Baslerin hat ihren zweiten musikalischen Liebesbrief veröffentlicht. Sie begeistert mit einer feinfühlig ausgesuchten Mischung aus alten und neuen Tracks, die sie gefühlvoll in Mixform giesst. Die Stimmung des Liebesbriefs kommt an!

love letters ll by timnah sommerfeldt


Vor einem knappen Jahr war er auf diesem Blog mit einem Guest Mix-Feature zu Gast. Die Rede ist von Marcello Napoletano, der mich seit seiner A Prescription Of Love EP ein ums andere Mal mit seinen zellkraftstarken Muskeltracks zu begeistern wusste. So auch sein Mix:

Marcello napoletano - some vinyls by marcello napoletano


Eric Dulan alias DJ Bone muss man eigentlich auch nicht gross vorstellen. Subject Detroit und so. Auf diesem Label veröffentlichte vor allem er selbst seine TechnoSoul-Skizzen, aber auch Produzenten wie Aaron-Carl oder Niko Marks. Und Juan Atkins hatte auch einen Auftritt auf dieser Plattform. Anyway. Sein Mix ist ganz schön punchy. We love!

DJ Bone: A Mix For Ahnne by subjectdetroit


Musikalisch zwischen House und Techno bewegt sich auch Koljah, der zu Jahresbeginn einen hochspannenden Mix veröffentlicht hat. Der Berliner DJ und Produzent wird ja sehr gerne - und zu Recht - mit dem Label Vidab Records in Verbindung gebracht. Daneben hat er jedoch auch auf Label wie Sushitech oder Innervisions Tracks veröffentlicht. Auf letzterem Label war es ein in Zusammenarbeit mit Stephan Hill entstandener Beitrag für die Secret Weapons-Reihe. Check!

Podcast-01-2011 by Koljah


Schon etwas älter, dennoch gut anzuhören ist ein DJ-Mix von Osunlade. Osunlade - Berlin's Calling - Mix @ Soundcloud.


Die Rundschau schliesst mit einem Mix von Craig Bratley, der bereits mit Tracks auf - unter anderem - Instruments Of Rapture geglänzt hat. SloMoDiscoDeepHouse!

Craig Bratley-Laser Nation Podcast #1 by craig bratley


Und noch zum Schluss: Gerd Janson in the mix for Red Bull Music Academy Radio (Live At Yoga Bala Pt.1):



und Teil 2: Gerd Janson live at RBMA (Live At Yoga Bala Pt.2)


Wünsche dürften heute wohl keine offen bleiben!


English (short) version:

It gonna be an excellent monday evening as two of my most famous local djs, Agent Schwiech and Kowski, will spank my (and other's) bottom raw with their selection of powerful, stimulating and aphrodisiac house tunes at tonight's edition of tageins. In order to be prepared for this, a proper warm-up should be done before. Therefore, you'll find mixes from the ardently loved Gerd Janson, Timnah Sommerfeldt, Sven Weisemann, Paskal, Marcello Napoletano alongside Switzerland's well kept secret Gravina and Craig Bratley from U.K. Enjoy!

Common Cause Podcast

Blogs, Podcast-Reihen, Radioshows, Live-Mitschnitte - spätestens seit Soundcloud, Mixcloud & Co. ist das Netz voll von Musik. Diese Sachverhaltstatsache einmal kritisch betrachtend, kann und darf man durchaus von überladen sprechen - wobei ich als unmittelbar daran Mitbeteiligter dazu, zum Kritik erheben, nur bedingt befugt bin.

Grosse, namhafte Podcast-Reihen erfreuen sich eines ungeheueren Zulaufs. Ein Konzentrationseffekt stellt sich ein, der im Wesentlichen darin besteht, dass (viele) andere kaum beziehungsweise gar nicht mehr an namentlich bekanntere Künstler herankommen, weil diese nur noch darauf warten, von X oder Y angefragt zu werden - und noch zu entdeckende DJs und Produzenten - oder lediglich Musikliebhaber - kaum eine Plattform mehr erhalten, da jeder Blog- beziehungsweise Webseitenbetreiber Angst hat, mit ihnen keinen Traffic mehr auf seine Seite zu locken. So läuft das halt, in der Netzwelt. Anyway.

Eine Podcast-Reihe, die mir seit langer Zeit ans Herz gewachsen ist, wird regelmässig aus der Freien und Hansestadt Hamburg gesendet. Sie firmiert unter dem Namen "Common Cause", ins Leben gerufen hat sie Simon Strotmann, der selbst auflegt und auch schon die eine oder andere Clubnacht veranstaltet und bespielt hat. Einst Radioshow auf byte.fm, nun über das Blog selbst sowie Soundcloud anspiel- / anhörbar. Musikalisch ist "Common Cause" breit gefächert, von Disco über House bis hin zu Techno. Entsprechend divers ist das Spektrum der DJs, die hierfür bereits an den Plattentellern standen. Ray Mang, Paulo Olarte, Motor City Drum Ensemble, Christopher Rau, Marcello Napoletano, Anton Zap und zuletzt Eddie C. Vorbeischauen lohnt sich auf jeden Fall!


English (short) version: just a short note to highlight a podcast series that I highly appreciate. "Common Cause", straight outta Hamburg, organized and hosted by Simon Strotmann.


Mehr im Web:

Common Cause @ MySpace
Common Cause @ Facebook
Common Cause @ Soundcloud
Common Cause

Cc #33 (by eddie c) by simon strotmann

Music From Mathematics

Jamal Moss alias Hieroglyphic Being alias Iamthatiam alias The Sun God zündet Stufe um Stufe auf seinem Label Mathematics Recordings in diesem Sommer, so dass man sich zu Recht die Frage stellen darf, woraus der geheimnisvolle Produzent aus Chicago seine Kraft, Kreativität und Umsichtigkeit schöpft, dass er wieder und wieder eine Schippe drauflegen kann. Brennstoff genug für sein heiss loderndes und hell strahlendes Produzenten- als auch A & R-Herz scheint er von einer nie versiegenden Quelle zu beziehen. Ich bin geneigt zu schreiben, dies rührt von einer das eigene Innere durchdringenden, beständigen und gottähnlichen Liebe zur Musik.

Nicht immer ist die Annäherung an seine eigenen EPs sowie an den Sound der Produzenten, die er auf seinem Label Mathematics Recordings veröffentlicht, eine leichte, um nicht zu schreiben: oft, besonders bei seinem Frühwerk, habe ich grösste Schwierigkeiten, und erst über einen vergleichsweise langen Zeitraum hinweg gelingt es mir, die einzelnen Tracks zu entschlüsseln, erschliessen sich mir ihre musikalischen Bilder, und erst allmählich setzt ein Verständnisprozess ein. Hieroglyphenhaft reduziert, geheimnissvoll und teilweise auch sehr abstrakt ist seine musikalische Handschrift, zeichnet dennoch bildreiche Klang- und Rhythmusmuster, und genau diese Komplexität findet sich auch wieder in den Tracks eines Steve Poindexter, Adonis, Basic Soul Unit oder zuletzt Marcello Napoletano.

Dieser wird im Release-Reigen des Sommers 2010 auf Mathematics Recordings mit einer neuen EP ("This Movement Must Be The Moment") vertreten sein ebenso wie Steve Poindexter, der einen weiteren noch nicht allzu bekannten italienischen Produzenten einführt, Alessandro Izzo ("Il Fragile"). Hatte man Marcello Napoletano zuletzt etwas Untertemperatur und ein leichtes Schwächeanzeichen in seinen EPs attestiert, belegt er mit den vier Tracks auf "This Movement Must Be The Moment" eindrücklich seine Qualität und Vielfalt in Sachen House mit einem kraftstrotzenden, muskulösen, aber dennoch agil und geschmeidigen Körper. Haut mich genauso weg wie damals die "A Prescription Of Love EP". Killer!

Auf dem beiden Music From Mathematics EPs führt Jamal Moss ein in das Schaffenswerk - für mich - gänzlich neuer Produzenten. Noleian Reusse ist hier vertreten, der bereits unter dem Pseudonym Africans With Mainframes auf Mathematics Recordings veröffentlicht hat sowie Soulomon oder Audio Atlas - alles Künstler, die bereits einen kleinen Beitrag für die eine oder andere labeleigene Compilation abgeliefert hatten, bis dato jedoch (noch) nie (oder erst ein einziges Mal) ein Vinyl Release verzeichnen konnten. Diese Jungs bewegen sich mit spielerischer Leichtigkeit zwischen Acid, Chicago, Detroit, House, Techno und experimenteller Elektronik und erzählen mit den Musikbausteinen dieser Genre ihre ganz eigenen Geschichten - kleine, im Ansatz bekannte Motive, wie metallisch schlagende Claps, schnarrende Synthies oder Kickdrums mit Wumms, setzen sie zu einer neuen Bildergeschichte zusammen. Für Jamal Moss und Mathematics Recordings ein wahrhaft fruchtreicher Sommer!


English (short) version: four, five releases on Jamal Moss' imprint Mathematics Recordings within a short release period unite well-known producers like Marcello Napoletano or Steve Poindexter with still underground artists like John Heckle, Audio Atlas or Soulomon. Acid, House and Techno are their structural building components, and they all deliver fascinating, multiphonic and polyrhythmic soundscapes. All killer!


Mehr im Web:

Jamal Moss a.k.a. Hieroglyphic Being @ MySpace
Music From Mathematics @ MySpace
Mathematics Recordings Blog
Mathematics Recordings @ Facebook
Marcello Napoletano @ MySpace
Steve Poindexter @ MySpace
Label Of The Months: Mathematics Recordings

Jazz Not Dead Festival @ Youtube

Zum sechsten Mal bereits fand in diesem Jahr das sich über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinwegstreckende Festival "Jazz Not Dead" in der norditalienischen Stadt Vicenza statt. Austragungsort hierfür war die Bar Sartea, die von Ende Januar 2010 bis Ende März 2010 jeweils Dienstag abends zum Treffpunkt für House- und Disco-Gourmets wurde. Gemeinsam mit dem italienischen DJ Dario Bedin alias Dax DJ standen namhafte Produzenten und DJs wie Tama Sumo & Prosumer, Scott Ferguson, Levon Vincent oder Daniel Wang an den Plattentellern. Ich war leider nicht dabei, doch die kurzen Interviews mit den auftretenden Künstlern laden zum Schwärmen, Träumen und Teilnehmer zum Nacherleben ein:







Und hier die Links zu den weiteren Videos:

Marcello Napoletano @ Jazz Not Dead 2010
Levon Vincent @ Jazz Not Dead 2010
Quarion @ Jazz Not Dead 2010
Ralf @ Jazz Not Dead 2010
Tama Sumo & Prosumer @ Jazz Not Dead 2010
Dor @ Jazz Not Dead 2010
Scott Ferguson @ Jazz Not Dead
Daniel Wang @ Jazz Not Dead 2010


English (short) version: "Raw House" was this year's theme of Vicenza / Italy based festival Jazz Not Dead, taking place at Bar Sartea in Vicenza. If you hadn't had the chance of attending at least one event, check out the small video snippets above.


Mehr im Web:

Bar Sartea
Bar Sartea @ MySpace
Family House Collective

Marcello Napoletano - Chicago Detroit New York

Sehr schwer fällt es mir, meinem Empfinden einen sprachlichen Ausdruck zu verleihen, aber zu den beiden vorangegangenen Releases auf Quintessentials, "Deep Raw And Real Pt. 1" und "Deep Raw And Real Pt. 2" liess sich ein emotionaler Beziehungsaufbau nur schwer gestalten. Die Tracks auf diesen beiden Platten sind durchweg solide produziert, daran besteht nicht der leiseste Zweifel. Dennoch fehlte mir etwas, das Unbeschreibbare, das bei mir tief im Inneren etwas wachzurufen im Stande war. Schade eigentlich, denn Quintessentials hat sich bis zur neunten Veröffentlichung (Langenthal EP von Jagged) doch zu einer Art Sammlerlabel entwickelt. Anders ist es mir beim Hören der elften 12", "Chicago Detroit New York" von Marcello Napoletano ergangen, die seit einigen Tagen erhältlich ist.

Der "junge Mann aus dem Salento" (Quelle: http://www.zukunft.cl/) nimmt auf ihr bereits im Titel Bezug auf das starke Gravitationsfeld dreier US-amerikanischer Städte, deren Name über die Jahre hinweg gleichbedeutend wurde für eine ganz bestimmte Ausrichtung und Entwicklung in der elektronischen (Club-)Musik. Der Rückbezug auf die Einflüsse dieser Städte, deren Bindung an die Gegenwart, bauen denn auch ein Spannungsfeld auf, in dem sich Marcello Napoletano zwangsläufig zu bewegen hat. Denn in meiner / unserer Vorstellung bauen sich zielbezogene Erwartungen auf, können wir alle doch Standards aus Chicago, Detroit oder New York in Sekundenschnelle abrufen. Unser Vorwissen wird aktiviert, und aufgrund dieses Erfahrungshintergrundes wird bereits vor dem ersten Hören ein ganz bestimmte Emotionspotential freigesetzt. Dies erschwert zusätzlich eine unvoreingenommene, jungfräuliche Herangehensweise an die vier Tracks.

Anyway. Marcello Napoletano glänzt auf "Make Me Free" mit tief rumpelnden Beats und einer dunkel wummernden Bassline - man mag sich beim Hören gerne in einen alten U-Bahnwagen der New York City Subway oder des Chicagoer "L-Trains" versetzt fühlen. Über diese Rhythmusstruktur läuft eine Rhodes-ähnliche Akkordfolge, die für ein wohliges Gefühl sorgt und das Stimmsample - überdrehte Diva-Art - kontrastiert.

Kleine blubbernde und sprudelnde Elemente sowie ein aufgeregtes Stimmengewirr, aufgenommen etwa in einem Wettbüro, auf einem Strassenmarkt oder - weil Referenz an die Stadt Chicago - an der Chicago Board Of Trade, entfalten sich bei "Street Fruit", dem zweiten Track, über einem geradlinigen Grundbeat, der rhythmisch im Midtempo gehalten ist.

Ein sanft wabernder Flächensound weht einem hingegen bei "What's Going On Detroit" entgegen, steht somit in Gegensatz zu den harten, dem Herzschlag gleich stampfenden Kickdrums und widerspiegeln den sanften Abendwind, der vom Eriesee aus durch die unbarmherzige Industriebrache der D-Stadt streicht. Voluminös ist auch der Sound (halb-)offener Hi Hats und Snare-Claps, hart und rauh die Tongebung der energischen Staccato-Accorde. Mein favorisierter Track auf der EP.

Bleibt noch "The Fall" mit seinem funkigen Gitarrenlick, und die EP ist perfekt. Bin schon gespannt, was er gemeinsam mit Fran-Mela als I.F.M. für die Drumpoet Community und im vorgerückten Jahr auf Laid Records abliefern wird (Letzteres Label blickt erst einmal einer Split-EP (Laid #006) sowie Material von Lowtec/Kassem Mosse (Laid #007) entgegen).


English (short) version: Well, there is no way around Marcello Napoletano, the young DJ and producer from Italy who blessed us with his stylistic diverse, raw and emotive tunes on Mathematics Recordings and Reincarnation. Now he's back on UK-based label Quintessentials with a four tracker called "Chicago Detroit New York". The title is - as you surely know - a play to the three style-defining cities of nowaday's electronic (club) music. Marcello Napoletano continues to deliver us with his uncompromising drum programming - thumping kick drums - , rumbling basslines, sizzling hi-hats contrasted by either diva-esque vocal snippets or warm synth lines or pads in the background of a tune. I like!


Mehr im Web:

Marcello Napoletano @ MySpace
Marcello Napoletano - Keep It Deep Guest Mix
Quintessentials @ MySpace

Marcello Napoletano - Keep It Deep Guest Mix

Mit seiner 12" "A Prescription Of Love", erschienen im Frühsommer des vergangenen Jahres 2009, hat er es vermocht, sich tief in mein Herz zu spielen. Nicht weniger eindrücklich und einprägsam auch sein erstes Künstleralbum "The Space Voodoo", das noch vor Jahresende erschienen ist. Am kommenden Samstag, den 06. Februar 2010, wird er an der Seite von Alex Dallas und Ron Shiller in der Zukunft in Zürich sein Talent auch an den Plattentellern unter Beweis stellen. Gemeint ist - ihr konntet es ja bereits in der Überschrift lesen - Marcello Napoletano. Wie gehabt, zunächst ein paar Fragen an den jungen Produzenten und DJ, und anschliessend kommt der Mix.


1. Dear Marcello, would you like to introduce yourself?

Hello, I'm Marcello Napoletano DJ and producer.


2. When did your initial music spark ignite?

I started making music in 1999, I had an electro-acoustic project, played guitar and tried to proces it with a computer. Then I became interested to synth and drum machines and to house music. Now I do what I do.


3. Your home base and center of your life is Salento, a region that we do not immediately associate with electronic clubmusic, particularly with regard to House. When and where did you make initial contact with the thing called House?

In fact, Salento isn't the home of electronic music or house, I did all without near influences but distant influences as detroit chicago and new york.


4. There was a golden age of House music in Italy in the very late 80ies and early 90ies. What do you think was the reason for such a fertile output?

I don't know man. I love those period of house music. In fact in my dj set I played exclusive mid 90 works. Can be New York garage and Chicago and Detroit house


5. If you had to choose three records out of this period that stand out, which one would you pick out and why?

- foot therapy e.p.
- lood - shout n'out
- moodymann - don't be misled!


6. Let's turn to the recent past: you vaulted to tops with your first release, "A Prescription Of Love" on Jamal Moss' label Mathematics recordings. Did you expect such a success?

What a success?


7. Your follow-up releases were, and still are, very well accepted. Where do you get your inspiration for your projects?

Go into the studio, switch on the machines and I let carry me by the my mood in those moments.


8. Who and what is your most important influence?

My influences are my preferite producers as Ron Trent // Chez-N-Trent, Kerri Chandler and Kenny Dixon Jr. My machines and my mood.


9. What are you currently working on?

I'm always on work , I'll do my thing until I feel it.


10. What are your future plans?

I don't know !wake up tomorrow morning?


Und hier geht's endlich zum Mix:

Marcello Napoletano - Keep It Deep Guest Mix by keep-it-deep


Mehr im Web:

Marcello Napoletano @ MySpace
Marcello Napoletano @ Soundcloud

Marcello Napoletano - I.F.M. Mix

Marcello Napoletano hat mit seiner "A Prescription Of Love" auf Mathematics Recordings einfach einen Traumstart hingelegt und lässt mit seinem derzeitigen Wahnsinnslauf so manchen Produzenten alt aussehen. Seine Releases führen zu Stürmen der Begeisterung, und dass er auch als DJ ein begnadetes Händchen hat, zeigt eindrücklich sein Mix für den Züricher Club Zukunft, den es hier zum anhören und herunterladen gibt: http://soundcloud.com/zukunft/marcello-napoletano-i-f-m-mix.

Marcello Napoletano - In Dreaming

Der Absatz des italienischen Stiefels, Il Salento, ist bekannt für trocken-heisse Sommer und milde Winter. Beste klimatische Bedingungen also für mediterrane Spitzenprodukte. So lassen denn Begriffe wie "Formaggio Canestrato", "Orecchiette Pugliese" oder "Capocollo Pugliese" das Wasser in meinem Mund zusammenlaufen, genauso wie die Namen einer Vielzahl unterschätzter Weine und Olivenöle.

In der Musik geht es mir derzeit nicht anders. Fast reflexartig löst der Name Marcello Napoletano bei mir eine aufrichtige Freude aus. Dieser noch verhältnismässig junge Produzent, der ebenfalls aus dem Süden Italiens stammt, kreiert musikalische Spitzenprodukte, die einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauchen. Mit "A Prescription Of Love", erschienen in diesem Frühjahr auf Jamal Moss' Label Mathematics Recordings (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/05/marcello-napoletano-prescription-of.html) legte er ein bemerkenswertes und überaus gefeiertes Debütwerk vor. Zurecht, denn dieser Viertracker hatte und hat nicht nur oberflächlich betrachtet einiges zu bieten. Stichwort Langlebigkeit.

Vor kurzem hat Marcello Napoletano auf dem niederländischen Label Reincarnation Records eine weitere 12" an den Start gebracht, "In Dreaming", und reiht sich dabei ein in den Kreis namhafter Produzenten wie Tokyo Black Star, Atjazz und die Attias-Brüder, die sich in den vergangenen Jahren ebenfalls in den Veröffentlichungskatalog von Reincarnation Records eingetragen haben.

Auf "Hey Listen" begegnet man gewaltig anschwellenden Synth-Chords, Hand Clap-Elementen, dem Vocal-Sample "Hey, Listen! Oh, Listen!" sowie einem tiefen, tonnenschweren Bass. "House Class" prescht im Unterschied dazu mit einem rhythmischen Bassostinato und einem nahezu durchlaufenden Keyboard-Riff nach vorne, zudem sich eine anfänglich erst verhalten im Hintergrund bleibende, nach dem Break jedoch stärker akzentuierte Perkussion gesellt. Das Spiel mit schweren Synth-Chords, harmonischen Bassläufen und wuchtigen Kickdrums führt Marcello Napoletano auch auf "In Dreaming" fort, wohingegen "Vibe" mit virtuos-furioser Perkussion aufwartet. Man ist geneigt, das Wort "tribal" mit diesem letzten Track der EP in Verbindung zu bringen, wenn er nicht durch eine nahezu inflationäre Anwendung auf alles, was nur ansatzweise Perkussionselemente beinhaltet, entleert und entfunktionalisiert worden wäre.

Zu "In Dreaming" passt auch die, ebenfalls dieser Tage veröffentlichte "Back In The Days EP" auf Uzuri Recordings, an der Marcello Napoletano gemeinsam mit Francesco Schito a.k.a. Fran Mela gearbeitet hat. Unter dem Pseudonym I.F.M., vielmehr ein Akronym aus Ilario, Francesco und Marcello, erweisen sie ihrem Freund und DJ Ilario Corsano die letzte Ehre. Worth to check, am besten unter: http://uzurirecordings.com/470/uzuri-009-ifm-back-in-the-days-ep/


Mehr im Web: