Er hat zwar schon auf Delsin Records veröffentlicht - und das schon einige Male -, fliegt aber immer noch kaum merklich unter dem Radar der Öffentlichkeit, der israelische DJ und Produzent Yoav B. Für die niederländische Kuratorplattform, die sich ganz der Pflege, Förderung und Verbreitung eines klassisch bis zeitgemässen Maschinensouls und Roboterfunks verschrieben hat, hat er mehrere EPs produziert hat, zuletzt Love Dubs im vergangenen Jahr.
Nun ist er in das feinmaschige A&R-Netz des belgischen Techno- und Elektronikalabels Meakusma geraten. Dieses wusste letztes Jahr mit einer Veröffentlichung von [sic!], einem Projekt von Jules Etienne, Alessandro Tartari und Massimilano Pagliara, sowie in den Jahren zuvor mit mehreren Split-EPs zu überzeugen. Diese 12", zu denen mehrere Künstler jeweils einen Beitrag geleistet haben, erschienen unter dem Oberbegriff "Rüts". Allerdings ist mir persönlich nur die Rüts 3/3 gegenwärtig, auf der Move D, Benjamin Brünn, Even Tuell, Vakula und Immer.Chic mit einem Track vertreten sind.
Dort, auf Meakusma, ist Yoav B sicher gut aufgehoben. Zum einen kann Belgien nämlich auf eine grosse Techno-Vergangenheit zurück- sowie auf eine nicht zu vernachlässigende Gegenwart blicken. Die Ressurectio von R & S Records sei in diesem Zusammenhang beispielhaft erwähnt. Zum anderen brodelt es im Untergrund-nicht-Untergrund gewaltig. Dafür ist das Label Meakusma wenigstens mitursächlich, dessen Betreiber auch über die reine Labelarbeit aktiv sind und in diesem Jahr wieder einen attraktiven Programmpunkt zum Musikmarathon Eupen beitragen werden (soweit ich weiss mit Shackleton (live), Upperground Orchestra (live), Ra.H, und vielen anderen mehr; mehr Infos unter Meakusma).
So vielseitig das Programm, bunt schillernd und nur wenig greifbar auch die Musik, die auf Meakusma veröffentlichenden Künstler. Man kann den "Labelsound" nur schwer herunterbrechen auf eine einfache, gewissermassen lineare Gleichung mit nur einer Unbekannten. Selbst wenn man sich bemüht, die darauf veröffentlichte Musik analytisch aufzudröseln, wird man mit jeder Äquivalenzumformung auf weitere Unbekannte stossen. Das macht die Musik jedoch sehr spannend, denn sie spielt sich auch nach mehrmaligem Hören nicht leer. So positioniert sich die Wisdom Traxx EP von DJ Yoav B auf der einen Seite deutlich im Detroit Techno. Brachiale, dreckig-treibende Bässe und Beats vermischen sich mit verspielt psychedelischen Synthesizern. Die Kickdrums stampfen ungelenk, robotisch, und aus Synthesizern und Effekten lässt er frühlingshaft bunte Klangblumen erblühen. Kein Sound für Perlenohrring-Trägerinnen und Barbour-Jacken-Träger.
English (short) version: DJ Yoav B with a sophisticated approach to electronic dance music. Detroit classical period meets Israel's spirit and warmth. Music for people with a sound techno basis and a wide horizon.
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A Made Up Sound - Rear Window
Delsin Records. In absehbarer Zeit wird man das niederländische Techno-Imperium zu seinem 100. Release beglückwünschen dürfen. Bei derzeitigem Erreichen der Katalognummer 83 mag "absehbar" vielleicht ein wenig übertrieben, zu weit vorweggegriffen auf ein noch bevorstehendes Ereignis klingen. Doch die Zeit zerrinnt wie Sand zwischen den Fingern, und ehe man sich des Vergehensprozesses bewusst geworden ist, hat man das Zeitintervall durchschritten. 100er-Feiern stehen in den kommenden Monaten einige an. Dessous, Morris Audio und noch zwei, drei andere Label, deren Name mir gerade leider nicht gegenwärtig ist, werden in unmittelbarer Zukunft dreistellige Katalognummern auf die Platten pressen. Anyway. Dies wird mit Sicherheit gefeiert. Mit Sonderausgaben, Rückschauen, Neuauflagen und Compilations. "Gross einen raushauen" braucht das 1996 / 1997 von Peel Seamus gegründete Label Delsin Records jedoch nicht in Anbetracht seines Jubiläums. Das nämlich haben der Labelgründer selbst sowie die Vielzahl Künstler, die im Verlauf der letzten eineinhalb Jahrzehnte auf dieser Plattform einzelne Tracks, 12" und Alben veröffentlichten, mit jedem einzelnen Musikwerk, das im Hause Delsin das Licht der Welt erblickte. Aardvarck, Newworldaquarium, Future Beat Alliance, tragende, altgediente Säulen, Quince, Delta Funktionen und an vorderster Front Redshape in jüngster Zeit. Und es geht weiter. Rabih Beaini alias Ra.H a.k.a Morphosis wird auf Delsin demnächst in Albumgrösse debütieren. Vielleicht lehne ich mich nun ein wenig zu weit aus dem Fenster, setze mich damit argumentativem Gegenwind aus, aber: Delsin-Platten kann man auch ungehört kaufen.
Das gilt meines Erachtens auch für die Musik, welche ein Dave Huismans alias 2562 alias A Made Up Sound produziert. 2006 / 2007 sah man ihn sein Debüt feiern auf Philpot mit Sunday / Late Drive" und "Channel Two" auf Tectonic. Letzteres ein eindrucksvoller Ritt auf Wobbelwellen und durch kaleidoskopisch kleinteilige Soundwolken. Doch ich bin ehrlich: sein Material, das er unter A Made Up Sound veröffentlicht, spricht mich ein klein wenig mehr an.
Nach zwei 12" in diesem Jahr für sein eigenes Imprint, baut er auf "Rear Window" für Delsin ein weiteres Mal eine unheimliche Schlagkraft auf. Dafür verantwortlich eine brachiale Bassdrum. Sie ist Fundament, Stütz- und Eckpfeiler zugleich. Mauer und Fassade des Tracks baut Dave Huismans aus Stilelementen auf, die auch im Dubstep ihre Daseinsberechtigung hätten. Er akzentuiert "Rear Window" mit rhythmisch versetzten Synthie-Elementen, einem spannungsgeladenen Wechsel zwischen zischende Hi-Hats, wabernden und zirpenden Effekten. "Rear Window" rumpelt und poltert wie eine altgediente Antriebswelle, faucht wie eine in die Jahre gekommene, schweratmige Dampfmaschine der Watt-Ära. Diesen bedrohlichen Track liefert er in einer zweiten Version ab. "Shattered" nennt sich diese. Zerschmettert und Zerschlagen. Geborsten. Brüchige Rhythmen warten auf einen. Damit ist eigentlich alles gesagt. Denn für diese Version hat Dave Huismans seine Techno-Maske ausgezogen und serviert musikalische Urgewalt.
English (short) version: dirty industrial techno sounds is what you get on the latest Delsin 12". The artist behind? Dave Huismans under his A Made Up Sound Moniker. 'Nuff said!
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RA203 - 2562 (19 April 2010) by Surefire
Das gilt meines Erachtens auch für die Musik, welche ein Dave Huismans alias 2562 alias A Made Up Sound produziert. 2006 / 2007 sah man ihn sein Debüt feiern auf Philpot mit Sunday / Late Drive" und "Channel Two" auf Tectonic. Letzteres ein eindrucksvoller Ritt auf Wobbelwellen und durch kaleidoskopisch kleinteilige Soundwolken. Doch ich bin ehrlich: sein Material, das er unter A Made Up Sound veröffentlicht, spricht mich ein klein wenig mehr an.
Nach zwei 12" in diesem Jahr für sein eigenes Imprint, baut er auf "Rear Window" für Delsin ein weiteres Mal eine unheimliche Schlagkraft auf. Dafür verantwortlich eine brachiale Bassdrum. Sie ist Fundament, Stütz- und Eckpfeiler zugleich. Mauer und Fassade des Tracks baut Dave Huismans aus Stilelementen auf, die auch im Dubstep ihre Daseinsberechtigung hätten. Er akzentuiert "Rear Window" mit rhythmisch versetzten Synthie-Elementen, einem spannungsgeladenen Wechsel zwischen zischende Hi-Hats, wabernden und zirpenden Effekten. "Rear Window" rumpelt und poltert wie eine altgediente Antriebswelle, faucht wie eine in die Jahre gekommene, schweratmige Dampfmaschine der Watt-Ära. Diesen bedrohlichen Track liefert er in einer zweiten Version ab. "Shattered" nennt sich diese. Zerschmettert und Zerschlagen. Geborsten. Brüchige Rhythmen warten auf einen. Damit ist eigentlich alles gesagt. Denn für diese Version hat Dave Huismans seine Techno-Maske ausgezogen und serviert musikalische Urgewalt.
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RA203 - 2562 (19 April 2010) by Surefire
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