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Lost Tracks (6)

http://theniftyfifties.tumblr.com/post/3528160188/vintage-1950s-records-vinyl-shopping-teenagers-music-ret
Eine weitere Ausgabe von Lost Tracks steht an. Vier neue Tracks / EP's, ein Klassiker aus einer gar nicht allzu fernen Vergangenheit. Überfliegt man die Eckdaten Produzent, Plattentitel, Label, wird man feststellen, dass alle vier Stücke weder verloren gegangen noch unentdeckt geblieben sind. Nur mit dem letzten Track wird ein inzwischen weitgehend unbekanntes Fundstück serviert.



1. Studnitzky - Hauke (Remixes) - Best Works Recordings.

Jazz is the teacher. Das wussten unter anderem auch Moritz von Oswald, Thomas Fehlmann und Juan Atkins. Ebenso unter seine Fittiche genommen hat dieser geheimnisvolle, kaum greifbare Lehrmeister den in Berlin lebenden Musiker Sebastian Studnitzky. Der Jazz-Trompeter und Jazz-Pianist spielt(e) bereits an der Seite von Nils Landgren oder Rebekka Bakken, begleitete sie auf Touren und Festivals, ist Instrumentalist der Live-Band von Jazzanova, und zudem mit eigenen Kompositionen auf Tour (Studnitzky Trio).

Zum Jahresausklang erschien auf Best Works Recordings eine EP von Studnitzky unter dem Titel "Hauke". Sie beinhaltet neben dem Original - ein Stück Straight-Ahead-Jazz mit geradlinigem Rhythmus, bei dem ein Schlag jedoch leicht hinkt - drei Remixe. Zum einen steuert der Ukrainer Vakula eine Neuabmischung bei. Er orientiert sich dabei am Grundmetrum des Originals, bemüht sich, den freigeistigen Charakter des Ausgangsmaterials weitgehend unverändert mit seinem Verständnis elektronischer (Club-)Musik in Einklang zu bringen. Martin Iveson alias Atjazz und Daniel Ramm a.k.a. Subfossil geht die Sache dagegen etwas direkter an, lassen Jazz und Club eine kongeniale Verbindung eingehen.



BWR009 - Studnitzky "Hauke EP" by bestworks



2. Joel Alter - Silence Is Golden - Bass Culture.

Joel Alter ist ein weiterer Produzent aus Schweden, der sich über die letzten beiden Jahre eine starke Fanbase erarbeitet hat. Unter dem Alias Jor-El noch auf DJ Hells International Deejay Gigolo Records unterwegs, setzte er zum Höhenflug mit der Liaison zum Label Room With A View ein. Mit "Silence Is Golden" hat er einen Gastauftritt bei Bass Culture Records, dem Label des Franzosen D'Julz. Ein musikalischer Crescendo-Lauf!





3. Italo Johnson - Italo Johnson 03.

Roh belassen, schnörkellos, energiegeladen. So präsentiert sich Italo Johnson in seiner dritten 12". Auch hier betont der anonyme Produzent wiederum die technische, funktionale Seite der Clubmusik. Befreit von Pomp und Schwulst, lässt er die Hörer dem analogen Herz der Tracks beim Schlagen zuschauen. So wie's scheint, derzeit jedoch "out of stock". Mehr Infos unter Italo Johnson - Release 03.



4. Skudge - Phantom - Skudge004.

Weitere Platte aus Schweden. Skudge, die Vierte. Das Duo dringt mit seinen glühend heissen Tracks ins Herz und bringt mit seinen Veröffentlichungen die Seele des Techno zum Strahlen. Am Freitag, den 08. April 2011 im Rahmen einer Motoguzzi-Clubnacht in der Zukunft.




5. Klassiker: Mike Grant - Late Night - Modds & Grooves.

Mike Grant. Detroiter House- und Techno-Produzent, stilistisch nicht festlegbar auf eines der Genre. Er kann mit einer gehörigen Portion Soul auftreten, beherrscht die hypnotisch-melancholischen Klangsprachen und kann aber genauso gut auf's Bassdrum-Pedal treten, zum Beispiel in seinem Remix für "Nature Of The Beast" von Black Noise (= Damon Lamar, Therapy, Mike Grant). Mike Grant ist auch Gründer und Betreiber mehrerer Label, darunter Moods & Grooves. Hierauf veröffentlichte er auch "Late Night". Hierauf findet man Synthesizerflächen, deren Wärmestrahlung der Körper sofort aufnimmt. Man begegnet einfachen Drum-Arrangements, die unmittelbar Oberhand gewinnen über das Steuerungszentrum körperlicher Bewegungen. Und da ist dann noch der zarte Glockenklang des Vibraphons, der die sehnsuchtsvolle Stimmung der gesprochenen Vocals, das "Don't make me wait", unterstreicht. Gross!

Lost Tracks (5)

http://elvisaronpresley.tumblr.com/post/2863801298
Kurzerhand habe ich mich entschlossen, die im Dezember 2010 begonnene Reihe "Lost Tracks" fortzuführen. Das allerverborgenste und seltenste Material wird's nicht sein, einfach Songs und Tracks, die mir im Verlauf eines Monats besonders Nahe gegangen sind, mich zutiefst berührt und bewegt haben. We'll see.

1. Rndm - Hideaway Lane - Laid.

Oliver Kargl a.k.a. Rndm - muss der noch kurz vorgestellt werden? Ich denke nicht. Mit Laid Records und der MutterDial Records hat er zwei Plattformen gefunden, über die er seine rohen, ungeschliffenen, dennoch unbeschwert leicht wirkenden Tracks sehr publikumswirksam veröffentlichen kann. "Hideaway" ist einer dieser Tracks, in dem man traumwandlerisch versinken kann.. Dope!




2. AFMB - Backup Days - Drumpoet Community.

AFMB - dahinter verbirgt sich ein Produzent, der in den Neunziger Jahren wesentlich dazu beigetragen hat, das die BRD in Sachen Trip Hop / Downbeat / Latin-beeinflusster Elektronika einen Eintrag im Musikatlas erhalten hat. Die Rede ist von Bernd Kunz, sein Projekt hiess A Forest Mighty Black. Still war es um ihn geworden, der schon lange Freiburg gegen Zürich eingetauscht hat. Seinen Producer-Qualitäten hat dies jedoch nichts geschadet. Allerdings tritt er nun mit geraden Beats auf, was ihm sehr gut steht. "Backup Days" ist eine 12", die dem Label Drumpoet Community einen erfreulichen Zuwachs an Attraktivität beschert hat! Weiter so!




3. Steve Rachmad pres. Ignacio - Virton Upgraded (Ben Klock Remix) - Nusic Man Records.

Genug gekuschelt. Jetzt geht's zur Sache. Und zwar mit Steve Rachmad, der das Ausgangsmaterial liefert, und Ben Klock, der sich der Neuabmischung angenommen hat. Melodischer "Berlin Ostbahnhof-Techno", der sich in der Version A doch etwas elegisch-klagender zeigt als in der Version B. Diese ist straighter, die Beats stampfen, man kann durchaus von brachialer Urgewalt sprechen. Diese verpackt Ben Klock jedoch so, dass es auch nach mehrmaligem Hören noch nicht schmerzt. So etwas kann derzeit wohl nur er.




4. Audio Soul Project - Call Of Grace - Fresh Meat Records.

Auf dieser 12" des Audio Soul Projects (Mazi Namvar) ging's mir eigentlich nur um den des Briten Milton Jackson. Darauf gefällt er mir ausgesprochen gut. Klassischer House, der weder in ein historisierendes Phrasenspiel verfällt noch das Bedürfnis hat, modern und zeitgemäss zu wirken - was auch immer das gerade bedeuten mag. Definitionen dieser Art sind bekanntermassen nicht von bleibendem Bestand. Anyway. Gefällt mir!

FMR36-Audio Soul Project-Call of Grace by Fresh Meat Records


5. DJ Nature - Win, Lose & Dance - Golf Channel Music.

"Win, Lose & Dance" darf man mir nicht zum falschen Zeitpunkt vorspielen. Den Breakdown mit seinen Rhodes Piano-Klängen, den zarten Claps, dem Fingerschnippen, einem zartrosanem Acid-Wölkchen, empfinde ich als derart tiefgreifend, die Seele berührend, dass er mich auch zu Tränen rühren könnte. DJ Nature hat derzeit einfach einen Lauf, der - hoffentlich - noch lange anhalten wird! Dope!




English (short) version: well, the lost tracks series will be continued from now on. Once a month, I'd like to present you five tunes that deeply touched my soul. Today it is Dial/Laid-artist Oliver Kargl a.k.a Rndm who take things deep into the house territories with "Hideaway". Bernd Kunz, a true purveyor of jazzy latin flavoured downtempo electronica back in thos days gets deep on Drumpoet Community under his new AFMB moniker. Big up for his EP! Ben Klock delivers a melancholic yet ravey remix of "Virton Upgraded, Milton Jackson a high class remix and, to finish off, DJ Nature on Golf Channel Music. His Track "Win, Lose & Dance" is so emotive - don't listen to it in a sentimental mood. Or, listen to it and let your feelings flow with this romantic tune!

Lost Tracks (4)

http://thewaxpages.tumblr.com/post/2086394910/this-amused-me
Lost Tracks geht in die vierte und letzte Runde in diesem Jahr. Mehr im Rahmen dieser Kurzserie wird es wieder im nächsten Jahr, im Dezember 2011 geben, sofern und soweit dieses Blog noch Bestand haben sollte. So weit in die Zukunft vorauszuschauen und zu planen liegt mir nämlich nicht. Daher gilt ein vorerst letztes Mal das in den Wochen zuvor gesagte: "in ein paar kurzen Worten auf Tracks und ganze EPs hinzuweisen, die zwar nicht tatsächlich untergegangen, die ganz bestimmt nicht zu wenig Aufmerksamkeit erfahren haben, die jedoch noch keine Berücksichtigung auf keep-it-deep erfahren haben."


1. Sevensol & Bender - Scuba (Aera's Diving Dub) - Fauxpas Musik.

Sevensol und Bender, zwei Leipziger DJs, Produzenten und Mitgründer von Kann Records haben im Herbst 2010 auf dem Hamburger Label Fauxpas Musik mit Scuba einen Track veröffentlicht, der durchaus Hitpotenzial besitzt - vorausgesetzt, man lässt das Durchschnittsverständnis des Wortes "Hit" zuhause. Ein "Peaktime-Kracher" nämlich ist weder das Original, noch sind es die beiden Remix-Versionen. Damit die unwiderstehliche Kraft, die diesem Stück innewohnt, zu ihrer vollen Entfaltung gelangt, bedarf es Zeit. Wird diese "Scuba" gewährt, wirkt die Musik unmittelbar auf das Gefühlszentrum ein, lässt Stimmungen im Kopf entstehen. "Scuba" ist aufhellend, euphorisierend, vermittelt Friede, Ruhe, Entspannung, aber auch Traurigkeit - insbesondere der "Diving Dub" von Aera, dessen sanftes Glühen bestens geeignet für zauberhafte Warm up- oder Abkühlstunden geeignet ist.




2. Shakarchi & Stranéus - Macedonia / Iraq - Geography Records.

Während die Swedish House Mafia sich in selbstverherrlichenden Posen begleitet von elends miserabler Musik vor zehntausenden Freiluft-Ravern abfeiert, diese Szenen aufzeichnen und zu einer DVD zusammenschneiden lässt, treten Label wie Kontra Musik, Lugnet Records, Aniara Recordings und seit kurzem auch Geography Records den Beweis an, dass aus Schweden nicht nur gleichbedeutend ist mit Hochumsatz- und Niedrigqualität-Musik. Adam Lundberg und Oscar Villata stehen hinter Geography Records, dessen Homebase die südschwedische Stadt Malmö ist. Das erste Release, Macedonia / Iraq, stammt von Faik Shakarchi und Daniel Straneus, die mit dieser EP zwei wunderschöne, tiefgründig entspannte, energetisch ausbalancierte Tracks vorstellen. An dieser Stelle in kleiner Blick in die nahe Zukunft: Geography 002 wird im Januar 2011 erscheinen, Produzent ist Julius Steinhoff. Vormerken!




3. Rio Padice - Sleepless Nights EP - Bassculture Records.

Tanzflächenorientierte Tracks mit geradlinigem Aufbau kommen auf diesem Blog hin und wieder etwas zu kurz. Liegt sicher auch daran, dass dessen Betreiber mit zunehmendem Alter etwas träge geworden ist und den Vodka Irgendwas gegen Freude und Frohsinn bereitenden Rotwein eingetauscht hat. Wenn ich denn einen Vorsatz für das kommende Jahr 2011 in die Tat umsetzen möchte, dann den nämlichen: wieder vermehrt zwischen Zürich (Zukunft & Co.) und RJ unterwegs zu sein. Doch zurück zur Musik: Liebhaber von Label wie Sthlmaudio Recordings werden mit Tracks des Italieners Dario di Padice, das ist Rio Padice, zu hundert Prozent auf ihre Kosten kommen. Die Sleepless Nights EP, in diesem Sommer auf des Franzosen D'Julz eigenem Label Bass Culture Records erschienen, ist voll von diesem supertighten, crispen stuff - so sagt man doch dazu, oder?! Ebenfalls empfehlenswert sind seine Tracks auf The Luchador.




4. Philogresz - Move Me (Ron Deacon' Piano Club Remix) - Prog City Deep.

Traumverhangen, verklärt glücklich, den Hörer mit einem vergeistigten Glanz in den Augen zurücklassend - das ist Ron Deacons "Piano Club Mix" für "Move Me" von Ilker Soylu alias Philogresz. Original und Schaffhäuser Remix sind auch nicht ohne, sofern man in schulmedizinisch zerstückelte, kleinteilig zusammengesetzte Groove-Einheiten mag.




5. Kasper Bjoerke - Heaven EP - Hfn Music.

"Heaven" von Kasper Bjoerke ist eine Neubearbeitung des gleichnamigen Rolling Stones-Klassikers, die auf Hfn Music zusammen mit Remixen von Nicolas Jaar und Prins Thomas auf den Sommer 2010 erschienen ist. Sommerleicht swingender Pop, der die Zitatgrundlage meines Erachtens nur subtil verändert. Himmlisch zart schmelzend.




English (short) version: this is our last edition of "Lost Tracks" - at least for 2010, and it would be an idle speculation if we pretend that we still exist in the end of 2011. Anyway. Dive deep into wonders of electronic music that are presented by Sevensol, Bender & Aera, Shakarchi & Straneus, Rio Padice, Ron Deacon and Kaspar Bjoerke.

Lost Tracks (3)

http://fuckyeahvinylrecord.tumblr.com/post/1270331518
1. Prince Of Denmark - Soulfood - Giegling.

Giegling und den Ableger Giegling Staub sollte meiner Meinung nach tunlichst jeder auf dem Radarschirm haben. Mit Acts wie Kettenkarussell, Matthias Reiling oder Die Wiese Im Garten a.k.a. Dwig steht es für einen farbenfrohen, nuancenreichen und vielschichtigen Sound, der in diesem Jahr eine Erweiterung auch in Richtung Jazz-beeinflusster (elektronischer) (Club-)Musik durch das WHITE-Mitglied Edward ("A Piece Of Us") erfahren hat.

Mit der Reihe Staub rückt das Label hingegen das Düstere in den Mittelpunkt. Christopher Raus 12" "The Blessing" leistete einen wesentlichen Beitrag dazu genauso wie ein Prinz aus Dänemark mit seiner EP. Diese hatte ich erst sehr spät entdeckt, mich jedoch sogleich unsterblich in ihre Tracks verliebt. Mittels metallischer Klänge, dem Einsatz von Hall, Echo und Rauschen und behutsam eingestreuten schrägen Sounds, beschwört der Produzent eine nordisch anmutende Dunkelheit. Nordisch, da die Sehnsucht nach dem Licht zwar von Takt zu Takt grösser wird, man dennoch im Wolkenhimmel des Sounds sich verlieren und eins mit ihrer anmutigen, dunklen Schönheit werden möchte. Tipp!




2. Mark Du Mosch - Bareknuckle - SD Records.

Mark Du Mosch, der niederländische, in Rotterdam beheimatete Produzent, will ebenfalls Entdeckt werden. Er zählt mit Tom Trago, San Proper, und vielen anderen mehr zu der soundsovielten, sich parallel entwickelnden Produzentengeneration des Oranje-Staats. In seinen Releases auf Moustache, Lunar Disko und Syncom Data Records treffen Einflüsse aus Acid (House / Techno), Disco und Elektro aufeinander; sie vermitteln ein schön ausgearbeitetes, aber dennoch rauhes, analoges Flair. Akustischer Orgasmus.




3. Midnight Hours - Midnight Hours 002.

Ein Geheimrezept, das schon sehr lange nicht mehr geheim ist: man packe zwei, drei Tracks auf eine 12"-Vinyl; man verknappe das Angebot auf 200, höchstens 250 Pressungen (um anschliessend mehrmals davon ein Repress anzutäuschen); man halte sich als Produzent anonym im Hintergrund und, wichtig: man vergesse den Stempel nicht. Diese Rahmenvoraussetzungen lassen sich auch bei Midnight Hours wiederfinden - aber dem Vernehmen nach stammt der Urheber dieser Tracks wirklich aus Übersee, irgendwo zwischen Windy und Motor, und darf dementsprechend auch so verfahren. Egal. Die Tracks auf dieser EP sind teils sonnendurchflutet, hell und warm, teils verhelfen sie zu einer musiktherapeutischen Tiefenentspannung. Gross!




4. Sepalcure - Love Pressure - Hotflush.

Bereits gestern hatte ich kurz zum Ausdruck gebracht, dass mir die Assemblage von House/Techno und Dubstep/(Future)Garage in den verschiedensten Mischungsverhältnissen sehr gut schmeckt. Zwar ist Hotflush Recordings nun wirklich nicht der unbekannteste, namenlose Vertreiber dieser Soundmischungen, aber "Love Pressure" von Travis Stewart und Praveen Sharma alias Sepalcure ist derart samtig, weich, geschmeidig und zugleich kräftig - der Track löst Liebesgluten aus, die nur darauf warten, in lodernde Flammen auszubrechen.




5. Mim Suleiman - Nyuli - Running Back.

Gesang und Instrumentierung treten auf "Nyuli" als gleichberechtigte Dialogpartner auf. Gefühlvoll aber ohne Sentimentalismen. Mim Suleiman auf Running Back - Tanzflächen-Idealismus als Wegbereiter einer wahren Club-Romantik!




English (short) version: the third edition of our Lost Tracks - Series features a wide range of sounds. Starting off dark and dusty with Prince of Denmark on Giegling Staub, with flourishing melodies and lively rhythms that, still, are kickass.

Lost Tracks (2)

http://instagr.am/p/SLD1/
Wie in der vergangenen Woche gilt es auch heute, in ein paar kurzen Worten auf Tracks und ganze EPs hinzuweisen, die zwar nicht tatsächlich untergegangen, die ganz bestimmt nicht zu wenig Aufmerksamkeit erfahren haben, die jedoch bisher noch keine Berücksichtigung auf keep-it-deep erfahren haben.


1. Genius Of Time - Same Old Place - Aniara Recordings

In diesem Jahr konnte man es - wie in den Jahren zuvor ebenfalls - ab und zu flüstern hören. "Piano House ist zurück". Doch war dieser Auswuchs eines inzwischen feinverästelten Genres wirklich jemals weg? Genauso wie (Deep) House oder die stärker an der Musik eines Maurice Joshua, Phuture, Marshall Jefferson oder Adonis sich anlehnenden Sounds, also (Acid) House, waren diese wirklich jemals weg? Von einem Acid House Revival konnte man im Jahre 2010 ebenfalls sehr oft lesen. Vielleicht ist es idealisierend, aber House war, ist und wird - hoffentlich - immer bleiben, ob mit Acid, Deep oder eben Piano als Präfix geschrieben. Who cares about hypes?!

Was mir jedoch an diesem "Zurücksein" ausgesprochen gut gefällt, ist die Tatsache, dass - vereinfacht ausgedrückt - gute (Club-)Musik nicht mehr ausschliesslich aus den drei, vier "angesagtesten" Städten oder den Legendenkellern, gelegen im US-amerikanischen House- und Techno-Belt, stammen muss, um beachtet oder gespielt zu werden. (War früher auch schon so, wirklich Gutes hat sich seit jeher durchzusetzen vermocht, aber sei's drum).

Das zeigt beispielsweise Fabian Bruhn, Mitgründer von Aniara Recordings und das Götheborger DJ- und Produzenten-Duo Genius Of Time (an welchem Fabian Bruhn als Koproduzent beteiligt ist). "Same Old Place" ist die erste Veröffentlichung auf Aniara Recordings, und sie beinhaltet mit dem Titeltrack ein wunderbares Stück (Piano-)House. Gross!




2. DJ Koze - Rue Burnout - Pampa Records

DJ Koze nimmt sich auf "Blume der Nacht / Rue Burnout", erschienen im Frühsommer diesen Jahres auf seinem eigenen Label Pampa Records, ebenfalls dem Thema "Klavier in der elektronischen Musik" an. Und das in einer kompromisslos realistischen, mit spitzer Ironie gepaarten Weise, wie ich finde. Denn genauso wenig, wie sich das Rad an sich neu erfinden lässt, lassen sich "Piano House" und weitere Grundthemata nicht als bisher noch nicht dagewesen darstellen. Daher kommt's umso mehr auf die Persönlichkeit des Künstlers, seinen scharfen Blick für Originalität an. Beides hat DJ Koze. Ein hinkendes Synkopenmotiv, sich leicht verstolpernde Akkorde, wirr zerfahrene Soundeffekte - Rue Burnout!




3. Dettmann - Dettmann Remixed - Ostgut Ton

Mehrmals nachschauen und mich ob des Datums vergewissern musste ich mich bei Marcel Dettmanns selbstbetiteltem Debütalbum "Dettmann". Es ist tatsächlich erst in diesem Frühjahr auf Ostgut Ton erschienen. Beängstigend, diese Zeitüberlagerungen. Anyway. In Begleitung mit der Albumveröffentlichung gab's eine 12", Dettmann Remixed, auf der vier Tracks der LP von zwei von Marcel Dettmann ausgewählten Produzenten überarbeitet wurden. Berghain-Resident Norman Nodge und ein mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannter Wincent Kunth gebührte die Ehre, für Marcell Dettman zwei Remixe abzuliefern. Vor allem das Werk des letzteren hat es mir sehr angetan. Dubtechno, Techno, Detroit, wasauchimmer. Irgendwo, auf Resident Advisor oder Little White Earbuds hat ein Rezensent geschrieben, dass diese Tracks "little value outside of the club" besässen. Welches Bewertungskonzept man für diese Aussage zu Grunde legen muss, weiss ich bis heute noch nicht, aber fest steht eines: es bedarf auch Rammbock-Sounds, mit denen man die Wände eines Clubs sprichwörtlich einreissen kann. Steh' ich drauf, wenn sie so ausfallen, wie auf dieser EP.




4. Moody - Ol' Dirty Vinyl - KDJ

Demgegenüber kommen Ewigkeitssucher auf Moodymanns jüngsten Streich, "Ol' Dirty Vinyl" auf ihre vollen Kosten. Mehr Worte zu dieser EP verlieren, bedarf es eigentlich nicht. Vielleicht noch dies: man sollte tunlichst nicht die eigene Vorstellung von House und Soul und Jazz zum Mittelpunkt der House-Musik-Welt machen, denn Kenny Dixon Jr. a.k.a. Moodymann a.k.a. Moody war, ist und bleibt auch hoffentlich unangepasst, unbequem und - auf den ersten Anschein - unnahbar. Meisterwerk verschrobener Schönheit!




5. Various Artists - Secret Weapons Part 4 - Innervisions

Die Fortsetzungsreihe "Secret Weapons" auf Innervisions zählt meiner Meinung nach zum Besten des Labeloutputs. Die Labelbetreiber stellen hierauf ihre erstklassigen Selectorqualitäten unter Beweis. Sie lassen Larry Heards "Deja Vu" in einem neuen Remix auferstehen, erfreuen mit einem weiteren Edit des Labelbetreibers Dixon, einem soulig perkussiven Stück aus den Händen Boddhi Satvas und rühren zu Freudentränen mit einem Remix der Tuff City Kids (Gerd Janson und Philip Lauer). Gross!





English (short) version: the follow up of my year's end Lost Tracks series is pointing at two different approaches to electronic club music based around the piano. It is "Rue Burnout" by DJ Koze and "Same Old Place" by Genius of time, both beautiful in their own way. Then it features some how-to-punch-hard-but-elegant remixes by Norman Nodge and Wincenth Kunth on Ostgut Ton, Moodys solitary point of view about house fusioning with jazz, or if you like, jazz fusioning with house. And to finish off, it features the fourth edition of "Secret Weapons", released this spring on Innervisions.

Lost Tracks (1)

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Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Dies gibt Anlass, einmal innezuhalten, den Blick über Vergangenes, über Erinnerungen schweifen zu lassen. Für dieses Blog bedeutet das, in ein paar kurzen Worten auf Tracks und ganze EPs hinzuweisen, die zwar nicht tatsächlich untergegangen, die ganz bestimmt nicht zu wenig Aufmerksamkeit erfahren haben, die jedoch noch keine Berücksichtigung auf keep-it-deep erfahren haben. Zehn, fünfzehn an der Zahl, aufgeteilt in drei Rationen. We'll see.


1. Lawrence - Dwelling On The Dunes - Laid Records. Peter Kersten a.k.a. Sten a.k.a. Lawrence hat im Spätsommer diesen Jahres sein Debüt auf dem von ihm mitrealisierten Dial-Sublabel Laid gegeben. "Dwelling On The Dunes" ist eine EP, deren warmer Groove zwei Bilder in mir aufsteigen lässt. Zum einen ein Sonnenaufgang über der herbstlich-nebelverhangenen Hügellandschaft des Piemont; die frühmorgendlich gestreuten Sonnenstrahlen lassen das rotgefärbte Weinlaub noch stärker leuchten. Zum anderen spricht aus den beiden Tracks eine Klarheit und Reinheit, wie man sie an einem Wintermorgen nach nächtlichem Schneefall erfährt. Diese Bilder decken sich zwar nicht mit dem Titel, doch rollen die Tracks von Lawrence so unendlich relaxt dahin, feiert der Hamburger DJ und Produzent damit eine Leichtigkeit des Daseins, dass man selbst ganz entspannt, zurückgelehnt und unhektisch wird. Tip!




2. Akabu - Searchin' (Motor City Drum Ensemble Remix) - Z Records. Der Brite Dave Lee oder vielmehr Joey Negro hat in diesem Jahr unter seinem Akabu-Künstlernamen auf seinem eigenen Label Z Records ein Album mit dem Titel "The Phuture Aint What It Used To Be". Wer sich diesbezüglich einen akustischen Überblick verschaffen möchte, kann einmal auf Mixcloud vorbeischauen, und reinhören. Im Zuge dieses Projektes sind im Vorfeld einige 12" mit Tracks dieses Albums und Remixes erschienen, die mich jedoch nicht sonderlich angesprochen haben. Mit einer Ausnahme. "You Want It All" beinhaltet einen Remix des Stuttgarters und nun Wahl-Kölners Danilo Plessow alias Motor City Drum Ensemble. Pünktlich auf den Sommer 2010 hin liefert er mit seiner Überarbeitung ein Werk ab, das hell strahlt und eine spritzige Frische vermittelt. Durchzogen von einer leichtherzigen und lebensfrohen Chi-Town-Note - MCDE setzt die Akzente auf prägnante Claps und Pianoakkorde - hat man das Empfinden, als ob sich die Prescription Possee, bekannt für auch quirlig pumpenden, explosiven House, mit Larry Heard'scher Melancholie und Insichgekehrtheit versehen hat. KILLER!

Akabu - Searchin' (Motor City Drum Ensemble Remix) @ Soundcloud


3. Jozif - Chicago - Wolf + Lamb. Erst in dieser Woche kam der in London ansässige DJ und Produzent Jozif Goodman alias Jozif auf Resident Advisor zu grosser Ehre. Im gebührte das Vorrecht, einen Mix für die dortige Podcastreihe einzuspielen. Im Frühjahr 2010 gab es für ihn dort bereits einmal vier von fünf möglichen Punkten in Zusammenhang mit seiner zu diesem Zeitpunkt hoch im Kurs stehenden 12" auf dem New Yorker Label Wolf + Lamb. "Chicago" ist aber auch eine wundervolle EP, die an Rhythmus, Melodie, Harmonie und Dynamik nichts vermissen lässt. Aber auch gar nichts!




4. Aera - Continental Drift EP - Aleph Music. Ich greife ein wenig voraus: Aera wird in diesem Kurzüberblick zwei Mal vertreten sein. Zum einen mit dieser EP, "Continental Drift", zum anderen mit seinem Erstlingswerk auf dem hauseigenen Label Aleph Music, "Infinite Space". Sein Kreativgeist ist eine wahre Bereicherung für die elektronische Clubmusik, der gerne nachgesagt wird, dem schon seit Jahren wild grassierenden Virus des Neunziger Jahre-Nostalgismus immer wieder erneut zu erliegen. Aeras Musik hingegen scheint ein leichtfüssig mäandrierender Strom zu sein, der gespiesen wird aus den Quellen House, Disco, Techno und Dubstep und über deren Traditionen er mit einem Augenzwinkern hinwegtänzelt. Mit "Daidalus" beispielsweise kann er die ganze britische Insel, beziehungsweise den Londoner Untergrund, das Fürchten lehren. Mind = Blow!




5. SCB - 20_4 / 3_5 - SCB. Bleibt zum Schluss noch Paul Rose alias Scuba alias SCB. Er machte sich auf, Berlin und Dubstep zu erobern, und dort eroberten die tieffrequenten Techno-Klänge sein Herz (Check: Scuba @ Intruders TV). Die Vermählung der beiden Genre, Techno und Dubstep, war ganz besonders in diesem Jahr ein grosses Thema, und mit der ersten 12" unter seinem SCB-Nickname hat Paul Rose eine wahre Blaupause vorgelegt. Shit-hot!




English (short) version: some tracks that definitely aren't lost in the literal meaning, but facing this year's end, I'd love to point at a few sounds whose producers perfectly knew how to touch my soul and to work my body.