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Lost Tracks (3)

http://fuckyeahvinylrecord.tumblr.com/post/1270331518
1. Prince Of Denmark - Soulfood - Giegling.

Giegling und den Ableger Giegling Staub sollte meiner Meinung nach tunlichst jeder auf dem Radarschirm haben. Mit Acts wie Kettenkarussell, Matthias Reiling oder Die Wiese Im Garten a.k.a. Dwig steht es für einen farbenfrohen, nuancenreichen und vielschichtigen Sound, der in diesem Jahr eine Erweiterung auch in Richtung Jazz-beeinflusster (elektronischer) (Club-)Musik durch das WHITE-Mitglied Edward ("A Piece Of Us") erfahren hat.

Mit der Reihe Staub rückt das Label hingegen das Düstere in den Mittelpunkt. Christopher Raus 12" "The Blessing" leistete einen wesentlichen Beitrag dazu genauso wie ein Prinz aus Dänemark mit seiner EP. Diese hatte ich erst sehr spät entdeckt, mich jedoch sogleich unsterblich in ihre Tracks verliebt. Mittels metallischer Klänge, dem Einsatz von Hall, Echo und Rauschen und behutsam eingestreuten schrägen Sounds, beschwört der Produzent eine nordisch anmutende Dunkelheit. Nordisch, da die Sehnsucht nach dem Licht zwar von Takt zu Takt grösser wird, man dennoch im Wolkenhimmel des Sounds sich verlieren und eins mit ihrer anmutigen, dunklen Schönheit werden möchte. Tipp!




2. Mark Du Mosch - Bareknuckle - SD Records.

Mark Du Mosch, der niederländische, in Rotterdam beheimatete Produzent, will ebenfalls Entdeckt werden. Er zählt mit Tom Trago, San Proper, und vielen anderen mehr zu der soundsovielten, sich parallel entwickelnden Produzentengeneration des Oranje-Staats. In seinen Releases auf Moustache, Lunar Disko und Syncom Data Records treffen Einflüsse aus Acid (House / Techno), Disco und Elektro aufeinander; sie vermitteln ein schön ausgearbeitetes, aber dennoch rauhes, analoges Flair. Akustischer Orgasmus.




3. Midnight Hours - Midnight Hours 002.

Ein Geheimrezept, das schon sehr lange nicht mehr geheim ist: man packe zwei, drei Tracks auf eine 12"-Vinyl; man verknappe das Angebot auf 200, höchstens 250 Pressungen (um anschliessend mehrmals davon ein Repress anzutäuschen); man halte sich als Produzent anonym im Hintergrund und, wichtig: man vergesse den Stempel nicht. Diese Rahmenvoraussetzungen lassen sich auch bei Midnight Hours wiederfinden - aber dem Vernehmen nach stammt der Urheber dieser Tracks wirklich aus Übersee, irgendwo zwischen Windy und Motor, und darf dementsprechend auch so verfahren. Egal. Die Tracks auf dieser EP sind teils sonnendurchflutet, hell und warm, teils verhelfen sie zu einer musiktherapeutischen Tiefenentspannung. Gross!




4. Sepalcure - Love Pressure - Hotflush.

Bereits gestern hatte ich kurz zum Ausdruck gebracht, dass mir die Assemblage von House/Techno und Dubstep/(Future)Garage in den verschiedensten Mischungsverhältnissen sehr gut schmeckt. Zwar ist Hotflush Recordings nun wirklich nicht der unbekannteste, namenlose Vertreiber dieser Soundmischungen, aber "Love Pressure" von Travis Stewart und Praveen Sharma alias Sepalcure ist derart samtig, weich, geschmeidig und zugleich kräftig - der Track löst Liebesgluten aus, die nur darauf warten, in lodernde Flammen auszubrechen.




5. Mim Suleiman - Nyuli - Running Back.

Gesang und Instrumentierung treten auf "Nyuli" als gleichberechtigte Dialogpartner auf. Gefühlvoll aber ohne Sentimentalismen. Mim Suleiman auf Running Back - Tanzflächen-Idealismus als Wegbereiter einer wahren Club-Romantik!




English (short) version: the third edition of our Lost Tracks - Series features a wide range of sounds. Starting off dark and dusty with Prince of Denmark on Giegling Staub, with flourishing melodies and lively rhythms that, still, are kickass.

Roman IV - La Paloma

Bekanntermassen bin ich ja ein sehr grosser Fan der musikalischen Arbeiten eines Roman Flügel unter seinem "Roman IV"-Alias. Altes und Neues Testament und so. Ende des Monats erscheint auf Gerd Jansons Label Running Back eine neue 12", auf welcher der Frankfurter den schöpferischen Keim dieses Pseudonyms ein weiteres Mal zum Blühen bringt. "La Paloma", so der Titel dieser EP, beinhaltet neben dem gleichnamigen Titeltrack mit "Sa Caleta" und "Lucy" zwei weitere Stücke - House, filigran und leicht wie Schneekristalle, in deren Formvielfalt das weisse Licht sich bricht und einen leuchtenden Schimmer über die winterdunkle Musiklandschaft legt. DOPE!


Roman IV - La Paloma:

La Paloma (sample) by Roman Fluegel


Roman IV - Sa Caleta:

Sa Caleta (sample) by Roman Fluegel


Roman IV - Lucy:

Lucy (sample) by Roman Fluegel


English (short) version: Roman Flügel appearing under his Roman IV moniker delivering three house tracks that gonna beam you up to the bright shining sun!


Mehr im Web:

Roman Flügel @ Facebook
Roman Flügel @ MySpace
Roman Flügel
Running Back @ MySpace

Mark E - Nobody Else

"Just another deep house tune", lediglich ein weiterer Track aus der Deep House-Ecke, hatte in der vergangenen Woche ein aufmerksamer Mitleser meiner Facebook-Seite zum Ausdruck gebracht, als ich auf die neue 12" auf Running Back hingewiesen und meine Freude darüber mit einem "Mark E. 'Nuff said" dargetan hatte.

Ich gebe zu: nimmt man höchst kritisch Stellung zu der Gesamtentwicklung (meinetwegen auch: Nicht-Entwicklung) in Sachen (Deep) House, liegt diese Äusserung nahe. Färbt man seinen Blick auf (Deep) House obendrein mit der Farbe des Kulturpessimismus, weiss man von vornherein: im Jahre 2010 sind alle House-Traditionen verbraucht, sind alle Anleihen und Zitate an die Achtziger, die Neunziger und - meinetwegen - bereits die Nuller Jahre abgenutzt. Ich selbst hingegen habe ein etwas entspannteres Verhältnis zu Neuerscheinungen. Eine Klage über den Niedergang, den Verfall, die Auflösung, den Stillstand in Sachen elektronischer (Club-)Musik fast schon standardisiert. Auch hier liesse sich anmerken, dass lediglich der althergebrachte Repertoire-Schatz erneut zu Tage gefördert würde. Dass es sich dabei allerdings auch um eine - äusserst streitbare - Geschmacksfrage handelt? Zugegeben! Diese stellt eine persönliche Wertung dar, ist rein rational nicht nachvollziehbar, und schon gar nicht justiziabel. Sei's drum.


Nun aber zurück zu "Nobody Else", diesem "another deep house tune". Auch in diesem Jahr ist Gerd Jansons Label Running Back erste Anlaufstelle, wenn es um Quality Music geht. Waren es 2009 die Releases von DPlay, Jacob Korn oder Tensnake - all killer! -, weitete sich in diesem Jahr der Veröffentlichungshorizont ein weiteres Mal. Platten von Rezkar, Databoy78 mit Lexx Remix und Mim Suleimans Album "Tungi", hinter welchem der unübertrefflich grosse Maurice Fulton als Produzent steht. Und nun also wieder, nach 2006 und 2008 Mark Evetts aus Birmingham wieder zu Gast auf Running Back. Seine Fingerfertigkeit und Fähigkeit, hypnotische mid / low tempo House Grooves zu erzeugen sowie sein geschulter Blick auf Disco-taugliche Soundtexturen und Klangschichten sucht meiner Meinung nach ihresgleichen. Vielmehr muss man zu "Nobody Else" auch gar nicht (mehr) schreiben. Anhören. Kaufen. Spielen. Tanzen.

RB025 Mark E Nobody Else Running Back by erd


English (short) version: Mark E with another stellar release on Running Back, an imprint that regularly captivates my attention with its very broad horizon of nowaday's club music. On "Nobody Else", Mark E does what he knows best: creating hypnotic mid-tempo grooves with house and disco elements that unfold subtle layers of energy the longer you play them. Grande!


Mehr im Web:

Mark E @ MySpace
Merc Music
Running Back Records @ MySpace
Mark E @ Beats In Space (August, 2010)

Mark E - Train Wreck Mix @ RBMA