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Mixed up... (56)

http://narr27.tumblr.com/post/3859720492
Das erste Quartal des Jahres 2011 liegt noch nicht berichtsreif abgeschlossen hinter uns. Dennoch hat es Ereignisse von solcher Tragweite für Politik, Geselllschaft, Wirtschaft, Natur und Umwelt mit sich gebracht, dass man ob der entfesselt hereinbrechenden Urgewalten am liebsten schon jetzt einen Schlussstrich unter 2011 ziehen und ein neues Jahr beginnen lassen möchte. Eines, an dessen Ende man zurückblickt und sich fragt, was sich überhaupt in den vergangenen zwölf Monaten ereignet hat. Eines, das es aufgrund seiner Bedeutungslosigkeit nicht Wert ist, in die Geschichtsbücher aufgenommen zu werden. Was sich in Australien (Überschwemmungen), Neuseeland (Erdbeben), Japan (Erdbeben) zugetragen hat, was derzeit den Nahen Osten erschüttert und die Welt in Atem hält, vermag man mit seinem begrenzten Sprachvermögen kaum zu beschreiben.

Obendrein erschüttert mich, dass zahlreiche Gruppierungen, radikale evangelikale Apokalyptiker oder Witzemacher mit Mario Barth'scher Niveaufreiheit, dieser Tage wieder vermehrt von sich hören lassen. Sie hängen sich an diese Ereignisse ran und instrumentalisieren und missbrauchen sie für ihre niederen Zwecke. Das finde ich schlichtweg zum kotzen genauso wie die Streuwirkung auf Facebook & Co. Auswüchse einer vernetzten Welt, die man hinzunehmen hat - genauso wie diese unsäglich makaberen, empathiefernen Beiträge neoliberaler Blogger. Zu deren Aussagen Stellung zu nehmen, empfiehlt sich allerdings nur bedingt. Man duelliert sich mit intellektuell Unbewaffneten.



Zurück zu den Mixtapes. Vor zwei, drei Tagen hat Dan Snaith alias Caribou auf seiner Soundcloud jede Menge Podcasts geteilt, die er in den letzten Monaten für diverse Blogs und Websites eingespielt hat. Sein Resident Advisor Podcast ist dabei, ebenso sein Mix für Allez-Allez. Stets eine schöne Zusammenstellung von eigenen Tracks gemischt mit House von Theo Parrish, Moodymann oder Mr. Fingers sowie Leckerbissen aus einer gut gefüllten Schachtel bunter Soundpralinen jeglicher Genre.

DJ Sets by Caribouband


Das kleine feine Label Terpsiton, das zuletzt mit "The XChange", einer 12" von Smallville's Dionne auf sich aufmerksam gemacht hat, verteilt seit einigen Wochen über seine gelb-orange Klangwolke Mixtapes der labelnahen Künstler. Zwei davon habe ich bis jetzt angehört. Mehrmals. Bin schwer beeindruckt.Ich hoffe, euch wird es genauso gehen.

Der erste Mix stammt von Kai von Glasow. Er hat die Veröffentlichungsreihe des Labels Terpsiton mit "Where Do We Go Wrong" (und weiteren Tracks) begonnen:

Terpsiton MIX TAPE "Higo Bloiko" (by Kai von Glasow) by TERPSITON

Für den zweiten Mix verantwortlich zeichnet Niklas Grosse Hündfeld a.k.a. Niki:

Terpsiton MIX TAPE "Jolifanto Bambla" (by NIKI) by TERPSITON


Fahrt in Richtung Chicago nimmt im folgenden Mix der Vinylgroover Johannes Albert auf. Rough Acid House Love!

Johannes Albert - Rough Acid Love House by johannes albert


Mit seinen Mixtapes fängt Späk nicht nur regelmässig Mäuse, sondern zieht enthusiastische House-/Techno-Fans in seinen Bann - mich eingeschlossen - und vergrössert die Schar der Stammhörer von Mix zu Mix. Im Anschluss an Johannes Alberts rohe Acid-Liebe kann es ja nur rough & dirty weitergehen:

basement - rough and dirty...mix by späk by späk


Rohkost aus House und Techno serviert auch Louche aus Leeds / London. Die Veranstalter haben für ihre bevorstehende Party Fred Peterkin alias Fred P / Black Jazz Consortium gebucht. Dieser wiederum hat als Amuse-Gueule einen Podcast vorausgeschickt:

Fred P - Podcast @ Louche


Sein Underground Quality-Homie DJ Jus-Ed war bei Melbourne Deepcast am Start und hat die Podcast-Reihe bereichert und zudem noch ein paar Fragen beantwortet. Check:

Jus-Ed - Interview & Podcast @ Melbourne Deepcast



Ray Jones aus Basel, DJ, Produzent, Soulful-House und Garage-Nostalgiker, hat sich durch das frühlingshaft anregende Wetter inspiriert gefühlt, einen neuen Mix auf seine Soundcloud zu packen. Azuni, Prommer & Barck, Steffi, und so weiter. Jus' dance, baby!

RayJones-DeepCarnival March Mix 2011 by Ray Jones


Den Abschluss macht heute Steffen Bennemann aus Leipig. Als Koi hat er mit "Deaf Torero" eine EP auf Styrax Leaves veröffentlicht, deren Dub Techno-Tracks mich auch heute noch die materielle Erde verlassen und zu astralen Ebenen schweben lassen. Genauso wirkt auf mich auch der Mitschnitt seines Sets aus der Panoramabar vom vergangenen November. Highly recommended!

steffen bennemann - panoramabar 25.11.2010 by steffenbennemann



English(short) version: this may sound shallow and superficial, but I honestly feel with the people in Japan that are suffering from the effects of last friday's severe earthquake and tsunami. A natural, environmental and human catastrophe like this leaves me speechless.

Besides of this, one thing really makes me angry: articles, blog posts and comments published by radicals evangelical movements, right-wing charismatic christians and so-called comedians who either welcome the earthquake or make fun of the victims. Fuck you, stupid morons!

To calm down, I highly recommend you the mixes by Dan Snaith a.k.a. Caribou. Perfect blend of own material with music from Moodymann, Theo Parrish, Mr. Fingers and all kind of obscure, soul-ish, jazzy music. Then you'll find a nice selection of house-not-house mixes by Johannes Albert, Späk, Fred P, Jus-Ed, and Terpsiton Muzik artists. Enjoy!

Steffi - Reasons EP

Der gestrige Tag war ein melancholischer. Es galt Abschied zu nehmen von einer einst so vertrauten Umgebung, die mir zwar immer noch ein tiefes Urgefühl von Vertrautheit und Verbundenheit vermittelt, die mir über die letzten Jahre jedoch stets ein wenig fremder wurde. Die Trennung von Menschen, die mir persönlich sehr viel bedeuten, zu denen ich mich auf eine unerklärliche Weise stark hingezogen fühle, verstärkt(e) diese schwere Stimmung. Die wenigen, seltenen Begegnungen kennzeichnet(e) eine innere, enge Verbundenheit: gegenseitig aufeinander eingehen, sich ohne Worte verstehen, Gleichklang trotz Unterschiedlichkeit. All das erschwert(e) das Loslassen, Auseinandergehen, unterstützt von einem sicheren Nicht-Wissen, ob überhaupt und wann es zu einem Wiedersehen kommt.

Diese Stimmungslage steigerten die drei Tracks der neuen 12" auf DJ Jus-Eds Homebase für ausgesuchte House Musik, Underground Quality. Angefertigt hat sie die Panoramabar Resident Steffi, die seit kurzer Zeit auch als Produzentin beachtlich Fuss gefasst hat. "Kill Me auf Ostgut Ton, "24 Hours", ebenfalls dort. Seit Anfang diesen Jahres treibt sie den Ausbau ihres kleinen Labels Dolly" beständig voran, ist gemeinsam mit Marieu und Lucretio als "Third Side" unterwegs, und - sofern und soweit ich richtig informiert bin - arbeitet sie derzeit an Inhalt und Struktur eines ersten Künstleralbums. Das jedenfalls erwarte ich mit grösster Spannung, denn ihre künstlerische Entwicklung, ihre Arbeit(en) zum Thema House, sagen sehr zu!

Wie "Kill Me" ist auch "Reasons" ein Vocal Track. Dessen Feature-Sängerin Virginia (keine Sorge, nicht die Novy-Heulsuse) wendet sich mit ihrer klaren, starken, irgendwie dennoch geheimnisvoll bleibenden Stimme an eine unbenannte Person, die im Song Anlass und Grund für ein ganz bestimmtes Ereignis ist. "You're the reason why" - eine klassisches Refrain-Motiv, eine rhethorische Phrase, die sehr schnell der Substanzlosigkeit überführt werden kann. Man stelle sie sich nur einmal mit süsslichen Piano-Klängen und lieblich sich wiegenden Melodiefiguren vor. Grauenhaft. Doch Steffi baut den Sangespart geschickt ein in ihr ästhetisches Baugerüst aus rohen Kickdrums und einer warmen, bärig brummenden Bassline, so dass zu keiner Zeit das Gefühl von zu Grosszügig dosiertem Süssstoff aufkommen kann.

"Fallin" und "November" zeichnen mit ihren anmutig über Bassdrum, Snare und Clap schwebenden Flächen ein vordergründig verträumtes Erscheinungsbild. Auch wenn die Klangfäden, mit denen Steffi Hörer und Tänzer gleichermassen zu binden versucht, scheinbar von Unendlichkeit zu Unendlichkeit reichen, drängen die beiden Tracks mit einem von Komplexität befreiten Beat und einem einfachen Aufbau der Patterns ins Jetzt. Und das heisst Tanzfläche. Die Leichtigkeit soll eine Glück auslösende sein. Es legt sich um die Tracks jedoch ein feiner Hauch von Nachdenklichkeit und Wehmut. Melancholie. Doch gerade sind es oftmals die melancholischen Momente, in denen man am glücklichsten ist, und sind es die glücklichsten Augenblicke, in denen Melancholie aufkeimt. Berührende EP. Thumbs up!

[Nachtrag: laut aktueller Meldung auf Resident Advisor hat die von mir als Novy-Heulsuse bezeichnete Virginia N. auf Steffis erstem Künstleralbum einen Gastauftritt. Hm...]


English (short) version: Panoramabar Resident Steffi with her second solo EP and her first appearance outside the Berlin-Ostgut Ton-Restoration - environmental zone. She delivers beats and atmospheres drenched in melancholy that still contain a grain of euphoria. Dope!


Mehr im Web:

Steffi @ MySpace
Underground Quality @ MySpace
Underground Quality
Steffi - Mix @ mnml ssgs

Mixed up monday (42)

http://jodyrogac.com/
Welch unwirtlicher Tag. Niedrig hängende Wolken, Regen, ein Blättermatsch auf den Strassen und ein in die Glieder fahrender Wind. Nur für Pflichtgänge habe ich meine vier Wände verlassen und werde dies in den kommenden Tagen genauso handhaben. Kein tageins, kaum bis keine sozialen Kontakte, nur Arbeit und Musik. Die inhaltliche Ausrichtung der Podcasts weist deswegen heute stärker Richtung House.


Den Auftakt macht jedoch Thomas "Roskow" Kretschmann, seines Zeichens Mitglied bei Jazzanova und eigenständig unter dem Künstleralias Sygaire für Label wie Raw Fusion Recordings, Room With A View oder Sonar Kollektiv als Produzent in Erscheinung getreten. Für die Beautiful Vision Podcast-Reihe hat er die aller neueste Ausgabe eingespielt. Soul, Boogie, und so weiter. Roskow Kretschmann - Podcast @ Beautiful Vision.


Sehr smooth und dennoch von den ersten Takten an zupackend ist auch der folgende Mix. Eingespielt hat ihn Martin Hip aus dem Pumping Velvet-Umfeld. Beginnt mit Tracks von Wolf & Lamb und Session Victim, und baut von da an beständig Spannung auf. Ein Wort: KILLER!

Martin´s November Mix by Pumping Velvet


Weiter geht's mit einer "Soundscupltures" betitelten Mixreihe, die noch Ende Oktober ein gewisser Morris R. auf Soundcloud zur Verfügung gestellt hat. Besonders hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf deren ersten Teil "The Session", der Tracks von The Oliverwho Factory, Eddie Fowlkes, Tevo Howard & Co. enthält. Check:

Soundsculptures - Part 1: the session (mix) by Morris R.


Anschliessend ein Mix aus Berlin. Hierfür an den Decks stand Moomin, der vor einiger Zeit auch für dieses Blog einen Guest Mix abgeliefert hat. Habe ich erst heute wieder gehört, seinen Guest Mix. Zeitlos gut, genauso wie auch diese Aufnahme:

moomin - Slices Of Life @ RTS.FM Berlin - 27.10.2010 by moomin


Von Falko Brocksiepers Mixtapes und Live-Mitschnitten bin ich ebenfalls Fan. Anfang des Monats hat er ein Tape für Samurai.FM erstellt, und dort Dave Twomeys MYM Tokyo Show. Eigenes Material trifft auf Walt J im DJ Qu Remix, Tracks von Ark oder Delta Funktionen treffen auf Daso im Fred P Remix. Anhören lohnt sich:




Der Londoner Ben Parkinson, der das Label Boe Recordings betreibt, unterhält ebenfalls eine Podcast-Reihe. Nummer neun kommt von Dubbyman und muss man gehört haben! Go for it:

boe Episode 009 - Dubbyman by boerecordings


DJ Red D, (Mit-)Gründer des Labels We Play House Recordings hat für Infinite State Machine einen Guest Mix erstellt, in dem er noch unveröffentlichtes, dem Label zuzuordnendes Material spielt. Allein deswegen ein kurzes "tune in" wert: DJ Red D - Guest Mix @ Infinite State Machine.


Boing Poum Tchak, das französischsprachige Web- und Fanzine für elektronische (Club-)Musik erscheint nun auch auf Papier gedruckt. Das wird gefeiert mit einem Podcast von Eli Verveine, der in der heutigen Sammlung keinesfalls fehlen darf: Eli Verveine - Podcast @ Boing Poum Tchak.


Bleiben noch zwei Mixtapes, die ich für diese Woche jedem wärmstens weiterempfehlen kann:

Zum einen Jitterbug auf Little White Earbuds (Jitterbug - Podcast @ Little White Earbuds.

Zum anderen der aktuelle Podcast auf Monday Edition. Diesen eingespielt hat der Dresdner Spunky, der mit seinem DJ-Partner Tiny des öfteren als Hombres Discos unterwegs ist. Ein DJ (und ein DJ-Duo), von deren Sets mir schon so oft vorgeschwärmt wurde. Dresden, seine Homebase, liegt leider etwas weiter von Freiburg entfernt, dafür nun der Podcast: Spunky - Podcast @ Monday Edition.


English (short) version: Dirty filthy rain falls down on my hometown. It is freezing cold and unpleasantly windy. I prefer staying in to go out tonight but there's soothing music enough that warms my heart. Enjoy the mixes from Roskow Kretschmann (Sygaire / Jazzanova), Falko Brocksieper, Eli Verveine and many, many others.

Tazz - The World Of Techno EP

Die Welt des Techno. Ausgeschlossen, diese unendlich ausdifferenzierten und diversifizierten Genre-Welten als ein einheitliches und ungeteiltes Ganzes darzustellen - auch wenn einige Gazettenschreiber aus mangelndem Sachverstand heraus oder in idealisierender Überhöhung es hin und wieder versuchen, diese stets als einen zwar bunt schillernden aber dennoch homogenen Mikrokosmos zu beschreiben. Vielleicht sollten gerade diese besonders aufmerksam die vier neuen, jüngst auf Underground Quality erschienenen Tracks des Produzenten und DJs Tazz anhören. Denn auf dieser 12" - nach "Acid Love" in diesem Frühjahr sein zweiter Beitrag für das Label von DJ Jus-Ed - erfreut er mit vier Klangausschnitten aus dieser komplexen und gar nicht so homogenen Welt der elektronischen (Club-)Musik, der Welt des Techno eben.


Mit "Unrestrained" knüpft der aufstrebende Produzent aus Montreal an seine Jam Sessions an, aus denen - unter anderem - auch der Track "Acid Love" entstanden ist. Wie eine Kettensäge frisst sich die wachsende und morphende Synthline in den Hirnstamm, um sich dort festzusetzen und die Kontrolle über Atmung und Bewegung zu übernehmen. Beständig gespeist, angetrieben und angefacht wird diese von schwer pumpenden Kickdrums und malmenden Basswalzen. Monster. Sanfte Dubchords, in Flächensounds übergehend, sorgen für einen verträumten Beginn auf "Lost". Aus diesem erdig vibrierenden Hallgraum steigen Streicherklänge auf sowie metallene Schlaggeräusche, die in ihrem Zusammenwirken ein surreales Klanggeflecht bilden. Sie versetzen unmittelbar in einen traum- oder hypnoseartigen Zustand. Aus diesem vermögen auch die kurz eingestreuten Kuhglockensounds, die mich beim ersten anhören ein wenig an eine Fiesta Latina erinnert haben, nicht zu wecken. Meine persönlichen Favoriten auf dieser EP sind jedoch "Mental Institution" und "World Of Techno", der titelgebende Track. Mit diesen beiden legt Tazz zwei epische Panoramareisen durch majestätische Soundlandschaften auf. Streicherflächen, Basslines, Hi-Hat- und Beckenshuffles sowie die Keys entwickeln einen packenden Sog, aus dem sich zu befreien gar nicht so einfach ist. Killer!


English (short) version: Montreal based producer and dj Tazz making a second appearance on DJ Jus-Eds Underground Quality label. Four tracks that introduce you into the world of techno, ranging from acid-driven raw soundscapes to an epic and melodic approach to techno. Prepare for a travel through spacey soundscapes and pulsating dark and eerie grooves.


Mehr im Web:

Tazz @ discogs
Tazz @ Soundcloud

Tazz in der aktuellen Ausgabe des roof.fm-Podcasts:

Nr. 35: Tazz (Underground Quality) by ROOF.FM

Album Previews

Ein kurzer abendlicher Blick auf die Onlineausgabe der Badische Zeitung vermag es hin und wieder, einem den Appetit zu verderben. Meist sind es die unmotiviert und seelenlos verfassten Konzertrezensionen, deren Autoren sich oftmals reichhaltig aus dem Klischeebaukasten für journalistische Konzertbesprechungen bedienen, die mich die Seite wieder zum schnellen Verlassen auffordern. Heute Abend war's ein Artikel über die (aktuelle) Kriminalitätsstatistik, und da ist Freiburg Spitzenreiter.

Eine (quantitative) Gewaltsteigerung konnte und durfte auch ich im vergangenen Jahr über am eigenen Leib feststellen. Wurde ich die (vielen) Jahre zuvor noch nie auf meinem (nächtlichen / morgendlichen) Nachhauseweg von (durchaus auch gewaltbereiten) (Ghetto-)Kids angehalten und von der Seite angegangen, hatte ich im vergangenen Jahr zwei Mal das Vergnügen mit der Racaille. Eine Gruppe wollte Zigaretten, unterstrich ihre Forderung mit einer im Licht des Mondscheins hell glänzenden Messerklinge, liess mich jedoch nach einer kurzen Zeit wieder laufen - sie gaben sich mit zwei beinahe zur Unkenntlich- und Unrauchbarkeit zerdrückten Zichten zufrieden. Schräg, so etwas, doch nach so einem Erlebniss hätte ich sie, die Zichten, mit Sicherheit notwendiger gebraucht.

In Zukunft bleibe ich einfach zuhause und überlasse das Nachtleben endgültig allen, sich alltersmässig zwischen Ü20 und U22 bewegenden Jungs und Mädels, die Gruppe, aus denen sich das Freiburger Nachtleben hauptsächlich konstituiert. Anyway. Denn ein Blick in den Veröffentlichungskalender der kommenden Wochen verheisst ausschliesslich Gutes und entschädigt für die eine oder andere zuhause verbrachte Nacht. Vier Alben stehen nämlich in den Startlöchern, allesamt produziert von Künstlern, deren Output ich über die vergangenen Jahre sehr geschätzt habe.


Da wäre zum einen Phillip Sollmann alias Efdemin. Auf den 24. Mai 2010 ist die Veröffentlichung seines zweiten Künstleralbums angesetzt. Es wird den Titel "Chicago" tragen, und ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie Efdemin diese Stadt, (eine der) Geburtstätte(n) der House Musik, als gedanklichen Überbau für seine persönliche, musikalische Interpretation in seine zehn Tracks verarbeiten wird. Für weitere Infos hier lang.


Ebenfalls im Frühjahr diesen Jahres wird der Underground Quality-Chief, DJ Jus-Ed mit "Next Level" ein (weiteres) Künstleralbum vorlegen. Revolutionen und Reformationen in Sachen House sind dabei keinesfalls zu erwarten, sondern vielmehr zehn grundsolide Tracks in bester Underground Quality-Manier. (DJ Jus-Ed und der Output auf seines Labels lassen mich stets an einen Werbeslogan des Schweizer Mineralwasserunternehmens Valser denken, mit dem das Unternehmen auf sein Mineralwasser aufmerksam machte: "Alles wird besser. Valser bleibt gut." Auch Underground Quality und DJ Jus-Ed bleiben gut!)


In etwas mehr als einem Monat wird das Berliner Label Ostgut Ton sich über die Geburt eines weiteren Albums freuen dürfen. Tage und Nächte im Studio verbracht hat dafür Marcel Dettmann. Bin schon sehr gespannt auf seine zwölf Tracks (einschliesslich Intro / Outro), in denen sich der Berghain / Panoramabar-Resident an der Detroit-Berliner Techno-Tradition abgearbeitet hat. Mehr dazu weiss - mal wieder - Resident Advisor, und an dieser Stelle sei noch einmal auf die Gespräche bei Little White Earbuds und in der de:bug verwiesen.


Nicht mehr lange muss man auf das letzte Album warten, auf das ich an dieser Stelle kurz eingehen möchte. Wayne Goodlitt beziehungsweise Roska heisst dessen Urheber und Schöpfer der darauf befindlichen Musik. Diesen Vertreter der UK Funky-Szene (oder wie auch immer man dieses weitere Untergenre bassschwerer Musik aus Londons Süden oder Bristol nennen mag) kannte ich bis vor kurzem noch nicht, doch was der Junge an Musik zwischen zerhäckselten Atari-Sounds und orchestralem Grossaufgebot veröffentlicht, beeindruckt mich ungemein. Daher an dieser Stelle auch eine kleine Linksammlung zu Bild-, Text- und Klangmaterial des jungen Briten:


Roska Online
Roska @ MySpace
Roska @ Youtube
Roska @ Twitter
Fact Mix # 23 - Roska
Hyp! Hyp! Hyp! Mix - Roska
Xlr8r Podcast # 106 - Roska

Roska @ Red Bull Music Academy




English (short) version:

Statistically speaking, my hometown Freiburg is the most criminal in the southwestern part of Germany. Therefore i'd rather stay at home than go out at night. For this reason, i'm definitely looking forward to purchasing a few artist albums that face their release in spring 2010 in order to enjoy music at home. There's one by Dial-Artist Efdemin, another by Underground Quality Head DJ Jus-Ed, Marcel Dettmann will debut with a full length on Ostgut Ton, and finally nu breed Roska will step into album territorries.


P.S. Das Bild stammt - wie das vor ein paar Tagen unter Leseempfehlung (2) veröffentlichte - von Anastasia Stricker aus Schwäbisch Gmünd.

DJ Qu - Party People Clap They Hands

Erschreckend, welch deutliche Leistungseinbussen ich derzeit bei meinem Kurzzeitgedächtnis zu verzeichnen habe. Anderenfalls könnte ich mich an dieser Stelle noch daran erinnern, wo ich "Party People Clap They Hands" von DJ Qu das erste Mal gehört habe. Es muss in einem Mix gewesen sein, so viel steht fest. Als erstes zöge ich entweder Tama Sumos Panoramabar-Compilation oder Fred P / Black Jazz Consortiums Podcast für Little White Earbuds in Betracht, rein musikalisch würde es auch passen, doch mittlerweile kenne ich die Tracklist von beiden Einspielungen auswendig und weiss: it ain't on the list. So viele können's nicht sein, aber ich komme jetzt einfach nicht drauf. Wer etwas dazu weiss, bitte in die Kommentare schreiben.

Mit "Party People Clap They Hands" tritt Ramon Lisandro Quezada, wie DJ Qu mit bürgerlichem Namen heisst, das erste Mal auf Deconstruct Music, dem Label von Levon Vincent und Anthony Parasole, auf. Diese Verbindung entstand zum einen über den New Yorker Plattenladen Halycon Record Store, zum anderen über DJ Jus-Ed, der mit seinem Label Underground Quality einen wahren Start Hub für DJs und Produzenten geschaffen hat. So ist es auch kaum verwunderlich, dass sich auf der dritten Deconstruct 12" mit DJ Jus-Ed, Fred P, Levon Vincent und Anthony Parasole auch genau diese Label Buddies zu einer Remixtätigkeit eingefunden haben.

Wenn vom Titel eindeutig auf den Inhalt geschlossen werden kann, dann bei DJ Qus

Originalversion. "Party People Clap They Hands" ist eine eindeutige Programmansage, denn tonangebend sind die harten Claps und Bassdrums, welche regelrecht zum Tanzen auffordern. Kaum mit Flächen, Melodien oder sphärischen Klangelementen versehen, versetzt einen dieser Track in den Hinterhof eines backsteinernen Gebäudes, in dem sich ein paar Jungs zu hartem analogem Funk ihre rhythmischen Bewegungen auf den schmutzigen Asphalt zaubern. Hier möchte man im Kreis stehen, und sie mit Klatschen zu Höchstleistungen anspornen.

Den ersten Remix liefert Levon Vincent, seines Zeichens Label Co-Owner und (auch) in diesem Jahr konstant herausragende Leistungen abliefernder Produzent. Über die Drums und Bässe legt er disharmonisch-metallische Synthesizer-Klänge, die längst zu (einem seiner) Markenzeichen geworden sind. Die Frage "What's going on" wirft er als Fragment zu Recht im Break auf, denn Levon Vincents Auftritt bereichert eine Platte wieder einmal mit einer ebenso sinnlichen wie verstörenden Klangerfahrung.

Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium und Anthony Parasole, der andere Label-Mitbetreiber, haben "Party People Clap They Hands" einer kompletten Überarbeitung und Neuarrangierung unterzogen und das Original dabei stark entfremdet. Dronig-loopig , harsch und dennoch rhythmisch wirkt ihre Herangehensweise auf mich, so dass ich geneigt bin, die Genrebegriffe Noise, Industrial und EBM miteinzubeziehen. Nachvollziehbar, wenn Noah Gibson in seinem ausgezeichneten Blog schreibt, dass einem dieser Sound einen Blick in die Zukunft öffnet ("This is probably what 2010 will sound like", http://thefuturist.se/2009/12/03/review-dj-qu-party-people-clap/ ).

DJ Jus-Ed schliesslich verpackt im Vergleich zu Levon Vincent, Fred P und Anthony Parasole den Track in ein klassisches House-Gewand. Der minimalistische, treibende und technoide Sound tritt in den Hintergrund und er injiziert eine gute Dosis New York-House der 90er Jahre in "Party People Clap They Hands".

Nichts für vorweihnachtliche Wohnzimmerbehaglichkeit!


Mehr im Web:

http://www.myspace.com/strengthmusic

Interview und Podcast mit DJ Qu unter http://madelikeatree.com/Pages/qu.html sowie bei meinem Namensvetter unter http://keepitdeep.wordpress.com/2009/10/12/k-d-feature-001-dj-qu-strength-in-music/.

http://www.myspace.com/levonvincent
http://www.myspace.com/blackjazzconsortium
http://www.myspace.com/ill_house_you
http://www.myspace.com/djjused
http://www.myspace.com/deconstructmusic