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Mixed up monday (55)

The Spectacle of Advertising (http://www.flickr.com/photos/lenbuster/4555339464/in/pool-1556216@N22)
Mein Pulsschlag ist ruhig. Die Rosenmontagsflucht ist geglückt. Keinem einzigen Kostümierten bin ich heute begegnet. So sehr ich jedem einzelnen Menschen das ausgelassene Feiern gönne, so wenig ertrage ich das närrische Treiben. Spricht mich einfach nicht an.

Es ist nicht die Traditionsfastnacht, es sind nicht die schwäbisch-alemannischen Brauchtümer oder der rheinische Karnevalsfrohsinn, die meine abneigende Haltung hervorrufen. Es sind vielmehr die Auswüchse im Umfeld dieser Veranstaltungen, die meine leichte Reizbarkeit befördern: Menschen, deren Primärziel darin besteht, schnellstmöglich auf dem Grund eines Sangria-Eimers anzukommen; Menschen, die von einer gewissen Uhrzeit an und ab einer gewissen Blutalkoholkonzentration die ganzen latent bis offensichtlich frauenfeindlichen und Minderheiten diskriminierenden, gar rassistischen Texte der Proletentechno-Songs mitgrölen; das aufkommende Stammtischgeschwätz, das jede sowieso schon tiefgelegte Niveauhürde unterschreitet; all das ist mir in höchstem Masse zuwider - auch ausserhalb der fünften Jahreszeit.



Zurück zum Tagesgeschäft. Als Einstieg in den heutigen Montagabend zunächst ein Mixtape von Jeremy a.k.a. Underground Paris. Der Plattensammler und Betreiber von My Love Is Underground, einem House-Label zwischen Jersey-Tradition und dem Jetzt, sorgt mit seinen Aufzeichnungen "Beauty" und "Beauty Pt. 2" für ein wahres Hörvergnügen. Zum Dahinschmelzen gefühlvoll! Tipp!

Underground Paris - Beauty Pt. 1 @ Soundcloud


Underground Paris - Beauty Pt.2 by Underground Paris


Eine ähnliche Richtung schlägt Julian Raymond Smith alias October (Caravan Recordings) ein. Jazz, Space Disco und krautiges Material verarbeitet er in seinem Podcast für die Process Series auf Modifyer. Chick Corea, Pointer Sisters, Tangerine Dream, und so weiter.

october - process part 253 by modyfier


Auch die Souldiction-Podcast-Reihe hat über die letzten Wochen Zuwachs bekommen. Heute über Mittag gehört, die Nr. 42, für die sich Blunted Monkz a.k.a. Dany Sugaman an die Plattenteller gestellt hat. Fängt mit Eberhard Weber auf ECM Records an. Hört mit Donald Bird auf Arista auf. Und dazwischen? Anhören!

"Goin´n´comin" Mix by Blunted Monkz for Souldiction42 by souldiction


Daniele Baldelli bedarf keiner Vorstellung mehr. Ohne ihn kein(e) "Cosmic Disco". Oder so. Das folgende Mixtape von ihm kennt daher mit grosser Wahrscheinlichkeit auch jeder, der sich auf dieses Blog verirrt. Wenn nicht, anhören!

Podcast #41: Baldelli Cosmic Mixtape 1981 by Gomma


Ebenfalls aus der Klangwolke des Münchener Elektro-Disco-Labels Gomma herausgefischt wurde der Hitz'n'Shitz-Mix des Labelmitgründers Mathias Modica / Munk. Kann man unter Education im weitesten Sinne einordnen. Gehört haben sollte man des Müncheners auf jeden Fall einmal:

Munk Hits & Remix Tape by Gomma


Education in einem engeren - und vor allem im Zusammehang mit diesem Blog weitaus verständlicheren - Sinn ist folgender Mitschnitt. Zu finden in der Soundcloud des umtriebigen Rico Passerini a.k.a. r_co. Der Urheber? Mighty Theo Parrish. Fast vier Stunden. Einschliesslich Tracklist, die nur noch wenige nicht identifizierte Tracks ausweist. Ein Traum!

Theo Parrish Live @ Taico Club 09 Kawasaki - 2010 by R_co


Zum Träumen schön ist auch dieser Podcast. Die Tracks zusammengestellt und eingespielt hat der Züricher DJ Dejan, der zwischen Zukunft, Cabaret, Hive, Alte Börse & Co. nahezu jeden Club der Limmatstadt mit seinem Sound bereichert hat. Zu finden ist der Mix auf Autobrennt, einer US-amerikanischen Plattform für buntes Nachtleben.

Dejan - Podcast @ Autobrennt


Weiter geht's mit Maayan Nidam. Für einen Gig im Rahmen einer Veranstaltung in Athen, Deep Inside (Athens), hat sie einen Promo-Mix eingespielt, der mich in den letzten Tagen immer wieder einmal begleitet hat. Hörempfehlung. Unbedingt!

Maayan Nidam - deep inside athens promo mix by Deep Inside (Athens)


Northern Purpose ist eine Clubnacht in London, die sich unter die Fahne eines tiefgehenden House-Sounds, also Deep House, gestellt hat. Die Veranstalter bieten auf ihrem Blog neben den allgemeinen Event-Informationen auch eine Podcast-Reihe an. Davon hier die No. 1:

Carl H. - Northern Purpose Podcast No. 1

Download: Carl H. - Northern Purpose Podcast No. 1 @ Mediafire


Andy Bird von Birdsong Music und Love Fever gehört ebenfalls zur Gattung der Vinylsammler und Obskuritäten-Jäger. Sein Disco-Mix für die Feel Up-Podcast-Reihe hat meinen mp3-Player nie verlassen. Genauso wird es auch dem Mitschnitt ergehen, den der Londoner über seinen Soundcloud-Account teilt. "4 am Special / Love filled the air, for a moment in time she was mine...":

4am Special / Love filled the air, for a moment in time she was mine... Andy Bird 26.02.11 by andybird


Aus dem Hause Kompakt direkt ins Haus geliefert wird der nächste Mix. Mit Tracks von Roman Flügel, Robag Wruhme oder Map.Ache erfreut hierauf Kompakts Tobias Schmid. Gefällt ausgesprochen gut!

Tobias Schmid - Sunny Rainday by Kompakt


Den Abschluss machen heute Taron-Trekka mit einer K-I-L-L-E-R Auswahl an Tracks. Die Jungs treten mit einer Topform an, auch in Sachen Produktion (wie auch ihr Beitrag für die FAT-Jubiläums-Compilation zeigt. More to come.)

Taron-Trekka - 02/2011 by Taron-Trekka


English (short) version: glad to have escaped Rose Monday, especially its negative spin-offs, where nothing more than sweaty red-faced rednecks get together in bulk to dive into buckets of sangria. Instead of this kind of chavvy techno you are compelled to listen to when on the way to work, we share a dozen of mixes that hopefully will be your lifesavers during this week. The kick-off is eclectic, Jeremy Underground Paris and October on mixing duties among others; Theo Parrish, Maayan Nidam, Andy Bird. And Taron-Trekka with a irresistible, impressive and captivating glow-in-the-dark-groove track selection. Enjoy!

Stadtmusik Festival - Artist Special: Theo Parrish

Das Stadtmusik Festival in Basel im vergangenen (Spät-)Sommer, gehosted von den livingroom.fm-Machern, war eine sehr feine Sache. Musiker unterschiedlichster Genre bespielten dabei den Innenhof des Kunstmuseums. Der Abend, die Nacht mit dem höchsten Erinnerungswert war sicher, als Sassy J und Theo Parrish die musikalische Leitung übernehmen durften.

Da ich gerne in Erinnerungen schwelge, an dieser Stelle das kleine feine Video zu Theo Parrish in Basel:




English (short) version: Theo Parrish in Basel (August 2010) - extracts of interview.

Rick Wilhite - Analog Aquarium

Das Album-Jahr 2011 hat bereits mächtig Fahrt aufgenommen. "Well Spent Youth" von Isolée und "Blue Songs" von Hercules & Love Affair lassen seit kurzem gewisse Stoffe im Körper höher und höher steigen. Adrenalin, Endorphin, und so weiter. Die Musik sorgt für euphorische Glücksgefühle, wie man sie vom Frischverliebtsein her kennt. Kaum noch steigerungsfähig, das Wohlbefinden, oder? Dann sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es nicht mehr lange dauert, bis Alexander Barck und Christian Prommer mit "Alex and the Grizzly" ihr Debüt geben werden, dass die Veröffentlichung von Robag Wruhmes "Thora Vukk" unmittelbar bevorsteht, und auch aus dem Hause Stimming darf man Neues erwarten.

So weit, so gut. Heute (und in den nächsten Tagen und Wochen) jedoch verpassen die zehn Tracks auf "Analog Aquarium" dem persönlichen Gücksgefühl einen Schub und bewirken eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit. Es ist - man kann es kaum glauben - das Debüt von Rick Wilhite im Albumformat. Erscheinen wird der Longplayer Mitte / Ende März auf Jerome Derradjis Label Still Music. Das Album beinhaltet Soloproduktionen sowie Tracks, die in gemeinschaftlicher Arbeit mit Malik Pittman, Osunlade oder Theo Parrish entstanden sind. In den zehn Tracks ergründen Rick "The Godson" Wilhite und seine Co-Produzenten - klar - House. Doch wirken die Tracks vielmehr wie aus einer experimentellen Jam-Session heraus entstanden, vereinen sie doch unter dem Oberbegriff "House" urbanen Funk, Jazz, Soul und Disco. Eklektisch, ohne die Traditionen zu verraten. Dope!


Rick_Wilhite_Analog_Aquarium by stillmusic


English (short) version: Rick "The Godson" Wilhite will release his debut album in March 2011 on Still Music, a Chicago based imprint run by Jerome Derradji. Expect ten tracks that feel like an eclectic jam session that is born from a respect for tradition but reflects a modern and innovative approach to house music.



Mehr im Web:

Rick Wilhite @ MySpace
Rick Wilhite - Analogue Love - Potrait @ Resident Advisor
Still Music
Still Music @ MySpace
Still Music @ Soundcloud

Mixed up monday (36)

http://iareangeline.tumblr.com/post/921326253/via-ache
Zwei Worte, die das vergangene Wochenende zusammenfassend wiedergeben: licht- und Federweisser-trunken. Der Herbst präsentierte ein Oeuvre, das geradezu überqoll an Farben, sinnlich warmen Düften und opulenten Aromen. Unendlich lebenshungrig galt es, diese Schönheit in sich aufzunehmen, und dabei dennoch der Vergänglichkeit dieser Momente stets bewusst. In gewisser Weise zeichnet die heutige Mix-Rundschau ein Abbild dieser Stimmung. Auf der einen Seite opulente, orchestrale Disco- und Pop-Sounds sowie in deren Fortführung House in klassischer Interpretation. Auf der anderen Seite Detroit House und Techno, zeitgenössisch klassische Musik und Jazz, durchzogen von wehmutsvoll melancholischen Motiven, Düsternis und Dunkelheit.


Eröffnen darf deswegen auch ein (etwas älterer) Mix, der auf Headphone Commute bereitliegt und den schlichten Titel "Modern Classical" trägt. Er führt zusammen Stücke von Hauschka, Max Richter und Jacaszek, um nur die bekanntesten Musiker zu nennen. Letztgenannten, Jacaszek, könnte der aufmerksame Leser der Seite Resident Advisor noch vom Februar diesen Jahres her kennen, als der polnische Musiker eine Podcast-Ausgabe einspielen durfte. Modern Classical - Mix @ Headphone Commute.


Im folgenden Mix, ausgegraben im Percussion Lab, dreht sich ebenfalls alles um Moderne Klassik. Mit einem Unterschied: im Fokus dieses Mixtapes steht das Pianoforte, das Klavier. Wiederum mit einem Stück von Max Richter, daneben John Cage, Christian Fennesz & Ryuichi Sakamoto u.v.m. Low Light Mixes - PNO 2010 @ Percussion Lab.


Das Klavier ist es auch, was zum nächsten Mix überleitet, denn es geniesst, als Solo- wie auch als Begleitinstrument, eine besondere Bedeutung im Jazz. Play Jazz Loud wartet auf mit einer scheuklappenfreien Mischung aus klassischem Jazz und Soul sowie einer zwischen den Genregrenzen sich leichtfüssig bewegender Musik. So gehen Daft Punk Hand in Hand mit Oliver Nelson, Arcade Fire gesellen sich zu Miles Davis, und Massive Attack begleiten Jackie Mittoo. Play Jazz Loud - Sessions Vol. 57 sowie Play Jazz Loud - Sessions Vol. 57 - Direct Download.


Von Jazz zu Pop. Plaid Music bietet dieses Genre an in einem Mix von Dr. Rob (wohl derselbe, der auf Testpressing regelmässig Eklektisches zu Tapes verarbeitet) - eine Hörerfahrung_ Dr. Rob - Sorting Out My Sevens For Elliot @ Plaid Music.


Nach Moderner Klassik, Jazz und Pop fehlt nur noch Rock. In dieser Musikschublade kenne ich mich zugegebenermassen überhaupt nicht aus - Zugangs- und Zuordnungsschwierigkeiten hoch zwei. Eine überaus hörenswerte Einführung in Sachen (Balearic) Rock bekommt man derzeit via AOR Disco, die zu zwei Mixen von Mindless Boogie verweisen. Meines Wissens habe ich bereits einmal einen kurzen Link dazu gesetzt. Da auch im Hinblick auf Musik der Grundsatz "Repetitio est..." gilt, hier noch einmal:

Balearic Rock Vol 1 by Mindless Boogie

Balearic Rock vol 2 by Mindless Boogie


Und endlich geht's in (für mich) bekanntere Gewässer. Auf Testpressing lädt seit vergangenem Mittwoch der Mann, der den Klubb Kebabb erfand, zum kurzen und gepflegten Tanzbeinschwingen ein. Super Sache! Rune Lindbaek - Flytog Mix @ Testpressing.


Zwischen Schwulst und Opulenz bewegen sich die Mixtapes auf Space Boogie / Italo Deviance. Marcello Giordani, Betreiber des Blogs, verlinkte am vergangenen Freitag etwas mehr als ein halbes Dutzend Mixe von u.a. Bottin, Ajello und sich selbst. Unmöglich, diese alle hier aufzuführen, daher stellvertretend nur das seine - alle übrigen gibt's auf dem Blog.

(DJ_Set) Marcello Giordani - Selezione da Discoteca by Marcello★Giordani


Fehlen darf in diesem Zusammenhang auch nicht der Mix, den Thomas Hammann für It's OK To Hate Your Job von Oliver Hafenbauer und Manuel Raven eingespielt hat. Viel mehr einleitende Worte braucht's da nicht!


Nur eine Erziehungsfunktion erfüllende Mixe bisher? Bei aller Kultur muss auch gefeiert werden? Qualitätseinbussen in Sachen Musik darf es dennoch keine geben?


Da kommt für die Nur-House und Nur-Techno Heads gerade Recht, dass die Booking-Agentur von (u.a.) Keith Worthy einen Mitschnitt seines Sets, gespielt auf einer Pre-Party zum Festival "Stop Making Sense" vor einigen Tagen veröffentlicht hat. Grande!

Keith Worthy - Live recorded at SMS Special 2010 by The Secret Agency


Ebenfalls des Lobes voll sein kann und darf man über den folgenden Mix. Zusammengestellt und eingespielt hat ihn der Österreicher Felix Leiter alias Bionic Kid alias Bnckd. Musikverliebte und aufgeschlossene Stuttgarter (und Umgebung) konnten ihn vor einiger Zeit im Rahmen des Spaceways Festival erleben. Wer ihn verpasst hat oder sich gerne einmal ein akustisches Bild seiner Musikauswahl machen möchte, sei an dieser Stelle auf seine "Detroitjazzin Mixes" verwiesen oder auch auf seine (gemeinsam mit Thomas De Martin und Kid Soon gehostete Show "313" auf Superfly.fm). Besonders angetan hat's mir die Show vom 20. September 2010. Anhören!

313 RADiO - #101 / 20.09.2010 by BNCKD & Kido Soon by BNCKD


Scott von Trackwerk hat über's Wochenende wieder einmal einen Mix zusammengeschraubt. Einige der darin enthaltenen Sounds von u.a. Nebraska, Steven Tang oder Keith Worthy wurden ja entweder hier oder auf Monday Edition vorgestellt. Man kennt sie, und dennoch ist es schön, sie in einem einzigen Mix einmal vorgespielt zu bekommen:

Scotts fathoms mix (part one) by trackwerk


Dass Hakim Murphy auf Little White Earbuds, dass die Beatdown Posse, also Norm Talley, Delano Smith und Mike "Agent X" Clark auf Resident Advisor und dass Kassem Mosse für Fact einen Podcast beigesteuert haben, ist nur noch Sahnehäubchen und Kirsche zugleich auf der dieswöchigen Torte.


Und wer Theo Parrish bei Benji B im Programm der BBC verpasst hat, kann sich das Set hier herunterladen.



English (short) version: Our today's selection appears like a colourful bouquet of flowers boasting of an amazing variety and diversity. Or, if you prefer a more seasonal approach, we celebrate autumn's bountiful harvest. Taking off with partly mournful, partly morbid, partly melancholic contemporary classic music, this journey allows you to sit back and discover the richness of pop, jazz, disco, house and techno by many well known disc jocks and still-to-discover artists. Enjoy!

Crue L Grand Orchestra - (You Are) More Than Paradise - Theo Parrish Remixes

Der englische Musiker Elvis Costello soll folgenden Ausspruch geprägt haben: "Writing about music is like dancing about architecture - it's a really stupid thing to want to do." Jedes Mal, wenn ich mich an den Schreibtisch setze, um einen Blogeintrag zu verfassen, halte ich diese Äusserung im Hinterkopf präsent. Und pflichte Elvis Costello - in gewisser Weise - bei. Denn das Schreiben über Musik ist eine Aufgabe und Herausforderung, an der man ein um's andere Mal scheitert, ja sogar scheitern muss, bleibt doch jeder Eintrag, jede Rezension auch aus der Feder eines Profis nur ein Übersetzungsversuch, ein bröckeliger, brüchiger Brückenbau zwischen diesen beiden Sprachwelten. Bei aller schöpferischer Sprachgewalt, bei aller jenseitiger Übersetzungsgabe sollte man daher nicht vergessen, dass ab und an ein kindliches Staunen und ehrfurchtsvolles Schweigen mehr Wert ist, als jedes einzelne geschriebene Wort. Und das ist bei Theo Parrishs Remixen für das Crue-l Grand Orchestra der Fall.

Crue L Grand Orchestra '(You Are) More Than Paradise (Theo Parrish Long Version 1) (Crue L Japan) by cmjct


English (short) version: sometimes you'd better be as quiet as a mouse and listen reverently to the music, especially when it comes to a masterpiece like the Theo Parrish remixes of "(You Are) More Than Paradise" by Crue-l Grand Orchestra.

Stadtmusik Festival Basel w /Theo Parrish - ein Nachtrag

Wie lange habe ich auf diesen Freitagabend gewartet. Wochen. Monate. Seit Bekanntwerden des Programmkalenders ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht an dieses bevorstehende Ereignis gedacht habe. Erstaunlich, wie stark mich doch ein einziger Name emotional zu vereinnahmen vermag, der zudem kein Frauenname ist. Für Aussenstehende kaum oder gar nicht nachvollziehbar. Doch handelt es sich hier um Theo Parrish. Und der Anlass? Das Stadtmusik Festival in Basel, eine rund einen Monat währende Veranstaltung, (mit-)ausgerichtet und (mit-)organisiert von den livingroom.fm-Machern. Gewissermassen eine für jedermann frei zugängliche Live-Radiosendung, die sich die "urbane Jetztmusik" zum Anliegen gemacht und auf die Programmfahne geschrieben hat. Im Rahmen dieses Festivals, in Basel das erste (?) seiner Art, geben sich in dieser Zeit Live Acts und DJs wie Onra, Funkineven, Dimlite, Ashley Beedle, Appleblim, eine ganze Reihe Basler Local Heroes und eben Theo Parrish den Tonabnehmer, die Drehknöpfe des Mischpults, in die Hand. Theo Parrish. Je näher der Tag beziehungsweise der Abend rückt, an welchem er das Festival beehren, den Innenhof des Kunstmuseums in einen Klangkokon aus Jazz, Funk, Soul, Disco und House hüllen wird, desto unruhiger werde ich. Mit seinem Namen in Gedanken schlafe ich abends ein und wache morgens auf.


Verregnete, wolkenverhangene Tage und eine hohe Arbeitsbelastung im Vorfeld, eine seit Wochen anhaltende, mit Kaffee, Powerfood- und -napping nicht mehr auszuräumende Müdigkeit lassen mich ein wenig benommen in den Sitz der DB Regio von Freiburg nach Basel - Badischer Bahnhof fallen. Der Willkommensgruss ab Band zu Beginn der Fahrt verhallt im Nichts und verschmilzt mit dem Spätnachmittags-Small Talk meiner Mitreisenden zu einem unverständlichen badischen Sprachbrei. Mein körperliches Empfindungsvermögen und meine geistige Leistungsfähigkeit werden kontrastiert durch einen tiefblauen Himmel, sich auflösende, mit dem Wind dahinziehende Haufenwolken und sanft wärmenden Sommerstrahlen. Auftrieb für die Seele. Mit den Wolken verfliegen auch meine anfänglichen, in der Vorwoche auch hier geäusserten Bedenken (anderenorts als Voreingenommenheit, gar Vorurteilsbeladenheit ausgelegt).


Efringen-Kirchen. Eimeldingen. Weil am Rhein. Und endlich Basel. Badischer Bahnhof. Was im Herbst nach draussen und auf's Rennrad lockt, eine sanfte Hügellandschaft, für den Weinanbau geeignetes Terrain, fein säuberlich herausgeputzte, üppig mit Blumen geschmückte Winzerdörfer, lässt an manch anderen Tagen Schwermut aufkommen. Landtristesse. Wohnen, wo andere sich eine Auszeit nehmen, Urlaub machen, aber ganz bestimmt kein Mensch sich zum feiern hinverirren mag. Genug lamentiert, denn immerhin geht in meiner (Wahl-)Heimatstadt ja auch immer wieder etwas, und Basel ist mit dem öffentlichen Personennahverkehr ebenfalls bestens erreichbar, um der heimischen Behaglichkeitsfalle für ein paar Stunden zu entfliehen. Anyway.


Vom Badischen Bahnhof aus bringt einen die Strassenbahnlinie 2 unmittelbar vor's Kunstmuseum, dem Austragungsort des Stadtmusik Festivals. Dicht gedrängt stehe ich mit einer Vielzahl Teenager, Twens und Third Ager, alle bestgelaunt, das Wochenende nicht mehr nur in greifbarer Nähe. Es hat bereits begonnen. Ich befürchte eine kurze Zeit, habe sogar Angst, dass all diese Leute mit mir an der Haltestelle "Kunstmuseum" aussteigen werden, um sich das Set von Theo Parrish zu geben; schliesslich verirrt sich dieser Mann nicht allzu oft an den (Ober-)Rhein, schon gar nicht auf eine Veranstaltung mit freiem Eintritt (daher schon an dieser Stelle DANKE an die Veranstalter, Sponsoren, Mäzene, u.s.w.). Verfluchte Paranoia. Von diesen Mitfahrenden haben wahrscheinlich noch nicht einmal zehn Prozent etwas von Theo Parrish gehört, bringen Disco mit Glitzersteinchen, weissen Schlaghosen und Rüschenblusen in Verbindung und feiern ihr Wochenende, ohne auch nur einen einzigen Gedanken an die Musik zu verschwenden, die sie dabei hören werden. Manchmal beneide ich sie, die so feiern können. Bei mir geht das nicht (mehr), ging es noch nie.


Am Kunstmuseum steigt mit mir nur ein älteres Ehepaar aus, das jedoch in Richtung Stadtmitte spazieren wird. Vor mir ragt der Museumsbau in den Basler Augusthimmel. Ein grosses kubisches Gebäude. Hellgrauer Stein. Monumentalästhetik der 30er-Jahre. Erinnert nicht nur aufgrund seines geradlinigen geometrischen Bauschnittes ein wenig an den in dieser Zeit sehr gerne und durchaus ideologiefrei getragenen Fassonschnitt mit Seitenscheitel. Allzu weit hergeholt scheint diese meine Assoziation nicht zu sein, denn das Kunstmuseum in Basel wurde in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet. (Architekten und Kunsthistoriker dürfen meine Einschätzung in den Kommentaren zerreissen). Die Rohheit des Gebäudes beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Vorbei an drei Angestellten eines Sicherheitsunternehmens, deren Freundlichkeit nicht aufgesetzt wirkt, geht es in den Innenhof. Mehrere Sitzgelegenheiten, (kunst-)lederne Sitzwürfel, braun gehalten, belegt mit ebenfalls braunen Kissen, die das Logo eines Zigaretten herstellenden Unternehmens zieren, laden ein, Platz zu nehmen, einen Augenblick zu verweilen, die Stimmung aufzunehmen und auf sich wirken zu lassen.


Unzählige weisse Bänder, welche von einem über den gesamten Innenhof gespannten Netzgeflecht herabhängen, streuen das warme Licht der untergehenden Augustsonne und sogen für eine weiche Ausleuchtung. Jetzt, genauso wie auch zu später Stunde, wenn ein zwischen rot, grün/türkis und blau/violett changierendes Kunstlicht sie anstrahlt. Vereinzelt sitzen kleine Gruppen junger Menschen, Jungs und Mädels gleichermassen, auf den Sitzwürfeln. Sie trinken den spätestens in diesem Jahr auch in unseren Breiten einem grossen Publikum bekannt gewordenen Aperol Spritz. Gespräche werden, wenn überhaupt, mit gedämpfter Stimme geführt. Kaum einer scheint ein Interesse zu haben an der Musik, welche die Bernerin Sassy J derzeit präsentiert. Ganz zu schweigen von Theo Parrish später.


Sassy J. Vor einigen Wochen stand sie nach langer, sehr langer Zeit wieder einmal in Freiburg bei Tageins an den Plattentellern. Ihr eklektisches Set habe ich noch in bester Erinnerung. Für die 4/4-Fraktion, die vor allem eines will: Abfahrt um jeden Preis, war es sicherlich ungewohnt. Wahrscheinlich haben sehr viele zum ersten Mal in ihrem Leben wirkliche Musik in einem Clubkontext zu hören bekommen. Für mich war es eine akustische Wohltat, ein Stunden dauernder Augenblick der Erleuchtung. Zuhören, sich öffnen, die Klang- und Rhythmusvielfalt sowie die Melodiosität auf die Seele wirken zu lassen. Ein Stimmungs- und Spannungsbogen von Jazz / NuJazz über Broken Beats, UK Funky und Dubstep mit den Euphoriemomenten eines Joy Orbison hin zu Disco / Boogie-Klassikern und Michael Jackson-Hymnen der frühen Achtziger Jahre. Ein Traum. Höchst willkommene Abwechslung zu der geraden Bassdrum. Nach ihr schlägt zwar mein Herz, doch in letzter Zeit verspüre ich immer stärker ein Gefühl von Überreizung, Übersättigung. Nicht minder ausgewählt ist ihre Selection am heutigen Freitagabend zur Untermalung und Einstimmung auf den Mann aus Detroit. Jazz, Electronica, ein wenig in Richtung Pop weisende Stücke mit Gesang, Disco, einen Edit von Theo Parrish glaube ich herauszuhören sowie Floating Points "Peoples Potential". Sehr gerne hätte ich über ihre Schultern auf die Plattenteller geschaut, um manch ein unbekanntes Stück für mich zu identifizieren. Doch Decksharks sind nervig, und auf die Nerven gehen möchte ich niemandem. So lege ich mich in die Sitzkissen, schliesse die Augen und geniesse.


Die Zeit scheint an mir vorüber zu fliegen und zugleich stehen zu bleiben. Ein Gefühl tiefer innerer Ausgeglichenheit und Ruhe erfasst mich. Und irgendwann, in dieses Moment der Zeitlosigkeit und Alltagslosgelöstheit, erscheint der Hauptact. Theo Parrish. Gekleidet in Bermuda Shorts in Baggy-Style, schwarzes T-Shirt und Sonnenbrille auf dem Kopf, betritt er mit einem beschwingt federnden, zügigen Gang den Innenhof des Kunstmuseums, mit einer Hand seinen Plattenkoffer nach sich ziehend. Ein wenig erweckt er den Eindruck eines Leichtathleten, der ein Wettkampfstadion betritt. Hoch konzentriert auf das bevorstehende Kräfte- oder Geschwindigkeitsmessen, dennoch locker und cool aufgrund seines sicheren Wissens, auf der Bahn glänzen zu können. Nach einem kurzen Drink an der Bar ist er bereit für das Radio-Interview, welches Sassy J stilsicher musikalisch untermalt. Theo Parrish erzählt - in meinen Augen - mit grosser Leidenschaft von den ersten Schritten hin zur Musik, wie stark ihn als heranwachsender Junge Jazz, Soul aber auch moderne klassische Musik beeindruckt und durch die Zeit seines Kunststudiums in Chicago und auf dem Kansas City Art Institute geführt haben. Er gewährt einen kurzen Einblick in seine persönliche Herangehensweise an (Club-)Musik, betont mehrmals, wie wichtig es sei, seine eigenen Wurzeln und diejenigen der (Club-)Musik nicht zu vergessen, und nimmt schliesslich Stellung zu der Frage Vinyl vs. mp3. Kurz und prägnant bringt er es auf den Punkt: "For me, vinyl is king." Diesem Satz gibt es nichts mehr hinzuzufügen.


Augenblicke später steht er selbst an den Decks. Wer Theo Parrish schon einmal hat auflegen hören, weiss, wei sehr er sich in seine Musik vertiefen kann. Regelmässig scheint er eins zu werden mit dem Mischpult, mit den Bassfrequenzen und dem Rhythmus der gespielten Stücke zu verschmelzen. Der durchdringende aber sonore warme Klang eines Saxophons erfüllt den Innenhof des Basler Kunstmuseums. Klagend und melancholisch, in der Tiefe jedoch lebensfroh ist der Melodiebogen, welcher auf ihm ein mir unbekannter Musiker für diese Platte eingespielt hat. Nur zögerlich setzen dazu eine träumerisch-sphärische Perkussion sowie ein beeindruckender Basslauf ein. Theo Parrish schraubt, dreht an den Equalizern und arbeitet sich am Bassgroove ab. Ich glaube, ich habe diesen Vergleich bereits einmal gebracht, doch: in diesem Augenblick fühlt man sich versetzt in einen kleinen, engen Jazzkeller der 50er / 60er Jahre, in welchem eine Drei-Mann-Combo auf einer leicht abgesetzten Bühne steht und unermüdlich einen Standard nach dem anderen spielt, umgeben von dichtem Zigarettenrauch, ausgelassenem Gelächter und angeregt geführten Diskussionen. Von Jazz beziehungsweise Jazz-beeinflussten Platten spielt sich Theo Parrish zu Disco, Soul und Uptempo R'n'B aus dem Umfeld der Hitschmiede Motown sowie Funk und allerlei Fusion-Sounds. Ich glaube, Roy Ayers, Marvin Gaye und Azymuth herauszuhören genauso wie eine elegische Violinen-Passage, die mich sehr an Jean Luc Ponty erinnert. Ein Set, in welchem er all seine "roots and influences" präsentiert. Mighty Theo Parrish!


English (short) version: [after the weekend]


Mehr im Web:

Stadtmusik Festival Basel
Theo Parrish / Sound Signature @ MySpace
Theo Parrish / Sound Signature @ Facebook
Theo Parrish - Sets @ Fullbozman

Stadtmusik Festival Basel

Seit eh und je ist livingroom.fm, das heisst: Thomas Brunner und sein Redaktions- und Moderationsteam (Katja Reichenstein, Danielle Bürgin, Gabriel Jenny und Roman Willy), darum bemüht, in ihrer Radiosendung "Zeitgeist-Radio mit Tiefgang" rund um das Thema Musik unmittelbar am Puls aktueller Strömungen und Tendenzen zu präsentieren. Einmal in der Woche, jeweils Donnerstags von 19:00 bis 00:00, wird livingroom.fm live in der Osteria Acqua in Basel produziert und auf der Frequenz von Radio Basilisk (107.6 FM) ausgestrahlt. Zu hören ist die Sendung nicht nur vor Ort und über den Livestream, sondern auch in über das Basler Stadtgebiet verteilt liegenden sogenannten Trabanten-Hubs, beispielsweise das Les Garecons oder die Grenzwert Bar.

Das musikalische Anliegen und Konzept ist bewusst sehr weit gefasst und legt sich nicht auf einen Musikstil fest. Es berücksichtigt sämtliche Trends in der Musik, die in jüngster Zeit diskutiert wurden, lässt dabei jedoch die Wurzeln "urbaner Sounds" nie aus den Augen. Aus den Genre-Bereichen Jazz / NuJazz über Soul, Funk, Disco, House, Techno, Broken Beats und Dubstep war dementsprechend alles vertreten, was in der Szene Rang und Namen geniesst: das Sonar Kollektiv / Innervisions-Camp um Âme, Dixon, Jazzanova, Roland Appel, Trickski oder Georg Levin; die französische (Deep) House- und Disco-Speerspitzen DJ Deep, Pépé Bradock oder I:Cube & Gilb'R sowie absolute Global Player wie Anders Trentemöller oder José James. Aber auch regionale Helden wie die Freiburger DJs Raimund Flöck, Shaddy oder Agent Schwiech waren schon zu Gast bei livingroom.fm. Ein beachtliches Line Up und eine anerkennenswerte Leistung, auch wenn es mir persönlich lieber wäre, wenn diese Künstler ihre Musik im Clubkontext präsentieren, als zwischen Rotwein, Legenden und zahlreichen Gästen, denen die mediterrane Küche der Osteria Acqua mehr bedeutet als ein rarer Boogie-Groove serviert von Kon & Amir oder ein Stück'chen deeper House von Pépé Bradock.

Anyway. Das Team von livingroom.fm ist eine der treibenden Kräfte hinter dem Stadtmusik Festival, welches am morgigen Donnerstag, den 05. August 2010 beginnt und bis einschliesslich Samstag, den 04. September 2010 andauern wird. In diesem Zeitraum wird der Innenhof des Basler Kunstmuseums zum Austragungsort einer Veranstaltungsreihe, die sich neben ihrem Hauptanliegen, der Musik, auch Themen aus den Bereichen Literatur, Design, Film, Jugendkultur und Kunst annehmen wird. "Eine spartenübergreifende, erlebbare Plattform für Kulturschaffende und Interessierte" soll in dieser Zeit der Innenhof des Basler Kunstmuseums werden, wozu nicht zuletzt auch die grosse Warhol-Vernissage am Abschlusswochenende (Freitag / Samstag, 03. / 04. September 2010) beitragen soll.

Den musikalischen Auftakt am morgigen Donnerstag machen die Goldfinger Brothers und Sonar Kollektivs Christian Prommer, der ab 21 Uhr sein Projekt "Drumlessons" gemeinsam mit Kevin Sholar und Christian Holzhausen vorstellen wird. Weiter geht's u.a. mit dem Detroiter Theo Parrish, Onra, Funkineven, Appleblim und King Britt. Be there, or be...ihr wisst schon!


Das vollständige Programm liest sich folgendermassen:


Donnerstag 5. August » CHRISTIAN PROMMER, GOLDFINGER BROTHERS

Freitag 6. August » STADTMUSIK MEETS PATCHWORK: THEO PARRISH

Samstag 7. August » STADTMUSIK MEETS PATCHWORK: LITTLE DRAGON & ESKA

Sonntag 8. August » LUSINE, AKAY

Montag 9. August » CHRIS AIR, DARIO ROHRBACH

Dienstag 10. August » STADTMUSIK MEETS PATCHWORK: ONRA

Mittwoch 11. August » STADTMUSIK MEETS PATCHWORK: DIMLITE & HUM RECORDS DJS

Donnerstag 12. August » ASHLEY BEEDLE, SOUL SOCIEDAD

Freitag 13. August » STADTMUSIK MEETS PATCHWORK: FUNKINEVEN & FATIMA, CINNAMAN

Samstag 14. August » STADTMUSIK MEETS PATCHWORK: I.G. CULTURE, MARI.CHA

Sonntag 15. August » DJ PUN, ODDDJS

Montag 16. August » MARK DE CLIVE-LOWE

Dienstag 17. August » TRU THOUGHTS

Mittwoch 18. August » ELECTRIC MINDS

Donnerstag 19. August » ISM RECORDS

Freitag 20. August » CRAZY P

Samstag 21. August » FUTUREBOOGIE, HUNDREDS

Sonntag 22. August » GELBES BILLETT

Montag 23. August » LAMOSH273, KONZEPTLOS

Dienstag 24. August » WALLIS SPECIAL

Mittwoch 25. August » APPLEBLIM

Donnerstag 26. August » STRIKER NIGHT

Freitag 27. August » OUTER SPACE! SNS KING BRITT & RUCYL

Samstag 28. August » SIMBAD, PUPKULIES

Sonntag 29. August » NADJA STOLLER, GOLDAMOUR

Montag 30. August » MOJO KNIGHTS, PUN

Dienstag 31. August » LOVE TEMPO

Mittwoch 1. September » LEXX, DOMENICO FERRARI & VALENTINO TOMASI

Donnerstag 2. September » OGRIS DEBRIS

Freitag 3. September » WARHOL VERNISSAGE

Samstag 4. September » WARHOL VERNISSAGE


Kurz gefasst:


Was? Stadtmusik Festival

Wo? Kunstmuseum Basel, Innenhof, St. Alban-Graben 16

Wann? Donnerstag, 05. August 2010 - Samstag, 04. September 2010; (die jeweiligen Zeiten bitte dem Programm entnehmen!)


Mehr im Web:

livingroom.fm
Stadtmusik Festival
Festival Infos
Kunstmuseum Basel


English (short) version: Stadtmusik Festival, hosted by Thomas Brunner and his livingroom.fm-crew, will hit the courtyard of the Kunstmuseum in Basel / Switzerland from tomorrow (thursday / 05th august 2010) onwards. From then on you'll be served with quality showcases focusing on all kind of arts, literature, film, fine arts, and especially music. Check the programme (as written above), fix some dates, and for further information check the links. Be there, or...you know the rules!

Termine im August

August. Ferienmonat. Festivalmonat. Vielerorts legen die Clubs eine Sommerpause ein. Dafür stehen Festivals, Ein-Tages-Open-Air-Veranstaltungen und - für viele - die weisse Balearen-Insel auf dem Feierprogramm. Dementsprechend fällt die Terminvorschau für diesen Monat etwas bescheidener aus.

Für Freiburg fallen mir spontan ein:

- Freitag, der 13. August 2010, White Rabbit. Die Jungs der Beats'N'Tronics Radio Show bestreiten in diesem kleinen Kellerclub eine Nacht. Zu ihnen gehört Simonis, der zur Zeit fleissig an eigenen Sounds herumschraubt und auf Soundcloud auch schon den einen oder anderen, in Richtung (Deep) House abzielenden Mix veröffentlicht hat. Mal sehen beziehungsweise hören, was er an diesem Abend zum Besten geben wird.


- Samstag, der 21. August 2010, Somebody Scream @ Drifter's mit den beiden Residents Kowski und Shaddy.

- Samstag, der 28. August 2010, Hendrik Vogel in der Jackson Pollock Bar zu einer weiteren Ausgabe seiner Reihe "Groof".

- Samstag, der 28. August 2010, Root Down im Waldsee mit Rainer Trüby, Sharokh aus Karlsruhe und einem oft bei Root Down gesehenen Gast, Nacho Velasco vom Mallorquiner Garito Cafe. Compost Black Label Nacht oder so.


- A priori nicht House, Disco oder Techno hat sich Chillen & Grillen auf die Fahnen geschrieben, dafür umso mehr empfehlenswert ist die entspannte Atmosphäre auf dieser Mittwochsveranstaltung in Kerbers Straussi, in Staufen, südlich von Freiburg, in Mitten von Weinbergen. Jeden Mittwoch im August, und nicht vergessen, einen abstinenten Chauffeur miteinplanen.


Karlsruhe lasse ich einmal aussen vor, ich habe einfach keinen Draht in diese Stadt, es sei denn, jemand füttert mich mit (Insider) Informationen, das Nachtleben der Fächerstadt betreffend.


Tübingen hatte vergangenen Samstag den M_nus-Act Marc Houle zu Gast im Blauen Turm. Dort wird's am Samstag, den 07. August 2010, HOUSEgemachtes geben. Es spielt M. Drysch, der auch beim Elektronischen Sofa mitmischt. Eine Woche später, am Samstag, den 14. August 2010, wird DJ Walker im Jazzkeller auflegen. Was der so spielt kann, lässt sich beispielsweise in seinen Mix "A Soul Thing anhören. Ob eine Ausgabe der Veranstaltungsreihe "Gimme Shelter" durchgeführt wird, weiss ich nicht. Dazu einfach die Website vom Mancuso aufsuchen. Da ist noch das Juli-Programm online, aber vielleicht hat dieser kleine Club auch Sommerpause.


Für Stuttgart wäre zum einen hinzuweisen auf Thursday's Don't Suit Very Well. Am kommenden Donnerstag, den 05. August 2010, wäre es wieder einmal soweit - doch die Website hüllt sich diesbezüglich (noch?) in Schweigen.

Anyway. Zwei Tage später, am Samstag, den 07. August 2010, werden die TDSVW-DJs sich mit einer Vielzahl Gast-DJs einfinden auf Gelände des Nordbahnhofs in Stuttgart. Auf dem Programm steht das Spaceways Festival. Was einen da so erwartet, wird an anderer Stelle noch etwas ausführlicher zu lesen sein. Sollte man sich meiner Meinung nach jedoch vormerken, diesen Termin!

Was das Rocker33, Romy S & Co. zu bieten haben, entnehmt bitte deren Internetauftritten.


Auf geht's, nach Basel. Satisfactory, Nordstern, und so weiter und so fort, legen alle ein paar Wochen Verschnaufpause ein, bevor es Ende August / Anfang September mit Programm wieder weitergeht. Das Programm auf dem Schiff sagt mir nicht wirklich zu, und wer viel lieber zu der auf diesem Blog vorgestellten Musik feiert, wird sich womöglich ebenfalls zwei Mal überlegen, ob er sich Lützenkirchen & Friends antun wird.

Anyway. Die Lücke auffüllen wird das Stadtmusik Festival, präsentiert u.a. von Livingroom.FM. Es beginnt am kommenden Donnerstag, den 05. August 2010, mit einer Vorstellung von Christian Prommers Drumnlessons. Tags darauf, am Freitag den 06. August 2010, wird Theo Parrish im Innenhof des Kunstmuseums Hof halten. Pflichttermin, oder?! Alles weitere zu diesem Festival in einem gesonderten Eintrag.


Zürich blickt der Street Parade am Samstag, den 14. August 2010, entgegen. Dementsprechend richten manche Clubs ihr Programm auf dieses Event aus.

Die Zukunft präsentiert in dieser Zeit, vom Donnerstag, 12. August 2010, bis Samstag, 14. August 2010, das DOSCI-Festival. Geladene Gäste werden sein DJ Kaos, DJ Harvey, Marcus Worgull und Prins Thomas. Tatkräftig unterstützt werden sie von den Zukunft Residents.

Cabaret, Supermarket & Co. bitte der jeweiligen Website entnehmen.


English (short) version: a handful of dates that you mustn't miss if you happen to be in the southern / south western part of Germany or in Basel and Zurich. Sparing with words, but you may check the links and you'll know what's going on.

Theo Parrish - Live At Watergate, Berlin

Vom 08. bis zum 12. Juli 2009 legte die Red Bull Music Academy einen Zwischenhalt in der Spreestadt B. ein. Wie immer im Handgepäck mit dabei jede Menge Workshop-Angebote, Podiumsdiskussionen und Parties, denn letztendlich geht es ja doch immer nur um eines: feiern.

Dies konnte man - und um es gleich vorweg zu nehmen: ich war zu dieser Zeit leider nicht vor Ort - in mehreren dafür besonders geeigneten und nachterprobten Räumlichkeiten. Unter anderem auch in einem kleinen, familiären, vielbesuchten Club an der Spree, der sich über die Jahre zu einem Hauptanziehungspunkt zahlreicher Spanier entwickelt hat, die in die Spreestadt B. fliegen, nur um einmal in diesem - und selbstverständlich auch in einem anderen, noch viel grösseren - Club zu feiern. Längst habt ihr es erraten. Es ist der Club, der seit 2008 regelmässig eine hauseigene, von ausgesuchten DJs eingespielte und abgemischte Mix-Compilation herausgibt, deren Cover jeweils ein tropisch-bunt gefiederter Vogel ziert.

Eröffnet haben dort den Feierreigen die - inzwischen getrennte Wege gehenden - Wighnomy Brothers, Dixon, Quarion und Theo Parrish. Mich beschleicht ein leichter Zweifel dahingehend, dass dieser, Theo Parrish, auch in diesem Frühjahr irgendeinen Club der Spreestadt B. beehrt und ein fulminantes Set abgefeuert hat. Wenn nicht, wird er sicher im August (vielleicht auch schon Ende Juli oder erst Anfang September) dort ein paar Platten drehen.

Doch davor, am Freitag, den 06. August 2010, wird Theo Parrish im Innehof des Kunstmuseums Basel an den Decks stehen. Anlass ist das - unter anderem - von livingroom.fm gehostete Stadtmusik Festival. Es beginnt tags zuvor, am Donnerstag, den 05. August 2010. Ich werde darauf in einem gesonderten Beitrag noch eingehen.

Nicht den Gast aus Detroit, Theo Parrish, und auch nicht die musikalische Gastgeberin, Sassy J betreffend, habe ich sehr grosse Bedenken. Die beiden, Theo Parrish sowieso, doch auch die Bernerin Sassy J, sind zwei DJs, denen ich in nahezu blindem Vertrauen die Plattenteller überlasse. Es ist die Befürchtung, dass der Ort der Austragung, der Innenhof des Kunstmuseums nicht der geeignete Rahmen, dass das damit vornehmlich angesprochene und angezogene Publikum nicht sehr viel mit Theo Parrish, mit House und Disco anfangen kann. Ich hoffe nicht, dass sich an jenem Abend ein vornehmlich arty Publikum, also der Pseudokunst- und intellektuellenszene zuzuordnendes Publikum sich einfinden wird, für die Disco bei "Saturday Night Fever" beginnt und auch gleich wieder aufhört und für die Detroit eine völlig heruntergekommene, nicht einmal mehr gentrifizierungswürdige Stadt ist. Vor einem zu hohen Weisshemdenanteil und Brillen in Tom Ford-Optik habe ich schon jetzt Angst.

Anyway. Ich hoffe sehr, dass die (Haupt-)Veranstalter Theo Parrish und seine Musik entsprechend zu präsentieren wissen!

Als Warm Up und zur Steigerung der Vorfreude eignet sich jedoch das Set des Detroiter Ausnahme-DJs und Produzenten aus dem Watergate bestens. Zu finden ist dies auf der Seite des Red Bull Music Academy Radioy. Viel Spass damit!













English (short) version: in anticipation of Theo Parrishs appearance at this year's "Stadtmusik Festival" in Basel / Switzerland, where he will play a set in the inner courtyard of the Kunstmuseum Basel, feel free to warm up with the four part "Live At Watergate" recording. And my - sleepy - sermon above was about super arty people - they hopefully won't be part of that night - and a larger German city, where Theo Parrish regularly graces the decks.

Rick Wilhite pres. Vibes New & Rare Part B

Den ersten Teil von Rick Wilhites (vierteiliger) Compilation habe ich bereits im April an dieser Stelle in aller epischen Länge und Breite, möglicherweise auch mit sehr viel unnützen Wortbeilagen angereichert, besprochen. Daher steige ich beim zweiten Teil direkt in medias res ein.

Hierauf versammelt der „Godson“ zum einen seinen langjährigen 3 Chairs-Mitstreiter und –Weggefährten Theo Parrish sowie den (für mich) Newcomer-Produzenten aus Chicago, Ricardo Miranda, der jüngst mit „Black Acid“ auf Hour House Is Your Rush auf sich aufmerksam gemacht hat.

Theo Parrishs „When I’m Gone“ zementiert noch einmal / ein weiteres Mal / wiederholt – bei Theo Parrish gehen mir langsam aber sicher die Worte aus, um seiner Leistung gerecht zu werden – seine Leuchtturm-gleiche Ausnahmestellung in der (House-)Produzentenwelt. Wie schon so oft zuvor liegt auch bei „When I’m Gone“ sein Hauptaugenmerk nicht auf dem Aspekt der Clubtauglichkeit, dem „floor filling“, sondern dem Erzählen einer Geschichte und damit einhergehend auf der Erzeugung und dem Aufrechterhalten einer ganz bestimmten Stimmung. In welcher Stimmungslage sich Theo Parrish bei der Arbeit an diesem Track befand – ich weiss es nicht. Fest steht, dass er damit ein novellenhaft ergreifendes Stück voll tiefer Gefühle abliefert. Der system- und genreübergreifende Vergleich zum Schaffenswerk eines Anton Teschechow, Stefan Zweig und zu weiteren Grossmeistern der Erzählkunst liegt Nahe. Mit der (ungeschriebenen) Verpflichtung zum 4/4-Takt, die in der House- /Techno-Musik nahezu Verfassungsrang geniesst, geht Theo Parrish auf „When I’m Gone“ sehr unbefangen um. So begegnen dem Hörer holpernde, leicht schleppende Beats, die mit einem tief ausgeloteter Bassraum den (Grund-)Groove bilden. Allein dieses Grundgerüst würde mich in ganz andere Daseinssphären katapultieren, sollte ich je einmal die Möglichkeit haben, diesen Track auf einer raumausfüllenden, diesen Vibe transportierenden Anlage zu hören. Crossover-Anleihen zu Jazz, Blues und Fusion lassen sich ebenfalls heraushören. Dope shit!

Ganz ehrlich: auch wenn Ricardo Miranda mit „Urbanism“ einen wahnsinns Track abliefert, dessen Sound in der Tradition einer von Glenn Underground, Boo Williams und vielen anderen Produzenten aufgebauten Chicagoer Schule steht - hinter Theo Parrishs Teil tritt er ein wenig zurück. Aber es ist ganz bestimmt keine Schande, Zweiter hinter Theo Parrish zu sein.

Zum Abschluss noch dies: Part C befindet sich ebenfalls im Anflug. Man darf sich auf ein joint venture zwischen Rick „The Godson“ Wilhite und Kyle Hall freuen. Dass letzterem derzeit produzentenmässig alles gelingt, ist ja ein offenes Geheimnis.


English (short) version: the second part of Rick "The Godson" Wilhites New & Rare - Compilation comes along with a track by Theo Parrish - the finest of the illest music and beat patterns - and another tune by Ricardo Miranda - soulful house in a Chicago tradition.


Mehr im Web:

Ricardo Miranda @ last.fm
Ricardo Miranda @ MySpace
Ricardo Miranda – Black Acid Review @ Little White Earbuds
Theo Parrish / Sound Signature @ MySpace
Rick “The Godson” Wilhite @ MySpace

Billy Love - Melloghettomental

Eine neue 12" auf dem US-amerikanischen (um für einmal nicht "Detroiter" zu schreiben) Label Sound Signature ist stets ein freudiges Ereignis. Denn (nicht nur) der anspruchsvolle Genrekenner weiss, dass entweder Theo Parrish selbst darauf veröffentlicht beziehungsweise er als Produzent hinter der jeweiligen Release steht. Der Meister, der an den Equalizern eines Mischpults jeweils eine Heidenarbeit verrichtet und diese bis ins Letzte auf ihre Belastbarkeit hin überprüft, hat mich (in den letzten Jahren, noch nie,...) enttäuscht, ob er nun auf seinem eigenen Imprint veröffentlichte, ob er als Remixer auf anderen Label fremdging, als Einzelkünstler oder im Hintergrund tätiger Produzent.

In diese Richtung weist auch "Melloghettomental", für die Theo Parrish sich gemeinsam mit Billy Love ins Studio verkrochen hat. Mit einem wesentlichen Unterschied: zwar sind die langsamen, akustischen Passagen (immer noch) überaus gefühlvoll, doch verleiht ihnen Theo Parrish (zumindest auf zwei Tracks) ein vor rauer Eingängigkeit und schroffer Schönheit strahlendes Antliz - ganz dem Detroit Soul verpflichtet.

Wer "Can't Keep Running Away" hört und in der Vergangenheit diesen Blog auch nur mit einer geringen Aufmerksamkeit verfolgt und meinen musikalischen Werdegang ein wenig näher kennt, weiss: ich liebe Klaviermusik, ob klassische, Jazz, oder eben die vielgestaltige Verwendung von Piano-Samples als Bestandteil von Hip Hop-Tracks oder in der elektronischen (Club-)Musik. Ein solches war und ist es auch, das den Anker in Richtung meines Herzens ausgeworfen und mich festgehalten hat. Zudem die leicht synkopierten, stolpernden Beats und eine aus der tiefe aufsteigende Bassline, begleitet von sich in der Ferne auflösenden, verhallenden Synthesizern. Wahnsinn!

"U Bring Me Up" stellt mich vor die Frage und Herausforderung, welche Bezeichnung für diese Art der Musik angebracht (sowie angemessen) ist. House? R'n'B? Oder einfach "soul music"? Immer wieder erstaunt mich dabei, wie geschickt Theo Parrish seine analogen Beat- und Bassgerüste in so sanft streichelnde Melodien zu verpacken vermag. Dieses Spiel einer Nacht, die Verschmelzung des Zärtlichen auf der einen Seite mit dem Fordernden und Verlangenden auf der anderen Seite, zelebriert der Detroiter auch eindrücklich auf "Why Wait".

Und Melloghettomental? No words. Just listen to it:

Billy Love 'Melloghettomental' (Sound Signature) by cmjct


Ach, und vielleicht noch etwas: erschienen ist "Melloghettomental" im vergangenen Jahr bereits als Pre- bzw. White-Label. Daher auch dieser Eintrag. :)


English (short) version: Theo Parrish! I could stop writing right now and - for sure - you know that you'll have a record that is not only worth to check but to purchase. The four tracks are smooth and rough at the same time as we are used to it when Theo Parrish is on producing duties. Great package!


Mehr im Web:

Theo Parrish // Sound Signature @ MySpace
Billy Love - Melloghettomental @ discogs