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Rick Wilhite - Analog Aquarium

Das Album-Jahr 2011 hat bereits mächtig Fahrt aufgenommen. "Well Spent Youth" von Isolée und "Blue Songs" von Hercules & Love Affair lassen seit kurzem gewisse Stoffe im Körper höher und höher steigen. Adrenalin, Endorphin, und so weiter. Die Musik sorgt für euphorische Glücksgefühle, wie man sie vom Frischverliebtsein her kennt. Kaum noch steigerungsfähig, das Wohlbefinden, oder? Dann sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es nicht mehr lange dauert, bis Alexander Barck und Christian Prommer mit "Alex and the Grizzly" ihr Debüt geben werden, dass die Veröffentlichung von Robag Wruhmes "Thora Vukk" unmittelbar bevorsteht, und auch aus dem Hause Stimming darf man Neues erwarten.

So weit, so gut. Heute (und in den nächsten Tagen und Wochen) jedoch verpassen die zehn Tracks auf "Analog Aquarium" dem persönlichen Gücksgefühl einen Schub und bewirken eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit. Es ist - man kann es kaum glauben - das Debüt von Rick Wilhite im Albumformat. Erscheinen wird der Longplayer Mitte / Ende März auf Jerome Derradjis Label Still Music. Das Album beinhaltet Soloproduktionen sowie Tracks, die in gemeinschaftlicher Arbeit mit Malik Pittman, Osunlade oder Theo Parrish entstanden sind. In den zehn Tracks ergründen Rick "The Godson" Wilhite und seine Co-Produzenten - klar - House. Doch wirken die Tracks vielmehr wie aus einer experimentellen Jam-Session heraus entstanden, vereinen sie doch unter dem Oberbegriff "House" urbanen Funk, Jazz, Soul und Disco. Eklektisch, ohne die Traditionen zu verraten. Dope!


Rick_Wilhite_Analog_Aquarium by stillmusic


English (short) version: Rick "The Godson" Wilhite will release his debut album in March 2011 on Still Music, a Chicago based imprint run by Jerome Derradji. Expect ten tracks that feel like an eclectic jam session that is born from a respect for tradition but reflects a modern and innovative approach to house music.



Mehr im Web:

Rick Wilhite @ MySpace
Rick Wilhite - Analogue Love - Potrait @ Resident Advisor
Still Music
Still Music @ MySpace
Still Music @ Soundcloud

Pawel - The Remixes

Paul Komineks Album aus dem letzten Jahr - es trägt den Titel seines Künstler-Alias Pawel - ist leider ein wenig untergegangen zwischen den Veröffentlichungen eines Shed, John Roberts, Pantha Du Prince & Co., die im Vorjahr alle ein entsprechendes Format aufgelegt haben.

[Mein Gott, was war 2010 doch für ein Jahr, oder?! So viel gute Musik im Albumformat. Ich bin wirklich sehr gespannt auf 2011, welche Entwicklung dieses Jahr nehmen wird, und ob es mit dem letzten Jahr auf musikalischer Ebene Schritt halten kann.]

Das Album ist durchaus ein Hörausflug wert. Genaus sind es aber auch die Remixe dreier Tracks, die in der vergangenen Woche unter der Flagge von Dial ausgelaufen sind.

Da ist zum einen "Crillon", dessen - man möchte fast sagen: infernalisch - tiefen Bässe den Klangcharakter der federleicht schwebenden, transparent klingenden Soundkörper kontrastieren und mit ihnen dennoch in einem harmonischen Gleichklang stehen. Mit Patrice Scott hat sich hier ein Produzent aus Detroit, einer der unzähligen musikalischen Sehnsuchtsheimaten eines Pawel, verewigt. Er transferiert das energetisch treibende Ausgangsmaterial in eine melancholisch getragene Stimmung. Die sphärischen Synthiewellen umspielen den ostinaten, wie ein Herzschlag pochenden House-Beat. Auf ihnen reiten sachte federnd die hellen Klangkaskaden des Originals und verströmen damit eine verschmitzte Fröhlichkeit in diesem deeper-than-deep Kosmos.

Für einen Remix von "Panamerican" durfte Osunlade ran. Hört man das Original, das bereits sehr perkussiv und rhythmisch ist, kann man sich den Grossmeister des Yoruba Soul als Affineur sehr gut vorstellen. Er belässt demzufolge auch den Grundcharakter, verpackt ihn jedoch sexy und hüftschwingend mit knisternden, rasselnden und wispernde Elementen sowie - unverkennbar die Handschrift Osunlades - Vocals, die möglicherweise von vergangenen Tagen und den Erfahrungen der Vorfahren erzählen.

Bleibt noch "Kramnik. Melodisch, beinahe orchestral wirkend, vielleicht ein bisschen trancey. Ihm zur Seite steht John Roberts. Mit seinem Remix sorgt er für Entschleunigung, auch wenn die polyrhythmisch anmutenden, synopisch versetzten Drums dazu ermuntern, sein ganzes Bewegungspotenzial abzurufen. Was mich an diesem Track jedoch sehr stark berührt, ist der verträumte Charakter des Breakdown. Die Streicher. Zum schwelgen. Atemberaubend.


English (short) version: Patrice Scott creating a dreamy beatuy and amelancholic Detroitish feel; Osunlade gets funky with a hot, sweaty sex jam; John Roberts is energetic, upbeat and introvert at the same time. His remix is deep-dive music. Heavy remix package!


Mehr im Web:

Pawel @ Facebook
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Patrice Scott / Sistrum Music @ Facebook
Sistrum Music
John Roberts @ Facebook
John Roberts @ MySpace
John Roberts
Osunlade / Yoruba Records @ Facebook
Dial Records
Dial Records

Osunlade - Occult Symphonic

Er ist ein Erleuchteter. Ein spiritueller Meister und Mystiker. Ein geistlicher Lehrer und Seelenführer. Osunlade. Mit seinem Label Yoruba Records, seinen vielen Alben, Mix-Compilations und Singles hat er wie kaum ein anderer Künstler verstanden, seine Gedanken zu und Erfahrungen mit Soulful House in Hörbilder umzusetzen und zu vermitteln, ohne dabei einen reisserischen Extremismus zu entwickeln, ohne dabei Propagandapredigten zu verbreiten. Die (Mitt-)Nuller-Jahre ohne ein Release von ihm, Osunlade? Undenkbar!

Sein letztes Künstleralbum, "Rebirth, erschienen irgendwann im letzten Jahr, ist hingegen nicht in einen religiös rigiden Clubkontext zu verorten. Es ist vielmehr eine Rückbesinnung auf seine musikalische Einflüsse und Wurzeln, wie es der Titel bereits erahnen lässt. Ihm, der schon seit Jahren die Kykladen-Insel Santorini zu seiner Heimat gemacht hat, geht es auf diesem Album vielmehr darum, seine persönliche Suche nach dem Land der Griechen - als Topos für seine ursprüngliche musikalische Herkunft zu verstehen - in Trackform zu giessen. Es geht ihm also um das, was gemeinhin unter Schwarzer Musik zu verstehen ist: Jazz, Soul, Funk, aber auch Rhythm'n'Blues.

In seinen Mix-Compilations konnte jedoch ein gegenläufiger Trend ausgemacht werden. Von "Offering" über "Re-Offering hin zu "Passage" und nun "Occult Symphonic" taucht der Hohepriester seelenvoller elektronischer (Club-)Musik immer tiefer ein in technoidere Gefilde. "Occult Symphonic" stellt dabei jedoch eindeutig seine nachtfarbenste Zusammenstellung dar.

Osunlade eröffnet mit "Deploy" von Atheus, erschienen vor einigen Jahren auf Styrax Records, einem Stück Dub Techno, das in der Tradition der Basic Channel- und Maurizio-Produktionen zu verstehen ist. Mit Round Three (feat. Paul Hilaire) lässt der Wahlgrieche denn auch die Chroniden dieser Musik zu Worte kommen, um anschliessend mit dem bekannten "Frontin'" eines Motor City Drum Ensemble sowie "Childhood" von Christopher Rau die Gestade des Deep House anzusteuern. Abgerundet wird das Ganze mit einer kräftigen Portion Techno von Mike Dehnert und Itamar Sagi. Und dass er "Morning Factory" von Ron Trent und Chez Damier spielt, verstehe ich als eine direkte Botschaft an mich, handelt es sich dabei doch um einen meiner all time favourite tracks.

Hier die Tracklist:

01. Atheus – Deploy
02. Andy Catana – Ironia
03. Pascal Feos – Under The Golden Beat
04. Round Three ft Paul St Hilaire – Acting Crazy
05. Motor City Drum Ensemble – Frontin
06. Peace Division – Blacklight Sleaze (Radio Slave
07. Christopher Rau – Childhood
08. Simon Hinter – Snowblind
09. Ron Trent & Chez Damier – Morning Factory
10. Nico Grubert – Vancouver
11. Mualiem – I Came To Jack
12. Mike Dehnert – Umlaut2
13. Itamar Sagi – Black Gold


English (short) version: The Grand High Priest of soulful house music mixing it up for another - his third - compilation for R2 records. On "Occult Symphonic", Osunlade delivers a very dark, dubby and techy showcase by blending together tracks from Atheus, Round Three, Mike Dehnert or Itamar Sagi. Breaking up the darkness with tunes from MCDE or Christopher Rau and fading in and out the outstanding "Morning Factury", a co-production by Ron Trent and Chez Damier, definitely make this mix worth a listen.


Mehr im Web:

Osunlade @ MySpace
Yoruba Records @ MySpace
R2 Records
Occult Symphonic @ Traxsource