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Belle & Sebastian, New York, 30.09.10


Konzert: Belle & Sebastian (& Teenage Fanclub)
Ort: Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York
Datum: 30.09.2010
Zuschauer: gut 5.000 (ausverkauft)
Dauer: Belle & Sebastian 115 min, Teenage Fanclub 40 min


Die Setdesigner der Batman Filme wären neidisch gewesen, wie düster Manhattan wirklich aussehen kann. Regenwahrscheinlichkeit 100% und schwere Gewitterstürme waren gemeldet worden, die Band war kurz davor, das Konzert abzublasen. Man verlegte den Start um eine halbe Stunde nach vorne, um den Auftritt zu retten.

Den ganzen Nachmittag war es eklig schwül in New York, es war wirklich eine Frage der Zeit, wann das angekündigte Unwetter starten sollte. Im Gegensatz zu vielen bei lastfm, die schrieben, daß sie nicht kommen würden, saß ich irgendwann in der U-Bahn zur anderen Flußseite. Hielten wir vor ein paar Tagen noch die Gegend um den
Brooklyn Bridge Park für sehr hip, scheint Williamsburg das zu sein, was Neukölln neulich noch in Berlin war, der angesagteste Stadtteil. Die Konzertserie an der Williamsburg Waterfront ist recht gut erreichbar und liegt, der Name verrät es, direkt am East River. Auf den Blick auf Manhattan hatte ich mich gefreut, allerdings war davon im Dunst kaum etwas zu sehen. Mein Gott, war das apokalyptisch!

Ich mußte nicht lange warten, da passierte etwas auf der Bühne: die erste der Glasgower Bands erschien, Teenage Fanclub, auf die ich
mich extrem gefreut hatte (auch die Vaselines waren in der Stadt, die supporten aber wohl in Mexiko). Allerdings hatte ich vorher immer wieder gehört, daß Teenage Fanclub live sehr langweilig seien. Die mitunter verhaltene Musik der Schotten lässt das schon vermuten, allerdings erlebte ich den Auftritt anders.

Die Lieder der Band aus Glasgow erscheinen auf Platte überwiegend ruhig, keine Frage. Aber auch wenn die in die Jahre gekommenen Musiker nicht nach Rockern aussahen, machten sie live enormen Krach. Flucht nach vorne vielleicht. Leise Lieder laut gespielt funktioniert bei mir wohl immer, in diesem Fall aber ganz besonders gut, denn auch Teenage Fanclub sind eine Band, die ausschließlich Hits im Repertoire hat. Die Stücke der neuen Platte Shadows bilden da keine Ausnahme, es waren also 40 Minuten, die unglaublich kurzweilig und aufregend waren, Begriffe, die ich vorher nicht unbedingt mit Teenage Fanclub verbunden hätte.

Setlist Teenage Fanclub, Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York:

01: Sometimes I don't need to believe in anything
02: Baby Lee
03: About you
04: I need direction
05: I don't want control of you
06: Don't look back
07: Your love is the place where I come from
08: When I still have thee
09: Sparky's dream
10: The concept

Um acht kamen dann die, die Teenage Fanclub als weitere Glasgower Band angekündigt hatten. Die wären gut!

Das allerdings war massiv untertrieben, Belle & Sebastian waren heute der Szenerie
entsprechend dramatisch gut!

Die Band trat in der gleichen Besetzung wie beim Latitude Festival auf, also verstärkt um vier Streicher und die zusätzliche Keyboarderin, Sängerin, Cellistin und Flötistin Sarah Wilson. Ich hatte mich auch insgeheim darauf eingestellt, daß das Programm das gleiche sein würde wie im Sommer. Weit gefehlt! Zum einen spielten die Schotten
nicht bloß die beiden live schon bekannten Stücke vom neuen Album, sie spielten vier neue Sachen - und alle waren großartig!

Ganz besonders toll allerdings waren die alten Perlen
im Set- Piazza, New York catcher hätte man noch erwarten können, schließlich kommt darin der New Yorker Baseball-Held Mike Piazza vor (Stuart Murdoch verriet, daß er Fan der Boston Red Sox ist - was auch sonst!). The loneliness of a middle distance runner hatte ich mir still und heimlich heute morgen gewünscht, There's too much love oder Another sunny day und We rule the school waren weitere grandiose Überraschungen!

Das das Konzert nicht nur für uns Zuschauer etwas Besonderes sein würde, hatte man vorher gemerkt (und gelesen). Die Schotten (und Bobby, der Nordire) schienen ganz besonders viel Spaß zu haben, heute aufzutreten. Es muß aber auch zu eindrucksvoll gewesen sein: oben der schwarze Himmel, der starke Wind, der den Bühnennebel zerfetzte, dann der Blick auf die Zuschauermassen, alle, restlos alle mit glücklichen Gesichtern und dahinter der schwarze Fluß und die Wolkenkratzer im Dunst.

Die gute Laune spiegelte sich in Stuart Murdochs Redseligkeit wider, er erzählte viel, aber immer so, als seien alle alte Freunde. "Gibt es hier eigentlich heute Baby Belles?
Habt ihr Kinder bekommen seit wir zuletzt hier waren? Ist jemand mit seinen Eltern da?" Es gab viele... und die bekamen signierte Footbälle zugeworfen. Da bedarf es doch keiner weiteren Erklärung, warum man diese Band liebt, oder?

Und das alles wäre keine amerikanische Geschichte, wenn nicht auch das Wetter ein Happy End gehabt hätte. Es war dunkel wie in besonders düsteren Bärenhöhlen, es regnete aber nicht, keinen Moment. Belle & Sebastian haben das Gewitter weggespielt. Oder wie es jemand bei lastfm kommentierte: "Awesome Glaswegian Bands 1, Weather Forecasters 0."

Setlist Belle & Sebastian, Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York:

01: I didn't see it coming (neu)
02: I'm a cuckoo
03: Step into my office baby
04: Like Dylan in the movies
05: I'm not living in the real world (neu)
06: Piazza, New York catcher
07: I want the world to stop (neu)
08: Lord Anthony
09: Sukie in the graveyard
10: We rule the school
11: Another sunny day
12: The loneliness of a middle distance runner
13: Write about love (neu)
14: There's too much love
15: The boy with the arab strap
16: If you find yourself caught in love
17: Judy and the dream of horses
18: Sleep the clock around

19: Me and the major (Z)
20: Get me away from here, I'm dying (Z)

Links:

- Belle & Sebastian, Latitude Festival, 17.07.2010
- God Help The Girl live in Den Haag


Belle & Sebastian, New York, 30.09.10


Konzert: Belle & Sebastian (& Teenage Fanclub)
Ort: Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York
Datum: 30.09.2010
Zuschauer: gut 5.000 (ausverkauft)
Dauer: Belle & Sebastian 115 min, Teenage Fanclub 40 min


Die Setdesigner der Batman Filme wären neidisch gewesen, wie düster Manhattan wirklich aussehen kann. Regenwahrscheinlichkeit 100% und schwere Gewitterstürme waren gemeldet worden, die Band war kurz davor, das Konzert abzublasen. Man verlegte den Start um eine halbe Stunde nach vorne, um den Auftritt zu retten.

Den ganzen Nachmittag war es eklig schwül in New York, es war wirklich eine Frage der Zeit, wann das angekündigte Unwetter starten sollte. Im Gegensatz zu vielen bei lastfm, die schrieben, daß sie nicht kommen würden, saß ich irgendwann in der U-Bahn zur anderen Flußseite. Hielten wir vor ein paar Tagen noch die Gegend um den
Brooklyn Bridge Park für sehr hip, scheint Williamsburg das zu sein, was Neukölln neulich noch in Berlin war, der angesagteste Stadtteil. Die Konzertserie an der Williamsburg Waterfront ist recht gut erreichbar und liegt, der Name verrät es, direkt am East River. Auf den Blick auf Manhattan hatte ich mich gefreut, allerdings war davon im Dunst kaum etwas zu sehen. Mein Gott, war das apokalyptisch!

Ich mußte nicht lange warten, da passierte etwas auf der Bühne: die erste der Glasgower Bands erschien, Teenage Fanclub, auf die ich
mich extrem gefreut hatte (auch die Vaselines waren in der Stadt, die supporten aber wohl in Mexiko). Allerdings hatte ich vorher immer wieder gehört, daß Teenage Fanclub live sehr langweilig seien. Die mitunter verhaltene Musik der Schotten lässt das schon vermuten, allerdings erlebte ich den Auftritt anders.

Die Lieder der Band aus Glasgow erscheinen auf Platte überwiegend ruhig, keine Frage. Aber auch wenn die in die Jahre gekommenen Musiker nicht nach Rockern aussahen, machten sie live enormen Krach. Flucht nach vorne vielleicht. Leise Lieder laut gespielt funktioniert bei mir wohl immer, in diesem Fall aber ganz besonders gut, denn auch Teenage Fanclub sind eine Band, die ausschließlich Hits im Repertoire hat. Die Stücke der neuen Platte Shadows bilden da keine Ausnahme, es waren also 40 Minuten, die unglaublich kurzweilig und aufregend waren, Begriffe, die ich vorher nicht unbedingt mit Teenage Fanclub verbunden hätte.

Setlist Teenage Fanclub, Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York:

01: Sometimes I don't need to believe in anything
02: Baby Lee
03: About you
04: I need direction
05: I don't want control of you
06: Don't look back
07: Your love is the place where I come from
08: When I still have thee
09: Sparky's dream
10: The concept

Um acht kamen dann die, die Teenage Fanclub als weitere Glasgower Band angekündigt hatten. Die wären gut!

Das allerdings war massiv untertrieben, Belle & Sebastian waren heute der Szenerie
entsprechend dramatisch gut!

Die Band trat in der gleichen Besetzung wie beim Latitude Festival auf, also verstärkt um vier Streicher und die zusätzliche Keyboarderin, Sängerin, Cellistin und Flötistin Sarah Wilson. Ich hatte mich auch insgeheim darauf eingestellt, daß das Programm das gleiche sein würde wie im Sommer. Weit gefehlt! Zum einen spielten die Schotten
nicht bloß die beiden live schon bekannten Stücke vom neuen Album, sie spielten vier neue Sachen - und alle waren großartig!

Ganz besonders toll allerdings waren die alten Perlen
im Set- Piazza, New York catcher hätte man noch erwarten können, schließlich kommt darin der New Yorker Baseball-Held Mike Piazza vor (Stuart Murdoch verriet, daß er Fan der Boston Red Sox ist - was auch sonst!). The loneliness of a middle distance runner hatte ich mir still und heimlich heute morgen gewünscht, There's too much love oder Another sunny day und We rule the school waren weitere grandiose Überraschungen!

Das das Konzert nicht nur für uns Zuschauer etwas Besonderes sein würde, hatte man vorher gemerkt (und gelesen). Die Schotten (und Bobby, der Nordire) schienen ganz besonders viel Spaß zu haben, heute aufzutreten. Es muß aber auch zu eindrucksvoll gewesen sein: oben der schwarze Himmel, der starke Wind, der den Bühnennebel zerfetzte, dann der Blick auf die Zuschauermassen, alle, restlos alle mit glücklichen Gesichtern und dahinter der schwarze Fluß und die Wolkenkratzer im Dunst.

Die gute Laune spiegelte sich in Stuart Murdochs Redseligkeit wider, er erzählte viel, aber immer so, als seien alle alte Freunde. "Gibt es hier eigentlich heute Baby Belles?
Habt ihr Kinder bekommen seit wir zuletzt hier waren? Ist jemand mit seinen Eltern da?" Es gab viele... und die bekamen signierte Footbälle zugeworfen. Da bedarf es doch keiner weiteren Erklärung, warum man diese Band liebt, oder?

Und das alles wäre keine amerikanische Geschichte, wenn nicht auch das Wetter ein Happy End gehabt hätte. Es war dunkel wie in besonders düsteren Bärenhöhlen, es regnete aber nicht, keinen Moment. Belle & Sebastian haben das Gewitter weggespielt. Oder wie es jemand bei lastfm kommentierte: "Awesome Glaswegian Bands 1, Weather Forecasters 0."

Setlist Belle & Sebastian, Williamsburg Waterfront, Brooklyn, New York:

01: I didn't see it coming (neu)
02: I'm a cuckoo
03: Step into my office baby
04: Like Dylan in the movies
05: I'm not living in the real world (neu)
06: Piazza, New York catcher
07: I want the world to stop (neu)
08: Lord Anthony
09: Sukie in the graveyard
10: We rule the school
11: Another sunny day
12: The loneliness of a middle distance runner
13: Write about love (neu)
14: There's too much love
15: The boy with the arab strap
16: If you find yourself caught in love
17: Judy and the dream of horses
18: Sleep the clock around

19: Me and the major (Z)
20: Get me away from here, I'm dying (Z)

Links:

- Belle & Sebastian, Latitude Festival, 17.07.2010
- God Help The Girl live in Den Haag


Stars, New York, 24.09.10


Konzert: Stars (& Wild Nothing)
Ort: Terminal 5, New York
Datum: 24.09.2010
Zuschauer: 1.200 vielleicht (voll)
Dauer: Stars knapp 100 min, Wild Nothing 30 min


Wow, was für ein Erlebnis! Mein sechstes Stars-Konzert war das bisher beste. Nicht weil die kanadische Band eine ähnliche Hitdichte erzeugt hätte wie in Köln vor zwei Wochen, sie spielte nämlich vor allem Stücke des neuen Albums und unbekanntere Perlen, heute passte einfach alles zusammen. Der Sound im stylischen Terminal 5 war perfekt, der Laden wundervoll ausgeleuchtet (wen wundert das, gegenüber ist die Technik von CBS, drei Blocks weiter der Broadway), die Band hervorragend aufgelegt. Selbst das anstrengende und junge Publikum ("komm wir fotografieren uns mal") konnte den hervorragenden Eindruck nicht versauen. Wenn gut 1.000 Leute Your ex-lover is dead singen, gibt es wenig, was daran ranreicht. "We are Stars and so are you."

Das Terminal 5 liegt in der Nähe des Hudson River auf der New Yorker Westside, etwa auf Höhe des Central Parks. Wir hatten etwas sehr Hippes befürchtet, der Club erwies sich aber als weit weniger unangenehm cool als erwartet.

Nachdem Wild Nothing ein kurzes Set gespielt hatten, das wahrscheinlich dem in Köln ein paar Wochen vorher entsprach, mich aber trotz der viel besseren Umstände etwas weniger begeisterte, begann um 22.15 die eigentliche Show.

Wenn man das nervende Publikum ausblendet, war das Konzert perfekt! Amy und Torquil schienen gut aufgelegt zu sein, vor allem passten ihre Stimmen. Das eine schlimme Stars-Konzert, das ich einmal in Köln gesehen habe, bei dem die Einsätze furchtbar waren, wäre in der brillanten Akustik des Terminal 5 grausam gewesen. Aber heute war es so, wie man es sich wünscht, jedes der wundervollen Duette entfaltete seine Wirkung vollständig: es war ein Abend, der keinen Platz zum Nörgeln ließ.

Setlist Stars, Terminal 5, New York:

01: He dreams he's awake
02: Elevator love letter
03: The passenger
04: Fixed
05: Wasted daylight
06: Time can never kill the true heart
07: Bitches in Tokyo
08: Undertow
09: The comeback
10: Ageless beauty
11: The woods
12: Dead hearts
13: Take me to the riot
14: We don't want your body
15: Se yourself on fire
16: How much more
17: Your ex-lover is dead
18: One more night

19: Celebrations guns (Z)
20: I died so I could haunt you (Z)
21: Reunion (Z)
22: Midnight coward (Z)
23: Changes (Z)

Links:

- Stars, Köln (Luxor), 09.09.10
- Stars, Köln (Gloria), 11.02.08
- Stars, Köln (Gebäude 9), 27.09.07
- Stars, Berlin (PopKomm), 20.09.07



Stars, New York, 24.09.10


Konzert: Stars (& Wild Nothing)
Ort: Terminal 5, New York
Datum: 24.09.2010
Zuschauer: 1.200 vielleicht (voll)
Dauer: Stars knapp 100 min, Wild Nothing 30 min


Wow, was für ein Erlebnis! Mein sechstes Stars-Konzert war das bisher beste. Nicht weil die kanadische Band eine ähnliche Hitdichte erzeugt hätte wie in Köln vor zwei Wochen, sie spielte nämlich vor allem Stücke des neuen Albums und unbekanntere Perlen, heute passte einfach alles zusammen. Der Sound im stylischen Terminal 5 war perfekt, der Laden wundervoll ausgeleuchtet (wen wundert das, gegenüber ist die Technik von CBS, drei Blocks weiter der Broadway), die Band hervorragend aufgelegt. Selbst das anstrengende und junge Publikum ("komm wir fotografieren uns mal") konnte den hervorragenden Eindruck nicht versauen. Wenn gut 1.000 Leute Your ex-lover is dead singen, gibt es wenig, was daran ranreicht. "We are Stars and so are you."

Das Terminal 5 liegt in der Nähe des Hudson River auf der New Yorker Westside, etwa auf Höhe des Central Parks. Wir hatten etwas sehr Hippes befürchtet, der Club erwies sich aber als weit weniger unangenehm cool als erwartet.

Nachdem Wild Nothing ein kurzes Set gespielt hatten, das wahrscheinlich dem in Köln ein paar Wochen vorher entsprach, mich aber trotz der viel besseren Umstände etwas weniger begeisterte, begann um 22.15 die eigentliche Show.

Wenn man das nervende Publikum ausblendet, war das Konzert perfekt! Amy und Torquil schienen gut aufgelegt zu sein, vor allem passten ihre Stimmen. Das eine schlimme Stars-Konzert, das ich einmal in Köln gesehen habe, bei dem die Einsätze furchtbar waren, wäre in der brillanten Akustik des Terminal 5 grausam gewesen. Aber heute war es so, wie man es sich wünscht, jedes der wundervollen Duette entfaltete seine Wirkung vollständig: es war ein Abend, der keinen Platz zum Nörgeln ließ.

Setlist Stars, Terminal 5, New York:

01: He dreams he's awake
02: Elevator love letter
03: The passenger
04: Fixed
05: Wasted daylight
06: Time can never kill the true heart
07: Bitches in Tokyo
08: Undertow
09: The comeback
10: Ageless beauty
11: The woods
12: Dead hearts
13: Take me to the riot
14: We don't want your body
15: Se yourself on fire
16: How much more
17: Your ex-lover is dead
18: One more night

19: Celebrations guns (Z)
20: I died so I could haunt you (Z)
21: Reunion (Z)
22: Midnight coward (Z)
23: Changes (Z)

Links:

- Stars, Köln (Luxor), 09.09.10
- Stars, Köln (Gloria), 11.02.08
- Stars, Köln (Gebäude 9), 27.09.07
- Stars, Berlin (PopKomm), 20.09.07



Pavement, New York, 21.09.10


Konzert: Pavement (Comeback Show)
Ort: Central Park, New York City
Datum: 21.09.2010
Zuschauer: ausverkauft aber nicht unangenehm viele (2.000 vielleicht)
Dauer: 115 min


Wie überaus sympathisch, daß Pavement die gleichen schlechten Witze über ihr Comeback-Konzert machen wie wir. "So eine erste Show ist schon etwas besonderes." "Danke, daß ihr Karten für heute gekauft habt. Aber die waren ja am Ende auch billig nach all den anderen Konzerte." Das Reunionkonzert der US-Indiehelden war zwar als Comeback vergangenes Jahr angekündigt worden, vorher kamen allerdings so viele Pre-Reunion-Shows, daß schon zu befürchten war, daß die nicht mehr ganz jungen Männer das eigene Comeback vielleicht nicht mehr vor einem erneuten Split erreichen würden. Spätestens als wir Bandmitglieder am Cateringstand sehen, erweisen sich diese Befürchtungen als zu weit hergeholt.

Das erste Pavement Konzert nach vielen Jahren fand auf der Summerstage im Central Park in Manhattan statt. Wir hatten vorher überhaupt keine Vorstellung, wie groß die Veranstaltung werden würde; nur der Hinweis Einlaß 17:00 Uhr ließ Schlimmes erahnen. Nachdem wir uns als volljährig ausgewiesen hatten und unser Bändchen dafür erhalten hatten, kamen wir auf einen viel kleineren Platz als erwartet. Der Bereich der Summerstage war hinten von Mini-Tribünen und seitlich von Essens- und Trinkbuden begrenzt. Er bot Platz für vielleicht 1.500 oder 2.000 Leute. Die, die um sechs schon da waren, saßen auf dem grünen Kunstrasen und genossen die Abendsonne.

Das Programm begann um sieben mit einer Ansagerin, für die ein kleines Pult für ihre Notizen aufgebaut worden war. Die Frau, die vermutlich im Hauptjob gerade auf den Durchbruch am Broadway wartet, dankte den vielen Sponsoren, die das ermöglicht hätten, den drei Biersorten, der Kreditkarten- und der Kommunikationsfirma. Das gehört dann wohl auch dazu. Danach endlich Musik...

Thee Oh See aus Kalifornien eröffneten für Pavement. Die Musik der vierköpfigen Band war unspannend und belanglos, die einzigen Hingucker boten die bunt bemalten Arme und die albernen Gesten von Gitarrist und Bassist. Der Gitarrist und Sänger hatte zudem den Gitarrengurt so kurz gespannt, daß sein Instrument unmittelbar unter dem Hals hing. Dies war allerdings auch schon das einzig Erwähnenswerte eines halbstündigen Langweilers.

Nach Thee Oh See wurde erst einmal die Bühne feucht gewischt! Ein Putzmann mit Schrubber machte den gesamten Bühnenboden sauber. Dazu lief vom Band Eisbär von Grauzone, alles ein wenig irreal (die fünf koksenden, kiffenden und Pfeifchen rauchenden Jungs hinter uns wunderten sich vermutlich
wenig darüber).

Punkt acht gingen die Lichterketten am Bühnendach an, und das fast zweistündige Konzert begann (mit Shady lane überaus toll!). Viel Überraschendes bot der Auftritt nicht, da dies mein drittes Konzert der Band in diesem Jahr war. Aber wenn es wirklich Nummer eins gewesen wäre, da waren wir uns hinterher einig, wir wären überaus zufrieden gewesen. So kannte man den Ablauf, inclusive der verpatzten Liedeinsätze ("mein Fehler! Ich habe nur drei Pedale und dann vergesse ich, eins zu treten!"), der Schreieinlagen von Bob Nastanovich, des vielen Lachens und Sprechens untereinander - und der gespielten Lieder. Aber nichts davon war langweilig oder abgestumpft, es war ein hervorragendes Konzert.

Zumindest ein Teil der Ehrengäste sah das auch so und sprang immer wieder von den weißen Klappstühlen auf, die rechts am offenen Bühnenrand aufgebaut waren. Da saßen Familienmitglieder der Musiker, u.a. Scotts Schwiegereltern (Lieblingslied des Schwiegervaters: Grounded)!

Setlist Pavement, Summerstage, Central Park, New York:

01: Shady lane
02: Frontwards
03: Heckler spray
04: Elevate me later
05 : Starlings of the slipstream
06: Stereo
07: Kennel District
08: Grounded
09: Rattled by the rush
10: We dance
11: In the mouth a desert
12: Perfume v
13: Unfair
14: Fin
15: Gold soundz
16: Debris slide
17: Range life
18: Trigger cut
19: Cut your hair
20: Perfect depth
21: Fight this generation
22: Box Elder

23: Date with IKEA (Z)
24: Shoot the singer (Z)
25: Conduit for sale (Z)
26: Silence kit (Z)
27: Heaven is a truck (Z)
28: Stop breathing (Z)




Pavement, New York, 21.09.10


Konzert: Pavement (Comeback Show)
Ort: Central Park, New York City
Datum: 21.09.2010
Zuschauer: ausverkauft aber nicht unangenehm viele (2.000 vielleicht)
Dauer: 115 min


Wie überaus sympathisch, daß Pavement die gleichen schlechten Witze über ihr Comeback-Konzert machen wie wir. "So eine erste Show ist schon etwas besonderes." "Danke, daß ihr Karten für heute gekauft habt. Aber die waren ja am Ende auch billig nach all den anderen Konzerte." Das Reunionkonzert der US-Indiehelden war zwar als Comeback vergangenes Jahr angekündigt worden, vorher kamen allerdings so viele Pre-Reunion-Shows, daß schon zu befürchten war, daß die nicht mehr ganz jungen Männer das eigene Comeback vielleicht nicht mehr vor einem erneuten Split erreichen würden. Spätestens als wir Bandmitglieder am Cateringstand sehen, erweisen sich diese Befürchtungen als zu weit hergeholt.

Das erste Pavement Konzert nach vielen Jahren fand auf der Summerstage im Central Park in Manhattan statt. Wir hatten vorher überhaupt keine Vorstellung, wie groß die Veranstaltung werden würde; nur der Hinweis Einlaß 17:00 Uhr ließ Schlimmes erahnen. Nachdem wir uns als volljährig ausgewiesen hatten und unser Bändchen dafür erhalten hatten, kamen wir auf einen viel kleineren Platz als erwartet. Der Bereich der Summerstage war hinten von Mini-Tribünen und seitlich von Essens- und Trinkbuden begrenzt. Er bot Platz für vielleicht 1.500 oder 2.000 Leute. Die, die um sechs schon da waren, saßen auf dem grünen Kunstrasen und genossen die Abendsonne.

Das Programm begann um sieben mit einer Ansagerin, für die ein kleines Pult für ihre Notizen aufgebaut worden war. Die Frau, die vermutlich im Hauptjob gerade auf den Durchbruch am Broadway wartet, dankte den vielen Sponsoren, die das ermöglicht hätten, den drei Biersorten, der Kreditkarten- und der Kommunikationsfirma. Das gehört dann wohl auch dazu. Danach endlich Musik...

Thee Oh See aus Kalifornien eröffneten für Pavement. Die Musik der vierköpfigen Band war unspannend und belanglos, die einzigen Hingucker boten die bunt bemalten Arme und die albernen Gesten von Gitarrist und Bassist. Der Gitarrist und Sänger hatte zudem den Gitarrengurt so kurz gespannt, daß sein Instrument unmittelbar unter dem Hals hing. Dies war allerdings auch schon das einzig Erwähnenswerte eines halbstündigen Langweilers.

Nach Thee Oh See wurde erst einmal die Bühne feucht gewischt! Ein Putzmann mit Schrubber machte den gesamten Bühnenboden sauber. Dazu lief vom Band Eisbär von Grauzone, alles ein wenig irreal (die fünf koksenden, kiffenden und Pfeifchen rauchenden Jungs hinter uns wunderten sich vermutlich
wenig darüber).

Punkt acht gingen die Lichterketten am Bühnendach an, und das fast zweistündige Konzert begann (mit Shady lane überaus toll!). Viel Überraschendes bot der Auftritt nicht, da dies mein drittes Konzert der Band in diesem Jahr war. Aber wenn es wirklich Nummer eins gewesen wäre, da waren wir uns hinterher einig, wir wären überaus zufrieden gewesen. So kannte man den Ablauf, inclusive der verpatzten Liedeinsätze ("mein Fehler! Ich habe nur drei Pedale und dann vergesse ich, eins zu treten!"), der Schreieinlagen von Bob Nastanovich, des vielen Lachens und Sprechens untereinander - und der gespielten Lieder. Aber nichts davon war langweilig oder abgestumpft, es war ein hervorragendes Konzert.

Zumindest ein Teil der Ehrengäste sah das auch so und sprang immer wieder von den weißen Klappstühlen auf, die rechts am offenen Bühnenrand aufgebaut waren. Da saßen Familienmitglieder der Musiker, u.a. Scotts Schwiegereltern (Lieblingslied des Schwiegervaters: Grounded)!

Setlist Pavement, Summerstage, Central Park, New York:

01: Shady lane
02: Frontwards
03: Heckler spray
04: Elevate me later
05 : Starlings of the slipstream
06: Stereo
07: Kennel District
08: Grounded
09: Rattled by the rush
10: We dance
11: In the mouth a desert
12: Perfume v
13: Unfair
14: Fin
15: Gold soundz
16: Debris slide
17: Range life
18: Trigger cut
19: Cut your hair
20: Perfect depth
21: Fight this generation
22: Box Elder

23: Date with IKEA (Z)
24: Shoot the singer (Z)
25: Conduit for sale (Z)
26: Silence kit (Z)
27: Heaven is a truck (Z)
28: Stop breathing (Z)




Mike Simonetti - That Look Into Your Eyes

Beschäftigt man sich etwas eingehender mit den Wurzeln zeitgemässer elektronischer Club- / Tanzmusik, kommt man nicht umhin, sich mit dem Sound der 80er Jahre, u.a. New Wave, Synth Pop, (Italo / Euro) Disco, auseinanderzusetzen. Auch die 90er Jahre sind inzwischen als unerlässliche historische Quelle anerkannt, wenn es um das Wachsen und Erstarken sowie die (Selbst-)Definition einer House-Szene geht. Beständig werden ein paar Städte- oder Personennamen dieser Zeit hoch und runter dekliniert. Man mag fast den Eindruck gewinnen, dass wir alle Chicago und Detroit sind. Oder New York. Oder Berlin. Ein bisschen jedenfalls. Schwierigkeiten, oftmals sogar grosse, bereiten vor allem die Schnittstellen, gedachte oder tatsächliche, am Übergang der (klassischen) Disco-Ära zu Cosmic / Italo, zum (Manchester) Rave und Summer Of Love, zu (Acid) House / Techno, und so weiter und so fort. Nischen und Seitennischen, die vielleicht nur in unseren Gehirnen so trennscharf als Kategorien existieren. Blumenbunte Gemengelage drückt es meiner Meinung nach vielleicht ein wenig treffender aus.

Diese Zeit, in der ich für Nachtlebensaktivitäten vielleicht doch noch ein wenig zu jung war, wurde mir in letzter Zeit vor allem durch ein DJ Team erschlossen, die Robot Scientists. Diese fünf in Berlin, Heidelberg und Saarbrücken lebenden DJs nehmen sich wie kaum andere so systematisch und mit bemerkenswert enzyklopädischer Präzision einem Genre an, das nach dem Niedergang der epochalen New Yorker Zeit zunächst in Italien eine Zufluchtsstätte und fruchtbaren Nährboden zugleich fand und dort auf seine Art und Weise fortgeschrieben wurde. Stark vereinfacht formuliert, trieben günstige Strömungsverhältnisse diese Musik zurück über den Atlantik, und erfasst von ihr wurde der New Yorker Mike Simonetti.

Dieser, leidenschaftlicher DJ und Nachtmacher, bewegt sich auch ausserhalb des Clubkontextes höchst aktiv. Mitte der 90er Jahre gründet er das Label "Troubleman Unlimited". Hierauf veröffentlichen unter anderem die Electronica- / Synth Pop-Formationen Glass Candy und Chromatics. Aus Troubleman Unlimited ging vor rund drei Jahren der Ableger "Italians Do It Better" hervor. Erstes darauf erschienenes Werk war eine Compilation namens After Dark, deren musikalischer Inhalt zusammenfassende Beschreibung des Labelprofils und Richtungsweiser für alle weiteren Veröffentlichungen ist. Mein - bisher - liebster Track auf diesem Label ist William Bottins "No Static, ein glossy Disco-Pop-Arrangement. In gemeinschaftlicher Arbeit mit Glass Candy / Chromatics-Mitglied Johnny Jewel lancierte Mike Simonetti vor nicht allzu langer Zeit ein neues Label namens Perseo, Tochterimprint zu Italians Do It Better.

Wie Perseus, Sohn des Zeus und der Danae, der mit seiner Mutter auf einer Insel ein zunächst tristes Verbannungsdasein fristen musste und sich erst nach Überstehen zahlreicher Prüfungen - aus der Rückschau Heldentaten genannt - seine Existenzberechtigung verdiente, hat auch der Sound der späten 80er / frühen 90er Jahre nach einer gewissen Durststrecke wieder zurück in den Club gefunden, zunächst als Edit oder Remix, und im Zuge dieser Interessenweckung auch das eine oder andere Original. Neufassungen und Neubearbeitungen jeglicher Art stehen denn auch auf Perseo im Mittelpunkt, und man darf schon jetzt gespannt sein, welche Obskuritäten und Raritäten Mike Simonetti und seine Mitstreiter ans Tageslicht fördern und zu neuem Glanz verhelfen werden. Ende August, vielleicht aber auch erst Anfang September, erscheint eine erste Compilation, schlicht als "Perseo: Edits Volume 1" bezeichnet, mit Tracks von Bottin, Martin Vogel und dem Labelgründer Mike Simonetti persönlich.

Dessen Tracks fanden auch Eingang in die hier vorliegende 12", "That Look Into Your Eyes. Treibende Kraft im gleichnamigen ersten Track ist ein geradezu vorwärtswalzendes repetitives Arrangement, welches über die Länge des Stückes hinweg anschwillt zu brachial hämmernden Dimensionen. Aus einem kompromisslos druckvoller Bassbereich gepaart mit aggressiv peitschenden, riff-artig wiederholten Synthesizer Stabs entwickelt Mike Simonetti einen hypnotisierenden Sog, der einen mitreisst und davonzuspülen droht. In das Thema des Ausgangsmaterials, laut Label-Information ein House-Track der frühen neunziger Jahre, führt Mike Simonetti nur szenenhaft ein. Wahre Digger sind gefragt, um daraus das Gesamtbild des Originals zu zeichnen. "Slo Glo Stick" erinnert in seiner Reduziertheit, in seinem Purismus und den motivischen Zeilen an die Herangehensweise beispielsweise eines Terrence Dixon. Kraftvolle (analoge) Drums in beinahe martialischer Aufmachung, eine einfache (Mainboard-)Melodie, welche auch aus einem Amiga / C64 entlockt werden könnte, peitschend arrangierte Claps. "Louie Louie", der dritte und letzte Track schliesslich, nimmt Fahrt auf in Richtung Soul und Funk. Strings, Keys, Gitarre, Conga-Percussion. Das Original? "Brother Louie von Hot Chocolate.


English (short) version: Mike Simonetti, founder of Troubleman Unlimited and Italian Do It Better records gave birth to a fresh sublabel, Perseo. Together with Glass Candy and Chromatics member Johnny Jewel, they both will take care of obscure and rare eighties and nineties club sounds and bring 'em safely back to light, be it as edit or remix. On the first 12", Mike Simonetti delivers a heavy rolling house hitter, "That Look Into Your Eyes", alongside a very raw and - in a positive way - minimal track that reminds the stripped down approach of Terrence Dixon and the likes. "Louie Louie" is a classic recutt of "Brother Louie" by Hot Chocolate. Dope!


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Fred P - On This Vibe

Bitterlich weinen und heisse Tränen vergiessen könnte ich sowie denjenigen verfluchen, der es zugelassen hat, dass mich in der vergangenen Woche ein grippaler Infekt ausser Gefecht gesetzt hat. Vor genau einer Woche beschlich mich allmählich das Fieber, schwollen meine Lymphknoten in der Halsregion an, und ein gutes Dutzend weiterer Symptome konnte ich zu Papier bringen. Herunterfahren, drei Tage Bett hüten, und erst allmählich wieder den Motor zum laufen bringen. So sah und sieht es derzeit aus. Dieser unschöne Zwischenfall verunmöglichte es mir, am vergangenen Samstag, den 29. Mai 2010, nach Offenbach ins Robert Johnson aufzubrechen, um die Smallpeople, Julius Steinhoff und Dionne, alongside Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium an den Decks des wohnzimmergrossen Clubs zu erleben. Am kommenden Freitag, den 04. Juni 2010, spielt der Mann aus New York, Fred Peterkin, an der Seite von WHITE’s Oskar Offermann und Edward sowie Dial’s Pawel im Berliner Horst Krzbrg – zu weit weg. Fragen nach dem Warum stellen sich in solchen Fällen regelmässig nicht, aber ein wenig verwundert mich, dass kein Clubbetreiber oder Veranstalter aus Basel oder Zürich Mr. Soul People Music für ein Event gebucht hat. Bevor mir jemand ein „mach doch selber mal“ an den Kopf wirft: das finanzielle Ausfallrisiko ist in Freiburg derzeit einfach (noch) zu hoch.

Genug lamentiert. Fred P wird mit grosser Sicherheit wieder gebucht werden, vielleicht sogar noch in diesem Jahr, und dann werde auch ich wieder die Möglichkeit haben, ein Set des New Yorkers zu geniessen. Bis dahin greife ich zurück auf seine unwahrscheinlich guten Mixtapes und EPs. Jüngstes Werk: „On This Vibe“, veröffentlicht vor nicht allzu langer Zeit auf dem Spanischen Label Esperanza, mit einem Remix von Patrice Scott. Um es vorab schon einmal geschrieben zu haben: die beiden bilden ein hochqualitatives Team, das noch länger so zusammenarbeiten sollte.

In der Originalfassung inszeniert Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium eine wahrhaft wundersame, epische Reise durch eine sich scheinbar grenzenlos auftuende Klangwelt. Hervorgerufen wird dieser (persönliche) Eindruck durch im Tonvolumen an- und abschwellende Synthesizerklangwogen und federleicht flirrenden Hi Hat-Sounds, die auf einem Kraftpaket von Subbass und majestätisch erhabenen, Ehrfurcht einflössenden Kickdrums ruhen. Eine einfache Synthesizer-Tonfolge als immer wiederkehrendes, hypnotisches Melodiemotiv erzeugt eine traumwandlerische Stimmung. Grossartig. Detroits Patrice Scott unterzieht „On This Vibe einer formalen Umgestaltung durch den Austausch von Formgliedern. Ruhiger erscheint dadurch die melodische Bewegung, und er scheint, ins metronomisch schlagende Herz der Drummaschinen und Synthesizer vorgedrungen zu sein, um deren Charakter zu befördern und zu unterstützen.


English (short) version: Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium makes a rare appearance in Europe with only three gigs at Robert Johnson / Offenbach, Horst Krzbrg / Berlin and at Süd Electronic / London. If you happen to be around Berlin or London this weekend: don't miss! I couldn't, and still can't, attend a gig with one of NY's finest. Therefore I'll derive comfort from his outstanding mixes and releases, and his latest musical artwork is, again, pleasure, ecstasy and pure bliss. "On This Vibe", an incredibly full and almost epic tale of deep house, and on the flip, Sistrum's own, Patrice Scott on remixing duties. They should team up more often!


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Fred P In the mix Soul People Music1 by uzuri

The Nathaniel X Project - The Ressurrxion E.P.

“Voll Neunziger Jahre”, stöhnte vor kurzer Zeit ein befreundeter Musikliebhaber, als ich ihm mit vollem Stolz eine Handvoll aktueller Tracks vorspielte. „Über diesen Sound bin ich schon längst hinweg“, legte er nach, um mir anschliessend zu bescheinigen: „Du ist ein ewiggestriger Nostalgiker, der dieser Musik und einigen Platten eine historische Bedeutung beimisst, die sie doch nur innerhalb deiner Gedankenwelt geniesst.“ Und wenn schon. Ich lasse mich lieber als einen Menschen bezeichnen, der einen gewissen Musikstil, etwas Vergangenes, rückwärtsgewandt verklärt, als dass ich mir irgendwann einmal Folgendes eingestehen muss: ich habe mein Leben in die Kategorien „Sehen“, „Fühlen“, „Wissen“ und „Freie Zeit“ eingeteilt und unter Überschriften wie „Darum haben wir noch kein Kind“, „Haben wir die Liebe verlernt?“ oder „Glaubst Du an die ewige Liebe“ gestellt. Ach ja, das Leben könnte um so vieles einfacher sein, gefielen mir schwedische Schrammelgitarren, wäre ich verträumt unpolitisch und läse ich die Zeitrschrift mit dem tagesleuchtfarbenen, grünen Herzen als Favicon.

Anyway. Fällt heute der Name „The Nathaniel X Project“, ist eine kleine Rückblende durchaus angebracht und angemessen. In den Mittneunzigern veröffentlichte Nate Tinsley eine 12“ unter dem Namen „The Nathaniel X Project“, schlicht und einfach „E.P. betitelt, auf dem in New Jersey beheimateten Label Music Station. Dieses hat massgeblich den (New Jersey / New York) House Sound der 90er Jahre mitgeprägt und –heutzutage Klassiker – in seinem Backkatalog, so auch „Take A Stand For Love“ von Gerideau und eine ganze Menge Material des Projektes Mentalinstrum. Einiges Wax droppte Nate Tinsley auch unter seinem vollen bürgerlichen Namen, James N. Tinsley auf Island Noyze Records und zeichente auch mitverantwortlich für Vil-N-X-Sachen. Wer (damals) stimmgewaltigen, teilweise von Gospel, teilweise von Disco beeinflussten House mit einer Menge Rhodes- und Piano-Keys, Saxophon, harten Kickdrums und steppenden Basslines mochte, war hier goldrichtig – und ist es heute bei „My Love Is Underground“, einer jüngst von Jeremy a.k.a. Underground Paris ins Leben gerufenen Plattform für House alter Schule.

Unter dem Titel „The Ressurrxion E.P.“ tritt Nate Tinsley mit vier Tracks den Kampf gegen den sogenannten „bubblegum crap“ an, verwässerter Sound im Gewand weichgespülter R’n’B-Songs. Mit „Gotta Get Over“, „Jer & Iz“, „Move Ya Body“ und „The Nathaniel X-Tract“ nimmt er sich in aller Ausführlichkeit der Oldschool-Thematik an, präsentiert konstant kickende Bassdrum- und Snare-Beats, kurze Orgel- und Saxophonsequenzen, aus den Kelleruntiefen von Jersey City hervordringende Basslines, stakkatierte Klavierakkorde sowie repetitive Stimmfragment-Themata. Doch vor dieser Platte sei gewarnt: sie ist nach meinem Dafürhalten definitiv nur für aufrichtige Liebhaber alter Blaze-, Urban Soul-, Mood II Swing-, Mental Instrum- oder Kerri Chandler-Platten. Voll Neunziger. Ja. Und?!


English (short) version: House music will never die. This is, what Glenn Underground and Cei-Bei already knew in the mid-nineties, and New Jersey-based Nate Tinsley is going to keep pushing it on with is latest 12", "The Ressurrxion E.P.". House music with that certain classic feel we love since Blaze, Urban Soul, Mood II Swing and Kerri Chandler served us with.


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Underground House – Youtube Channel
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Kerri Chandler - The Thing For Linda 2010

Kerri Chandler - vor diesem Produzenten und DJ habe ich eine so grosse Ehrfurcht, dass mich alsbald kleine Gewissensbisse beschleichen, wenn ich - hinter vorgehaltener Hand - ein wenig Kritik übe an den herausragenden künstlerischen Fähigkeiten dieses Mannes, wohl wissend, dass mich einige nun der Majestätsbeleidigung bezichtigen werden.

Weniger das Schaffenswerk, vielmehr seine DJ-Sets habe ich dabei im Auge, in denen ich über die vergangenen Jahre hinweg kaum eine Entwicklung feststellen konnte. Gleichbleibend gut, aber vielleicht etwas überraschungsarm und aus dem bekannten Repertoire schöpfend - so möchte ich seine Auftritte zusammenfassend beschreiben, während derer er vornehmlich die allzu bekannten Klassiker einer Barbara Tucker, India, von den Masters At Work und natürlich sehr viel eigenes Material auf die (mittlerweile) Timecode-Platten bringt.

Möglicherweise nähre ich diese kritische Haltung jedoch auch, weil mir während Kerri Chandlers letztem Auftritt, dem ich beiwohnen durfte (25. Dezember 2008), eine Vielzahl Wannabecools, die sich alle um das DJ-Pult drängten, bis weit in die frühen Morgenstunden hinein die Wiedersehensfreude mit dem Grossmeister des New Jersey- und New York-beeinflussten House und dieser Musik zu trüben vermochten.


[Diese Sorte Clubgänger kann ich übrigens ums Verrecken nicht ausstehen: sie drängeln sich mit gewichtiger Miene um das Setup, bleiben dort wie angewurzelt stehen, lassen sich kaum vom Rhythmus und den Beats ergreifen, geschweige denn zu einem auch nur leichten Mitwippen bewegen. Was sie jedoch bestens draufhaben, ist, gegen die Lautstärke der Monitorboxen anzutreten und dem DJ im Minutentakt irgendwelche Songs ins Ohr zu schreien, die sie gerne von ihm gespielt haben wollen. Jetzt. Auf der Stelle. Ob sie in das Set hineinpassen oder nicht, ist diese Vollpfosten scheissegal. Im Falle eines Kerri Chandler wird es sich dabei wohl um "Bar A Thym" oder "Inspiration (feat. Arnold Jarvis)" handeln, denn etwas anderes kennt ein Vertreter dieser Art Clubgänger nicht. Von Kerri Chandlers unter anderem Namen veröffentlichten Material ganz zu schweigen.

Am allerschlimmsten sind jedoch die Nachtschwärmer, welche aus dem Kreis der oben bereits erwähnten entspringen, die im Verlauf des Abends eine mit krakeligen Buchstaben beschriftete CD aus ihrer ledernen Umhängetasche hervorkramen. Mit selbstproduzierten Tracks. "Hey Kerri, play number two!", "Yo Kerri, the third track on the disc" - Sätze wie diese schwirren dem armen Kerri Chandler während des Auflegens um den Kopf, und wenn er nicht reagiert er nicht, besitzen diese Leute die Unverfrorenheit, ihre Promo-CD einfach auf den sich in Betrieb befindlichen Plattenteller zu legen. Nach vollbrachter Tat, drehen sie sich zur der sie umgebenden Menschenmenge um, ziehen den Kragen ihres rosafarbenen Poloshirts beziehungsweise kirschblütenweissen Hemds bis an die Ohrläppchen hoch, fahren sich über das glattgegeelte Haupthaar, und ihr Stolz, ihre Tracks endlich an den Mann gebracht zu haben, widerspiegelt sich in ihrem pommadigen Lächeln. Dann geht's an die Bar, getrunken wird Sekt auf Eis, und das Produzentendasein wird gross gefeiert.]


Verzeiht mir bitte diesen kurzzeitigen Abschweif zu dieser einen Clubnacht, doch diese Clique, die ich hiermit angesprochen habe, darf und soll sich auch angesprochen fühlen, sollte sie überhaupt jemals hier vorbeischauen! Wieder zurück zu Kerri Chandler.

2008 das Album "Computer Games", dessen Track "Pong" eine grandiose Überarbeitung durch den Berliner Ben Klock erfahren hat; im vergangenen Jahr das Re-Release seines kongenialen "Track 1 mit weiteren Versionen; und nun die fünfte Folge der "For The Thing For Linda"-Reihe, die uns in den Nullerjahren so wunderbare Tracks wie "Downtown", "Useless" oder "In Search Of Mr. Ford" gebracht haben.

Auf dieser, "The Thing For Linda 2010", macht Kerri das, was er am besten kann und wofür er steht: er zeigt sich von allen Erwartungshaltungen, die ihm gegenüber eingenommen und an ihn herangetragen wird, unbeeindruckt, liefert vier Tracks ab und bringt damit seine ganz konkrete Vorstellung von house music straight outta New Jersey wieder ein weiteres kleines Stückchen voran. Diese Unbeeindruckbarkeit darf hier jedoch nicht als Zeichen von Gleichgültigkeit oder Interesselosigkeit (dem Zeitgeist gegenüber) aufgefasst und infolgedessen als Leistungseinbusse gewertet werden. Denn immer wieder bringt Kerri Chandler in Gesprächen und Interviews seinen Wissensdurst und seine Lernwilligkeit zum Ausdruck. Doch warum soll(te) er Tracks produzieren, die zwar einem gewissen Gegenwartstrend entsprechen, hinter diesem jedoch seine Persönlichkeit zurücktreten muss? Persönlichkeit ist, was Kerri Chandler ausmacht, und genau diese seine Person spricht aus jedem seiner vier auf "The Thing For Linda 2010" enthaltenen Tracks. Thank you, Kerri!




English (short) version: Sorry for that very, very long excursus not concering the record I wanted to talk about. But as I attended a gig in the end of 2008 with legendary Kerri Chandler, where a handful of chic and posh guys really drove me up the walls. They stiffly stood around the dj setup, screaming and shouting their most favourite tunes they wanted to hear that night and, what made it really annoying, handing over their "promo cds" to Kerri Chandler, talking shit about their what-so-ever soulful housey stuff. They didn't even respect the dj handling the wax and the timecode vinyls and threw their promo material onto the setup. FUCK! Those wannabecool djs and producers really suck big time! Well, let's get back to the record. Kerri Chandler's delivering what he is known for - his love for an approach to house music that is hailing from an education in those New Jersey and New York club sounds. Therefore you'll find some beautifully deep and pounding kickdrum driven tunes on "The Thing For Linda 2010", garnished with soft synth pads, lush keys and Kerris trademark basslines and sound effects. "The Thing For Linda" - a series that has to continue!


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Simplycoolmusic
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Downtown 161

Kon & Amir - "Music Is The Message" Europe Tour

Lebte ich in Zürich, die Vorfreude auf den (heutigen) Donnerstagabend wäre gewaltig. Denn es ist DOSCI-Time. DOSCI, für all diejenigen, die entweder das erste Mal hier vorbeischauen oder mit dem Nachtleben der Limmatstadt nur wenig vertraut sind, ist eine wöchentlich donnerstags stattfindende Veranstaltung im Club Zukunft, die ein breitgefächertes Musikuniversum aufzuweisen und mit dem Begriff der Clubmusik scheuklappenfrei umzugehen weiss. Broken Beats, Soul, Funk, Disco, World Beats, Afro, Astral Folk, Psychedelica, Krautrock, House, Techno, Italo, Balearic, Originale, Re-Edits und Neupressungen dieser Genre landen mit ungestümer Leidenschaft auf den Plattentellern, die von einem guten Dutzend Residents sowie abwechselnden Gast-DJs zur Weissglut erhitzt werden.

Ach ja, DOSCI, eine Clubnacht, für die ich anderntags eine blasse Haut, tiefblaue Ringe unter den Augen, gegen die nur ein Griff zum Concealer der Freundin hilft, sowie eine Abmahnung wegen Verhaltensauffälligkeiten am Arbeitsplatz (lies: Müdigkeit) in Kauf nehmen würde, nur um den DJ-Sets beizuwohnen. (In gewisser Weise erinnert mich dies an meine derzeitige Wahlheimat Freiburg, wenn montagabends tageins und die Disco-/House-/Techno-DJs meines Vertrauens auf dem Programm dieser Traditionsclubnacht stehen.)

Von schlafmangelbedingter Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit würden mir vermutlich auch am morgigen Freitag anhaften, denn für diesen Donnerstag (21. Januar 2010), hat sich das New Yorker DJ-Duo Kon & Amir angekündigt. Diese beiden zählen unbestritten zu den Goldgräbern in Sachen Vinyl, sind zwischen Flohmarkt, Sperrmüll, (Second Hand-)Plattenläden (und womöglich unter verschiedenen Pseudonymen im Internet) unterwegs, um Raritäten auf- und nachzuspüren. Der Züricher Tagesanzeiger nennt die beiden gar liebevoll "Trüffelschweine des guten Geschmacks. Disco, Funk, (Oldschool) Rap, Jazz, House, vornehmlich schwarze (Tanz-)Musik eben, mit einem wesentlichen Erkennungsmerkmal: Soul.

Auflegen habe ich die beiden (noch) nicht gehört, doch einen ersten (ausgezeichneten) Eindruck verschaffen konnte ich mir beim hören ihrer jüngsten Compilation, der 2008 auf BBE veröffentlichten Kon & Amir - Off Track Vol. 2 - Queens. Keinen einzigen, der darauf enthaltenen Songs kannte ich, doch genau das macht den Reiz dieser (und anderer) Crate Digger aus, wenn sie aus ihrem Repertoire schöpfen. Man steht mit offenem Mund da, staunt, bekommt die Augen von den Plattentellern nicht mehr weg. (Und steht irgendwann trotzdem auf der Tanzfläche, allein um auch den DJs nicht auf die Nerven zu gehen. Gaffer sind nunmal eine unangenehme Erscheinung.)

Anyway. Nach Zürich werde ich's (logischerweise, denn ich schreibe ja gerade den Eintrag) nicht (mehr) schaffen. Doch möglicherweise, je nach Verlauf des Wochenendes und zu leistenden (Arbeits-)Pensums in den folgenden Tagen, gelingt es mir, ihr Set in Basel, aus Anlass von Living Room FM zu erwischen. Wo die beiden in den kommenden Tagen noch alles unterwegs sein werden, entnehmt bitte dem eingefügten Tourplakat.


English (short) version: What does crate diggin' mean to you? Spending your every day life in cold, dark and dusty basement record shops, strolling through flee markets, watching out for appartment clearances and the following yard sales? Do you agree that - at least - it doesn't mean to collect all the tons of deals that are to be found? I'm sure, that crate diggin' has something to do with learning to discern what is truly valuable. It also has something to do with questioning, a fundamental part of finding information. Therefore, the importance of having (or being) a critical mind is vital and essential. But the rational mind is (only) a faithful servant. The intuitive mind and the presence of soul are the most sacred gifts that true crate diggers characterize. New York based Kon & Amir are made of both, they tour Europe and I highly recommend you to catch them.

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Playin4Keeps
Kon & Amir @ MySpace
Off Track97 @ MySpace
Kon & Amir - Train Wreck Mix @ RBMA
Kon & Amir - The What The Funk Mix (part 2) @ Paris DJs Podcast