Tampilkan postingan dengan label Thee Oh Sees. Tampilkan semua postingan
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Pavement, New York, 21.09.10


Konzert: Pavement (Comeback Show)
Ort: Central Park, New York City
Datum: 21.09.2010
Zuschauer: ausverkauft aber nicht unangenehm viele (2.000 vielleicht)
Dauer: 115 min


Wie überaus sympathisch, daß Pavement die gleichen schlechten Witze über ihr Comeback-Konzert machen wie wir. "So eine erste Show ist schon etwas besonderes." "Danke, daß ihr Karten für heute gekauft habt. Aber die waren ja am Ende auch billig nach all den anderen Konzerte." Das Reunionkonzert der US-Indiehelden war zwar als Comeback vergangenes Jahr angekündigt worden, vorher kamen allerdings so viele Pre-Reunion-Shows, daß schon zu befürchten war, daß die nicht mehr ganz jungen Männer das eigene Comeback vielleicht nicht mehr vor einem erneuten Split erreichen würden. Spätestens als wir Bandmitglieder am Cateringstand sehen, erweisen sich diese Befürchtungen als zu weit hergeholt.

Das erste Pavement Konzert nach vielen Jahren fand auf der Summerstage im Central Park in Manhattan statt. Wir hatten vorher überhaupt keine Vorstellung, wie groß die Veranstaltung werden würde; nur der Hinweis Einlaß 17:00 Uhr ließ Schlimmes erahnen. Nachdem wir uns als volljährig ausgewiesen hatten und unser Bändchen dafür erhalten hatten, kamen wir auf einen viel kleineren Platz als erwartet. Der Bereich der Summerstage war hinten von Mini-Tribünen und seitlich von Essens- und Trinkbuden begrenzt. Er bot Platz für vielleicht 1.500 oder 2.000 Leute. Die, die um sechs schon da waren, saßen auf dem grünen Kunstrasen und genossen die Abendsonne.

Das Programm begann um sieben mit einer Ansagerin, für die ein kleines Pult für ihre Notizen aufgebaut worden war. Die Frau, die vermutlich im Hauptjob gerade auf den Durchbruch am Broadway wartet, dankte den vielen Sponsoren, die das ermöglicht hätten, den drei Biersorten, der Kreditkarten- und der Kommunikationsfirma. Das gehört dann wohl auch dazu. Danach endlich Musik...

Thee Oh See aus Kalifornien eröffneten für Pavement. Die Musik der vierköpfigen Band war unspannend und belanglos, die einzigen Hingucker boten die bunt bemalten Arme und die albernen Gesten von Gitarrist und Bassist. Der Gitarrist und Sänger hatte zudem den Gitarrengurt so kurz gespannt, daß sein Instrument unmittelbar unter dem Hals hing. Dies war allerdings auch schon das einzig Erwähnenswerte eines halbstündigen Langweilers.

Nach Thee Oh See wurde erst einmal die Bühne feucht gewischt! Ein Putzmann mit Schrubber machte den gesamten Bühnenboden sauber. Dazu lief vom Band Eisbär von Grauzone, alles ein wenig irreal (die fünf koksenden, kiffenden und Pfeifchen rauchenden Jungs hinter uns wunderten sich vermutlich
wenig darüber).

Punkt acht gingen die Lichterketten am Bühnendach an, und das fast zweistündige Konzert begann (mit Shady lane überaus toll!). Viel Überraschendes bot der Auftritt nicht, da dies mein drittes Konzert der Band in diesem Jahr war. Aber wenn es wirklich Nummer eins gewesen wäre, da waren wir uns hinterher einig, wir wären überaus zufrieden gewesen. So kannte man den Ablauf, inclusive der verpatzten Liedeinsätze ("mein Fehler! Ich habe nur drei Pedale und dann vergesse ich, eins zu treten!"), der Schreieinlagen von Bob Nastanovich, des vielen Lachens und Sprechens untereinander - und der gespielten Lieder. Aber nichts davon war langweilig oder abgestumpft, es war ein hervorragendes Konzert.

Zumindest ein Teil der Ehrengäste sah das auch so und sprang immer wieder von den weißen Klappstühlen auf, die rechts am offenen Bühnenrand aufgebaut waren. Da saßen Familienmitglieder der Musiker, u.a. Scotts Schwiegereltern (Lieblingslied des Schwiegervaters: Grounded)!

Setlist Pavement, Summerstage, Central Park, New York:

01: Shady lane
02: Frontwards
03: Heckler spray
04: Elevate me later
05 : Starlings of the slipstream
06: Stereo
07: Kennel District
08: Grounded
09: Rattled by the rush
10: We dance
11: In the mouth a desert
12: Perfume v
13: Unfair
14: Fin
15: Gold soundz
16: Debris slide
17: Range life
18: Trigger cut
19: Cut your hair
20: Perfect depth
21: Fight this generation
22: Box Elder

23: Date with IKEA (Z)
24: Shoot the singer (Z)
25: Conduit for sale (Z)
26: Silence kit (Z)
27: Heaven is a truck (Z)
28: Stop breathing (Z)




Pavement, New York, 21.09.10


Konzert: Pavement (Comeback Show)
Ort: Central Park, New York City
Datum: 21.09.2010
Zuschauer: ausverkauft aber nicht unangenehm viele (2.000 vielleicht)
Dauer: 115 min


Wie überaus sympathisch, daß Pavement die gleichen schlechten Witze über ihr Comeback-Konzert machen wie wir. "So eine erste Show ist schon etwas besonderes." "Danke, daß ihr Karten für heute gekauft habt. Aber die waren ja am Ende auch billig nach all den anderen Konzerte." Das Reunionkonzert der US-Indiehelden war zwar als Comeback vergangenes Jahr angekündigt worden, vorher kamen allerdings so viele Pre-Reunion-Shows, daß schon zu befürchten war, daß die nicht mehr ganz jungen Männer das eigene Comeback vielleicht nicht mehr vor einem erneuten Split erreichen würden. Spätestens als wir Bandmitglieder am Cateringstand sehen, erweisen sich diese Befürchtungen als zu weit hergeholt.

Das erste Pavement Konzert nach vielen Jahren fand auf der Summerstage im Central Park in Manhattan statt. Wir hatten vorher überhaupt keine Vorstellung, wie groß die Veranstaltung werden würde; nur der Hinweis Einlaß 17:00 Uhr ließ Schlimmes erahnen. Nachdem wir uns als volljährig ausgewiesen hatten und unser Bändchen dafür erhalten hatten, kamen wir auf einen viel kleineren Platz als erwartet. Der Bereich der Summerstage war hinten von Mini-Tribünen und seitlich von Essens- und Trinkbuden begrenzt. Er bot Platz für vielleicht 1.500 oder 2.000 Leute. Die, die um sechs schon da waren, saßen auf dem grünen Kunstrasen und genossen die Abendsonne.

Das Programm begann um sieben mit einer Ansagerin, für die ein kleines Pult für ihre Notizen aufgebaut worden war. Die Frau, die vermutlich im Hauptjob gerade auf den Durchbruch am Broadway wartet, dankte den vielen Sponsoren, die das ermöglicht hätten, den drei Biersorten, der Kreditkarten- und der Kommunikationsfirma. Das gehört dann wohl auch dazu. Danach endlich Musik...

Thee Oh See aus Kalifornien eröffneten für Pavement. Die Musik der vierköpfigen Band war unspannend und belanglos, die einzigen Hingucker boten die bunt bemalten Arme und die albernen Gesten von Gitarrist und Bassist. Der Gitarrist und Sänger hatte zudem den Gitarrengurt so kurz gespannt, daß sein Instrument unmittelbar unter dem Hals hing. Dies war allerdings auch schon das einzig Erwähnenswerte eines halbstündigen Langweilers.

Nach Thee Oh See wurde erst einmal die Bühne feucht gewischt! Ein Putzmann mit Schrubber machte den gesamten Bühnenboden sauber. Dazu lief vom Band Eisbär von Grauzone, alles ein wenig irreal (die fünf koksenden, kiffenden und Pfeifchen rauchenden Jungs hinter uns wunderten sich vermutlich
wenig darüber).

Punkt acht gingen die Lichterketten am Bühnendach an, und das fast zweistündige Konzert begann (mit Shady lane überaus toll!). Viel Überraschendes bot der Auftritt nicht, da dies mein drittes Konzert der Band in diesem Jahr war. Aber wenn es wirklich Nummer eins gewesen wäre, da waren wir uns hinterher einig, wir wären überaus zufrieden gewesen. So kannte man den Ablauf, inclusive der verpatzten Liedeinsätze ("mein Fehler! Ich habe nur drei Pedale und dann vergesse ich, eins zu treten!"), der Schreieinlagen von Bob Nastanovich, des vielen Lachens und Sprechens untereinander - und der gespielten Lieder. Aber nichts davon war langweilig oder abgestumpft, es war ein hervorragendes Konzert.

Zumindest ein Teil der Ehrengäste sah das auch so und sprang immer wieder von den weißen Klappstühlen auf, die rechts am offenen Bühnenrand aufgebaut waren. Da saßen Familienmitglieder der Musiker, u.a. Scotts Schwiegereltern (Lieblingslied des Schwiegervaters: Grounded)!

Setlist Pavement, Summerstage, Central Park, New York:

01: Shady lane
02: Frontwards
03: Heckler spray
04: Elevate me later
05 : Starlings of the slipstream
06: Stereo
07: Kennel District
08: Grounded
09: Rattled by the rush
10: We dance
11: In the mouth a desert
12: Perfume v
13: Unfair
14: Fin
15: Gold soundz
16: Debris slide
17: Range life
18: Trigger cut
19: Cut your hair
20: Perfect depth
21: Fight this generation
22: Box Elder

23: Date with IKEA (Z)
24: Shoot the singer (Z)
25: Conduit for sale (Z)
26: Silence kit (Z)
27: Heaven is a truck (Z)
28: Stop breathing (Z)




Fuck Buttons & Thee Oh Sees, Festival Villette Sonique, Paris, 06.06.10


Konzert: Fuck Buttons & Thee Oh Sees, Festival Villette Sonique

Ort: Festivalgelände Parc de la Villette, Paris
Datum: 06.06.10

Zuschauer: Tausende auf den Wiesen


Als Konzertblogger lebt man gefährlich. Prügel wurden mir angedroht. Ein scheinbar betrunkener Festivalbesucher keifte mich an und sagte, daß er das nächste mal seine Kumpels holen würde, die mir eine auf die Fresse hauen würden. Ich sei "un sale type" - ein fieses Schwein. Was war vorgefallen? Nun, ich hatte im Vorbeigehen ein Foto vom Publikum geschossen, auf dem möglicherweise seine Freundin drauf war. Genau weiß ich das nicht, denn er drückte sich unklar und nur schwer verständlich aus. Auf jeden Fall hatte er mitbekommen, daß ich ein Foto von den Festivalzuschauern geschossen hatte und wollte unbedingt das letzte Bild sehen, daß ich geknipst hatte. Ich verwehrte ihm diesen Wunsch, denn er wollte mir nicht sagen, warum er dies begehre. Mehrfach schrie er mich an, daß ich ihm sofort mein letztes Foto zeigen solle. Irgendwann war mir die Sache zu doof, ich zeigte ihm das Display wo man eine Gruppe von Festivalgästen (und möglicherweiese seine Freundin im Vordergrund) sah und löscht es vor seine Augen. Er warf mir einen bösen Blick zu und brachte dann den Spruch mit seinen Kumpels, die er holen wolle, um mich das nächste Mal umzunieten. Ein feiger Kerl, denn wenn er mutig gewesen wäre, hätte er nicht mit seinen kräftigen Freuden gedroht, wie ein kleines Kind im Sandkasten, welches dem Spielrivalen mit dem großen Bruder Angst einjagen will. Ohnehin hatte ich aus meiner Sicht nichts Anstößiges gemacht. Ja, ich knipse auch immer mal wieder Fotos vom Publikum. Von kuriosen Typen, witzig gekleideten Menschen, Leuten mit auffälligen Tattoos und natürlich auch von hübschen Mädchen. So what? Jeder Tenniskameraman macht das in den Pausen zwischen den Spielen. Da werden Leute beim Schlafen eingefangen, beim Nasebohren erwischt und natürlich immer wieder attraktive Frauen gezeigt. Genau wie beim Tennis oder anderen Sportarten ist das Publikum gerade bei Festivals oft interessanter als die Band die vorne spielt. Für mich gehören Fotos von den Besuchern einfach dazu, sonst wird es schnell langweilig. Eine Fixierung auf einzelne Personen (oder Mädchen) gibt es bei mir nicht, ich versuche möglichst viele verschiedene Leute abzulichten. Zudem schreibe ich auf meiner Flickr-Seite bei Crowdshots in der Regel mit dazu, daß ich die Fotos umgehend lösche, falls sich die Beteiligten gestört fühlen. Und im Übrigen: meine eigene Frau wird gerade beim Haldern Festival am Niederrhein jedes Jahr zigfach abgelichtet, ohne daß ich mich darüber aufregen würde. Oft heimlich (ich muß dann schmunzeln, wenn ich die Jungs sehe, wie sie versuchen, möglichst diskret auf sie draufzuhalten), manchmal aber auch nachdem sie gebeten wird, für die Kamera zu posieren (wobei gestellte Bilder oft gekünstelt wirken, finde ich zumindest, grinsen auf Befehl ist meistens unnatürlich).

Aber nun gut, kommen wir mit diesem Exkurs zu Ende und konzentrieren uns auf die Musik. Aber da sind wir dann auch schon beim Stichwort: Oft ist das Publikum interessanter als die Band, die vorne spielt. Bei den Fuck Buttons war dies zumindest so. Zwei junge Kerle, die hinter einem Mixtable abrödeln wie wild und synthetische Sounds produzieren, die nach relativ kurzer Zeit langweilig werden. Und dies obwohl ihr letztes Album Tarot Sport in einigen Jahresbestenlisten 2009 zu finden war. Will gar nicht ausschließen, daß dieses Album in der Tat spannende Aspekte zu bieten hat, aber auf einer großen Festivalbühne kommt irgendwann nur noch Gezirpe und Gewummere rüber. "Bumm, bumm bumm" oder auch "Peng, peng, peng", nach 10 Minuten verspürt man den Drang, das Weite zu suchen. Ging nicht nur mir, sondern auch den meisten meiner Freunde so. Also mehr etwas für Liebhaber experimenteller elektronischer Klänge und für den "normalen" Indiehörer eher anstrengend.

Deutlich besser gefielen mir da schon Thee Oh Sees aus Kalifornien. Der Vierer aus San Francisco (drei Männer, eine Frau), bot jede Menge tätowierte Haut, garagenrockige Klänge mit einem gehörigen Schuß Psychedelic und eine tighte Performance. Ganz eng zusammen agierten die wilden Musiker und unterstrichen damit ihre Kompaktheit und ihr Teamplay. Schon beim Primavera Festival 2010 sollen sie für Furore gesorgt haben und auch heute in Paris machten sie unglaublich viel Dampf. Permanent stürzten sich mutige Crowdsurfer ins Publium und wurden von hunderten Händen nach hinten durchgereicht. In einer Szene stockte mir der Atem: Ein Zuschauer war auf die Bühne gelangt, nahm mächtig Anlauf und stürzte sich Kopfüber mit einem Affenzahn in die Meute. Wären die Leute zur Seite gegangen, er wäre auf dem Kopf gelandet und hätte sich schwer verletzt. Die kräftigen Kerle von der Security hatten jedenfalls mächtig Arbeit und schienen erleichtert, als das Konzert nach einer äußerst schwungvollen Stunde vorbei war. Das letzte Lied dauerte gefühlte 15 Minuten und klang als sei die Nadel eiens Plattenspielers hängengeblieben. Er dürfte sich lohnen, sich einmal mit Thee Oh Sees zu beschäftigen, die Band hat inzwischen 7 Longplayer auf ihrem Konto.

Unter dem Strich ein passabler letzter Festivaltag, an dem es natürlich noch etliche andere Bands (die ich allerdings nicht kannte) zu sehen und hören gab. Ich war jedoch erst um 19 Uhr erschienen und hatte den Rest verpasst. Schade bloß, daß der Abend für mich mit der oben geschilderten Szene endete. Ob ich demnächst Bodyguards brauche?

Anmerkung: Die obigen Fotos vom Publikum stammen allesamt vom Festival Rock en Seine 2009 und nicht vom Festival Villette Sonique 2010. Die Bilder von den Fuck Buttons sind Archivfotos vom Trabendo 2008.

Aus unserem Archiv:

Fuck Buttons, Paris, 22.05.08


Fuck Buttons & Thee Oh Sees, Festival Villette Sonique, Paris, 06.06.10


Konzert: Fuck Buttons & Thee Oh Sees, Festival Villette Sonique

Ort: Festivalgelände Parc de la Villette, Paris
Datum: 06.06.10

Zuschauer: Tausende auf den Wiesen


Als Konzertblogger lebt man gefährlich. Prügel wurden mir angedroht. Ein scheinbar betrunkener Festivalbesucher keifte mich an und sagte, daß er das nächste mal seine Kumpels holen würde, die mir eine auf die Fresse hauen würden. Ich sei "un sale type" - ein fieses Schwein. Was war vorgefallen? Nun, ich hatte im Vorbeigehen ein Foto vom Publikum geschossen, auf dem möglicherweise seine Freundin drauf war. Genau weiß ich das nicht, denn er drückte sich unklar und nur schwer verständlich aus. Auf jeden Fall hatte er mitbekommen, daß ich ein Foto von den Festivalzuschauern geschossen hatte und wollte unbedingt das letzte Bild sehen, daß ich geknipst hatte. Ich verwehrte ihm diesen Wunsch, denn er wollte mir nicht sagen, warum er dies begehre. Mehrfach schrie er mich an, daß ich ihm sofort mein letztes Foto zeigen solle. Irgendwann war mir die Sache zu doof, ich zeigte ihm das Display wo man eine Gruppe von Festivalgästen (und möglicherweiese seine Freundin im Vordergrund) sah und löscht es vor seine Augen. Er warf mir einen bösen Blick zu und brachte dann den Spruch mit seinen Kumpels, die er holen wolle, um mich das nächste Mal umzunieten. Ein feiger Kerl, denn wenn er mutig gewesen wäre, hätte er nicht mit seinen kräftigen Freuden gedroht, wie ein kleines Kind im Sandkasten, welches dem Spielrivalen mit dem großen Bruder Angst einjagen will. Ohnehin hatte ich aus meiner Sicht nichts Anstößiges gemacht. Ja, ich knipse auch immer mal wieder Fotos vom Publikum. Von kuriosen Typen, witzig gekleideten Menschen, Leuten mit auffälligen Tattoos und natürlich auch von hübschen Mädchen. So what? Jeder Tenniskameraman macht das in den Pausen zwischen den Spielen. Da werden Leute beim Schlafen eingefangen, beim Nasebohren erwischt und natürlich immer wieder attraktive Frauen gezeigt. Genau wie beim Tennis oder anderen Sportarten ist das Publikum gerade bei Festivals oft interessanter als die Band die vorne spielt. Für mich gehören Fotos von den Besuchern einfach dazu, sonst wird es schnell langweilig. Eine Fixierung auf einzelne Personen (oder Mädchen) gibt es bei mir nicht, ich versuche möglichst viele verschiedene Leute abzulichten. Zudem schreibe ich auf meiner Flickr-Seite bei Crowdshots in der Regel mit dazu, daß ich die Fotos umgehend lösche, falls sich die Beteiligten gestört fühlen. Und im Übrigen: meine eigene Frau wird gerade beim Haldern Festival am Niederrhein jedes Jahr zigfach abgelichtet, ohne daß ich mich darüber aufregen würde. Oft heimlich (ich muß dann schmunzeln, wenn ich die Jungs sehe, wie sie versuchen, möglichst diskret auf sie draufzuhalten), manchmal aber auch nachdem sie gebeten wird, für die Kamera zu posieren (wobei gestellte Bilder oft gekünstelt wirken, finde ich zumindest, grinsen auf Befehl ist meistens unnatürlich).

Aber nun gut, kommen wir mit diesem Exkurs zu Ende und konzentrieren uns auf die Musik. Aber da sind wir dann auch schon beim Stichwort: Oft ist das Publikum interessanter als die Band, die vorne spielt. Bei den Fuck Buttons war dies zumindest so. Zwei junge Kerle, die hinter einem Mixtable abrödeln wie wild und synthetische Sounds produzieren, die nach relativ kurzer Zeit langweilig werden. Und dies obwohl ihr letztes Album Tarot Sport in einigen Jahresbestenlisten 2009 zu finden war. Will gar nicht ausschließen, daß dieses Album in der Tat spannende Aspekte zu bieten hat, aber auf einer großen Festivalbühne kommt irgendwann nur noch Gezirpe und Gewummere rüber. "Bumm, bumm bumm" oder auch "Peng, peng, peng", nach 10 Minuten verspürt man den Drang, das Weite zu suchen. Ging nicht nur mir, sondern auch den meisten meiner Freunde so. Also mehr etwas für Liebhaber experimenteller elektronischer Klänge und für den "normalen" Indiehörer eher anstrengend.

Deutlich besser gefielen mir da schon Thee Oh Sees aus Kalifornien. Der Vierer aus San Francisco (drei Männer, eine Frau), bot jede Menge tätowierte Haut, garagenrockige Klänge mit einem gehörigen Schuß Psychedelic und eine tighte Performance. Ganz eng zusammen agierten die wilden Musiker und unterstrichen damit ihre Kompaktheit und ihr Teamplay. Schon beim Primavera Festival 2010 sollen sie für Furore gesorgt haben und auch heute in Paris machten sie unglaublich viel Dampf. Permanent stürzten sich mutige Crowdsurfer ins Publium und wurden von hunderten Händen nach hinten durchgereicht. In einer Szene stockte mir der Atem: Ein Zuschauer war auf die Bühne gelangt, nahm mächtig Anlauf und stürzte sich Kopfüber mit einem Affenzahn in die Meute. Wären die Leute zur Seite gegangen, er wäre auf dem Kopf gelandet und hätte sich schwer verletzt. Die kräftigen Kerle von der Security hatten jedenfalls mächtig Arbeit und schienen erleichtert, als das Konzert nach einer äußerst schwungvollen Stunde vorbei war. Das letzte Lied dauerte gefühlte 15 Minuten und klang als sei die Nadel eiens Plattenspielers hängengeblieben. Er dürfte sich lohnen, sich einmal mit Thee Oh Sees zu beschäftigen, die Band hat inzwischen 7 Longplayer auf ihrem Konto.

Unter dem Strich ein passabler letzter Festivaltag, an dem es natürlich noch etliche andere Bands (die ich allerdings nicht kannte) zu sehen und hören gab. Ich war jedoch erst um 19 Uhr erschienen und hatte den Rest verpasst. Schade bloß, daß der Abend für mich mit der oben geschilderten Szene endete. Ob ich demnächst Bodyguards brauche?

Anmerkung: Die obigen Fotos vom Publikum stammen allesamt vom Festival Rock en Seine 2009 und nicht vom Festival Villette Sonique 2010. Die Bilder von den Fuck Buttons sind Archivfotos vom Trabendo 2008.

Aus unserem Archiv:

Fuck Buttons, Paris, 22.05.08