Wer bis dato noch nichts von Festland als Produzent gehört hat und sich fragt, welcher Künstler sich hinter diesem, die wahre Identität verschleiernden Übernamen verborgen hält, und wie sowohl der Essener Manuel Tur als auch der Wuppertäler Marcus Worgull darauf kommen, Stücke aus dem Festland-Portfolio zu remixen, sei auf einen Artikel in der Zeit, "Festland - Welt verbrennt: Einfach so zugeweht", verwiesen. Dort schreibt der Autor Jan Freitag:
"Welt verbrennt ist so ein Meisterwerk klanglicher Relaxation. Mit ihrem zweiten Album gelingt dem Essener Low-Fi-Trio festland eine Art Anleitung zur Lässigkeit. Selten wurde Minimalhouse so anspruchsvoll mit Rockelementen vermengt, so kreativ und en passant, dass selbst die schwermütige Spex von “undeutscher Leichtigkeit” schwärmt. Da haben festland offenbar einen bloß liegenden Nerv des analytisch-vertiefenden Feuilletons getroffen. Er liegt irgendwo zwischen Beckenboden und Großhirnrinde und ist für viele Verspannungen im urbanen Sitzjobmilieu verantwortlich."
Ich denke, das ist als Hintergrundinformation ausreichend, geht es uns - wenigstens auf diesem Blog - vielmehr um die Remixe als um das Ausgangsmaterial. Manuel Tur fräst sich mit seinem "Ashen City Mix" in das Gehirngehäuse rein. Sein monoton stampfender Beat ergreift besitz vom Grosshirn und setzt seine hypnotisierende, aufgrund zerstückelter, verfremdeter Stimm-/Instrumentalfragmente und Noise-Loops mit Sicherheit eine Nachttraum-bestimmende Wirkung frei. Scary!
Marcus Worgull erstürmt den Floor hingegen mit eilenden, schweren Bassdrum-Schritten. Im Schlepptau mit dabei ein paar Sprachfragmente des ursprünglichen Songs "Irre Gleise", die in Folge seiner Neuabmischung, der Einbettung in tiefe Klangräume und ein Bett aus energisch aufschäumenden Hi Hat-Shuffles sehr verstörend wirken. Ungewohnt aber keineswegs unattraktiv auch die deutsche Sprache.
English (short) version: Mild Pitch No. 9 - 'nuff said!
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In Sachen Hit-, Dauerbrenner und Sommerhymnencharakter stehen "Hungry For The Power" und "Reckless (With Your Love)" aus dem Hause Azari & III den jüngsten Tensnake-Releases in nichts nach. Aus der historischen Rückperspektive heraus, unter Besehung des konkreten Ergebnisses, lässt sich sehr leicht die These aufstellen, dass der Überhit des Frühjahrs / Sommers 2010, "Reckless (With Your Love)", aufgrund seiner Allgegenwart und Beliebtheit einer Vielzahl an Remix-Überarbeitungen entgegen blicken wird. Doch gab es einige Anzeichen dafür. Kaum ein DJ-Set, kaum ein Podcast, kamen ohne diesen Track aus, und die Lizensierung für die In The House - Ibiza '10-Compilation trug das Übrige dazu bei. Und dennoch ist dieser Track im Hause Permanent Vacation geblieben und erlitt nicht das Schicksal, in einem halben Dutzend funktionaler Tanzflächenbrenner aufzugehen.
Als Remixer durften zunächst Tensnake, die Tuff City Kids, Good Guy Mikesh & Filburt sowie Midnight Magic ran. Alles durchweg eigenständige und eigenwillige Versionen, und dennoch: ein Herzensfunke vermochte irgendwie doch nicht überzuspringen.
Da veröffentlichte in der letzten Woche der Essener Manuel Tur einen Track auf seinem Soundcloud-Account. Seinen Beitrag für das zweite Remix-Paket. Er wird unter der Katalognummer PERMVAC067 Anfang / Mitte Oktober 2010 das Licht der Welt erblicken. Nach dem ersten Anhören liess mich dieser Remix zunächst sprachlos zurück, und bis jetzt habe ich noch keine passenden Worte gefunden, die diesen Eindruck, das Empfinden, in eine versprachlichte Form überführen zu können. Man könnte dieses Gefühl beispielsweise als das Erfahren einer tiefen ozeanischen Ruhe umschreiben, wenn Manuel Tur gestützt durch das zarte Pulsieren des Grundbeats, fragile, im Hintergrund britzelnde und knisternde Effektlandschaften sowie durch einen nachtmurmelnden Bass - wieder einmal - seine Fähigkeiten als Hypnotiseur unter Beweis stellt. Nicht leicht, sich aus dieser Tiefe wieder herauszulösen.
English (short) version: Outstanding rework of "Reckless (With Your Love)", a this year's earworm produced by Azari & III. Manuel Tur, the German producer, combines all the original ingredients with his own trademark electronic music sounds knowing well how to produce a remix to remember. It's the sort of electronic music with class.
Tim Toh, den jungen DJ und Produzenten aus Deutschlands Südwesten kennt man, hat er sich doch mit seiner "Join The Resistance"-Trilogie, erschienen zwischen 2008 und 2009 auf Philpot, vom Newcomer zwar nicht zu einem Marktleader, aber dennoch zu einem Produzenten entwickelt, dessen musikalische Ausdrucksformen in Zukunft verstärkt Beachtung finden werden. Vielleicht kann man es so formulieren: Tim Toh besitzt erweiterten Underground-Status. Nach diesen drei EPs, die durchaus eine Sammlerleidenschaft zu wecken vermochten, war es verhältnismässig ruhig geworden um Tim Toh, ein Remix auf Tiny Sticks Records sowie eine Überarbeitung von Manuel Turs "Beasts & The Birds" auf Delusions Of Grandeur gleich zu Anfang diesen Jahres. Jetzt, vor einigen Tagen, erschien auf Ornaments Records, der Berliner (Deep) House / (Dub) Techno-Plattform seine 12" "No Trace", dieses Mal mit einem Remix des Esseners Manuel Tur - Swap nennt man das dann.
Auf dem Original verdichtet Tim Toh kraftvoll rollende Piano- und Orgel-Akkorde sowie Bassfiguren, unterlegt mit tief kickenden Bassdrums, zu einem dynamischen Song, der einen schon mit der kurzen Instrumentalen Einleitung, der Spannung aufbauenden Clap- und (Cow-)Bell-Partie in seinen Bann zieht. Magisch verzaubert wird diese an sich gängige House-Formel durch den Gesang zweier Soul-Diven, des Produzenten Schwestern Lisa und Jasmina, wie die kurzen Teaser-Texte all over verraten. Die beiden Ladies vereinen in ihren Stimmen alten Soul und zeitgemässen R'n'B, was "No Trace" definitiv das strahlende Timbre einer sommerlichen Househymne verleiht. Hätte ich in dieser Helligkeit und Leichtigkeit zumindest nicht auf Ornaments Records erwartet. Für den Remix zeichnet, wie eingangs erwähnt, Manuel Tur verantwortlich. Der Essener ist "e richtigs Käpseli", wie der Badener zu einem so hoch talentierten Produzenten wie ihm sagen würde - jemand, der's drauf hat. Sein Werk, der "Non Chill Filtration" Remix, legt an schwebender Tiefe zu und verleiht "No Trace" ein ganz anderes, rauchigeres, rauheres Timbre. Gänsehaut. Killer Remix!
English (short) version: Do you remember Tim Toh? I'm sure you do. The up and coming producer who released a trilogy of EPs on Philpot, "Join The Resistance I - III", is no longer underground. Watch out now his 12" on Ornaments Records, delivering a soulful summer vibe you will cherish for the rest of your life. Manuel Tur is on remixing duties, working it out to the best, adding synthies with a rough and rugged character. Killer!
Verwaschen zitronengelbes Vinyl liegt auf dem Plattenteller. Behutsam führt der DJ den Tonarm in Position und setzt vorsichtig die Abtastnadel auf. Augenblicke später erfüllen dumpf grollende Synth-Chords mit schier unbändiger Schubkraft den Raum, flankiert von dynamischen Basslinien und dem Groove warmer, gerader Bassdrums. "Mined" heisst dieser Track, bringe ich in Erfahrung. Seine Produzenten? Ein Duo. Aus Essen. Langenberg und Manuel Tur unter dem Alias "Ribn". Die stampfenden, metallischen, sich immer wiederholenden Riffs haben sich tief bei mir eingeprägt. Das - damals - neugegründete Projekt hat mein Herz erobert. Wie lange ist das her? Ich musste nachschauen. Anfang 2009. Es kommt mir jedoch viel länger vor - im positiven Sinne.
Eine gute Woche ist es nun her, dass das Essener Duo nach einem Gastauftritt auf Josh Winks Label Ovum Records ("Whirl Cloud EP") und einem Remix-Intermezzo auf Steve Bugs Imprint Pokerflat Recordings ("Collaboratory Remixes Part. 1") wieder in den heimatlichen Hafen eingelaufen ist und mit der "Light Black EP" das halbe Dutzent auf Mild Pitch voll macht.
Auf dieser 12" glänzt Ribn mit drei Tracks , allesamt aufgezogen auf den Gerüststützen House und Techno, die in einer sonorischen, volltönigen Basslage ruhen. "Light Black", der Titeltrack, taucht einen mit langsamer Wellenbewegung ein in schwärende, brodelnde Synth-Akkorde. Über die Zeitdauer von etwas mehr als sieben Minuten entschwinden Hörer, Tänzer und DJ gleichermassen in der dunklen Tiefe des Bassraums. Das Basic Channel-Erbe ist Manuel Tur und Langenberg inhärent. Mit "Light Black" legen sie wieder einmal Zeugnis davon ab. Und dennoch ist ihr Werk keine nur epigonale Annäherung oder Wiederholung. "Sin & Figs" hingegen tritt heraus in das taghelle Licht, eingeladen durch ein seidenweich süssliches Streichermotiv, dessen melodische Schönheit und tonale Harmoniefügung ein signifikantes Euphoriepotential beinhaltet - vorausgesetzt, der DJ weiss es im Aufbau seines Sets an der richtigen, für ein solch luzides Klangmoment empfänglichen Stelle zu platzieren. Auf "Stonedrum" schliesslich schaffen Manuel Tur und Langenberg eine Oase der Entschleunigung. Der verlangsamte House-Groove, weit entfernt von jeglicher Peaktime-Hektik, hält dennoch Zwiesprache mit der augenzwinkernden Entschlossenheit, jederzeit loslegen zu können. Auf das nächste halbe Dutzend! Gefeiert werden kann jedoch schon jetzt, und zwar am kommenden Samstag, den 05. Juni 2010, in Offenbachs Robert Johnson, das mit einer Mild Pitch-Nacht in seinem Programm aufwartet.
English (short) version: Essen / Germany based duo Ribn, this is Manuel Tur and Langenberg, strikes again with another game-winning release on its homebase label Mild Pitch. "Light Black EP" is a three-tracker centered on house and techno, slightly drenched in Basic Channnel-esque soundscapes. Love it!
Ach ja, ich habe es schmerzlich vermisst, das Bloggen, auch wenn ich frei und offen zugebe, diese zwei, drei Tage (unfreiwilligen) Aussetzens mir insoweit gut getan haben, als ich einen kleinen Abstand zur Musik gewinnen konnte, der mich den ganzen House-, Techno- und Disco-Kram nur noch viel mehr schätzen liess. Wenn auch mit sehr, sehr grosser Verspätung, möchte ich die vor nahezu drei Monaten begonnene Reihe "Mixed up monday" an dieser Stelle nicht einfach ausfallen lassen. Daher führe ich sie weiter, ohne Hinweis auf einen ganz bestimmten Tag im Titel.
Beginnen möchte ich mit einem Mix des Basler DJs Neevo, der für die Jungs von Is It Balearic einen in keiner Weise alltäglichen, höchst anspruchsvollen und sehr ausgewählten Mix eingespielt hat. Ich kenne nicht viele DJs, die so stilsicher Tracks u.a. von Jeff Mills, Earth Wind & Fire, Maurice Fulton und Durutti Column miteinander verbinden. Der Mix befindet sich zum freien Download auf dem Blog der Is It Balearic-Crew, und zwar unter Love Tempo Vol. 1 - DJ Neevo.
Des weiteren überaus empfehlenswert ist der Mix des Briten Ray Mang, den er im Hinblick auf seinen Gig bei der Osterausgabe von Secretsundaze für das britische Dummy Mag eingespielt hat. Eine eigenwillige Mischung aus alt und neu, beziehungsweise (noch) unveröffentlicht, von Ray Mang selbst beschrieben als "A selection of some current favourites with a few new upcoming Mang remixes and a splattering from the past." Zum Mix geht's hier lang.
Nun verlassen wir die eklektisch-kauzigen, discoid angehauchte Ecke und bewegen uns in Windeseile auf Mixe aus dem House- und Techno-Umfeld zu. Da wäre zum einen wieder einmal ein Podcast auf Made Like A Tree. Die zwanzigste Ausgabe hat kein geringerer als der in Toronto beheimatete Stuart Li alias Basic Soul Unit abgeliefert. Selbstverständlich hat man sich auch dort wieder durch ein sehr ausführliches und aufschlussreiches Interview zu lesen bzw. zu scrollen, bis man zum Podcast gelangt: Basic Soul Unit @ Made Like A Tree.
Dunkel, düster, technoid, dub-beeinflusst geht die Reise weiter auf dem französischsprachigen Blog Get The Curse, für die das Berliner DJ- und Produzenten-Duo youANDme (Martin und Daniel)eine Handvoll Tracks aus bassstarken House- und Techno-Sphären zusammengeschmissen haben. Fein. youANDme @ Get The Course.
Ein Label, das in der Vergangenheit ein ums andere Mal durch düster-melancholische Soundskizzen zwischen House und Techno überzeugt hat, ist das in Berlin angesiedelte Vidab Records. Zu dessen engsten Produzentenkern gehört Koljah, dem wir die zwei folgenden Mixe zu verdanken haben. Es ist zum einen sein vor einer knappen Woche veröffentlichter "March Mix 2010" sowie der ganz frisch aufgenommene "April Mix 2010", der gerade einmal einen Tag alt ist. Here you go:
Abschliessend sei noch kurz hingewiesen auf die allerneueste Ausgabe der Musik Aus Strom-Podcast-Reihe von Sebastian Maetje alias sma, der unter diesem Kürzel im Zweiwochenrhythmus auf Eldoradio seine eigene (Internet-)Radio Show produziert. In der Show vom Dienstag, den 06. April 2010, spielt er sich durch eine Auswahl Tracks von unter anderem Delano Smith, Rick Wade, Move D und Theo Parrish, und erfreut zudem mit einem Gast-Mix aus den Händen Leopoldo Rosas alias Lerosa. Des weiteren finden sich auf seiner Website Gast-Mixe von Ricardo Esposito und Alex Agore: Musik Aus Strom.
Das dürfte vorerst reichen, oder?! Bald ist ja wieder Wochenende, wo man mit (hoffentlich) guter Musik auftanken kann. Wer auf weitere Mixe hinweisen möchte, kann und darf dies in den Kommentaren tun - auch schamlose Eigenwerbung ist erlaubt.
English (short) version: Even if I'm (very) late this week, I wanted to share a couple of mixes that I was focusing on during the last few days. You'll find a disco flavoured set by Ray Mang, a very special and eclectic mix by Swiss dj Neevo, and we got mixes from Basic Soul Unit, youANDme, Vidab artist Koljah and deep house music lover Sebastian Maetje a.k.a. sma. If you want to share a mix that you've been attracted by, don't hesitate to share it in the comments.
"Guten Morgen, haben sie einen kurzen Augenblick Zeit für mich? Ich habe etwas für sie, das sie interessieren wird." Ein junger Mann, die schwarzen Haare glatt zurückgegeelt, frühlingsgrauer Anzug auf fliederfarbenem Hemd, wagt den Versuch, mich zwischen Brötchen- und Milchkaffee-Kauf anzusprechen, dabei völlig ignorierend, dass ich Kopfhörer trage - Gehörschutzstöpsel-gleich, gerade um solche Situationen bestmöglich zu vermeiden. Der junge Mann lässt sich weder von meinem abweisenden Äusseren noch von meinen Ausweichbewegungen irritieren. "Nehmen sie sich doch kurz Zeit, ich habe etwas für sie, das auch sie betrifft." Er versucht ein weiteres Mal, eine Gesprächsbrücke aufzubauen.Mein Blick fällt auf ein plastikschwarzes Klemmmäppchen, das er in der linken Hand hält. Darauf der Sticker einer Organisation, die für ihre dubiosen Vertriebspraktiken bekannt ist. Einen Häuserblock lang stellt er mir nach, in der Hoffnung, mir eine Unterschrift für seinen Lebensversicherungs-Knebelungsvertrag abluchsen zu können. Keine Chance.
Stunden später. Es ist früher Nachmittag. Bis zum frühen Abend erblicke ich im Viertelstundentakt die Rufnummer der Sachbearbeiterin meiner Hausbank. Kurz vor sechs Uhr gehe ich entnervt ran. Was denn wichtiges anstehe, will ich, mit dem Schlimmsten (Kontopfändung, SCHUFA-Eintrag, etc.) rechnend, wissen. "Schön, dass ich sie doch noch erreiche..." Was dann folgt, ist keine teenagerhaft nervöse Anfrage, ob ich mich mit ihr auf ein Abendessen, ganz spontan, treffen möchte, sondern ein minutenlanger Monolog über neue Anlage- beziehungsweise Sparprogramme.
Kurz danach. In einem Fahrzeug der Freiburger Verkehrs-AG gerate ich in eine Fahrscheinkontrolle. Auf die Bemerkung des Kontrolleurs, dass der Stempel, aufgetragen auf der Stammkarte, bereits X Jahre alt sei, antworte ich: "Da sehen sie mal, wie lange ich die VAG schon unterstütze." "So goht dis nit", donnert er mich in breitestem Alemannisch an, um mich daraufhin lautstark über Dinge wie Fahrgastbeförderungserlaubnis, Verlängerung eines Fahrgastbeförderungsscheins und sonstigen Verwaltungskram aufzuklären. Er zieht seinen mittlerweile zu uns aufgelaufenen Kollegen zu Rate. Dieser schlägt einen vermittelnden Umgangston an. Zehn Tage Zeit hätte ich, mir einen einen neuen Stempel beim "VAG Pluspunkt" zu besorgen. (Selbstverständlich gegen die Entrichtung einer Bearbeitungsgebühr von 10.- Euro.) Demütig und unterwürfig nicke ich, setze mich auf einen freigewordenen Platz, und fahre in Richtung meines Zuhause. Ein stinknormaler, durch den kleinen Alltagswahnsinn aufgelockerter Montag.
So. Und jetzt wieder zum eigentlichen Anliegen. Musik. House, Techno, Disco, Electronica.
Schon eine Woche "alt" ist er, der exklusive Mix des Esseners Manuel Tur für das Download-Portal / den MP3-Shop Whatpeopleplay. Four Tet, Sigha, Levon Vincent, DPlay und viele andere mehr. Absolute Hör- und Download-Empfehlung!
Genauso "alt" ist das Mixwerk des Belgiers DJ Red D für Infinite State Machine. Sehr feines Set, mit Tracks von Mano Le Tough, Aeroplane, Arto Mwambe oder Steffi sich irgendwo zwischen (Deep) House und Disco bewegend. Check it out.
Auch die Ooft-Dependance Ruff Jamz Audio wartet mit einem neuen Podcast auf. Tornado Wallace heisst dessen Urheber, und laut Kurzbeschreibung (u.a. auf seinem MySpace-Account) wird er in diesem Jahr noch mit Veröffentlichungen auf Sleazy Beats Recordings, Delusions Of Grandeur und einigen anderen Imprints von sich reden machen. Man darf gespannt sein. Zum Mix geht's hier lang.
Der Blick geht über den Ärmelkanal, zur (fast) namensgleichen Konkurrenz von Keep It Deep, seit Juli 2009 betrieben von - ach, egal. Schöne Features hat der Junge dort auf seinem Blog, alle überaus lesenswert. Das jüngste ist über beziehungsweise mit Nina Kraviz, die im Hinblick auf ihren Auftritt bei Secretsundaze am kommenden Donnerstag auch gleich einen schönen Mix eingespielt hat. Check her out @ Keep It Deep w/ Nina Kraviz.
Ein weiterer Blog, den man - unter anderem auch - seiner Gast Mix-Features stets auf dem Radar haben sollte, ist Little White Earbuds. Diese Woche wartet dieser Qualitäts-Blog mit einem Mix des Schweizers Agnès. Der pseudonymreiche (Cavalier, Ray Valioso,...) DJ und Produzent liefert einen bestechenden Mix mit - hell yeah - unveröffentlichtem eigenem Material ab, das zwischen demnächst und irgendwann auf Hudd Traxx und Drumpoet Community erscheinen wird. Swiss quality house music! Agnès @ Little White Earbuds.
Auch der folgende Mix wurde in der Schweiz eingespielt. An den Decks dafür stand Timnah Sommerfeldt, udn wie vor ihren (zahlreichen) Aufnahmen zuvor, kann ich auch dieses Mal nur den Hut vor ihrer Trackauswahl und ihrem Arrangement ziehen. Deep, soulful, Detroit, alt, neu, fein, sehr fein! Timnah Sommerfeldt - Love Letters.
Zum Abschluss wieder ein wenig Disco. Zunächst bei Cosmic Disco. Niles, Mitgründer / Mitbetreiber dieser Website, hat mich über die vergangenen Jahre hinweg regelmässig erfreut mit seiner Selection aus Cosmic, Psychedelic, Electric, Slow Motion und sonstigem Disco. Rares, Altbekanntes, A-Seiten, B-Seiten, Dubs und Instrumentals, und genauso überzeugend ist auch sein vor wenigen Stunden veröffentlichter Mix - Niles - Out Of The Gloom Mix.
Die nächste Disco Affair stammt aus Italien, von Marcello Giordani, dem Initiator des (Disco Nerd)-Blogs Space Boogie. Ist auch schon wieder etwas älter, der Mix, aber das tut seiner Qualität keinen Abbruch. E.S.G., Faze Action, Cro Magnon, und so weiter. Kann man gar nicht genug anhören.
Und zu guter Letzt ein Mitschnitt eines Live Sets der Snuff Crew. Auch hier gilt das Prinzip "House music is disco, boiled down to its most danceable elements". Doch der Vollständigkeit wegen müsste man eigens für die Snuff Crew hinzufügen: "enriched with a large dose of acid". Dopness!
Neun Mixe, die für ein paar glückliche Stunden sorgen dürften. Morgen geht's dann wieder wie gewohnt weiter...
English (short) version: I kinda had a mixed-up monday. An onerous insurance agent driving me up the wall, my pain-in-the-ass bank assistant and a rough necked ticket collector. Yay. Thank God, that there are so many artists out there that spend night and day compiling and recording mixes and playing hilarious live sets like the mysterious Snuff Crew. Mixes range from deeper than deep house by DJ Red D, Agnès, Timnah Sommerfeldt, exceptionally eclectic by Manuel Tur and disco-tinged stuff from Cosmic Disco blog and Space Boogie-head Marcello Giordani. Enjoy!
Über "Agrafena", die vierte Release auf Mild Pitch und erste Einzelveröffentlichung (in diesem Jahr, wohlgemerkt) des Essener Label-Mitbetreibers Manuel Tur zu schreiben, stellt(e) eine grosse Herausforderung für mich dar. Grund? Nur wenige (deutsche) Produzenten im Bereich (elektronischer) Clubmusik erfahren eine derart ungebrochene Aufmerksamkeit wie er. Zu Recht, meiner Meinung nach, denn neben Beständigkeit und Kreativität zeichnet den Essener Manuel Tur eine stilistische Offenheit aus, gerade in der Kunst ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal (zu anderen Produzenten) und Garantie, um dauerhaft hervorragende Leistungen und langfristig anhaltenden Erfolg erzielen zu können.
Mit der 12" "Agrafena" (übrigens auch der Name einer Romanfigur in Leo Tolstois Roman "Auferstehung"; ein Werk, dessen Umfang und meine mittlerweile mangelhafte Konzentrationsfähigkeit mich zur Aufgabe zwangen) legt Manuel Tur ein orchestralisches, mit viel Soundtiefe ausgestattetes Werk, ein episches Chord-Arrangement von geradezu Tolstoischer Monumentalität vor.
Beide Tracks, "Agrafena" und "Dream & Delirium" besitzen einen ausgefeilten dramaturgischen Aufbau mit einem sich langsam steigernden Spannungsbogen - insbesondere bei letztgenanntem Track, Dream & Delirium. Auf beiden Stücken bearbeitet Manuel Tur seine Synthesizer mit Klanggewalt, entlockt ihnen eine düster-wuchtige, nahezu orffisch anmutende Musik und zeichnet eindrucksvolle Klangbilder. Daruntergelegt ist ein einfacher, dafür mit umso grösserer Präzision programmierter House-Beat, der den Tracks die durchschlagende Schubkraft verleiht. Bin schon sehr gespannt, was uns Mild Pitch und Manuel Tur in diesem Jahr noch bringen werden.
English (short) version: looking for soaring, pulsing and sweeping synthesizer soundcapes reminding you the orchestral artwork of twentieth century composers like Carl Orff or Dimitri Shostakovich, underlaid with a simple house beat that is programmed with subtlety? Then, grab "Agrafena", the latest release on Essen / Germany based imprint Mild Pitch, produced by the gifted and talented hands of Manuel Tur.
Was war denn heute mit der Blogger-Software los? Während einer guten Stunde konnte ich mich nicht zu meinem Blog-Account anmelden, und Facebook, meine liebste Zeitvernichtungsmatrix, zickte rum. Kaum eingeloggt, wurde mein Rechner immer langsamer, der Seitenaufbau vollzog sich über Minuten hinweg, der Chat setzte phasenweise aus, und das Versenden von Nachrichten war reine Glücks- und somit auch Nervensache. Meist sind es diese Augenblicke, in denen ich den festen Entschluss fasse, mich endgültig aus sozialen Netzwerkplattformen dieser Art zurückzuziehen und mich wieder auf Festnetz, Mobilfunk, E- und Snail Mail als Kommunikationsmittel zu beschränken. Und das, obwohl ich erst vor kurzen eine eigene Fan-Seite dort eingerichtet habe.
Nach diesem schamlosen Selbstfeature noch ein kleiner Rückblick auf das vergangene Wochenende. Auf dem Programm stand ja die hier gesondert angekündigte Resident Night der Somebody Scream-Veranstaltungsreihe im Drifter's, an den Decks die Freiburger Shaddy, Agent Schwiech und Kowski. Da ich ein grosser Liebhaber der die Nacht musikalisch einleitenden Stunden bin, war ich auch schon sehr früh vor Ort, kaum dass der Club seine Tür geöffnet hatte. Hat sich definitiv gelohnt, "Blame" von John Roberts, den Willie Hutch-Klassiker "Brothers Gonna Work It Out" im Remix von The Revenge, und eine weitere Vielzahl 12" zwischen (Deep) House und Disco (Edits) kamen auf die Plattenteller, pure bliss!
Ebenfalls einen Abstecher Wert war Stunden zuvor "The Soul Of Nora" im Jos Fritz Café. Neugierde und der unstillbare Durst nach guter Musik führten mich dorthin, denn u.a. war die Hamburgerin Marga Glanz vom dortigen Plattenladen Groove City für ein Showcase vorgesehen. Ob sie auch schon zu der frühen Stunde, zu der ich dort aufkreuzte, an den Decks stand, entzieht sich leider meiner Kenntnis - ich wusste und weiss auch jetzt noch nicht, wie Marga Glanz aussieht - doch musikalisch haben mich die gut eineinhalb Stunden in diesem schlauchartig langgestreckten Lokal sehr bewegt. Gespielt wurde eine feine Auswahl Soul und Funk der Sechziger und Siebziger Jahre, aufgelockert durch Yacht-, Surf- oder Folk Rockplatten aus derselben Zeit.
Deswegen führt auch mein erster Mix nicht in housige Gefilde, sondern zur Aufzeichnung des Sets von Kon im Rahmen der Basler - nun ja - Veranstaltung livingroom.fm. Als die Crate Digger Kon & Amir dort ihren Auftritt hatten, war ich ebenfalls anwesend. Doch nachdem die beiden New Yorker auch nach dreieinhalb Stunden noch immer keine Platte abgespielt hatten, machte ich mich enttäuscht vom Acker. Da Donnerstag und doch hin und wieder in gesellschaftlichen, beruflichen und universitären Verpflichtungen stehend, konnte ich es mir nicht erlauben, länger zu bleiben.
Langer Rede kurzer Sinn: Kon hat sein Set aufgezeichnet und auf (seinem) Blog Playin 4 Keeps zum Download zur Verfügung gestellt. Eine aufmerksame Geste, da die livingroom.fm-Macher seit Wochen ihren Soundcloud-Account nicht aktualisiert haben und dieses einzigartige Set aus Soul, Funk und Disco Boogie nicht zum Download, auch nicht zum anhören und nachvollziehen zur Verfügung gestellt haben. Das Set gibt's hier. Viel Spass!
Auch der zweite Mix, den ich jedem ans Herz legen möchte, ist kein auf House oder Techno basierender. Er wurde eingespielt und aufgezeichnet von Mr. Ferrispark, Scott Ferguson für Infinitestatemachine.com und beinhaltet ausgewählte Stücke von Mos Def, Talib Kweli, Common & Co. Here you go.
Jetzt wird's elektronisch, doch nicht minder mit viel rauhem Soul. Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium hat für den englischsprachigen "Wunderkind"-Blog einen exklusiven Podcast eingespielt sowie ein paar Fragen zu seiner Person und zu seiner Musik beantwortet. Viel eigenes Material und das von den befreundeten DJ Jus-Ed und DJ Qu, fein. Check it out.
Soundcloud-Musikenzyklopädist und User mit den vermutlich meisten Jüngern Followern Rico Passerini (who's dat guy?!) hat in der vergangenen Woche wieder Unmengen an Sets zur Verfügung gestellt, von denen ich drei als Must Listen To erachte.
Zum einen Tama Sumo @ Pacotek (Tel Aviv / Jerusalem):
Zum Schluss noch ein Hinweis auf einen Mix des Tübinger DJs Mirano, der in seinem Mix Tracks von Smallpeople, Black Jazz Consortium, John Daly und vielen anderen mehr verarbeitet:
Das war's dann auch für diese Woche. Über hinweise auf andere Mixe bin ich jedem einzelnen sehr dankbar. Morgen geht's an dieser Stelle - definitiv - weiter mit der neuen Smallville, Mild Pitch, Mirau und Mule. Gute Nacht!
English (short) version: A new week, many new mixes to give a listen to. Starting off with no-house-no-techno mixes by Kon, live at livingroom.fm in Basel / Switzerland (which was - due to the host - one of the most boring and wretched nights in the last three or four years, and therefore I'm thankful and grateful that Kon recorded his set) and Scott Ferguson who did an excellent Rap / Hip Hop mix for infinitestatemachine.com. The rest is just house, some techno and disco - as usual, coming from jocks like Fred P a.k.a. Black Jazz Consortium, Manuel Tur, Tama Sumo and a guy hailing from Tübingen, a cosy university town close to Germanys motor city Stuttgart. Good nite!