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Azari & III - Reckless (With Your Love) - Manuel Tur's Tin Cry Remix

http://www.flickr.com/photos/14681132@N06/3243864128/ via http://schallplatten.tumblr.com
In Sachen Hit-, Dauerbrenner und Sommerhymnencharakter stehen "Hungry For The Power" und "Reckless (With Your Love)" aus dem Hause Azari & III den jüngsten Tensnake-Releases in nichts nach. Aus der historischen Rückperspektive heraus, unter Besehung des konkreten Ergebnisses, lässt sich sehr leicht die These aufstellen, dass der Überhit des Frühjahrs / Sommers 2010, "Reckless (With Your Love)", aufgrund seiner Allgegenwart und Beliebtheit einer Vielzahl an Remix-Überarbeitungen entgegen blicken wird. Doch gab es einige Anzeichen dafür. Kaum ein DJ-Set, kaum ein Podcast, kamen ohne diesen Track aus, und die Lizensierung für die In The House - Ibiza '10-Compilation trug das Übrige dazu bei. Und dennoch ist dieser Track im Hause Permanent Vacation geblieben und erlitt nicht das Schicksal, in einem halben Dutzend funktionaler Tanzflächenbrenner aufzugehen.

Als Remixer durften zunächst Tensnake, die Tuff City Kids, Good Guy Mikesh & Filburt sowie Midnight Magic ran. Alles durchweg eigenständige und eigenwillige Versionen, und dennoch: ein Herzensfunke vermochte irgendwie doch nicht überzuspringen.

Da veröffentlichte in der letzten Woche der Essener Manuel Tur einen Track auf seinem Soundcloud-Account. Seinen Beitrag für das zweite Remix-Paket. Er wird unter der Katalognummer PERMVAC067 Anfang / Mitte Oktober 2010 das Licht der Welt erblicken. Nach dem ersten Anhören liess mich dieser Remix zunächst sprachlos zurück, und bis jetzt habe ich noch keine passenden Worte gefunden, die diesen Eindruck, das Empfinden, in eine versprachlichte Form überführen zu können. Man könnte dieses Gefühl beispielsweise als das Erfahren einer tiefen ozeanischen Ruhe umschreiben, wenn Manuel Tur gestützt durch das zarte Pulsieren des Grundbeats, fragile, im Hintergrund britzelnde und knisternde Effektlandschaften sowie durch einen nachtmurmelnden Bass - wieder einmal - seine Fähigkeiten als Hypnotiseur unter Beweis stellt. Nicht leicht, sich aus dieser Tiefe wieder herauszulösen.


English (short) version: Outstanding rework of "Reckless (With Your Love)", a this year's earworm produced by Azari & III. Manuel Tur, the German producer, combines all the original ingredients with his own trademark electronic music sounds knowing well how to produce a remix to remember. It's the sort of electronic music with class.


Mehr im Web:

Manuel Tur @ MySpace
Manuel Tur @ Facebook
Manuel Tur @ Soundcloud
Permanent Vacation

Azari & III - Reckless (With Your Love) (Manuel Tur's Tin Cry Remix) by Manuel Tur

Talabot - Matilda's Dream

Mathilda. In der Literatur der Deutschen Romantik ist Mathilda eine zwischen Kindheit und Jugend stehende Mädchenfigur in Friedrich von Hardenbergs (Novalis) Bildungs- und Erziehungsroman "Heinrich von Ofterdingen". Der Leser erfährt sie, Mathilda, als Sehnsuchtsobjekt des titelgebenden Helden, Heinrich von Ofterdingen. Sie offenbart sich ihm mehrmals im Traum, im Topos der Blauen Blume, und steht somit sinnbildlich für Reinheit, sittliche Ideale, Treue, Liebe, aber auch für die Welt der Poesie und der Kunst im Allgemeinen.

Ob und inwieweit der spanische DJ und Produzent (John) Talabot, dem jüngst ein Breaking Through-Feature auf Residentadvisor gewidmet wurde, sich davon hat beeinflussen lassen, bleibt höchste Spekulation. Ein irgendwie gearteter äusserer oder innerer Zusammenhang zwischen dem Werk der Literatur und der 12" des Spaniers auf Permanent Vacation erscheint zu konstruiert.

Fest steht jedoch: beiden, Dichter wie Produzent gleichermassen, ist eigen eine poetische Ausdruckskraft, die ihren Werken eine traumwandlerische Schönheit verleiht. Geradezu süchtig macht, sowohl bei Friedrich von Hardenberg / Novalis als auch bei Talabot - die Spannung zwischen jugendlich unbeschwerten Momenten und einer melancholischen Trauer, vielleicht gerade über den Verlust der Unbekümmertheit.

Auf "My Old School", seiner Vorgängerveröffentlichung auf dem Münchener Elektronika-Disco-Imprint Permanent Vacation sowie "Sunshine" auf Hivern Disc lieferte er im Vorjahr zwei - nun ja, ich lehne mich einmal ein wenig weiter zum Fenster hinaus - Blaupausen für den Spätnuller Balearic Sound aus akustischen Gitarren, Disco Dub- und afrikanischen Ethno-Elementen sowie einem ordentlichen Schöpfer aus dem Schmalztopf abgeliefert. Dass mit diesen beiden EPs die Messlatte für jede nachfolgende 12" hoch lag, versteht sich von selbst.

Mit "Matilda's Dream" zementiert (John) Talabot ein weiteres Mal seinen Rang als hochbegabter, mit brillianter Kreativität ausgestatteter Produzent. Mit dem Original schickt er den Hörer / Clubgänger / DJ auf eine wahre Astralreise. Schon mit den ersten Takten glaubt man, seinen Körper zu verlassen, was ich einmal auf den hypnotisierenden Effekt von seinem metallisch klingenden Drumgerüst, der raumgreifenden, sich dennoch behutsam bewegenden Acid Synth-Line und den gebrochenen (triolisch gespielten?) Akkorden zurückführe.

Und weil ich's eingangs schon mit deutscher Literatur hatte, komme ich nicht umhin, an dieser Stelle ein weiteres Mal einen Dichter und Denker der Deutschen Romantik zu zitieren. Es handelt sich dabei um Friedrich Hölderlin, der den Protagonisten in Hyperion folgende Worte sprechen lässt: "Und wenn mich oft um Mitternacht das heisse Herz in den Garten hinuntertrieb unter die thauigen Bäume, und der Wiegengesang des Quells und die liebliche Luft und das Mondlicht meinen Sinn besänftigte, und so frei und friedlich über mir die silbernen Gewölke sich regten, und aus der Ferne mir die verhallende Stimme der Meeresfluth tönte, wie freundlich spielten da mit meinem Herzen all' die großen Phantome seiner Liebe!" Ich finde, diese Stelle passt sehr gut auf diesen Track.

Matilda's Dream by John Talabot


Auf der B-Seite begegnen uns zum einen "La Ninya" in der Afrodub Version - hypnotischer Grundrhythmus, gitarrenlastig, zahlreiche Clap- und Perkussions- und Drum-Elemente, insgesamt heller, offener, sich zum Licht hinwendend. Ausserdem wartet die EP mit einem Remix von "Matilda's Dream" auf. Für diesen steht der New Yorker Mann von Runaway und DFA, Jacques Renault, gerade, der diese epische Hymne mit seinem bestechenden Cosmic Disco-sleaze überzieht. Wahnsinns EP!

La Ninya (Afrodub version) by John Talabot


English (short) version: epic 12" by spanish DJ and producer (John) Talabot, delivering two dreamy, floating soundscapes blending deep house and cosmic disco together. On the flip, there's a remix by New York based cosmic master Jacques Renault. Massive!


Mehr im Web:

John Talabot @ MySpace
Jacques Renault @ MySpace
Permanent Vacation
John Talabot - Mix @ Hivern Disc

Tensnake - Coma Cat

Mitte Dezember des vergangenen Jahres habe ich zum ersten Mal einen kleinen Auszug von Tensnake's "Need Your Lovin" gehört, das Ende Januar 2010 auf dem Münchener Label Permanent Vacation als Bestandteil der 12" Coma Cat veröffentlicht wurde. Schon damals war ich erneut fasziniert von der Herangehensweise an und Interpretation von klassischen (achtziger Jahre beeinflussten) Disco-Sounds des Hamburgers Marco Niemerski alias Tensnake.

Dieser zählt für mich zu der - unstreitig - Speerspitze der (deutschen) Produzenten, die sich ganz der intensiven Rezeption und selektiven (Weiter-)Verarbeitung von Disco, Synth-Pop und (Proto-)House verschrieben haben. Einer Musik also, die einerseits die Seele streichelt und sich von Takt zu Takt tiefer ins Herz hineinschleicht und andererseits mit dem Kitsch-Aspekt, den sehr viele Produktionen aus dieser Zeit beinhalten, kongenial spielt. Deren Syntax ins Heute weiterzuführen, versteht Tensnake meisterhaft.

So präsentiert der Hamburger Produzent auf "Coma Cat" einen Disco-Funk Track mit dominierendem Bass, prägnanten Clap-Sounds und sich im Hintergrund haltenden, ein wenig sentimental wirkenden Glockenklängen. Ein Track, der mir beim Hören das Gefühl vermittelt, es umgebe mich der süssliche Duft von Orangenblüten. Bei "Need Your Lovin'", das auf Vinyl in einem Dub Mix erscheint und dessen Original (lediglich) digital erhältlich ist, gilt noch immer, was ich vor einigen Wochen dazu geschrieben habe. Der fluffige Beat, die lieblichen Synthesizer-Melodiefragmente und träumerisch süssen Vocals haben kein bisschen an Aussagekraft eingebüsst. "Get It Right" besticht mit gequetschten, aufgerauhten Synthesizertönen und einem in Richtung Disco Beatdown weisenden Drumprogramming. Grande.

Abschliessend bleibt mir nur (wie schon einmal) zu schreiben: Schön, dass Tensnake mit einem Song wie diesem die Diskrepanz zwischen echtem, tiefen Fühlen und unecht gesteigerter Sentimentalität, wie sie der 80er-Jahre Disco-Ästhetik eigen ist, auch im Jahre 2010 aufrecht erhält.


English (short) version: I wonder what is your impression when hearing the latest 12" on Permanent Vacation which was produced by Hamburg / Germany based Marco Niemerski a.k.a. Tensnake. Do you really feel like being in 2010 or do you rather feel like standing on a late seventies, early eighties dancefloor, shiny white with disco balls glimmering over the dancefloor? This is one of Tensnakes most amazing skills: playing with ease and juggling georgeously melodic soundscapes, heavy synth basslines and, yes, cheesy vocals and making a sleek dancefloor monster out of'em. Disco has never waned!


Mehr im Web:

Tensnake @ MySpace
Tensnake @ Twitter
Permanent Vacation

Und wer bisher noch nicht die Zeit fand, Tensnakes Podcast für ResidentAdvisor zu hören, sollte dies sofort nachholen. Here you go:

Tensnake RA 187 - Resident Advisor Podcast // 12-28-2009 by Tensnake

Tensnake - Need Your Lovin'

"Need Your Lovin'" heisst das neueste Werk des Hamburger Midtempo House- und Disco Dons Marco Niemerski alias Tensnake, das im Januar des kommenden Jahres das Licht der Welt auf Mjuniks Trademark Label Permanent Vacation erscheinen wird.

Vor vier Tagen veröffentlichte er auf seinem Soundcloud-Account unter http://soundcloud.com/tensnake/need-your-lovin-full-vocal-mix-snippet einen kleinen Ausschnitt dieses Songs.

Eine tief im Untergrund grummelnde Bassline windet sich hier mit träumerisch süssen Vocals um einen fluffigen Beat, begleitet von lieblichen Synthesizer-Melodiefragmenten, nachlässig schlurfig, und ein wenig im Hall verloren gehend. Schön, dass Tensnake mit einem Song wie diesem die Diskrepanz zwischen echtem, tiefen Fühlen und unecht gesteigerter Sentimentalität, wie sie der 80er-Jahre Disco-Ästhetik eigen ist, auch im Jahre 2010 aufrecht erhält.




Mehr im Web:



http://www.myspace.com/tensnake
http://twitter.com/tensnake
http://www.permanent-vacation-records.com/
http://www.myspace.com/permanentvacationrecords