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Chad VanGaalen, Paris, 07.04.11


Konzert: Chad VanGaalen
Ort: Fargo Record Store, Paris
Datum: 07.04.2011
Zuschauer: ungefähr 45-50
Konzertdauer: etwa 35-40 Minuten


In Paris lacht im Moment die Sonne aus jeder Ritze, aber die Folkfans der Seine-Metropole bevölkerten dennoch den brütend heißen Plattenladen von Michel Pamplune. Bei Fargo spielt im Moment einfach die Musik und wenn man Topkünstler in intimer Atmosphäre gratis sehen kann, dann ist die Entscheidung gegen das Straßencafé und für den Fargo Record Store schnell gefallen.

Heute zu Gast zwischen CDs, Vinylplatten und Musikbüchern: Chad VanGaalen, ein baumlanger kanadischer Singer/Songwriter, den alle Musikfans in Deutschland von lobpreisenden Artikeln auf dem Klienicum kennen. Der Bursche war heute erst in Paris eingeflogen, klagte über Müdigkeit und Jetlag, legte sich aber trotzdem voll ins Zeug und spielte großzügigerweise sogar insgesamt 7 feine Lieder. Mal auf der Ukulele, mal auf dem Banjo oder der Akustikgitarre performend, brillierte er mit (Falsett)- Stimme, schönen Melodien und kuriosen Texten. Besonders abstrus wurde es, als er bei einem neuen Stück texlich fragte: "maybe if I shave my pussy, you gonna love me?"...

Highlight war dennoch ein anderer Song und zwar Willow Tree, den er mit einer brüchigen Falsettstimme auf dem Banjo vortrug. "When I die I'll hang my head beside the willow tree when I'm dead is when I'll be free" wimmerte er und besorgte mir eine Gänsehaut, die sich gewaschen hatte.



Und er setzte gleich mit einem anderen wundervollen, auf der Gitarre gespielten Lied nach, in dem es textlich hieß: "Sarah wake me up." Definitiv die beste Phase des kurzen, aber sehr guten Sets, das mit I Changed My Name und Sing Me To Sleep beschlossen wurde.




In CD-Verkäufe ummünzen konnte Chad seinen Auftritt allerdings nicht, was schlicht und einfach daran lag, daß der Fargo Store keine Werke des Amerikaners vorrätig hatte. Das neue Album erscheint in Kürze, es wird Diaper Island heißen und sicherlich exzellent werden.

Setlist Chad VanGaalen, Fargo Store, Paris:

01: After The Afterlife
02: ? Lyrics: "Can't remeber your name"
03: Shave My Pussy
04: Willow Tree
05: ? Lyrics: "Sarah wake me up"
06: Changed My Name
07: Sign Me To Sleep

Link:

Sehr schöner Blogeintrag zu Chad Van Gaalen auf dem Klienicum, klick!



Chad VanGaalen, Paris, 07.04.11


Konzert: Chad VanGaalen
Ort: Fargo Record Store, Paris
Datum: 07.04.2011
Zuschauer: ungefähr 45-50
Konzertdauer: etwa 35-40 Minuten


In Paris lacht im Moment die Sonne aus jeder Ritze, aber die Folkfans der Seine-Metropole bevölkerten dennoch den brütend heißen Plattenladen von Michel Pamplune. Bei Fargo spielt im Moment einfach die Musik und wenn man Topkünstler in intimer Atmosphäre gratis sehen kann, dann ist die Entscheidung gegen das Straßencafé und für den Fargo Record Store schnell gefallen.

Heute zu Gast zwischen CDs, Vinylplatten und Musikbüchern: Chad VanGaalen, ein baumlanger kanadischer Singer/Songwriter, den alle Musikfans in Deutschland von lobpreisenden Artikeln auf dem Klienicum kennen. Der Bursche war heute erst in Paris eingeflogen, klagte über Müdigkeit und Jetlag, legte sich aber trotzdem voll ins Zeug und spielte großzügigerweise sogar insgesamt 7 feine Lieder. Mal auf der Ukulele, mal auf dem Banjo oder der Akustikgitarre performend, brillierte er mit (Falsett)- Stimme, schönen Melodien und kuriosen Texten. Besonders abstrus wurde es, als er bei einem neuen Stück texlich fragte: "maybe if I shave my pussy, you gonna love me?"...

Highlight war dennoch ein anderer Song und zwar Willow Tree, den er mit einer brüchigen Falsettstimme auf dem Banjo vortrug. "When I die I'll hang my head beside the willow tree when I'm dead is when I'll be free" wimmerte er und besorgte mir eine Gänsehaut, die sich gewaschen hatte.



Und er setzte gleich mit einem anderen wundervollen, auf der Gitarre gespielten Lied nach, in dem es textlich hieß: "Sarah wake me up." Definitiv die beste Phase des kurzen, aber sehr guten Sets, das mit I Changed My Name und Sing Me To Sleep beschlossen wurde.




In CD-Verkäufe ummünzen konnte Chad seinen Auftritt allerdings nicht, was schlicht und einfach daran lag, daß der Fargo Store keine Werke des Amerikaners vorrätig hatte. Das neue Album erscheint in Kürze, es wird Diaper Island heißen und sicherlich exzellent werden.

Setlist Chad VanGaalen, Fargo Store, Paris:

01: After The Afterlife
02: ? Lyrics: "Can't remeber your name"
03: Shave My Pussy
04: Willow Tree
05: ? Lyrics: "Sarah wake me up"
06: Changed My Name
07: Sign Me To Sleep

Link:

Sehr schöner Blogeintrag zu Chad Van Gaalen auf dem Klienicum, klick!



Tift Merritt, Paris, 06.04.11

Konzert: Tift Merritt
Ort: Fargo Store, Paris
Datum: 06.04.11
Zuschauer: bestimmt 50
Konzertdauer: etwa 30 Minuten


Tifft Merrit zu Gast in der Stadt der Liebe.

Das passt, denn die zierliche Amerikanerin mit den wundervollen blauen Augen hat einen besonderen Bezug zu Paris, hat hier einige Monate gelebt, Songs geschrieben und beherrscht auch die Sprache Molières.

Michel Pamplune, Chef des exquisiten französischen Folklabels Fargo und Besitzer der gut sortierten Boutique im Pariser Oberkampf-Viertel, hatte die gute Merritt zu einem intimen, akustischen Showcase geladen und die temperamentvolle Countrysängerin ließ sich nicht lange bitten, spielte spontan ein halbes dutzend Songs ihres letzten, außerordentlich tollen Albums See You On The Moon und zusätzlich ein neues, noch unveröffentlichtes Stück.

Etwa 50 Insider hatten sich gegen 19 Uhr in dem Laden eingefunden, schwitzten ob der großen Hitze und lauschten andächtig den herzerwärmenden Kompositionen der Amerikanerin. Tift peformte im Stehen und bewegte sich enorm viel. Mit Schwung und Körpereinsatz unterstrich sie die Leidenschaft ihrer Lieder, denen man anmerkte, daß sie authentisch und ungekünstelt waren. Auf dem letzten, von Tucker Martine (Laura Veis, My Morning Jacket) produzierten Album klingt das Ganze wesentlich stärker instrumentiert und arrangiert und deshalb war es ein Genuß, die Stücke in abgespeckter Version präsentiert zu bekommen.

Wundervoll allein schon der Titeltrack: "I'll see you on the moon, where everyone is well and you never have to wait if you got a story to tell..." intonierte die Merritt inbrünstig und ich nahm ihr jede Zeile ab. Trotz der vermittelten Emotionen wirkte das gespielte Material keineswegs schwülstig oder kitschig, sondern einfach nur bewegend und wunderbar tröstlich. Die Fans, die auf dem Boden und an den Seiten kauerten, kamen wirklich auf ihre Kosten (die sie nicht hatten, der Showcase war gratis) und hinterher ging auch so manche Platte und CD von Tift über den Ladentisch.

Witzig: unter den Zuschauern war auch die großgewachsene Schwedin Frida Hyvönen, die inzwischen in Paris lebt. Vielleicht erfreut sie uns ja auch irgendwann mit einem intimen Konzert. Die Dame braucht allerdinsg ein richtiges Piano, logistisch wird das also schwieriger als bei Tift Merritt, die lediglich ihre Stimme, eine Akustikgitarre und eine Mundharmonika brauchte...


Tift Merritt, Paris, 06.04.11

Konzert: Tift Merritt
Ort: Fargo Store, Paris
Datum: 06.04.11
Zuschauer: bestimmt 50
Konzertdauer: etwa 30 Minuten


Tifft Merrit zu Gast in der Stadt der Liebe.

Das passt, denn die zierliche Amerikanerin mit den wundervollen blauen Augen hat einen besonderen Bezug zu Paris, hat hier einige Monate gelebt, Songs geschrieben und beherrscht auch die Sprache Molières.

Michel Pamplune, Chef des exquisiten französischen Folklabels Fargo und Besitzer der gut sortierten Boutique im Pariser Oberkampf-Viertel, hatte die gute Merritt zu einem intimen, akustischen Showcase geladen und die temperamentvolle Countrysängerin ließ sich nicht lange bitten, spielte spontan ein halbes dutzend Songs ihres letzten, außerordentlich tollen Albums See You On The Moon und zusätzlich ein neues, noch unveröffentlichtes Stück.

Etwa 50 Insider hatten sich gegen 19 Uhr in dem Laden eingefunden, schwitzten ob der großen Hitze und lauschten andächtig den herzerwärmenden Kompositionen der Amerikanerin. Tift peformte im Stehen und bewegte sich enorm viel. Mit Schwung und Körpereinsatz unterstrich sie die Leidenschaft ihrer Lieder, denen man anmerkte, daß sie authentisch und ungekünstelt waren. Auf dem letzten, von Tucker Martine (Laura Veis, My Morning Jacket) produzierten Album klingt das Ganze wesentlich stärker instrumentiert und arrangiert und deshalb war es ein Genuß, die Stücke in abgespeckter Version präsentiert zu bekommen.

Wundervoll allein schon der Titeltrack: "I'll see you on the moon, where everyone is well and you never have to wait if you got a story to tell..." intonierte die Merritt inbrünstig und ich nahm ihr jede Zeile ab. Trotz der vermittelten Emotionen wirkte das gespielte Material keineswegs schwülstig oder kitschig, sondern einfach nur bewegend und wunderbar tröstlich. Die Fans, die auf dem Boden und an den Seiten kauerten, kamen wirklich auf ihre Kosten (die sie nicht hatten, der Showcase war gratis) und hinterher ging auch so manche Platte und CD von Tift über den Ladentisch.

Witzig: unter den Zuschauern war auch die großgewachsene Schwedin Frida Hyvönen, die inzwischen in Paris lebt. Vielleicht erfreut sie uns ja auch irgendwann mit einem intimen Konzert. Die Dame braucht allerdinsg ein richtiges Piano, logistisch wird das also schwieriger als bei Tift Merritt, die lediglich ihre Stimme, eine Akustikgitarre und eine Mundharmonika brauchte...


Deertick & Dolorean & Tift Merritt, Paris, 08.01.11


Konzert: Deertick & Dolorean & Tift Merritt, Fargo All Stars # 4

Ort: La Flèche d'or, Paris

Datum: 08.01.11

Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung



Das exquisite Pariser Folklabel Fargo hatte zur vierten All Stars Night geladen und viele kamen. Es war zwar nicht brechend voll in der Pariser Flèche d'or, aber der Abend war doch ausreichend gut besucht, daß man von einem Erfog sprechen konnte.

Fargo steht seit Jahren für Qualität im Bereich Folk/Americana/ Alt. Country. Große Namen haben hier in der Vergangenheit Platten veröffentlicht. Andrew Bird, Ryan Adams, Ron Sexmith und so weiter und so fort. Die drei Letztgenannten sind zwar nun nicht mehr dabei, dafür aber etliche andere Hochkaräter wie z.B. Alela Diane (Foto, entstanden bei einem Showcase im Fargorecordstore) , Chris Garneau, Neal Casal, Jesse Sykes und vor allem die Stars des heutigen Abends, die jungen Raubeine von Deer Tick.

Deer Tick konnte man sicherlich als Headliner der All Stars Night # 4 bezeichnen, aber auch die anderen beiden Acts Tift Merritt und Dolorean waren erlesen.



Tift machte den Anfang. Die einzige Frau auf dem Programm und auch die Einzige, die nicht bei Fargo selbst unter Vertag steht. Sie war Ehrengast, wurde auf Grund ihrer musikalischen Nähe zu den Künstlern des Pariser Labels mit hinzugenommen. Und es stellte sich als eine gute Entscheidung heraus, Merritt mit ins Boot genommen zu haben. Die feurige Lady aus North Carolina trug mit kraftvoller Stimme und viel Temperament ihre Countrysongs abwechselnd an Klavier und Akustikgitarre vor. Ihre Ausstrahlung war außergewöhnlich. Obwohl nicht sehr groß gewachsen, hatte sie eine erstaunliche Bühnenpräsenz und viel Charisma (und schöne Beine, aber das nur nebenbei). Zudem sprach sie beachtlich gut französisch und konnte mit ein paar wohlplatzierten Sätzchen die Sympathien der Franzosen gewinnen ("I have to live here in Paris, one day..."). Musikfans, die ausschließlich auf kargen, brüchigen Folk fokussiert sind, könnten ihre Probleme mit Tift's kraftvoller Stimme und ihrer feurigen Art haben, diejenigen, die aber auch traditionelle Countrysängerinnen wie Emmylou Harris oder Patsy Cline mögen, dürften ihre Freude an Merritt haben. Für mich war die Musik von Tift eine Neuentdeckung, denn obwohl ich ihren Namen schon mehrfach aufgeschnappt hatte, kannte ich keine Songs von ihr. Dabei ist Tift Merrit alles andere als eine Debütantin. 4 zumTeil mit sehr beachtlichen Kritiken versehene Alben stehen zu Buche, darunter der letzte Output See You On The Moon aus dem Jahre 2010.

Ich ärgere mich im Nachhinein, keines der Machwerke am Merch erstanden zu haben, denn gerade mit dem letzten Song, den sie auf der Mundharmonika begleitete, hat sie mich ziemlich weichgekocht. Die Frau hat was, ich bleibe ihr auf den bestiefelten Fersen!

Mit Dolorean kam danach eine reine Männerband, die mitunter das Pech hat, ihren Namen falsch geschrieben zu sehen. Unaufmerksame Journalisten verwechseln sie oft mit den spanischen Chillwavern Delorean, aber musikalisch haben diese beiden Formationen herzlich wenig miteinander am Hut. Bei Dolorean haben wir es nämlich mit typisch amerikanischem Folkrock im Stile von Wilco zu tun. Die geerdet wirkenden Burschen stammen aus Portland, Oregan und waren auch mal eine Weile die Backingband des famosen Damien Jurado. Bei einem ihrer früheren Konzerte in Paris (ohne Jurado) hatten sie wohl das Pech, vor lediglich 5 Leutchen zu spielen, zumindest behauptete dies schmunzelnd der Sänger Al James. Heute nun mit etwa 300 Leuten eine wesentlich größere Kulisse und die knackigen Wildwest Rocknummern hatten auch definitiv genug Drive und Lautstärke, um eine größere Location zu beschallen. An dem Set gab es nichts auszusetzen, die Kompositionen waren gut und harmonisch, die Stimme von Al James sehr schön, die Orgel jubilierend, die Gitarren saftig, das Schlagzeug variabel. Das Einzige was man eventuell bemängeln konnte, war, daß ein klein wenig die eigene Identität fehlte. Einige Melodien erinnerten mich an Stücke von Ryan Adams , andere wieder an die bereits genannten Wilco. Der Mangel an Originalität wurde aber durch starke Songs kompensiert, die in der Mehrheit von dem aktuellen Output The Unfazed stammten.

Nun aber war die Zeit für die Headliner Deer Tick gekommen. Ich hatte sie im vergangenen September gleich zwei mal gesehen. Einmal elektrisch im Café de la Danse und einen Tag später akustisch im kleinen, aber feinen Fargo Recordstore (Foto rechts). Der Unplugged Gig war große Klasse, das "richtige" Konzert im Café de la Danse aber eine Enttäuschung. Sänger John McCauley war damals krank, litt unter einer Grippe und war stimmlich und körperlich geschwächt (fragt mich bitte nicht, wie er am nächsten Tag soviel besser drauf sein konnte!). Deshalb verkürzten die Amis aus Rhode Island auch ihr Set und ließen viele gute Songs aus.

Heute hatte er aber keine Grippe und das Konzert war dementsprechend wesentlich länger und dynamischer. Leider aber merkte man John McCauley recht deutlich an, daß er wieder mal zu viel Alkohol intus hatte. Und zwar schon bevor er die Bühne betrat. Ich hatte ihn bereits bei den Konzerten der anderen Bands im Publikum ausgemacht und da war mir schon sein glasiger Blick aufgefallen. Beim Auftritt selbst trank er dann Jack Daniels aus der Flasche, den er mit Cola runterspülte. Seine Stimme war also gut geölt, könnte man meinen, aber aufgepeitscht von dem hochprozentigen Stoff übertrieb er es manchmal. Folge war, daß er noch ein wenig krächziger klang als schon auf den Alben. Von einer schlechten gesanglichen Leistung möchte ich trotzdem nicht sprechen, nur etwas nuancenreicher hätte es sein dürfen. Sowieso klang hier und heute alles etwas anders als auf den Alben. Der Sound war bluesiger, noch stärker nach den 70 er Jahren klingend und von einer laut auftrumpfenden Hammond Orgel geprägt. Die Jungs schienen es darauf abgesehen zu haben, laut und dreckig zu klingen. Der bärtige Drummer prügelte demzufolge auch wie ein Wilder auf seine Felle ein, während Bassist Christopher Dayle Ryan und Gitarrist Ian O'Neil gewohnt schüchtern (und zudem wahnsinnig jung!) wirkten. John McCauley in der Mitte hatte optisch etwas von einem modernen Kurt Cobain. Dunkelblondes wuscheliges Haar, traurig blickende blaue Augen, Blue Jeans und schwarze Chucks, so stand er vor der Menge, die in der ersten Reihe ausschließlich (!) aus jungen Mädchen bestand. Ein Weiberheld der John, die Mädels werden das Wilde und Maßlose an ihm lieben.

Ein paar Sätze zu den gespielten Songs. Auffällig, daß nur ein einziger vom Zweitling Born On A Flag Day stammte. Stattdessen wurde der Schwerpunkt auf die Black Dirt Sessions gelegt und auch der Erstling War Elephant wurde mit drei Liedern hinreichend gewürdigt. Zu dumm allerdings, daß ausgerechnet mein Liebling, der Gassenhauer These Old Shoes, im Programm fehlte. Dafür gab es aber den Baltimore City Blues No. 1, den ich mir ein wenig emotionaler und hingebunsvoller gewünscht hätte. Er klang ein bißchen runtergenudelt und leidenschaftslos. 20 Miles hingegen wurde stark abgewandelt gespielt. Gewöhnunsgbedürftig, die Albumversion gefällt mir besser. Und dann die Orgel, sie war omnipräsent und für meinen Geschmack zu laut.

So schrammelten sich die Raubeine etwa 70 Minuten durch ihr Set, das keineswegs schlecht, aber auch nicht hunderprozentig überzeugend war. Irgendwie müssten es die Deer Ticks in der Zukunft hinbekommen , ihre Energie zu bündeln, an Feinheiten zu arbeiten und fokussierter zu werden. Ihre ungestüme Art müssen sie ja gar nicht unbedingt ablegen, sondern nur ein wenig professioneller werden. Und ein bißchen weniger trinken, stimmt's, John? Klingt spießig, ich weiß, aber als Mutter würde ich mir ein wenig Sorgen um meinen Sohn machen.

Die erste Zugabe sang übrigens der mächtig in die Breite gegangene Drummer Dennis Ryan. Auch so ein Heißsporn!

Wenn ich eine Note verteilen müsste: 7/10.

Setlist Deer Tick, Fargo All Stars # 4, Flèche d'or, Paris:

01: Bury Deep
02: Ashamed
03: 20 Miles
04: Baltimore Blues, No.1
05: Born
06: Hope is big
07: When She Comes Home
08: waitress
09: Me Me Me
10: Christ Jesus
11: Mange

12: Bring It OnHome To Me (Sam Cooke Cover)
13: La Bamba (war vorgesehen, wurde aber nicht gespielt)

Auf dem inzwischen in schlichtem schicken grau gehaltenen Klienicum gibt es einen kleinen Eintrag zu Dolorean aus dem Jahre 2007, klick!

Aus unserem Archiv:

Deer Tick, Paris, 15.09.10
Deer Tick, Paris, 14.09.10




Deertick & Dolorean & Tift Merritt, Paris, 08.01.11


Konzert: Deertick & Dolorean & Tift Merritt, Fargo All Stars # 4

Ort: La Flèche d'or, Paris

Datum: 08.01.11

Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung



Das exquisite Pariser Folklabel Fargo hatte zur vierten All Stars Night geladen und viele kamen. Es war zwar nicht brechend voll in der Pariser Flèche d'or, aber der Abend war doch ausreichend gut besucht, daß man von einem Erfog sprechen konnte.

Fargo steht seit Jahren für Qualität im Bereich Folk/Americana/ Alt. Country. Große Namen haben hier in der Vergangenheit Platten veröffentlicht. Andrew Bird, Ryan Adams, Ron Sexmith und so weiter und so fort. Die drei Letztgenannten sind zwar nun nicht mehr dabei, dafür aber etliche andere Hochkaräter wie z.B. Alela Diane (Foto, entstanden bei einem Showcase im Fargorecordstore) , Chris Garneau, Neal Casal, Jesse Sykes und vor allem die Stars des heutigen Abends, die jungen Raubeine von Deer Tick.

Deer Tick konnte man sicherlich als Headliner der All Stars Night # 4 bezeichnen, aber auch die anderen beiden Acts Tift Merritt und Dolorean waren erlesen.



Tift machte den Anfang. Die einzige Frau auf dem Programm und auch die Einzige, die nicht bei Fargo selbst unter Vertag steht. Sie war Ehrengast, wurde auf Grund ihrer musikalischen Nähe zu den Künstlern des Pariser Labels mit hinzugenommen. Und es stellte sich als eine gute Entscheidung heraus, Merritt mit ins Boot genommen zu haben. Die feurige Lady aus North Carolina trug mit kraftvoller Stimme und viel Temperament ihre Countrysongs abwechselnd an Klavier und Akustikgitarre vor. Ihre Ausstrahlung war außergewöhnlich. Obwohl nicht sehr groß gewachsen, hatte sie eine erstaunliche Bühnenpräsenz und viel Charisma (und schöne Beine, aber das nur nebenbei). Zudem sprach sie beachtlich gut französisch und konnte mit ein paar wohlplatzierten Sätzchen die Sympathien der Franzosen gewinnen ("I have to live here in Paris, one day..."). Musikfans, die ausschließlich auf kargen, brüchigen Folk fokussiert sind, könnten ihre Probleme mit Tift's kraftvoller Stimme und ihrer feurigen Art haben, diejenigen, die aber auch traditionelle Countrysängerinnen wie Emmylou Harris oder Patsy Cline mögen, dürften ihre Freude an Merritt haben. Für mich war die Musik von Tift eine Neuentdeckung, denn obwohl ich ihren Namen schon mehrfach aufgeschnappt hatte, kannte ich keine Songs von ihr. Dabei ist Tift Merrit alles andere als eine Debütantin. 4 zumTeil mit sehr beachtlichen Kritiken versehene Alben stehen zu Buche, darunter der letzte Output See You On The Moon aus dem Jahre 2010.

Ich ärgere mich im Nachhinein, keines der Machwerke am Merch erstanden zu haben, denn gerade mit dem letzten Song, den sie auf der Mundharmonika begleitete, hat sie mich ziemlich weichgekocht. Die Frau hat was, ich bleibe ihr auf den bestiefelten Fersen!

Mit Dolorean kam danach eine reine Männerband, die mitunter das Pech hat, ihren Namen falsch geschrieben zu sehen. Unaufmerksame Journalisten verwechseln sie oft mit den spanischen Chillwavern Delorean, aber musikalisch haben diese beiden Formationen herzlich wenig miteinander am Hut. Bei Dolorean haben wir es nämlich mit typisch amerikanischem Folkrock im Stile von Wilco zu tun. Die geerdet wirkenden Burschen stammen aus Portland, Oregan und waren auch mal eine Weile die Backingband des famosen Damien Jurado. Bei einem ihrer früheren Konzerte in Paris (ohne Jurado) hatten sie wohl das Pech, vor lediglich 5 Leutchen zu spielen, zumindest behauptete dies schmunzelnd der Sänger Al James. Heute nun mit etwa 300 Leuten eine wesentlich größere Kulisse und die knackigen Wildwest Rocknummern hatten auch definitiv genug Drive und Lautstärke, um eine größere Location zu beschallen. An dem Set gab es nichts auszusetzen, die Kompositionen waren gut und harmonisch, die Stimme von Al James sehr schön, die Orgel jubilierend, die Gitarren saftig, das Schlagzeug variabel. Das Einzige was man eventuell bemängeln konnte, war, daß ein klein wenig die eigene Identität fehlte. Einige Melodien erinnerten mich an Stücke von Ryan Adams , andere wieder an die bereits genannten Wilco. Der Mangel an Originalität wurde aber durch starke Songs kompensiert, die in der Mehrheit von dem aktuellen Output The Unfazed stammten.

Nun aber war die Zeit für die Headliner Deer Tick gekommen. Ich hatte sie im vergangenen September gleich zwei mal gesehen. Einmal elektrisch im Café de la Danse und einen Tag später akustisch im kleinen, aber feinen Fargo Recordstore (Foto rechts). Der Unplugged Gig war große Klasse, das "richtige" Konzert im Café de la Danse aber eine Enttäuschung. Sänger John McCauley war damals krank, litt unter einer Grippe und war stimmlich und körperlich geschwächt (fragt mich bitte nicht, wie er am nächsten Tag soviel besser drauf sein konnte!). Deshalb verkürzten die Amis aus Rhode Island auch ihr Set und ließen viele gute Songs aus.

Heute hatte er aber keine Grippe und das Konzert war dementsprechend wesentlich länger und dynamischer. Leider aber merkte man John McCauley recht deutlich an, daß er wieder mal zu viel Alkohol intus hatte. Und zwar schon bevor er die Bühne betrat. Ich hatte ihn bereits bei den Konzerten der anderen Bands im Publikum ausgemacht und da war mir schon sein glasiger Blick aufgefallen. Beim Auftritt selbst trank er dann Jack Daniels aus der Flasche, den er mit Cola runterspülte. Seine Stimme war also gut geölt, könnte man meinen, aber aufgepeitscht von dem hochprozentigen Stoff übertrieb er es manchmal. Folge war, daß er noch ein wenig krächziger klang als schon auf den Alben. Von einer schlechten gesanglichen Leistung möchte ich trotzdem nicht sprechen, nur etwas nuancenreicher hätte es sein dürfen. Sowieso klang hier und heute alles etwas anders als auf den Alben. Der Sound war bluesiger, noch stärker nach den 70 er Jahren klingend und von einer laut auftrumpfenden Hammond Orgel geprägt. Die Jungs schienen es darauf abgesehen zu haben, laut und dreckig zu klingen. Der bärtige Drummer prügelte demzufolge auch wie ein Wilder auf seine Felle ein, während Bassist Christopher Dayle Ryan und Gitarrist Ian O'Neil gewohnt schüchtern (und zudem wahnsinnig jung!) wirkten. John McCauley in der Mitte hatte optisch etwas von einem modernen Kurt Cobain. Dunkelblondes wuscheliges Haar, traurig blickende blaue Augen, Blue Jeans und schwarze Chucks, so stand er vor der Menge, die in der ersten Reihe ausschließlich (!) aus jungen Mädchen bestand. Ein Weiberheld der John, die Mädels werden das Wilde und Maßlose an ihm lieben.

Ein paar Sätze zu den gespielten Songs. Auffällig, daß nur ein einziger vom Zweitling Born On A Flag Day stammte. Stattdessen wurde der Schwerpunkt auf die Black Dirt Sessions gelegt und auch der Erstling War Elephant wurde mit drei Liedern hinreichend gewürdigt. Zu dumm allerdings, daß ausgerechnet mein Liebling, der Gassenhauer These Old Shoes, im Programm fehlte. Dafür gab es aber den Baltimore City Blues No. 1, den ich mir ein wenig emotionaler und hingebunsvoller gewünscht hätte. Er klang ein bißchen runtergenudelt und leidenschaftslos. 20 Miles hingegen wurde stark abgewandelt gespielt. Gewöhnunsgbedürftig, die Albumversion gefällt mir besser. Und dann die Orgel, sie war omnipräsent und für meinen Geschmack zu laut.

So schrammelten sich die Raubeine etwa 70 Minuten durch ihr Set, das keineswegs schlecht, aber auch nicht hunderprozentig überzeugend war. Irgendwie müssten es die Deer Ticks in der Zukunft hinbekommen , ihre Energie zu bündeln, an Feinheiten zu arbeiten und fokussierter zu werden. Ihre ungestüme Art müssen sie ja gar nicht unbedingt ablegen, sondern nur ein wenig professioneller werden. Und ein bißchen weniger trinken, stimmt's, John? Klingt spießig, ich weiß, aber als Mutter würde ich mir ein wenig Sorgen um meinen Sohn machen.

Die erste Zugabe sang übrigens der mächtig in die Breite gegangene Drummer Dennis Ryan. Auch so ein Heißsporn!

Wenn ich eine Note verteilen müsste: 7/10.

Setlist Deer Tick, Fargo All Stars # 4, Flèche d'or, Paris:

01: Bury Deep
02: Ashamed
03: 20 Miles
04: Baltimore Blues, No.1
05: Born
06: Hope is big
07: When She Comes Home
08: waitress
09: Me Me Me
10: Christ Jesus
11: Mange

12: Bring It OnHome To Me (Sam Cooke Cover)
13: La Bamba (war vorgesehen, wurde aber nicht gespielt)

Auf dem inzwischen in schlichtem schicken grau gehaltenen Klienicum gibt es einen kleinen Eintrag zu Dolorean aus dem Jahre 2007, klick!

Aus unserem Archiv:

Deer Tick, Paris, 15.09.10
Deer Tick, Paris, 14.09.10




Deer Tick, Paris, 15.09.10


Konzert: Deer Tick

Ort: Fargo Recordstore, Paris
Datum: 15.09.2010, 18 Uhr 30
Zuschauer: etwa 25
Konzertdauer: circa 40-45 Minuten


"Thanks for listening and please don't forget to buy our records to support our alcoholism".

Sicherlich der Satz des Tages, gefallen am Ende des Showcases der Band Deer Tick. Nur einen Tag nach ihrem doch eher enttäuschenden Konzert im Café de la Danse zogen die jungen amerikanischen Folkrocker in einem Pariser Plattenladen akustisch vom Leder. Wie würde es heute werden? Dies fragten sich außer mir noch gut 20 andere Musikfans, die sich im tollen Shop von Inhaber Michel Pamplune eingefunden hatten. Unter ihnen der talentierte Rod Maurice von le hiboo.com, der die Session filmte und sicherlich bald feine bewegte Bilder liefern wird...

Der Anfang verhieß allerdings nichts Gutes. Sänger John, der sich kürzlich eine üble Grippe eingefangen hatte, wankte vor dem Gig mit Bierflasche in der Hand noch einmal recht benebelt auf die Toilette ("was heißt Toilette auf französisch?", fragte er) und nahm danach ein wenig verwirrt auf einem Stühlchen Platz. Neben ihm saß der zweite Gitarrist der Band. Beide spielten sie auf den hübsch bemalten Vintage-Gitarren, die ansonsten im Shop die Wände zieren. Hinter ihnen saß der lebhafte Drummer der Band, der auch lauthals im Chor mitsingen sollte. Die anderen beiden Member spielten heute keine große Rolle, sie waren nur Betrachter.

Mit 20 Miles vom neuen Album The Black Dirt Sessions ging es los. Gestern hatten sie diesen Hit genau wie den Gassenhauer These Old Shoes ausgelassen, weil sich der Sänger stimmlich dazu nicht in der Lage fühlte. Heute aber flutschte alles schon viel besser. Der Auftakt war ermutigend, aber es sollte noch viel viel stärker werden. Mit jedem angestimmten Song spielten sich die Jungs mehr und mehr ein. Sie begannen richtig Freude an dem Akustikkonzert zu entwickeln und spätestens zur Mitte des Sets hin, hatten sie alle Blockaden abgelegt und schrien sich die Kehlen heiser. Die ohnehin schon krazige Stimme von John Joseph McCauley III wurde noch ein wenig rauer, klang aber teuflisch gut. Vielleicht ist er wirklich der neue Tom Waits (bzw. Van Morrison?) oder so. Die Musikpresse ist ohnehin schon wieder fleißig mit historischen Vergleichen zur Hand und gräbt Creedence/Clearwarter Revival als Referenz aus. Das mag zum Teil zutreffend sein, aber die jungen Kerle aus Providence/Rhode Island wirkten trotz ihres Retrosounds nicht so, als würden sie alten Helden die Füsse küssen. Als sie ein Cover von Towns Van Zandt anstimmten, zeigte Sänger John auf einen im Laden hängenden Holzschnitt des verstorbenen Barden und meinte: "Now we gonna play a cover song of this motherfucker there."...

Die Stimmung im Publikum und bei der Band steigerte sich nun minütlich. Irgendwann hatten alle ein breites Grinsen im Gesicht und als der Überhit These Old Shoes rausgehauen wurde, johlten alle vor Glück. Herrlich wie die Jungs hier miteinander kommunizierten und sich verbal die Bälle zuspielten.

Als Ausfluß der allgemeinen Heiterkeit ist sicherlich auch das Abfeuern des spanischen Klassikers La Bamba zu verstehen gewesen. Das kannte nun jeder hier, selbst die kleine Tochter des Ladenbetreibers sang im Hintergrund lauthals mit. Applaus brandete auf und die Band wollte sich schon verkrümeln, als ich vorlaut und forsch den Baltimore Blues Number 1 einforderte. Da sich die anderen Bandmitglieder schon in die Kabine verdrückt hatten, spielte der Sänger dieses Kleinod ganz allein. Ich fühlte mich schon ein wenig geehrt, als er in meine Richtung zeigend erklärte: "This song is only for this man" (ich war gemeint, cool!). Die feine Gitarrenmelodie, die sich durch dieses Stück schlängelt, ist einfach atemberaubend schön und ich war froh, daß ich ganz zum Entzücken des restlichen Publikums auf dieses Lied bestanden hatte.

Eine rundum gelungene Veranstaltung! Der Chef spricht bei Twitter von der "Best session ever". Yeahh, baby!!

Mehr Fotos von diesem tollen Showcase hier

Deer Tick, Paris, 15.09.10


Konzert: Deer Tick

Ort: Fargo Recordstore, Paris
Datum: 15.09.2010, 18 Uhr 30
Zuschauer: etwa 25
Konzertdauer: circa 40-45 Minuten


"Thanks for listening and please don't forget to buy our records to support our alcoholism".

Sicherlich der Satz des Tages, gefallen am Ende des Showcases der Band Deer Tick. Nur einen Tag nach ihrem doch eher enttäuschenden Konzert im Café de la Danse zogen die jungen amerikanischen Folkrocker in einem Pariser Plattenladen akustisch vom Leder. Wie würde es heute werden? Dies fragten sich außer mir noch gut 20 andere Musikfans, die sich im tollen Shop von Inhaber Michel Pamplune eingefunden hatten. Unter ihnen der talentierte Rod Maurice von le hiboo.com, der die Session filmte und sicherlich bald feine bewegte Bilder liefern wird...

Der Anfang verhieß allerdings nichts Gutes. Sänger John, der sich kürzlich eine üble Grippe eingefangen hatte, wankte vor dem Gig mit Bierflasche in der Hand noch einmal recht benebelt auf die Toilette ("was heißt Toilette auf französisch?", fragte er) und nahm danach ein wenig verwirrt auf einem Stühlchen Platz. Neben ihm saß der zweite Gitarrist der Band. Beide spielten sie auf den hübsch bemalten Vintage-Gitarren, die ansonsten im Shop die Wände zieren. Hinter ihnen saß der lebhafte Drummer der Band, der auch lauthals im Chor mitsingen sollte. Die anderen beiden Member spielten heute keine große Rolle, sie waren nur Betrachter.

Mit 20 Miles vom neuen Album The Black Dirt Sessions ging es los. Gestern hatten sie diesen Hit genau wie den Gassenhauer These Old Shoes ausgelassen, weil sich der Sänger stimmlich dazu nicht in der Lage fühlte. Heute aber flutschte alles schon viel besser. Der Auftakt war ermutigend, aber es sollte noch viel viel stärker werden. Mit jedem angestimmten Song spielten sich die Jungs mehr und mehr ein. Sie begannen richtig Freude an dem Akustikkonzert zu entwickeln und spätestens zur Mitte des Sets hin, hatten sie alle Blockaden abgelegt und schrien sich die Kehlen heiser. Die ohnehin schon krazige Stimme von John Joseph McCauley III wurde noch ein wenig rauer, klang aber teuflisch gut. Vielleicht ist er wirklich der neue Tom Waits (bzw. Van Morrison?) oder so. Die Musikpresse ist ohnehin schon wieder fleißig mit historischen Vergleichen zur Hand und gräbt Creedence/Clearwarter Revival als Referenz aus. Das mag zum Teil zutreffend sein, aber die jungen Kerle aus Providence/Rhode Island wirkten trotz ihres Retrosounds nicht so, als würden sie alten Helden die Füsse küssen. Als sie ein Cover von Towns Van Zandt anstimmten, zeigte Sänger John auf einen im Laden hängenden Holzschnitt des verstorbenen Barden und meinte: "Now we gonna play a cover song of this motherfucker there."...

Die Stimmung im Publikum und bei der Band steigerte sich nun minütlich. Irgendwann hatten alle ein breites Grinsen im Gesicht und als der Überhit These Old Shoes rausgehauen wurde, johlten alle vor Glück. Herrlich wie die Jungs hier miteinander kommunizierten und sich verbal die Bälle zuspielten.

Als Ausfluß der allgemeinen Heiterkeit ist sicherlich auch das Abfeuern des spanischen Klassikers La Bamba zu verstehen gewesen. Das kannte nun jeder hier, selbst die kleine Tochter des Ladenbetreibers sang im Hintergrund lauthals mit. Applaus brandete auf und die Band wollte sich schon verkrümeln, als ich vorlaut und forsch den Baltimore Blues Number 1 einforderte. Da sich die anderen Bandmitglieder schon in die Kabine verdrückt hatten, spielte der Sänger dieses Kleinod ganz allein. Ich fühlte mich schon ein wenig geehrt, als er in meine Richtung zeigend erklärte: "This song is only for this man" (ich war gemeint, cool!). Die feine Gitarrenmelodie, die sich durch dieses Stück schlängelt, ist einfach atemberaubend schön und ich war froh, daß ich ganz zum Entzücken des restlichen Publikums auf dieses Lied bestanden hatte.

Eine rundum gelungene Veranstaltung! Der Chef spricht bei Twitter von der "Best session ever". Yeahh, baby!!

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