Wir schreiben schon wieder einen neuen Monat. April. Im Vergleich zu März oder Mai ist er bekanntlich negativ konnotiert. Er beziehungsweise vielmehr sein Wetter wird mit Adjektiven wie launisch, unberechenbar, unzuverlässig zwischen Winter und Frühling schwankend bezeichnet. Darüber gerät gerne in Vergessenheit, dass der April der erste Monat des Jahres ist, dessen Tage vollständig im Frühling liegen, der Jahreszeit, nach der wir uns nach den langen, dunklen Winterwochen sehnen.
Warum ich das schreibe? Weil es in der Regel leichter fällt, das Negative zu sehen; weil es einfacher ist, nur die schlechte Seite einer Sache zu beleuchten, nur die Nachteile einer Sache zu sehen. Ich persönlich jedoch denke, dass es einen sehr viel weiter bringt, persönlich, im Zusammenleben mit den Mitmenschen, vielleicht auch beruflich, wenn man sich auf das Schöne, Gute und Wertvolle konzentriert, und mag es zunächst auch noch so klein erscheinen.
Ein Grund zur Freude beispielsweise ist, dass in Freiburg auf dem Gebiet der elektronischen Clubmusik über das letzte halbe Jahr einiges in Bewegung geraten ist. Es gäbe dabei sicher auch genug Kritisches anzumerken, doch trauen sich diese paar Veranstalter mit Bookings Stephan Bodzin & Marc Romboy (Luna Live Tour @ Altes Stinnes Areal Freiburg), Gaiser und Barem, Stimming und Solomun oder auch Roman Flügel im Kamikaze an Künstler heran, die in Sachen House, Techno oder Elektro einige Steine in Bewegung gesetzt, die Musik vorangetrieben haben. Positiver Kollateraleffekt könnte sein, dass dadurch auch die Sensitivität des Publikums für (Deep) House / (Detroit) Techno gesteigert wird und andere Veranstalter / DJs Auftrieb erfahren. Doch jetzt zu den paar ausgesuchten Terminen für den April 2011.
Lasst uns mit Freiburg anfangen. tageins - übrigens von der Tübinger Diskothek Club 27 in seinen Urheber-/Markenrechten verletzt - wird im April Hendrik Vogel (04. April 2011), Simonis & Hubatsch (11. April 2011) sowie Thomas Brand (Camou) aus Kalrsruhe (18. April 2011) die Wochenenden von Montag auf Dienstag verlängern.
Nächste Somebody Scream findet ebenfalls schon am 08. April 2011 im Drifter's statt. An den Decks DJ Tool (of Shaddy's fame) und Kowski (Deep Station).
Eine Woche später, am Freitag den 15. April 2011, gibt es eine weitere Ausgabe der Eardrum. Meine Lieblingsveranstaltung in Sachen Hip Hop. "Down To Earth" und "Golden Era". An den Decks DJ Kefian und Funkmessiah.
Tags darauf, am Samstag, den 16. April 2011, steht das White Rabbit im Zeichen der Deep Station. Kowski und Ricordo.
Wieder eine Woche begrüsst die Jackson Pollock Bar Johanna Mercker im Rahmen der Veranstaltungsreihe Soundjuwelen. Sie kommt aus Amsterdam, ist dem Studio80-Umfeld zuzuschreiben, und einen Promo-Mix der Niederländerin zu dieser Veranstaltung gibt's obendrein.
Für Stuttgart habe ich dieses Mal nur die Thursday's Don't Suit Very Well auf dem Schirm. Sie findet statt am Donnerstag, den 07. April 2011, beginnt um 21 Uhr mit der Vorführung des Films "NY77 – The coolest year in hell" und begrüsst anschliessend als Gast an den Plattentellern Christian Beetz von Frequency Without Control. Don't miss!
Stimmt nicht ganz. Denn am Freitag, den 24. April 2011 stehen im / in den Climax Institutes der Stuttgarter Schoengeist und Knarf Skipson an den Reglern. Könnte, sollte, müsste man hingehen.
Ende Monat wird's in Tübingens Mancuso auch wieder eine Ausgabe der Gimme Shelter geben (24. April 2011), Heart Beat wird es gleich zwei Mal geben, einmal am Samstag, den 09. April 2011, ein weiteres Mal am Sonntag, den 24. April 2011.
Basel. Die Hinterhof Bar feiert die erste Ausgabe von Traxx Up, einer neuen Clubnacht. Die Macher, u.a. sind auch die Basel-Youngsters Morard und Garcon mit dabei, begrüssen dazu am Freitag, den 08. April 2011 Steffi. Place to be, an jenem Wochenende - sag ich jetzt mal so. Tags darauf, am Samstag, den 09. April 2011, wartet das Nordstern mit Guillaume & The Coutu Dumonts sowie The Mole auf. Dick!
Dann heisst es wieder bis Ende April warten, genauer bis zum Freitag, den 29. April 2011, wenn es heisst: Wrong Attitude presents: Norman Nodge. Nach Function (Sandwell Disctrict) der zweite grosse Technokünstler, den die Veranstalter dieser ebenfalls noch jungen Clubnacht an den Rhein holen. Support. Findet statt @ Das Schiff.
Selbstredend gibt's noch zahlreiche weitere Clubnächte in Basel, vor allem, wenn man nicht allzu sehr auf eine gewisse Spielart von House / Techno eingefahren ist. Aus Platz- und Zeitgründen sehe ich auf den Hinweis auf diese anderen Events jedoch einmal ab. Deswegen schon jetzt der Blick nach Zürich.
Zukunft, Cabaret, Exil, Hive, Friedas Büxe oder der Supermarket bieten wieder unheimlich viel an.
Nicht verpassen sollte man meiner Meinung nach jedoch Skudge (live) alongside Chaton und Wandler, Morgan Geist sowie die Idjut Boys, allesamt in der Zukunft. Oder Marcel Dettmann, Steffi und nd_baumecker im Hive. Das könnte sehr spassig werden.
English (short) version: handpicked events, from disco to house to techno. enjoy!
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Mixed up monday (20)
Über 25 Grad Celsius in meiner Wohnung - der Juni nimmt massiv kurs auf Sommer. Bequem die Beine hochlegen, zwischen zwei Bäumen in einer Hängematte schaukeln und vor sich hinträumen ist leider nicht, einige Arbeiten stehen an und wollen abgeliefert sein. Ein bisschen Entspannung muss jedoch sein, und so werde ich mich auf Sonnenuntergang aus der Netzwelt verabschieden und mich mit ein paar Freunden auf ein Feierabendbier trefffen. Davor jedoch die (fast) wöchentliche Rundumschau über einige Mixe.Beginnen möchte ich mit einem Tribute Mix, über den ich auf Soundcloud gestolpert bin. Ein mir unbekannter Musikliebhaber und DJ namens Sid a.k.a. Twintub hat sich daran gemacht, aus Sex Mania, Sex Trax, Power Music, und so weiter, eine fast sechzig Minuten dauerndes Klanggemälde durch truly old school sounds zu erstellen, und das mit Erfolg. Power music! Worth to check!
return of the techfunk by twintub
Recloose, Frank Booker und Magic Sam betreiben gemeinsam das Blog und die gleichnamige Radiosendung Hit It And Quit It. Lange Zeit habe ich dort nicht vorbeigeschaut, letzte Woche jedoch erhielt ich einen Hinweis, dass sich hierauf ein Guest Mix der Detroiter The Oliverwho Factory befindet. Diese haben vor kurzem einen Remix für die neue 12" auf Ostgut Ton von Tama Sumo und Prosumer abgeliefert - wird hier auch noch bequatscht werden. In ihrem Mix verarbeiten sie eigene, auf ihrem Label Madd Chaise veröffentlichte Tracks, mit Material von Delano Smith, Larry Heard oder Carl Craig. Check it out: The Oliverwho Factory @ Hit It And Quit It.
Der Philpot-Artist Tim Toh hat sich mit seiner Join The Resistance-Trilogie auch in die Herzen der Jungs von Made Like A Tree gespielt, denn deren letztes Interview- und Guest Mix-Feature ist ganz dem jungen DJ und Produzenten gewidmet. Dieser liefert eine Mischung aus klassisch Detroit-beeinflusstem House im Stile eines Moodymann, Disco eines Arthur Russel sowie Electronica von Mayer Hawthorne, Dabrye oder Aardvarck ab. Not your every day mix. Highly recommended! Tim Toh @ Made Like A Tree.
Immer wieder Detroit. Und ein - da wird mir niemand wiedersprechen - nicht ganz unbekannter Sohn dieser Stadt ist Delano Smith. Dieser hat sich die Zeit genommen, für die in Leeds und London beheimatete Louche-Partyreihe einen Podcast einzuspielen. Delano Smith @ Louche - Podcast #18. Wer diesen Podcast nicht über iTunes abonniert hat und die Anschaffung eines solchen Abonnements auch nicht vorhat, kann ihn sich beispielsweise hier beschaffen.
Whatpeopleplay konnte für ihre Podcast-Reihe den A & R des Label STORY gewinnen, einschliesslich eines kurzen Interviews. Tracks vom eigenen Label, STL, The Mole, Marcellus Pitmann, und so weiter. Macht Spass! Here you go:
#27 | That's ??? DJ MIX whatpeopleplay Podcast by whatpeopleplay
Ein wenig discoider wird es nun, und mitverantwortlich dafür ist ein Mann, der in den vergangenen Wochen regelmässig Mixe an irgendwelche Stellen abgeliefert hat: Eddie C. Sein neuester ging an die Warm Agency, einschliesslich eines Interviews. Nachzulesen unter Eddie C @ Warm HQ, anzuhören unter:
Eddie C - Warmer than Canada Mix by warmhq
Leider nur zum anhören, denn zu gerne hätte ich diesen Mix als ständigen Begleiter bei mir, Colin de la Plante unter seinem The Mole-Alias in: "Mole Of Soul's Underdog Champion Mix", für die Podcast-Reihe der Amsterdamer Veranstaltung Drukpers, die jeden letzten Freitag des Monats im Amsterdamer Club Trouw stattfindet. Für die nächste Ausgabe, am 25. Juni 2010, sind Prins Thomas und Gerd Janson gebucht. Aber zurück zum Mix, denn dieser ist top notch!
Drukpers Podcast 07 | The Mole | Mole of Soul's Underdog Champion Mix by Drukpers
Zum Schluss noch der Hinweis auf einen - ebenfalls schon länger im Netz erhältlichen - Mix des Hamburger DJ- und Veranstaltungskollektivs RSS Disco. Punktgenau zum einsetzenden Sommerwetter kommt denn auch ihr Mix, der bei Kontaktaufnahme mit dem Kollektiv auch als CD erhältlich ist. Listen to this love story:
RSS DISCO #002 / summer 2010 by RSS
Das war's mal wieder für diese Woche. Wenn ihr irgendwo einen schönen Mix ausgegraben habt, den ich und andere unbedingt noch hören sollten, dann bitte in die Kommentare damit.
English (short) version: another week, another monday, and, finally, summer has arrived. While leaving home in a few minutes to chill after a hard days work, i'll leave you with a handful of mixes, freshly compiled by The Mole, The Oliverwho Factory, Delano Smith and many others. Have fun!
Niko Marks - Voice Box Detroit EP
Zahlreiche Blogeinträge habe ich mir für diese Woche vorgenommen, gibt es doch einige neue Releases, die förmlich auf ein (kleine) Feature warten.So erschien vor kurzem auf Underground Quality die "Take It As It Comes EP" von Anton Zap (http://www.discogs.com/Anton-Zap-Take-It-As-It-Comes/release/2032231) - ein Viertracker, auf dem der Moskauer DJ und Produzent mit puristischen und zugleich rauen Housebeats, tieffrequenten Basswellen, ausgedehnten sphärischen Flächensounds ("Bye") sowie düsteren Hallräumen ("I Get Deep Beat") zu begeistern weiss.
Reginald "Reggie" Dokes meldete sich noch einmal zurück mit "The Golden Years EP (Psychostasia 2001 - 2006), einer 12" auf Deep Explorer, der spanischen (Deep) House-Burg der Gebrüder Alvarez (Dubbyman & Above Smoke).
Und der Kanadier The Mole, in diesem Jahr bereits mit seinen beiden Seven Inches ("7 Inches Of Love 1" bzw. "7 Inches Of Love 3") zu Recht gefeiert, packte noch einen oben drauf und veröffentlichte auf Prins Thomas' Label Internasjonal "Family / Rotation" - schroffe, schleppende Basslines treffen auf ein melodisches und ergreifendes Streicherthema ("Family") treffen auf einen perkussiv verschachtelten Beat ("Rotation"). Für mich nicht ganz nachvollziehbar, weshalb diese beiden Tracks auf ResidentAdvisor so schlecht wegkommen (vgl. http://www.residentadvisor.net/review-view.aspx?id=6954).
Doch nun zu der eigentlichen 12". Ihr Titel lautet "Voice Box Detroit EP", erschienen ist sie auf Subject Detroit, und - ich gebe es zu - von ihrem Produzenten und Urheber, Niko Marks, habe ich bis vor kurzem noch nie etwas gehört. Deswegen ist es mir auch nicht möglich, mit irgendwelchen Hintergrundinformationen aufwarten zu können. Ein Blick auf discogs zeigt jedoch: ein absoluter Newcomer ist er nicht (vgl. http://www.discogs.com/artist/Niko+Marks).
Auf "I Can't Stop", dem ersten Track der EP, überzeugte mich vor allem die warme, gefühlsgeladene Stimme, die von sehnsuchtsvollen Momenten der Zuneigung, Liebe und Hingabe singt und im Ohr noch sehr lange nachklingt, auch wenn der temporeiche Housebeat und die Rhodes-Akkorde schon längst verklungen sind. Soulful House ist doch noch nicht ganz tot. Mit "All About Love" legt Niko Marks einen Track auf, der dem Selbstverständnis des Labels Subject Detroit absolut gerecht wird. "True To The Roots of Detroit Techno ... laying the foundation for Advanced Black Music" lautet es. Und Niko Marks führt mit einem kraftstrotzenden Bassriff, Strings und einem Hochtempo-Beat-/Rhythmuspattern gekonnt zurück in die Zeit des Hi Tech Soul / Hi Tech Funk der 90er-Jahre und hält somit der schwarzen Tanzmusik Detroiter Prägung die Treue. "Bring Back The Soul", der erste Track der B-Seite, ist mein persönlicher Favorit, auf dem ein schroffer Midtempo-Housebeat, verschlafen-dubbige Synthesizer-Flächen im Hintergrund, treibende Clap-Elemente sowie nostalgisch aufgeladene Lyrics aufeinander treffen. Bleibt noch "Technology" - mit vom Jazz beeinflusster Bläser-Sektion, einem einfachen Elektro-Beat und Acid Synthlines ein feines Stück Hi Tech Funk.
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