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Kassem Mosse - Workshop 12

Wie war das gleich nochmal mit dem Satz "Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an." und was hat er mit der neuen 12" auf Workshop Records zu tun? Zwei rhetorische Fragen, deren Antworten sowohl mir als Fragesteller als auch den Lesern als Adressaten bekannt sind. Musik findet Zugang zu tiefen Gefühls- und Verstandesebenen; Musik erzeugt ein Kraftfeld, wirkt auf beide Ebenen ein, kann als Vermittler zwischen ihnen auftreten, baut Brücken, die mit Worten nicht gebaut werden können.

An dieser Stelle könnte man den Blogeintrag eigentlich beenden. Denn sind es nicht stets dieselben Worte, dieselben sprachlichen Bilder, die man bei Tracks von Kassem Mosse bemüht? Sie sind skizzenhaft, torsohaft, unfertig. Sie wirken einerseits kalt und robotisch, andererseits warm und organisch. Sie erwecken den Eindruck, dass ihr Produzent nicht durchgängig um detailgetreue Präzision bemüht ist, dass er sie möglicherweise auch gewollt unfertig und unperfekt belässt. Irgendwann, während man sich an der Versprachlichung der Musikerfahrung mit Stücken von Kassem Mosse abarbeitet, gelangt man an einen Punkt, an dem man sich selbst einzugestehen hat, dass man die eigene sprachliche Begrenztheit nicht zu überwinden vermag. Und genau da kommt man wieder auf den eingangs zitierten Satz, dass Musik genau dort anfängt, wo die Sprache aufhört. Es bleibt einem also nur, das schwarze Vinyl auf den Drehteller zu legen, den Tonabnehmer aufzusetzen, die Augen zu schliessen, und die Tracks auf sich wirken zu lassen. Das Wiederspiel von Kickdrums und Basslines erzeugt ein unbändiges und machtgeladenes Kraftfeld. Es berührt, hält fest, fesselt.

So jedenfalls ergeht es mir regelmässig, wenn die Musik von Gunnar Wendel alias Kassem Mosse mich berührt und erfasst. Auf der Workshop 12 ist es weniger die A-Seite. Sie schreitet mit majestätischem Bass und durchschlagender Kickdrum voran. Das Fundament bietet den Stimmfragmenten festen Halt, die durchaus das Potenzial beinhalten, sich im kurzen, trockenen Hallraum zu verlieren. Ein Track, der möglicherweise auch ausserhalb eines Workshop-Insiderkreises grossen Anklang finden wird.

Vor Ehrfurcht in die Knie sinke ich vielmehr, sobald die ersten Takte der beiden B-Seiten Tracks erlingen. Hierauf begegnet man mäandrisch gewundenen Synthlines, der Bass brummt behäbig, ist ganzkörperlich erfahrbar, harsche Claps und Snare Drum Rim Shots kontrastieren die weich fliessenden, sensiblen Flächen im Hintergrund. Wunderschön! Den Atem raubt jedoch B2, ein schroffer, schieferiger, schwarzer Track, der Erinnerungen an die harschen Beats und eckigen Bässe eines Carl Craig unter seinem Piece-Alias oder eines Maurice Fulton alias Syclops wach werden lassen. Diese Namen dienen jedoch nur als Assoziationsanker, denn die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten sind begrenzt. Grosse EP. Kassem Mosse can do no wrong!


English (short) version: Workshop 12 is for all you fans of harsh rattling beats coming out of drum machines. Kassem Mosse can do no wrong!


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Workshop Records @ Facebook
Workshop Records

Kassem Mosse - Podcast @ roof.fm:

Nr. 7: Kassem Mosse (Workshop, Microdisco) by ROOF.FM

Ron Deacon - Sunday Walk EP

Falkplatz Records - immer wieder habe ich mir in der Vergangenheit vorgenommen, einen Eintrag über das kleine Berliner Label und die darauf erschienenen Releases zu verfassen. Ein um's andere Mal musste ich es - leider! - sein lassen. Zeitgründe und so. Doch wie unlängst geschrieben, ist es nie zu spät, gute Musik entsprechend zu würdigen, auch wenn die Rezensions-Frontrunner sich längst anderen Veröffentlichungen zugewendet haben.

Aus der Taufe gehoben wurde Falkplatz Records Anfang diesen Jahres von Oliver Deutschmann, DJ, Produzent und Vidab Records-Mitgründer (gemeinsam mit Stephan Hill). Erscheinungen auf Vidab Records schildern House- und Techno-Geschichten voller düsterer Schönheit, eröffnen mystische Klangwelten, die mich - um einmal ein Zweitmedium einzubringen - an die Ausdrucksstärke szenischer Äusserungen in Filmen eines Akira Kurosawa erinnern. Was ich damit sagen möchte: Releases auf Vidab-Records stehen im Spannungsverhältnis von Traditionsbewusstsein und Zeitgeistverpflichtung. Diese kreative Auseinandersetzung mit der (Club-)Musik hat etwas zeitloses, und das ist letzten Endes auch das Anliegen von Oliver Deutschmann (und Stephan Hill), mit ihrem Label, ihre Vorstellung zeitloser elektronischer (Club-)Musik umzusetzen.

Nach diesem Abstecher zum Autorentechno zurück zu Falkplatz Records. Dieses Selbstverständnis, diese Widmung, zeitlose elektronische (Club-)Musik zu arrangieren, lässt sich ohne weiteres auch auf Oliver Deutschmanns Tochterableger übertragen. Die erste Falkplatz 12", die "Milanese Remixes" von Quarion und Nick Chacona, anhörbar auf Soundcloud, sahen sich mit ihren treibenden Grooves durchweg einem positiven Feedback gegenüber.

Ed Davenports Nachfolge-EP "Verdantin / Siebzehn erfreute mit zwei Tracks, welche einer rasenden Wildwasserfahrt gleichkamen. In bester Erinnerung habe ich das bewegungsintensive, energetische Trackgerüst, das Kräftespiel zwischen der anmutigen Stimme einer Elif Bicer sowie der brachialen Schönheit schroffer Drums und Bässe, wie es auf "Siebzehn" deutlich zum Ausdruck kommt.


Nun liegt seit kurzer Zeit eine weitere 12" bereit, die unter dem Label Falkplatz veröffentlicht wird. Ihr Produzent? Ron Deacon aus Leipzig. Über diesen DJ und Produzenten muss ich eigentliich nur so viel schreiben: er veröffentlicht geniale elektronische (Club-)Musik. Zum ersten Mal begegnet bin ich ihm auf der "Jubiläumsausgabe" von Workshop Records. Dort, auf deren zehnter Release, war er mit einem namenlosen Track vertreten, auf welchem er House und sanfter Elektronika-Sounds mit musikalischer Begabung und Feingefühl vereinte. Die schnörkelig-leichte Melodielinie seines Workshop-Tracks hat sich bei mir derart ins Gedächtnis eingebrannt, dass ich dieses Stück aus tausenden anderen auch in Zukunft heraushören werde. Mit diesem wahrlich beachtlichen Debüt und Ersterfolg war's das jedoch noch lange nicht. Ron Deacon legte mit "Secret Garden" auf Farside Records nach (einschliesslich eines - wiederholt - brilliant auftretenden Lowtec als Remixer). Und nun eben die "Sunday Walk EP". Für diese lieferte Ron Deacon zwei Tracks ab. Den Titelgeber "Sunday Walk" sowie "Tune In". Beide werden zudem einer Überarbeitung durch erfahrene Produzenten, Sascha Dive sowie Ingo Sänger und Henry L., unterzogen.


Auf "Sunday Walk" tritt der Leipziger förmlich hinaus ins helle Tageslicht. Mit hellen Klangfarben unterlegt vermittelt er ein Gefühl von Leichtigkeit und Ruhe - bestens geschaffen für einen lauen Spätsommernachmittag. Da sich derzeit jedoch der Herbst sehr deutlich bemerkbar macht mit Regenschauern, Wind und eine tiefhängende blaugraue Wolkendecke, lautet die Devise: drinnenbleiben. Hier ist der Remix von Sascha Dive, der "PanoraRmx" zuhause. Sein Einsatzgebiet ist mit tiefen, kräftigen Basstönen und einem forcierten Tempo eindeutig der Club, doch der Frankfurter DJ und Produzent eröffnet über die ganze Länge seines Remixes immer wieder Freiräume für Stimmengewirr und verstörende Synth-Konstrukte. Der Augenblick des Breakdowns steckt voll ohrschmeichelnder Melodiosität, man wünscht sich, er würde nie zu Ende gehen.

Zupackender und intensiver erweist sich der Rhythmus auf "Tune In". Sein tiefgreifender House-Groove bringt Wärme auf die Tanzfläche. Ingo Sänger und Henry L. legen - so scheint es - das Augenmerk auf Lockerheit, auf das Erleben von des Rhythmus und eines harmonischen Bewegungsflusses, denn der "Dirty Disco Dub" schwebt viel mehr als dass er voranschreitet. Und da wären wir wieder, beim Gefühl der Leichtigkeit und Ruhe, bei einem "Sunday Walk". Wenn doch der Herbst seine grausamen Vorboten nicht so umbarmherzig über's Land hinwegtreiben würde!


English (short) version: Falkplatz is a sublabel founded by Vidab records co-owner Oliver Deutschmann. It is an imprint that aims to focus on impeccable quality, timeless style and classic beauty when giving birth to a record. Ron Deacon, Leipzig / Germany based up and coming producer who recently delivered a stunning track to the Workshop series, is appearing with "Sunday Walk" and "Tune In", two handcrafted tracks full of ease and lushness that would perfectly fit into a late indian summer afternoon. Sascha Dive brings "Sunday Walk" back to a more club-oriented context whereas Ingo Sänger and Henry L. keep the faith to the original's euphonic warmth. Dope Package.


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Kassem Mosse / Lowtec - Workshop EP

Auf dieser EP treffen zwei Premiumschmieden im wahrsten Wortsinne, zwei Garanten für höchste musikalische Ansprüche und Qualität, aufeinander: Workshop und Laid.

Kassem Mosse, der soeben unter seinem Klarnamen Gunnar Wendel eine 12" auf Alex "Omar-S" Smith Label FXHE Records veröffentlicht hat ("578") - vielleicht darf man in diesem Fall von einem Ritterschlag schreiben, denn auf einem Detroiter Label, zumal noch auf demjenigen des für seine - hin und wieder - durchschimmernde Eigenwilligkeit bekannten Omar-S, ist in meinen Augen schon etwas Besonderes - sowie Jens Kuhn alias Lowtec, den man in diesem Jahr unter anderem schon als Remixer auf Farside erleben durfte, sind die Protagonisten dieser 12". Das Kernteam von Workshop Records trifft auf das Sublabel von Dial, beides Plattformen, die seit ihrem Bestehen mit Platten erfreut haben, die in ihrer Konzeption, in ihrer dramaturgischen Gestaltung, nichts vermissen liessen: Musikalität, Virtuosität, Groove und Tanzbarkeit. Alles vorhanden.

Kassem Mosse, dessen schieferraue dunkle House- und Technoskizzen, insbesondere auf der Workshop #03, mich seit jeher beeindruckt haben, tritt hier mit einem wilden, ungebändigten Uptempo-Ritt mit dennoch klarer Marschrichtung auf. Lavaschroffe Drums und eine zum Infra-Bereich hinüberschielende Bassline bilden die Grundarchitektur seines Tracks und bieten einer in der Klangfarbe wehmütig klagenden Melodielinie sehr viel Raum zur Entfaltung. Lowtec glänzt auf "Use Me (Laid Mix)" mit einer rhythmusbestimmten Groove-Struktur (gibt es eigentlich House/Techno, der NICHT rhythmusbestimmt ist?!). Geschmeidig fliessende, sphärische Pads treffen auf vertrackte Vocalsample-Arrangements, die mit kleinteilig segmentierten Soundelementen und -effekten ein kaleidoskopartiges Zusammenspiel eingehen. Dieses und die rhythmische Pointierung erinnern mich - ein klein wenig - an die Kollagen eines Akufen, allerdings ohne dessen filigranen Glitch-Strukturen. Dafür ist "Use Me (Laid Mix)" zu sehr im House verwurzelt. Thumbs up, so nämlich macht das ganze House-Dingens Spass!


English (short) version: gruff, rugged and raw techno-blues comes into my mind when thinking about the soundscapes built by Gunnar Wendel a.k.a. Kassem Mosse or Jens Kuhn alias Lowtec. These two German producers regularly know how to impress not only their truest fans, and so they do with two tracks on the most recent Laid 12". Kassem Mosse digs deeper into crisp Detroitesque sound and rhythm patterns whereas Lowtec paints a caleidoscopic, pattern changing arrangement. Breathtaking!


Mehr im Web:

Kassem Mosse @ MySpace
Kassem Mosse (& Mix Mup) - Podcast @ Little White Earbuds
Kassem Mosse live at Module / Tokyo
Lowtec - DJ Profile @ Resident Advisor
Lowtec - Podcast @ Bodytonicmusic
Laid Records @ MySpace

Working It With Workshop - Workshop Tribute Mix:

Label Special: Working it With Workshop by B.I/O.S.

Mixed up monday (18)

Eine Woche ohne einen einzigen Blogeintrag. Eine so lange Schreibpause gönnte ich mir zuletzt über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage. Doch nun soll endgültig Schluss sein mit der kontemplativen Phase, die nun – hoffentlich – wieder in eine aktive einmündet. Wie gewohnt, um mich nicht des Vorwurfs eines allzu abrupten Rhythmuswechsels auszusetzen, beginne ich die Woche mit einer Übersicht über ein paar Mixe, die sich über die vergangene Woche hinweg bei mir angesammelt haben. Dieses Mal werden darunter auch einige sein, die schon seit längerer Zeit im Internet kursieren.

Da mich in den vergangenen Tagen jedoch das ungute Gefühl beschlich, ein stinklangweiliger, mit sehr engen Scheuklappen ausgestatteter Mensch zu sein, der seine Informationen gerade in Sachen „Mixed up monday“ lediglich von zwei, drei Blogs und dem immer fetter werdenden Soundcloud-Kraken bezieht, werde ich dieses Mal die „üblichen Verdächtigen“ an den Schluss dieses Eintrags stellen.


Da ich ein sehr grosser Liebhaber der musikalischen Arbeiten des Norwegers Rune Lindbaek bin – sein Album Klubb Kebabb aus dem Jahre 2007 läuft bei mir immer noch hoch und runter – möchte ich den Mix-Reigen eröffnen mit einem Mix des norwegischen Disco Dons, der vor rund vier Wochen auf AOR Disco veröffentlicht wurde. Material von Lindström, Prins Thomas, den Idjut Boys und Lindbaek himself. Norwegian Disco at its best: Undertonar Mix by Rune Lindbaek.


Von AOR Disco geht es zum Blog des Veranstalterkollektivs 24:Hours, die in Stockholm / Schweden über die letzten Jahre hinweg Parties mit u.a. Tensnake, Motor City Drum Ensemble, Aeroplane oder Jacques Renault geschmissen haben. Vor vierzehn Tagen veröffentlichten sie einen exklusiven Mix von Discodromo, die in Berlin regelmässig die Party „Cocktail D’Amore“ (gemeinsam mit Berghain / Panoramabar-Resident Boris) veranstalten und bespielen. „Summersturm“ heisst ihr Mix, genau das Richtige, um die (letzten) Wolken am Himmel zu vertreiben und es – endlich – Frühling / Frühsommer werden zu lassen. Discodromo – Summersturm Mix @ 24:Hours.


Weiter geht es zu den Jungs von Cosmic Boogie. Diese haben vergangenen Mittwoch einen Mix von Chris Barker veröffentlicht, der dem Deep Space Orchestra-Umfeld zuzurechnen ist. Hudson Mohawke, Jimi Tenor, Ron Trent, Super Value und Roy Ayers verarbeitet er neben vielen anderen Tracks zu einem eklektischen, überaus hörenswerten Mix. Check it! Chris Barker – Cosmic Boogie Guest Mix.


Hinter Cosmic Disco stehen Niles & Baggy, und diese beiden haben in der letzten Woche für das Blog Testpressing einen Mix zusammengestellt und aufgezeichnet. Niles & Baggy – Emotional Pop @ Testpressing. Ebendort findet sich auch ein (weiterer) exklusiver Mix von Pete Reilly, der dem DJ-Kollektiv Soul Jazz Soundsystem angehört, das wiederum aus dem Umfeld des Londoner Labels Soul Jazz Records sowie des Plattenladens Sound Of The Universe stammt. Worth to check: Pete Reily – Bogle! @ Testpressing.


Das Veranstalter- und DJ-Kollektiv Frequency Without Control hat auf seinem Blog vor rund vierzehn Tagen ein Mixtape von Massimilano Pagliara veröffentlicht. Disco-getränkter Slow Motion House, wie er gerade auch von mir sehr geschätzt wird. Recommended! Massimiliano Pagliara @ Frequency Without Control.


Sehr gut im Anschluss passt der aller neueste Mix des Engländers Mark E, der für den Blog der Warm Agency ein neunzig Minuten dauerndes Mixtape eingespielt hat, und zudem auch noch in einem Interview Rede und Antwort stand. Not so slow? Überzeugt euch selbst:

Mark E - May Mix - 2010bywarmhq


Ebenfalls auf Herrn Ali Tilletts Blog zu finden ist ein Mix des New Yorker Produzenten- und DJ-Duos Runaway. Check’em out:

Runaway April DJ mixbywarmhq


Kaum besser zu Mark E passen könnte der Kanadier Eddie C, dessen Tracks und Mixe mich schon sehr lange begleiten und erfreuen. Für Sleazy Beats, DJ History, Melbourne Deepcast und meine Wenigkeit stand er bereits an den Decks, in der vergangenen Woche war Edward Curelly für roof.fm tätig. Dieses Mal nicht ganz so slo-mo und disco, vielmehr geht’s eklektisch-elektronisch zu. Sehr, sehr schön!

Nr. 26: Eddie C. by Roof.fm


Ein Label, das seit seiner ersten Veröffentlichung bei mir hoch im Kurs steht, ist Workshop Records. Neben Label(mit)gründer Lowtec sowie Move D zählt zum engen Kern der Workshop-Familie der Produzent Kassem Mosse. Im Hinblick auf dessen Gig (gemeinsam mit Lowtec) im Amsterdamer Club Studio 80, erschien auf Out There A Minute ein kurzes Interview sowie ein Guest Mix. Raw analogue shizzle! Kassem Mosse @ Out There A Minute.


Zum Schluss noch folgende Hinweise: die Detroiter DJs und Produzenten Patrice Scott und Mike Huckaby haben jeweils einen Auftritt bei Techno-Minimal-Podomatic (Patrice Scott) sowie Little White Earbuds (Mike Huckaby), Marcel Dettmann zeichnet für die 150. Ausgabe des FACT-Mixes verantwortlich, Marcel Dettmann @ Fact Magazine, und Resident Advisor wartet auf mit Rub’n’Tug.


Das war’s für diese Woche. Reicht auch, glaube ich!


English (short) version: after a short break, I try to create and publish a little more blog posts than last week. Taking off with not one but two handful of mixes this week, you’ll find mixes by Rune Lindbaek, Discodromo, Cosmic Boogie, Mark E, Patrice Scott, Mike Huckaby, Marcel Dettmann, and so on… Have fun with ’em!

Workshop 010

Nicht nur, aber besonders in der Radsport- und Automobilwelt wird der Begriff Edelschmiede verwendet für kleine, hochspezialisierte, hochtechnisierte Hersteller, deren Produkte sich durch höchste handwerkliche Präzision und Kunst auszeichnen. In der weiten Welt der elektronischen (Club-)Musik gibt es auch eine Reihe solcher (Custom-)Hersteller, die kompromisslos auf Qualität setzen. Eines davon ist das über Hardwax vertriebene Workshop Records. Dieses Label, das dem Umfeld von Jens Kuhn alias Lowtec zuzuordnen ist, kennzeichnet eine äusserst restriktive Veröffentlichungspolitik. Gerade einmal 10 Einträge im Labelkatalog - die Unterteilung in Workshop 09.1 / 09.2 beziehungsweise 09.3 werte ich zusammenfassend als eine Katalognummer - sprechen für ein gut durchdachtes musikpolitisches Handeln. House und Techno sind keine leere, formelhafte Programmansage, und "Deepness" kein Marketing-Argument, um die Verkaufszahlen nach oben zu treiben.

Dies Einzuhalten ist sowohl dem bzw. den Labelmachern als auch den hinter den einzelnen Platten stehenden Produzenten sehr gut gelungen. Und genauso wenig wie Workshop 01 - Workshop 09 enttäuscht haben, lässt die inzwischen zehnte 12" mein Musikherz höher und schneller schlagen. Drei Tracks von - mittlerweile sind die Produzenten ja stets bekannt - Lowtec, Schweiz Rec. und Ron Deacon.

Täusche ich mich, oder ist da bei Lowtec ein leichtes Frühlingserwachen auszumachen? Auch das wenn Drumprogramming und Bassgeflecht immer noch stampfend und dunkel ist, schwebt über dieser Dunkelheit ein zaghaft melodischer Electronica-Sound, zusätzlich verstärkt durch das sich schattenhaft im Hintergrund haltende Vocal-Sample. Vielleicht ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: den (unerwarteten) Moment der Stille geniessen, dem einen die A-Seite nach einer gewissen Zeit schenkt, denn dieser Gedankenraum ist notwendig und erforderlich, um sich in den zweiten Teil von Lowtecs Track einfühlen zu können. Nicht bis ins Letzte zurückverfolgbar ist der durch Mark und Bein fahrende, ausdrucksstarke und verstörende Soundeffekt in Schweiz Rec.s Track auf der B-Seite., der immer wieder hervorschimmert. Wahrscheinlich ist die verstörende Wirkung beabsichtigt, denn nur allzu leicht vermag das Drumpattern einen zu hypnotisieren. Bleibt noch der dritte Track, ein Beitrag von Ron Deacon. Mit seiner Produktion lächelt er den ganzen Slow Motion House- und Disco Edit-Jungs zwar freundllich zu, nimmt aber gleichzeitig einen sicheren Abstand zu ihnen ein, indem er frickelig pluckernde, experimentelle Soundeffekte in sein dichtes (und absolut tanzbares) Soundkonstrukt einwebt. Grossartige EP.


English (short) version: The tenth edition of Berlin based and Hardwax affilatet label Workshop records features two tracks by newcomer producers Schweiz Rec. and Ron Deacon and an electronic surprise containing story by mighty Lowtec. In between of house, techno and electronica with a large amount of creativity. Boredom was yesterday. Today is Workshop Records.


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Workshop Records
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Talking Shopcast with Workshop Records @ Little White Earbuds
Ron Deacon

MidnightOpera - Keep It Deep Guest Mix

Ein kurzer Blick auf die Tracklist genügt, und der Kenner weiss: hinter diesem Mix steht ein Liebhaber ausgewählter elektronischer Musik. Sein primäres Anliegen ist, so scheint es, nicht ausschliesslich der Club-Bezug. Ihm geht es vielmehr um das Mitnehmen des Hörers auf eine musikalische Reise durch vielgestaltige Klangwelten. So trifft jazz-beeinflusste Avantgarde-Elektronika der Gruppe Tuxedomoon ("The Waltz") auf die TB-303-Spielereien von Juju & Jordash ("Jazzy Trance"), gleitet man durch den zart flirrender Detroit-Techno eines Jeff Mills ("5 Questions For Any Star"), schwebt auf den Synthesizerflächen eines Anton Zap ("Bye"), treibt auf dessen deepem Groove, um schliesslich mit den stilübergreifenden Soundstrukturen der Sofa Surfers aus Dub, Soul und Jazz ("If It Were Not For You") zu enden. Und hierbei bewahrheitet sich wieder: Jazz is the teacher!



1. Hallo Julian, stell Dich doch bitte einmal selbst kurz vor.

Hallo, ich heiße Julian und komme aus der kleinen Stadt Dieburg, die in der Nähe von Darmstadt liegt. Mein sehr guter Freund Gregory und ich produzieren seit einigen Jahren Musik, die wir unter dem Namen „immer.Chic“ veröffentlichen. Als Dj (jjulian) lege ich in unregelmäßigen Abständen in Clubs und Bars in der Gegend auf. MidnightOpera ist das Pseudonym, das ich verwende, wenn ich versuche atmosphärisch sehr dichte Mixe und Musikstücke zu kreieren, die dann ihre größte Wirkkraft in der frühen Nacht entfalten.

2. Was war Deine musikalische Initialzündung?

Schwer zu sagen, aber ich denke, dass meine Eltern und meine beiden älteren Geschwister einen nicht unwesentlich Anteil daran haben. Die Erinnerungen an meine frühe Kindheit sind untrennbar mit Musik verbunden. Sei es die klassische Musik meiner Eltern, die abends und am Wochenende durchs Haus dröhnte, das Klavier im Keller, was einen enormen Reiz auf mich ausübte oder die ungezählten Stunden, die ich als kleiner Junge im Zimmer meines großen Bruders mit Musikhören verbracht habe. Auf jeden Fall nahm Musik schon immer einen wichtigen Teil meines Lebens ein, so dass es mir im Nachhinein schwer fällt, einen entscheidenden Moment zu benennen.

3. Welches bzw. wer sind Deine größten musikalischen Einflüsse?

In den Zeiten ohne Internet war das Radio für mich eine ständige Inspirationsquelle. Entscheidende Bedeutung messe ich der Sendung des Hessischen Rundfunks „Der Ball ist Rund“ zu, die mich seit meiner Kindheit bis ins Erwachsenenalter musikalisch begleitet und geleitet hat. Leider wurde sie Ende 2008 eingestellt. „Der Ball ist Rund“ war eine Autorensendung, die von Klaus Walter gestaltet und moderiert wurde. Dabei agierte er frei von Airplay-Zwängen, manchmal thematisch stringent, manchmal chaotisch und brachte mir vieles näher, was für mich immer noch von immenser Bedeutung ist. In der stilistischen Vielfalt der Sendungen lernte ich unter vielen anderem Curd Duca, Rhyhthm & Sound oder Plastikman kennen.
Ab ca. 2004-2005 fand ich eine zusätzliche Inspirationsqueel in Thomas Meinecke und seiner Zündfunk-Nachtmix-Sendung auf Br2, die mir vor allem im Bereich der afro-amerikanischen Musik (insbesondere House und Hip Hop) einen gehörigen Schub gab.
Ein entscheidender Lerneffekt bei diesen Sendungen war für mich zu sehen, dass es möglich ist, Musikstücke thematisch zu verknüpfen, die oberflächlich gesehen nichts miteinander zutun hatten.
Filmmusik hat in den letzten Jahren einen enormen Einfluss auf mich genommen, was auf eine wachsende Leidenschaft für Film zurückzuführen ist. Als Vorbild sehe ich Angelo Badalamenti in Kombination mit David Lynch an. Von der Intensivität der Bilder, als auch der Musik bin ich genauso beeindruckt, wie auch von der perfekten Abstimmung dieser Elemente aufeinander.
Es gibt noch viele andere Aspekte, die mich musikalisch geprägt haben in meinem näheren Umfeld, aber das wäre vermutlich zu Umfangreich, diese alle hier aufzuzählen.

4. Wie würdest Du Deinen eigenen Stil beschreiben?

Ich versuche mich musikalisch in viele Richtungen zu bilden. Das ist der Angst geschuldet, dass man sich in eine Sackgasse begibt und am Punkt, an dem man nicht mehr weiterkommt, das Interesse an Musik teilweise oder ganz verliert. Ich denke, dass viele Musiknerds zu sehr in ihren favorisierten Mikrokosmos eintauchen, ohne zu merken, dass sie sich einen Radikalismus aneignen, bei dem ein offener Umgang mit anderen musikalischen Ansätzen kaum noch möglich ist.
Außerhalb des Clubkontextes konzentriere ich mich auf Stimmungen, die ich versuche in Mixen oder in Musikstücken umzusetzen. Dabei kann jeder Sound, jeder Film, jedes Buch oder jedes kleine Erlebnis eine Inspiration sein. Für mich gibt es nichts, von dem ich behaupten würde, dass eine musikalische Umsetzung nicht lohnt. No Sound is to taboo! Also mit einem Wort: variabel

5. Produzierst Du auch eigene Tracks? Wenn ja: womit?

Wir haben ein sehr minimalistisches, kleines Studio, was hauptsächlich aus 5 Synthesizern einem Mischpult, einem Mikrophon, 2 Plattenspielern und einem alten aber auf Musik optimierten Pc besteht. Gregory und ich produzieren seit 9 Jahren mit einer Version von Cubase VST. Leider sind wir nicht sehr Technik-affin und haben uns auch deshalb bisher immer ein bisschen vor einer Umstellung auf andere, neuere Programme gescheut. Cubase Vst beherrscht nur die grundsätzlichen Funktionen und ist aus heutiger Sicht geradezu lachhaft einfach aufgebaut und trotzdem recht umständlich zu bedienen. Allerdings sind diese Einschränkungen vielleicht auch wieder kreativitätsfördernd (das bilde ich mir zumindest gerne ein). Am liebsten arbeite ich soviel wie möglich ohne Computer, wobei ich die Möglichkeiten der Soundbearbeitung schon sehr schätzen gelernt habe und diese auch nicht mehr missen will.

6. Pläne für Deine musikalische Zukunft?

Immer weiter Musik entdecken, produzieren und mixen. Ich kann mir vieles vorstellen. Filme zu vertonen reizt mich sehr stark.
Als nächstes steht ein immer.Chic-release für das belgische Meakusma-Label an, was wir gerade fertig produzieren. Außerdem ist das Workshop-Label von Even-Tuell & Lowtec so etwas wie eine angestrebte Heimat.




Tracklist:

01 Tuxedomoon - The Waltz [Cramboy]
02 The Modern Deep Left Quartet - Babyfoot [Wagon Repair]
03 Juju & Jordash - Jazzy Trance [Dekmantel]
04 Kenny Larkin - Nightfall [Peacefrog Records]
05 Agoria - Kick The Peace [Different]
06 In Sync - Warm [Irdial Discs]
07 Nukubus - Skylark (Louis Guilliaume’s New Tommorow Mix) [Vonk]
08 Jeff Mills - 5 Questions For Any Star [Axis]
09 Kai Kroker - Tailwind [Red Ember Records]
10 Seidensticker - Ersetzung [Out To Lunch]
11 Matias Aguayo - Lineas [Soul Jazz Records]
12 Anton Zap - Bye [Underground Quality]
13 Claude Young - Distant Signal [Elypsia]
14 Darkkhaki and Sweet RB - Hydrophonic Govt. War [frequeNC]
15 Reagenz - Confidence [Workshop]
16 Sofa Surfers - If It Were Not For You [Klein Records]


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