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Syd Matters, Köln, 11.04.11


Konzert: Syd Matters
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 11.04.2011
Zuschauer: ca. 70
Dauer: 65 min


Pariser Verhältnisse in Köln... Auf der Bühne eine französische Band, im Publikum viele Landsleute und Anfangszeiten, wie man sie in Köln nicht kennt. Und das alles war überhaupt nicht verkehrt!

Seit wir diese Seite machen, gibt es immer wieder Bands, die in der einen Stadt (Paris, Köln) regelmäßig, in der anderen nie spielt, die Indelicates sind ein Beispiel dafür., sie waren nie in Paris. Daß viele der französischen Lieblinge meines Kollegen Oliver nie nach Deutschland kommen, ist erklärbar. Wenn dann eine der Gruppen endlich auch einmal hier auftritt, habe ich in der Regel schon über zig ihrer Konzerte gelesen, die Band ist ein guter Bekannter, ohne, daß ich sie je gesehen hätte.

Mit Syd Matters geht es mir auch so, zu oft habe ich schon über deren Auftritte in Paris gelesen, trotzdem war ich vollkommen ahnungslos, wie das heutige Konzert im Studio 672 werden würde. Zuletzt hatten Syd Matters vor ein paar Wochen im Olympia gespielt, in großer Besetzung mit acht Musikern. Oliver hatte mir berichtet, daß die Band auf ihrer Deutschland-Tour nur zu dritt auftreten würde.

Und so war es auch, als es um kurz vor neun (!) spannend wurde. In Besetzung akustische Gitarre, Schlagzeug und Keyboard traten die Franzosen im Studio 672 auf, das glücklicherweise engegen meiner ersten Befürchtungen recht gut gefüllt war. In Paris füllt die Band immer größere Säle, zuletzt eben das Olympia (das heute vor 122 Jahren eröffnet wurde - Konzerttagebuch Trivia), in dem Syd Matters vor 2.000 Zuschauern spielten, davor das Bataclan (1.500). Daß in Köln rund 70 Zuschauer kamen, ist sicher keine Enttäuschung. Als wir reinkamen roch es noch nach einem Flop, da erst eine Handvoll Zuschauer da waren, obwohl wir eigentlich auf den letzten Drücker erschienen. Den Start eine Viertelstunde herauszuzögern, machte aber Sinn, es füllte sich in den nächsten Minuten merklich.

Sänger Jonathan Morali wurde von einem Schlagzeuger und einem Keyboarder begleitet. Er selbst spielte während des gesamten Konzerts akustische Gitarre, sein Keyboarder griff bei zwei oder drei Liedern zur elektrischen Klampfe.

Beim ersten Stück dominierten allerdings Stimmen. Ich kannte das Lied bzw. die
beiden ineinander gespielten Lieder nicht, sie gefielen mir aber auf Anhieb. Auch wenn die Musik sehr melacholisch klingt, kam mir in den Kopf, daß Syd Matters eine luftigere Version der Fleet Foxes sein könnten. Vermutlich ist das ein doofer Vergleich - und auch vollkommen unwichtig - jedenfalls waren die mir unbekannten Lieder sehr schön.

Erst das übernächste Stück (Hi life) erkannte ich, daß mir auch der Rest neu sein sollte, machte aber gar nichts, weil der Auftritt kurzweilig und musikalisch hervorragend war.

Die Grundstimmung der Stücke war ruhig. Nur ab und zu merkte man dem Schlagzeuger an, daß er auch gerne mal lauter auf seine Trommeln haut und die ewige Rührbesennutzung nicht sein eigentlicher Job ist. Aber nur selten machte das Trio richtigen Krach, bei Cloudflakes zum Beispiel, das mir ganz ausgezeichnet gefiel! Eine Idee, wie Syd Matters in der von Oliver beschriebenen großen Besetzung des Olympia klingen (acht Musiker, davon teilweise drei an Schlagzeugen) gab auch Bones, das in einem irre langen Instrumental-Teil mündete, das fast Postrockcharakter hatte. Großartig!

Aber insgesamt dominierten die leisen, zurückhaltenden Töne, die mehrstimmigen Gesänge, wobei Jonathans Kollegen ganz deutlich im Hintergrund agierten.

Zu den anderen Lieder kann ich wenig sagen, weil ich sie zum ersten Mal gehört habe. Bei dem ein oder anderen kam mir zwar in den Sinn, daß es vermutlich für mehr Instrumente geschrieben worden war, insgesamt war der Abend aber vorzüglich!

Beim Fotografieren war uns irgendwann aufgefallen, daß die Musiker irgendwelche Dinge auf ihre Arme gemalt hatten. Der Schlagzeuger, der in unserer Nähe saß, hatte
sich "Danke" auf den linken Unterarm geschrieben. Später sah ich dann, daß auf dem Arm des Keyboarders "@Köln" und die Setlist vermerkt waren! Mit schwarzem Filzstift!

Nach einer guten Dreiviertelstunde endete das reguläre Set, und die Band kam zurück, um eine akustische Zugabe vor der Bühne zu spielen, Black & white eyes vom 2003er Debüt-Album.

Wegen des sehr euphorischen Applauses kamen die drei aber auch danach noch einmal wieder, hatten allerdings keinen Song übrig. "Wir spielen sonst nicht zu dritt, wir haben nicht mehr Lieder. Also spielen wir ein Stück noch einmal, das ist aber auch sehr gut." Das stimmte, auch in der akustischen Version war Hi life toll!

Schick ruhig öfter Bands aus Paris rüber, Oliver! Bis auf Soko war bisher alles sehr gut!

Setlist Syd Matters, Studio 672, Köln:

01: Heartbeat detector / Everything else
02: Wolfmother
03: Hi life
04: Cloudflakes
05: To all of you
06: Bones
07: I might float
08: Hadrian's wall
09: Halalcsillag
10: Anytime now
11: Obstacles

12: Black & white eyes (akustisch) (Z)

13: Hi life (akustisch) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Syd Matters, Paris, 29.03.11
- Syd Matters, Paris, 02.11.10
- Syd Matters, Paris, 20.09.10
- Syd Matters, Paris, 21.01.09
- Syd Matters, Paris, 11.06.08
- Syd Matters, Paris, 13.02.08
- Syd Matters, Paris, 25.05.07
- Syd Matters, Paris, 31.01.07


Syd Matters, Köln, 11.04.11


Konzert: Syd Matters
Ort: Studio 672, Köln
Datum: 11.04.2011
Zuschauer: ca. 70
Dauer: 65 min


Pariser Verhältnisse in Köln... Auf der Bühne eine französische Band, im Publikum viele Landsleute und Anfangszeiten, wie man sie in Köln nicht kennt. Und das alles war überhaupt nicht verkehrt!

Seit wir diese Seite machen, gibt es immer wieder Bands, die in der einen Stadt (Paris, Köln) regelmäßig, in der anderen nie spielt, die Indelicates sind ein Beispiel dafür., sie waren nie in Paris. Daß viele der französischen Lieblinge meines Kollegen Oliver nie nach Deutschland kommen, ist erklärbar. Wenn dann eine der Gruppen endlich auch einmal hier auftritt, habe ich in der Regel schon über zig ihrer Konzerte gelesen, die Band ist ein guter Bekannter, ohne, daß ich sie je gesehen hätte.

Mit Syd Matters geht es mir auch so, zu oft habe ich schon über deren Auftritte in Paris gelesen, trotzdem war ich vollkommen ahnungslos, wie das heutige Konzert im Studio 672 werden würde. Zuletzt hatten Syd Matters vor ein paar Wochen im Olympia gespielt, in großer Besetzung mit acht Musikern. Oliver hatte mir berichtet, daß die Band auf ihrer Deutschland-Tour nur zu dritt auftreten würde.

Und so war es auch, als es um kurz vor neun (!) spannend wurde. In Besetzung akustische Gitarre, Schlagzeug und Keyboard traten die Franzosen im Studio 672 auf, das glücklicherweise engegen meiner ersten Befürchtungen recht gut gefüllt war. In Paris füllt die Band immer größere Säle, zuletzt eben das Olympia (das heute vor 122 Jahren eröffnet wurde - Konzerttagebuch Trivia), in dem Syd Matters vor 2.000 Zuschauern spielten, davor das Bataclan (1.500). Daß in Köln rund 70 Zuschauer kamen, ist sicher keine Enttäuschung. Als wir reinkamen roch es noch nach einem Flop, da erst eine Handvoll Zuschauer da waren, obwohl wir eigentlich auf den letzten Drücker erschienen. Den Start eine Viertelstunde herauszuzögern, machte aber Sinn, es füllte sich in den nächsten Minuten merklich.

Sänger Jonathan Morali wurde von einem Schlagzeuger und einem Keyboarder begleitet. Er selbst spielte während des gesamten Konzerts akustische Gitarre, sein Keyboarder griff bei zwei oder drei Liedern zur elektrischen Klampfe.

Beim ersten Stück dominierten allerdings Stimmen. Ich kannte das Lied bzw. die
beiden ineinander gespielten Lieder nicht, sie gefielen mir aber auf Anhieb. Auch wenn die Musik sehr melacholisch klingt, kam mir in den Kopf, daß Syd Matters eine luftigere Version der Fleet Foxes sein könnten. Vermutlich ist das ein doofer Vergleich - und auch vollkommen unwichtig - jedenfalls waren die mir unbekannten Lieder sehr schön.

Erst das übernächste Stück (Hi life) erkannte ich, daß mir auch der Rest neu sein sollte, machte aber gar nichts, weil der Auftritt kurzweilig und musikalisch hervorragend war.

Die Grundstimmung der Stücke war ruhig. Nur ab und zu merkte man dem Schlagzeuger an, daß er auch gerne mal lauter auf seine Trommeln haut und die ewige Rührbesennutzung nicht sein eigentlicher Job ist. Aber nur selten machte das Trio richtigen Krach, bei Cloudflakes zum Beispiel, das mir ganz ausgezeichnet gefiel! Eine Idee, wie Syd Matters in der von Oliver beschriebenen großen Besetzung des Olympia klingen (acht Musiker, davon teilweise drei an Schlagzeugen) gab auch Bones, das in einem irre langen Instrumental-Teil mündete, das fast Postrockcharakter hatte. Großartig!

Aber insgesamt dominierten die leisen, zurückhaltenden Töne, die mehrstimmigen Gesänge, wobei Jonathans Kollegen ganz deutlich im Hintergrund agierten.

Zu den anderen Lieder kann ich wenig sagen, weil ich sie zum ersten Mal gehört habe. Bei dem ein oder anderen kam mir zwar in den Sinn, daß es vermutlich für mehr Instrumente geschrieben worden war, insgesamt war der Abend aber vorzüglich!

Beim Fotografieren war uns irgendwann aufgefallen, daß die Musiker irgendwelche Dinge auf ihre Arme gemalt hatten. Der Schlagzeuger, der in unserer Nähe saß, hatte
sich "Danke" auf den linken Unterarm geschrieben. Später sah ich dann, daß auf dem Arm des Keyboarders "@Köln" und die Setlist vermerkt waren! Mit schwarzem Filzstift!

Nach einer guten Dreiviertelstunde endete das reguläre Set, und die Band kam zurück, um eine akustische Zugabe vor der Bühne zu spielen, Black & white eyes vom 2003er Debüt-Album.

Wegen des sehr euphorischen Applauses kamen die drei aber auch danach noch einmal wieder, hatten allerdings keinen Song übrig. "Wir spielen sonst nicht zu dritt, wir haben nicht mehr Lieder. Also spielen wir ein Stück noch einmal, das ist aber auch sehr gut." Das stimmte, auch in der akustischen Version war Hi life toll!

Schick ruhig öfter Bands aus Paris rüber, Oliver! Bis auf Soko war bisher alles sehr gut!

Setlist Syd Matters, Studio 672, Köln:

01: Heartbeat detector / Everything else
02: Wolfmother
03: Hi life
04: Cloudflakes
05: To all of you
06: Bones
07: I might float
08: Hadrian's wall
09: Halalcsillag
10: Anytime now
11: Obstacles

12: Black & white eyes (akustisch) (Z)

13: Hi life (akustisch) (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Syd Matters, Paris, 29.03.11
- Syd Matters, Paris, 02.11.10
- Syd Matters, Paris, 20.09.10
- Syd Matters, Paris, 21.01.09
- Syd Matters, Paris, 11.06.08
- Syd Matters, Paris, 13.02.08
- Syd Matters, Paris, 25.05.07
- Syd Matters, Paris, 31.01.07


Zoey Van Goey, Köln, 08.04.11


Konzert: Zoey Van Goey (als Support von Belle & Sebastian*)
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 08.04.2011
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 30 min


Wo kommen bloß all diese großartigen Glasgow-Bands her? Irgendwann muß das Potential dieser Stadt doch einmal erschöpft sein. Im Falle von Zoey Van Goey ist es zugereiste Kompetenz, denn die Band besteht aus einem Kanadier (Matt Brennan), einem Iren (Michael John McCarthy) und zwei in England aufgewachsenen gebürtigen Schotten (Kim Moore und Bassist Adam Scott, der nach dem ersten Album zum Gründungstrio stieß).

Die Entstehungsgeschichte der Band scheint eine typisch schottische zu sein: Michael suchte einen Schlagzeuger für eine Band, er kannte Kim aus dem Studium, die Engländerin konnte natürlich auch perfekt singen, Keyboard und Geige spielen. Michael kannte dann auch Stuart Murdoch, den Belle & Sebastian Kopf, dem gefiel der Auftritt der Zoeys, den er sich ansah, und er sagte sofort zu, als sie ihn fragten, ob er ihre Debütsingle produzieren wolle. Mittlerweile gibt es zwei Alben, viele lobende Worte, eine Minitour durch englischen Städte, die mit einem L anfangen und einen wundervollen Auftritt beim Bowlie Festival im Dezember. Dummerweise teilen Zoey Van Goey das Schicksal vieler talentierter Bands, ihnen fehlen die Mittel für große Promotion und Touren durch Europa. Da kam der Auftritt als Support von Belle & Sebastian genau richtig, vier Gigs in namhaften Städten, vor ausverkauften Häusern, das sollte eigentlich helfen, die Schotten, die ein deutsches Indielabel nicht signen wollte, bekannter zu machen.

Ich bin nicht objektiv, mir ist die Band musikalisch und seit heute Nachmittag auch persönlich viel zu sehr ans Herz gewachsen. Aber ich meine, am großen Schlußapplaus ablesen zu können, daß Zoey Van Goey die Chance des Vorspielens perfekt genutzt haben! Haldern, wir hatten es Euch schon im Dezember gesagt...

Die Musik von Zoey Van Goey ist schwer einzuordnen, oft wird Folk als Genre genannt, ziemlicher Quatsch, wie ich finde. Twee-Pop mögen die vier nicht als Typisierung ihrer Lieder, aber das ist ja alles auch vollkommen egal, verschrobener Indie-Pop, oder wie auch immer, die Stücke der Schotten sind wundervoll, sie haben großartige Melodien, herrliche Texte und immer wieder kleine Kniffe, die sie von 0815 Pop unterscheiden.

Mit einer der größten Perlen, dem großartigen Foxtrot vandals, begann das leider viel zu kurze Programm. Vom ersten Album stammten auch die beiden Hits Sweethearts in disguise und We don't have that kind of bread, der Rest kam vom zweiten Album Propeller versus wings, das vor einem Monat erschienen ist. Und dieser Rest war genauso toll, wie die Hits der ersten Platte. Was will man auch anderes zu einer Band sagen, die über Dino-Roboter oder Kuchen singt, oder die ein Lied You told the drunks I knew Karate nennt? Eben! Wundervoll!

Naja, man könnte vielleicht noch erwähnen, daß Michael Theatermusik schreibt und Urheber eines Musicals für Leute ist, die Musicals hassen, das von einem Gehirn handelt, das Probleme mit seinem Mann hat (ein Mensch). Das Gehirn singt in diesem Musical nur Italienisch, der Mann nur Englisch, dann taucht ein Psychiater auf, am Ende sterben fast alle. Und daß Zoey Van Goey wirklich Kuchen lieben. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier erzählt wird.

Setlist Zoey Van Goey, E-Werk, Köln:

01: Foxtrot vandals
02: Sweethearts in disguise
03: Another day another disaster
04: The cake and eating it
05: You told the drunks I knew Karate
06: Extremities
07: Robot Tyrannosaur
08: We don't have that kind of bread

Links:

- Zoey Van Goey beim Bowlie 2 in Minehead Butlins

* Belle & Sebastian habe ich nicht ganz sehen können, daher hier nur ein Bericht von deren Vorgruppe Zoey Van Goey aus Glasgow!

- die Fotos sind aus dem Archiv (aufgenommen beim Bowlie)



Zoey Van Goey, Köln, 08.04.11


Konzert: Zoey Van Goey (als Support von Belle & Sebastian*)
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 08.04.2011
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: 30 min


Wo kommen bloß all diese großartigen Glasgow-Bands her? Irgendwann muß das Potential dieser Stadt doch einmal erschöpft sein. Im Falle von Zoey Van Goey ist es zugereiste Kompetenz, denn die Band besteht aus einem Kanadier (Matt Brennan), einem Iren (Michael John McCarthy) und zwei in England aufgewachsenen gebürtigen Schotten (Kim Moore und Bassist Adam Scott, der nach dem ersten Album zum Gründungstrio stieß).

Die Entstehungsgeschichte der Band scheint eine typisch schottische zu sein: Michael suchte einen Schlagzeuger für eine Band, er kannte Kim aus dem Studium, die Engländerin konnte natürlich auch perfekt singen, Keyboard und Geige spielen. Michael kannte dann auch Stuart Murdoch, den Belle & Sebastian Kopf, dem gefiel der Auftritt der Zoeys, den er sich ansah, und er sagte sofort zu, als sie ihn fragten, ob er ihre Debütsingle produzieren wolle. Mittlerweile gibt es zwei Alben, viele lobende Worte, eine Minitour durch englischen Städte, die mit einem L anfangen und einen wundervollen Auftritt beim Bowlie Festival im Dezember. Dummerweise teilen Zoey Van Goey das Schicksal vieler talentierter Bands, ihnen fehlen die Mittel für große Promotion und Touren durch Europa. Da kam der Auftritt als Support von Belle & Sebastian genau richtig, vier Gigs in namhaften Städten, vor ausverkauften Häusern, das sollte eigentlich helfen, die Schotten, die ein deutsches Indielabel nicht signen wollte, bekannter zu machen.

Ich bin nicht objektiv, mir ist die Band musikalisch und seit heute Nachmittag auch persönlich viel zu sehr ans Herz gewachsen. Aber ich meine, am großen Schlußapplaus ablesen zu können, daß Zoey Van Goey die Chance des Vorspielens perfekt genutzt haben! Haldern, wir hatten es Euch schon im Dezember gesagt...

Die Musik von Zoey Van Goey ist schwer einzuordnen, oft wird Folk als Genre genannt, ziemlicher Quatsch, wie ich finde. Twee-Pop mögen die vier nicht als Typisierung ihrer Lieder, aber das ist ja alles auch vollkommen egal, verschrobener Indie-Pop, oder wie auch immer, die Stücke der Schotten sind wundervoll, sie haben großartige Melodien, herrliche Texte und immer wieder kleine Kniffe, die sie von 0815 Pop unterscheiden.

Mit einer der größten Perlen, dem großartigen Foxtrot vandals, begann das leider viel zu kurze Programm. Vom ersten Album stammten auch die beiden Hits Sweethearts in disguise und We don't have that kind of bread, der Rest kam vom zweiten Album Propeller versus wings, das vor einem Monat erschienen ist. Und dieser Rest war genauso toll, wie die Hits der ersten Platte. Was will man auch anderes zu einer Band sagen, die über Dino-Roboter oder Kuchen singt, oder die ein Lied You told the drunks I knew Karate nennt? Eben! Wundervoll!

Naja, man könnte vielleicht noch erwähnen, daß Michael Theatermusik schreibt und Urheber eines Musicals für Leute ist, die Musicals hassen, das von einem Gehirn handelt, das Probleme mit seinem Mann hat (ein Mensch). Das Gehirn singt in diesem Musical nur Italienisch, der Mann nur Englisch, dann taucht ein Psychiater auf, am Ende sterben fast alle. Und daß Zoey Van Goey wirklich Kuchen lieben. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier erzählt wird.

Setlist Zoey Van Goey, E-Werk, Köln:

01: Foxtrot vandals
02: Sweethearts in disguise
03: Another day another disaster
04: The cake and eating it
05: You told the drunks I knew Karate
06: Extremities
07: Robot Tyrannosaur
08: We don't have that kind of bread

Links:

- Zoey Van Goey beim Bowlie 2 in Minehead Butlins

* Belle & Sebastian habe ich nicht ganz sehen können, daher hier nur ein Bericht von deren Vorgruppe Zoey Van Goey aus Glasgow!

- die Fotos sind aus dem Archiv (aufgenommen beim Bowlie)



The Thermals, Köln, 03.04.11


Konzert: The Thermals
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 03.04.2011
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: The Thermals knapp 70 min, The Coathangers 40 min


Sehr viel besser kann ein Konzertabend wirklich nicht sein!

Vor knapp zwei Jahren waren die Thermals zuletzt in Deutschland, die aktuelle Tour promotet Personal life, das mittlerweile fünfte Album der Band, das im vergangenen September erschienen ist. Im Gebäude 9 war das Trio aus Portland bereits mehrfach, ausverkauft war es allerdings vermutlich bisher noch nicht. Trotz der halbjährigen Lücke zwischen Albumveröffentlichung und Tour locken die Thermals also auch ordentlich Publikum an, es hat sich eben herumgesprochen, daß die Truppe ganz hervorragende Konzerte spielt.

Von der Vorgruppe The Coathangers aus Atlanta kannte ich bisher nichts außer dem Namen. Vielleicht hätte ich mir deren Auftritt nach kurzem Reinhören auch geschenkt, ich hätte dadurch 40 hochunerhaltsame Minuten verpasst! The Coathangers sind Julia Kugel (hellblaue Gitarre), Stephanie Luke (Schlagzeug), Meredith Franco (Bass) und Candice Jones (Keyboard). Extravagant sah zunächst nur Schlagzeugerin Stephanie aus. Mit halbrasiertem Kopf und vielen bunten Bildern auf dem Körper wirkte sie einschüchternd. Dagegen sahen die anderen drei sehr brav aus. Das änderte sich aber schnell, spätestens, als Julia (geringeltes Oberteil) beim ersten Stück in ihr Mikro brüllte, als gelte es, jemandem auf der anderen Rheinseite um Hilfe zu rufen. Die Gesangsparts wechselten nach und nach (nur Keyboarderin Candice sang nie erste Stimme), der Stil des Gesangs blieb allerdings gleich, die jeweilige Sängerin brüllte sich das Zwerchfell aus dem Leib!

Die punkige Melodien der Südstaatlerinnen gefielen mir sehr gut, insbesondere ein sehr langes Stück in der Mitte. Den Geschrei würde ich auf Platte vermutlich nicht gut ertragen, live waren die Lieder toll, die Band unterhielt mich hervorragend! Manchmal sang Julia mit breitem Tremolo und glich damit stimmlich Dead Kennedys Sänger Jello Biafra, mal hörten sich Lieder in wenig nach einer punkigen Version der Dresden Dolls (Cabaret-Punk), mal wegen der Keyboard Melodien nach Saloon-Punk. Zwischen den Stücken schnauzten sich die vier Musikerinnen mal an, lachten viel und schienen zufrieden. Nicht zu unrecht, der Auftritt war nämlich sehr kurzweilig und unterhaltsam. Manchmal müssen potentielle Lieblingsbands offenbar nicht mal Musik machen, die ich auf Platte gerne haben wollte.

Die Thermals sind schnell erzählt: 70 Minuten, 23 Hits, also alles wie immer. Allerdings gab es einen gravierenden Unterschied zu früher: auf ihrer aktuellen Platte haben Kathy, Hutch und Westin zwei neue Stilmittel entdeckt, die Ballade und das mehr als 3:00 Minuten lange Lied (wobei die Länge Folge des Tempos ist). Da für die Thermals die einfache, oft überprüfte Formel "nur Hits!" gilt, sind auch Not like any other feeling oder Never listen to me echte Knüller, obwohl sie eindeutige Vertreter der Kuschelrock-Phase der Amerikaner sind. Konzerte erlauben jetzt also auch eine gewisse Dramartugie. Vor den Balladen jagte das Trio zwanzig, fünfundzwanzig schnelle Nummern raus, heute konnte zwischendurch kurz der Fuß vom Gas genommen werden, weil die beiden langsamen Neulinge nacheinander kamen.

Von Personal life hatten es einige Lieder ins Set geschafft, allerdings merkte man, daß die Veröffentlichung schon eine Weile zurückliegt, es dominierte nämlich eindeutig älteres Material.

Obwohl das Gebäude 9 ausverkauft war, war es vorne sehr angenehm. Es drängelte sich nichts und in der Mitte war genug Platz fürs pogende Volk. Ab dem dritten Lied wurde heftig getanzt, die Stimmung war ganz ausgezeichnet, aber das ist natürlich auch nicht schwer zu erreichen, wenn man das Repertoire der Thermals hat.

Neben den Mitgröhlhymnen Now we can see und Your love is so strong (vom neuen
Album) kam Here's your future besonders gut an und war mein Liebling des Abends. Dabei fiel mir auch zum ersten Mal auf, daß die Coathangers hinter der Bühne rechts hockten und kräftig mitgingen. Man konnte immer mal wieder winkende und schunkelnde Arme sehen, die Mädels hatten nicht nur an ihrem Auftritt viel Spaß.

Wer zu den Thermals geht, erwartet keinen feinsinnigen Abend wie bei Bands die deutlich mehr arty sind (Beach House zum Beispiel, deren ausgezeichnetes letztes Album in den Pausen lief). Aber das schmälert die Qualität des Konzerts in keiner Weise, die Thermals sind eine der besten Livebands, die ich bisher erlebt habe. Die neue Tiefe, die die Balladen mit sich bringen, schadet dem Spaß in keiner
Weise, im Gegenteil zählt Never listen to me auch live zu meinen Lieblingen.

Daß diese Live- (und Studio) Qualitäten so honoriert werden, gefällt mir. Und solchen (angenehmen) ausverkauften Shows der drei möchte ich noch sehr sehr oft sehen, sie zählen nämlich immer sicher zu den besten Konzerten des Jahres. My love is so strong, liebe Thermals!

Setlist The Thermals, Gebäude 9, Köln:

01: Time to lose
02: Returning to the fold
03: I don't believe you
04: It's trivia
05: Brace and break
06: We were sick
07: I let it go
08: Our trip
09: Every stitch
10: Not like any other feeling
11: Never listen to me
12: Here's your future
13: I might need for you to kill
14: An ear for baby
15: A stare like yours
16: Power lies
17: Your love is so strong
18: St. Rosa
19: How we know
20: Overgrown, overblown!
21: Now we can see
22: Pillar of salt

23: Back to gray (Z)
24: No culture icons (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06
- mehr Fotos

Termine:

05.04.11 Evreux, L'Abordage
06.04.11 Paris, La Maroquinerie
07.04.11 Lyon-Oullins, Le Clacson
09.04.11 Marmande, Garorock Festival
11.04.11 Aarau, Kiff
12.04.11 Munich, Hansa 39
13.04.11 Wien, Flex
14.04.11 Nuernberg, K4 Festsaal
15.04.11 Frankfurt, Sinkkasten


The Thermals, Köln, 03.04.11


Konzert: The Thermals
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 03.04.2011
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: The Thermals knapp 70 min, The Coathangers 40 min


Sehr viel besser kann ein Konzertabend wirklich nicht sein!

Vor knapp zwei Jahren waren die Thermals zuletzt in Deutschland, die aktuelle Tour promotet Personal life, das mittlerweile fünfte Album der Band, das im vergangenen September erschienen ist. Im Gebäude 9 war das Trio aus Portland bereits mehrfach, ausverkauft war es allerdings vermutlich bisher noch nicht. Trotz der halbjährigen Lücke zwischen Albumveröffentlichung und Tour locken die Thermals also auch ordentlich Publikum an, es hat sich eben herumgesprochen, daß die Truppe ganz hervorragende Konzerte spielt.

Von der Vorgruppe The Coathangers aus Atlanta kannte ich bisher nichts außer dem Namen. Vielleicht hätte ich mir deren Auftritt nach kurzem Reinhören auch geschenkt, ich hätte dadurch 40 hochunerhaltsame Minuten verpasst! The Coathangers sind Julia Kugel (hellblaue Gitarre), Stephanie Luke (Schlagzeug), Meredith Franco (Bass) und Candice Jones (Keyboard). Extravagant sah zunächst nur Schlagzeugerin Stephanie aus. Mit halbrasiertem Kopf und vielen bunten Bildern auf dem Körper wirkte sie einschüchternd. Dagegen sahen die anderen drei sehr brav aus. Das änderte sich aber schnell, spätestens, als Julia (geringeltes Oberteil) beim ersten Stück in ihr Mikro brüllte, als gelte es, jemandem auf der anderen Rheinseite um Hilfe zu rufen. Die Gesangsparts wechselten nach und nach (nur Keyboarderin Candice sang nie erste Stimme), der Stil des Gesangs blieb allerdings gleich, die jeweilige Sängerin brüllte sich das Zwerchfell aus dem Leib!

Die punkige Melodien der Südstaatlerinnen gefielen mir sehr gut, insbesondere ein sehr langes Stück in der Mitte. Den Geschrei würde ich auf Platte vermutlich nicht gut ertragen, live waren die Lieder toll, die Band unterhielt mich hervorragend! Manchmal sang Julia mit breitem Tremolo und glich damit stimmlich Dead Kennedys Sänger Jello Biafra, mal hörten sich Lieder in wenig nach einer punkigen Version der Dresden Dolls (Cabaret-Punk), mal wegen der Keyboard Melodien nach Saloon-Punk. Zwischen den Stücken schnauzten sich die vier Musikerinnen mal an, lachten viel und schienen zufrieden. Nicht zu unrecht, der Auftritt war nämlich sehr kurzweilig und unterhaltsam. Manchmal müssen potentielle Lieblingsbands offenbar nicht mal Musik machen, die ich auf Platte gerne haben wollte.

Die Thermals sind schnell erzählt: 70 Minuten, 23 Hits, also alles wie immer. Allerdings gab es einen gravierenden Unterschied zu früher: auf ihrer aktuellen Platte haben Kathy, Hutch und Westin zwei neue Stilmittel entdeckt, die Ballade und das mehr als 3:00 Minuten lange Lied (wobei die Länge Folge des Tempos ist). Da für die Thermals die einfache, oft überprüfte Formel "nur Hits!" gilt, sind auch Not like any other feeling oder Never listen to me echte Knüller, obwohl sie eindeutige Vertreter der Kuschelrock-Phase der Amerikaner sind. Konzerte erlauben jetzt also auch eine gewisse Dramartugie. Vor den Balladen jagte das Trio zwanzig, fünfundzwanzig schnelle Nummern raus, heute konnte zwischendurch kurz der Fuß vom Gas genommen werden, weil die beiden langsamen Neulinge nacheinander kamen.

Von Personal life hatten es einige Lieder ins Set geschafft, allerdings merkte man, daß die Veröffentlichung schon eine Weile zurückliegt, es dominierte nämlich eindeutig älteres Material.

Obwohl das Gebäude 9 ausverkauft war, war es vorne sehr angenehm. Es drängelte sich nichts und in der Mitte war genug Platz fürs pogende Volk. Ab dem dritten Lied wurde heftig getanzt, die Stimmung war ganz ausgezeichnet, aber das ist natürlich auch nicht schwer zu erreichen, wenn man das Repertoire der Thermals hat.

Neben den Mitgröhlhymnen Now we can see und Your love is so strong (vom neuen
Album) kam Here's your future besonders gut an und war mein Liebling des Abends. Dabei fiel mir auch zum ersten Mal auf, daß die Coathangers hinter der Bühne rechts hockten und kräftig mitgingen. Man konnte immer mal wieder winkende und schunkelnde Arme sehen, die Mädels hatten nicht nur an ihrem Auftritt viel Spaß.

Wer zu den Thermals geht, erwartet keinen feinsinnigen Abend wie bei Bands die deutlich mehr arty sind (Beach House zum Beispiel, deren ausgezeichnetes letztes Album in den Pausen lief). Aber das schmälert die Qualität des Konzerts in keiner Weise, die Thermals sind eine der besten Livebands, die ich bisher erlebt habe. Die neue Tiefe, die die Balladen mit sich bringen, schadet dem Spaß in keiner
Weise, im Gegenteil zählt Never listen to me auch live zu meinen Lieblingen.

Daß diese Live- (und Studio) Qualitäten so honoriert werden, gefällt mir. Und solchen (angenehmen) ausverkauften Shows der drei möchte ich noch sehr sehr oft sehen, sie zählen nämlich immer sicher zu den besten Konzerten des Jahres. My love is so strong, liebe Thermals!

Setlist The Thermals, Gebäude 9, Köln:

01: Time to lose
02: Returning to the fold
03: I don't believe you
04: It's trivia
05: Brace and break
06: We were sick
07: I let it go
08: Our trip
09: Every stitch
10: Not like any other feeling
11: Never listen to me
12: Here's your future
13: I might need for you to kill
14: An ear for baby
15: A stare like yours
16: Power lies
17: Your love is so strong
18: St. Rosa
19: How we know
20: Overgrown, overblown!
21: Now we can see
22: Pillar of salt

23: Back to gray (Z)
24: No culture icons (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06
- mehr Fotos

Termine:

05.04.11 Evreux, L'Abordage
06.04.11 Paris, La Maroquinerie
07.04.11 Lyon-Oullins, Le Clacson
09.04.11 Marmande, Garorock Festival
11.04.11 Aarau, Kiff
12.04.11 Munich, Hansa 39
13.04.11 Wien, Flex
14.04.11 Nuernberg, K4 Festsaal
15.04.11 Frankfurt, Sinkkasten


I Blame Coco, Köln, 27.03.11


Konzert: I Blame Coco
Ort: Essigfabrik, Köln
Datum: 27.03.11
Zuschauer: 400 vielleicht?


von Kathrin aus Köln


Für die meisten Künstler muss es schwierig sein, ein deutsches Publikum richtig zu interpretieren. Meistens geniessen wir für uns, in uns, als laut mit anderen. Die Fans von "I blame Coco" jedoch teilen ihre Freude jedoch ganz ohne Scheu und Scham.


Obwohl das Konzert vom kleinen, überschaubaren Luxor auf die Essigfabrik verlegt wurde, wird es trotzdem ganz schnell kuschelig warm um mich und ich kann den Weg zur Toilette nur mit andauerndem Ellebogen-Kampf bewältigen. Eine halbe Stunde lang lässt Eliot Paulina „Coco“ Sumner die Menge auf sie warten. Es bleibt Zeit sich umzuschauen, und selbst das Umfeld zu analysieren. Doch egal in welche Richtung ich mich drehe - schaue ich über Köpfe, auf Hinterköpfe, in junge und in alte Gesichter, über Gruppen, Pärchen und einzelne Männer. Unmöglich zu beurteilen, wie der "I blame Coco"-Fan typischerweise aussieht. Warum auch. Während ich darüber nachdenke gehen die Lichter aus und Coco stürmt mit ihrer 4-köpfigen Band auf die Bühne. Weisse Bluse, schwarzer Anzug (ja, ein Anzug) ein schmales, ganz feminines Gesicht und die Haare offen, so wie sie gerade gefallen sind. Die Stimme - rauchig tief erklingt aus diesem zarten Körper so viel Kraft, dass nach dem ersten Vers sich keine Füße mehr auf dem Boden halten können und alle Hände nach oben zeigen. Das ist das Faszinierende an diesem jungen Mädchen. Die Vibration, die ihr Vater Sting ihr vererbt zu haben scheint und ihre kantigen Bewegungen, die die rauhen Töne unterstreichen. Kein Glitzer, Glamour oder zu viel Make-Up, aber viele Gitarren und viel Rock. Mit "Partybag" und "Selfmachine" an zweiter Stelle ist die Stimmung zu Beginn schon fast auf dem Höhepunkt. Einige Fans werden von Zuckungen durchströmt und können nur schwer noch die Kontrolle über ihre Körperteile behalten. Doch wie auch immer - jeder ist in Bewegung.


Erstaunlich, was der Band hier gelingt. Die Zurückhaltung scheint wie weggeblasen. Nach meinen Favorits "No Smile", "The Constant" und "Ceasar" in der Zugabe lässt die Menge sich erst nach 10 Minuten Applaus aus der Halle bewegen. Alles in allem eine große Leistung für ein so zartes Wesen. Nur ein paar Lieder mehr hätte ich mir gewünscht..vielleicht mit dem nächsten Album.



I Blame Coco, Köln, 27.03.11


Konzert: I Blame Coco
Ort: Essigfabrik, Köln
Datum: 27.03.11
Zuschauer: 400 vielleicht?


von Kathrin aus Köln


Für die meisten Künstler muss es schwierig sein, ein deutsches Publikum richtig zu interpretieren. Meistens geniessen wir für uns, in uns, als laut mit anderen. Die Fans von "I blame Coco" jedoch teilen ihre Freude jedoch ganz ohne Scheu und Scham.


Obwohl das Konzert vom kleinen, überschaubaren Luxor auf die Essigfabrik verlegt wurde, wird es trotzdem ganz schnell kuschelig warm um mich und ich kann den Weg zur Toilette nur mit andauerndem Ellebogen-Kampf bewältigen. Eine halbe Stunde lang lässt Eliot Paulina „Coco“ Sumner die Menge auf sie warten. Es bleibt Zeit sich umzuschauen, und selbst das Umfeld zu analysieren. Doch egal in welche Richtung ich mich drehe - schaue ich über Köpfe, auf Hinterköpfe, in junge und in alte Gesichter, über Gruppen, Pärchen und einzelne Männer. Unmöglich zu beurteilen, wie der "I blame Coco"-Fan typischerweise aussieht. Warum auch. Während ich darüber nachdenke gehen die Lichter aus und Coco stürmt mit ihrer 4-köpfigen Band auf die Bühne. Weisse Bluse, schwarzer Anzug (ja, ein Anzug) ein schmales, ganz feminines Gesicht und die Haare offen, so wie sie gerade gefallen sind. Die Stimme - rauchig tief erklingt aus diesem zarten Körper so viel Kraft, dass nach dem ersten Vers sich keine Füße mehr auf dem Boden halten können und alle Hände nach oben zeigen. Das ist das Faszinierende an diesem jungen Mädchen. Die Vibration, die ihr Vater Sting ihr vererbt zu haben scheint und ihre kantigen Bewegungen, die die rauhen Töne unterstreichen. Kein Glitzer, Glamour oder zu viel Make-Up, aber viele Gitarren und viel Rock. Mit "Partybag" und "Selfmachine" an zweiter Stelle ist die Stimmung zu Beginn schon fast auf dem Höhepunkt. Einige Fans werden von Zuckungen durchströmt und können nur schwer noch die Kontrolle über ihre Körperteile behalten. Doch wie auch immer - jeder ist in Bewegung.


Erstaunlich, was der Band hier gelingt. Die Zurückhaltung scheint wie weggeblasen. Nach meinen Favorits "No Smile", "The Constant" und "Ceasar" in der Zugabe lässt die Menge sich erst nach 10 Minuten Applaus aus der Halle bewegen. Alles in allem eine große Leistung für ein so zartes Wesen. Nur ein paar Lieder mehr hätte ich mir gewünscht..vielleicht mit dem nächsten Album.



The Low Anthem, Köln, 20.03.11


Konzert: The Low Anthem

Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 23.03.2011
Zuschauer: gut gefüllt, aber nicht eng, so ca. 300
Konzertdauer: 90 Minuten (30 Minuten The Head And The Heart)


Erst kürzlich habe ich zum Ausdruck gebracht, daß wir uns über Gastartikel, vor allem auch unaufgefordert zugesendete, sehr freuen. Nun überbringt uns der gute Uwe seine Eindrücke vom Konzert von The Low Anthem in Köln. Wir bedanken uns vielmals!

Konzertbericht von Uwe:

Nach dem Überkonzert im letzten Jahr war meine Erwartungshaltung natürlich - trotz aller Versuche den Ball flach zu halten - gigantisch groß. Aber das sind Low Anthem eben auch. Zwar konnten sie den Eindruck des letzten jahres diesmal nicht toppen, aber sie kamen schon ganz nah dran. Alles was man kennt und liebt war wieder da, Instrumente sogar noch mehr als beim letzten mal (wenn die so weiter machen enden sie als herumziehendes Instrumentenantiquariat). Einstieg wieder im Kreis ums Mikro mit "Ghost Woman Blues", aber schon recht früh wurde der Set gut durchmischt mit altem Material und Coverstücken. Und dazwischen alle Hits vom donnernden "Home I'll Never Be" bis zum hymnischen "This God Damn House" und wieder zurück zu "Boeing 737". Der Handytrick mutiert so langsam zum Rocky Horror Picture Kult, mittlerweile gibt es etliche die beim fröhlichen Rückkoppeln mitmachen. So richtig fest nach Setlist geht es nicht, besonders gegen Ende wurde das nächste Stück spontan ausdiskutiert. Sehr schön zum Schluss als alle schon ums Mikro standen und anfangen wollten, dann der Zwischenruf "Song Bird", Gelächter der Band. Nächster Zwischenruf "Ticket Taker". Ok, alle wieder weg, Instrumente wechseln und los, you get what you ask for.

Das Publikum war mehr als begeistert, donnernder Applaus und andächtige Stille wechselten sich ab. Zur Zugabe dann die Titelstücke der Alben hintereinander, zuerst "Smart Flesh" und danach "Charlie Darwin". Und dann war leider Schluss, der anhaltende Applaus wurde nach einigen Minuten mit Licht und Musik abgewürgt. Eine Band für die Ewigkeit - wie hat es ein Freund mal gesagt (bei einer anderen Band): Denen würde ich auch stundenlang beim Stimmen zuhören.

Etwas milde Kritik: Jeff klebte im ersten Teil des Sets hinterm Schlagzeug und kam erst sehr spät aus der Ecke zum Kontrabass. Ben spielt kein Schlagzeug mehr, vielleicht wollen sie dem kreativen Chaos langsam etwas gegensteuern (wobei Jocie und Matt das wohl verhindern werden). Sehr wenig Crotales (dafür jetzt auch Hackbrett). Nicht besonders toll abgemischter E-Bass. Aber: Das ist Jammern auf äußerst hohem Niveau!

Die Vorband (The Head And The Heart): Erstes Konzert auf der Tour mit LA, erstes Konzert in Europa, hypernervös. Aber ganz schön, kam nicht so toll wie Brown Bird letztes Jahr, könnte aber noch was werden. Folk-Pop, hat mich stellenweise etwas an die seligen Dexys erinnert (wohl wegen der Geige). Leider ist der Schlagzeuger (optisch 1a Muppet Show) eindeutig zu laut und ballert oft die akustischen Instrumente zu. Und mit Flummi-Sängerin/Geigerin.

Aus unserem Archiv:

The Low Anthem, Wien, 18.08.10
The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10
The Low Anthem, Paris, 26.09.09
The Low Anthem, München, 15.09.09

Anmerkung: die tollen Fotos stammen von Robert Loerzel, Chicago, und sind urherberrechtlich geschützt.


The Low Anthem, Köln, 20.03.11


Konzert: The Low Anthem

Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 23.03.2011
Zuschauer: gut gefüllt, aber nicht eng, so ca. 300
Konzertdauer: 90 Minuten (30 Minuten The Head And The Heart)


Erst kürzlich habe ich zum Ausdruck gebracht, daß wir uns über Gastartikel, vor allem auch unaufgefordert zugesendete, sehr freuen. Nun überbringt uns der gute Uwe seine Eindrücke vom Konzert von The Low Anthem in Köln. Wir bedanken uns vielmals!

Konzertbericht von Uwe:

Nach dem Überkonzert im letzten Jahr war meine Erwartungshaltung natürlich - trotz aller Versuche den Ball flach zu halten - gigantisch groß. Aber das sind Low Anthem eben auch. Zwar konnten sie den Eindruck des letzten jahres diesmal nicht toppen, aber sie kamen schon ganz nah dran. Alles was man kennt und liebt war wieder da, Instrumente sogar noch mehr als beim letzten mal (wenn die so weiter machen enden sie als herumziehendes Instrumentenantiquariat). Einstieg wieder im Kreis ums Mikro mit "Ghost Woman Blues", aber schon recht früh wurde der Set gut durchmischt mit altem Material und Coverstücken. Und dazwischen alle Hits vom donnernden "Home I'll Never Be" bis zum hymnischen "This God Damn House" und wieder zurück zu "Boeing 737". Der Handytrick mutiert so langsam zum Rocky Horror Picture Kult, mittlerweile gibt es etliche die beim fröhlichen Rückkoppeln mitmachen. So richtig fest nach Setlist geht es nicht, besonders gegen Ende wurde das nächste Stück spontan ausdiskutiert. Sehr schön zum Schluss als alle schon ums Mikro standen und anfangen wollten, dann der Zwischenruf "Song Bird", Gelächter der Band. Nächster Zwischenruf "Ticket Taker". Ok, alle wieder weg, Instrumente wechseln und los, you get what you ask for.

Das Publikum war mehr als begeistert, donnernder Applaus und andächtige Stille wechselten sich ab. Zur Zugabe dann die Titelstücke der Alben hintereinander, zuerst "Smart Flesh" und danach "Charlie Darwin". Und dann war leider Schluss, der anhaltende Applaus wurde nach einigen Minuten mit Licht und Musik abgewürgt. Eine Band für die Ewigkeit - wie hat es ein Freund mal gesagt (bei einer anderen Band): Denen würde ich auch stundenlang beim Stimmen zuhören.

Etwas milde Kritik: Jeff klebte im ersten Teil des Sets hinterm Schlagzeug und kam erst sehr spät aus der Ecke zum Kontrabass. Ben spielt kein Schlagzeug mehr, vielleicht wollen sie dem kreativen Chaos langsam etwas gegensteuern (wobei Jocie und Matt das wohl verhindern werden). Sehr wenig Crotales (dafür jetzt auch Hackbrett). Nicht besonders toll abgemischter E-Bass. Aber: Das ist Jammern auf äußerst hohem Niveau!

Die Vorband (The Head And The Heart): Erstes Konzert auf der Tour mit LA, erstes Konzert in Europa, hypernervös. Aber ganz schön, kam nicht so toll wie Brown Bird letztes Jahr, könnte aber noch was werden. Folk-Pop, hat mich stellenweise etwas an die seligen Dexys erinnert (wohl wegen der Geige). Leider ist der Schlagzeuger (optisch 1a Muppet Show) eindeutig zu laut und ballert oft die akustischen Instrumente zu. Und mit Flummi-Sängerin/Geigerin.

Aus unserem Archiv:

The Low Anthem, Wien, 18.08.10
The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10
The Low Anthem, Paris, 26.09.09
The Low Anthem, München, 15.09.09

Anmerkung: die tollen Fotos stammen von Robert Loerzel, Chicago, und sind urherberrechtlich geschützt.


Beady Eye, Köln, 14.03.11


Konzert: Beady Eye
Ort: Ewerk, Köln
Datum: 14.03.2011
Zuschauer: ausverkauft


Zweiter Aufguss: Beady Eye in Köln
von Ursula von neulich als ich dachte

Einige leidenschaftliche Oasis-Fans erinnern mich daran, wie ich mir manche Fußballfans vorstelle: Statt des Fanschals trägt man ein Seidentuch, statt der Mannschaftsfahne einen Union Jack und statt Fangesängen grölt man „Wonderwall“ oder „Don’t look back in anger“ - selbstverständlich, nachdem man ausführlich vorgeglüht hat. Anders ist allein die England-Leidenschaft dieser Musik-Ultras (es gibt ja tatsächlich Oasis-Ultras): Sie tragen Fred Perry mit Parka oder irgendetwas Mod-mäßiges. Im Endeffekt sind sie aber meist nur dumme Deutsche, die lieber dumme Engländer wären.

So weit, so egal. Sollen sie doch ihren Spaß haben. Aber als wir uns anlässlich des Geburtstags meines Freundes (Oasis-Fan, Fußballfan, grölt trotzdem nur ganz selten) gestern Abend dem Kölner E-Werk näherten, wo ein Auftritt von Liam Gallaghers neuer Band Beady Eye stattfinden sollte, und wo bereits reichlich Fans nach dem Strickmuster des ersten Absatzes vorhanden waren, lag auch die Frage nahe: Sind diese Fans überhaupt am richtigen Ort? Wer weiß, vielleicht zieht der gute Liam ja gleich wieder ab, wenn er hört, wie hier die Songs seines verhassten Bruders gebrüllt werden?

Und wie ist das aus Fan-Sicht: Kann und darf man die aufgelöste Lieblingsband einfach so durch das Nachfolgeprojekt ersetzen? Obwohl das zunächst einzige Konzert der Band in Deutschland praktisch sofort ausverkauft war und Karten auf Ebay für bis zu 80 Euro die Besitzer wechselten, hatte es in den Tagen vor dem Auftritt einen rapiden Preisverfall gegeben, und wir hatten unsere Tickets eher zum „zwei für eins“-Tarif ergattert. Wollten die Deutschen nun Beady Eye unbedingt sehen oder nicht?

Los ging der Konzertabend aber mit jemand anderem, der mit einer anderen Band bekannt wurde: Die Vorband war Steve Cradock, Mitglied von Ocean Colour Scene und der Liveband von Paul Weller, außerdem Kumpel von Liam Gallagher (mit dem zusammen er „Carnation“ auf The Jam-Tribute Sampler aufgenommen hat). Er spielte Songs aus seinem demnächst erscheinenden zweiten Soloalbum sowie seiner ersten Platte „The Kundalini Target“ und zeigte, warum er als einer der besten Gitarristen Englands gilt, aber in einer solchen Liste über Sänger absolut fehl am Platze wäre. Gesanglich eher noch schwächer zeigte sich seine Frau an den Keyboards.

Dann war Herr Cradock auch schon wieder weg, und wir konnten durchaus angenehme „Wartemusik“ von den Beatles, The Who, The La’s und so weiter genießen. Sicher nicht zufällig kamen Beady Eye dann nach den letzten Tönen von „I am the Resurrection“ von den Stone Roses auf die Bühne, und das Konzert begann – wie früher auch bei Oasis üblich – mit einem Instrumentalstück.

Neben Liam Gallagher besteht Beady Eye aus den Oasis-Veteranen Gem Archer (Gitarre) und Andy Bell (Bass, Gitarre). Ergänzt wurden sie durch Chris Sharrock am Schlagzeug, live werden sie von Jeff Wootton und Matt Jones an Bass und Keyboards unterstützt.

Wie alle relativ neuen Bands haben Beady Eye bei ihrem Liveset nicht die Qual der Titelauswahl: Bis auf „Wigwam“ spielen sie einfach alle 13 Titel ihres Albums, dazu die beiden iTunes-Bonus Tracks („Man of Misery“und “Sons of the Stage“). Hinter der Band werden teils Bilder und Textauasschnitte aus dem schön gestalteten CD-Booklet, teils Lavalampenmuster an die Wand projiziert. Das Konzert dauert alles in allem etwa eine Stunde, und als Zugabe gibt es die Coverversion „Sons of the Stage“ von World of Twist - wer auch immer das sein mag.

Die Lieder klingen allesamt wie nicht wirklich schlechte, aber auch nicht sonderlich tolle Oasis- beziehungsweise auch gleich Beatles-Songs, und die Aufmerksamkeit des Publikums konzentriert sich auch wie früher – neue Band hin oder her – komplett auf Liam. Dieser verhält sich etwas freundlicher, aber grundsätzlich nicht wesentlich anders als zu Oasis-Zeiten: Die Helmfrisur sitzt, ebenso der Parka, den man aus Coolnessgründen natürlich nicht ablegen kann, auch wenn sich bereits außen die Schweißflecken absetzen - im Gegenteil setzt man in so einer Situation auch noch die Kapuze auf. Die Posen, nämlich das Singen in gebückter Haltung mit auf dem Rücken verschränkten Händen, das Ablaufen der Bühne und das regungslose am-Bühnenrand-stehen: Im Grunde könnten wir auch bei Oasis sein, nur wäre dann ein weiterer Gallagher auf der Bühne und die Songs besser.

Und das Publikum wäre enthusiastischer, denn irgendwie lässt die Begeisterung um uns herum im Laufe des Abends stark nach. Es gibt zwar Grölgesänge mit „Beady Fucking Eye“, aber der allgemeine Applaus wird von Lied zu Lied leiser, und das Zugabengebrüll ist schließlich so zaghaft, dass wir uns über die Rückkehr der Band regelrecht wundern. Letztlich bleibt als Nachgeschmack, dass eine Band mit nur einem Gallagher eben auch nur halb so gut ist. Maximal.

Setlist Beady Eye, Ewerk, Köln:

01: Four Letter Word
02: Beatles and Stones
03: Millionaire
04: For Anyone
05: The Roller
06: Wind Up Dream
07: Bring the Light
08: Standing on the Edge of the Noise
09: Kill for a Dream
10: Three Ring Circus
11: Man of Misery
12: The Beat Goes On
13: The Morning Son

14: Sons of the Stage (World of Twist Cover) (Z)

Links:

- Beady Eye bei Pretty Paracetamol
- Oasis (Auflösung), Paris, 28.08.09
- Oasis, Düsseldorf, 04.02.09
- Oasis, Paris, 10.11.08
- Fotos von Dirk von Platten vor Gericht

Beady Eye, Köln, 14.03.11


Konzert: Beady Eye
Ort: Ewerk, Köln
Datum: 14.03.2011
Zuschauer: ausverkauft


Zweiter Aufguss: Beady Eye in Köln
von Ursula von neulich als ich dachte

Einige leidenschaftliche Oasis-Fans erinnern mich daran, wie ich mir manche Fußballfans vorstelle: Statt des Fanschals trägt man ein Seidentuch, statt der Mannschaftsfahne einen Union Jack und statt Fangesängen grölt man „Wonderwall“ oder „Don’t look back in anger“ - selbstverständlich, nachdem man ausführlich vorgeglüht hat. Anders ist allein die England-Leidenschaft dieser Musik-Ultras (es gibt ja tatsächlich Oasis-Ultras): Sie tragen Fred Perry mit Parka oder irgendetwas Mod-mäßiges. Im Endeffekt sind sie aber meist nur dumme Deutsche, die lieber dumme Engländer wären.

So weit, so egal. Sollen sie doch ihren Spaß haben. Aber als wir uns anlässlich des Geburtstags meines Freundes (Oasis-Fan, Fußballfan, grölt trotzdem nur ganz selten) gestern Abend dem Kölner E-Werk näherten, wo ein Auftritt von Liam Gallaghers neuer Band Beady Eye stattfinden sollte, und wo bereits reichlich Fans nach dem Strickmuster des ersten Absatzes vorhanden waren, lag auch die Frage nahe: Sind diese Fans überhaupt am richtigen Ort? Wer weiß, vielleicht zieht der gute Liam ja gleich wieder ab, wenn er hört, wie hier die Songs seines verhassten Bruders gebrüllt werden?

Und wie ist das aus Fan-Sicht: Kann und darf man die aufgelöste Lieblingsband einfach so durch das Nachfolgeprojekt ersetzen? Obwohl das zunächst einzige Konzert der Band in Deutschland praktisch sofort ausverkauft war und Karten auf Ebay für bis zu 80 Euro die Besitzer wechselten, hatte es in den Tagen vor dem Auftritt einen rapiden Preisverfall gegeben, und wir hatten unsere Tickets eher zum „zwei für eins“-Tarif ergattert. Wollten die Deutschen nun Beady Eye unbedingt sehen oder nicht?

Los ging der Konzertabend aber mit jemand anderem, der mit einer anderen Band bekannt wurde: Die Vorband war Steve Cradock, Mitglied von Ocean Colour Scene und der Liveband von Paul Weller, außerdem Kumpel von Liam Gallagher (mit dem zusammen er „Carnation“ auf The Jam-Tribute Sampler aufgenommen hat). Er spielte Songs aus seinem demnächst erscheinenden zweiten Soloalbum sowie seiner ersten Platte „The Kundalini Target“ und zeigte, warum er als einer der besten Gitarristen Englands gilt, aber in einer solchen Liste über Sänger absolut fehl am Platze wäre. Gesanglich eher noch schwächer zeigte sich seine Frau an den Keyboards.

Dann war Herr Cradock auch schon wieder weg, und wir konnten durchaus angenehme „Wartemusik“ von den Beatles, The Who, The La’s und so weiter genießen. Sicher nicht zufällig kamen Beady Eye dann nach den letzten Tönen von „I am the Resurrection“ von den Stone Roses auf die Bühne, und das Konzert begann – wie früher auch bei Oasis üblich – mit einem Instrumentalstück.

Neben Liam Gallagher besteht Beady Eye aus den Oasis-Veteranen Gem Archer (Gitarre) und Andy Bell (Bass, Gitarre). Ergänzt wurden sie durch Chris Sharrock am Schlagzeug, live werden sie von Jeff Wootton und Matt Jones an Bass und Keyboards unterstützt.

Wie alle relativ neuen Bands haben Beady Eye bei ihrem Liveset nicht die Qual der Titelauswahl: Bis auf „Wigwam“ spielen sie einfach alle 13 Titel ihres Albums, dazu die beiden iTunes-Bonus Tracks („Man of Misery“und “Sons of the Stage“). Hinter der Band werden teils Bilder und Textauasschnitte aus dem schön gestalteten CD-Booklet, teils Lavalampenmuster an die Wand projiziert. Das Konzert dauert alles in allem etwa eine Stunde, und als Zugabe gibt es die Coverversion „Sons of the Stage“ von World of Twist - wer auch immer das sein mag.

Die Lieder klingen allesamt wie nicht wirklich schlechte, aber auch nicht sonderlich tolle Oasis- beziehungsweise auch gleich Beatles-Songs, und die Aufmerksamkeit des Publikums konzentriert sich auch wie früher – neue Band hin oder her – komplett auf Liam. Dieser verhält sich etwas freundlicher, aber grundsätzlich nicht wesentlich anders als zu Oasis-Zeiten: Die Helmfrisur sitzt, ebenso der Parka, den man aus Coolnessgründen natürlich nicht ablegen kann, auch wenn sich bereits außen die Schweißflecken absetzen - im Gegenteil setzt man in so einer Situation auch noch die Kapuze auf. Die Posen, nämlich das Singen in gebückter Haltung mit auf dem Rücken verschränkten Händen, das Ablaufen der Bühne und das regungslose am-Bühnenrand-stehen: Im Grunde könnten wir auch bei Oasis sein, nur wäre dann ein weiterer Gallagher auf der Bühne und die Songs besser.

Und das Publikum wäre enthusiastischer, denn irgendwie lässt die Begeisterung um uns herum im Laufe des Abends stark nach. Es gibt zwar Grölgesänge mit „Beady Fucking Eye“, aber der allgemeine Applaus wird von Lied zu Lied leiser, und das Zugabengebrüll ist schließlich so zaghaft, dass wir uns über die Rückkehr der Band regelrecht wundern. Letztlich bleibt als Nachgeschmack, dass eine Band mit nur einem Gallagher eben auch nur halb so gut ist. Maximal.

Setlist Beady Eye, Ewerk, Köln:

01: Four Letter Word
02: Beatles and Stones
03: Millionaire
04: For Anyone
05: The Roller
06: Wind Up Dream
07: Bring the Light
08: Standing on the Edge of the Noise
09: Kill for a Dream
10: Three Ring Circus
11: Man of Misery
12: The Beat Goes On
13: The Morning Son

14: Sons of the Stage (World of Twist Cover) (Z)

Links:

- Beady Eye bei Pretty Paracetamol
- Oasis (Auflösung), Paris, 28.08.09
- Oasis, Düsseldorf, 04.02.09
- Oasis, Paris, 10.11.08
- Fotos von Dirk von Platten vor Gericht

Mogwai, Köln, 14.03.11


Konzert: Mogwai
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 14.03.2011
Zuschauer: deutlich mehr als erwartet, aber nicht ganz ausverkauft
Dauer: Mogwai 90 min, RM Hubbert lange 40 min


Wahnsinnig viel Lust auf dieses Konzert hatte ich nicht mehr, ich war nämlich beleidigt, daß Mogwai vom zunächst angesetzten Bürgerhaus Stollwerck in die immer weniger gemochte Live Music Hall verlegt worden waren. Und das nicht etwa, weil das (schöne) Stollwerck ausverkauft gewesen wäre, die LMH wurde einfach frei, denn Beady Eye wurden (Überraschung!) zu groß für die und zogen ins Ewerk. Als dann noch das Angebot kam, Efterklang stattdessen zu sehen, war ich fast so weit. Am Ende siegte aber die Neugier auf mein erstes Mogwai Konzert, und auf die Frage, ob es mir leichter fiele als meinem Blogger-Kollegen Oliver, nach dem Konzert einzuschätzen, wie Mogwai sich live geschlagen haben.

Komplizierter Satz - einfache Antwort: nein, das fällt mir nicht leicht.

Ich weiche dem aber zunächst noch etwas aus. Als wir in der Halle ankamen, war sie schon voller als gedacht und befürchtet. Wir fanden trotzdem weit vorne noch Platz, genau rechtzeitig, um das Vorprogramm von Beginn an zu erleben. RM Hubbert, ein Gitarrist aus Glasgow, setzte sich auf einen Stuhl und begann, instrumentale Akustikgitarrestücke zu spielen. Die Lieder klangen sehr spanisch, RM klopfte immer wieder auf sein Instrument, zupfte zum Teil atemberaubend schnell und wäre in jedem Flamenco- oder Salsa-Laden begeistert aufgenommen worden. Ich mache mir nichts aus spanischer Gitarrenmusik und langweilte mich wahnsinnig. Einzig mein Wunsch, nicht nach jedem Lied Olé zu brüllen, hielt mich wach. RM redete viel in wunderbaren schottischen Singsang, er erzählte oft, um was es in den Liedern gehe (da fehlt mir bei Instrumentalstücken leider die Phantasie - die sind schön oder nicht schön, die handeln aber von nichts). Mal erzählte er stumm von seinem Hund, mal arbeitete er in einem Lied den frühen Tod seiner Eltern auf. Das wirkte zwischen den Liedern sympathisch, manchmal rührend (wenn er zum Beispiel erklärte, daß das Publikum eigentlich sein Therapeut sei, er als Schotte diese günstige Art der Therapie liebe). Aber es war leider zwischen den Ansagen so unendlich langweilig und unpassend.

Es wurde zehn nach zehn, bis Mogwai schließlich auf die Bühne gingen. Die Schotten haben bekanntlich vor ein paar Wochen ihr neues Album mit dem tollen Titel Hardcore will never die, but you will veröffentlich und dafür gute Noten geerntet.

Mit dessen Opener White noise begann der Abend. White noise ist recht schnell und enorm melodisch und damit nicht untypisch für die Stücke des neuen Albums. How to be a werewolf ist weiteres gutes Beispiel für die flotten Mogwai Melodien auf Hardcore will never die... Oder San Pedro, das durchaus auch von den Thermals stammen könnte (die machen ja mittlerweile auch solche Balladen). Die drei gefielen mir von den neuen Stücken gestern am besten - bis gegen Ende You're Lionel Ritchie noch einmal richtig punktete.

Mogwai spielten vom neuen Album immerhin sieben Titel. Der Rest des Programms wurde mit Stücken aller früheren Platten mit Ausnahme des Debüts bestritten.

Live sehen Mogwai wie die meisten anderen Postrockbands
aus: mehr oder weniger zappelnde Gitarristen, manchmal auf dem Boden hockend und an den Effekten spielend, mehr passiert nicht. Von einer Bühnenshow zu sprechen, ist also verwegen. Abwechslungen bestanden ausschließlich darin, daß mal mehr (maximal drei) und mal weniger (einer) Gitarristen spielten. Oder ab und zu eine Geige eingesetzt wird. Man kann ein Mogwai Konzert also sicher auch mit geschlossenen Augen oder mit einem guten Buch, in der Ecke sitzend genießen, ohne zu viel zu versäumen; präsent wäre die Musik alleine schon wegen ihrer meist infernalischen Lautstärke.

So viel zur Beschreibung.

Auch wenn ich mit dieser Meinung vermutlich sehr alleine stehe und ordentlich Gegenwind bekomme, restlos überzeugt hat mich der Abend nicht. Und damit meine ich natürlich nicht die kleinen Pannen, die Verspieler, das verpatzte Ende eines Stücks oder die Probleme, die zum schnellen Abbruch der ersten Zugabe Auto rock geführt haben. Das ist alles vollkommen in Ordnung. Was mir fehlte, besonders im Vergleich zu den japanischen Mono, war das Gefühl, von dieser lauten Instrumentalmusik vollkommen gefesselt zu werden, begeistert und mit offenem Mund am Rand zu stehen. Ob es nur an der Halle, den 200 Konzerten, die zwischen Mono und Mogwai lagen oder meiner Müdigkeit lag, bezweifele ich. Auf Platte mag ich Mogwai lieber als Mono, live war es deutlich umgekehrt. Die Gründe dafür sind letztenendes egal, wie so oft entscheidet das Bauchgefühl und das urteilte während und nach der Show, daß es ein gutes, vielmehr ein solides Konzert war. Und daß Mogwai ganz sicher nicht meine liebste Liveband sind, ich mir aber vornehme, ihre Platten viel öfter zu hören, weil die schließlich großartig sind.


Setlist Mogwai, Live Music Hall, Köln:

01: White noise
02: Rano Pano
03: Letters to the Metro
04: Killing all the flies
05: I know you are but what am I?
06: How to be a werewolf
07: San Pedro
08: I'm Jim Morrison, I'm dead
09: George Square Thatcher death party
10: You're Lionel Ritchie
11: 2 rights make 1 wrong
12: Bat cat

13: Auto rock (abgebrochen) (Z)
14: Hunted by a freak (Z)
15: Christmas steps (Z)

Links und Fotos gleich!