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The Thermals, Köln, 03.04.11


Konzert: The Thermals
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 03.04.2011
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: The Thermals knapp 70 min, The Coathangers 40 min


Sehr viel besser kann ein Konzertabend wirklich nicht sein!

Vor knapp zwei Jahren waren die Thermals zuletzt in Deutschland, die aktuelle Tour promotet Personal life, das mittlerweile fünfte Album der Band, das im vergangenen September erschienen ist. Im Gebäude 9 war das Trio aus Portland bereits mehrfach, ausverkauft war es allerdings vermutlich bisher noch nicht. Trotz der halbjährigen Lücke zwischen Albumveröffentlichung und Tour locken die Thermals also auch ordentlich Publikum an, es hat sich eben herumgesprochen, daß die Truppe ganz hervorragende Konzerte spielt.

Von der Vorgruppe The Coathangers aus Atlanta kannte ich bisher nichts außer dem Namen. Vielleicht hätte ich mir deren Auftritt nach kurzem Reinhören auch geschenkt, ich hätte dadurch 40 hochunerhaltsame Minuten verpasst! The Coathangers sind Julia Kugel (hellblaue Gitarre), Stephanie Luke (Schlagzeug), Meredith Franco (Bass) und Candice Jones (Keyboard). Extravagant sah zunächst nur Schlagzeugerin Stephanie aus. Mit halbrasiertem Kopf und vielen bunten Bildern auf dem Körper wirkte sie einschüchternd. Dagegen sahen die anderen drei sehr brav aus. Das änderte sich aber schnell, spätestens, als Julia (geringeltes Oberteil) beim ersten Stück in ihr Mikro brüllte, als gelte es, jemandem auf der anderen Rheinseite um Hilfe zu rufen. Die Gesangsparts wechselten nach und nach (nur Keyboarderin Candice sang nie erste Stimme), der Stil des Gesangs blieb allerdings gleich, die jeweilige Sängerin brüllte sich das Zwerchfell aus dem Leib!

Die punkige Melodien der Südstaatlerinnen gefielen mir sehr gut, insbesondere ein sehr langes Stück in der Mitte. Den Geschrei würde ich auf Platte vermutlich nicht gut ertragen, live waren die Lieder toll, die Band unterhielt mich hervorragend! Manchmal sang Julia mit breitem Tremolo und glich damit stimmlich Dead Kennedys Sänger Jello Biafra, mal hörten sich Lieder in wenig nach einer punkigen Version der Dresden Dolls (Cabaret-Punk), mal wegen der Keyboard Melodien nach Saloon-Punk. Zwischen den Stücken schnauzten sich die vier Musikerinnen mal an, lachten viel und schienen zufrieden. Nicht zu unrecht, der Auftritt war nämlich sehr kurzweilig und unterhaltsam. Manchmal müssen potentielle Lieblingsbands offenbar nicht mal Musik machen, die ich auf Platte gerne haben wollte.

Die Thermals sind schnell erzählt: 70 Minuten, 23 Hits, also alles wie immer. Allerdings gab es einen gravierenden Unterschied zu früher: auf ihrer aktuellen Platte haben Kathy, Hutch und Westin zwei neue Stilmittel entdeckt, die Ballade und das mehr als 3:00 Minuten lange Lied (wobei die Länge Folge des Tempos ist). Da für die Thermals die einfache, oft überprüfte Formel "nur Hits!" gilt, sind auch Not like any other feeling oder Never listen to me echte Knüller, obwohl sie eindeutige Vertreter der Kuschelrock-Phase der Amerikaner sind. Konzerte erlauben jetzt also auch eine gewisse Dramartugie. Vor den Balladen jagte das Trio zwanzig, fünfundzwanzig schnelle Nummern raus, heute konnte zwischendurch kurz der Fuß vom Gas genommen werden, weil die beiden langsamen Neulinge nacheinander kamen.

Von Personal life hatten es einige Lieder ins Set geschafft, allerdings merkte man, daß die Veröffentlichung schon eine Weile zurückliegt, es dominierte nämlich eindeutig älteres Material.

Obwohl das Gebäude 9 ausverkauft war, war es vorne sehr angenehm. Es drängelte sich nichts und in der Mitte war genug Platz fürs pogende Volk. Ab dem dritten Lied wurde heftig getanzt, die Stimmung war ganz ausgezeichnet, aber das ist natürlich auch nicht schwer zu erreichen, wenn man das Repertoire der Thermals hat.

Neben den Mitgröhlhymnen Now we can see und Your love is so strong (vom neuen
Album) kam Here's your future besonders gut an und war mein Liebling des Abends. Dabei fiel mir auch zum ersten Mal auf, daß die Coathangers hinter der Bühne rechts hockten und kräftig mitgingen. Man konnte immer mal wieder winkende und schunkelnde Arme sehen, die Mädels hatten nicht nur an ihrem Auftritt viel Spaß.

Wer zu den Thermals geht, erwartet keinen feinsinnigen Abend wie bei Bands die deutlich mehr arty sind (Beach House zum Beispiel, deren ausgezeichnetes letztes Album in den Pausen lief). Aber das schmälert die Qualität des Konzerts in keiner Weise, die Thermals sind eine der besten Livebands, die ich bisher erlebt habe. Die neue Tiefe, die die Balladen mit sich bringen, schadet dem Spaß in keiner
Weise, im Gegenteil zählt Never listen to me auch live zu meinen Lieblingen.

Daß diese Live- (und Studio) Qualitäten so honoriert werden, gefällt mir. Und solchen (angenehmen) ausverkauften Shows der drei möchte ich noch sehr sehr oft sehen, sie zählen nämlich immer sicher zu den besten Konzerten des Jahres. My love is so strong, liebe Thermals!

Setlist The Thermals, Gebäude 9, Köln:

01: Time to lose
02: Returning to the fold
03: I don't believe you
04: It's trivia
05: Brace and break
06: We were sick
07: I let it go
08: Our trip
09: Every stitch
10: Not like any other feeling
11: Never listen to me
12: Here's your future
13: I might need for you to kill
14: An ear for baby
15: A stare like yours
16: Power lies
17: Your love is so strong
18: St. Rosa
19: How we know
20: Overgrown, overblown!
21: Now we can see
22: Pillar of salt

23: Back to gray (Z)
24: No culture icons (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06
- mehr Fotos

Termine:

05.04.11 Evreux, L'Abordage
06.04.11 Paris, La Maroquinerie
07.04.11 Lyon-Oullins, Le Clacson
09.04.11 Marmande, Garorock Festival
11.04.11 Aarau, Kiff
12.04.11 Munich, Hansa 39
13.04.11 Wien, Flex
14.04.11 Nuernberg, K4 Festsaal
15.04.11 Frankfurt, Sinkkasten


The Thermals, Köln, 03.04.11


Konzert: The Thermals
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 03.04.2011
Zuschauer: ausverkauft
Dauer: The Thermals knapp 70 min, The Coathangers 40 min


Sehr viel besser kann ein Konzertabend wirklich nicht sein!

Vor knapp zwei Jahren waren die Thermals zuletzt in Deutschland, die aktuelle Tour promotet Personal life, das mittlerweile fünfte Album der Band, das im vergangenen September erschienen ist. Im Gebäude 9 war das Trio aus Portland bereits mehrfach, ausverkauft war es allerdings vermutlich bisher noch nicht. Trotz der halbjährigen Lücke zwischen Albumveröffentlichung und Tour locken die Thermals also auch ordentlich Publikum an, es hat sich eben herumgesprochen, daß die Truppe ganz hervorragende Konzerte spielt.

Von der Vorgruppe The Coathangers aus Atlanta kannte ich bisher nichts außer dem Namen. Vielleicht hätte ich mir deren Auftritt nach kurzem Reinhören auch geschenkt, ich hätte dadurch 40 hochunerhaltsame Minuten verpasst! The Coathangers sind Julia Kugel (hellblaue Gitarre), Stephanie Luke (Schlagzeug), Meredith Franco (Bass) und Candice Jones (Keyboard). Extravagant sah zunächst nur Schlagzeugerin Stephanie aus. Mit halbrasiertem Kopf und vielen bunten Bildern auf dem Körper wirkte sie einschüchternd. Dagegen sahen die anderen drei sehr brav aus. Das änderte sich aber schnell, spätestens, als Julia (geringeltes Oberteil) beim ersten Stück in ihr Mikro brüllte, als gelte es, jemandem auf der anderen Rheinseite um Hilfe zu rufen. Die Gesangsparts wechselten nach und nach (nur Keyboarderin Candice sang nie erste Stimme), der Stil des Gesangs blieb allerdings gleich, die jeweilige Sängerin brüllte sich das Zwerchfell aus dem Leib!

Die punkige Melodien der Südstaatlerinnen gefielen mir sehr gut, insbesondere ein sehr langes Stück in der Mitte. Den Geschrei würde ich auf Platte vermutlich nicht gut ertragen, live waren die Lieder toll, die Band unterhielt mich hervorragend! Manchmal sang Julia mit breitem Tremolo und glich damit stimmlich Dead Kennedys Sänger Jello Biafra, mal hörten sich Lieder in wenig nach einer punkigen Version der Dresden Dolls (Cabaret-Punk), mal wegen der Keyboard Melodien nach Saloon-Punk. Zwischen den Stücken schnauzten sich die vier Musikerinnen mal an, lachten viel und schienen zufrieden. Nicht zu unrecht, der Auftritt war nämlich sehr kurzweilig und unterhaltsam. Manchmal müssen potentielle Lieblingsbands offenbar nicht mal Musik machen, die ich auf Platte gerne haben wollte.

Die Thermals sind schnell erzählt: 70 Minuten, 23 Hits, also alles wie immer. Allerdings gab es einen gravierenden Unterschied zu früher: auf ihrer aktuellen Platte haben Kathy, Hutch und Westin zwei neue Stilmittel entdeckt, die Ballade und das mehr als 3:00 Minuten lange Lied (wobei die Länge Folge des Tempos ist). Da für die Thermals die einfache, oft überprüfte Formel "nur Hits!" gilt, sind auch Not like any other feeling oder Never listen to me echte Knüller, obwohl sie eindeutige Vertreter der Kuschelrock-Phase der Amerikaner sind. Konzerte erlauben jetzt also auch eine gewisse Dramartugie. Vor den Balladen jagte das Trio zwanzig, fünfundzwanzig schnelle Nummern raus, heute konnte zwischendurch kurz der Fuß vom Gas genommen werden, weil die beiden langsamen Neulinge nacheinander kamen.

Von Personal life hatten es einige Lieder ins Set geschafft, allerdings merkte man, daß die Veröffentlichung schon eine Weile zurückliegt, es dominierte nämlich eindeutig älteres Material.

Obwohl das Gebäude 9 ausverkauft war, war es vorne sehr angenehm. Es drängelte sich nichts und in der Mitte war genug Platz fürs pogende Volk. Ab dem dritten Lied wurde heftig getanzt, die Stimmung war ganz ausgezeichnet, aber das ist natürlich auch nicht schwer zu erreichen, wenn man das Repertoire der Thermals hat.

Neben den Mitgröhlhymnen Now we can see und Your love is so strong (vom neuen
Album) kam Here's your future besonders gut an und war mein Liebling des Abends. Dabei fiel mir auch zum ersten Mal auf, daß die Coathangers hinter der Bühne rechts hockten und kräftig mitgingen. Man konnte immer mal wieder winkende und schunkelnde Arme sehen, die Mädels hatten nicht nur an ihrem Auftritt viel Spaß.

Wer zu den Thermals geht, erwartet keinen feinsinnigen Abend wie bei Bands die deutlich mehr arty sind (Beach House zum Beispiel, deren ausgezeichnetes letztes Album in den Pausen lief). Aber das schmälert die Qualität des Konzerts in keiner Weise, die Thermals sind eine der besten Livebands, die ich bisher erlebt habe. Die neue Tiefe, die die Balladen mit sich bringen, schadet dem Spaß in keiner
Weise, im Gegenteil zählt Never listen to me auch live zu meinen Lieblingen.

Daß diese Live- (und Studio) Qualitäten so honoriert werden, gefällt mir. Und solchen (angenehmen) ausverkauften Shows der drei möchte ich noch sehr sehr oft sehen, sie zählen nämlich immer sicher zu den besten Konzerten des Jahres. My love is so strong, liebe Thermals!

Setlist The Thermals, Gebäude 9, Köln:

01: Time to lose
02: Returning to the fold
03: I don't believe you
04: It's trivia
05: Brace and break
06: We were sick
07: I let it go
08: Our trip
09: Every stitch
10: Not like any other feeling
11: Never listen to me
12: Here's your future
13: I might need for you to kill
14: An ear for baby
15: A stare like yours
16: Power lies
17: Your love is so strong
18: St. Rosa
19: How we know
20: Overgrown, overblown!
21: Now we can see
22: Pillar of salt

23: Back to gray (Z)
24: No culture icons (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Thermals, Bochum, 23.10.09
- The Thermals, Haldern, 15.08.09
- The Thermals, Berlin, 08.08.09
- The Thermals, Rüsselsheim, 21.07.07
- The Thermals, Köln, 19.12.06
- The Thermals, Paris, 02.12.06
- mehr Fotos

Termine:

05.04.11 Evreux, L'Abordage
06.04.11 Paris, La Maroquinerie
07.04.11 Lyon-Oullins, Le Clacson
09.04.11 Marmande, Garorock Festival
11.04.11 Aarau, Kiff
12.04.11 Munich, Hansa 39
13.04.11 Wien, Flex
14.04.11 Nuernberg, K4 Festsaal
15.04.11 Frankfurt, Sinkkasten


Esben and the Witch, Köln, 13.02.11


Konzert: Esben and the Witch
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 13.02.2011
Zuschauer: sehr gut gefüllt
Dauer: Esben and the Witch 50 min., Vorgruppe zu lange


Vor zwei Wochen erschien das Debütalbum des Brightoner Trios Esben and the Witch auf Matador. In Haldern hatte ich keine Gelegenheit, die Band zu sehen, weil sie im Zelt spielte und ich das im vergangenen Jahre mied, um mich nicht über Schlangen und dämliche Wartereien ärgern zu müssen. Also war erst heute meine erste Berührung mit den wichtigsten Vertretern des Genres Nightmare Pop, so jedenfalls nennen die Engländer ihren Stil. Hätte ich mich vorher noch weniger mit ihnen beschäftigt, hätte ich schon beim Annähern ans Gebäude 9 gedacht, die Band spiele bereits, Nightmare Rock (eher) könnte nämlich auch eine gute Beschreibung der Musik sein, die da um neun begonnen hatte. Da das aber weder düster war, noch einem Hype entsprechend ankam, musste es sich um eine nicht angekündigte Vorgruppe handeln.

Soul Irgendwas hießen die Kölner wohl, ich habe es nicht richtig verstanden; den Grund, warum sie vorher aufgeboten wurden, übrigens auch nicht. Die ersten beiden Lieder klangen nach den Soundtracks der ersten Schimanski Tatorte (Chris Norman und andere Unmusiker), dann brüllte jemand aus dem Publikum "viel schneller!" nach vorne, der Sänger griff das auf und versprach, es würde jetzt schneller. Die Geister, die er rief... Es wurde nicht unbedingt schneller, es wurde fieser, es folgte ironiefreier, seelenloser 70er Jahre Gitarrenrock. Solche Musik hat sicher ihre Berechtigung, es gehen ja auch Leute zu Nickelback oder den Scorpions, aber sie passt doch bitteschön nicht ins Gebäude 9 vor Indiepublikum. Im Zelt einer Eifeldisko kommen die großen Rockgesten sicher prima an, vor Leuten, die auch jenseits der Kirmes Konzerte sehen, wirkt so etwas albern. Wenn mein Patenkind mit seiner elektrischen Pappgitarre, die es Weihnachten gab, Rockstar spielt, macht er exakt die Posen, die vier Erwachsene da fabriziert haben.

Aber weil die Vorgruppe aus Köln stammt und bestimmt furchtbar nett ist, will ich mal nicht zu gemein werden.


In der Pause wunderten wir uns dann darüber, daß restlos alles, was auf der Bühne gestanden hatte, abgebaut wurde, einschließlich des sagenhaft großen und aufwendigen Schlagzeugs. Nur zwei Laternen, die rechts und links davon geleuchtet hatten, blieben. Esben and the Witch brauchen trotzdem nicht furchtbar viel Aufbau, lernte ich in der sympathisch kurzen Umbauphase. Drei Mikros, ein Keyboard, eine Trommel in der Mitte und viele Gitarreneffekte links, mehr nicht.

Esben and the Witch sind die beiden Gitarristen Thomas Fisher und Daniel Copeman und Sängerin und Trommlerin Rachel Davies.

Live klingen Esben and the witch deutlich düsterer als auf Platte. Das kann gut sein, wie bei I Like Trains zum Beispiel, heute bedauerte ich es, weil düsterer in erster Linie bedeutete, daß es weit weniger klar klang, die Lieder hörten sich matter an, deutlich matter. So wie das Licht so runtergedimmt war, daß man die Musiker kaum einmal wirklich erkennen konnten, schienen auch die Stücke gedämpft zu sein.

Dieses Matte führte dazu, daß die monotonen Phasen, die es auf Platte gibt, verstärkt wurden, es wurde manchmal ziemlich ereignislos eintönig. Natürlich ist Eintönigkeit nicht direkt langweilig, The xx machen gelangweilt klingend fabelhafte Livemusik. Bei Esben and the Witch fehlte mir aber das ein oder andere Mal der Pepp.

Aber es war trotzdem kein schlechtes Konzert. Die minimalistischen Lieder der Band sind dafür zu gut. Minimalistisch bezieht sich dabei auf den Klang der Stücke, nicht auf ihre Struktur, denn die ist vielfach komplex, hat Melodien, die sich
immer wieder ändern. Dabei sind die vorher erwähnten xx keine gute Referenz, weil deren treibenden Rhythmen viel neuer klingen. Esben and the Witch erinnern mich in ihren besten Momenten an Siouxsie & the Banshees und in den glücklicherweise extrem seltenen schlechten an Evanescence.

Daß Soundeffekte auch live eine große Rolle spielen würde, hatte ich erwartet. Der
linke Gitarrist (ich weiß leider nicht, wer von beiden das war) spielte dann auch dauern an seinen Effekten und wurde zwischen den Stücken manchmal herrlich hektisch, rannte hin und her, weil er irgendeinen Regler noch verändern musste. Gegen Ende des Sets zog er einen Kopfhörer auf, den er dann auch beim folgenden Stück trug, als Gitarrist auch eher ungewöhnlich. Am schönsten waren aber die Stücke, die er auf unverstärkter Gitarre spielte. Sein Instrument war kaum auszumachen, es schien ihn aber nicht nervös zu machen, war also offenbar keine Panne sondern ein gewollter Effekt - herrlich! Vielleicht wäre das auch ein Stilmittel für die Vorgruppe.

Setlist Esben and the Witch, Gebäude 9, Köln:

01: Argyria
02: Marching song
03: Chorea
04: Hexagons IV
05: Marine fields glow
06: Lucia, at the precipice
07: Warpath
08: Battlecry/Mimicry
09: Eumenides

10: Swans (Z)


Esben and the Witch, Köln, 13.02.11


Konzert: Esben and the Witch
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 13.02.2011
Zuschauer: sehr gut gefüllt
Dauer: Esben and the Witch 50 min., Vorgruppe zu lange


Vor zwei Wochen erschien das Debütalbum des Brightoner Trios Esben and the Witch auf Matador. In Haldern hatte ich keine Gelegenheit, die Band zu sehen, weil sie im Zelt spielte und ich das im vergangenen Jahre mied, um mich nicht über Schlangen und dämliche Wartereien ärgern zu müssen. Also war erst heute meine erste Berührung mit den wichtigsten Vertretern des Genres Nightmare Pop, so jedenfalls nennen die Engländer ihren Stil. Hätte ich mich vorher noch weniger mit ihnen beschäftigt, hätte ich schon beim Annähern ans Gebäude 9 gedacht, die Band spiele bereits, Nightmare Rock (eher) könnte nämlich auch eine gute Beschreibung der Musik sein, die da um neun begonnen hatte. Da das aber weder düster war, noch einem Hype entsprechend ankam, musste es sich um eine nicht angekündigte Vorgruppe handeln.

Soul Irgendwas hießen die Kölner wohl, ich habe es nicht richtig verstanden; den Grund, warum sie vorher aufgeboten wurden, übrigens auch nicht. Die ersten beiden Lieder klangen nach den Soundtracks der ersten Schimanski Tatorte (Chris Norman und andere Unmusiker), dann brüllte jemand aus dem Publikum "viel schneller!" nach vorne, der Sänger griff das auf und versprach, es würde jetzt schneller. Die Geister, die er rief... Es wurde nicht unbedingt schneller, es wurde fieser, es folgte ironiefreier, seelenloser 70er Jahre Gitarrenrock. Solche Musik hat sicher ihre Berechtigung, es gehen ja auch Leute zu Nickelback oder den Scorpions, aber sie passt doch bitteschön nicht ins Gebäude 9 vor Indiepublikum. Im Zelt einer Eifeldisko kommen die großen Rockgesten sicher prima an, vor Leuten, die auch jenseits der Kirmes Konzerte sehen, wirkt so etwas albern. Wenn mein Patenkind mit seiner elektrischen Pappgitarre, die es Weihnachten gab, Rockstar spielt, macht er exakt die Posen, die vier Erwachsene da fabriziert haben.

Aber weil die Vorgruppe aus Köln stammt und bestimmt furchtbar nett ist, will ich mal nicht zu gemein werden.


In der Pause wunderten wir uns dann darüber, daß restlos alles, was auf der Bühne gestanden hatte, abgebaut wurde, einschließlich des sagenhaft großen und aufwendigen Schlagzeugs. Nur zwei Laternen, die rechts und links davon geleuchtet hatten, blieben. Esben and the Witch brauchen trotzdem nicht furchtbar viel Aufbau, lernte ich in der sympathisch kurzen Umbauphase. Drei Mikros, ein Keyboard, eine Trommel in der Mitte und viele Gitarreneffekte links, mehr nicht.

Esben and the Witch sind die beiden Gitarristen Thomas Fisher und Daniel Copeman und Sängerin und Trommlerin Rachel Davies.

Live klingen Esben and the witch deutlich düsterer als auf Platte. Das kann gut sein, wie bei I Like Trains zum Beispiel, heute bedauerte ich es, weil düsterer in erster Linie bedeutete, daß es weit weniger klar klang, die Lieder hörten sich matter an, deutlich matter. So wie das Licht so runtergedimmt war, daß man die Musiker kaum einmal wirklich erkennen konnten, schienen auch die Stücke gedämpft zu sein.

Dieses Matte führte dazu, daß die monotonen Phasen, die es auf Platte gibt, verstärkt wurden, es wurde manchmal ziemlich ereignislos eintönig. Natürlich ist Eintönigkeit nicht direkt langweilig, The xx machen gelangweilt klingend fabelhafte Livemusik. Bei Esben and the Witch fehlte mir aber das ein oder andere Mal der Pepp.

Aber es war trotzdem kein schlechtes Konzert. Die minimalistischen Lieder der Band sind dafür zu gut. Minimalistisch bezieht sich dabei auf den Klang der Stücke, nicht auf ihre Struktur, denn die ist vielfach komplex, hat Melodien, die sich
immer wieder ändern. Dabei sind die vorher erwähnten xx keine gute Referenz, weil deren treibenden Rhythmen viel neuer klingen. Esben and the Witch erinnern mich in ihren besten Momenten an Siouxsie & the Banshees und in den glücklicherweise extrem seltenen schlechten an Evanescence.

Daß Soundeffekte auch live eine große Rolle spielen würde, hatte ich erwartet. Der
linke Gitarrist (ich weiß leider nicht, wer von beiden das war) spielte dann auch dauern an seinen Effekten und wurde zwischen den Stücken manchmal herrlich hektisch, rannte hin und her, weil er irgendeinen Regler noch verändern musste. Gegen Ende des Sets zog er einen Kopfhörer auf, den er dann auch beim folgenden Stück trug, als Gitarrist auch eher ungewöhnlich. Am schönsten waren aber die Stücke, die er auf unverstärkter Gitarre spielte. Sein Instrument war kaum auszumachen, es schien ihn aber nicht nervös zu machen, war also offenbar keine Panne sondern ein gewollter Effekt - herrlich! Vielleicht wäre das auch ein Stilmittel für die Vorgruppe.

Setlist Esben and the Witch, Gebäude 9, Köln:

01: Argyria
02: Marching song
03: Chorea
04: Hexagons IV
05: Marine fields glow
06: Lucia, at the precipice
07: Warpath
08: Battlecry/Mimicry
09: Eumenides

10: Swans (Z)


Christiane Rösinger, Köln, 05.02.11


Konzert: Christiane Rösinger
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 05.02.2011
Zuschauer: sehr voller Saal
Dauer: 70 min


Leider fehlt mir die Zeit, regelmäßig Platten zu hören. Dadurch bleiben vor allem neue Alben oft auf der Strecke, oder ich höre sie erst sehr spät. Daß ich eine neue Platte immer wieder anhöre, ist eine echte Seltenheit. Im vergangenen Jahr war Songs of L. and Hate eine der seltenen Ausnahmen, das Soloalbum von Christiane Rösinger lief rauf und runter und begeisterte mich sofort!

Heute trat das ehemalige Mitglied der großartigen Bands Lassie Singers und Britta im Gebäude 9 in Köln auf - und obwohl ich ihr Soloalbum wirklich extrem mag, hatte ich nicht erwartet, daß der Abend ein solch toller werden würde.

Christiane Rösinger, die im Januar 50 geworden ist, wurde von drei sehr jung aussehenden Musikern begleitet. Spöttisch hätte man sagen können, da trete eine Deutschlehrerin mit drei talentierten Schülern aus dem Musikkurs auf, aber Spott wäre hier vollkommen unangemessen.

Christiane Rösinger, ihr (wohl) österreichischer Pianist, die sehr zierliche Gitarristin
und der Schlagzeuger eröffneten mit Sinnlos vom aktuellen Album. "Das Lied hieß Sinnlos. Das ist das Motto für diesen Abend. Aber auch Trauer und Verzweiflung haben wir euch mitgebracht."

Als es ihr später dann zu fröhlich wurde (Mein zukünftiger Exfreund), entschuldigte sich die Sängerin dafür. "Ich war noch recht jung, als ich dieses Lied geschrieben habe. Es ist sehr schön, bietet aber für meinen Geschmack zu viel Hoffnung." Der Lassie Singers Song war das erste von zahlreichen alten Liedern. "Wie sage ich
immer," fragte sie in Richtung des Pianisten. "Ich nehme die Zuschauer mit auf eine Zeitreise?" - "Ja, sagst du." Wundervoll!

Neben einigen weiteren Britta und Lassie Singers Stücken spielten die vier Musiker alle Lieder von Songs of L. and Hate. Und dazwischen immer wieder köstliche Dialoge und Ansagen. Mal fragte die Sängerin, ob das Lied (Hauptsache raus) immer so
schnell gespielt werde, was der Pianist verneinte. Als sie nach 24 Stunden sind kein Tag von Britta erklärte, das Lied sei ihre Version der Titelmelodie von Gute Zeiten, Schlechte Zeiten und Reaktionen ausbleiben, erklärte sie uns stolz zum Bildungsbürgerpublikum.

Es machte schrecklich viel Spaß, der Sängerin zuzuhören. Ihre Lieder sind ohnehin ganz hervorragend, egal aus welcher Station der Zeitreise sie stammen. Sie funktionieren live sehr gut, weil zum einen die Band sehr
gut war, zum anderen aber auch die Livestimme von Christiane Rösinger toll ist. Und dazu kamen eben die herrlich komischen und intelligenten Kommentare. "Jetzt kommt unser letztes Lied. Danach gehen wir nach hinten und machen eine Fehlerbesprechung, die wird aber kurz werden, wir haben wenige Fehler gemacht."

Das änderte sich zwar bei der ersten Zugabe (Berlin), als Christiane ein, zweimal
Textprobleme bekam und nicht wusste, welche Strophe folgen sollte. Beide, Sängerin und Pianist, fanden schlüssige Erklärungen dafür, es war urkomisch!

Mein Glück war dann vollkommen, als als dritte Zugabe Jeder ist in seiner eigenen Welt, mein Lieblingssong der Lassie Singers, angestimmt wurde.

Der Saal war begeistert, Christiane Rösinger und der Klavierspieler kamen noch einmal zurück und coverten Leonard Cohen. Als sie dann endgültig gingen, blieb bei mir der gute Vorsatz, egal wie häufiger Platten zu hören. Heute fange ich mal mit meinen alten Lassie Singers Alben an, es muß ja nicht unbedingt etwas Aktuelles sein. Denn die sind eh viel spannender als die White Lies, oder so.

Setlist Christiane Rösinger, Gebäude 9, Köln:


01: Sinnlos
02: Es geht sich nicht aus
03: Ich muß immer an dich denken
04: Mein zukünftiger Exfreund (Lassie Singers)
05: Hauptsache raus
06: These days (Nico Cover)
07: Die Pärchenlüge (Lassie Singers)
08: Büro Büro (Britta)
09: Verloren
10: 24 Stunden sind kein Tag (Britta)
11: Was alles fehlt (Britta)
12: Es ist so arg
13: Kleines Lied zum Abschied

14: Berlin (Z)
15: Desillusion (Z)
16: Jeder ist in seiner eigenen Welt (Lassie Singers) (Z)

17: One of us can not be wrong (Leonard Cohen Cover) (Z)


Christiane Rösinger, Köln, 05.02.11


Konzert: Christiane Rösinger
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 05.02.2011
Zuschauer: sehr voller Saal
Dauer: 70 min


Leider fehlt mir die Zeit, regelmäßig Platten zu hören. Dadurch bleiben vor allem neue Alben oft auf der Strecke, oder ich höre sie erst sehr spät. Daß ich eine neue Platte immer wieder anhöre, ist eine echte Seltenheit. Im vergangenen Jahr war Songs of L. and Hate eine der seltenen Ausnahmen, das Soloalbum von Christiane Rösinger lief rauf und runter und begeisterte mich sofort!

Heute trat das ehemalige Mitglied der großartigen Bands Lassie Singers und Britta im Gebäude 9 in Köln auf - und obwohl ich ihr Soloalbum wirklich extrem mag, hatte ich nicht erwartet, daß der Abend ein solch toller werden würde.

Christiane Rösinger, die im Januar 50 geworden ist, wurde von drei sehr jung aussehenden Musikern begleitet. Spöttisch hätte man sagen können, da trete eine Deutschlehrerin mit drei talentierten Schülern aus dem Musikkurs auf, aber Spott wäre hier vollkommen unangemessen.

Christiane Rösinger, ihr (wohl) österreichischer Pianist, die sehr zierliche Gitarristin
und der Schlagzeuger eröffneten mit Sinnlos vom aktuellen Album. "Das Lied hieß Sinnlos. Das ist das Motto für diesen Abend. Aber auch Trauer und Verzweiflung haben wir euch mitgebracht."

Als es ihr später dann zu fröhlich wurde (Mein zukünftiger Exfreund), entschuldigte sich die Sängerin dafür. "Ich war noch recht jung, als ich dieses Lied geschrieben habe. Es ist sehr schön, bietet aber für meinen Geschmack zu viel Hoffnung." Der Lassie Singers Song war das erste von zahlreichen alten Liedern. "Wie sage ich
immer," fragte sie in Richtung des Pianisten. "Ich nehme die Zuschauer mit auf eine Zeitreise?" - "Ja, sagst du." Wundervoll!

Neben einigen weiteren Britta und Lassie Singers Stücken spielten die vier Musiker alle Lieder von Songs of L. and Hate. Und dazwischen immer wieder köstliche Dialoge und Ansagen. Mal fragte die Sängerin, ob das Lied (Hauptsache raus) immer so
schnell gespielt werde, was der Pianist verneinte. Als sie nach 24 Stunden sind kein Tag von Britta erklärte, das Lied sei ihre Version der Titelmelodie von Gute Zeiten, Schlechte Zeiten und Reaktionen ausbleiben, erklärte sie uns stolz zum Bildungsbürgerpublikum.

Es machte schrecklich viel Spaß, der Sängerin zuzuhören. Ihre Lieder sind ohnehin ganz hervorragend, egal aus welcher Station der Zeitreise sie stammen. Sie funktionieren live sehr gut, weil zum einen die Band sehr
gut war, zum anderen aber auch die Livestimme von Christiane Rösinger toll ist. Und dazu kamen eben die herrlich komischen und intelligenten Kommentare. "Jetzt kommt unser letztes Lied. Danach gehen wir nach hinten und machen eine Fehlerbesprechung, die wird aber kurz werden, wir haben wenige Fehler gemacht."

Das änderte sich zwar bei der ersten Zugabe (Berlin), als Christiane ein, zweimal
Textprobleme bekam und nicht wusste, welche Strophe folgen sollte. Beide, Sängerin und Pianist, fanden schlüssige Erklärungen dafür, es war urkomisch!

Mein Glück war dann vollkommen, als als dritte Zugabe Jeder ist in seiner eigenen Welt, mein Lieblingssong der Lassie Singers, angestimmt wurde.

Der Saal war begeistert, Christiane Rösinger und der Klavierspieler kamen noch einmal zurück und coverten Leonard Cohen. Als sie dann endgültig gingen, blieb bei mir der gute Vorsatz, egal wie häufiger Platten zu hören. Heute fange ich mal mit meinen alten Lassie Singers Alben an, es muß ja nicht unbedingt etwas Aktuelles sein. Denn die sind eh viel spannender als die White Lies, oder so.

Setlist Christiane Rösinger, Gebäude 9, Köln:


01: Sinnlos
02: Es geht sich nicht aus
03: Ich muß immer an dich denken
04: Mein zukünftiger Exfreund (Lassie Singers)
05: Hauptsache raus
06: These days (Nico Cover)
07: Die Pärchenlüge (Lassie Singers)
08: Büro Büro (Britta)
09: Verloren
10: 24 Stunden sind kein Tag (Britta)
11: Was alles fehlt (Britta)
12: Es ist so arg
13: Kleines Lied zum Abschied

14: Berlin (Z)
15: Desillusion (Z)
16: Jeder ist in seiner eigenen Welt (Lassie Singers) (Z)

17: One of us can not be wrong (Leonard Cohen Cover) (Z)


I Like Trains, Köln, 19.01.11


Konzert: I Like Trains
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.01.11
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft aber sehr gut gefüllt
Dauer: I Like Trains gut 80 min, Delay Trees 45 min


Ich hasse solche Sprüche, aber I Like Trains waren früher wirklich besser. Ach, das stimmt so eigentlich auch nicht, die Band ist immer noch fabelhaft, nur das Songmaterial im Schnitt etwas schlechter geworden. Obwohl ich die zweite Platte der Nordengländer mitfinanziert habe (wie lange wollte ich diesen Satz schon schreiben!), ist es mir bisher nicht gelungen, sie so schön zu reden, daß sie in meiner Gunst ans Debüt Elegies to lessons learnt oder die fantastische EP Progress reform heranreicht. He who saw the deep enthält einige wundervolle Titel und wäre ohne die Bürde der ersten Veröffentlichungen ein herausragendes Album. Im Vergleich zu den Vorgängern ist es aber eben blasser. Wer am Anfang der Karriere gleich Meisterwerke präsentiert, muß sich danach eben daran messen und von hergelaufenen Bloggern kritisieren lassen.

Änliches galt auch für die finnische Vorgruppe Delay Trees.* Denn auch die begann furios, spielte einen grandiosen ersten Song, der sehr an I Like Trains erinnerte, um denn aber immer mehr in popige Belanglosigkeit zu gleiten. Dazu trug der Bassist einen Dutt! Einen Dutt! Trotzdem waren Delay Trees die mit Abstand beste finnische Band, von der ich jemals gehört habe.

Nachdem sie den Aufbau noch zivil gekleidet vorgenommen hatten, erschienen I Like Trains um 21.15 Uhr dann wieder in den gewohnten englischen Bahnuniformen. Zuletzt hatte ich I Like Trains in Haldern 2009 gesehen. Seitdem hat die Band aus Leeds ihr zweites Album veröffentlicht, mit dem sie - wie zur Zeit viele Künstler - neue Wege gegangen ist. Zur Finanzierung des Projekts nahmen I Like Trains Hilfe des Webdienstes Pledge Music in Anspruch; sie verkauften die Platte (digital) und viele lustige Andenken und sammelten damit im Vorfeld die Gelder, die sie fürs Veröffentlichung auf einem eigenen Label und eine Tour benötigten. Ein weiterer Teil der "erpledgten" Erlöse geht an eine wohltätige Organisation, ein Konzept also, bei dem weder die Band noch der Fan irgendetwas falsch machen kann.

Neben den vier mir bekannten Mitgliedern stand ein fünfter Musiker auf der Bühne. Ian, wenn ich das richtig verstanden habe, unterstützte die Band auf der Deutschland-Tour an Keyboards und dritter Gitarre. Ian (das behaupte ich jetzt so) verschwand in der Regel bei den alten Stücken, er hatte wohl nur die Lieder von He who saw the deep geübt, die allerdings gut, er fiel nicht negativ aus, also spielte er alles richtig.

Von den neuen Liedern gefielen mir
Sea of regrets, We saw the deep, These feet of clay besonders gut. Auch wenn ich sie als viel fröhlicher als ihre älteren Geschwister empfinde, sind das I Like Trains Lieder. Für die anderen Stücke brauche ich wohl noch etwas, sie sind mir zu fröhlich für I Like Trains, auch wenn das - wie in langen Diskussionen erlebt - wohl eine einsame Meinung ist.

Herrlich, wie düster es dann nämlich auch werden kann... I Like Trains spielten nämlich drei Lieder von ihrer ersten EP, das wundervolle Terra Nova über den Wettlauf zum Südpol, A rook house for Bobby, dem Schachgenie (und ein wenig
extrovertierten) Bobby Fisher gewidmet und Stainless Steel, meinen Liebling mit der finsteren Zeile über die Messer, die in der Küche liegen. Toll!

Toll war auch das Konzert insgesamt. Es kommt nicht
an die ersten Auftritte ran, die ich von den Nordengländern gesehen habe, aber das sind auch Messlatten, die verflucht hoch liegen.

Und ich habe noch ein neues Wort gelernt. Als Gitarrist Guy nämlich Stromschläge von seinem Mikro bekam, klärte Sänger David das auf: "Guy has been electrocuted."

Setlist I Like Trains, Gebäude 9, Köln:

01: Sirens
02: Terra Nova
03: Progress is a snake
04: When we were kings
05: A rook house for Bobby
06: Hope is not enough
07: Victress
08: A voice of reason
09: We saw the deep
10: A father's son
11: Stainless steel
12: These feet of clay
13: A divorce before marriage
14: Sea of regrets

15: Spencer Perceval (Z)

Links:

- I Like Trains, Haldern, 15.08.09
- I Like Trains, Köln, 06.03.09
- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06
- I Like Trains?

* sensationeller Übergang!

I Like Trains, Köln, 19.01.11


Konzert: I Like Trains
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 19.01.11
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft aber sehr gut gefüllt
Dauer: I Like Trains gut 80 min, Delay Trees 45 min


Ich hasse solche Sprüche, aber I Like Trains waren früher wirklich besser. Ach, das stimmt so eigentlich auch nicht, die Band ist immer noch fabelhaft, nur das Songmaterial im Schnitt etwas schlechter geworden. Obwohl ich die zweite Platte der Nordengländer mitfinanziert habe (wie lange wollte ich diesen Satz schon schreiben!), ist es mir bisher nicht gelungen, sie so schön zu reden, daß sie in meiner Gunst ans Debüt Elegies to lessons learnt oder die fantastische EP Progress reform heranreicht. He who saw the deep enthält einige wundervolle Titel und wäre ohne die Bürde der ersten Veröffentlichungen ein herausragendes Album. Im Vergleich zu den Vorgängern ist es aber eben blasser. Wer am Anfang der Karriere gleich Meisterwerke präsentiert, muß sich danach eben daran messen und von hergelaufenen Bloggern kritisieren lassen.

Änliches galt auch für die finnische Vorgruppe Delay Trees.* Denn auch die begann furios, spielte einen grandiosen ersten Song, der sehr an I Like Trains erinnerte, um denn aber immer mehr in popige Belanglosigkeit zu gleiten. Dazu trug der Bassist einen Dutt! Einen Dutt! Trotzdem waren Delay Trees die mit Abstand beste finnische Band, von der ich jemals gehört habe.

Nachdem sie den Aufbau noch zivil gekleidet vorgenommen hatten, erschienen I Like Trains um 21.15 Uhr dann wieder in den gewohnten englischen Bahnuniformen. Zuletzt hatte ich I Like Trains in Haldern 2009 gesehen. Seitdem hat die Band aus Leeds ihr zweites Album veröffentlicht, mit dem sie - wie zur Zeit viele Künstler - neue Wege gegangen ist. Zur Finanzierung des Projekts nahmen I Like Trains Hilfe des Webdienstes Pledge Music in Anspruch; sie verkauften die Platte (digital) und viele lustige Andenken und sammelten damit im Vorfeld die Gelder, die sie fürs Veröffentlichung auf einem eigenen Label und eine Tour benötigten. Ein weiterer Teil der "erpledgten" Erlöse geht an eine wohltätige Organisation, ein Konzept also, bei dem weder die Band noch der Fan irgendetwas falsch machen kann.

Neben den vier mir bekannten Mitgliedern stand ein fünfter Musiker auf der Bühne. Ian, wenn ich das richtig verstanden habe, unterstützte die Band auf der Deutschland-Tour an Keyboards und dritter Gitarre. Ian (das behaupte ich jetzt so) verschwand in der Regel bei den alten Stücken, er hatte wohl nur die Lieder von He who saw the deep geübt, die allerdings gut, er fiel nicht negativ aus, also spielte er alles richtig.

Von den neuen Liedern gefielen mir
Sea of regrets, We saw the deep, These feet of clay besonders gut. Auch wenn ich sie als viel fröhlicher als ihre älteren Geschwister empfinde, sind das I Like Trains Lieder. Für die anderen Stücke brauche ich wohl noch etwas, sie sind mir zu fröhlich für I Like Trains, auch wenn das - wie in langen Diskussionen erlebt - wohl eine einsame Meinung ist.

Herrlich, wie düster es dann nämlich auch werden kann... I Like Trains spielten nämlich drei Lieder von ihrer ersten EP, das wundervolle Terra Nova über den Wettlauf zum Südpol, A rook house for Bobby, dem Schachgenie (und ein wenig
extrovertierten) Bobby Fisher gewidmet und Stainless Steel, meinen Liebling mit der finsteren Zeile über die Messer, die in der Küche liegen. Toll!

Toll war auch das Konzert insgesamt. Es kommt nicht
an die ersten Auftritte ran, die ich von den Nordengländern gesehen habe, aber das sind auch Messlatten, die verflucht hoch liegen.

Und ich habe noch ein neues Wort gelernt. Als Gitarrist Guy nämlich Stromschläge von seinem Mikro bekam, klärte Sänger David das auf: "Guy has been electrocuted."

Setlist I Like Trains, Gebäude 9, Köln:

01: Sirens
02: Terra Nova
03: Progress is a snake
04: When we were kings
05: A rook house for Bobby
06: Hope is not enough
07: Victress
08: A voice of reason
09: We saw the deep
10: A father's son
11: Stainless steel
12: These feet of clay
13: A divorce before marriage
14: Sea of regrets

15: Spencer Perceval (Z)

Links:

- I Like Trains, Haldern, 15.08.09
- I Like Trains, Köln, 06.03.09
- I Like Trains, Düsseldorf, 28.11.08
- iLiKETRAiNS, Frankfurt, 15.04.08
- iLiKETRAiNS, Paris, 08.04.08
- iLiKETRAiNS, Köln, 16.11.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 31.10.07
- iLiKETRAiNS, Paris, 12.10.06
- I Like Trains?

* sensationeller Übergang!

Menomena, Köln, 25.11.10


Konzert: Menomena
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 25.11.2010
Zuschauer: knapp 2/3 voll
Dauer: 65 min


Ein musikalisch trauriger Tag... Monrose haben sich aufgelöst! Eine andere Band mit M trat am Abend im Gebäude 9 auf, Menomena aus Portland, was mir erst am Nachmittag wieder eingefallen war. Dabei hatte ich mich lange schon darauf gefreut, die Amerikaner einmal zu sehen. Beim City-Slang Abend im Rahmen der PopKomm vor ein paar Jahren war die Chance schon einmal da, die Angst, Malajube im Nebenraum zu verpassen, verhinderte das aber.

Meine Freude nährte sich vor allem aus Neugierde, nicht, weil Menomena eine meiner Lieblingsbands wären. Dafür kenne ich ihre Platten zu wenig und bin auch erst mit Friend and Foe 2007 eingestiegen. Die Alben von Menomena höre ich deshalb nicht oft, weil sie sich zum beiläufigen Konsum nicht eignen, ihre Komplexität erfordert intensive Beschäftigung, für die mir oft einfach die Zeit fehlt. In solchen Fällen ist ein Live-Test perfekt, die Band besser kennenzulernen, und der fand eben heute statt.

Um es (vorerst) kurz zu machen: der Ausflug nach Köln hatte sich gelohnt. Trotz Saxophon und Bassist mit Zopf gefielen mir Menomena sehr gut. Aber mehr dazu nachher!

Setlist Menomena, Gebäude 9, Köln:

01: Tithe
02: TAOS
03: Weird
04: Killemal
05: Five little rooms
06: BOTE
07: Queen black acid
08: Wet and rusting
09: Dirty cartoons
10: The pelican
11: Sleeping beauty
12: Evil bee

13: Strongest man in the world (Z)*

* danke an Christina fürs Setlist-Einflüstern!

Menomena, Köln, 25.11.10


Konzert: Menomena
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 25.11.2010
Zuschauer: knapp 2/3 voll
Dauer: 65 min


Ein musikalisch trauriger Tag... Monrose haben sich aufgelöst! Eine andere Band mit M trat am Abend im Gebäude 9 auf, Menomena aus Portland, was mir erst am Nachmittag wieder eingefallen war. Dabei hatte ich mich lange schon darauf gefreut, die Amerikaner einmal zu sehen. Beim City-Slang Abend im Rahmen der PopKomm vor ein paar Jahren war die Chance schon einmal da, die Angst, Malajube im Nebenraum zu verpassen, verhinderte das aber.

Meine Freude nährte sich vor allem aus Neugierde, nicht, weil Menomena eine meiner Lieblingsbands wären. Dafür kenne ich ihre Platten zu wenig und bin auch erst mit Friend and Foe 2007 eingestiegen. Die Alben von Menomena höre ich deshalb nicht oft, weil sie sich zum beiläufigen Konsum nicht eignen, ihre Komplexität erfordert intensive Beschäftigung, für die mir oft einfach die Zeit fehlt. In solchen Fällen ist ein Live-Test perfekt, die Band besser kennenzulernen, und der fand eben heute statt.

Um es (vorerst) kurz zu machen: der Ausflug nach Köln hatte sich gelohnt. Trotz Saxophon und Bassist mit Zopf gefielen mir Menomena sehr gut. Aber mehr dazu nachher!

Setlist Menomena, Gebäude 9, Köln:

01: Tithe
02: TAOS
03: Weird
04: Killemal
05: Five little rooms
06: BOTE
07: Queen black acid
08: Wet and rusting
09: Dirty cartoons
10: The pelican
11: Sleeping beauty
12: Evil bee

13: Strongest man in the world (Z)*

* danke an Christina fürs Setlist-Einflüstern!

Sky Larkin, Köln, 17.11.10


Konzert: Sky Larkin & Clound Nothings
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 17.11.2010
Zuschauer: gut 250
Dauer: je 30 min


Am heutigen Mittwoch war es schwieriger kein Konzert zu sehen, als in irgendeinem Club zu landen. Alleine in Köln hätte ich gerne drei verschiedene Veranstaltungen besucht: The National im E-Werk, Angus & Julia Stone in der KulturKirche und den Wichita-Abend im Gebäude 9 mit Sky Larkin und Cloud Nothings (und Les Savy Fav als Hauptgruppe). Außerdem spielten Therapy? und Casiotone for the Painfully Alone. In Frankfurt hätte es u.a. Erland And The Carnival gegeben.

Meine Wahl war trotzdem einfach: da ich Sky Larkin schrecklich mag und lange nicht erlebt habe, und die Engländer viel zu selten zu sehen sind, waren sie gesetzt.

Sky Larkin waren Teil eines Dreiband-Abends im Gebäude 9. Das fabelhafte Wichita-Label feiert Geburtstag und schickte daher Bands auf Tour. Headliner dieser Tour sind Les Savy Fav, mit denen ich mich bisher nicht beschäftigt habe. Wir waren also wegen der Vorgruppen da.

Den Beginn machten Cloud Nothings aus Nordirland. Zumindest hatte ich das verstanden. Cloud Nothings stammen aus Cleveland und sind die Band mit den schwerst verständlichen Ansagen, die ich je erlebt habe. Sie sind allerdings auch ansonsten bemerkenswert und beeindruckten mich. Warum? Dazu später mehr!

Setlist Cloud Nothings, Gebäude 9, Köln:

01: Understand at all
02: Can't stay awake
03: Didn't you
04: Weird son
05: ?
06: Even if it worked out
07: Morgan
08: Leave you forever
09: Hey cool kid
10: Turning on

Woher die nächste Band stammt, weiß ich. Sky Larkin kommen aus Leeds und klingen auch so. Erstaunlicherweise spielte das Trio vor allem alte Lieder - und natürlich viel zu wenige. Eine Headliner-Tour hatten sie letzten Monat kurz vorher absagen müssen, eine halbe Stunde heute war besser als nichts, aber zu kurz. Ein Appetitanreger, nachdem man eine Weile nichts gegessen hat. Aber ein verdammt guter! Auch dazu in Kürze mehr!

Setlist Sky Larkin, Gebäude 9, Köln:

01: Antibodies
02: Fossil, I
03: Matador
04: Anjelica Huston
05: Kaleide
06: Tiny heist
07: Still windmills

Und nach Sky Larkin, als wir eigentlich gehen wollten, guckten wir uns aus Neugierde noch ein wenig von Les Savy Fav an. Musikalisch sind die Amerikaner nichts für mich; ihr trockener Punk (der Gesang erinnerte mich an die Dead Kennedys) war nicht das, was ich noch über Konzertlänge sehen wollte. Allerdings war die Show, die da stattfand unfassbar! Da waren Latexmasken, auf Gittern balancierende Sänger, viel zu viel nackte Haut und rote Unterhosen, Interaktionen mit dem Publikum, von der Bühne verspritztes Bier... und ich hatte ein wenig Angst vor der bärtigen Sänger der Band. Aber es war schon fasznierend... Vielleicht sehe ich mir das doch irgendwann mal ganz an.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sky Larkin, Köln, 25.02.09
- Sky Larkin, Paris, 23.02.09
- Sky Larkin, Amsterdam, 22.02.09
- Sky Larkin, Paris, 18.12.08
- Sky Larkin, Köln, 10.11.08
- Sky Larkin, Brüssel, 09.11.08
- Sky Larkin, Köln, 11.09.09

alles weitere morgen! Can't stay awake!


Sky Larkin, Köln, 17.11.10


Konzert: Sky Larkin & Clound Nothings
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 17.11.2010
Zuschauer: gut 250
Dauer: je 30 min


Am heutigen Mittwoch war es schwieriger kein Konzert zu sehen, als in irgendeinem Club zu landen. Alleine in Köln hätte ich gerne drei verschiedene Veranstaltungen besucht: The National im E-Werk, Angus & Julia Stone in der KulturKirche und den Wichita-Abend im Gebäude 9 mit Sky Larkin und Cloud Nothings (und Les Savy Fav als Hauptgruppe). Außerdem spielten Therapy? und Casiotone for the Painfully Alone. In Frankfurt hätte es u.a. Erland And The Carnival gegeben.

Meine Wahl war trotzdem einfach: da ich Sky Larkin schrecklich mag und lange nicht erlebt habe, und die Engländer viel zu selten zu sehen sind, waren sie gesetzt.

Sky Larkin waren Teil eines Dreiband-Abends im Gebäude 9. Das fabelhafte Wichita-Label feiert Geburtstag und schickte daher Bands auf Tour. Headliner dieser Tour sind Les Savy Fav, mit denen ich mich bisher nicht beschäftigt habe. Wir waren also wegen der Vorgruppen da.

Den Beginn machten Cloud Nothings aus Nordirland. Zumindest hatte ich das verstanden. Cloud Nothings stammen aus Cleveland und sind die Band mit den schwerst verständlichen Ansagen, die ich je erlebt habe. Sie sind allerdings auch ansonsten bemerkenswert und beeindruckten mich. Warum? Dazu später mehr!

Setlist Cloud Nothings, Gebäude 9, Köln:

01: Understand at all
02: Can't stay awake
03: Didn't you
04: Weird son
05: ?
06: Even if it worked out
07: Morgan
08: Leave you forever
09: Hey cool kid
10: Turning on

Woher die nächste Band stammt, weiß ich. Sky Larkin kommen aus Leeds und klingen auch so. Erstaunlicherweise spielte das Trio vor allem alte Lieder - und natürlich viel zu wenige. Eine Headliner-Tour hatten sie letzten Monat kurz vorher absagen müssen, eine halbe Stunde heute war besser als nichts, aber zu kurz. Ein Appetitanreger, nachdem man eine Weile nichts gegessen hat. Aber ein verdammt guter! Auch dazu in Kürze mehr!

Setlist Sky Larkin, Gebäude 9, Köln:

01: Antibodies
02: Fossil, I
03: Matador
04: Anjelica Huston
05: Kaleide
06: Tiny heist
07: Still windmills

Und nach Sky Larkin, als wir eigentlich gehen wollten, guckten wir uns aus Neugierde noch ein wenig von Les Savy Fav an. Musikalisch sind die Amerikaner nichts für mich; ihr trockener Punk (der Gesang erinnerte mich an die Dead Kennedys) war nicht das, was ich noch über Konzertlänge sehen wollte. Allerdings war die Show, die da stattfand unfassbar! Da waren Latexmasken, auf Gittern balancierende Sänger, viel zu viel nackte Haut und rote Unterhosen, Interaktionen mit dem Publikum, von der Bühne verspritztes Bier... und ich hatte ein wenig Angst vor der bärtigen Sänger der Band. Aber es war schon fasznierend... Vielleicht sehe ich mir das doch irgendwann mal ganz an.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sky Larkin, Köln, 25.02.09
- Sky Larkin, Paris, 23.02.09
- Sky Larkin, Amsterdam, 22.02.09
- Sky Larkin, Paris, 18.12.08
- Sky Larkin, Köln, 10.11.08
- Sky Larkin, Brüssel, 09.11.08
- Sky Larkin, Köln, 11.09.09

alles weitere morgen! Can't stay awake!


Beach House, Köln, 14.11.10


Konzert: Beach House (& Jack November)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 14.11.2010
Zuschauer: nah an ausverkauft
Dauer: Beach House 65 min, Jack November gut 25 min


Zweimal hatte ich Beach House dieses Jahr bereits verpasst, und auch heute brauchte ich externe Motivation, um ins Gebäude 9 zu fahren. Wieso, weiß ich jetzt hinterher wirklich nicht mehr, denn die Amerikaner überzeugten restlos!

Der Abend begann allerdings mit Jack November, einer jungen Frau (Daniela Moos) aus Hessen, die lediglich mit einem indischen Harmonium (dieser cooleren Version eines Akkordeons) und ihrer leisen, sphärischen Stimme Lieder erzeugte, die wie die 2010er Version des Twin Peaks Soundtracks klangen. Die meisten Stücke bestanden nur aus zwei Harmoniumtönen und Danielas Stimme. Auf dem Papier klingt das schrecklich eintönig*, live hatte Jack November durchaus Charme. In der Mitte des kurzen Sets kam ein Mann dazu, der vor Jack November schon ein paar tief brummende Töne auf der Bühne erzeugt hatte. Wir hatten ihn für die Pre-Pre-Show gehalten, er gehörte aber offensichtlich dazu und erzeugte ein paar Hintergrundgeräusche. Daniela verließ dann auch für ein Lied ihren Stuhl am Harmonium und stellte sich hinter ein Mikro und sang da, nur vom Bassgebrumme begleitet. Neben Julee Cruise erinnerte mich Jack November auch an eine reduzierte Version von Soap And Skin. Weil ich glaube, daß solch reduzierte Musik gerade sehr hip wird (s.a. Anika), bin ich sicher, daß wir Jack November wiedersehen werden.

Das Harmonium und der Brummkram des Helfers kamen weg, die eigenen Instrumente und Deko-Objekte standen schon auf der Bühne, also konnten Beach House sehr pünktlich beginnen. Allerdings erst nach dem erneuten Hinweis, daß die Band keinen Rauch im Saal wünsche. Nachdem sich in Köln anfangs alle an das Rauchverbot hielten, wird in letzter Zeit wieder kräftig gequalmt. Vielleicht finden Beach House es auch ekelhaft, nach einem Konzert widerlich nach Fremdrauch zu stinken, das Ergebnis war jedenfalls prima und der Abend rauchfrei.

Beach House, hmm... So ganz richtig warm bin ich
mit den Amerikanern bisher nicht geworden. Ich besitze ihre Platten, mag die, bin aber bei weitem weniger euphorisch, als ich das sein sollte, glaube ich den Meinungen der Indieszene. Beim ersten Stück (Gila) trat dann auch genau das ein, was ich befürchtet hatte, mich ließ das Treiben der vier Musiker recht kalt. Aber es würde wenigstens etwas zu Gucken geben, Sängerin Victoria Legrand zum Beispiel, die mit ihrem wilden Lockenkopf und dem Zweireiher, an den Ärmeln umgekrempelt, aussah, als sei sie gerade Miami Vice entsprungen. Oder Alex Scally, der Gitarrist, der auf einem Stuhl saß und mit den schuhlosen Füßen ein Bass-Orgel-Pedal bediente. Ich hatte vorher noch nie jemanden gesehen, der gleichzeitig Bass und Gitarre spielt! Dazu lebte Alex jeden Ton wirklich mit und begleitete ihn mit Tanzbewegungen.

Die beiden zusätzlichen Musiker (Schlagzeuger und Keyboarder/Bassist) sind keine regulären Bandmitglieder, machten ihre Sache aber (für mein Laienohr)
ausgezeichnet. Da sie allerdings verhaltensunauffällig waren, trugen sie zu meiner Unterhaltung weniger bei.

Mit dem zweiten Lied hatten sie mich dann doch. Better times legte bei mir einen Schalter um, und das Konzert wurde hervorragend!

Was mich von da an am meisten faszinierte, war der
"Gesamtklang" des Spektakels. Begünstigt durch den ausgezeichneten Sound klang das gesamte Konzert irgendwie künstlich, so als könnte man das auf keinen Fall gerade live spielen. Einen Großteil dieses Effekts machte sicher Victorias Stimme aus, die präzise aber eben auch unwirklich klingt. Auch Whitney Houston Konzerte erzeugen diesen Eindruck, allerdings aus anderen Gründen. Hier und heute war es brillant-entrückt, aber auch nicht, weil die Band es bewußt darauf angelegt hätte; die Musik, Victorias perfekte Stimme, das machte den Abend zu dem Pendent eines Fantasyfilms, (auch wenn berechtigterweise niemand verstehen wird, was ich damit meine).

Eigentlich war alles toll, einige Stücke ragten aber heraus. Norway nervt mich auf Platte, weil sich das Leiern des Lieds so
anhört wie Musikkassetten, die in der Sonne lagen. Live war das Lied hervorragend, allerdings bei weitem nicht der Höhepunkt. Ich fand Used to be, Take care oder 10 mile stereo noch deutlich besser. Oder Zebra, zu dem Victoria heftig headbangte!

Und dann hatte auch der Schlagzeuger noch einen großen Moment. Zu Used to be nahm er ein Handtuch und legte es auch das Fell seiner Trommel und spielte so frotteegedämpft! Das habe ich auch noch nicht gesehen.

Unter anderen Umständen (hier, hier, hier) bestes Konzert seit langem! Aber auch so hervorragend und oft atemberaubend schön! Vermutlich weiß die gebürtige Französin Victoria um diesen Effekt, sie fragte uns nämlich irgendwann: "are you all breathing?"

Setlist Beach House, Gebäude 9, Köln:

01: Gila
02: Better times
03: Walk in the park
04: Norway
05: Silver soul
06: Master of none
07: Astronaut
08: Lover of mine
09: Used to be
10: Zebra
11: Heart of chambers
12: Take care

13: Real love (Z)
14: 10 mile stereo (Z)

* zweitönig, strenggenommen