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The Low Anthem, Köln, 20.03.11


Konzert: The Low Anthem

Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 23.03.2011
Zuschauer: gut gefüllt, aber nicht eng, so ca. 300
Konzertdauer: 90 Minuten (30 Minuten The Head And The Heart)


Erst kürzlich habe ich zum Ausdruck gebracht, daß wir uns über Gastartikel, vor allem auch unaufgefordert zugesendete, sehr freuen. Nun überbringt uns der gute Uwe seine Eindrücke vom Konzert von The Low Anthem in Köln. Wir bedanken uns vielmals!

Konzertbericht von Uwe:

Nach dem Überkonzert im letzten Jahr war meine Erwartungshaltung natürlich - trotz aller Versuche den Ball flach zu halten - gigantisch groß. Aber das sind Low Anthem eben auch. Zwar konnten sie den Eindruck des letzten jahres diesmal nicht toppen, aber sie kamen schon ganz nah dran. Alles was man kennt und liebt war wieder da, Instrumente sogar noch mehr als beim letzten mal (wenn die so weiter machen enden sie als herumziehendes Instrumentenantiquariat). Einstieg wieder im Kreis ums Mikro mit "Ghost Woman Blues", aber schon recht früh wurde der Set gut durchmischt mit altem Material und Coverstücken. Und dazwischen alle Hits vom donnernden "Home I'll Never Be" bis zum hymnischen "This God Damn House" und wieder zurück zu "Boeing 737". Der Handytrick mutiert so langsam zum Rocky Horror Picture Kult, mittlerweile gibt es etliche die beim fröhlichen Rückkoppeln mitmachen. So richtig fest nach Setlist geht es nicht, besonders gegen Ende wurde das nächste Stück spontan ausdiskutiert. Sehr schön zum Schluss als alle schon ums Mikro standen und anfangen wollten, dann der Zwischenruf "Song Bird", Gelächter der Band. Nächster Zwischenruf "Ticket Taker". Ok, alle wieder weg, Instrumente wechseln und los, you get what you ask for.

Das Publikum war mehr als begeistert, donnernder Applaus und andächtige Stille wechselten sich ab. Zur Zugabe dann die Titelstücke der Alben hintereinander, zuerst "Smart Flesh" und danach "Charlie Darwin". Und dann war leider Schluss, der anhaltende Applaus wurde nach einigen Minuten mit Licht und Musik abgewürgt. Eine Band für die Ewigkeit - wie hat es ein Freund mal gesagt (bei einer anderen Band): Denen würde ich auch stundenlang beim Stimmen zuhören.

Etwas milde Kritik: Jeff klebte im ersten Teil des Sets hinterm Schlagzeug und kam erst sehr spät aus der Ecke zum Kontrabass. Ben spielt kein Schlagzeug mehr, vielleicht wollen sie dem kreativen Chaos langsam etwas gegensteuern (wobei Jocie und Matt das wohl verhindern werden). Sehr wenig Crotales (dafür jetzt auch Hackbrett). Nicht besonders toll abgemischter E-Bass. Aber: Das ist Jammern auf äußerst hohem Niveau!

Die Vorband (The Head And The Heart): Erstes Konzert auf der Tour mit LA, erstes Konzert in Europa, hypernervös. Aber ganz schön, kam nicht so toll wie Brown Bird letztes Jahr, könnte aber noch was werden. Folk-Pop, hat mich stellenweise etwas an die seligen Dexys erinnert (wohl wegen der Geige). Leider ist der Schlagzeuger (optisch 1a Muppet Show) eindeutig zu laut und ballert oft die akustischen Instrumente zu. Und mit Flummi-Sängerin/Geigerin.

Aus unserem Archiv:

The Low Anthem, Wien, 18.08.10
The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10
The Low Anthem, Paris, 26.09.09
The Low Anthem, München, 15.09.09

Anmerkung: die tollen Fotos stammen von Robert Loerzel, Chicago, und sind urherberrechtlich geschützt.


The Low Anthem, Köln, 20.03.11


Konzert: The Low Anthem

Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 23.03.2011
Zuschauer: gut gefüllt, aber nicht eng, so ca. 300
Konzertdauer: 90 Minuten (30 Minuten The Head And The Heart)


Erst kürzlich habe ich zum Ausdruck gebracht, daß wir uns über Gastartikel, vor allem auch unaufgefordert zugesendete, sehr freuen. Nun überbringt uns der gute Uwe seine Eindrücke vom Konzert von The Low Anthem in Köln. Wir bedanken uns vielmals!

Konzertbericht von Uwe:

Nach dem Überkonzert im letzten Jahr war meine Erwartungshaltung natürlich - trotz aller Versuche den Ball flach zu halten - gigantisch groß. Aber das sind Low Anthem eben auch. Zwar konnten sie den Eindruck des letzten jahres diesmal nicht toppen, aber sie kamen schon ganz nah dran. Alles was man kennt und liebt war wieder da, Instrumente sogar noch mehr als beim letzten mal (wenn die so weiter machen enden sie als herumziehendes Instrumentenantiquariat). Einstieg wieder im Kreis ums Mikro mit "Ghost Woman Blues", aber schon recht früh wurde der Set gut durchmischt mit altem Material und Coverstücken. Und dazwischen alle Hits vom donnernden "Home I'll Never Be" bis zum hymnischen "This God Damn House" und wieder zurück zu "Boeing 737". Der Handytrick mutiert so langsam zum Rocky Horror Picture Kult, mittlerweile gibt es etliche die beim fröhlichen Rückkoppeln mitmachen. So richtig fest nach Setlist geht es nicht, besonders gegen Ende wurde das nächste Stück spontan ausdiskutiert. Sehr schön zum Schluss als alle schon ums Mikro standen und anfangen wollten, dann der Zwischenruf "Song Bird", Gelächter der Band. Nächster Zwischenruf "Ticket Taker". Ok, alle wieder weg, Instrumente wechseln und los, you get what you ask for.

Das Publikum war mehr als begeistert, donnernder Applaus und andächtige Stille wechselten sich ab. Zur Zugabe dann die Titelstücke der Alben hintereinander, zuerst "Smart Flesh" und danach "Charlie Darwin". Und dann war leider Schluss, der anhaltende Applaus wurde nach einigen Minuten mit Licht und Musik abgewürgt. Eine Band für die Ewigkeit - wie hat es ein Freund mal gesagt (bei einer anderen Band): Denen würde ich auch stundenlang beim Stimmen zuhören.

Etwas milde Kritik: Jeff klebte im ersten Teil des Sets hinterm Schlagzeug und kam erst sehr spät aus der Ecke zum Kontrabass. Ben spielt kein Schlagzeug mehr, vielleicht wollen sie dem kreativen Chaos langsam etwas gegensteuern (wobei Jocie und Matt das wohl verhindern werden). Sehr wenig Crotales (dafür jetzt auch Hackbrett). Nicht besonders toll abgemischter E-Bass. Aber: Das ist Jammern auf äußerst hohem Niveau!

Die Vorband (The Head And The Heart): Erstes Konzert auf der Tour mit LA, erstes Konzert in Europa, hypernervös. Aber ganz schön, kam nicht so toll wie Brown Bird letztes Jahr, könnte aber noch was werden. Folk-Pop, hat mich stellenweise etwas an die seligen Dexys erinnert (wohl wegen der Geige). Leider ist der Schlagzeuger (optisch 1a Muppet Show) eindeutig zu laut und ballert oft die akustischen Instrumente zu. Und mit Flummi-Sängerin/Geigerin.

Aus unserem Archiv:

The Low Anthem, Wien, 18.08.10
The Low Anthem, Ottersum, 05.02.10
The Low Anthem, Paris, 26.09.09
The Low Anthem, München, 15.09.09

Anmerkung: die tollen Fotos stammen von Robert Loerzel, Chicago, und sind urherberrechtlich geschützt.


Edwyn Collins, Köln, 21.02.11


Konzert: Edwyn Collins
Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 21.02.2011
Zuschauer: sehr gut besucht, fast ausverkauft
Dauer: 80 min


Im vergangenen Jahr bereitete mir Edwyn Collins ein unerwartetes Konzerthighlight. Mehr aus Neugierde als aus echtem Interesse hatte ich dem Schotten beim Bowlie 2 Festival zugesehen, zumindest am Anfang, denn ganz schnell hatte mich die lange nicht mehr gehörte Musik des sympathischen Künstlers gepackt und mir ein wundervolles Konzert geschenkt.

Vorher hatte ich auch das Kölner Konzert des Schotten nicht auf dem Schirm, ich hatte nicht mitbekommen, daß es verlegt wurde, ich hatte ja auch kein Interesse, hinzugehen. Aber der überzeugende Auftritt in einem nach Curryketchup stinkenden Animationssaal des Ferienclubs in Minehead hatte mich eines Besseren belehrt, also wurde der Abend im Stadtgarten zum Pflichttermin.

Als wir um halb neun in den Saal kamen war der deutlich besser gefüllt, als ich erwartet hatte. Die Altersstruktur des Publikums erfüllte dann aber wieder meine Vorurteile; es war eben wie so oft: Zuschauer und Musiker waren etwa gleich alt.

Nach einer netten örtlichen Vorgruppe, die nach eigener Einschätzung eine große Nummer in London ist, spielte Edwyn Collins mit illustrer Vorgruppe gut 80 Minuten Stücke seines neuen Albums und seiner alten meist aus der Orange Juice Zeit stammenden Lieder. Natürlich wusste ich vorher, daß das einmalige England Erlebnis mit Teenage Fanclub als Begleitband und Gastauftritten von Ryan Jarman, Alex Kapranos und Nick McCarthy nicht erreicht werden könnte. Aber auch ohne diese ganz besonderen Momente war das Konzert ausgezeichnet.

Entgegen unseres Eindrucks beim Umbau wurde die Vorgruppe nicht zur Begleitband des Schotten. Die in London lebenden Musiker hatten die Instrumente noch montiert und gestimmt, überliessen die Plätze dann aber einer anderen Truppe. Boz Boorer, der Morrissey Gitarrist und Songwriter, war nicht in der Band. B
ei Edwyn Collins' Auftritt in der Harald Schmidt Show vor ein paar Wochen hatte der Rockabilly Musiker noch Keyboard und Saxophon gespielt, heute übernahm ein anderer Mann diese Position, Sean Read, glaube ich. Die Band bestand weiterhin aus den Gitarristen Andy Hackett und Tom Edwards*, Bassist James Walbourne und vermutlich - ich konnte ihn leider nicht richtig erkennen, meine aber sein Gesicht ausgemacht zu haben - Paul Cook (Sex Pistols) am Schlagzeug. Auffälligste Figur im Lineup war sicher Gitarrist Andy Hackett, dessen Haarpracht eine Hommage an Andy Brehme und den jungen Rudi Völler zu sein schien.

Auch wenn es nicht die Allstar Band des Bowlie Wochenendes war, machten Edwyns Mitstreiter einen sehr souveränen Eindruck, es war also keine Verlegenheitstruppe, die er für die Deutschland-Tour zusammengestellt hatte.

Edwyn selbst saß auf einer Box hinter einem Notenständer. Er kündigte die Songs kurz an, meist nur durch Namensnennung, manchmal aber mit einem weiteren Satz ("das war meine erste Single..."). Wenn er dann singt, ist von der langsamen Sprache bei den Ansagen nichts mehr da, gerade bei dem tausendfach hoch- und runtergenudelten A girl like you fiel mir auf, wie unverändert Edwyns Gesang dabei ist. Phänomenal, wie sich dieser Mann zurück auf die Bühne gekämpft hat!

Ich muß gestehen, daß ich Edwyns letzte Platte Losing sleep so sehr mag, daß seine älteren Stücke in meiner Gunst ein paar Schritte zurück gemacht haben. Umso größer war allerdings das Risiko, wie die diversen Duette der Platte ohne ihre Gastsänger funktionieren würden. Oder mit Edwyns Worten vor It dawns on me: "Ryan from the Cribs isn't here. But James on bass can sing it, too."** James klang zwar erst sehr zurückhaltend, fast schüchtern, bekam das Lied aber gut in den Griff - ein Highlight!

Bei What is my role?, dem größten neuen Hit, fehlte mir bei den Soloparts Ryan Jarman schon mehr. Aber als dann alle einsetzten, das Lied immer lauter wurde, war das verziehen, und What is my role? für mich der größte Knüller des Abends.

Weitere Höhepunkte waren Humble, Rip it up, Do it again (das Franz Ferdinand Cover...) oder Dying day. Beendet wurde das Set aber mit dem offiziell größten Hit A Girl like you, zu dem Edwyn aufstand. Nach dem Ende seines Singparts ging er langsam von der Bühne, während die Band noch spielte. Beim Fußball ist das das Auswechseln des Stars in der 88. Minute.

Die erste Zugabe bestritten nur Edwyn und Bassist James an der akustischen Gitarre. Das war schön, spektakulär wurde es aber noch einmal danach. Es kam nämlich ein sehr junger Mann auf die Bühne, der einen bunten Anorak mit Fellkragen trug und wie eine Mischung aus Mike Skinner und Edwyn Collins aussah: Edwyns Sohn Will. Gemeinsam sangen die beiden In your eyes, was trotz merkbarer Nervosität des jungen Collins sehr schön und sehr rührselig (aber nicht kitschig) war!


Setlist Edwyn Collins, Stadtgarten, Köln:

01: Losing sleep
02: Dying day (Orange Juice)
03: What presence!? (Orange Juice)
04: Make me feel again
05: Consolation prize (Orange Juice)
06: It dawns on me
07: Wheels of love
08: Home again
09: Humble
10: What is my role?
11: Rip it up (Orange Juice)
12: Falling and laughing (Orange Juice)
13: Do it again
14: Don't shilly shally
15: A girl like you

16: Searching for the truth (Z)
17: In your eyes (Z)
18: Blue boy (Orange Juice) (Z)

Links:

- Edwyn Collins, Bowlie 2, 11.12.10

* glaube ich (nach einem "Tom Edwards" zu googlen ist ein Traum)
** dabei singt Romeo von den Magic Numbers das Original




Edwyn Collins, Köln, 21.02.11


Konzert: Edwyn Collins
Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 21.02.2011
Zuschauer: sehr gut besucht, fast ausverkauft
Dauer: 80 min


Im vergangenen Jahr bereitete mir Edwyn Collins ein unerwartetes Konzerthighlight. Mehr aus Neugierde als aus echtem Interesse hatte ich dem Schotten beim Bowlie 2 Festival zugesehen, zumindest am Anfang, denn ganz schnell hatte mich die lange nicht mehr gehörte Musik des sympathischen Künstlers gepackt und mir ein wundervolles Konzert geschenkt.

Vorher hatte ich auch das Kölner Konzert des Schotten nicht auf dem Schirm, ich hatte nicht mitbekommen, daß es verlegt wurde, ich hatte ja auch kein Interesse, hinzugehen. Aber der überzeugende Auftritt in einem nach Curryketchup stinkenden Animationssaal des Ferienclubs in Minehead hatte mich eines Besseren belehrt, also wurde der Abend im Stadtgarten zum Pflichttermin.

Als wir um halb neun in den Saal kamen war der deutlich besser gefüllt, als ich erwartet hatte. Die Altersstruktur des Publikums erfüllte dann aber wieder meine Vorurteile; es war eben wie so oft: Zuschauer und Musiker waren etwa gleich alt.

Nach einer netten örtlichen Vorgruppe, die nach eigener Einschätzung eine große Nummer in London ist, spielte Edwyn Collins mit illustrer Vorgruppe gut 80 Minuten Stücke seines neuen Albums und seiner alten meist aus der Orange Juice Zeit stammenden Lieder. Natürlich wusste ich vorher, daß das einmalige England Erlebnis mit Teenage Fanclub als Begleitband und Gastauftritten von Ryan Jarman, Alex Kapranos und Nick McCarthy nicht erreicht werden könnte. Aber auch ohne diese ganz besonderen Momente war das Konzert ausgezeichnet.

Entgegen unseres Eindrucks beim Umbau wurde die Vorgruppe nicht zur Begleitband des Schotten. Die in London lebenden Musiker hatten die Instrumente noch montiert und gestimmt, überliessen die Plätze dann aber einer anderen Truppe. Boz Boorer, der Morrissey Gitarrist und Songwriter, war nicht in der Band. B
ei Edwyn Collins' Auftritt in der Harald Schmidt Show vor ein paar Wochen hatte der Rockabilly Musiker noch Keyboard und Saxophon gespielt, heute übernahm ein anderer Mann diese Position, Sean Read, glaube ich. Die Band bestand weiterhin aus den Gitarristen Andy Hackett und Tom Edwards*, Bassist James Walbourne und vermutlich - ich konnte ihn leider nicht richtig erkennen, meine aber sein Gesicht ausgemacht zu haben - Paul Cook (Sex Pistols) am Schlagzeug. Auffälligste Figur im Lineup war sicher Gitarrist Andy Hackett, dessen Haarpracht eine Hommage an Andy Brehme und den jungen Rudi Völler zu sein schien.

Auch wenn es nicht die Allstar Band des Bowlie Wochenendes war, machten Edwyns Mitstreiter einen sehr souveränen Eindruck, es war also keine Verlegenheitstruppe, die er für die Deutschland-Tour zusammengestellt hatte.

Edwyn selbst saß auf einer Box hinter einem Notenständer. Er kündigte die Songs kurz an, meist nur durch Namensnennung, manchmal aber mit einem weiteren Satz ("das war meine erste Single..."). Wenn er dann singt, ist von der langsamen Sprache bei den Ansagen nichts mehr da, gerade bei dem tausendfach hoch- und runtergenudelten A girl like you fiel mir auf, wie unverändert Edwyns Gesang dabei ist. Phänomenal, wie sich dieser Mann zurück auf die Bühne gekämpft hat!

Ich muß gestehen, daß ich Edwyns letzte Platte Losing sleep so sehr mag, daß seine älteren Stücke in meiner Gunst ein paar Schritte zurück gemacht haben. Umso größer war allerdings das Risiko, wie die diversen Duette der Platte ohne ihre Gastsänger funktionieren würden. Oder mit Edwyns Worten vor It dawns on me: "Ryan from the Cribs isn't here. But James on bass can sing it, too."** James klang zwar erst sehr zurückhaltend, fast schüchtern, bekam das Lied aber gut in den Griff - ein Highlight!

Bei What is my role?, dem größten neuen Hit, fehlte mir bei den Soloparts Ryan Jarman schon mehr. Aber als dann alle einsetzten, das Lied immer lauter wurde, war das verziehen, und What is my role? für mich der größte Knüller des Abends.

Weitere Höhepunkte waren Humble, Rip it up, Do it again (das Franz Ferdinand Cover...) oder Dying day. Beendet wurde das Set aber mit dem offiziell größten Hit A Girl like you, zu dem Edwyn aufstand. Nach dem Ende seines Singparts ging er langsam von der Bühne, während die Band noch spielte. Beim Fußball ist das das Auswechseln des Stars in der 88. Minute.

Die erste Zugabe bestritten nur Edwyn und Bassist James an der akustischen Gitarre. Das war schön, spektakulär wurde es aber noch einmal danach. Es kam nämlich ein sehr junger Mann auf die Bühne, der einen bunten Anorak mit Fellkragen trug und wie eine Mischung aus Mike Skinner und Edwyn Collins aussah: Edwyns Sohn Will. Gemeinsam sangen die beiden In your eyes, was trotz merkbarer Nervosität des jungen Collins sehr schön und sehr rührselig (aber nicht kitschig) war!


Setlist Edwyn Collins, Stadtgarten, Köln:

01: Losing sleep
02: Dying day (Orange Juice)
03: What presence!? (Orange Juice)
04: Make me feel again
05: Consolation prize (Orange Juice)
06: It dawns on me
07: Wheels of love
08: Home again
09: Humble
10: What is my role?
11: Rip it up (Orange Juice)
12: Falling and laughing (Orange Juice)
13: Do it again
14: Don't shilly shally
15: A girl like you

16: Searching for the truth (Z)
17: In your eyes (Z)
18: Blue boy (Orange Juice) (Z)

Links:

- Edwyn Collins, Bowlie 2, 11.12.10

* glaube ich (nach einem "Tom Edwards" zu googlen ist ein Traum)
** dabei singt Romeo von den Magic Numbers das Original




Twin Shadow, Köln, 08.02.11


Konzert: Twin Shadow
Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 08.02.2011
Zuschauer: sehr viele (Saal fast voll)
Dauer: Twin Shadow 50 min, Tellavision 40 min


Gar nicht schlecht, dieser Abend im Kölner Stadtgarten... Obwohl Twin Shadow kräftig gehypt wird, ist der New Yorker Musiker George Lewis jr. bisher an mir vorbeigegangen; scheinbar bin ich gerade zu träge, den Säuen hinterherzurennen, die durch die umliegenden Dörfer getrieben werden, auch James Blake z.B. nehme ich bislang nicht wahr. Aber - das predigen wir hier regelmäßig: warum vorher die Platte hören, wenn man eine Band auch live kennenlernen kann. Für die Konserve bleibt schließlich hinterher genug Zeit.

Bevor allerdings dieser Test stattfand, spielte ein erstaunlich gutes Vorprogramm: Tellavision, eine junge Musikerin aus Hamburg, die mit allerlei Instrumenten und einer Loopmaschine sehr gute Lieder zusammenbastelte. Dieses Liveerzeugen von Samples, die immer wieder wiederholt werden und nach und nach ein Lied ergeben, ist nicht mehr unbedingt originell, viele Künstler bedienen sich dieses raffinierten Hilfsmittels. Wir haben einige Male darüber geschrieben, bei Owen Pallett, Entertainment For The Braindead oder Dear Reader zum Beispiel. Originelle Technik oder nicht, das Live-Loopen macht mir immer wieder Spaß, weil es etwas zu sehen gibt. Besonders gut gefielen mir die exotischen Instrumente, die geloopt wurden und dadurch ganz neu klangen, die gesampleten Kalimba- und Mundharmonika-Töne hatten eine Menge Pepp!

Es gab zwar ein paar kleinere Pannen, einen Neustart, weil die Künstlerin mit ihrem Geloope nicht zufrieden war, oder ein versehentlich mitaufgenommenes Drumstick auf Tisch-Geräusch, was dann zigmal wiederholt wurde. Oder die Frisur der Musikerin. Aber auch diese kleinen Pannen waren sehr charmant und versauten
nicht den positiven Gesamteindruck, denn die Lieder der Hamburgerin mit ostwestfälischem Migrationshintergrund waren abwechslungsreich und packend!

Frisuren waren auch das Motto der Hauptgruppe, das ahnte man schon, als George Lewis jr. und sein Schlagzeuger kurz vor Beginn des Konzerts letzte Soundchecks
durchführten. Wenn man New Yorker Bands vorgestzt bekommt, erwartet man Nachhilfe in Sachen Stil. George und seine drei Begleiter enttäuschten da schon einmal keinesfalls. Während der Sänger (und Gitarrist) George vor allem durch viele und hohe Haare auffiel, waren die drei anderen durchweg hip. Die Keyboarderin (Wynne Bennett) hatte ein kurzes schwarzes Cape über einem Blumenröckchen an und trug ein (Luftwaffen?-) Schiffchen auf dem Kopf. Das Hemd des Schlagzeugers war sicherlich auch der letzte New Yorker Modeschrei, auch wenn ich nicht den Mut hätte, so etwas zu tragen. Am coolsten wirkte aber der Bassist der Band, der sich mit Jeans, T-Shirt mit sehr kurzen Ärmeln und dicker Brille zwar ein Mittlerer Westen Outfit verpasst hatte, damit aber vermutlich der große Hippster ist. Und er glich Prinz Carl Alexander v. Hohenzollern (ehemals Metzen).

Musikalisch war ich vollkommen unbefleckt; ich kannte ein Lied der Band. Was wir in den folgenden fünfzig Minuten geboten bekamen, rechtfertigte den Ausflug aber sehr. Die wenigen Beschreibungen vorher hatten mich eigentlich schaudern lassen, in denen kamen nämlich viel zu oft "Glam", "80s" und "Wave" vor. Die treibenden Rhythmen und das wundervolle Keyboard (das Instrument) erzeugten bei mir eher Assoziationen zu Dream Pop, wie ihn die Pains Of Being Pure At Heart wieder hochaktuell gemacht haben. Dazu Georges hervorragende Stimme - das machte schon sehr viel Spaß! Auch die Band schien den zu haben, der charismatische Sänger redete viel und bot auf Anfrage aus dem Saal schließlich an, am Merchtisch auch Unterwäsche zu verkaufen (erstaunlich viele Leute suchten anschließend den Weg zum Verkaufsstand).

Nur ein Lied war fies: When we are dancing, das als drittes gespielt wurde. Ich hörte
neben mir nur noch ein "das meint der jetzt nicht ernst?!" Das Lied wäre eine perfekte Traumschiff-Melodie und stach aus dem sonst sehr hörenswerten Set heraus.

Der Abend hat viel Spaß gemacht, viel mehr, als ich eigentlich erwartet hatte. Aber das ist ja das Schöne an musikalischen blind dates - und jetzt kaufe ich wahrscheinlich auch die Platte.


Twin Shadow, Köln, 08.02.11


Konzert: Twin Shadow
Ort: Stadtgarten, Köln
Datum: 08.02.2011
Zuschauer: sehr viele (Saal fast voll)
Dauer: Twin Shadow 50 min, Tellavision 40 min


Gar nicht schlecht, dieser Abend im Kölner Stadtgarten... Obwohl Twin Shadow kräftig gehypt wird, ist der New Yorker Musiker George Lewis jr. bisher an mir vorbeigegangen; scheinbar bin ich gerade zu träge, den Säuen hinterherzurennen, die durch die umliegenden Dörfer getrieben werden, auch James Blake z.B. nehme ich bislang nicht wahr. Aber - das predigen wir hier regelmäßig: warum vorher die Platte hören, wenn man eine Band auch live kennenlernen kann. Für die Konserve bleibt schließlich hinterher genug Zeit.

Bevor allerdings dieser Test stattfand, spielte ein erstaunlich gutes Vorprogramm: Tellavision, eine junge Musikerin aus Hamburg, die mit allerlei Instrumenten und einer Loopmaschine sehr gute Lieder zusammenbastelte. Dieses Liveerzeugen von Samples, die immer wieder wiederholt werden und nach und nach ein Lied ergeben, ist nicht mehr unbedingt originell, viele Künstler bedienen sich dieses raffinierten Hilfsmittels. Wir haben einige Male darüber geschrieben, bei Owen Pallett, Entertainment For The Braindead oder Dear Reader zum Beispiel. Originelle Technik oder nicht, das Live-Loopen macht mir immer wieder Spaß, weil es etwas zu sehen gibt. Besonders gut gefielen mir die exotischen Instrumente, die geloopt wurden und dadurch ganz neu klangen, die gesampleten Kalimba- und Mundharmonika-Töne hatten eine Menge Pepp!

Es gab zwar ein paar kleinere Pannen, einen Neustart, weil die Künstlerin mit ihrem Geloope nicht zufrieden war, oder ein versehentlich mitaufgenommenes Drumstick auf Tisch-Geräusch, was dann zigmal wiederholt wurde. Oder die Frisur der Musikerin. Aber auch diese kleinen Pannen waren sehr charmant und versauten
nicht den positiven Gesamteindruck, denn die Lieder der Hamburgerin mit ostwestfälischem Migrationshintergrund waren abwechslungsreich und packend!

Frisuren waren auch das Motto der Hauptgruppe, das ahnte man schon, als George Lewis jr. und sein Schlagzeuger kurz vor Beginn des Konzerts letzte Soundchecks
durchführten. Wenn man New Yorker Bands vorgestzt bekommt, erwartet man Nachhilfe in Sachen Stil. George und seine drei Begleiter enttäuschten da schon einmal keinesfalls. Während der Sänger (und Gitarrist) George vor allem durch viele und hohe Haare auffiel, waren die drei anderen durchweg hip. Die Keyboarderin (Wynne Bennett) hatte ein kurzes schwarzes Cape über einem Blumenröckchen an und trug ein (Luftwaffen?-) Schiffchen auf dem Kopf. Das Hemd des Schlagzeugers war sicherlich auch der letzte New Yorker Modeschrei, auch wenn ich nicht den Mut hätte, so etwas zu tragen. Am coolsten wirkte aber der Bassist der Band, der sich mit Jeans, T-Shirt mit sehr kurzen Ärmeln und dicker Brille zwar ein Mittlerer Westen Outfit verpasst hatte, damit aber vermutlich der große Hippster ist. Und er glich Prinz Carl Alexander v. Hohenzollern (ehemals Metzen).

Musikalisch war ich vollkommen unbefleckt; ich kannte ein Lied der Band. Was wir in den folgenden fünfzig Minuten geboten bekamen, rechtfertigte den Ausflug aber sehr. Die wenigen Beschreibungen vorher hatten mich eigentlich schaudern lassen, in denen kamen nämlich viel zu oft "Glam", "80s" und "Wave" vor. Die treibenden Rhythmen und das wundervolle Keyboard (das Instrument) erzeugten bei mir eher Assoziationen zu Dream Pop, wie ihn die Pains Of Being Pure At Heart wieder hochaktuell gemacht haben. Dazu Georges hervorragende Stimme - das machte schon sehr viel Spaß! Auch die Band schien den zu haben, der charismatische Sänger redete viel und bot auf Anfrage aus dem Saal schließlich an, am Merchtisch auch Unterwäsche zu verkaufen (erstaunlich viele Leute suchten anschließend den Weg zum Verkaufsstand).

Nur ein Lied war fies: When we are dancing, das als drittes gespielt wurde. Ich hörte
neben mir nur noch ein "das meint der jetzt nicht ernst?!" Das Lied wäre eine perfekte Traumschiff-Melodie und stach aus dem sonst sehr hörenswerten Set heraus.

Der Abend hat viel Spaß gemacht, viel mehr, als ich eigentlich erwartet hatte. Aber das ist ja das Schöne an musikalischen blind dates - und jetzt kaufe ich wahrscheinlich auch die Platte.