Den Teufelskreis durchbrechen... Wie die öffentliche Meinung über Daniel Schuhmacher zustande kommt

Wenn man das Phänomen Daniel Schuhmacher einmal sozialwissenschaftlich betrachtet, kommt man am Begriff der "self fulfilling prophecy" nicht vorbei. An einer Vorhersage also, die sich nur deshalb erfüllt, weil sich der Vorhersagende - unbewusst oder bewusst - so verhält, dass sie sich erfüllen muss. Auf die Berichterstattung der Presse über Daniel und die Wahrnehmung Daniels in der Öffentlichkeit trifft dieser Begriff 100prozentig zu.

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Von "Oh, wie süß!"...

Sprich: Journalisten und selbsternannte Meinungsmacher prophezeiten Daniel von Anfang an, dass er keine Chance haben wird, sich im Musikbusiness zu behaupten - und taten von Anfang alles, um diese Prophezeiung wahr werden zu lassen. Ignorierten Daniel direkt im Anschluss an das DSDS-Finale komplett (seriöse Presse) oder aber redeten selbst Erfolge schlecht (unseriöse Blogs). Bestes Beispiel: Der Bericht im Berliner Tagesspiegel am Montag nach dem Finale: Da lobte der Journalist das Talent des "unverwechselbar klingenden Samtbarden", um ihm im gleichen Absatz jegliche Chancen auf eine seriöse Karriere  abzusprechen.

Bei der Berichterstattung wird sich nicht einmal ansatzweise die Mühe gemacht, zu recherchieren, nicht einmal für einen kurzen Google-Suchlauf wird sich Zeit genommen. So kommt es immer wieder zu Unglaublichkeiten wie der Frage "Was macht eigentlich Daniel Schuhmacher?", die man mit einem kurzen Blick ins Internet leicht beantworten könnte. Das Problem ist: Niemand WILL etwas finden, denn dann würde sich die "Prophezeiung" der Presse und der Öffentlichkeit, dass aus einem DSDS-Sieger nichts werden kann, vielleicht nicht erfüllen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Ein anderes Beispiel für die Wahrnehmung Daniels in der Öffentlichkeit ist auch die Meinungsbildung des durchschnittlichen Musikfans. Diese kann im Fall von Daniel kaum stattfinden, da in den diversen Musikforen eine Auseinandersetzung mit einem Musiker wie Daniel nicht stattfinden "darf". Das führt soweit, dass in einem renommierten Internetforum wie dem von www.rollingstone.de Threads über Daniel einfach geschlossen werden, weil man ihn als Teilnehmer einer Castingshow nicht für würdig hält. Dass eine musikalische Entwicklung stattgefunden hat und noch stattfindet, wollen die User nicht hören. Diese trotzige Weigerung zum Diskurs ist typisch für "seriöse" deutsche Musikfans und auch Musikjournalisten, die einfach Berührungsängste haben, wenn es um Musiker geht, die a) sehr viele junge Fans haben, b) sehr viele weibliche Fans und c) ihr erstes Album im Anschluss an einen DSDS-Sieg und nicht erst nach 20 Jahren Tingelei durch Keller-Clubs vorgelegt haben oder wenigstens aus einem Londoner Vorort kommen und Heroin spritzen. Und so kommt es dazu, dass im deutschen Musik-Diskurs für jemanden wie Daniel Schuhmacher kein Platz ist, egal, wieviel Talent man ihm zuspricht.

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... zu "Coole Sau!"... eine Entwicklung (fast) unter Ausschluss der Öffentlichkeit... 

Der Denkfehler dabei: Die Journalisten übersehen die eigene Rolle bei der ganzen Geschichte und führen die Ereignisse dann als Beweis für die eigene Vorhersage an. Einfacher ausgedrückt: Der Journalist will nicht - aus welchen Gründen auch immer - dass Daniel Schuhmacher Charterfolge vorweisen kann oder als Künstler anerkannt wird. Deshalb berichtet er nicht oder unzureichend/falsch über ihn. Was zur Folge hat, dass Daniel in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird. Was wiederum zur Folge hat, dass die Öffentlichkeit die CD's nicht kauft, weil sie gar nichts von ihnen weiß. Ein Teufelskreis.

Den es zu durchbrechen gilt. Daniels neue Single steht an, danach das neue Album. Darauf zu hoffen, dass Qualität sich irgendwann durchsetzen wird, ist die eine Möglichkeit. Der Gedanke, dass es auch Vorteile hat, dass Daniel sich beinahe schon "im Geheimen" als Künstler neu erfinden konnte, ohne die ganze Zeit im Rampenlicht zu stehen, ist ja nicht der verkehrteste. Die andere Möglichkeit ist, aktiv daran mitzuwirken, das Bild, das die Öffentlichkeit von Daniel Schuhmacher hat, zu ändern. Daniel selbst tut dafür schon mehr als genug, indem er einfach ist wie er ist, sich in Lichtgeschwindigkeit weiterentwickelt und immer nach vorne schaut. Unser Job ist es nun, ihn dabei zu unterstützen, die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen und einfach nur die Zukunft zu sehen. Das bedeutet auch, sich nicht mehr in irgendwelchen Voting-Nischen a la "Wer ist der beste DSDS-Sieger?" zu verkriechen, nur weil dort so einfach und schnell Erfolge zu erzielen sind, oder sich über hirnlose Kommentare von irgendwelchen Losern auf youtube aufzuregen, die nur Vorgekautes nachplappern, sondern ein neues Fan-Selbstbewusstsein zu entwickeln, neue Wege zu gehen und neues Terrain zu erschließen. Und vor allem auch, Menschen als Fans hinzu zu gewinnen. Wie genau das aussehen könnte, müssen wir alle zusammen herausfinden. Das ist unser Job für die nächsten Wochen und Monate.

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