DANIELS LIVE-CLASSICS - Teil 6: "Anything but love" in Cottbus

Freitag, 30. April, Spree-Galerie, Cottbus.


"Und jetzt kommt... DER SONG!"... Er sagt es in seiner besten Trash-Metal-Voice, fehlt eigentlich nur noch die Devil-Horn-Geste... "Jetzt kommt... ANYTHING BUT LOOOVE....". Aha, das soll wohl eher wie Barry White klingen. Und dann ein halb belustigtes, halb schicksalsergebenes "... und ihr singt bitte alle mit..."


"Anything but love" ist sein Siegersong, der Song, den alle kennen, der Song, der irgendwie dazu gehört und vielleicht sogar immer dazu gehören wird. Der Song, der eine Belastung ist. Wahrscheinlich hasst Daniel ihn nicht... aber ganz bestimmt liebt er ihn auch nicht. Und hat das wohl nie. Bei den letzten Auftritten hat er ABL entweder weggelassen oder seine schwindende Lust darauf, diesen Song zu singen, durch akute Crazyness demonstriert. Letzteres besonders charmant in Cottbus.


Mit breitem Grinsen und Stevie-Wonder-Gestik stürzt er sich in den Song, klettert mit dem Mikro ins Publikum... "Wollt ihr singen?" - "NEIN!" - "Wieso denn nein??? Ihr singt ihn mit, okay?"... 


Und dann kommt das "When I get older..." doch wieder mit dieser Engelsstimme, und man verzeiht Bohlen den Song augenblicklich. Den Rest der Strophe "singen" ein paar Mädels aus dem Publikum ins Mikro, wollen es gar nicht wieder her geben, und Daniel zuckt gespielt resigniert mit den Schultern: "Ich kann ja auch gehen, ciao..." 


Und dann gehts los... falscher Text... "Ihr bringt mich ganz durcheinander mit eurem Gesinge..." und "Ich hab das noch nie gesungen, was ist das für ein Lied?"... Das Publikum schreit den Refrain, große Schlagergesten von Daniel... "Baby, will you trust me... will you?"... Eine Mörder-Parodie...


"Come, take my heart..."
Foto: Gloggsi


Aber dann kommt der Moment, in dem man Daniels Zuneigung für DEN SONG, für sein ältestes, wenn auch nur adoptiertes Kind, doch wieder spürt.  Beim "I kiss away the pain..." wird er wieder ernst, setzt sich, versinkt im Song, und es ist wieder ein wenig so wie damals, im DSDS-Finale, ein Moment, in dem man ganz kurz Bohlen vergessen und sich einfach nur auf diese Stimme und das Gefühl darin konzentrieren kann. So ein Moment, wie ihn seine Fans auch schon oft bei der Live-Version von "It's a lonely night" erlebt haben. Der Spruch "It's the singer, not the song" war nie wahrer. 


Der Moment ist bald vorüber, und der Clown kommt wieder zum Vorschein. Den Schlussrefrain darf wieder das Publikum grölen ("Ich merke ja, dass ihr es unbedingt WOLLT!"). Schlussakkord. "Das war eine schwere Geburt..."... aber auch die Geburt eines Musikers, der sich spielerisch von alten Fesseln löst, ohne die Vergangenheit zu verleugnen.


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