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Godspeed You! Black Emperor, Paris, 14.01.11


Godspeed You! Black Emperor

Ort: La Grande Halle de la Villette, Paris
Datum: 14.01.11
Zuschauer: ausverkauft, 4000!
Konzertdauer: fast 2 1/2 Stunden


Für den 14. Januar hatte ich eigentlich das Konzert von Joanna Newsom im Théatre des Bouffes Du Nord fest eingeplant. Aber daraus wurde nichts, weil die Harfenlady krankheitsbedingt absagen musste. Ich erfuhr davon erst an der Eingangstür des Theaters. Wie ein Depp stand ich da und wusste nicht, was ich mit dem angebrochenen Abend tun sollte. Vernünftig sein und brav nach Hause fahren zu Frau und Kater? Nö, pure Vernunft darf niemals siegen (wer sang das? Heino, oder?). Ich also ab in die Metro Richtung La Villette wo Godspeed You! Black Emperor aufspielen sollten. Gegen 21 Uhr 15 kam ich dort an. Spät, denn das Konzert der wiederformierten Postrock-Legenden hatte bereits begonnen. Dummerweise hatte ich auch keine Karte oder Akkreditierung für den ausverkauften Gig und so hoffte ich, zufälligerweise auf Leute vom Label oder Veranstalter zu treffen, die mich, den stadtbekannten Bloggertitanen Oliver Peel (lol), einschleusen. Vor dem Eingang lungerten aber nur noch Ordner rum, die Sache schien aussichtslos. Da sah ich plötzlich eine junge Frau anstürmen. Ich guckte genauer hin und stellte fest, daß es sich um meine Konzertgängerfreundin Meg handelte. Sie erblickte mich und fragte völlig verdattert: "Ist das Konzert etwa schon aus?" Ich verneinte und ließ durchblicken, daß ich keine Karte hatte. Da grinste sie und öffnete ihre Tasche. Eine ihrer Freundinnen konnte heute abend nicht und so hatte sie ein Ticket zuviel, das sie noch zu verhökern hatte. Ich zahlte ihr den regulären Preis, also 30 Euro. Wir mussten uns nun beeilen, Godspeed ließen es in der Halle ja schon längst krachen.

Drinnen angekommen, stießen wir auf eine riesige Menschenmasse. Angeblich soll die Location 4000 Leute fassen und die standen sich die Füße platt und glotzten auf eine Leinwand, auf die Videos projeziert wurden. Düstere Bilder offenbarten sich meinen fast vierzig Jahre alten Augen. Das schwarze-
weiße Geflimmer erinnerte unter anderem an einen Fluß schwarzen Wassers. Morbide. Die Band konnte ich allerdings von weitem nicht gut sehen, aber mir gelang es, mich Stück für Stück weiter nach vorne zu arbeiten. Aus der Ferne glaubte ich Jessica Moss (A Silver Mount Zion) an der Geige zu erblicken, was mich allerdings sehr verwunderte weil ich doch wußte, daß lediglich Sophie Trudeau als einzige Fiedlerin sowohl bei A Silver Mount Zion als auch bei Godspeed zum Line-Up gehört. Erst als ich ziemlich weit vorne angekommen war, war mir klar, daß dort natürlich Sophie und nicht Jessica agierte. Ihre Geige war ein ganz wichtiges Element innerhalb der sphärischen Soundlandschaften , die von einer siebenköpfigen Band hochgezogen wurden. Ihr klassisches Instrument klang verhallt, verzerrt, irgendwie irreal. Die Töne schwebten durch die riesige Halle und vermengten sich mit den mal kontemplativen, mal brachialen Gitarren und dem sich oft langsam anpirschenden Schlagzeug. Auffällig und ungewohnt die Positionierung der Band auf der Bühne. Niemand stand vorne im Mittelpunkt, sondern die Anordnung der Mitglieder war hufeisenförmig um die turmhohen Marschall-Boxen herum. Eine Hälfte der Musiker performte im Sitzen (darunter Obergodspeed Efrim), die andere Hälfte, so z.B Sophie und Kontrabassist Thierry Amar, im Stehen. Kommunikation mit dem Publikum? Null. Man ließ die wuchtigen instrumentalen Songs und die verstörenden Videos sprechen, das musste genügen. Jeder konnte sich selbst die Message, die hinter den ellenlangen Stücken verbarg, herleiten. Ging es um Gesellschaftskritik? Sicherlich, denn Godspeed sind für ihre anarchistischen und antikapitalistischen Äußerungen bekannt. Aus dem spektakulären Video mit den Flammen konnte man so einiges ableiten. Zunächst sah man auf der großen Leinwand nur zwei kleine Feuerquellen, als hätte jemand sich eine Zigarette mit einem Feuerzeug angezündet. Im Verlaufe aber entwickelten sich diese kleinen Flammen zu einem gewaltigen Inferno, in dem Städte, Industrieanlagen (und Atomkraftwerke?) niederbrannten Alles fackelte lichterloh. Was war das? Die Hölle auf Erden? Der Brand, der unseren Planeten für immer auslöscht?

Zu einem anderen Stück gab es ebenfalls eine fast abstoßend zu nennende Illustrierung. Ein Bagger schaufelte industriellen Unrat meterhoch auf und dies genau unter einer Brücke. Vermutlich ein Bild für die Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt, für die fatalen Folgen der Bauwut für unsere Lebensqualität. Und dann sah man später auch noch einen Mann mit grauem Jacket, der uns den Rücken zukehrend auf einer Bank saß. Sein Gesicht war nicht zu sehen und es war nicht klar, was er tat. Rauchte er? Irgendwie sehr befremdend das Ganze...


Erst gegen 23 Uhr, nach fast 2 1/2 Stunden Spielzeit, verklangen die letzten bizarren Töne und die Band verließ ohne sich groß feiern zu lassen wortlos die Bühne. Zu einer Zugabe kamen die Kanadier nicht mehr zurück. Als Zuschauer war man ziemlich verdutzt und etwas ratlos. Wie war diese Comeback-Konzert nun musikalisch zu bewerten. Ein Hammer? Ein einmaliges, nie dagewesenes Erlebnis? Nicht ganz. Zwar gab es immer wieder mal unglaublich packende Passagen, in der sich die ganze aufgebaute Spannung extatisch entlud und ein Bild von Dramatik Kraft, Erhabenheit, Freiheit und Schönheit im Kopfe hinterließ, aber auch Momente zähen Verweilens, in denen scheinbar nichts passierte. Als Zuschauer war man gefordert, musste sich konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren, wenn minutenlang lediglich düstere sphärische Töne durch die Halle schwebten. Auch Stehvermögen war verlangt, denn fast 150 Minuten lang stand man sich in der Grande Halle de la Villette die Füße platt. Ein paar Leute verließen im Laufe des Konzertes dann auch den vorderen Bereich (weil sie nach Hause wollten, oder weil es ihnen einfach viel zu laut war?), so daß ich immer näher und näher an die Bühne rückte. Dies erlaubte mir auch, die Musiker genauer zu sehen, was aber nicht viel änderte, denn ihre Mimik und Körpersprache gab so gut wie nichts her. Allesamt agierten sie stoisch, auf sich selbst konzentriert und ohne den Blick zum Publikum zu richten. Es war fast wie bei einem klassischen Orchester, obwohl im Falle von Godspeed ein vor der Band agierender Dirigent fehlte. Zwar gilt Efrim als Bandleader , tat aber rein gar nichts, um dies nach außen kundzutun. Die Musiker kannten ihren Part wohl allzu genau (faszinierend, wie merken sich sich das alles?), brauchten niemanden, der sie dirigiert. Als letztes Stück hatten sie BBFIII performt, was Kenner der Band (wozu ich nicht gehöre) als Höhepunkt des Konzertes bezeichneten. Zu Beginn hörte man hier wie auch bei anderen Tracks gesampelte Stimmen von einem Band, es klang nach Kriegsberichterstattung.

Die Fans verhielten sich aber hier und heute nicht kriegerisch, sondern friedlich. Einzig und allein am Merchandisingstand wurde hinterher ein wenig um den besten Platz gekämpft. Immer wieder erstaunlich, welch reißenden Absatz T-Shirts, CDs und Platten vor allem bei solchen Noise-und Postrockkonzerten finden und dies trotz gesalzener Preise von 20 Euro. Dies zum Thema Antikapitalismus. Und die wie im Rausch gekauften CDs hört hinterher meistens doch kein Arsch, weil man die bei den Konzerten erlebten Gefühle mit Musik aus der Konserve nicht reproduzieren kann...

Fotos folgen in Kürze.

Setlist Godspeed You! Black Emperor, Grande Halle de la Villette, Paris:

01: Hope Drone
02: Storm
03: Monheim
04: Albanian
05: Chart # 3
06: World Police And Friendly Fire
07: Dead Metheny
08: Rocket Fall On Rocket Falls
09: BBFIII

- Fotos von dieser Show Konzertfotografenzar Robert Gil, klick!


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Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 11.11.08
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Godspeed You! Black Emperor, Paris, 14.01.11


Godspeed You! Black Emperor

Ort: La Grande Halle de la Villette, Paris
Datum: 14.01.11
Zuschauer: ausverkauft, 4000!
Konzertdauer: fast 2 1/2 Stunden


Für den 14. Januar hatte ich eigentlich das Konzert von Joanna Newsom im Théatre des Bouffes Du Nord fest eingeplant. Aber daraus wurde nichts, weil die Harfenlady krankheitsbedingt absagen musste. Ich erfuhr davon erst an der Eingangstür des Theaters. Wie ein Depp stand ich da und wusste nicht, was ich mit dem angebrochenen Abend tun sollte. Vernünftig sein und brav nach Hause fahren zu Frau und Kater? Nö, pure Vernunft darf niemals siegen (wer sang das? Heino, oder?). Ich also ab in die Metro Richtung La Villette wo Godspeed You! Black Emperor aufspielen sollten. Gegen 21 Uhr 15 kam ich dort an. Spät, denn das Konzert der wiederformierten Postrock-Legenden hatte bereits begonnen. Dummerweise hatte ich auch keine Karte oder Akkreditierung für den ausverkauften Gig und so hoffte ich, zufälligerweise auf Leute vom Label oder Veranstalter zu treffen, die mich, den stadtbekannten Bloggertitanen Oliver Peel (lol), einschleusen. Vor dem Eingang lungerten aber nur noch Ordner rum, die Sache schien aussichtslos. Da sah ich plötzlich eine junge Frau anstürmen. Ich guckte genauer hin und stellte fest, daß es sich um meine Konzertgängerfreundin Meg handelte. Sie erblickte mich und fragte völlig verdattert: "Ist das Konzert etwa schon aus?" Ich verneinte und ließ durchblicken, daß ich keine Karte hatte. Da grinste sie und öffnete ihre Tasche. Eine ihrer Freundinnen konnte heute abend nicht und so hatte sie ein Ticket zuviel, das sie noch zu verhökern hatte. Ich zahlte ihr den regulären Preis, also 30 Euro. Wir mussten uns nun beeilen, Godspeed ließen es in der Halle ja schon längst krachen.

Drinnen angekommen, stießen wir auf eine riesige Menschenmasse. Angeblich soll die Location 4000 Leute fassen und die standen sich die Füße platt und glotzten auf eine Leinwand, auf die Videos projeziert wurden. Düstere Bilder offenbarten sich meinen fast vierzig Jahre alten Augen. Das schwarze-
weiße Geflimmer erinnerte unter anderem an einen Fluß schwarzen Wassers. Morbide. Die Band konnte ich allerdings von weitem nicht gut sehen, aber mir gelang es, mich Stück für Stück weiter nach vorne zu arbeiten. Aus der Ferne glaubte ich Jessica Moss (A Silver Mount Zion) an der Geige zu erblicken, was mich allerdings sehr verwunderte weil ich doch wußte, daß lediglich Sophie Trudeau als einzige Fiedlerin sowohl bei A Silver Mount Zion als auch bei Godspeed zum Line-Up gehört. Erst als ich ziemlich weit vorne angekommen war, war mir klar, daß dort natürlich Sophie und nicht Jessica agierte. Ihre Geige war ein ganz wichtiges Element innerhalb der sphärischen Soundlandschaften , die von einer siebenköpfigen Band hochgezogen wurden. Ihr klassisches Instrument klang verhallt, verzerrt, irgendwie irreal. Die Töne schwebten durch die riesige Halle und vermengten sich mit den mal kontemplativen, mal brachialen Gitarren und dem sich oft langsam anpirschenden Schlagzeug. Auffällig und ungewohnt die Positionierung der Band auf der Bühne. Niemand stand vorne im Mittelpunkt, sondern die Anordnung der Mitglieder war hufeisenförmig um die turmhohen Marschall-Boxen herum. Eine Hälfte der Musiker performte im Sitzen (darunter Obergodspeed Efrim), die andere Hälfte, so z.B Sophie und Kontrabassist Thierry Amar, im Stehen. Kommunikation mit dem Publikum? Null. Man ließ die wuchtigen instrumentalen Songs und die verstörenden Videos sprechen, das musste genügen. Jeder konnte sich selbst die Message, die hinter den ellenlangen Stücken verbarg, herleiten. Ging es um Gesellschaftskritik? Sicherlich, denn Godspeed sind für ihre anarchistischen und antikapitalistischen Äußerungen bekannt. Aus dem spektakulären Video mit den Flammen konnte man so einiges ableiten. Zunächst sah man auf der großen Leinwand nur zwei kleine Feuerquellen, als hätte jemand sich eine Zigarette mit einem Feuerzeug angezündet. Im Verlaufe aber entwickelten sich diese kleinen Flammen zu einem gewaltigen Inferno, in dem Städte, Industrieanlagen (und Atomkraftwerke?) niederbrannten Alles fackelte lichterloh. Was war das? Die Hölle auf Erden? Der Brand, der unseren Planeten für immer auslöscht?

Zu einem anderen Stück gab es ebenfalls eine fast abstoßend zu nennende Illustrierung. Ein Bagger schaufelte industriellen Unrat meterhoch auf und dies genau unter einer Brücke. Vermutlich ein Bild für die Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt, für die fatalen Folgen der Bauwut für unsere Lebensqualität. Und dann sah man später auch noch einen Mann mit grauem Jacket, der uns den Rücken zukehrend auf einer Bank saß. Sein Gesicht war nicht zu sehen und es war nicht klar, was er tat. Rauchte er? Irgendwie sehr befremdend das Ganze...


Erst gegen 23 Uhr, nach fast 2 1/2 Stunden Spielzeit, verklangen die letzten bizarren Töne und die Band verließ ohne sich groß feiern zu lassen wortlos die Bühne. Zu einer Zugabe kamen die Kanadier nicht mehr zurück. Als Zuschauer war man ziemlich verdutzt und etwas ratlos. Wie war diese Comeback-Konzert nun musikalisch zu bewerten. Ein Hammer? Ein einmaliges, nie dagewesenes Erlebnis? Nicht ganz. Zwar gab es immer wieder mal unglaublich packende Passagen, in der sich die ganze aufgebaute Spannung extatisch entlud und ein Bild von Dramatik Kraft, Erhabenheit, Freiheit und Schönheit im Kopfe hinterließ, aber auch Momente zähen Verweilens, in denen scheinbar nichts passierte. Als Zuschauer war man gefordert, musste sich konzentrieren, um nicht den Faden zu verlieren, wenn minutenlang lediglich düstere sphärische Töne durch die Halle schwebten. Auch Stehvermögen war verlangt, denn fast 150 Minuten lang stand man sich in der Grande Halle de la Villette die Füße platt. Ein paar Leute verließen im Laufe des Konzertes dann auch den vorderen Bereich (weil sie nach Hause wollten, oder weil es ihnen einfach viel zu laut war?), so daß ich immer näher und näher an die Bühne rückte. Dies erlaubte mir auch, die Musiker genauer zu sehen, was aber nicht viel änderte, denn ihre Mimik und Körpersprache gab so gut wie nichts her. Allesamt agierten sie stoisch, auf sich selbst konzentriert und ohne den Blick zum Publikum zu richten. Es war fast wie bei einem klassischen Orchester, obwohl im Falle von Godspeed ein vor der Band agierender Dirigent fehlte. Zwar gilt Efrim als Bandleader , tat aber rein gar nichts, um dies nach außen kundzutun. Die Musiker kannten ihren Part wohl allzu genau (faszinierend, wie merken sich sich das alles?), brauchten niemanden, der sie dirigiert. Als letztes Stück hatten sie BBFIII performt, was Kenner der Band (wozu ich nicht gehöre) als Höhepunkt des Konzertes bezeichneten. Zu Beginn hörte man hier wie auch bei anderen Tracks gesampelte Stimmen von einem Band, es klang nach Kriegsberichterstattung.

Die Fans verhielten sich aber hier und heute nicht kriegerisch, sondern friedlich. Einzig und allein am Merchandisingstand wurde hinterher ein wenig um den besten Platz gekämpft. Immer wieder erstaunlich, welch reißenden Absatz T-Shirts, CDs und Platten vor allem bei solchen Noise-und Postrockkonzerten finden und dies trotz gesalzener Preise von 20 Euro. Dies zum Thema Antikapitalismus. Und die wie im Rausch gekauften CDs hört hinterher meistens doch kein Arsch, weil man die bei den Konzerten erlebten Gefühle mit Musik aus der Konserve nicht reproduzieren kann...

Fotos folgen in Kürze.

Setlist Godspeed You! Black Emperor, Grande Halle de la Villette, Paris:

01: Hope Drone
02: Storm
03: Monheim
04: Albanian
05: Chart # 3
06: World Police And Friendly Fire
07: Dead Metheny
08: Rocket Fall On Rocket Falls
09: BBFIII

- Fotos von dieser Show Konzertfotografenzar Robert Gil, klick!


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Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 11.11.08
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 13.04.08
The Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Paris, 17.04.07 (damals nur mit einem e)


Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Prim Undermind, Paris, 14.12.10


Konzert: Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Primordial Undermind
Ort: les Voûtes, Paris

Datum: 14.12.10
Zuschauer: vielleicht 70-80?


Verflucht! Hätte ich mir doch mehr Zeit gelassen, um zu wissen, wo die obskure Location "Les Voûtes" genau liegt. Abgehetzt und wieder recht spät dran, guckte ich nur ganz beiläufig auf einen Auszug von Google maps und sah, daß les Voûtes in der Nähe des Hausbootes Batofar gelegen seien. Ich notierte auch zur Sicherheit die (falsche, aber dennoch im Netz vermerkte!) Adresse 91 Quai Panhard et Levassor. Das würde ich schon finden, zur Not fragen.

Am Seine- Ufer in der Nähe der Bibliothèque François Mitterand angekommen, sah ich aber nur die mir bekannten Hausboote Dames de Canton und Batofar im Wasser schwimmen. Nichts deutete auf eine Undergound Location in der Nachbarschaft hin. Ich erkundigte mich nach "Les Voûtes", aber niemand konnte mir helfen. Die Leute, die im Batofar arbeiteten, schüttelten alle nur ahungslos mit dem Kopf. Seltsam war allerdings, daß sie noch nicht einmal den Quai Panhard et Levassor kannten, denn der lag in der Tat nicht weit entfernt. Man musste nur zurück auf die Uferstraße klettern, um ihn zu erreichen. Das half mir aber nicht viel, denn zunächst lief ich alter Trottel in die falsche Richtung und dann konnte ich partout keine Nummer 91 finden. Es gab sie einfach nicht! Der Quai hörte beiNummer 89 auf!! Meine Nachfrage bei den Leuten in den umliegenden Sushi-Restaurants ergab auch nichts. Les Voutes kannten sie nicht: "Noch nie gehört!" Ich latschte mehrfach die Gegend ab, rauf und wieder runter, ohne Erfolg. Ich fror unglaublich, denn es war eisig kalt in Paris in dieser trostlosen Dezembernacht. Einen Moment lang dachte ich daran, mit der U-Bahn wieder nach Hause zu fahren. Aber so leicht gab ich nicht auf! Ich schaute mir auf der Rückseite einer Bushaltestation einen Plan des Viertels an. Hinter dem letzten Gebäude des Quais war ein Ort eingezeichnet, der auf den mysteriösen Namen "Les Frigos", die Kühlschränke, hörte. Den Namen hatte ich schon einmal im Zusammenhang mit einer sagenumwobenen Underground-Location aufgeschnappt. Veranstaltete dort nicht etwa der Kerl, der auch in dem inzwischen wieder geschlossenen "Le Tunnel" (ich berichte hier von dieser saucoolen Location) Konzertabend organisierte? Ich war mir nicht sicher, aber mein Gespür sagte mir nun, daß Les Voutes irgendwo in der Nähe dieser Frigos liegen müssten. Ich erreichte einen gottverlassenen Autoparkplatz, zu dem ich über ein kleine Treppe gelangte. Meine alten Augen erblickten ein komplett mit Graffitti vollgeschmiertes Jugendzentrum, in dem noch Licht brannte. Ob ich hier richtig war? Menschen standen bei der Kälte keine draußen und der Name Les Voutes war auch nicht markiert. Ich zog frustiert wieder ab, in der Meinung, daß hier wohl auch nicht die gesuchten Konzerte stattfinden würden. Deprimiert kletterte ich die kleine Treppe wieder hoch und sah plötzlich zufällig den Flyer der Veranstaltung an einer Mauer hängen. Moment mal! Dann musste das Ganze doch hier irgendwo sein! Ich schlich zurück zu dem Zentrum und sah plötzlich einen Mann vor der Tür. Etwas verschüchtert fragte ich ihn nach les Voutes und er erklärte mir, daß ich einmal ganz um das Haus rumlatschen müsse, dann würde ich es schon sehen. Ich latschte und öffnete eine Tür, landete aber lediglich in einem großräumigen Café ohne Gäste. Der Wirt schickte mich ein Haus weiter und nun endlich, war ich dort, wo ich seit einer Stunde hinwollte! Nach Bezahlen des Eintrittspreises von 10 Euro gelang ich in einen röhren/tunnelförmigen Backsteinraum, an dessen Ende die Bühne war. Die Besucher saßen auf dem Boden oder auf den bequemen grünen Kinosesseln an der Seite. Ich entschied mich für den Sessel, taute nach der schlimmen Käte draußen schnell wieder auf und blickte nach vorne. Dort spielten gerade Damon und Naomi. Ein erlesenes Dreampop- Duo aus den USA und Gründungsmitglieder der Kultband Galaxie 500. Allerdings war ich hauptsächlich wegen des Lautespielers Jozef van Wissem und seinem Nebenprojekt Heresy Of The Free Spirit (Jozef plus zwei zusätzliche experimentelle Musiker) gekommen. Zu dumm nur, daß er mit seinem Set bereits durch war, weil er als Erster gespielt hatte! Hätte ich mir zu Hause den Plan nur etwas genauer angesehen, hätte ich die Loaction schnell gefunden und wäre pünktlich gekommen. So aber musste ich mit Damon und Naomi vorlieb nehmen. Deren Set war aber zumindest so schön, daß ich halbwegs vertröstet wurde. Ich kannte sie schon von einem früheren Konzert im Mains D'oeuvres und wusste, daß mich sehr langsame, ruhige und äußerst melancholische Musik erwarten würde. Darauf hätten sie 15 Jahre hingearbeitet, meinte dann auch Damon in einer witzigen Szene. "Von Jahr für Jahr versuchen wir langsamer und trauriger zu werden", erkärte er fast stolz und hielt hinterher auch musikalisch Wort. Die Stücke waren in der Tat alle in moll gehalten, schritten im Zeitlupentempo voran und schwebten förmlich durch den röhrenförmigen Raum. Der dreampoppige Charakter wurde noch dadurch unterstrichen, daß Naomi nur in Umrissen zu sehen war. Die Spots waren auschließlich auf Damon gerichtet.

Fragt mich bitte nicht nach Titeln, in dieser Hinsicht bin ich nicht fit. Ich weiß lediglich, daß sie Song To The Siren, ein Tim Buckley Cover gepielt haben. Am Merch gab's ne DVD, was für Romantiker zu Weihnachten, gelle?

Weniger romantisch dann aber Primordial Undermind. Ein kalifornisches, inzwischen in Wien lebendes Trio, das ich vorher nicht kannte, obwohl Wikipedia sagt, daß sie Kritikikerlieblinge und schon seit den späten 1980er Jahren unterwegs seien. Ihr beinharter Psychedelic Rock mit Postrockeinflüssen passte perfekt zur heutigen Underground Location. Instrumentelle Passagen wechselten sich mit Parts ab, bei denen gesungen wurde und auch beim Tempo, dem Grad der Verzerrung der Gitarre und des Basses und der Lautstärke variierten die drei sympathischen Raubeine wunderbar. Nicht selten wurde die Noisekeule geschwungen und die inzwischen nur noch relativ rar gesäten Zuschauer hatten ihre helle Freude an dem knackigen Set. Konsequenz der guten Resonanz beim Publikum war eine Zugabe, die mich fast die letzte U-Bahn verpassen ließ. Nur um Sackhaaresbreite erreichte ich den letzten Zug und tuckerte Richtung Heimat, wohlwissend, daß ich wieder einen guten Konzertabend in einer kultigen Location verbacht hatte. Und den Jozef van Wissem sehe ich dann halt wieder bei seinem nächsten Besuch in Paris!


Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Prim Undermind, Paris, 14.12.10


Konzert: Heresy Of The Free Spirit (Jozef van Wissem) & Damon & Naomi & Primordial Undermind
Ort: les Voûtes, Paris

Datum: 14.12.10
Zuschauer: vielleicht 70-80?


Verflucht! Hätte ich mir doch mehr Zeit gelassen, um zu wissen, wo die obskure Location "Les Voûtes" genau liegt. Abgehetzt und wieder recht spät dran, guckte ich nur ganz beiläufig auf einen Auszug von Google maps und sah, daß les Voûtes in der Nähe des Hausbootes Batofar gelegen seien. Ich notierte auch zur Sicherheit die (falsche, aber dennoch im Netz vermerkte!) Adresse 91 Quai Panhard et Levassor. Das würde ich schon finden, zur Not fragen.

Am Seine- Ufer in der Nähe der Bibliothèque François Mitterand angekommen, sah ich aber nur die mir bekannten Hausboote Dames de Canton und Batofar im Wasser schwimmen. Nichts deutete auf eine Undergound Location in der Nachbarschaft hin. Ich erkundigte mich nach "Les Voûtes", aber niemand konnte mir helfen. Die Leute, die im Batofar arbeiteten, schüttelten alle nur ahungslos mit dem Kopf. Seltsam war allerdings, daß sie noch nicht einmal den Quai Panhard et Levassor kannten, denn der lag in der Tat nicht weit entfernt. Man musste nur zurück auf die Uferstraße klettern, um ihn zu erreichen. Das half mir aber nicht viel, denn zunächst lief ich alter Trottel in die falsche Richtung und dann konnte ich partout keine Nummer 91 finden. Es gab sie einfach nicht! Der Quai hörte beiNummer 89 auf!! Meine Nachfrage bei den Leuten in den umliegenden Sushi-Restaurants ergab auch nichts. Les Voutes kannten sie nicht: "Noch nie gehört!" Ich latschte mehrfach die Gegend ab, rauf und wieder runter, ohne Erfolg. Ich fror unglaublich, denn es war eisig kalt in Paris in dieser trostlosen Dezembernacht. Einen Moment lang dachte ich daran, mit der U-Bahn wieder nach Hause zu fahren. Aber so leicht gab ich nicht auf! Ich schaute mir auf der Rückseite einer Bushaltestation einen Plan des Viertels an. Hinter dem letzten Gebäude des Quais war ein Ort eingezeichnet, der auf den mysteriösen Namen "Les Frigos", die Kühlschränke, hörte. Den Namen hatte ich schon einmal im Zusammenhang mit einer sagenumwobenen Underground-Location aufgeschnappt. Veranstaltete dort nicht etwa der Kerl, der auch in dem inzwischen wieder geschlossenen "Le Tunnel" (ich berichte hier von dieser saucoolen Location) Konzertabend organisierte? Ich war mir nicht sicher, aber mein Gespür sagte mir nun, daß Les Voutes irgendwo in der Nähe dieser Frigos liegen müssten. Ich erreichte einen gottverlassenen Autoparkplatz, zu dem ich über ein kleine Treppe gelangte. Meine alten Augen erblickten ein komplett mit Graffitti vollgeschmiertes Jugendzentrum, in dem noch Licht brannte. Ob ich hier richtig war? Menschen standen bei der Kälte keine draußen und der Name Les Voutes war auch nicht markiert. Ich zog frustiert wieder ab, in der Meinung, daß hier wohl auch nicht die gesuchten Konzerte stattfinden würden. Deprimiert kletterte ich die kleine Treppe wieder hoch und sah plötzlich zufällig den Flyer der Veranstaltung an einer Mauer hängen. Moment mal! Dann musste das Ganze doch hier irgendwo sein! Ich schlich zurück zu dem Zentrum und sah plötzlich einen Mann vor der Tür. Etwas verschüchtert fragte ich ihn nach les Voutes und er erklärte mir, daß ich einmal ganz um das Haus rumlatschen müsse, dann würde ich es schon sehen. Ich latschte und öffnete eine Tür, landete aber lediglich in einem großräumigen Café ohne Gäste. Der Wirt schickte mich ein Haus weiter und nun endlich, war ich dort, wo ich seit einer Stunde hinwollte! Nach Bezahlen des Eintrittspreises von 10 Euro gelang ich in einen röhren/tunnelförmigen Backsteinraum, an dessen Ende die Bühne war. Die Besucher saßen auf dem Boden oder auf den bequemen grünen Kinosesseln an der Seite. Ich entschied mich für den Sessel, taute nach der schlimmen Käte draußen schnell wieder auf und blickte nach vorne. Dort spielten gerade Damon und Naomi. Ein erlesenes Dreampop- Duo aus den USA und Gründungsmitglieder der Kultband Galaxie 500. Allerdings war ich hauptsächlich wegen des Lautespielers Jozef van Wissem und seinem Nebenprojekt Heresy Of The Free Spirit (Jozef plus zwei zusätzliche experimentelle Musiker) gekommen. Zu dumm nur, daß er mit seinem Set bereits durch war, weil er als Erster gespielt hatte! Hätte ich mir zu Hause den Plan nur etwas genauer angesehen, hätte ich die Loaction schnell gefunden und wäre pünktlich gekommen. So aber musste ich mit Damon und Naomi vorlieb nehmen. Deren Set war aber zumindest so schön, daß ich halbwegs vertröstet wurde. Ich kannte sie schon von einem früheren Konzert im Mains D'oeuvres und wusste, daß mich sehr langsame, ruhige und äußerst melancholische Musik erwarten würde. Darauf hätten sie 15 Jahre hingearbeitet, meinte dann auch Damon in einer witzigen Szene. "Von Jahr für Jahr versuchen wir langsamer und trauriger zu werden", erkärte er fast stolz und hielt hinterher auch musikalisch Wort. Die Stücke waren in der Tat alle in moll gehalten, schritten im Zeitlupentempo voran und schwebten förmlich durch den röhrenförmigen Raum. Der dreampoppige Charakter wurde noch dadurch unterstrichen, daß Naomi nur in Umrissen zu sehen war. Die Spots waren auschließlich auf Damon gerichtet.

Fragt mich bitte nicht nach Titeln, in dieser Hinsicht bin ich nicht fit. Ich weiß lediglich, daß sie Song To The Siren, ein Tim Buckley Cover gepielt haben. Am Merch gab's ne DVD, was für Romantiker zu Weihnachten, gelle?

Weniger romantisch dann aber Primordial Undermind. Ein kalifornisches, inzwischen in Wien lebendes Trio, das ich vorher nicht kannte, obwohl Wikipedia sagt, daß sie Kritikikerlieblinge und schon seit den späten 1980er Jahren unterwegs seien. Ihr beinharter Psychedelic Rock mit Postrockeinflüssen passte perfekt zur heutigen Underground Location. Instrumentelle Passagen wechselten sich mit Parts ab, bei denen gesungen wurde und auch beim Tempo, dem Grad der Verzerrung der Gitarre und des Basses und der Lautstärke variierten die drei sympathischen Raubeine wunderbar. Nicht selten wurde die Noisekeule geschwungen und die inzwischen nur noch relativ rar gesäten Zuschauer hatten ihre helle Freude an dem knackigen Set. Konsequenz der guten Resonanz beim Publikum war eine Zugabe, die mich fast die letzte U-Bahn verpassen ließ. Nur um Sackhaaresbreite erreichte ich den letzten Zug und tuckerte Richtung Heimat, wohlwissend, daß ich wieder einen guten Konzertabend in einer kultigen Location verbacht hatte. Und den Jozef van Wissem sehe ich dann halt wieder bei seinem nächsten Besuch in Paris!


Red Sparowes, Paris, 16.10.10


Konzert: Red Sparowes
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 16.10.2010
Zuschauer: gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Konzertdauer: keine Ahung, ich habe Raum-und Zeitgefühl verloren!


Boah, ey!!! Was für ein Hammer! Musik von einem anderen Stern, zelebriert von einer Postrockband aus Los Angeles namens Red Sparowes . Das war galaktisch, gigantisch, orgasmisch, besser als Sex! Die fünfköpfige Band mit dem süßen Mädel an der Gitarre hat mir die Birne matschig geklopft und beinahe mein Trommelfell gefetzt, aber die Sache war es wirklich wert! An einem Konzertabend an dem noch etliche andere Bands in der Pariser Maroquinerie auftraten ( Monno, Gnaw, Head Of Wantastiquet) war ich lediglich für Red Sparowes angereist. Zuvor hatte ich noch in Ruhe mit meiner Frau zu abend gegessen, bevor ich mir dann dieses himmliche Konzert zum Dessert einverleibt habe. Von Beginn an war ich von den komplexen und atemberaubend schönen Soundlandschaften gefesselt und genoß auch die hypnotisierenden Videos, die auf eine Leinwand projeziert wurden, in vollen Zügen. Man sah prachtvolle Landschaften, die Silhouette einer Großstadt, ein menschliches Auge, Pilze, die durch die Gegend flogen, Sterne, Krater, dürre Zweige, Totenköpfe, die Flut, eine Tageszeitung mit der Schlagzeile "The War On Terror", Explosionen, eine Dollarnote, Affen, Autobahnen bei Nacht, und allerlei anderes anregendes Zeug. Ein Fest für alle Sinne! Am schönsten waren aber natürlich die herrlichen Gitarrenmelodien, das Wechselspiel zwischen kontemplativen und dramatischen, metallischen Phasen und die ungeheure Wucht und Anziehungskraft, die von der spannend arrangierten, rein instrumentalen Musik ausging. Die gutinformierten Fans im Publikum schnalzten mit der Zunge und ließen ihre Köppe energisch vor- und zurückfliegen. Wie immer war der überwiegende Teil der Gäste männlich, aber es ist ja nix Neues, daß die meisten Weiber keine Ahnung von guter, harter Musik haben. Ohnehin scheißegal, denn das Mädchen auf der Bühne, war ja auch recht hübsch. Fast schüchtern zupfte sie an ihrer Gitarre, während die Herren da schon energischer und testosterongeschwängerter zu Sache gingen. Der tätowierte Basser riß sein Instrument immer mal wieder in die Höhe, der Drummer mit der Elvis Presley Tolle kloppte auf sein Fell wie so ein Gestörter und der Ober- Red Sparow sah mit seinen langen Locken schon so ähnlich aus wie Efrim Menuck von A Silver Mount Zion/ Godspeed You! Black Emperor. Leute mit Ahnung klärten mich darüber auf, daß der Bursche auch bei Isis aktiv gewesen war.

Hinsichtlich der gespielten Stücke verweise ich auf die Setlist, ich kannte das Material vorher nicht, ging aber froh und wie ein Honigkuchenpferd grinsend mit der aktuellen CD The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer und einem gewaltigen Tinnitus nach Hause.

Geil, ey, Alter!

Pour nos lecteurs francais:

Wouahh! Quelle claque ce concert des américains Red Sparowes! C'était de la musique venant d'un autre planète! Galactique, gigantesque, orgasmique, mieux que le sexe! Le Quintet de Los Angeles m' a totalement secoué et en passant presque détruit les tympans, mais ça valait le coup. Venant juste pour le set des Red Sparowes (j'avais raté les autres groupes avant) j'ai passé un samedi soir passionnant. Dès le début j'ai été captivé par les paysages sonores complexes et d'une beauté folle et j'ai également beaucoup aimé les projections vidéos. On y voyait de grands espaces hivernaux magnifiques, la silhouette d'une métropole, un oeil humain de près, des champignons flottant dans l'air, des étoiles, cratères, branches mortes, et autres têtes de morts, un journal avec "The War On Terror" en gros titre, des explosions, des dollars, des singes, des autoroutes de nuit et plein d'autres images stimulantes et hypnotisantes. C'était un spectacle qui faisait appel à tous les sens. Mais bien évidemment le plus beau furent ces murs de guitares mélodiques, ces changements de rythmes entre des phases comtemplatives et rêveuses, d'autres plus énervées voire métalliques et la puissance incroyable de cette musique dramatiquement orchestrée.

Le public s'en delecta en faisant le signe typique des concerts post-rock: mouvement rapide de la tête d'avant en arrière. Dommage qu'il n' y ait eu que peu de femmes dans le public, comme souvent malheureusement dans ce type de concert, mais pour compenser il y avait au moins une jolie jeune fille à la guitare sur scène. Elle restait plutôt discrète dans une attitude typiquement shoegaze, tandis que les hommes bougaient leurs corps et leurs cheveux longs dans le rythme. Le batteur était impressionnant aussi, avec sa frappe très lourde et précise. Le chef du groupe (également clavieriste chez Isis) ressemblait drôlement à Efrim, ce qui m'a rappelé que je dois vite me procurer des places pour le grand retour des Godspeed! Mais des groupes comme Red Sparowes prouvent d'une maniere impressionnante qu'il y a pleins de groupes postrock/noise fabuleux! Tout simplement renversant!


Setlist Red Sparowes, La Maroquinerie, Paris:


01: Buildings
02: Avalanche
03: Freeway
04: Elephant
05: LHR
06: Bassong
07: EEL
08: Kelpass
09: Alone
10: Mother


Ausgewählte Konzerttermine von Red Sparowes
(ohne Gewähr):

28.10.2010: Szene, Wien
29.10.2010: Kranhalle/Feierwerk, München
30.10.2010: PMK, Innsbruck
31.10.2010: Jubez, Karlsruhe




Red Sparowes, Paris, 16.10.10


Konzert: Red Sparowes
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 16.10.2010
Zuschauer: gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Konzertdauer: keine Ahung, ich habe Raum-und Zeitgefühl verloren!


Boah, ey!!! Was für ein Hammer! Musik von einem anderen Stern, zelebriert von einer Postrockband aus Los Angeles namens Red Sparowes . Das war galaktisch, gigantisch, orgasmisch, besser als Sex! Die fünfköpfige Band mit dem süßen Mädel an der Gitarre hat mir die Birne matschig geklopft und beinahe mein Trommelfell gefetzt, aber die Sache war es wirklich wert! An einem Konzertabend an dem noch etliche andere Bands in der Pariser Maroquinerie auftraten ( Monno, Gnaw, Head Of Wantastiquet) war ich lediglich für Red Sparowes angereist. Zuvor hatte ich noch in Ruhe mit meiner Frau zu abend gegessen, bevor ich mir dann dieses himmliche Konzert zum Dessert einverleibt habe. Von Beginn an war ich von den komplexen und atemberaubend schönen Soundlandschaften gefesselt und genoß auch die hypnotisierenden Videos, die auf eine Leinwand projeziert wurden, in vollen Zügen. Man sah prachtvolle Landschaften, die Silhouette einer Großstadt, ein menschliches Auge, Pilze, die durch die Gegend flogen, Sterne, Krater, dürre Zweige, Totenköpfe, die Flut, eine Tageszeitung mit der Schlagzeile "The War On Terror", Explosionen, eine Dollarnote, Affen, Autobahnen bei Nacht, und allerlei anderes anregendes Zeug. Ein Fest für alle Sinne! Am schönsten waren aber natürlich die herrlichen Gitarrenmelodien, das Wechselspiel zwischen kontemplativen und dramatischen, metallischen Phasen und die ungeheure Wucht und Anziehungskraft, die von der spannend arrangierten, rein instrumentalen Musik ausging. Die gutinformierten Fans im Publikum schnalzten mit der Zunge und ließen ihre Köppe energisch vor- und zurückfliegen. Wie immer war der überwiegende Teil der Gäste männlich, aber es ist ja nix Neues, daß die meisten Weiber keine Ahnung von guter, harter Musik haben. Ohnehin scheißegal, denn das Mädchen auf der Bühne, war ja auch recht hübsch. Fast schüchtern zupfte sie an ihrer Gitarre, während die Herren da schon energischer und testosterongeschwängerter zu Sache gingen. Der tätowierte Basser riß sein Instrument immer mal wieder in die Höhe, der Drummer mit der Elvis Presley Tolle kloppte auf sein Fell wie so ein Gestörter und der Ober- Red Sparow sah mit seinen langen Locken schon so ähnlich aus wie Efrim Menuck von A Silver Mount Zion/ Godspeed You! Black Emperor. Leute mit Ahnung klärten mich darüber auf, daß der Bursche auch bei Isis aktiv gewesen war.

Hinsichtlich der gespielten Stücke verweise ich auf die Setlist, ich kannte das Material vorher nicht, ging aber froh und wie ein Honigkuchenpferd grinsend mit der aktuellen CD The Fear Is Excruciating, But Therein Lies The Answer und einem gewaltigen Tinnitus nach Hause.

Geil, ey, Alter!

Pour nos lecteurs francais:

Wouahh! Quelle claque ce concert des américains Red Sparowes! C'était de la musique venant d'un autre planète! Galactique, gigantesque, orgasmique, mieux que le sexe! Le Quintet de Los Angeles m' a totalement secoué et en passant presque détruit les tympans, mais ça valait le coup. Venant juste pour le set des Red Sparowes (j'avais raté les autres groupes avant) j'ai passé un samedi soir passionnant. Dès le début j'ai été captivé par les paysages sonores complexes et d'une beauté folle et j'ai également beaucoup aimé les projections vidéos. On y voyait de grands espaces hivernaux magnifiques, la silhouette d'une métropole, un oeil humain de près, des champignons flottant dans l'air, des étoiles, cratères, branches mortes, et autres têtes de morts, un journal avec "The War On Terror" en gros titre, des explosions, des dollars, des singes, des autoroutes de nuit et plein d'autres images stimulantes et hypnotisantes. C'était un spectacle qui faisait appel à tous les sens. Mais bien évidemment le plus beau furent ces murs de guitares mélodiques, ces changements de rythmes entre des phases comtemplatives et rêveuses, d'autres plus énervées voire métalliques et la puissance incroyable de cette musique dramatiquement orchestrée.

Le public s'en delecta en faisant le signe typique des concerts post-rock: mouvement rapide de la tête d'avant en arrière. Dommage qu'il n' y ait eu que peu de femmes dans le public, comme souvent malheureusement dans ce type de concert, mais pour compenser il y avait au moins une jolie jeune fille à la guitare sur scène. Elle restait plutôt discrète dans une attitude typiquement shoegaze, tandis que les hommes bougaient leurs corps et leurs cheveux longs dans le rythme. Le batteur était impressionnant aussi, avec sa frappe très lourde et précise. Le chef du groupe (également clavieriste chez Isis) ressemblait drôlement à Efrim, ce qui m'a rappelé que je dois vite me procurer des places pour le grand retour des Godspeed! Mais des groupes comme Red Sparowes prouvent d'une maniere impressionnante qu'il y a pleins de groupes postrock/noise fabuleux! Tout simplement renversant!


Setlist Red Sparowes, La Maroquinerie, Paris:


01: Buildings
02: Avalanche
03: Freeway
04: Elephant
05: LHR
06: Bassong
07: EEL
08: Kelpass
09: Alone
10: Mother


Ausgewählte Konzerttermine von Red Sparowes
(ohne Gewähr):

28.10.2010: Szene, Wien
29.10.2010: Kranhalle/Feierwerk, München
30.10.2010: PMK, Innsbruck
31.10.2010: Jubez, Karlsruhe




Faustine Seilman, Paris, 16.06.10


Konzert:Faustine Seilman

Ort: L'International, Paris
Datum: 16.06.10
Zuschauer: ungefähr 150
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Faustine Seilman ist mit neuem Album Whispers And Shouts endlich zurück auf einer Pariser Konzertbühne! Die junge Pianistin aus Nantes hat sich seit ihrem letzten Auftritt vom März 2009 (Pop In) nicht mehr in der Seine-Metropole blicken lassen.* Damals hatte sie mich mit ihrem gefühlvollen Pianospiel und ihren melancholischen Liedern zu Tränen gerührt. Für das heutige Konzert hatte ich mir fest vorgenommen, nicht die Heulsuse (bin ja nicht Andy Möller oder !?) zu spielen und tapfer zu bleiben. Boy's Don't Cry heißt es ja schon bei The Cure. Aber schon nach dem vierten Lied des traumhaft schönen Sets kullerten wieder heiße Tränen meine Wangen runter. Zu massiv war der Druck, der auf die Drüsen ausgeübt wurde. Die unfassbar hübsche Faustine spielte erneut so herzerweichend, legte eine dermaßene Intensintät in ihren Gesang, war so erbarmunglsos hypnotisch und faszinierend, daß ich nicht anders konnte, als meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Der Vortrag der Chanteuse und ihrer Band traf mich mit voller Wucht. Wie im Drogenwahn stieg ich leise schluchzend immer höher und höher und schwebte irgendwann frei wie ein Vogel über den Wolken. Gleich von drei Seiten wurde ich emotional bombadiert. Zu einem war da das in moll gehaltene Klavierspiel von Faustine, das mich ungemein bewegte. Schon als Jugendlicher war ich hin und weg ,wenn mir meine Klavierlehrerin nach der Übungstunde etwas vorspielte. Ich saß dann in ihrem bequemen Ohrensessel und alle Sorgen waren plötzlich wie weggeblasen. Manchmal klimperte sie eine viertel Stunde, aber wenn ich um Nachschlag bat, kam ich auch oft in den Genuß einer halbstündigen Berieselung. Ich fühlte mich dann immer wie in Watte gepackt und ging mit wunderschönen Gefühlen nach Hause. Genau jene Gefühle weckte Faustine heute wieder in mir und ich hätte sie dafür umarmen können. Aber auch ihr Bruder an der Gitarre bearbeitete meine Seele. Seine postrockigen Riffs klangen so unendlich traurig, aber auch gleichzeitig so wunderschön, daß ich weiche Knie bekam. Schließlich war es auch der sehnsuchtsvolle und wehklagende Chorgesang der Truppe, der mir durch Mark und Bein ging. Mit A Silver Mount Zionscher Dramatik sangen sie, als stünde ihr Leben auf dem Spiel und erreichten phasenweise fast die unglaubliche Dichte und Spannung der kanadischen Kultband. Schon sensationell, was da auf französischem Boden heranwächst! Auf die Talentschmiede des famosen Labels Collectif Effervescence aus Nantes ist eben Verlaß. Neben Faustin Seilman beherbergen sie solch innovative Bands wie Papier Tigre, La Terre Tremble !!!, oder Chevreuil und zeigen den auf Kommerz getrimmten Engländern mal was eine Harke ist. Schwer zu sagen, wer bei den Nantern das beste Pferd im Stall ist, aber wahrscheinlich wird mich zumindest live niemand so sehr in einen Rausch steigern können wie Faustine. Allein ihre Mimik zu beobachten ist ein ganz besonderer Genuß. Ihr verträumter Blick zu Beginn der Songs, dann der weit aufgerissene Mund, wenn sie richtig drauflos singt und schließlich das schüchterne Lächeln, wenn nach dem Vortrag eines Liedes der Applaus aufbrandet. Völlig verdienter Applaus natürlich, denn die neuen Lieder sind wirklich ganz dufte. Prison Of Gold, The Young Man and The Sea oder The Shepherd, das war vieles dabei, was mir auf Anhieb saumäßig gut gefiel.

Faustine Seilman live ist immer wieder etwas ganz Besonderes. Nicht oft schaffen es Musiker, mich dermaßen mit Haut und Haaren zu verschlingen. Die französische Pianistin kann das mühelos. Sie ist für mich eine ganz Große. Jetzt schon. Merci , Faustine!

Auszug aus der Setlist Faustine Seilman @ International, Paris

- Locked
- Lost Friends
- The Ballad Of A Starving Man
- Facing The Ocean
- Prison Of Gold
- The Young Man And The Sea
- Laissez Nous La
- The Shepherd


* nach einer Recherche bei Youtube stelle ich fest, daß ich mit dieser Behauptung falsch liege. Faustine Seilman hat am 22. April 2010 im Vorprogramm von A Silver Mt. Zion im Alhambra gespielt. Schade, daß ich nicht dabei war. Hier gibt es ein tolles Livevideo von dieser Sho
w.

Aus unserem Archiv:

Faustine Seilman, Paris, 25.03.09
Faustine Seilman, Paris, 20.11.07