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Rebekka Karijord & Chris Garneau,Paris, 11.12.10


Konzert: Rebekka Karijord & Chris Garneau

Ort: Le Café de la Danse, Paris

Datum: 11.12.10
Zuschauer: voll (ausverkauft?)

Konzertdauer: 50 traumhafte Minuten, Chris Garneau 90 gräßlich langweilige Minuten



Chris Garnele, ähem, Garneau ist so etwas wie der Andy Möller unter den Sängern. Eine Heulsuse. Sein weinerliches Geseier im Pariser Café de la Danse ging mir tierisch auf die Eier! Die 90 Minuten des Konzertes, in denen er unerbitterlich hinter seinem Piano rumschluchzte, gehörten zum Zähsten und Schwülstigsten, was ich in diesem Konzertjahr gesehen habe. Chris liefert sich in dieser Hinsicht ein Wettrennen mit John Grant, der vor ein paar Monaten im Nouveau Casino auch unfassbar schnulzig war. Fast wäre ich auf dumme Gedanken gekommen und hätte meinen Gürtel auf der Toilette zweckentfremdet. Aber lohnt es sich wirklich, für einen verweichlichten Pianisten zu sterben? Nö,oder? Mein Vater hätte gefragt: "Hat der Kerl überhaupt gedient?" Sicherlich nicht, so peacig wie der drauf war! Vielleicht sollte man es grundsätzlich verbieten, daß Männer Klavier spielen, Gitarren stehen ihnen einfach besser. Haben männliche Pianisten eigentlich nicht schon immer genervt? Ich meine, seien wir doch mal ehrlich. Hat John Lennon etwa nicht das Musikpublikum mit seinem peacigen Käse regelrecht terrorisiert, als er zu Imagine hinter dem Klavier klimperte und süßlich säuselte? Und haben uns Elton John und Billy Joel etwa nicht im Strahl Kotzen lassen, als sie Nikita und Leningrad auf die unschuldige Menschheit losließen? Womit haben wir heutzutage Chris, die Garnele verdient? Was haben wir verbrochen?

Kurzum: das Konzert von Chris Garneau war von der ersten bis zur letzten Minute scheußlich. Etwas Kurzweil gab es nur durch die Streichersektion und die tolle Trompete. Ansonsten Langeweile und Gefühlsduseligkeiten ohne Grenzen. Und dann covert der Kerl am Ende auch noch meinen Helden Elliott Smith. Frechheit. Between The Bars haben Erica Buettner oder Emily Haines viel besser neu interpretiert.

Großartig hingegen der Support Act des heutigen Abends. Rebekka Karijord und ihre Band begeisterten mich restlos und durften sogar fast 50 Minuten spielen. Von diesem brillanten Auftrit möchte ich gerne morgen mehr erzählen...

Nachtrag: Auf Grund des ersten Kommentares auf diesen Bericht muss ich vielleicht noch einmal das Wesentliche deutlicher rausstellen und die Albernheiten einmal außen vor lassen. Natürlich dürfen Männer Klavier spielen, sie dürfen meinetwegen auch nackt drauf tanzen. Auch Rumweinen ist ihnen selbstredend gestattet, ich oute mich ja hier selbst regelmäßig als Heulsuse. Stammleser wissen das. Mit männlichem/weiblichen Rollenverhalten oder Rollenerwartungen hat das nichts zu tun. Das eigentliche Problem lag heute vielmehr darin, daß mir das Auftreten von Chris Garneau nicht als authentisch erschien. Er hat eine Rolle gespielt, die ich ihm in dieser Form nicht abnahm. Deshalb kam auch außer Langeweile emotional nix bei mir rüber. Der Grat zwischen gefühlvollem Spiel und Gefühslduseligkeit/Schwülstigkeit ist oft schmal, heute wurde er überschritten. Schade. Die Kompositionen und Arrangements des neuen Albums El Radio sind nämlich teilweise brillant.

Chris hat aber zumindest immerhin in einer Szene bei mir klar gepunktet. Als das Publikum langanhaltend klatschte, meinte er: "Merci vous êtes gentils- vous êtes bourrés ou quoi?" - "Danke ihr seit nett, seit ihr besoffen oder was?"

Setlist Chris Garneau, Café de la Danse,Paris:

01: Holy Land
02: Hands On The Radio
03: Winter Song # 1
04: Winter Song # 2
05: Pas Grave
06: Relief
07: Castle-Time
08: Dirty Night Clowns
09: No More Pirates
10: Fireflies
11: We Don't Try
12: Over And Over
13: The Cats And Kids
14: Things She Said
15: Pirates Reprise
16: Sugar

17: Sad News
18: October October
19: Baby's Romance

20: Between The Bars (Elliott Smith)

Aber kommen wir doch nun noch einmal auf Rebekka Karijord zu sprechen. Die schwedische Norwegerin (aufgewachsen auf den Lofoten, dann irgendwann mit der Mutter nach Schweden gezogen), hatte mich am Vortag bei einem Showcase im CD Laden Galsrock bereits entzückt und heute spielte sie (fast) die gleichen Titel noch einmal mit einer richtigen Band und einem großen Flügel. An der Gitarre agierte Jacob Snavely von der schwedischen Rockband Dag för Dag und am Schlagzeug ein mir unbekannter Trommler. In dieser Dreierkonstellation klang das Ganze natürlich etwa anders als beim gestrigen Soloauftritt, aber nicht weniger reizvoll. Zwar ging die Reduziertheit zwangsläufig etwas flöten, dafür aber wurde an Oppulenz gewonnen, ohne dadurhc sofort zu bombastisch zu werden. Im Mittelpunkt stand ohnehin Rebekkas einzigartige Stimme. Mit ihrem Goldkhelchen ist die großgewachsene Dame in der Lage, jede einzelne Stimmung auszudrücken. Ob samtweich gehaucht, oder feste geschmettert, immer traf sie stimmlich ins Schwarze. Ihr Timbre ist unvergleichlich sehnsüchtig, flehentlich, aber auch enorm Trost pendend. A propos Trost spendend: in einer der bewegendsten Szenen dieses feinen Konzertes erzählte sie eine kurze Anekdote zu dem Lied Wear It Like A Crown. Ein aus dem Iran stammender Fan war nach einem ihrer Konzerte zu ihr gekommen und hatte ihr erzählt, daß er sich den Text, in dem es um die Bewältigung von Ängsten geht, zu Herzen genommen hat und von nun an seine Angst wie eine Krone tragen wird. Er sei schwul und im Iran herrsche überhaupt keine Toleranz für Homosexuelle, so daß er sich ständig vor Verunglimpfung, Bestrafung oder Verfolgung fürchten müsse. Der Song von Rebekka gebe ihm aber Mut und Hoffnung, besser mit seinen Ängsten umzugehen.

Waer It Like A Crown war dann auch in musikalischer Hinsicht ein Highlight und neben The Modern Art Of Letting Go das beste Lied des Sets. Erwähnung finden muss aber auch das originelle Nirvana Cover, Smells Like Teen Spirit, das manche Zuschauer erst sehr spät erkannten, dann aber voll drauf ansprangen und mitsangen.

Ein sehr stimmungsvolles,
emotionales Konzert, bei dem man auch schön sehen konnte, wie temperamentvoll die Kariijord ist. Hinter dem Flügel hüpfte sie ständig auf ihrem Stühlchen und rannte sogar einmal kurz tanzenderweise über die Bühne, bevor sie ihr Plätzchen zuürckergatterte. Das gab dann auch sofort Standing Ovations. Sehr schön auch ihre Ausflüge an die Harfe. Diese spielte sie nicht wie andere Kolleginnen (Serafina Steer, Joanna Newsom, Gregory and The Hawk) im Sitzen, sondern im Stehen. Ich sagte doch eben, das die Frau Temperament hat und immer in Bewgeung sein muss!

Erstaunlich, daß sie nicht schon viel bekannter ist. Ihrer gewiss nicht schlechten Tour partnerin Ane Brun kann sie allemal das Wasser reichen und Anna Ternheim wirkt neben Rebkka stimmlich sogar recht limitiert.

Also: das neue Album The Noble Art Of Letting Go kaufen!


Rebekka Karijord & Chris Garneau,Paris, 11.12.10


Konzert: Rebekka Karijord & Chris Garneau

Ort: Le Café de la Danse, Paris

Datum: 11.12.10
Zuschauer: voll (ausverkauft?)

Konzertdauer: 50 traumhafte Minuten, Chris Garneau 90 gräßlich langweilige Minuten



Chris Garnele, ähem, Garneau ist so etwas wie der Andy Möller unter den Sängern. Eine Heulsuse. Sein weinerliches Geseier im Pariser Café de la Danse ging mir tierisch auf die Eier! Die 90 Minuten des Konzertes, in denen er unerbitterlich hinter seinem Piano rumschluchzte, gehörten zum Zähsten und Schwülstigsten, was ich in diesem Konzertjahr gesehen habe. Chris liefert sich in dieser Hinsicht ein Wettrennen mit John Grant, der vor ein paar Monaten im Nouveau Casino auch unfassbar schnulzig war. Fast wäre ich auf dumme Gedanken gekommen und hätte meinen Gürtel auf der Toilette zweckentfremdet. Aber lohnt es sich wirklich, für einen verweichlichten Pianisten zu sterben? Nö,oder? Mein Vater hätte gefragt: "Hat der Kerl überhaupt gedient?" Sicherlich nicht, so peacig wie der drauf war! Vielleicht sollte man es grundsätzlich verbieten, daß Männer Klavier spielen, Gitarren stehen ihnen einfach besser. Haben männliche Pianisten eigentlich nicht schon immer genervt? Ich meine, seien wir doch mal ehrlich. Hat John Lennon etwa nicht das Musikpublikum mit seinem peacigen Käse regelrecht terrorisiert, als er zu Imagine hinter dem Klavier klimperte und süßlich säuselte? Und haben uns Elton John und Billy Joel etwa nicht im Strahl Kotzen lassen, als sie Nikita und Leningrad auf die unschuldige Menschheit losließen? Womit haben wir heutzutage Chris, die Garnele verdient? Was haben wir verbrochen?

Kurzum: das Konzert von Chris Garneau war von der ersten bis zur letzten Minute scheußlich. Etwas Kurzweil gab es nur durch die Streichersektion und die tolle Trompete. Ansonsten Langeweile und Gefühlsduseligkeiten ohne Grenzen. Und dann covert der Kerl am Ende auch noch meinen Helden Elliott Smith. Frechheit. Between The Bars haben Erica Buettner oder Emily Haines viel besser neu interpretiert.

Großartig hingegen der Support Act des heutigen Abends. Rebekka Karijord und ihre Band begeisterten mich restlos und durften sogar fast 50 Minuten spielen. Von diesem brillanten Auftrit möchte ich gerne morgen mehr erzählen...

Nachtrag: Auf Grund des ersten Kommentares auf diesen Bericht muss ich vielleicht noch einmal das Wesentliche deutlicher rausstellen und die Albernheiten einmal außen vor lassen. Natürlich dürfen Männer Klavier spielen, sie dürfen meinetwegen auch nackt drauf tanzen. Auch Rumweinen ist ihnen selbstredend gestattet, ich oute mich ja hier selbst regelmäßig als Heulsuse. Stammleser wissen das. Mit männlichem/weiblichen Rollenverhalten oder Rollenerwartungen hat das nichts zu tun. Das eigentliche Problem lag heute vielmehr darin, daß mir das Auftreten von Chris Garneau nicht als authentisch erschien. Er hat eine Rolle gespielt, die ich ihm in dieser Form nicht abnahm. Deshalb kam auch außer Langeweile emotional nix bei mir rüber. Der Grat zwischen gefühlvollem Spiel und Gefühslduseligkeit/Schwülstigkeit ist oft schmal, heute wurde er überschritten. Schade. Die Kompositionen und Arrangements des neuen Albums El Radio sind nämlich teilweise brillant.

Chris hat aber zumindest immerhin in einer Szene bei mir klar gepunktet. Als das Publikum langanhaltend klatschte, meinte er: "Merci vous êtes gentils- vous êtes bourrés ou quoi?" - "Danke ihr seit nett, seit ihr besoffen oder was?"

Setlist Chris Garneau, Café de la Danse,Paris:

01: Holy Land
02: Hands On The Radio
03: Winter Song # 1
04: Winter Song # 2
05: Pas Grave
06: Relief
07: Castle-Time
08: Dirty Night Clowns
09: No More Pirates
10: Fireflies
11: We Don't Try
12: Over And Over
13: The Cats And Kids
14: Things She Said
15: Pirates Reprise
16: Sugar

17: Sad News
18: October October
19: Baby's Romance

20: Between The Bars (Elliott Smith)

Aber kommen wir doch nun noch einmal auf Rebekka Karijord zu sprechen. Die schwedische Norwegerin (aufgewachsen auf den Lofoten, dann irgendwann mit der Mutter nach Schweden gezogen), hatte mich am Vortag bei einem Showcase im CD Laden Galsrock bereits entzückt und heute spielte sie (fast) die gleichen Titel noch einmal mit einer richtigen Band und einem großen Flügel. An der Gitarre agierte Jacob Snavely von der schwedischen Rockband Dag för Dag und am Schlagzeug ein mir unbekannter Trommler. In dieser Dreierkonstellation klang das Ganze natürlich etwa anders als beim gestrigen Soloauftritt, aber nicht weniger reizvoll. Zwar ging die Reduziertheit zwangsläufig etwas flöten, dafür aber wurde an Oppulenz gewonnen, ohne dadurhc sofort zu bombastisch zu werden. Im Mittelpunkt stand ohnehin Rebekkas einzigartige Stimme. Mit ihrem Goldkhelchen ist die großgewachsene Dame in der Lage, jede einzelne Stimmung auszudrücken. Ob samtweich gehaucht, oder feste geschmettert, immer traf sie stimmlich ins Schwarze. Ihr Timbre ist unvergleichlich sehnsüchtig, flehentlich, aber auch enorm Trost pendend. A propos Trost spendend: in einer der bewegendsten Szenen dieses feinen Konzertes erzählte sie eine kurze Anekdote zu dem Lied Wear It Like A Crown. Ein aus dem Iran stammender Fan war nach einem ihrer Konzerte zu ihr gekommen und hatte ihr erzählt, daß er sich den Text, in dem es um die Bewältigung von Ängsten geht, zu Herzen genommen hat und von nun an seine Angst wie eine Krone tragen wird. Er sei schwul und im Iran herrsche überhaupt keine Toleranz für Homosexuelle, so daß er sich ständig vor Verunglimpfung, Bestrafung oder Verfolgung fürchten müsse. Der Song von Rebekka gebe ihm aber Mut und Hoffnung, besser mit seinen Ängsten umzugehen.

Waer It Like A Crown war dann auch in musikalischer Hinsicht ein Highlight und neben The Modern Art Of Letting Go das beste Lied des Sets. Erwähnung finden muss aber auch das originelle Nirvana Cover, Smells Like Teen Spirit, das manche Zuschauer erst sehr spät erkannten, dann aber voll drauf ansprangen und mitsangen.

Ein sehr stimmungsvolles,
emotionales Konzert, bei dem man auch schön sehen konnte, wie temperamentvoll die Kariijord ist. Hinter dem Flügel hüpfte sie ständig auf ihrem Stühlchen und rannte sogar einmal kurz tanzenderweise über die Bühne, bevor sie ihr Plätzchen zuürckergatterte. Das gab dann auch sofort Standing Ovations. Sehr schön auch ihre Ausflüge an die Harfe. Diese spielte sie nicht wie andere Kolleginnen (Serafina Steer, Joanna Newsom, Gregory and The Hawk) im Sitzen, sondern im Stehen. Ich sagte doch eben, das die Frau Temperament hat und immer in Bewgeung sein muss!

Erstaunlich, daß sie nicht schon viel bekannter ist. Ihrer gewiss nicht schlechten Tour partnerin Ane Brun kann sie allemal das Wasser reichen und Anna Ternheim wirkt neben Rebkka stimmlich sogar recht limitiert.

Also: das neue Album The Noble Art Of Letting Go kaufen!


Agnes Obel, Paris, 09.11.10


Konzert: Agnes Obel

Ort: Fnac Montparnasse, Paris
Datum: 09.11.2010,
Zuschauer: etwa 80 bis 100
Konzertdauer. ungefähr eine halbe Stunde


Agnes Obel hat die schönsten blauen Augen, die man sich nur vorstellen kann! Ich wäre am liebsten in ihnen schwimmen gegangen, so herrlich azurfarben wie sie sind...

Heute hatte ich die Gelegenheit der dänischen Pianistin für ein paar Minuten ganz nahe zu sein. Nach ihrem Showcase im Kulturkaufhaus Fnac nahm sie sich noch Zeit, um mit ihren Fans zu plaudern und CDs zu signieren. Alles war ganz relaxt und angenehm. Und Agnes war erfreulich unkompliziert, nett und herzlich. Das recht strenge Bild, das sie auf manchen Promofotos und beim Performen ihrer Lieder abliefert, ist also nur ein Teil ihrer Persönlichkeit. Der andere Teil lächelt gerne und ist eigentlich sehr locker. Da sie in Berlin lebt, spricht sie auch gut deutsch. In Neukölln wohne sie jetzt, nachdem sie vorher am Prenzlberg war, teilte sie mir mit. Ich musste gestehen, daß ich meine 10 Jahre in Berlin im langweilen Witwenviertel Wilmersdorf verbracht habe, der Nähe zur Fu Berlin wegen.

Das Konzert, das unserer kurzen Unterhaltung vorangegangen war, hatte sich wirklich gelohnt. Zwar fehlte die tolle Cellistin Anne Ostsee, aber Fräulein Obel alleine am Klavier war auch nicht zu verachten. Wer unsere Seite regelmäßiger liest, weiß, daß ich das erste Konzert der Dänin in der Pariser Flèche d'or nicht ganz so überragend fand. Die Rahmenbedingungen waren schwierig, es war heiß, stickig und überfüllt und ich selbst müde und griesgrämig. Inzwischen habe ich die Songs aber ein paar Mal gehört und bin drin in der Materie. Die Stücke gefallen mir jetzt richtig gut. Brother Sparrow und vor allem Riverside gehen mir schon nicht mehr aus dem Ohr. Diese feine Klaviermelodie bei Riverside ist einfach zu einschmeichelnd, als daß man an ihr langfristig vorbeikäme. Und die Stimme von Agnes klingt nach Samt und Seide, ein Genuß! Schade, daß mit dem dramatischen On Powdered Ground dann schon relativ schnell Schluss war. Aber die Künstlerin ist auf Tournee, muss weiterziehen und andere Menschen mit ihrer Musik beglücken...

Setlist Agnes Obel, Showcase Fnac Montparnasse, Paris:

01: Bela
02: Just So
03: Smoke & Mirrors
04: Brother Sparrow
05: Riverside
06: On Powdered Ground

Aus unserem Archiv:

Agnes Obel, Paris, 06.11.2010
Agnes Obel, Paris, 28.10.2010



English review by rockerparis with pics and a video, click!

Videos: Sublimes capatations live d'Agnes Obel (Just So & On Powdered Ground) sur le-hiboo.com. Click!



Agnes Obel, Paris, 09.11.10


Konzert: Agnes Obel

Ort: Fnac Montparnasse, Paris
Datum: 09.11.2010,
Zuschauer: etwa 80 bis 100
Konzertdauer. ungefähr eine halbe Stunde


Agnes Obel hat die schönsten blauen Augen, die man sich nur vorstellen kann! Ich wäre am liebsten in ihnen schwimmen gegangen, so herrlich azurfarben wie sie sind...

Heute hatte ich die Gelegenheit der dänischen Pianistin für ein paar Minuten ganz nahe zu sein. Nach ihrem Showcase im Kulturkaufhaus Fnac nahm sie sich noch Zeit, um mit ihren Fans zu plaudern und CDs zu signieren. Alles war ganz relaxt und angenehm. Und Agnes war erfreulich unkompliziert, nett und herzlich. Das recht strenge Bild, das sie auf manchen Promofotos und beim Performen ihrer Lieder abliefert, ist also nur ein Teil ihrer Persönlichkeit. Der andere Teil lächelt gerne und ist eigentlich sehr locker. Da sie in Berlin lebt, spricht sie auch gut deutsch. In Neukölln wohne sie jetzt, nachdem sie vorher am Prenzlberg war, teilte sie mir mit. Ich musste gestehen, daß ich meine 10 Jahre in Berlin im langweilen Witwenviertel Wilmersdorf verbracht habe, der Nähe zur Fu Berlin wegen.

Das Konzert, das unserer kurzen Unterhaltung vorangegangen war, hatte sich wirklich gelohnt. Zwar fehlte die tolle Cellistin Anne Ostsee, aber Fräulein Obel alleine am Klavier war auch nicht zu verachten. Wer unsere Seite regelmäßiger liest, weiß, daß ich das erste Konzert der Dänin in der Pariser Flèche d'or nicht ganz so überragend fand. Die Rahmenbedingungen waren schwierig, es war heiß, stickig und überfüllt und ich selbst müde und griesgrämig. Inzwischen habe ich die Songs aber ein paar Mal gehört und bin drin in der Materie. Die Stücke gefallen mir jetzt richtig gut. Brother Sparrow und vor allem Riverside gehen mir schon nicht mehr aus dem Ohr. Diese feine Klaviermelodie bei Riverside ist einfach zu einschmeichelnd, als daß man an ihr langfristig vorbeikäme. Und die Stimme von Agnes klingt nach Samt und Seide, ein Genuß! Schade, daß mit dem dramatischen On Powdered Ground dann schon relativ schnell Schluss war. Aber die Künstlerin ist auf Tournee, muss weiterziehen und andere Menschen mit ihrer Musik beglücken...

Setlist Agnes Obel, Showcase Fnac Montparnasse, Paris:

01: Bela
02: Just So
03: Smoke & Mirrors
04: Brother Sparrow
05: Riverside
06: On Powdered Ground

Aus unserem Archiv:

Agnes Obel, Paris, 06.11.2010
Agnes Obel, Paris, 28.10.2010



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Videos: Sublimes capatations live d'Agnes Obel (Just So & On Powdered Ground) sur le-hiboo.com. Click!



Alina Orlova, Paris, 08.11.10


Konzert: Alina Orlova

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 08.11.2010

Zuschauer: mindestens 400, so gut wie ausverkauft

Konzertdauer: 90-100 Minuten



Es gibt Konzerte, die verändern dein Leben. Nicht, daß man hinterher keine Einschlafprobleme, Rückenschmerzen oder Geldsorgen mehr hat, nein, diese Veränderungen sind nicht gemeint. Es geht vielmehr darum, das man das Gefühl hat, etwas unglaublich Bewegendes und Prägendes erlebt zu haben. Und diese Erfahrungen machen dein Leben insgesamt wesentlich schöner und glücklicher.

Heute fand ein solches Konzert statt und ich durfte Zeuge sein. Dabei hatte es heute zunächst nicht danach ausgesehen, daß ich emotionale Höehpunkte erleben würde. Müde und völlig geplättet von der gestrigen Oliver Peel Session, begab ich mich ohne große Erwartungshaltung ins Café de la danse in Paris, wo die litauische Pianistin Alina Orlova auftreten sollte. Ihren Namen hatte ich vorher gefühlte 250 mal gehört und ich wusste auch, daß sie überwiegend in ihrer Landessprache singt, viel mehr war mir aber nicht bekannt. Obwohl sie schon ein paar mal in Paris gespielt hatte und ihr Debütalbum Laukinis Suo Dingo beim famosen Pariser Label Fargo vor ein paar Monaten erschienen war, kam ich bisher nie dazu, mich mit der jungen Dame genauer zu beschäftigen.



Der Auftritt im Café de la Danse war zuschauertechnisch ihr bisher größter. Alle Sitzplätze waren besetzt und vor der Bühne kauerten zudem mindestens 100 Mitbürger auf ausgelegten Teppichböden. Eine Vorgruppe gab es wohl nicht, aber das war mir auch egal. Ich wollte Alina sehen und hören, sonst niemanden. Und dann kam sie auch. Eine großgewachsene rotblond gelockte junge Frau mit einem roten Kleid, einer warme Strumpfhose und Stiefelchen, nahm auf dem Stühlchen hinter dem Yamaha- Flügel Platz. Sie legte ohne Begrüßungsformel sofort los und ich stellte fest, daß ich einen miesen Platz erwischt hatte: ich sah die Pianistin nur von hinten. Na ja, ein schöner Rücken kann ja auch entzücken...

Sie sang auf litauisch, manchmal russisch und in seltenen Fällen englisch. Abgesehen von ihren Landsleuten und ein paar Russen im Publikum verstand niemand die Texte. Sie hätte die übelsten Flüche in ihre Lyrics packen können, wir hätten es nicht kapiert und dennoch artig geklatscht. Während der ersten paar Lieder, ging mir die ganze Zeit ein Gedanke durch den Kopf. Ich dachte permanent daran, daß ausgebuffte Plattenbosse uns arglosen Musikhörern engelsgleiche Pianistinnen auf den Hals hetzen, nur um uns einzulullen und uns unsere Kohle aus der Tasche zu ziehen. Alles eine moderne Masche. Die Labels wissen haargenau, daß wir Blut geleckt haben, seitdem uns junge Klavierspielerinnen wie Soap & Skin, Frida Hyvönen, Agnes Obel und Regina Spektor die Birne matschig geklimpert und uns unserer Sinne beraubt haben. Die Assoziation zu Regina Spektor lag sowieso auf der Hand. Gleiche slawische Herkunft, gleiches Tasteninstrument und auch die lockige Haarpracht haben Regina und Alina gemein.

Ich blieb zunächst skeptisch und emotional aseptisch. Die würde mich nicht so schnell weich kriegen, dachte ich immer wieder. Aber von Lied zu Lied änderten sich meine Empfindungen, bis das Pendel irgendwann in die andere Richtung ausschlug. Aus Skepis wurde Ergriffenheit, aus Ergriffenheit absoulte Euphorie und Hörigkeit. Die letzten zwanzig Minuten des zeitlich üppigen Sets waren emotional mit die bewegendsten, die ich je bei einem Konzert erlebt hatte. Ich war dem grazilen Spiel und dem anmutigen Wesen von Alina völlig verfallen. Das Mädel imponierte mir durch ihre Bescheidenheit, ihre Natürlichkeit, ihre angenehm offene Art. "I don't have much to say, really" sagte sie in einer Szene in ihrem etwas holprigem englisch. Statt vieler Worte zwischendurch, ließ sie ihre tiefmelancholischen Lieder sprechen. Den Stücken wohnte die typisch slawische Schwermut inne, mit der mich schon eine Alina Simone zur Strecke gebracht hatte. Und dann die Magie dieser unverständlichen Sprache. Schon John Cleese fand russisch im Film "Ein Fisch names Wanda" absolut sexy, was würde er dann erst über die Poesie der litauischen Musikerin sagen? Kurzum: mindblowing! Die Stimme von Alina: der Wahnsinn! Wunderbar dosiert zwischen fragilen gehauchten Parts und feurigen Ausbrüchen, schaffte es die vornehm blasse Dame, mit ihrem Goldkehlchen Funken sprühen zu lassen.

Und dann, nach etwa 70 Minuten Spielzeit, wurde es auf brutalstmögliche Weise emotional. Das Licht ging aus und Orlova zündete eine Kerze auf ihrem Piano an. Bei schummrigen Licht greinte sie umso wehmütiger ihre Schwermut hinaus, klimperte zu schön um wahr zu sein und drückte damit bei mir unbarmherzig auf die Trändendrüse. Ich sank moralisch auf die Knie, machte bildlich den Willy Brand. Willy Brand, der sich mit Andy Möller verbrüderte. Ein teuflischer Pakt. Unbeschreibliche Gefühle überkamen mich, ich geriet in eine Art Trance. 10 Minuten, die Dauer von zwei Liedern, ging das so und das Licht blieb aus. Nur die Kerze brannte. Ich fragte mich, ob die Songs eine ganz besondere Bedeutung hatten, einen Trauerfall besangen, suchte aber nicht weiter nach einer genauen Antwort, sondern ließ die feierliche Stimmung auf mich wirken. Die Jubelstürme der Begeisterung wurden nach jedem Lied größer und größer, es war fast wie in der Berliner Philharmonie beim Weihnachtskonzert. Die Musikerin bedankte sich fast eingeschüchtert jeweils mit einem kurzen "merci" oder "thank you", einmal auch mit einem "spaciba". Ihre Natürlichkeit war vorbildlich und herzerwärmend zugleich. Nun aber nahte der Abschied. Die Pianistin verließ zum ersten Mal die Bühne. Der Applaus war unbeschreiblich heftig, eine Woge der Begeisterung erfasste das Rund. Etwas Vergleichbares hatte ich im Café de la Danse noch nicht erlebt. Die Künstlerin kam zurück, spendete ihrerseits dem tollen Publikum Beifall, spielte noch zwei Stücke und verschwand erneut in die Kabine. Dann kam plötzlich ein junger Herr, stellte ein Stühlchen vor dem Flügel auf und justierte das Mikro in der passenden Höhe. Was jetzt wohl kommen würde? Die Antwort bekamen wir kurze Zeit später: zwei Stücke auf einer Kalimba von Alina, die unter Jubelstürmen ein letztes Mal ihre Aufwartung machte. Auch diese Stücke zum Steine erweichen! Was für ein Abschluss eines außerordentlich schönen Auftritts! Ein magischer Konzertabend, den ich nie vergessen werde.

Alina Orlova hat mich verzaubert, zu Tränen gerührt und mir das Konzert des Jahres beschert. Ich sehe niemanden, der das noch toppen könnte. Wenn es ein klein wenig Gerechtigkeit gibt, wird Orlova ein internationaler Star. Diese junge Musikerin schickt wirklich der Himmel. Auf ihrer CD findet man unter den Danksagungen dann passenderweise auch folgenden Satz: "Special thanks to Jesus, David Bowie, Babo Stasé and the neighbourhood of nuclear power plant: you all made me into what I am."

Setlist Alina Orlova, Café de la Danse, Paris: ausgeschrieben in Kürze, zunächst hier auf dem Foto, klick!

Anmerkung: Das obige formidable Video stammt von Rod le-Hiboo.com. Die Jungs haben tonnenweise super Videos auf ihrem Blog. Vorbeischauen lohnt auf alle Fälle! Hier sind übrigens drei fantastische Livevideos von diesem denkwürdigen Konzert. Bravo, Rod!


Alina Orlova, Paris, 08.11.10


Konzert: Alina Orlova

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 08.11.2010

Zuschauer: mindestens 400, so gut wie ausverkauft

Konzertdauer: 90-100 Minuten



Es gibt Konzerte, die verändern dein Leben. Nicht, daß man hinterher keine Einschlafprobleme, Rückenschmerzen oder Geldsorgen mehr hat, nein, diese Veränderungen sind nicht gemeint. Es geht vielmehr darum, das man das Gefühl hat, etwas unglaublich Bewegendes und Prägendes erlebt zu haben. Und diese Erfahrungen machen dein Leben insgesamt wesentlich schöner und glücklicher.

Heute fand ein solches Konzert statt und ich durfte Zeuge sein. Dabei hatte es heute zunächst nicht danach ausgesehen, daß ich emotionale Höehpunkte erleben würde. Müde und völlig geplättet von der gestrigen Oliver Peel Session, begab ich mich ohne große Erwartungshaltung ins Café de la danse in Paris, wo die litauische Pianistin Alina Orlova auftreten sollte. Ihren Namen hatte ich vorher gefühlte 250 mal gehört und ich wusste auch, daß sie überwiegend in ihrer Landessprache singt, viel mehr war mir aber nicht bekannt. Obwohl sie schon ein paar mal in Paris gespielt hatte und ihr Debütalbum Laukinis Suo Dingo beim famosen Pariser Label Fargo vor ein paar Monaten erschienen war, kam ich bisher nie dazu, mich mit der jungen Dame genauer zu beschäftigen.



Der Auftritt im Café de la Danse war zuschauertechnisch ihr bisher größter. Alle Sitzplätze waren besetzt und vor der Bühne kauerten zudem mindestens 100 Mitbürger auf ausgelegten Teppichböden. Eine Vorgruppe gab es wohl nicht, aber das war mir auch egal. Ich wollte Alina sehen und hören, sonst niemanden. Und dann kam sie auch. Eine großgewachsene rotblond gelockte junge Frau mit einem roten Kleid, einer warme Strumpfhose und Stiefelchen, nahm auf dem Stühlchen hinter dem Yamaha- Flügel Platz. Sie legte ohne Begrüßungsformel sofort los und ich stellte fest, daß ich einen miesen Platz erwischt hatte: ich sah die Pianistin nur von hinten. Na ja, ein schöner Rücken kann ja auch entzücken...

Sie sang auf litauisch, manchmal russisch und in seltenen Fällen englisch. Abgesehen von ihren Landsleuten und ein paar Russen im Publikum verstand niemand die Texte. Sie hätte die übelsten Flüche in ihre Lyrics packen können, wir hätten es nicht kapiert und dennoch artig geklatscht. Während der ersten paar Lieder, ging mir die ganze Zeit ein Gedanke durch den Kopf. Ich dachte permanent daran, daß ausgebuffte Plattenbosse uns arglosen Musikhörern engelsgleiche Pianistinnen auf den Hals hetzen, nur um uns einzulullen und uns unsere Kohle aus der Tasche zu ziehen. Alles eine moderne Masche. Die Labels wissen haargenau, daß wir Blut geleckt haben, seitdem uns junge Klavierspielerinnen wie Soap & Skin, Frida Hyvönen, Agnes Obel und Regina Spektor die Birne matschig geklimpert und uns unserer Sinne beraubt haben. Die Assoziation zu Regina Spektor lag sowieso auf der Hand. Gleiche slawische Herkunft, gleiches Tasteninstrument und auch die lockige Haarpracht haben Regina und Alina gemein.

Ich blieb zunächst skeptisch und emotional aseptisch. Die würde mich nicht so schnell weich kriegen, dachte ich immer wieder. Aber von Lied zu Lied änderten sich meine Empfindungen, bis das Pendel irgendwann in die andere Richtung ausschlug. Aus Skepis wurde Ergriffenheit, aus Ergriffenheit absoulte Euphorie und Hörigkeit. Die letzten zwanzig Minuten des zeitlich üppigen Sets waren emotional mit die bewegendsten, die ich je bei einem Konzert erlebt hatte. Ich war dem grazilen Spiel und dem anmutigen Wesen von Alina völlig verfallen. Das Mädel imponierte mir durch ihre Bescheidenheit, ihre Natürlichkeit, ihre angenehm offene Art. "I don't have much to say, really" sagte sie in einer Szene in ihrem etwas holprigem englisch. Statt vieler Worte zwischendurch, ließ sie ihre tiefmelancholischen Lieder sprechen. Den Stücken wohnte die typisch slawische Schwermut inne, mit der mich schon eine Alina Simone zur Strecke gebracht hatte. Und dann die Magie dieser unverständlichen Sprache. Schon John Cleese fand russisch im Film "Ein Fisch names Wanda" absolut sexy, was würde er dann erst über die Poesie der litauischen Musikerin sagen? Kurzum: mindblowing! Die Stimme von Alina: der Wahnsinn! Wunderbar dosiert zwischen fragilen gehauchten Parts und feurigen Ausbrüchen, schaffte es die vornehm blasse Dame, mit ihrem Goldkehlchen Funken sprühen zu lassen.

Und dann, nach etwa 70 Minuten Spielzeit, wurde es auf brutalstmögliche Weise emotional. Das Licht ging aus und Orlova zündete eine Kerze auf ihrem Piano an. Bei schummrigen Licht greinte sie umso wehmütiger ihre Schwermut hinaus, klimperte zu schön um wahr zu sein und drückte damit bei mir unbarmherzig auf die Trändendrüse. Ich sank moralisch auf die Knie, machte bildlich den Willy Brand. Willy Brand, der sich mit Andy Möller verbrüderte. Ein teuflischer Pakt. Unbeschreibliche Gefühle überkamen mich, ich geriet in eine Art Trance. 10 Minuten, die Dauer von zwei Liedern, ging das so und das Licht blieb aus. Nur die Kerze brannte. Ich fragte mich, ob die Songs eine ganz besondere Bedeutung hatten, einen Trauerfall besangen, suchte aber nicht weiter nach einer genauen Antwort, sondern ließ die feierliche Stimmung auf mich wirken. Die Jubelstürme der Begeisterung wurden nach jedem Lied größer und größer, es war fast wie in der Berliner Philharmonie beim Weihnachtskonzert. Die Musikerin bedankte sich fast eingeschüchtert jeweils mit einem kurzen "merci" oder "thank you", einmal auch mit einem "spaciba". Ihre Natürlichkeit war vorbildlich und herzerwärmend zugleich. Nun aber nahte der Abschied. Die Pianistin verließ zum ersten Mal die Bühne. Der Applaus war unbeschreiblich heftig, eine Woge der Begeisterung erfasste das Rund. Etwas Vergleichbares hatte ich im Café de la Danse noch nicht erlebt. Die Künstlerin kam zurück, spendete ihrerseits dem tollen Publikum Beifall, spielte noch zwei Stücke und verschwand erneut in die Kabine. Dann kam plötzlich ein junger Herr, stellte ein Stühlchen vor dem Flügel auf und justierte das Mikro in der passenden Höhe. Was jetzt wohl kommen würde? Die Antwort bekamen wir kurze Zeit später: zwei Stücke auf einer Kalimba von Alina, die unter Jubelstürmen ein letztes Mal ihre Aufwartung machte. Auch diese Stücke zum Steine erweichen! Was für ein Abschluss eines außerordentlich schönen Auftritts! Ein magischer Konzertabend, den ich nie vergessen werde.

Alina Orlova hat mich verzaubert, zu Tränen gerührt und mir das Konzert des Jahres beschert. Ich sehe niemanden, der das noch toppen könnte. Wenn es ein klein wenig Gerechtigkeit gibt, wird Orlova ein internationaler Star. Diese junge Musikerin schickt wirklich der Himmel. Auf ihrer CD findet man unter den Danksagungen dann passenderweise auch folgenden Satz: "Special thanks to Jesus, David Bowie, Babo Stasé and the neighbourhood of nuclear power plant: you all made me into what I am."

Setlist Alina Orlova, Café de la Danse, Paris: ausgeschrieben in Kürze, zunächst hier auf dem Foto, klick!

Anmerkung: Das obige formidable Video stammt von Rod le-Hiboo.com. Die Jungs haben tonnenweise super Videos auf ihrem Blog. Vorbeischauen lohnt auf alle Fälle! Hier sind übrigens drei fantastische Livevideos von diesem denkwürdigen Konzert. Bravo, Rod!


Tori Amos, Paris, 19.07.10


Konzert: Tori Amos
Ort: Olympia, Paris
Datum: 19.07.10
Zuschauer: ausverkauft


Mein Konzertgängerfreund Michael ist großer Tori Amos Fan. Sind es die wunderschönen Haare der Chanteuse, die ihn anziehen, oder ist die Frau auch musikalisch herausragend? Da scheiden sich die Geister. Manche halten sie für die Nachfolgerin von Kate Bush, andere für ein Mainstreamprodukt. Ich persönlich muss mich da neutral verhalten, denn Tori Amos habe ich noch nie live gesehen. Michael hat mir auf jeden Fall netterweise die Setlist von ihrem Pariser Konzert im altehrwürdigen Olympia geschickt und für Fans veröffentliche ich diese gerne. Merci, Michael :)

Setlist Tori Amos, Olympia, Paris: (big thanks also to great Rockerparis!)

01: Curtain Call
02: China
03: Siren
04: Suzanne (Leonard Cohen)
05: Mrs. Jesus
06: Space Dog
07: Leather
08: Twinkle
09: Black Dove
10: Winter
11: Boucing Off Clouds
12: Snow Cherries From France
13: Girl
14: Marianne
15: Beauty Of Speed
16: Gold Dust
17: Putting The Damage On
18: The Power Of Orange Knickers
19: Another Girl's Paradise
20: Precious Things

21: Crucify
22: Personal Jesus (Depeche Mode)/Body And Soul


Tori Amos, Paris, 19.07.10


Konzert: Tori Amos
Ort: Olympia, Paris
Datum: 19.07.10
Zuschauer: ausverkauft


Mein Konzertgängerfreund Michael ist großer Tori Amos Fan. Sind es die wunderschönen Haare der Chanteuse, die ihn anziehen, oder ist die Frau auch musikalisch herausragend? Da scheiden sich die Geister. Manche halten sie für die Nachfolgerin von Kate Bush, andere für ein Mainstreamprodukt. Ich persönlich muss mich da neutral verhalten, denn Tori Amos habe ich noch nie live gesehen. Michael hat mir auf jeden Fall netterweise die Setlist von ihrem Pariser Konzert im altehrwürdigen Olympia geschickt und für Fans veröffentliche ich diese gerne. Merci, Michael :)

Setlist Tori Amos, Olympia, Paris: (big thanks also to great Rockerparis!)

01: Curtain Call
02: China
03: Siren
04: Suzanne (Leonard Cohen)
05: Mrs. Jesus
06: Space Dog
07: Leather
08: Twinkle
09: Black Dove
10: Winter
11: Boucing Off Clouds
12: Snow Cherries From France
13: Girl
14: Marianne
15: Beauty Of Speed
16: Gold Dust
17: Putting The Damage On
18: The Power Of Orange Knickers
19: Another Girl's Paradise
20: Precious Things

21: Crucify
22: Personal Jesus (Depeche Mode)/Body And Soul


Faustine Seilman, Paris, 16.06.10


Konzert:Faustine Seilman

Ort: L'International, Paris
Datum: 16.06.10
Zuschauer: ungefähr 150
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Faustine Seilman ist mit neuem Album Whispers And Shouts endlich zurück auf einer Pariser Konzertbühne! Die junge Pianistin aus Nantes hat sich seit ihrem letzten Auftritt vom März 2009 (Pop In) nicht mehr in der Seine-Metropole blicken lassen.* Damals hatte sie mich mit ihrem gefühlvollen Pianospiel und ihren melancholischen Liedern zu Tränen gerührt. Für das heutige Konzert hatte ich mir fest vorgenommen, nicht die Heulsuse (bin ja nicht Andy Möller oder !?) zu spielen und tapfer zu bleiben. Boy's Don't Cry heißt es ja schon bei The Cure. Aber schon nach dem vierten Lied des traumhaft schönen Sets kullerten wieder heiße Tränen meine Wangen runter. Zu massiv war der Druck, der auf die Drüsen ausgeübt wurde. Die unfassbar hübsche Faustine spielte erneut so herzerweichend, legte eine dermaßene Intensintät in ihren Gesang, war so erbarmunglsos hypnotisch und faszinierend, daß ich nicht anders konnte, als meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Der Vortrag der Chanteuse und ihrer Band traf mich mit voller Wucht. Wie im Drogenwahn stieg ich leise schluchzend immer höher und höher und schwebte irgendwann frei wie ein Vogel über den Wolken. Gleich von drei Seiten wurde ich emotional bombadiert. Zu einem war da das in moll gehaltene Klavierspiel von Faustine, das mich ungemein bewegte. Schon als Jugendlicher war ich hin und weg ,wenn mir meine Klavierlehrerin nach der Übungstunde etwas vorspielte. Ich saß dann in ihrem bequemen Ohrensessel und alle Sorgen waren plötzlich wie weggeblasen. Manchmal klimperte sie eine viertel Stunde, aber wenn ich um Nachschlag bat, kam ich auch oft in den Genuß einer halbstündigen Berieselung. Ich fühlte mich dann immer wie in Watte gepackt und ging mit wunderschönen Gefühlen nach Hause. Genau jene Gefühle weckte Faustine heute wieder in mir und ich hätte sie dafür umarmen können. Aber auch ihr Bruder an der Gitarre bearbeitete meine Seele. Seine postrockigen Riffs klangen so unendlich traurig, aber auch gleichzeitig so wunderschön, daß ich weiche Knie bekam. Schließlich war es auch der sehnsuchtsvolle und wehklagende Chorgesang der Truppe, der mir durch Mark und Bein ging. Mit A Silver Mount Zionscher Dramatik sangen sie, als stünde ihr Leben auf dem Spiel und erreichten phasenweise fast die unglaubliche Dichte und Spannung der kanadischen Kultband. Schon sensationell, was da auf französischem Boden heranwächst! Auf die Talentschmiede des famosen Labels Collectif Effervescence aus Nantes ist eben Verlaß. Neben Faustin Seilman beherbergen sie solch innovative Bands wie Papier Tigre, La Terre Tremble !!!, oder Chevreuil und zeigen den auf Kommerz getrimmten Engländern mal was eine Harke ist. Schwer zu sagen, wer bei den Nantern das beste Pferd im Stall ist, aber wahrscheinlich wird mich zumindest live niemand so sehr in einen Rausch steigern können wie Faustine. Allein ihre Mimik zu beobachten ist ein ganz besonderer Genuß. Ihr verträumter Blick zu Beginn der Songs, dann der weit aufgerissene Mund, wenn sie richtig drauflos singt und schließlich das schüchterne Lächeln, wenn nach dem Vortrag eines Liedes der Applaus aufbrandet. Völlig verdienter Applaus natürlich, denn die neuen Lieder sind wirklich ganz dufte. Prison Of Gold, The Young Man and The Sea oder The Shepherd, das war vieles dabei, was mir auf Anhieb saumäßig gut gefiel.

Faustine Seilman live ist immer wieder etwas ganz Besonderes. Nicht oft schaffen es Musiker, mich dermaßen mit Haut und Haaren zu verschlingen. Die französische Pianistin kann das mühelos. Sie ist für mich eine ganz Große. Jetzt schon. Merci , Faustine!

Auszug aus der Setlist Faustine Seilman @ International, Paris

- Locked
- Lost Friends
- The Ballad Of A Starving Man
- Facing The Ocean
- Prison Of Gold
- The Young Man And The Sea
- Laissez Nous La
- The Shepherd


* nach einer Recherche bei Youtube stelle ich fest, daß ich mit dieser Behauptung falsch liege. Faustine Seilman hat am 22. April 2010 im Vorprogramm von A Silver Mt. Zion im Alhambra gespielt. Schade, daß ich nicht dabei war. Hier gibt es ein tolles Livevideo von dieser Sho
w.

Aus unserem Archiv:

Faustine Seilman, Paris, 25.03.09
Faustine Seilman, Paris, 20.11.07



Faustine Seilman, Paris, 16.06.10


Konzert:Faustine Seilman

Ort: L'International, Paris
Datum: 16.06.10
Zuschauer: ungefähr 150
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Faustine Seilman ist mit neuem Album Whispers And Shouts endlich zurück auf einer Pariser Konzertbühne! Die junge Pianistin aus Nantes hat sich seit ihrem letzten Auftritt vom März 2009 (Pop In) nicht mehr in der Seine-Metropole blicken lassen.* Damals hatte sie mich mit ihrem gefühlvollen Pianospiel und ihren melancholischen Liedern zu Tränen gerührt. Für das heutige Konzert hatte ich mir fest vorgenommen, nicht die Heulsuse (bin ja nicht Andy Möller oder !?) zu spielen und tapfer zu bleiben. Boy's Don't Cry heißt es ja schon bei The Cure. Aber schon nach dem vierten Lied des traumhaft schönen Sets kullerten wieder heiße Tränen meine Wangen runter. Zu massiv war der Druck, der auf die Drüsen ausgeübt wurde. Die unfassbar hübsche Faustine spielte erneut so herzerweichend, legte eine dermaßene Intensintät in ihren Gesang, war so erbarmunglsos hypnotisch und faszinierend, daß ich nicht anders konnte, als meinen Emotionen freien Lauf zu lassen. Der Vortrag der Chanteuse und ihrer Band traf mich mit voller Wucht. Wie im Drogenwahn stieg ich leise schluchzend immer höher und höher und schwebte irgendwann frei wie ein Vogel über den Wolken. Gleich von drei Seiten wurde ich emotional bombadiert. Zu einem war da das in moll gehaltene Klavierspiel von Faustine, das mich ungemein bewegte. Schon als Jugendlicher war ich hin und weg ,wenn mir meine Klavierlehrerin nach der Übungstunde etwas vorspielte. Ich saß dann in ihrem bequemen Ohrensessel und alle Sorgen waren plötzlich wie weggeblasen. Manchmal klimperte sie eine viertel Stunde, aber wenn ich um Nachschlag bat, kam ich auch oft in den Genuß einer halbstündigen Berieselung. Ich fühlte mich dann immer wie in Watte gepackt und ging mit wunderschönen Gefühlen nach Hause. Genau jene Gefühle weckte Faustine heute wieder in mir und ich hätte sie dafür umarmen können. Aber auch ihr Bruder an der Gitarre bearbeitete meine Seele. Seine postrockigen Riffs klangen so unendlich traurig, aber auch gleichzeitig so wunderschön, daß ich weiche Knie bekam. Schließlich war es auch der sehnsuchtsvolle und wehklagende Chorgesang der Truppe, der mir durch Mark und Bein ging. Mit A Silver Mount Zionscher Dramatik sangen sie, als stünde ihr Leben auf dem Spiel und erreichten phasenweise fast die unglaubliche Dichte und Spannung der kanadischen Kultband. Schon sensationell, was da auf französischem Boden heranwächst! Auf die Talentschmiede des famosen Labels Collectif Effervescence aus Nantes ist eben Verlaß. Neben Faustin Seilman beherbergen sie solch innovative Bands wie Papier Tigre, La Terre Tremble !!!, oder Chevreuil und zeigen den auf Kommerz getrimmten Engländern mal was eine Harke ist. Schwer zu sagen, wer bei den Nantern das beste Pferd im Stall ist, aber wahrscheinlich wird mich zumindest live niemand so sehr in einen Rausch steigern können wie Faustine. Allein ihre Mimik zu beobachten ist ein ganz besonderer Genuß. Ihr verträumter Blick zu Beginn der Songs, dann der weit aufgerissene Mund, wenn sie richtig drauflos singt und schließlich das schüchterne Lächeln, wenn nach dem Vortrag eines Liedes der Applaus aufbrandet. Völlig verdienter Applaus natürlich, denn die neuen Lieder sind wirklich ganz dufte. Prison Of Gold, The Young Man and The Sea oder The Shepherd, das war vieles dabei, was mir auf Anhieb saumäßig gut gefiel.

Faustine Seilman live ist immer wieder etwas ganz Besonderes. Nicht oft schaffen es Musiker, mich dermaßen mit Haut und Haaren zu verschlingen. Die französische Pianistin kann das mühelos. Sie ist für mich eine ganz Große. Jetzt schon. Merci , Faustine!

Auszug aus der Setlist Faustine Seilman @ International, Paris

- Locked
- Lost Friends
- The Ballad Of A Starving Man
- Facing The Ocean
- Prison Of Gold
- The Young Man And The Sea
- Laissez Nous La
- The Shepherd


* nach einer Recherche bei Youtube stelle ich fest, daß ich mit dieser Behauptung falsch liege. Faustine Seilman hat am 22. April 2010 im Vorprogramm von A Silver Mt. Zion im Alhambra gespielt. Schade, daß ich nicht dabei war. Hier gibt es ein tolles Livevideo von dieser Sho
w.

Aus unserem Archiv:

Faustine Seilman, Paris, 25.03.09
Faustine Seilman, Paris, 20.11.07