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Gang Of Four, Paris, 18.03.11


Konzert: Gang Of Four

Ort:Le Trabendo, Paris

Datum: 18.03.2011

Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: 80-85 Minuten



"Punkrock ist nicht tot, Punkrock ist nicht tot!"

Wie recht Eddie Argos doch damit hatte. Zumindest wenn er den Spruch auf die kultige Gang Of Four bezogen hat, die in Paris ein s-e-n-s-a-t-i-o-n-e-l-l-e-s!!! Konzert ablieferte, das in die Musikgeschichte eingehen wird.

Donnerwetter!!! Mann, war das grandios! Es ging unfassbar der Punk ab, Jon King und Andy Gill stachelten die Pariser unerbitterlich auf und verwandelten das Trabendo schnell in einen Hexenkessel. Schon bei Ether (Lied Nummer drei) wurde wild Pogo getanzt und ich flog von links nach rechts. Meine Freundin Uschi, die anfänglich neben mir stand, sah ich erst nach dem Konzert wieder, so stark wurde ich von der Meute abgetrieben. An das Fotografieren war in vielen Phasen nicht zu denken, ansonsten wäre mein Apparat unweigerlich in die Brüche gegangen. Dennoch gelangen mir einige nette Schüsse, denn King und Gill hatten die geilsten Posen drauf. Fast schien es ein Wettbewerb zwischen ihnen zu geben: "Wer schaut finsterer drein? Gil fixierte die Fans in der ersten Reihe mit stechenden, hundsgemeinen Blicken, während King so irre glotzte, das ich Angst vor diesem Psychopathen bekam. Der großgewachsene Sänger zeigte oft mit seinem Finger auf einzelne Leute und intonierte dabei die zynischen, gesellschaftskritischen Texte mit einer Schärfe und Agressivität, die einem das Herz in die Hose rutschen ließ. Eine Rampensau par excellence, dieser alte Sack. Er verausgabte sich völlig, trieb seinen Puls auf ungesunde Höhen und schwitzte wie ein Schwein. Am Ende war sein weit geöffnetes Sträflingshemd völlig durchnässt. Lässiger war da der ungemein gutaussehende farbige Bassist. Der junge Schönling sah mit seinen Rastazöpfen aus wie der frühe Terence Trent D'Arby und spielte wahnsinnig gut.

Eine essentielle Band in überragender Form, ein Kulthit nach dem anderen, neue Stücke , die auch nicht übel waren und überraschend viele junge, unverschämt hübsche Frauen im Publikum, dazu eine Stimmung, die besser und wilder nicht hätte sein können. Was will man eigentlich mehr?

Selbst der in letzter Zeit so unglaublich kritische Konzertfotografenzar Robert Gil ließ als Bewertung vier Herzen aufgehen, das gibt es bei ihm ganz ganz selten.

Die Gang Of Four hat gezeigt, daß sie zu recht als einer der einflussreichsten Rockbands der letzten 30 Jahre bezeichnet wird. Ihr funkiger Postpunk klingt heute noch absolut modern (die vielen jungen Menschen im Publikum sind der beste Beweis dafür) und Franz Ferdinand wirken gegen die Viererbande aus Leeds fast wie Coldplay. Diese kurz angerissenen, rasiermesserscharfen Gitarrenriffs von Andy Gil waren damals revolutionär und haben auch heute nichts von ihrer funkensprühenden Wirkung verloren. Und dann sein herber Sprechgesang, so bitter, so zynisch, so pfurztrocken. Genial! Das größte Lob muss trotzdem an Hauptsänger Jon King gehen, denn es ist unglaublich, wie sich der inzwischen 55 Jahre alte Haudegen verausgabte. Er gab wirklich alles, wirbelte von Anfang bis Ende wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, spielte Melodica, nahm in einigen witzigen Szenen den jungen Bassisten in den Schwitzkasten und zerhackte am Ende wieder eine Mikrowelle, seine Paradedisziplin. Daß er bei allem Zynismus auch Humor und Charme hat, bewies er als er zur Zugabe zurückkommend mit einem Glas Wasser in der Hand darüber schwafelte, wie schön doch Paris und Frankreich sei. Auf französisch wohlgemerkt. Er erwähnte lobend Jean Paul Sartre, Jean Luc Godard und noch ein paar andere, während Andy Gil grimmig zu ihm rüberschaute und ihm zurief: "Oh shut up, man! " Das war Einleitung für das große, explosive Finale, den alles überragenden Encores.

Allein diese waren das Kommen wert, mit At Home He's A Tourist und Damaged Goods wurden den Leuten zwei Oberknaller um die Ohren gehauen, die definitiv das Geilste waren , was ich seit langem gehört habe. Alle Leute hüpften, gröhlten mit ("your kiss so sweet, you sweat so sour, sometimes I'm thinking that I love you, but I know it's only lust") und trampelten später noch minutenlang mit den Füßen auf den Boden. Die Helden des Abends, klatschten unterdessen zum Ende Hände der Fans ab und verschwanden abgekämpft aber glücklich in die Kabine.







John Peels (wer ist das eigentlich nochmal?) Lieblingslied war Teenage Kicks von den Undertones, Oliver Peels All Time Favorit heißt Damaged Goods.

Yeah, bayby!!!!!



Setlist Gang Of Four, Le Trabendo, Paris

01: You'll Never Pay For The Farm
02: Not Great Man
03: Ether
04: I Parade Myself
05: Paralysed
06: A Fruitfly In The Beehive
07:(Love Like) Anthrax
08: It Was Never Gonna Turn Out Too Good
09: What We All Want
10: Why Theory?
11: We Live As We Dream, Alone
12: To Hell With Poverty!
13: Do As I Say

14: At Home He's A Tourist


15: I Love A Man In A Uniform
16:
Damaged Goods


* Anmerkung: Etwa als 5. oder 6. Lied wurde zudem He'd Send In The Army gespielt, auf der getippten Setlist, die Fans am Ende ergatterten, war dieser Titel allerdings ebenso wenig vermerkt, wie die Zugaben.

Aus unserem Archiv:

Gang Of Four, Paris, 11.11.06



Gang Of Four, Paris, 18.03.11


Konzert: Gang Of Four

Ort:Le Trabendo, Paris

Datum: 18.03.2011

Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: 80-85 Minuten



"Punkrock ist nicht tot, Punkrock ist nicht tot!"

Wie recht Eddie Argos doch damit hatte. Zumindest wenn er den Spruch auf die kultige Gang Of Four bezogen hat, die in Paris ein s-e-n-s-a-t-i-o-n-e-l-l-e-s!!! Konzert ablieferte, das in die Musikgeschichte eingehen wird.

Donnerwetter!!! Mann, war das grandios! Es ging unfassbar der Punk ab, Jon King und Andy Gill stachelten die Pariser unerbitterlich auf und verwandelten das Trabendo schnell in einen Hexenkessel. Schon bei Ether (Lied Nummer drei) wurde wild Pogo getanzt und ich flog von links nach rechts. Meine Freundin Uschi, die anfänglich neben mir stand, sah ich erst nach dem Konzert wieder, so stark wurde ich von der Meute abgetrieben. An das Fotografieren war in vielen Phasen nicht zu denken, ansonsten wäre mein Apparat unweigerlich in die Brüche gegangen. Dennoch gelangen mir einige nette Schüsse, denn King und Gill hatten die geilsten Posen drauf. Fast schien es ein Wettbewerb zwischen ihnen zu geben: "Wer schaut finsterer drein? Gil fixierte die Fans in der ersten Reihe mit stechenden, hundsgemeinen Blicken, während King so irre glotzte, das ich Angst vor diesem Psychopathen bekam. Der großgewachsene Sänger zeigte oft mit seinem Finger auf einzelne Leute und intonierte dabei die zynischen, gesellschaftskritischen Texte mit einer Schärfe und Agressivität, die einem das Herz in die Hose rutschen ließ. Eine Rampensau par excellence, dieser alte Sack. Er verausgabte sich völlig, trieb seinen Puls auf ungesunde Höhen und schwitzte wie ein Schwein. Am Ende war sein weit geöffnetes Sträflingshemd völlig durchnässt. Lässiger war da der ungemein gutaussehende farbige Bassist. Der junge Schönling sah mit seinen Rastazöpfen aus wie der frühe Terence Trent D'Arby und spielte wahnsinnig gut.

Eine essentielle Band in überragender Form, ein Kulthit nach dem anderen, neue Stücke , die auch nicht übel waren und überraschend viele junge, unverschämt hübsche Frauen im Publikum, dazu eine Stimmung, die besser und wilder nicht hätte sein können. Was will man eigentlich mehr?

Selbst der in letzter Zeit so unglaublich kritische Konzertfotografenzar Robert Gil ließ als Bewertung vier Herzen aufgehen, das gibt es bei ihm ganz ganz selten.

Die Gang Of Four hat gezeigt, daß sie zu recht als einer der einflussreichsten Rockbands der letzten 30 Jahre bezeichnet wird. Ihr funkiger Postpunk klingt heute noch absolut modern (die vielen jungen Menschen im Publikum sind der beste Beweis dafür) und Franz Ferdinand wirken gegen die Viererbande aus Leeds fast wie Coldplay. Diese kurz angerissenen, rasiermesserscharfen Gitarrenriffs von Andy Gil waren damals revolutionär und haben auch heute nichts von ihrer funkensprühenden Wirkung verloren. Und dann sein herber Sprechgesang, so bitter, so zynisch, so pfurztrocken. Genial! Das größte Lob muss trotzdem an Hauptsänger Jon King gehen, denn es ist unglaublich, wie sich der inzwischen 55 Jahre alte Haudegen verausgabte. Er gab wirklich alles, wirbelte von Anfang bis Ende wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, spielte Melodica, nahm in einigen witzigen Szenen den jungen Bassisten in den Schwitzkasten und zerhackte am Ende wieder eine Mikrowelle, seine Paradedisziplin. Daß er bei allem Zynismus auch Humor und Charme hat, bewies er als er zur Zugabe zurückkommend mit einem Glas Wasser in der Hand darüber schwafelte, wie schön doch Paris und Frankreich sei. Auf französisch wohlgemerkt. Er erwähnte lobend Jean Paul Sartre, Jean Luc Godard und noch ein paar andere, während Andy Gil grimmig zu ihm rüberschaute und ihm zurief: "Oh shut up, man! " Das war Einleitung für das große, explosive Finale, den alles überragenden Encores.

Allein diese waren das Kommen wert, mit At Home He's A Tourist und Damaged Goods wurden den Leuten zwei Oberknaller um die Ohren gehauen, die definitiv das Geilste waren , was ich seit langem gehört habe. Alle Leute hüpften, gröhlten mit ("your kiss so sweet, you sweat so sour, sometimes I'm thinking that I love you, but I know it's only lust") und trampelten später noch minutenlang mit den Füßen auf den Boden. Die Helden des Abends, klatschten unterdessen zum Ende Hände der Fans ab und verschwanden abgekämpft aber glücklich in die Kabine.







John Peels (wer ist das eigentlich nochmal?) Lieblingslied war Teenage Kicks von den Undertones, Oliver Peels All Time Favorit heißt Damaged Goods.

Yeah, bayby!!!!!



Setlist Gang Of Four, Le Trabendo, Paris

01: You'll Never Pay For The Farm
02: Not Great Man
03: Ether
04: I Parade Myself
05: Paralysed
06: A Fruitfly In The Beehive
07:(Love Like) Anthrax
08: It Was Never Gonna Turn Out Too Good
09: What We All Want
10: Why Theory?
11: We Live As We Dream, Alone
12: To Hell With Poverty!
13: Do As I Say

14: At Home He's A Tourist


15: I Love A Man In A Uniform
16:
Damaged Goods


* Anmerkung: Etwa als 5. oder 6. Lied wurde zudem He'd Send In The Army gespielt, auf der getippten Setlist, die Fans am Ende ergatterten, war dieser Titel allerdings ebenso wenig vermerkt, wie die Zugaben.

Aus unserem Archiv:

Gang Of Four, Paris, 11.11.06



Detachments, Paris, 14.02.11


Konzert: Detachments

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 14.02.11 (eigentlich 15.02., da um 0 Uhr 30 begonnen wurde)
Zuschauer: keine Ahnung
Konzertdauer: etwa 45 Minuten



Ohne Krimi geht die Mimie nie ins Bett! Und ohne Konzerti geht der Ollie auch nichts ins Bett! Ähem, ja...


Schon erstaunlich. In der Maroquinerie, einem eigentlich allgemein zugänglichen Ort werde ich an der Tür abgewiesen (auf die besonderen Umstände wegen des privaten Konzerts von PJ Harvey hatte ich hingewiesen), im Baron, dem nobelsten Laden mit der strengsten Tür, latschte ich allerdings problemlos an den Türstehern vorbei, ich stehe auf der Liste. Hier sollen anscheinend auch Mick Jagger und Bryan Ferry verkehren, wenn sie in Paris sind, aber heute trifft man in dem plüscheligen Laden mit den roten Lämpchen und dem heftigen Champagner- Ausstoß keinen Promi. Nicht, daß das wichtig für mich wäre, im Gegenteil. Ich komme hierhin nur um Konzerte zu sehen, George Clooney oder Angelina Jolie will ich nicht treffen, die sind mir egal. Nichts ist dämlicher als der Promikult. Überlassen wir so etwas doch lieber den klatschsüchtigen Amerikanern und den Engländern.

Amerikaner (genauer gesagt Amerikanerinnen) lümmeln sich auch auf den bequemen Sofas und auf der Bühne werden heute mit den Detachments Engländer spielen. Die Ami-Tussen sind gewohnt krass drauf. Eine der beiden ist höchstens 20, trägt eine fette Rolex am schmalen Handgelenk und 15 cm hohe Absätze. Bei ihrer Freundin ist alles falsch. Die Wimpern, die Nägel, wahrscheinlich auch der Busen.



Um 0 Uhr 30 geht es mit dem Konzert los. Die jungen Engländer Detachments stehen auf dem Programm. Ihr Stil: Neo-Post Punk. So zumindest kann man es bei last fm lesen. Wer ihre musikalischen Vorbilder sind, wird schnell klar: Joy Divion, The Chameleons, New Order, Depeche Mode, Front 242, etc. Obwohl ich großer Fan der englischen Post Punk Bands der später 1970 er Jahre bin, stehe ich den jungen Revivalgruppen skeptisch gegenüber. Glasgevas, die White Lies oder Delphic hasse ich wie die Pest. Mein Problem mit ihnen: der unerträgliche Bombast, das Pathos, die schmalzigen Bubblegum- Refrains. Auch hinsichtlich der Detachments bin ich zunächst recht mißtrauisch, zumal ihre Musik stark elektronisch geprägt und weniger gitarrenlastig ist. Aber im Laufe des Konzertes merke ich von Lied zu Lied, daß mir diese Band gefällt. Sie klingen erfeulich düster und morbide, übertreiben es nie mit dem Bombast und der Sänger ist sehr charismatisch. Mehr New Waver als er geht optisch nicht. Schwarzes Hemd mit schwarzer Krawatte, strenger Seitenscheitel, apathischer Blick. Vermutlich hat er schon als kleiner Junge die Posen von Ian Curtis einstudiert. Seine Stimme hat was. Sie klingt weniger nach Ian Curtis, dafür mehr nach David Bowie, dem Sänger der Psychedlic Furs oder Ian MucCulloch von Echo & The Bunnymen. Seine Begleitband ist hingegen unauffällig. Ein blonder Lockenkopf mit weißem Fred Perry Shirt am elektronischen Schlagzeug wie man es noch aus den 1980er Jahren kennt und ein dreitagebärtiger Bassist, der unscheinbar am rechten Bühnenrand agiert. Der Elektro- Punk der Detachments bringt ein paar Leute schlagartig zum Tanzen. Schon beim ersten Lied hüpfen ein paar Partymacher auf der winzigen Tanzfläche direkt vor der Nase des Sänger hin und her. Das wirkt recht albern, irgendwie wie Ringelpiez mit Anfassen. Die Band lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, spielt stoisch und kühl weiter. Ihre Songs singt abwechslungsreich, der elektronische Einschlag ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Am besten gefällt mir, wenn der Sänger Gitarre spielt, dann wird es punkig.

Nach gut 45 Minuten sind die Londoner mit ihrem Programm durch und haben mir erstaunlich gut gefallen. So gut, daß ich ihnen glatt ihre Debütalbum abkaufe, das kein Geringerer als James Ford (Arctic Monkey, Klaxons, Last Shadow Puppets etc.) produziert hat. Ich verfolge den weiteren Werdegang gespannt!

Ace!


Detachments, Paris, 14.02.11


Konzert: Detachments

Ort: Le Baron, Paris
Datum: 14.02.11 (eigentlich 15.02., da um 0 Uhr 30 begonnen wurde)
Zuschauer: keine Ahnung
Konzertdauer: etwa 45 Minuten



Ohne Krimi geht die Mimie nie ins Bett! Und ohne Konzerti geht der Ollie auch nichts ins Bett! Ähem, ja...


Schon erstaunlich. In der Maroquinerie, einem eigentlich allgemein zugänglichen Ort werde ich an der Tür abgewiesen (auf die besonderen Umstände wegen des privaten Konzerts von PJ Harvey hatte ich hingewiesen), im Baron, dem nobelsten Laden mit der strengsten Tür, latschte ich allerdings problemlos an den Türstehern vorbei, ich stehe auf der Liste. Hier sollen anscheinend auch Mick Jagger und Bryan Ferry verkehren, wenn sie in Paris sind, aber heute trifft man in dem plüscheligen Laden mit den roten Lämpchen und dem heftigen Champagner- Ausstoß keinen Promi. Nicht, daß das wichtig für mich wäre, im Gegenteil. Ich komme hierhin nur um Konzerte zu sehen, George Clooney oder Angelina Jolie will ich nicht treffen, die sind mir egal. Nichts ist dämlicher als der Promikult. Überlassen wir so etwas doch lieber den klatschsüchtigen Amerikanern und den Engländern.

Amerikaner (genauer gesagt Amerikanerinnen) lümmeln sich auch auf den bequemen Sofas und auf der Bühne werden heute mit den Detachments Engländer spielen. Die Ami-Tussen sind gewohnt krass drauf. Eine der beiden ist höchstens 20, trägt eine fette Rolex am schmalen Handgelenk und 15 cm hohe Absätze. Bei ihrer Freundin ist alles falsch. Die Wimpern, die Nägel, wahrscheinlich auch der Busen.



Um 0 Uhr 30 geht es mit dem Konzert los. Die jungen Engländer Detachments stehen auf dem Programm. Ihr Stil: Neo-Post Punk. So zumindest kann man es bei last fm lesen. Wer ihre musikalischen Vorbilder sind, wird schnell klar: Joy Divion, The Chameleons, New Order, Depeche Mode, Front 242, etc. Obwohl ich großer Fan der englischen Post Punk Bands der später 1970 er Jahre bin, stehe ich den jungen Revivalgruppen skeptisch gegenüber. Glasgevas, die White Lies oder Delphic hasse ich wie die Pest. Mein Problem mit ihnen: der unerträgliche Bombast, das Pathos, die schmalzigen Bubblegum- Refrains. Auch hinsichtlich der Detachments bin ich zunächst recht mißtrauisch, zumal ihre Musik stark elektronisch geprägt und weniger gitarrenlastig ist. Aber im Laufe des Konzertes merke ich von Lied zu Lied, daß mir diese Band gefällt. Sie klingen erfeulich düster und morbide, übertreiben es nie mit dem Bombast und der Sänger ist sehr charismatisch. Mehr New Waver als er geht optisch nicht. Schwarzes Hemd mit schwarzer Krawatte, strenger Seitenscheitel, apathischer Blick. Vermutlich hat er schon als kleiner Junge die Posen von Ian Curtis einstudiert. Seine Stimme hat was. Sie klingt weniger nach Ian Curtis, dafür mehr nach David Bowie, dem Sänger der Psychedlic Furs oder Ian MucCulloch von Echo & The Bunnymen. Seine Begleitband ist hingegen unauffällig. Ein blonder Lockenkopf mit weißem Fred Perry Shirt am elektronischen Schlagzeug wie man es noch aus den 1980er Jahren kennt und ein dreitagebärtiger Bassist, der unscheinbar am rechten Bühnenrand agiert. Der Elektro- Punk der Detachments bringt ein paar Leute schlagartig zum Tanzen. Schon beim ersten Lied hüpfen ein paar Partymacher auf der winzigen Tanzfläche direkt vor der Nase des Sänger hin und her. Das wirkt recht albern, irgendwie wie Ringelpiez mit Anfassen. Die Band lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, spielt stoisch und kühl weiter. Ihre Songs singt abwechslungsreich, der elektronische Einschlag ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Am besten gefällt mir, wenn der Sänger Gitarre spielt, dann wird es punkig.

Nach gut 45 Minuten sind die Londoner mit ihrem Programm durch und haben mir erstaunlich gut gefallen. So gut, daß ich ihnen glatt ihre Debütalbum abkaufe, das kein Geringerer als James Ford (Arctic Monkey, Klaxons, Last Shadow Puppets etc.) produziert hat. Ich verfolge den weiteren Werdegang gespannt!

Ace!


Kim Novak, Paris, 20.01.11


Kim Novak

Ort: L'International, Paris
Datum: 20.01.11
Zuschauer: 200 in etwa
Konzertdauer: circa 50 Minuten


Die bisher schönste Neuigkeit des noch jungen Musikjahres erreichte mich am Donnerstag. Die aus der Normandie stammende Indierockband Kim Novak hat leise still und heimlich eine neue EP herausgebracht, die sie auch löblicherweise im International zum Verkaufe feilboten. Als langjähriger Fan schlug ich natürlich sofort beherzt zu und trollte mich grinsend wie ein Honigkuchenpferd mit gleich zwei Exemplaren aus dem Laden. Zu Hause angekommen, saß aber nach den ersten zwei bis drei Hördurchgängen der Schock tief. Was war denn das jetzt für ein Stil? Galten Kim Novak nicht bis dato als die französische Antwort auf Interpol? Waren sie nicht die coolste New Wave Revival Band Frankreichs? Und liebte ich sie nicht gerade dafür? Von diesem Genre scheinen sie nun recht weit entfernt zu sein. Schluß mit dem grollendem Bass à la Peter Hook, vorbei die Gitarrenriffs à la Daniel Kessler. Und auch so düster wie vorher klingen sie nun zumindest auf dieser EP nicht mehr. Wir wollten mal was ganz Neues machen, verkündete Sänger und Gitarrist Jeremie mir gegenüber hinterher ganz laipdar. Und siehe da: wenn man das neue Machwerk oft genug gehört hat, offenbart sich einem die ganze Tiefe und Komplexität der neuen Stücke. Alles klingt unaufgeregter, relaxter, reifer. Keine schnell nervenden Ohrwürmer für die Indiedisco, sondern durchdachter Indiepoprock, der auf Effektheischerei verzichtet, dafür aber lange auf der Zunge perlt. Die Oberknaller der Ep sind Montego Bay und Love and Saved, die auch heute im International gespielt wurden.



Aber es gab noch eine weitere Neuigkeit zu vermelden und zwar keine geringfügige: Kim Novak sind nun wieder ein Quartett! Mit dem erst 20 jährigen Augustin spielt nun neben dem 21 Jährigen Bassisten Hugo ein weiterer Jungspund und verjüngt das Durchschnittsalter auf lediglich 25. Eine Teenieband, sieht man mal von dem Leader Jéremie ab, der Anfang 30 ist. Und wie stylish sie nun sind! Na gut, Jéremie, der einzige der von der damaligen Gründungsformation übrig geblieben ist, war das ja schon immer, aber nun laufen sie eben alle geschlossen in Skinny Jeans auf, die sie über ihren abgelederten Boots tragen. Cool as fuck, diese Band, man könnte fast meinen, es optisch mit den frühen Libertines zu tun zu haben. Folge dieser Verjüngungskur und des personellen Faceliftings: Ich fand mich von zuckersüßen, trendigen Frauen umgeben. Herrlich, ich fühlte mich wie ein Fisch im Wasser! Neben mir tanzte eine solch niedliche Blondine ab, daß ich meine Blicke nicht von ihr lassen konnte. Kurzhaarfrisur wie Madonna in "Susan verzweifelt gesucht", mandelförmige blaue Augen, hohe Wangenknochen, perfekte Zähne und kleine feste Brüste, die im Takt der Musik mitwippten. Am liebsten wäre ich rübergegangen und hätte ihr einen 10 minütigen Zungenkuss verpasst, aber ihr Macker stand gleich hinter ihr und außerdem bin ich ja verheiratet und treu. Oliver Peel ist schließlich nicht Bill Clinton oder Tiger Woods.

Achso, das Konzert. Gut wie immer natürlich und gespickt mit Liedern, die ich noch nicht kannte.
Keinen einzigen Song der EP hatte sie in meiner Anwesenheit zuvor schon einmal live gespielt und mit Best C und Falling Apart waren zusätzlich zwei mir unbekannte Stücke Teil des tollen Sets. Altbekannt hingegen hell funkelnde Juwelen wie Love Affair, New York, Cold Laws und der psychedelisch angehauchte Closer Somedboy New, mit dessen fulminanten Finale sie mich erneut ungespitzt in den Boden rammten.

Bei soviel Neuigkeiten wird es mir auch nach dem elften Konzert von Kim Novak nicht langweilig. Great!

Setlist Kim Novak, International, Paris, 20.01.2011:
01: Love Affair
02: Not So Sure
03: Montego Bay
04: Best C
05: Glory
06: Falling Apart
07: New York
07: Cold Laws
08: Loved & Saved
09: Somebody New

Aus unserem Archiv:

Kim Novak, Paris, 23.10.10
Kim Novak, Paris, 08.01.10
Kim Novak, Paris, 06.01.10
Kim Novak, Paris, 19.09.08
Kim Novak, Paris, 18.06.08
Kim Novak, Paris, 02.11.07
Kim Novak, Paris, 22.09.07
Kim Novak, Paris, 17.07.07
Kim Novak, Paris, 02.05.07
Kim Novak, Paris, 12.10.06



Kim Novak, Paris, 20.01.11


Kim Novak

Ort: L'International, Paris
Datum: 20.01.11
Zuschauer: 200 in etwa
Konzertdauer: circa 50 Minuten


Die bisher schönste Neuigkeit des noch jungen Musikjahres erreichte mich am Donnerstag. Die aus der Normandie stammende Indierockband Kim Novak hat leise still und heimlich eine neue EP herausgebracht, die sie auch löblicherweise im International zum Verkaufe feilboten. Als langjähriger Fan schlug ich natürlich sofort beherzt zu und trollte mich grinsend wie ein Honigkuchenpferd mit gleich zwei Exemplaren aus dem Laden. Zu Hause angekommen, saß aber nach den ersten zwei bis drei Hördurchgängen der Schock tief. Was war denn das jetzt für ein Stil? Galten Kim Novak nicht bis dato als die französische Antwort auf Interpol? Waren sie nicht die coolste New Wave Revival Band Frankreichs? Und liebte ich sie nicht gerade dafür? Von diesem Genre scheinen sie nun recht weit entfernt zu sein. Schluß mit dem grollendem Bass à la Peter Hook, vorbei die Gitarrenriffs à la Daniel Kessler. Und auch so düster wie vorher klingen sie nun zumindest auf dieser EP nicht mehr. Wir wollten mal was ganz Neues machen, verkündete Sänger und Gitarrist Jeremie mir gegenüber hinterher ganz laipdar. Und siehe da: wenn man das neue Machwerk oft genug gehört hat, offenbart sich einem die ganze Tiefe und Komplexität der neuen Stücke. Alles klingt unaufgeregter, relaxter, reifer. Keine schnell nervenden Ohrwürmer für die Indiedisco, sondern durchdachter Indiepoprock, der auf Effektheischerei verzichtet, dafür aber lange auf der Zunge perlt. Die Oberknaller der Ep sind Montego Bay und Love and Saved, die auch heute im International gespielt wurden.



Aber es gab noch eine weitere Neuigkeit zu vermelden und zwar keine geringfügige: Kim Novak sind nun wieder ein Quartett! Mit dem erst 20 jährigen Augustin spielt nun neben dem 21 Jährigen Bassisten Hugo ein weiterer Jungspund und verjüngt das Durchschnittsalter auf lediglich 25. Eine Teenieband, sieht man mal von dem Leader Jéremie ab, der Anfang 30 ist. Und wie stylish sie nun sind! Na gut, Jéremie, der einzige der von der damaligen Gründungsformation übrig geblieben ist, war das ja schon immer, aber nun laufen sie eben alle geschlossen in Skinny Jeans auf, die sie über ihren abgelederten Boots tragen. Cool as fuck, diese Band, man könnte fast meinen, es optisch mit den frühen Libertines zu tun zu haben. Folge dieser Verjüngungskur und des personellen Faceliftings: Ich fand mich von zuckersüßen, trendigen Frauen umgeben. Herrlich, ich fühlte mich wie ein Fisch im Wasser! Neben mir tanzte eine solch niedliche Blondine ab, daß ich meine Blicke nicht von ihr lassen konnte. Kurzhaarfrisur wie Madonna in "Susan verzweifelt gesucht", mandelförmige blaue Augen, hohe Wangenknochen, perfekte Zähne und kleine feste Brüste, die im Takt der Musik mitwippten. Am liebsten wäre ich rübergegangen und hätte ihr einen 10 minütigen Zungenkuss verpasst, aber ihr Macker stand gleich hinter ihr und außerdem bin ich ja verheiratet und treu. Oliver Peel ist schließlich nicht Bill Clinton oder Tiger Woods.

Achso, das Konzert. Gut wie immer natürlich und gespickt mit Liedern, die ich noch nicht kannte.
Keinen einzigen Song der EP hatte sie in meiner Anwesenheit zuvor schon einmal live gespielt und mit Best C und Falling Apart waren zusätzlich zwei mir unbekannte Stücke Teil des tollen Sets. Altbekannt hingegen hell funkelnde Juwelen wie Love Affair, New York, Cold Laws und der psychedelisch angehauchte Closer Somedboy New, mit dessen fulminanten Finale sie mich erneut ungespitzt in den Boden rammten.

Bei soviel Neuigkeiten wird es mir auch nach dem elften Konzert von Kim Novak nicht langweilig. Great!

Setlist Kim Novak, International, Paris, 20.01.2011:
01: Love Affair
02: Not So Sure
03: Montego Bay
04: Best C
05: Glory
06: Falling Apart
07: New York
07: Cold Laws
08: Loved & Saved
09: Somebody New

Aus unserem Archiv:

Kim Novak, Paris, 23.10.10
Kim Novak, Paris, 08.01.10
Kim Novak, Paris, 06.01.10
Kim Novak, Paris, 19.09.08
Kim Novak, Paris, 18.06.08
Kim Novak, Paris, 02.11.07
Kim Novak, Paris, 22.09.07
Kim Novak, Paris, 17.07.07
Kim Novak, Paris, 02.05.07
Kim Novak, Paris, 12.10.06



The National, Paris, 23.11.10


Konzert: The National

Ort: 'L'Olympia, Paris
Datum: 23.11.2010

Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: fast 100 Minuten



Un concert somptueux, magistral et renversant! Dans vingt ans on va se dire: The National 2010 à l'Olympia: "J'y étais!"


Boah, ey! Alter! Der Hammer!

Aber formulieren wir doch etwas gewählter: Das Konzert von The National im legendären Pariser Olympia war einfach atemberaubend gut! Eine epische, absolut denkwürdige, ja lebensverändernde Show, von der man 20 oder 30 Jahre später sagt: "ich war dabei".

So etwas sieht und hört selbst ein Konzertjunkie wie ich sehr selten. Brillanter Sound, ein stimmlich bestens aufgelegter Matt Berninger, Bläser die mich in den siebten Himmel tröten, postpunkige Gitarren, die melodisch schrammelig klirren, das es eine helle Freude ist, ein stakkatisches Schlagzeug, das fast 100 Minuten lang fehlerlos hämmert und Hits über Hits! Wer da noch ein Haar in der Suppe findet, dem ist wirklich nicht zu helfen. Und Matt war nicht nur stimmlich sensationell, sondern auch in den Pausen zwischen den Liedern erstaunlich gesprächig, heiter, fast selbstsicher. Wenn er sich aber das Mikro griff, agierte er urplötzlich wieder wie ein Besessener. So wie heute ist er noch nie ausgerastet! Zum Standarprogramm gehörte bisher, daß er bei Squalor Victoria und Mr. November seine elegante Zurückhaltung aufgibt und rumbrüllt wie ein Gestörter. Heute aber tat er das aber bei sehr vielen Songs und es wirkte noch nicht einmal aufgesetzt oder einstudiert. Matt Berninger also der legitime Thronfolger von Ian Curtis. Gänsehaut pur!

Musikalisches Highlight? Ganz klar der postpunkige Killersong Available (Album Sad Songs For Dirty Lovers), der mich förmlich wegfegte. Schönster Moment? Die akustische Zugabe Vanderlyle Crybaby Geeks, bei der mir die Trompete emotional so sehr zusetzte, daß ich Sternchen sah.

Morgen mehr. Stay tuned!

So. Wer will mehr? Diejenigen, denen die Zusammenfassung reicht, lesen bitte nicht weiter, für die anderen gibt es zusätzliche Details:

Dienstag, der 23. November in Paris. Ein grauer Tag, wie so oft in den letzten Wochen. Zu Hause lasse ich High Violet laufen, das aktuelle Album von The National. Ich komme erneut zu der ernüchternden Erkenntnis, daß dieses Werk nur gehobener Durchschnitt ist. Vier Songs, Runaway, Anyone's Ghost, Conversation 16 und Afraid Of Everyone ragen heraus, der Rest ist eher fad. Mir fehlen ganz einfach die Gitarren und alles ist zu glatt und harmonisch durcharrangiert. Ich fühle mich müde und niedergeschlagen, wie so oft in den letzten Jahren. Zum Glück gibt es Konzerte. Wenn sie gut sind, verfliegt meine Schwermut, bin ich mich endlich wieder unbeschwert und frei. Ob mir der Gig von The National heute abend angenehme Gefühle bereiten , mich aufbauen wird? Ein wenig skeptisch bin ich schon, zumal Christoph kürzlich nicht gerade schwärmerisch vom Konzert in Neu-Isenburg berichtet hat. Aber das Olympia ist nun einmal nicht die Hugenottenhalle. Ohne die Neu-Isenburger beleidigen zu wollen: das Olympia ist eine ganz andere Hausnummer. In diesem legendären Saal traten schon Piaf und Brel auf und von Jeff Buckley und vielen anderen Größen gibt es Live-CDs, die dort entstanden sind. Ob es wohl auch eine CD/DVD The National live à L'Olympia geben wird? Vieles spricht dafür, denn heute sah man überall aufgebaute Kameras am Bühnenrand. Sie werden dokumentieren, was ich und etwa 2500 andere Fans gehört und gesehen haben. Eine fantastische Show, die in die Geschichte eingehen wird...

Es beginnt bereits sehr vielversprechend. Um 20 Uhr 50 gehen die Lichter aus und die Band tritt auf die Bühne. Schon beim ersten Lied, der Ballade The Runaway, wird klar, daß nichts schief gehen kann. Der Sound ist brillant, glasklar und perfekt ausgesteuert. Die Stimme von Matt, manchmal live ein Problembär, kommt fast genauso weich und rund wie auf Platte rüber. Bei den vorgehenden Konzerten, die ich erleben durfte, war sie immer deutlich knarziger und rauer. Im Hintergund laufen Videos auf einer Leinwand, ich kann sie aber auf Grund meiner Position seitlich von der Bühne kaum sehen. Mistaken For Strangers kommt bereits an dritter Stelle und mischt zum ersten Mal das ansonsten eher ruhig und bedächtig zuhörende Publikum etwas auf. Anders als in Neu-Isenburg kennen die Leute den Backkatalog von The National sehr gut. Mistaken for Strangers wird euphorischer aufgenommen als das zuvor gespielte Anyone's Ghost. Auch die anderen beiden Knüller von Boxer, Squalor Victoria und Fake Empire werden später ähnlich stark abgefeiert. Die Besucher im Olympia sind fachkundig, es sind kaum Ahnunglose darunter und vor allem steht das launische und elitäre Indiepublikum trotz der neuesten Erfolge nach wie vor hinter The National. Es sind auch ein paar Leute da, die die Amerikaner bereits bei ihrem ersten Pariser Konzert auf dem Hausbot Guinguette Pirate (heutiger Name: La Dame de Canton) gesehen haben. Damals dürften kaum 100 Leute Zeuge der Show gewesen sein und auf diesen Umstand weist auch Matt schmunzelnd hin. "Sind Hélène und Sigrid eigentlich heute im Publikum?", will der Anzugträger wissen. Ja sie sind es, haben ihm und der Band die Stange gehalten. Berninger betreibt an etlichen anderen Stellen Konversation dieser Art, für mich bisher eher ungewohnt. Der Erfolg scheint ihn lockerer, gesprächiger gemacht zu haben. Oder ist er nur der Wein, den er trinkt? Weißwein wohlgemerkt. Die (2.?) Flasche hat Matt nicht aufbekommen und sich draufhin einfach einen Drumstick genommen, in den Flaschenhals gesteckt und das Ding zum Explodieren gebracht. Am Ende der Show gibt er die Pulle einem Fan, ohne davon getrunken zu haben. Eine der vielen netten Gesten, die es heute zu beobachten gibt. Witzig auch, wenn der frankophile Bryce Dessner auf französisch parliert und Matt ganz skeptisch nachfragt: "What did he say? It makes me nervous when Bryce talks in french!" Aber Matt muss sich keine Sorgen machen, denn Bryce erzählt nur nette Dinge über Matt, auch wenn er einmal scherzhaft meint: "J'ai dit que tu es un connard- ich habe gesagt, daß du ein Idiot bist." Lockere Stimmung also und dies beim wichtigsten Pariser Konzert von The National bisher. Es wirkt deshalb nicht aufgesetzt und anbiedernd, wenn Bryce auf französisch betont: "Wir wissen, daß es ein große Chance ist, in diesem legendären Saal für euch zu spielen."

Und diese Chance haben The National definitiv genutzt! Sie geben heute alles, legen sich 200 % ins Zeug und kompensieren auch die Abwesenheit des famosen Liveviolinisten Padma Newsome, der sonst den Sound von The National mit seinem gefühlvollen Spiel bereichert. Matt ist jedenfalls bis in die lichten Haarspitzen motiviert und bringt die Leute von der Security am Ende ganz schön ins Schwitzen. Zu Mr. November macht er einen Abstecher ins Publikum (nichts Neues) und auch bei Terrible Love nimmt er immer wieder Kontakt zu den Fans auf. Er peitscht sie im letzten Drittel förmlich an, klettert auf die Absperrung und brüllt ihnen die Parolen aus nächster Nähe ins Ohr. Es ist wirklich ein unfassbares Konzert, in jeder Hinsicht. Natürlich sind die Posen der Gebrüder Dessner (das gleichzeitige Hochreißen der Gitarren, das demonstrative Aufbauen am Bühnenrand) einstudiert, aber im Olympia bleibt wenig Plaz für Improvisation. Da muss alles flutschen. Dennoch schafft es die Band, human und authentisch zu wirken. Im Mittelteil spielen sie mit Lit Up und Abel zum Beweis Lieder, die nicht auf der Setliste vorgesehen waren. Sie schlagen genauso ein wie der Rest des famosen Sets. Auch der Zugabenteil ist spetakulär. Nach dem erwähnten Ausflug ins Publikum bei Mr. November gibt es noch ein Terrible Love, das tausend mal besser als auf Platte ist und vor allem mit Vanderlyle Crybaby Geeks eine Zugabe, bei der das Publikum im Chor mitsingt und die Trompete ganz wundervoll die feierliche Stimmung untermalt.

Großartig! The National im Olympia in Paris 2010: ich war dabei!




Setlist The National, Olympia, Paris:*

01: Runaway
02: Anyone's Ghost
03: Mistaken For Strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Baby We'll Be Fine
06: Slow Show
07: Squalor Victoria
08: Afraid Of Everyone
09: Available
10: Lit Up
11: Cardinal Song
12: Conversation 16
13: Sorrow
14: Apartment Story
15: Abel
16: Daughters Of The Soho Riots
17: England
18: Fake Empire

19: Lucky You
20: Mr. November
21: Terrible Love
22: Vanderlyle Crybaby Geeks

* danke an Jaz', die mitgeschrieben hat und dies zu Recht! Die getippte Setlist, die sich Fans hinterher unter den Nagel rissen, war nämlich stellenweise falsch. Es fehlten auf dieser Lit Up und Abel, zwei Songs die definitiv gespielt wurden. Wir vom Konzerttagebuch begnügen uns nie mit ungefähren Informationen, sondern versuchen so genau wie möglich zu recherchieren. Schön, wenn uns Leute dabei helfen :)

Aus unserem Archiv:

- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07