Tampilkan postingan dengan label The National. Tampilkan semua postingan
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The National, Eindhoven, 18.02.11


Konzert: The National (Cross Linx Festival)
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 18.02.2011
Zuschauer: 1.500
Dauer: gut 95 min


Heute mittag hielt ich es plötzlich für eine sehr dämliche Idee, im Freitagsverkehr nach dem Arbeiten nach Eindhoven zu fahren, nur um da drei Bands zu sehen und nachts übermüdet zurückzukommen. Glücklicherweise halten solche Vernunftanfälle nie lange an, wir saßen also um fünf im Auto und fuhren zum Cross Linx Festival.

The National sind in den vergangenen drei, vier Jahren immer größer geworden und gehen mit dieser Rolle souverän um. Ihr letztes Album High Violet spätestens hat sie zu einer festen Größe nicht mehr nur in der Indieszene werden lassen, was solche fiesen Folgen wie Morgenmagazin Ankumpeleien von Cherno Jobatey mit sich brachte. Weit weniger fies, aber auch Folge der stetig wachsenden Bekanntheit, sind Headliner-Posten bei Festivals wie diesem, bei dem die Zielgruppe eben nicht das Indiepublikum eines Haldern-Wochenendes, sondern die kulturinteressierte Szene Eindhovens war. Im riesigen Saal saßen sicher sehr viele, die nie vorher von The National gehört hatten. Und genau das machte den Charme des Festivals aus.

Wir hatten uns zunächst reflexartig in eine der ersten Reihen des Stehbereichs gestellt (der in diesem Saal nicht vorgesehen war, es war vermutlich der ebene
Orchestergraben; die Leute in den ersten Sitzreihen sahen jedenfalls von der Band nichts), dann aber überlegt, daß es neu und spannend sein könnte, sich weit nach oben zu setzen und von der Akustik des Konzertsaals berauschen zu lassen. Das taten wir, saßen schließlich fünf Meter über dem Mischpult und sollten schnell merken, daß die Entscheidung nicht dumm war.

The National spielen keine Musik für klassische Konzertsaale, sie haben ja nicht mal Glockenspiele im Programm. Die Amerikaner machen Rock*musik. Efterklang oder Owen Pallett vorher - das wäre naheliegend gewesen, eine laute Band in einem solchen Saal, ist eigentlich Verschwendung (des Saals). Aber das ist natürlich Unsinn; The National wirken überall gut, wichtig ist nur, daß sie sich rau und wenig produziert anhören. Und so war es, auch wenn man das noch nicht unbedingt von Beginn an
merkte, weil da mit Runaway und Anyone's ghost zwei ruhigere Stücke kamen. Beide Titel hörten sich hervorragend in der atemberaubend guten Akustik des Saals an. Es war wie unter Kopfhörern. Die Stärke der Kombination The National/Muziekgebouw kam aber erst beim dritten Lied Brainy zur Geltung: der von Sänger Matt Berninger gegrummelte Refrain in glasklarem Klang, das war schon etwas ganz Besonderes! Und es ging so weiter... Squalor Victoria mit den Ausbrüchen des Frontmanns, mein Liebling Slow Show oder Apartment Story, Fake Empire, Mr. November aber auch Terrible Love vom aktuellen Album - roh wie in kleinen verwanzten Hinterhofclubs aber mit der brillanten Akustik eines Saals, der für Klassik-Orchester gebaut worden ist, das machte ganz viel Sinn und vor allem Spaß!

Zu Wasp Nest, dem Stück von der 2004er Cherry Tree EP, erschien Owen Pallett auf
der Bühne. Bei dessen Konzert hatte der Kanadier noch dafür geworben, zu einem parallel zu The National stattfindenden Auftritt zu gehen, was mich zu dem Schluß führte, er möge die Amerikaner nicht. Offenbar ein Trugschluß: Matt Berninger stellte ihn als "unseren Freund Owen Pallett" vor, der dann bei einigen Lieder Geige spielte, allerdings sehr dezent im Hintergrund.

Das Konzert war musikalisch überragend, daran gibt es nichts zu diskutieren. Dem brillanten Klang hatten wir das wirkliche Konzertgefühl geopfert, das kann man aber durchaus einmal machen. Vor allem, weil wir gegen Ende dann doch noch mittendrin waren. Bei den Zugaben, als Mr. November anstand, kletterte der Sänger ins Publikum. Das ist ein alter Hut, wenn man die Band schon gesehen hat. Matt hatte
aber jetzt besonders viel Auslauf, und den nutzte er. Er kletterte immer weiter nach oben und sang (und schrie) am Ende auf einem der Balkone sehr weit oben. Dummerweise führte die Tür an diesem Balkon nicht wieder auf direktem Wege zur Bühne, also musste sich der Amerikaner etwas anderes überlegen: er kletterte vorne über die Brüstung nach unten, indem er eine riesige Lücke von ein paar Metern überwand und einen schmalen Weg entlanghangelte - der geheime Bruder von Lara Croft.

Es ging gut, also werden wir auch weiter großartige Konzerte dieser Band sehen.
Neben der Band von "diesem Typen mit der Nazifrisur"** ist The National sicher der beste große Act, den man zur Zeit sehen mag, sofern man guten Musikgeschmack hat.

Setlist The National, Cross Linx Festival, Muziekgebouw Eindhoven:

01: Runaway
02: Anyone's ghost
03: Brainy
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Lemonworld
10: Apartment story
11: Sorrow
12: Abel
13: Wasp nest
14: England
15: Fake empire

16: The geese of Beverly Road (Z)
17: Mr. November (Z)
18: Terrible love (Z)
19: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:
- aus unserem Archiv:
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07


* ekelhaftes Wort; aber Pop trifft es ja wirklich nicht
** einer der köstlichen Kommentare über Arcade Fire nach deren Grammy-Gewinn


The National, Eindhoven, 18.02.11


Konzert: The National (Cross Linx Festival)
Ort: Muziekgebouw Eindhoven
Datum: 18.02.2011
Zuschauer: 1.500
Dauer: gut 95 min


Heute mittag hielt ich es plötzlich für eine sehr dämliche Idee, im Freitagsverkehr nach dem Arbeiten nach Eindhoven zu fahren, nur um da drei Bands zu sehen und nachts übermüdet zurückzukommen. Glücklicherweise halten solche Vernunftanfälle nie lange an, wir saßen also um fünf im Auto und fuhren zum Cross Linx Festival.

The National sind in den vergangenen drei, vier Jahren immer größer geworden und gehen mit dieser Rolle souverän um. Ihr letztes Album High Violet spätestens hat sie zu einer festen Größe nicht mehr nur in der Indieszene werden lassen, was solche fiesen Folgen wie Morgenmagazin Ankumpeleien von Cherno Jobatey mit sich brachte. Weit weniger fies, aber auch Folge der stetig wachsenden Bekanntheit, sind Headliner-Posten bei Festivals wie diesem, bei dem die Zielgruppe eben nicht das Indiepublikum eines Haldern-Wochenendes, sondern die kulturinteressierte Szene Eindhovens war. Im riesigen Saal saßen sicher sehr viele, die nie vorher von The National gehört hatten. Und genau das machte den Charme des Festivals aus.

Wir hatten uns zunächst reflexartig in eine der ersten Reihen des Stehbereichs gestellt (der in diesem Saal nicht vorgesehen war, es war vermutlich der ebene
Orchestergraben; die Leute in den ersten Sitzreihen sahen jedenfalls von der Band nichts), dann aber überlegt, daß es neu und spannend sein könnte, sich weit nach oben zu setzen und von der Akustik des Konzertsaals berauschen zu lassen. Das taten wir, saßen schließlich fünf Meter über dem Mischpult und sollten schnell merken, daß die Entscheidung nicht dumm war.

The National spielen keine Musik für klassische Konzertsaale, sie haben ja nicht mal Glockenspiele im Programm. Die Amerikaner machen Rock*musik. Efterklang oder Owen Pallett vorher - das wäre naheliegend gewesen, eine laute Band in einem solchen Saal, ist eigentlich Verschwendung (des Saals). Aber das ist natürlich Unsinn; The National wirken überall gut, wichtig ist nur, daß sie sich rau und wenig produziert anhören. Und so war es, auch wenn man das noch nicht unbedingt von Beginn an
merkte, weil da mit Runaway und Anyone's ghost zwei ruhigere Stücke kamen. Beide Titel hörten sich hervorragend in der atemberaubend guten Akustik des Saals an. Es war wie unter Kopfhörern. Die Stärke der Kombination The National/Muziekgebouw kam aber erst beim dritten Lied Brainy zur Geltung: der von Sänger Matt Berninger gegrummelte Refrain in glasklarem Klang, das war schon etwas ganz Besonderes! Und es ging so weiter... Squalor Victoria mit den Ausbrüchen des Frontmanns, mein Liebling Slow Show oder Apartment Story, Fake Empire, Mr. November aber auch Terrible Love vom aktuellen Album - roh wie in kleinen verwanzten Hinterhofclubs aber mit der brillanten Akustik eines Saals, der für Klassik-Orchester gebaut worden ist, das machte ganz viel Sinn und vor allem Spaß!

Zu Wasp Nest, dem Stück von der 2004er Cherry Tree EP, erschien Owen Pallett auf
der Bühne. Bei dessen Konzert hatte der Kanadier noch dafür geworben, zu einem parallel zu The National stattfindenden Auftritt zu gehen, was mich zu dem Schluß führte, er möge die Amerikaner nicht. Offenbar ein Trugschluß: Matt Berninger stellte ihn als "unseren Freund Owen Pallett" vor, der dann bei einigen Lieder Geige spielte, allerdings sehr dezent im Hintergrund.

Das Konzert war musikalisch überragend, daran gibt es nichts zu diskutieren. Dem brillanten Klang hatten wir das wirkliche Konzertgefühl geopfert, das kann man aber durchaus einmal machen. Vor allem, weil wir gegen Ende dann doch noch mittendrin waren. Bei den Zugaben, als Mr. November anstand, kletterte der Sänger ins Publikum. Das ist ein alter Hut, wenn man die Band schon gesehen hat. Matt hatte
aber jetzt besonders viel Auslauf, und den nutzte er. Er kletterte immer weiter nach oben und sang (und schrie) am Ende auf einem der Balkone sehr weit oben. Dummerweise führte die Tür an diesem Balkon nicht wieder auf direktem Wege zur Bühne, also musste sich der Amerikaner etwas anderes überlegen: er kletterte vorne über die Brüstung nach unten, indem er eine riesige Lücke von ein paar Metern überwand und einen schmalen Weg entlanghangelte - der geheime Bruder von Lara Croft.

Es ging gut, also werden wir auch weiter großartige Konzerte dieser Band sehen.
Neben der Band von "diesem Typen mit der Nazifrisur"** ist The National sicher der beste große Act, den man zur Zeit sehen mag, sofern man guten Musikgeschmack hat.

Setlist The National, Cross Linx Festival, Muziekgebouw Eindhoven:

01: Runaway
02: Anyone's ghost
03: Brainy
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Lemonworld
10: Apartment story
11: Sorrow
12: Abel
13: Wasp nest
14: England
15: Fake empire

16: The geese of Beverly Road (Z)
17: Mr. November (Z)
18: Terrible love (Z)
19: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:
- aus unserem Archiv:
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07


* ekelhaftes Wort; aber Pop trifft es ja wirklich nicht
** einer der köstlichen Kommentare über Arcade Fire nach deren Grammy-Gewinn


The National, Paris, 23.11.10


Konzert: The National

Ort: 'L'Olympia, Paris
Datum: 23.11.2010

Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: fast 100 Minuten



Un concert somptueux, magistral et renversant! Dans vingt ans on va se dire: The National 2010 à l'Olympia: "J'y étais!"


Boah, ey! Alter! Der Hammer!

Aber formulieren wir doch etwas gewählter: Das Konzert von The National im legendären Pariser Olympia war einfach atemberaubend gut! Eine epische, absolut denkwürdige, ja lebensverändernde Show, von der man 20 oder 30 Jahre später sagt: "ich war dabei".

So etwas sieht und hört selbst ein Konzertjunkie wie ich sehr selten. Brillanter Sound, ein stimmlich bestens aufgelegter Matt Berninger, Bläser die mich in den siebten Himmel tröten, postpunkige Gitarren, die melodisch schrammelig klirren, das es eine helle Freude ist, ein stakkatisches Schlagzeug, das fast 100 Minuten lang fehlerlos hämmert und Hits über Hits! Wer da noch ein Haar in der Suppe findet, dem ist wirklich nicht zu helfen. Und Matt war nicht nur stimmlich sensationell, sondern auch in den Pausen zwischen den Liedern erstaunlich gesprächig, heiter, fast selbstsicher. Wenn er sich aber das Mikro griff, agierte er urplötzlich wieder wie ein Besessener. So wie heute ist er noch nie ausgerastet! Zum Standarprogramm gehörte bisher, daß er bei Squalor Victoria und Mr. November seine elegante Zurückhaltung aufgibt und rumbrüllt wie ein Gestörter. Heute aber tat er das aber bei sehr vielen Songs und es wirkte noch nicht einmal aufgesetzt oder einstudiert. Matt Berninger also der legitime Thronfolger von Ian Curtis. Gänsehaut pur!

Musikalisches Highlight? Ganz klar der postpunkige Killersong Available (Album Sad Songs For Dirty Lovers), der mich förmlich wegfegte. Schönster Moment? Die akustische Zugabe Vanderlyle Crybaby Geeks, bei der mir die Trompete emotional so sehr zusetzte, daß ich Sternchen sah.

Morgen mehr. Stay tuned!

So. Wer will mehr? Diejenigen, denen die Zusammenfassung reicht, lesen bitte nicht weiter, für die anderen gibt es zusätzliche Details:

Dienstag, der 23. November in Paris. Ein grauer Tag, wie so oft in den letzten Wochen. Zu Hause lasse ich High Violet laufen, das aktuelle Album von The National. Ich komme erneut zu der ernüchternden Erkenntnis, daß dieses Werk nur gehobener Durchschnitt ist. Vier Songs, Runaway, Anyone's Ghost, Conversation 16 und Afraid Of Everyone ragen heraus, der Rest ist eher fad. Mir fehlen ganz einfach die Gitarren und alles ist zu glatt und harmonisch durcharrangiert. Ich fühle mich müde und niedergeschlagen, wie so oft in den letzten Jahren. Zum Glück gibt es Konzerte. Wenn sie gut sind, verfliegt meine Schwermut, bin ich mich endlich wieder unbeschwert und frei. Ob mir der Gig von The National heute abend angenehme Gefühle bereiten , mich aufbauen wird? Ein wenig skeptisch bin ich schon, zumal Christoph kürzlich nicht gerade schwärmerisch vom Konzert in Neu-Isenburg berichtet hat. Aber das Olympia ist nun einmal nicht die Hugenottenhalle. Ohne die Neu-Isenburger beleidigen zu wollen: das Olympia ist eine ganz andere Hausnummer. In diesem legendären Saal traten schon Piaf und Brel auf und von Jeff Buckley und vielen anderen Größen gibt es Live-CDs, die dort entstanden sind. Ob es wohl auch eine CD/DVD The National live à L'Olympia geben wird? Vieles spricht dafür, denn heute sah man überall aufgebaute Kameras am Bühnenrand. Sie werden dokumentieren, was ich und etwa 2500 andere Fans gehört und gesehen haben. Eine fantastische Show, die in die Geschichte eingehen wird...

Es beginnt bereits sehr vielversprechend. Um 20 Uhr 50 gehen die Lichter aus und die Band tritt auf die Bühne. Schon beim ersten Lied, der Ballade The Runaway, wird klar, daß nichts schief gehen kann. Der Sound ist brillant, glasklar und perfekt ausgesteuert. Die Stimme von Matt, manchmal live ein Problembär, kommt fast genauso weich und rund wie auf Platte rüber. Bei den vorgehenden Konzerten, die ich erleben durfte, war sie immer deutlich knarziger und rauer. Im Hintergund laufen Videos auf einer Leinwand, ich kann sie aber auf Grund meiner Position seitlich von der Bühne kaum sehen. Mistaken For Strangers kommt bereits an dritter Stelle und mischt zum ersten Mal das ansonsten eher ruhig und bedächtig zuhörende Publikum etwas auf. Anders als in Neu-Isenburg kennen die Leute den Backkatalog von The National sehr gut. Mistaken for Strangers wird euphorischer aufgenommen als das zuvor gespielte Anyone's Ghost. Auch die anderen beiden Knüller von Boxer, Squalor Victoria und Fake Empire werden später ähnlich stark abgefeiert. Die Besucher im Olympia sind fachkundig, es sind kaum Ahnunglose darunter und vor allem steht das launische und elitäre Indiepublikum trotz der neuesten Erfolge nach wie vor hinter The National. Es sind auch ein paar Leute da, die die Amerikaner bereits bei ihrem ersten Pariser Konzert auf dem Hausbot Guinguette Pirate (heutiger Name: La Dame de Canton) gesehen haben. Damals dürften kaum 100 Leute Zeuge der Show gewesen sein und auf diesen Umstand weist auch Matt schmunzelnd hin. "Sind Hélène und Sigrid eigentlich heute im Publikum?", will der Anzugträger wissen. Ja sie sind es, haben ihm und der Band die Stange gehalten. Berninger betreibt an etlichen anderen Stellen Konversation dieser Art, für mich bisher eher ungewohnt. Der Erfolg scheint ihn lockerer, gesprächiger gemacht zu haben. Oder ist er nur der Wein, den er trinkt? Weißwein wohlgemerkt. Die (2.?) Flasche hat Matt nicht aufbekommen und sich draufhin einfach einen Drumstick genommen, in den Flaschenhals gesteckt und das Ding zum Explodieren gebracht. Am Ende der Show gibt er die Pulle einem Fan, ohne davon getrunken zu haben. Eine der vielen netten Gesten, die es heute zu beobachten gibt. Witzig auch, wenn der frankophile Bryce Dessner auf französisch parliert und Matt ganz skeptisch nachfragt: "What did he say? It makes me nervous when Bryce talks in french!" Aber Matt muss sich keine Sorgen machen, denn Bryce erzählt nur nette Dinge über Matt, auch wenn er einmal scherzhaft meint: "J'ai dit que tu es un connard- ich habe gesagt, daß du ein Idiot bist." Lockere Stimmung also und dies beim wichtigsten Pariser Konzert von The National bisher. Es wirkt deshalb nicht aufgesetzt und anbiedernd, wenn Bryce auf französisch betont: "Wir wissen, daß es ein große Chance ist, in diesem legendären Saal für euch zu spielen."

Und diese Chance haben The National definitiv genutzt! Sie geben heute alles, legen sich 200 % ins Zeug und kompensieren auch die Abwesenheit des famosen Liveviolinisten Padma Newsome, der sonst den Sound von The National mit seinem gefühlvollen Spiel bereichert. Matt ist jedenfalls bis in die lichten Haarspitzen motiviert und bringt die Leute von der Security am Ende ganz schön ins Schwitzen. Zu Mr. November macht er einen Abstecher ins Publikum (nichts Neues) und auch bei Terrible Love nimmt er immer wieder Kontakt zu den Fans auf. Er peitscht sie im letzten Drittel förmlich an, klettert auf die Absperrung und brüllt ihnen die Parolen aus nächster Nähe ins Ohr. Es ist wirklich ein unfassbares Konzert, in jeder Hinsicht. Natürlich sind die Posen der Gebrüder Dessner (das gleichzeitige Hochreißen der Gitarren, das demonstrative Aufbauen am Bühnenrand) einstudiert, aber im Olympia bleibt wenig Plaz für Improvisation. Da muss alles flutschen. Dennoch schafft es die Band, human und authentisch zu wirken. Im Mittelteil spielen sie mit Lit Up und Abel zum Beweis Lieder, die nicht auf der Setliste vorgesehen waren. Sie schlagen genauso ein wie der Rest des famosen Sets. Auch der Zugabenteil ist spetakulär. Nach dem erwähnten Ausflug ins Publikum bei Mr. November gibt es noch ein Terrible Love, das tausend mal besser als auf Platte ist und vor allem mit Vanderlyle Crybaby Geeks eine Zugabe, bei der das Publikum im Chor mitsingt und die Trompete ganz wundervoll die feierliche Stimmung untermalt.

Großartig! The National im Olympia in Paris 2010: ich war dabei!




Setlist The National, Olympia, Paris:*

01: Runaway
02: Anyone's Ghost
03: Mistaken For Strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Baby We'll Be Fine
06: Slow Show
07: Squalor Victoria
08: Afraid Of Everyone
09: Available
10: Lit Up
11: Cardinal Song
12: Conversation 16
13: Sorrow
14: Apartment Story
15: Abel
16: Daughters Of The Soho Riots
17: England
18: Fake Empire

19: Lucky You
20: Mr. November
21: Terrible Love
22: Vanderlyle Crybaby Geeks

* danke an Jaz', die mitgeschrieben hat und dies zu Recht! Die getippte Setlist, die sich Fans hinterher unter den Nagel rissen, war nämlich stellenweise falsch. Es fehlten auf dieser Lit Up und Abel, zwei Songs die definitiv gespielt wurden. Wir vom Konzerttagebuch begnügen uns nie mit ungefähren Informationen, sondern versuchen so genau wie möglich zu recherchieren. Schön, wenn uns Leute dabei helfen :)

Aus unserem Archiv:

- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07


The National, Paris, 23.11.10


Konzert: The National

Ort: 'L'Olympia, Paris
Datum: 23.11.2010

Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: fast 100 Minuten



Un concert somptueux, magistral et renversant! Dans vingt ans on va se dire: The National 2010 à l'Olympia: "J'y étais!"


Boah, ey! Alter! Der Hammer!

Aber formulieren wir doch etwas gewählter: Das Konzert von The National im legendären Pariser Olympia war einfach atemberaubend gut! Eine epische, absolut denkwürdige, ja lebensverändernde Show, von der man 20 oder 30 Jahre später sagt: "ich war dabei".

So etwas sieht und hört selbst ein Konzertjunkie wie ich sehr selten. Brillanter Sound, ein stimmlich bestens aufgelegter Matt Berninger, Bläser die mich in den siebten Himmel tröten, postpunkige Gitarren, die melodisch schrammelig klirren, das es eine helle Freude ist, ein stakkatisches Schlagzeug, das fast 100 Minuten lang fehlerlos hämmert und Hits über Hits! Wer da noch ein Haar in der Suppe findet, dem ist wirklich nicht zu helfen. Und Matt war nicht nur stimmlich sensationell, sondern auch in den Pausen zwischen den Liedern erstaunlich gesprächig, heiter, fast selbstsicher. Wenn er sich aber das Mikro griff, agierte er urplötzlich wieder wie ein Besessener. So wie heute ist er noch nie ausgerastet! Zum Standarprogramm gehörte bisher, daß er bei Squalor Victoria und Mr. November seine elegante Zurückhaltung aufgibt und rumbrüllt wie ein Gestörter. Heute aber tat er das aber bei sehr vielen Songs und es wirkte noch nicht einmal aufgesetzt oder einstudiert. Matt Berninger also der legitime Thronfolger von Ian Curtis. Gänsehaut pur!

Musikalisches Highlight? Ganz klar der postpunkige Killersong Available (Album Sad Songs For Dirty Lovers), der mich förmlich wegfegte. Schönster Moment? Die akustische Zugabe Vanderlyle Crybaby Geeks, bei der mir die Trompete emotional so sehr zusetzte, daß ich Sternchen sah.

Morgen mehr. Stay tuned!

So. Wer will mehr? Diejenigen, denen die Zusammenfassung reicht, lesen bitte nicht weiter, für die anderen gibt es zusätzliche Details:

Dienstag, der 23. November in Paris. Ein grauer Tag, wie so oft in den letzten Wochen. Zu Hause lasse ich High Violet laufen, das aktuelle Album von The National. Ich komme erneut zu der ernüchternden Erkenntnis, daß dieses Werk nur gehobener Durchschnitt ist. Vier Songs, Runaway, Anyone's Ghost, Conversation 16 und Afraid Of Everyone ragen heraus, der Rest ist eher fad. Mir fehlen ganz einfach die Gitarren und alles ist zu glatt und harmonisch durcharrangiert. Ich fühle mich müde und niedergeschlagen, wie so oft in den letzten Jahren. Zum Glück gibt es Konzerte. Wenn sie gut sind, verfliegt meine Schwermut, bin ich mich endlich wieder unbeschwert und frei. Ob mir der Gig von The National heute abend angenehme Gefühle bereiten , mich aufbauen wird? Ein wenig skeptisch bin ich schon, zumal Christoph kürzlich nicht gerade schwärmerisch vom Konzert in Neu-Isenburg berichtet hat. Aber das Olympia ist nun einmal nicht die Hugenottenhalle. Ohne die Neu-Isenburger beleidigen zu wollen: das Olympia ist eine ganz andere Hausnummer. In diesem legendären Saal traten schon Piaf und Brel auf und von Jeff Buckley und vielen anderen Größen gibt es Live-CDs, die dort entstanden sind. Ob es wohl auch eine CD/DVD The National live à L'Olympia geben wird? Vieles spricht dafür, denn heute sah man überall aufgebaute Kameras am Bühnenrand. Sie werden dokumentieren, was ich und etwa 2500 andere Fans gehört und gesehen haben. Eine fantastische Show, die in die Geschichte eingehen wird...

Es beginnt bereits sehr vielversprechend. Um 20 Uhr 50 gehen die Lichter aus und die Band tritt auf die Bühne. Schon beim ersten Lied, der Ballade The Runaway, wird klar, daß nichts schief gehen kann. Der Sound ist brillant, glasklar und perfekt ausgesteuert. Die Stimme von Matt, manchmal live ein Problembär, kommt fast genauso weich und rund wie auf Platte rüber. Bei den vorgehenden Konzerten, die ich erleben durfte, war sie immer deutlich knarziger und rauer. Im Hintergund laufen Videos auf einer Leinwand, ich kann sie aber auf Grund meiner Position seitlich von der Bühne kaum sehen. Mistaken For Strangers kommt bereits an dritter Stelle und mischt zum ersten Mal das ansonsten eher ruhig und bedächtig zuhörende Publikum etwas auf. Anders als in Neu-Isenburg kennen die Leute den Backkatalog von The National sehr gut. Mistaken for Strangers wird euphorischer aufgenommen als das zuvor gespielte Anyone's Ghost. Auch die anderen beiden Knüller von Boxer, Squalor Victoria und Fake Empire werden später ähnlich stark abgefeiert. Die Besucher im Olympia sind fachkundig, es sind kaum Ahnunglose darunter und vor allem steht das launische und elitäre Indiepublikum trotz der neuesten Erfolge nach wie vor hinter The National. Es sind auch ein paar Leute da, die die Amerikaner bereits bei ihrem ersten Pariser Konzert auf dem Hausbot Guinguette Pirate (heutiger Name: La Dame de Canton) gesehen haben. Damals dürften kaum 100 Leute Zeuge der Show gewesen sein und auf diesen Umstand weist auch Matt schmunzelnd hin. "Sind Hélène und Sigrid eigentlich heute im Publikum?", will der Anzugträger wissen. Ja sie sind es, haben ihm und der Band die Stange gehalten. Berninger betreibt an etlichen anderen Stellen Konversation dieser Art, für mich bisher eher ungewohnt. Der Erfolg scheint ihn lockerer, gesprächiger gemacht zu haben. Oder ist er nur der Wein, den er trinkt? Weißwein wohlgemerkt. Die (2.?) Flasche hat Matt nicht aufbekommen und sich draufhin einfach einen Drumstick genommen, in den Flaschenhals gesteckt und das Ding zum Explodieren gebracht. Am Ende der Show gibt er die Pulle einem Fan, ohne davon getrunken zu haben. Eine der vielen netten Gesten, die es heute zu beobachten gibt. Witzig auch, wenn der frankophile Bryce Dessner auf französisch parliert und Matt ganz skeptisch nachfragt: "What did he say? It makes me nervous when Bryce talks in french!" Aber Matt muss sich keine Sorgen machen, denn Bryce erzählt nur nette Dinge über Matt, auch wenn er einmal scherzhaft meint: "J'ai dit que tu es un connard- ich habe gesagt, daß du ein Idiot bist." Lockere Stimmung also und dies beim wichtigsten Pariser Konzert von The National bisher. Es wirkt deshalb nicht aufgesetzt und anbiedernd, wenn Bryce auf französisch betont: "Wir wissen, daß es ein große Chance ist, in diesem legendären Saal für euch zu spielen."

Und diese Chance haben The National definitiv genutzt! Sie geben heute alles, legen sich 200 % ins Zeug und kompensieren auch die Abwesenheit des famosen Liveviolinisten Padma Newsome, der sonst den Sound von The National mit seinem gefühlvollen Spiel bereichert. Matt ist jedenfalls bis in die lichten Haarspitzen motiviert und bringt die Leute von der Security am Ende ganz schön ins Schwitzen. Zu Mr. November macht er einen Abstecher ins Publikum (nichts Neues) und auch bei Terrible Love nimmt er immer wieder Kontakt zu den Fans auf. Er peitscht sie im letzten Drittel förmlich an, klettert auf die Absperrung und brüllt ihnen die Parolen aus nächster Nähe ins Ohr. Es ist wirklich ein unfassbares Konzert, in jeder Hinsicht. Natürlich sind die Posen der Gebrüder Dessner (das gleichzeitige Hochreißen der Gitarren, das demonstrative Aufbauen am Bühnenrand) einstudiert, aber im Olympia bleibt wenig Plaz für Improvisation. Da muss alles flutschen. Dennoch schafft es die Band, human und authentisch zu wirken. Im Mittelteil spielen sie mit Lit Up und Abel zum Beweis Lieder, die nicht auf der Setliste vorgesehen waren. Sie schlagen genauso ein wie der Rest des famosen Sets. Auch der Zugabenteil ist spetakulär. Nach dem erwähnten Ausflug ins Publikum bei Mr. November gibt es noch ein Terrible Love, das tausend mal besser als auf Platte ist und vor allem mit Vanderlyle Crybaby Geeks eine Zugabe, bei der das Publikum im Chor mitsingt und die Trompete ganz wundervoll die feierliche Stimmung untermalt.

Großartig! The National im Olympia in Paris 2010: ich war dabei!




Setlist The National, Olympia, Paris:*

01: Runaway
02: Anyone's Ghost
03: Mistaken For Strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Baby We'll Be Fine
06: Slow Show
07: Squalor Victoria
08: Afraid Of Everyone
09: Available
10: Lit Up
11: Cardinal Song
12: Conversation 16
13: Sorrow
14: Apartment Story
15: Abel
16: Daughters Of The Soho Riots
17: England
18: Fake Empire

19: Lucky You
20: Mr. November
21: Terrible Love
22: Vanderlyle Crybaby Geeks

* danke an Jaz', die mitgeschrieben hat und dies zu Recht! Die getippte Setlist, die sich Fans hinterher unter den Nagel rissen, war nämlich stellenweise falsch. Es fehlten auf dieser Lit Up und Abel, zwei Songs die definitiv gespielt wurden. Wir vom Konzerttagebuch begnügen uns nie mit ungefähren Informationen, sondern versuchen so genau wie möglich zu recherchieren. Schön, wenn uns Leute dabei helfen :)

Aus unserem Archiv:

- The National, Neu-Isenburg, 18.11.10
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07


The National, Neu-Isenburg, 18.11.10


Konzert: The National
Ort: Hugenottenhalle, Neu-Isenburg
Datum: 18.11.2010
Zuschauer: wohl ausverkauft aber nicht überlaufen
Dauer: The National 95 min, Phosphorescent 45 min


So recht weiß ich mein drittes National-Konzert des Jahres nicht einzuschätzen. Ich hatte mir vorher
vorgenommen, keine Vergleiche zum Sommer anzustellen, als ich die Band so stark gesehen habe, daß man das nicht besser machen kann. Das funktionierte gut, denn obwohl Überraschungen weitestgehend fehlten, mochte ich den Auftritt der um Bläser verstärkten Amerikaner gerne. Trotzdem war das Konzert "nur" gut, die äußeren Umstände ließen nicht mehr zu. Aber der Reihe nach...

Rund um Frankfurt gibt es eine Reihe mittelgroßer Hallen, die für Konzerte genutzt werden, die vom Zuschauerzuspruch zwischen Batschkapp und Jahrhunderhalle liegen. The National sind in dieser
Hallengröße angekommen, weil sie sich mit ihrem fünften Album High Violet immer mehr in den Focus einer größeren Öffentlichkeit gespielt haben. Der Morgenmagazin-Auftritt der Band vor ein paar Wochen hat dazu vermutlich kaum beigetragen, ist aber Symbol für den Bekanntheitssprung (wobei es natürlich einem Ritterschlag gleichkommt, von Cherno Jobatey, der noch nie von ihnen gehört hatte, gelobt zu werden).

Die Hugenottenhalle ist einer dieser Säle für die Übergangszeit im Frankfurter
Umland. Sie liegt in der Innenstadt von Neu-Isenburg und ist mit dem Auto trotzdem schwer erreichbar, weil die Parkkapazitäten eher übersichtlich sind. Der Parkplatz neben der Halle war besetzt, das Parkhaus des Einkaufscenters schließt um 21 Uhr. Also durch Wohngebiete streunen und den Wagen da irgendwo loswerden; ideal ist das natürlich nicht.

Die Halle hat eine achteckige Grundform, von oben sieht der Saal wie ein in die Länge gezogenes Stop-Schild aus. Weil die Bühne an einer der breiten Seiten liegt, ist der Raum bequem und luftig. Daß das zu Lasten des Klangs gehen sollte, merkte ich später erst.

Als ich reinkam, begannen gerade Phosphorescent aus Brooklyn. Wir haben hier
schon über Pariser Auftritte der Indierock-Band berichtet, ich kannte sie nicht, mochte sie aber auch nicht. Die gespielten Lieder waren melodiös-langweilig, die beiden besseren Momente, als es lauter wurde, wirkten aufgesetzt. Ich bin natürlich dankbar für jede namhafte Band, die als Vorgruppe mitgebracht wird, Phosphorescent langweilten dann aber doch zu sehr. Ich würde nicht so weit gehen wie derjenige, der auf ihrer Wikipedia-Seite dies hinterlassen hat: "i steal a whole bunch of crap from other bands, then add my own computer-generated music. im a total fake, and everybody should know" Aber wenn James Blunt Lust auf Rockmusik hat, hört er sicher solche Musik (ich wollte eigentlich nicht mehr über den lästern, seit ich weiß, daß er alleine uns alle vor dem 3. Weltkrieg gerettet hat).

Als es dann wirklich spannend wurde, war der Raum innen zwar voll, wegen seiner Weitläufigkeit an den Seiten aber eher spärlich gefüllt. Die Vorgruppe war furchtbar leise, was The National nicht gut tut, je lauter die live sind, desto besser die Konzerte. Glücklicherweise hatten die Toningenieure aber die Regler vor The National höher gefahren; es fingt mit Runaway gut an. Bei den ersten Stücken gefiel mir der Klang noch. Mich störte da nur die Passivität des Publikums. Mistaken for strangers hatte mir beim Latitude Festival noch Gänsehaut beschert - und einen der besten Konzertmomente, die ich je erlebt habe. Mehrere Tausend Leute, alle singend und schreiend, das war nicht nur ein sehr gutes Lied, das da gespielt wurde, es war viel intensiver, auch wenn das schrecklich platt klingt. Heute war Mistaken for strangers
nicht viel anders als vor dem Fernseher beim Rockpalast, das Lied ist so nicht schlechter, mit dem, wie man The National auch erleben kann, hatte das aber nichts zu tun.

Es war nicht keine Stimmung, das wäre ganz falsch. Hinterher wurde frenetisch
geklatscht. Aber während der Lieder passierte jenseits des Gitters nichts. Und, und das fand ich erstaunlich, die neuen Stücke kamen sehr viel besser an als die Gassenhauer von Alligator oder Boxer!

Neben der Passivität des Publikums kam bei Slow show ein weiteres Problem dazu (zumindest fiel es mir da erstmals auf), die Halle erzeugt Echos! Wenn Trommelschlag und Echo im Takt waren, war das nicht schlimm, bei Slow show und vielen anderen schepperte aber zeitversetzt off beat alles von der hinteren Wand zurück. Das war manches Mal richtig scheußlich, Slow show oder auch Abel hat dieser Effekt versaut.

So fies wie die Echos, so gut sind die Bläsereinsätze. Wenn Posaune und Trompete
einsetzen, gibt das vielen Stücken einen genau richtig dosierten Zusatzreiz. Bei Afraid of everybody zum Beispiel wirkte das besonders gut; ein echter Zugewinn!

Höhepunkte auf der Bühne waren wieder die ekstatischen Stücke wie Abel, Squalor Victoria oder Mr. November, bei denen Sänger Matt Berninger ausrastet, heute allerdings nur stimmlich. Trotz der Stimmung waren alle drei grandios!

Bemerkenswert waren dann noch drei weitere Szenen. Da war zum einen
Lemonworld, keiner meiner unbedingten Lieblinge. Der Sänger, der wieder viel redete und dabei sehr sympathisch war, seine introvertierten Auftritte ohne Publikumsansprache gefielen mir aber trotzdem sehr viel besser, patzte am Ende des Stücks ein wenig, ehrlich gesagt wäre mir das nicht weiter aufgefallen. Er lamentierte danach aber, daß sie das Lied zum ersten Mal gut gespielt hätten, und ausgerechnet dann müsse er das Ende versauen. "We have a hard time playing this song. For the first time it sounded awesome and I messed it up."

Eine herrliche Szene spielte sich zwischen Matt und den Dessner-Zwillingen ab. Irgendwer hatte den Wunsch nach Beautiful head vom Debütalbum The National nach vorne gebrüllt. Matt Berninger beendete das schnell: "I forgot it!" Sie würden das Stück nicht spielen. Lieder von den ersten beiden Platten sind ja eh große Ausnahme live. Einer der Dessners antwortete: "I know it...!"

Und dann wollte er im Zugabenteil bei Mr. November ins Publikum. In Köln hatte er diese Stelle auch für einen Ausflug genutzt. Allerdings versuchte er es rechts über eine Treppe, die vollkommen zugebaut war und blieb oben. Ausflug verschoben! Erst beim nächsten Lied (Terrible love), kletterte der Sänger
vorne runter und ging durch die Halle.

Beendet wurde das Konzert durch ein akustisches
Vanderlyle crybaby geeks, das wunderschön war, aber ganz ehrlich doch eher zu Bands wie Travis passt. Band toll, Stimmung und Halle mau - aber gut war es natürlich trotzdem. Nur nicht so.

Setlist The National, Hugenottenhalle, Neu-Isenburg:

01: Runaway
02: Anyone's ghost
03: Mistaken for strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Little faith
10: Apartment story
11: Lemonworld
12: Abel
13: Daughters of the Soho riots
14: England
15: Fake empire

16: Sorrow (Z)
17: Mr. November (Z)
18: Terrible love (Z)
19: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

- mehr Fotos aus Neu-Isenburg


The National, Neu-Isenburg, 18.11.10


Konzert: The National
Ort: Hugenottenhalle, Neu-Isenburg
Datum: 18.11.2010
Zuschauer: wohl ausverkauft aber nicht überlaufen
Dauer: The National 95 min, Phosphorescent 45 min


So recht weiß ich mein drittes National-Konzert des Jahres nicht einzuschätzen. Ich hatte mir vorher
vorgenommen, keine Vergleiche zum Sommer anzustellen, als ich die Band so stark gesehen habe, daß man das nicht besser machen kann. Das funktionierte gut, denn obwohl Überraschungen weitestgehend fehlten, mochte ich den Auftritt der um Bläser verstärkten Amerikaner gerne. Trotzdem war das Konzert "nur" gut, die äußeren Umstände ließen nicht mehr zu. Aber der Reihe nach...

Rund um Frankfurt gibt es eine Reihe mittelgroßer Hallen, die für Konzerte genutzt werden, die vom Zuschauerzuspruch zwischen Batschkapp und Jahrhunderhalle liegen. The National sind in dieser
Hallengröße angekommen, weil sie sich mit ihrem fünften Album High Violet immer mehr in den Focus einer größeren Öffentlichkeit gespielt haben. Der Morgenmagazin-Auftritt der Band vor ein paar Wochen hat dazu vermutlich kaum beigetragen, ist aber Symbol für den Bekanntheitssprung (wobei es natürlich einem Ritterschlag gleichkommt, von Cherno Jobatey, der noch nie von ihnen gehört hatte, gelobt zu werden).

Die Hugenottenhalle ist einer dieser Säle für die Übergangszeit im Frankfurter
Umland. Sie liegt in der Innenstadt von Neu-Isenburg und ist mit dem Auto trotzdem schwer erreichbar, weil die Parkkapazitäten eher übersichtlich sind. Der Parkplatz neben der Halle war besetzt, das Parkhaus des Einkaufscenters schließt um 21 Uhr. Also durch Wohngebiete streunen und den Wagen da irgendwo loswerden; ideal ist das natürlich nicht.

Die Halle hat eine achteckige Grundform, von oben sieht der Saal wie ein in die Länge gezogenes Stop-Schild aus. Weil die Bühne an einer der breiten Seiten liegt, ist der Raum bequem und luftig. Daß das zu Lasten des Klangs gehen sollte, merkte ich später erst.

Als ich reinkam, begannen gerade Phosphorescent aus Brooklyn. Wir haben hier
schon über Pariser Auftritte der Indierock-Band berichtet, ich kannte sie nicht, mochte sie aber auch nicht. Die gespielten Lieder waren melodiös-langweilig, die beiden besseren Momente, als es lauter wurde, wirkten aufgesetzt. Ich bin natürlich dankbar für jede namhafte Band, die als Vorgruppe mitgebracht wird, Phosphorescent langweilten dann aber doch zu sehr. Ich würde nicht so weit gehen wie derjenige, der auf ihrer Wikipedia-Seite dies hinterlassen hat: "i steal a whole bunch of crap from other bands, then add my own computer-generated music. im a total fake, and everybody should know" Aber wenn James Blunt Lust auf Rockmusik hat, hört er sicher solche Musik (ich wollte eigentlich nicht mehr über den lästern, seit ich weiß, daß er alleine uns alle vor dem 3. Weltkrieg gerettet hat).

Als es dann wirklich spannend wurde, war der Raum innen zwar voll, wegen seiner Weitläufigkeit an den Seiten aber eher spärlich gefüllt. Die Vorgruppe war furchtbar leise, was The National nicht gut tut, je lauter die live sind, desto besser die Konzerte. Glücklicherweise hatten die Toningenieure aber die Regler vor The National höher gefahren; es fingt mit Runaway gut an. Bei den ersten Stücken gefiel mir der Klang noch. Mich störte da nur die Passivität des Publikums. Mistaken for strangers hatte mir beim Latitude Festival noch Gänsehaut beschert - und einen der besten Konzertmomente, die ich je erlebt habe. Mehrere Tausend Leute, alle singend und schreiend, das war nicht nur ein sehr gutes Lied, das da gespielt wurde, es war viel intensiver, auch wenn das schrecklich platt klingt. Heute war Mistaken for strangers
nicht viel anders als vor dem Fernseher beim Rockpalast, das Lied ist so nicht schlechter, mit dem, wie man The National auch erleben kann, hatte das aber nichts zu tun.

Es war nicht keine Stimmung, das wäre ganz falsch. Hinterher wurde frenetisch
geklatscht. Aber während der Lieder passierte jenseits des Gitters nichts. Und, und das fand ich erstaunlich, die neuen Stücke kamen sehr viel besser an als die Gassenhauer von Alligator oder Boxer!

Neben der Passivität des Publikums kam bei Slow show ein weiteres Problem dazu (zumindest fiel es mir da erstmals auf), die Halle erzeugt Echos! Wenn Trommelschlag und Echo im Takt waren, war das nicht schlimm, bei Slow show und vielen anderen schepperte aber zeitversetzt off beat alles von der hinteren Wand zurück. Das war manches Mal richtig scheußlich, Slow show oder auch Abel hat dieser Effekt versaut.

So fies wie die Echos, so gut sind die Bläsereinsätze. Wenn Posaune und Trompete
einsetzen, gibt das vielen Stücken einen genau richtig dosierten Zusatzreiz. Bei Afraid of everybody zum Beispiel wirkte das besonders gut; ein echter Zugewinn!

Höhepunkte auf der Bühne waren wieder die ekstatischen Stücke wie Abel, Squalor Victoria oder Mr. November, bei denen Sänger Matt Berninger ausrastet, heute allerdings nur stimmlich. Trotz der Stimmung waren alle drei grandios!

Bemerkenswert waren dann noch drei weitere Szenen. Da war zum einen
Lemonworld, keiner meiner unbedingten Lieblinge. Der Sänger, der wieder viel redete und dabei sehr sympathisch war, seine introvertierten Auftritte ohne Publikumsansprache gefielen mir aber trotzdem sehr viel besser, patzte am Ende des Stücks ein wenig, ehrlich gesagt wäre mir das nicht weiter aufgefallen. Er lamentierte danach aber, daß sie das Lied zum ersten Mal gut gespielt hätten, und ausgerechnet dann müsse er das Ende versauen. "We have a hard time playing this song. For the first time it sounded awesome and I messed it up."

Eine herrliche Szene spielte sich zwischen Matt und den Dessner-Zwillingen ab. Irgendwer hatte den Wunsch nach Beautiful head vom Debütalbum The National nach vorne gebrüllt. Matt Berninger beendete das schnell: "I forgot it!" Sie würden das Stück nicht spielen. Lieder von den ersten beiden Platten sind ja eh große Ausnahme live. Einer der Dessners antwortete: "I know it...!"

Und dann wollte er im Zugabenteil bei Mr. November ins Publikum. In Köln hatte er diese Stelle auch für einen Ausflug genutzt. Allerdings versuchte er es rechts über eine Treppe, die vollkommen zugebaut war und blieb oben. Ausflug verschoben! Erst beim nächsten Lied (Terrible love), kletterte der Sänger
vorne runter und ging durch die Halle.

Beendet wurde das Konzert durch ein akustisches
Vanderlyle crybaby geeks, das wunderschön war, aber ganz ehrlich doch eher zu Bands wie Travis passt. Band toll, Stimmung und Halle mau - aber gut war es natürlich trotzdem. Nur nicht so.

Setlist The National, Hugenottenhalle, Neu-Isenburg:

01: Runaway
02: Anyone's ghost
03: Mistaken for strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Little faith
10: Apartment story
11: Lemonworld
12: Abel
13: Daughters of the Soho riots
14: England
15: Fake empire

16: Sorrow (Z)
17: Mr. November (Z)
18: Terrible love (Z)
19: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

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