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Kim Novak, Paris, 20.01.11


Kim Novak

Ort: L'International, Paris
Datum: 20.01.11
Zuschauer: 200 in etwa
Konzertdauer: circa 50 Minuten


Die bisher schönste Neuigkeit des noch jungen Musikjahres erreichte mich am Donnerstag. Die aus der Normandie stammende Indierockband Kim Novak hat leise still und heimlich eine neue EP herausgebracht, die sie auch löblicherweise im International zum Verkaufe feilboten. Als langjähriger Fan schlug ich natürlich sofort beherzt zu und trollte mich grinsend wie ein Honigkuchenpferd mit gleich zwei Exemplaren aus dem Laden. Zu Hause angekommen, saß aber nach den ersten zwei bis drei Hördurchgängen der Schock tief. Was war denn das jetzt für ein Stil? Galten Kim Novak nicht bis dato als die französische Antwort auf Interpol? Waren sie nicht die coolste New Wave Revival Band Frankreichs? Und liebte ich sie nicht gerade dafür? Von diesem Genre scheinen sie nun recht weit entfernt zu sein. Schluß mit dem grollendem Bass à la Peter Hook, vorbei die Gitarrenriffs à la Daniel Kessler. Und auch so düster wie vorher klingen sie nun zumindest auf dieser EP nicht mehr. Wir wollten mal was ganz Neues machen, verkündete Sänger und Gitarrist Jeremie mir gegenüber hinterher ganz laipdar. Und siehe da: wenn man das neue Machwerk oft genug gehört hat, offenbart sich einem die ganze Tiefe und Komplexität der neuen Stücke. Alles klingt unaufgeregter, relaxter, reifer. Keine schnell nervenden Ohrwürmer für die Indiedisco, sondern durchdachter Indiepoprock, der auf Effektheischerei verzichtet, dafür aber lange auf der Zunge perlt. Die Oberknaller der Ep sind Montego Bay und Love and Saved, die auch heute im International gespielt wurden.



Aber es gab noch eine weitere Neuigkeit zu vermelden und zwar keine geringfügige: Kim Novak sind nun wieder ein Quartett! Mit dem erst 20 jährigen Augustin spielt nun neben dem 21 Jährigen Bassisten Hugo ein weiterer Jungspund und verjüngt das Durchschnittsalter auf lediglich 25. Eine Teenieband, sieht man mal von dem Leader Jéremie ab, der Anfang 30 ist. Und wie stylish sie nun sind! Na gut, Jéremie, der einzige der von der damaligen Gründungsformation übrig geblieben ist, war das ja schon immer, aber nun laufen sie eben alle geschlossen in Skinny Jeans auf, die sie über ihren abgelederten Boots tragen. Cool as fuck, diese Band, man könnte fast meinen, es optisch mit den frühen Libertines zu tun zu haben. Folge dieser Verjüngungskur und des personellen Faceliftings: Ich fand mich von zuckersüßen, trendigen Frauen umgeben. Herrlich, ich fühlte mich wie ein Fisch im Wasser! Neben mir tanzte eine solch niedliche Blondine ab, daß ich meine Blicke nicht von ihr lassen konnte. Kurzhaarfrisur wie Madonna in "Susan verzweifelt gesucht", mandelförmige blaue Augen, hohe Wangenknochen, perfekte Zähne und kleine feste Brüste, die im Takt der Musik mitwippten. Am liebsten wäre ich rübergegangen und hätte ihr einen 10 minütigen Zungenkuss verpasst, aber ihr Macker stand gleich hinter ihr und außerdem bin ich ja verheiratet und treu. Oliver Peel ist schließlich nicht Bill Clinton oder Tiger Woods.

Achso, das Konzert. Gut wie immer natürlich und gespickt mit Liedern, die ich noch nicht kannte.
Keinen einzigen Song der EP hatte sie in meiner Anwesenheit zuvor schon einmal live gespielt und mit Best C und Falling Apart waren zusätzlich zwei mir unbekannte Stücke Teil des tollen Sets. Altbekannt hingegen hell funkelnde Juwelen wie Love Affair, New York, Cold Laws und der psychedelisch angehauchte Closer Somedboy New, mit dessen fulminanten Finale sie mich erneut ungespitzt in den Boden rammten.

Bei soviel Neuigkeiten wird es mir auch nach dem elften Konzert von Kim Novak nicht langweilig. Great!

Setlist Kim Novak, International, Paris, 20.01.2011:
01: Love Affair
02: Not So Sure
03: Montego Bay
04: Best C
05: Glory
06: Falling Apart
07: New York
07: Cold Laws
08: Loved & Saved
09: Somebody New

Aus unserem Archiv:

Kim Novak, Paris, 23.10.10
Kim Novak, Paris, 08.01.10
Kim Novak, Paris, 06.01.10
Kim Novak, Paris, 19.09.08
Kim Novak, Paris, 18.06.08
Kim Novak, Paris, 02.11.07
Kim Novak, Paris, 22.09.07
Kim Novak, Paris, 17.07.07
Kim Novak, Paris, 02.05.07
Kim Novak, Paris, 12.10.06



Kim Novak, Paris, 20.01.11


Kim Novak

Ort: L'International, Paris
Datum: 20.01.11
Zuschauer: 200 in etwa
Konzertdauer: circa 50 Minuten


Die bisher schönste Neuigkeit des noch jungen Musikjahres erreichte mich am Donnerstag. Die aus der Normandie stammende Indierockband Kim Novak hat leise still und heimlich eine neue EP herausgebracht, die sie auch löblicherweise im International zum Verkaufe feilboten. Als langjähriger Fan schlug ich natürlich sofort beherzt zu und trollte mich grinsend wie ein Honigkuchenpferd mit gleich zwei Exemplaren aus dem Laden. Zu Hause angekommen, saß aber nach den ersten zwei bis drei Hördurchgängen der Schock tief. Was war denn das jetzt für ein Stil? Galten Kim Novak nicht bis dato als die französische Antwort auf Interpol? Waren sie nicht die coolste New Wave Revival Band Frankreichs? Und liebte ich sie nicht gerade dafür? Von diesem Genre scheinen sie nun recht weit entfernt zu sein. Schluß mit dem grollendem Bass à la Peter Hook, vorbei die Gitarrenriffs à la Daniel Kessler. Und auch so düster wie vorher klingen sie nun zumindest auf dieser EP nicht mehr. Wir wollten mal was ganz Neues machen, verkündete Sänger und Gitarrist Jeremie mir gegenüber hinterher ganz laipdar. Und siehe da: wenn man das neue Machwerk oft genug gehört hat, offenbart sich einem die ganze Tiefe und Komplexität der neuen Stücke. Alles klingt unaufgeregter, relaxter, reifer. Keine schnell nervenden Ohrwürmer für die Indiedisco, sondern durchdachter Indiepoprock, der auf Effektheischerei verzichtet, dafür aber lange auf der Zunge perlt. Die Oberknaller der Ep sind Montego Bay und Love and Saved, die auch heute im International gespielt wurden.



Aber es gab noch eine weitere Neuigkeit zu vermelden und zwar keine geringfügige: Kim Novak sind nun wieder ein Quartett! Mit dem erst 20 jährigen Augustin spielt nun neben dem 21 Jährigen Bassisten Hugo ein weiterer Jungspund und verjüngt das Durchschnittsalter auf lediglich 25. Eine Teenieband, sieht man mal von dem Leader Jéremie ab, der Anfang 30 ist. Und wie stylish sie nun sind! Na gut, Jéremie, der einzige der von der damaligen Gründungsformation übrig geblieben ist, war das ja schon immer, aber nun laufen sie eben alle geschlossen in Skinny Jeans auf, die sie über ihren abgelederten Boots tragen. Cool as fuck, diese Band, man könnte fast meinen, es optisch mit den frühen Libertines zu tun zu haben. Folge dieser Verjüngungskur und des personellen Faceliftings: Ich fand mich von zuckersüßen, trendigen Frauen umgeben. Herrlich, ich fühlte mich wie ein Fisch im Wasser! Neben mir tanzte eine solch niedliche Blondine ab, daß ich meine Blicke nicht von ihr lassen konnte. Kurzhaarfrisur wie Madonna in "Susan verzweifelt gesucht", mandelförmige blaue Augen, hohe Wangenknochen, perfekte Zähne und kleine feste Brüste, die im Takt der Musik mitwippten. Am liebsten wäre ich rübergegangen und hätte ihr einen 10 minütigen Zungenkuss verpasst, aber ihr Macker stand gleich hinter ihr und außerdem bin ich ja verheiratet und treu. Oliver Peel ist schließlich nicht Bill Clinton oder Tiger Woods.

Achso, das Konzert. Gut wie immer natürlich und gespickt mit Liedern, die ich noch nicht kannte.
Keinen einzigen Song der EP hatte sie in meiner Anwesenheit zuvor schon einmal live gespielt und mit Best C und Falling Apart waren zusätzlich zwei mir unbekannte Stücke Teil des tollen Sets. Altbekannt hingegen hell funkelnde Juwelen wie Love Affair, New York, Cold Laws und der psychedelisch angehauchte Closer Somedboy New, mit dessen fulminanten Finale sie mich erneut ungespitzt in den Boden rammten.

Bei soviel Neuigkeiten wird es mir auch nach dem elften Konzert von Kim Novak nicht langweilig. Great!

Setlist Kim Novak, International, Paris, 20.01.2011:
01: Love Affair
02: Not So Sure
03: Montego Bay
04: Best C
05: Glory
06: Falling Apart
07: New York
07: Cold Laws
08: Loved & Saved
09: Somebody New

Aus unserem Archiv:

Kim Novak, Paris, 23.10.10
Kim Novak, Paris, 08.01.10
Kim Novak, Paris, 06.01.10
Kim Novak, Paris, 19.09.08
Kim Novak, Paris, 18.06.08
Kim Novak, Paris, 02.11.07
Kim Novak, Paris, 22.09.07
Kim Novak, Paris, 17.07.07
Kim Novak, Paris, 02.05.07
Kim Novak, Paris, 12.10.06



Rrose Tacet & Mariee Sioux, Paris, 19.12.10


Konzert: Rrose Tacet & Mariee Sioux

Ort: L'International, Paris
Datum: 19.12.2010

Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: 45 Minutem Rose Tacet


Lady Gaga (wer?) musste ihr heutiges Konzert in Paris-Bercy absagen, weil die schweren Lastwagen, die das gesamte oppulente Equipment tragen sollten, wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse für den Verkehr gesperrt worden waren und nicht nach Paris durchkamen. Aber wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht. Ein non-event. Viel ärgerlicher war da schon, daß die kalifornische Folksängerin Mariee Sioux ebenfalls irgendwo im Schnee steckengeblieben war und deshalb ihren geplanten Auftritt im International canceln musste. Dabei hatte ich mich so auf dieses Konzert gefreut! Mais c'est la vie! "Annulé pour cause d'intempéries. Toutes nos excuses, L'International", konnte man auf einem an der Eingangstür befestigten Zettel lesen und das verstehen sicherlich auch Leute, die des Französischen nicht mächtig sind. Schade, schade!



Daß es dennoch ein versöhnlicher Jahresabschluss (mein vermutlich letztes Konzert 2010) wurde, lag an den frisch und innovativ aufspielenden Franzosen Rrose Tacet. Ein musikalisch wirklich spannendes Quartett, daß sich sowohl vom deutschen Krautrock (Can) als auch vom schrägen amerikanischen Folkrock (Akron/Family) und experimentellen Bands wie Animal Collective und Berg Sans Niple beeinflusst fühlt. Ein weites musikalisches Feld also, was die Jungs da abstecken und erfreulicherweise konnten sie dem Gebräu ihre ganz eigene Note beifügen. Schöne Chorgesänge, bisweilen zwei Schlagzeuge gleichzeitig und kreative elektronische Samples sorgten für eine gute Atmosphäre im Publikum und ließ die Leute zumindest für die Zeit des Auftritts, das Fernbleiben von Mariee Sioux ein wenig vergessen. Als Rrose Tacet allerdings mit ihrem gelungen Set durch waren, blieb dennoch ein wenig Wehmut zurück. Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich, daß Mariee Sioux 2011 wohl erst im September wieder auf Pariser Bühne zu erwarten ist. Eine lange Zeit. Aber geht es den deutschen Folkfans besser? Wann ist die gute Mariee in Germany denn überhaupt mal aufgetreten? Sicherlich nicht sehr oft.

Aus unserem Archiv:

Mariee Sioux, Paris, 31.10.09
Mariee Sioux, Paris, 14.07.09*
Mariee Sioux, Paris, 13.10.08
Mariee Sioux, Paris, 26.06.08
Mariee Sioux, Paris, 19.03.08


Rrose Tacet & Mariee Sioux, Paris, 19.12.10


Konzert: Rrose Tacet & Mariee Sioux

Ort: L'International, Paris
Datum: 19.12.2010

Zuschauer: 150 vielleicht?
Konzertdauer: 45 Minutem Rose Tacet


Lady Gaga (wer?) musste ihr heutiges Konzert in Paris-Bercy absagen, weil die schweren Lastwagen, die das gesamte oppulente Equipment tragen sollten, wegen der schwierigen Witterungsverhältnisse für den Verkehr gesperrt worden waren und nicht nach Paris durchkamen. Aber wen interessiert das überhaupt? Mich jedenfalls nicht. Ein non-event. Viel ärgerlicher war da schon, daß die kalifornische Folksängerin Mariee Sioux ebenfalls irgendwo im Schnee steckengeblieben war und deshalb ihren geplanten Auftritt im International canceln musste. Dabei hatte ich mich so auf dieses Konzert gefreut! Mais c'est la vie! "Annulé pour cause d'intempéries. Toutes nos excuses, L'International", konnte man auf einem an der Eingangstür befestigten Zettel lesen und das verstehen sicherlich auch Leute, die des Französischen nicht mächtig sind. Schade, schade!



Daß es dennoch ein versöhnlicher Jahresabschluss (mein vermutlich letztes Konzert 2010) wurde, lag an den frisch und innovativ aufspielenden Franzosen Rrose Tacet. Ein musikalisch wirklich spannendes Quartett, daß sich sowohl vom deutschen Krautrock (Can) als auch vom schrägen amerikanischen Folkrock (Akron/Family) und experimentellen Bands wie Animal Collective und Berg Sans Niple beeinflusst fühlt. Ein weites musikalisches Feld also, was die Jungs da abstecken und erfreulicherweise konnten sie dem Gebräu ihre ganz eigene Note beifügen. Schöne Chorgesänge, bisweilen zwei Schlagzeuge gleichzeitig und kreative elektronische Samples sorgten für eine gute Atmosphäre im Publikum und ließ die Leute zumindest für die Zeit des Auftritts, das Fernbleiben von Mariee Sioux ein wenig vergessen. Als Rrose Tacet allerdings mit ihrem gelungen Set durch waren, blieb dennoch ein wenig Wehmut zurück. Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr ich, daß Mariee Sioux 2011 wohl erst im September wieder auf Pariser Bühne zu erwarten ist. Eine lange Zeit. Aber geht es den deutschen Folkfans besser? Wann ist die gute Mariee in Germany denn überhaupt mal aufgetreten? Sicherlich nicht sehr oft.

Aus unserem Archiv:

Mariee Sioux, Paris, 31.10.09
Mariee Sioux, Paris, 14.07.09*
Mariee Sioux, Paris, 13.10.08
Mariee Sioux, Paris, 26.06.08
Mariee Sioux, Paris, 19.03.08


Hold Your Horses!, Paris, 24.11.10


Konzert: Hold Your Horses!

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 24.11.2010
Zuschauer: etwa 40

Konzertdauer: ungefähr 40-45 Minuten


Je älter ich werde, desto mehr sehne ich meine Jugend zurück. Ich hab' einfach noch keinen Bock, wie ein Konzertrentner auszusehen, auf den die jungen Leute mit dem Finger zeigen und sagen: "Guck mal der Alte da, was sucht der eigentlich hier?"

Insofern tut es sehr gut, daß ich in den letzten Wochen etliche Male auf Anfang 30 geschätzt wurde. Ich bin 39 1/2 wohlgemerkt! Heute passierte es wieder. Ich war zu Gast im schönen Fargo-Plattenladen und Michel Pampelune, der Boss persönlich, fragte mich ganz erstaunt: "Was? Du bist schon verheiratet? Seit fast 10 Jahren? Dann bist Du wahrscheinlich bei weitem nicht so jung, wie ich dich geschätzt hatte!" Ob der Bursche weiß, daß Komplimente den Verkauf fördern? Auf jeden Fall trug ich wieder mal drei neue CDs aus dem Laden, obwohl sich bei mir Zu Hause ungehörte Silberlinge meterhoch stapeln. Mit den Neuerwerbungen unter dem Arm machte ich mich auf den Weg ins Espace B. Dort spielten mit Hold Your Horses! junge, dynamische Franzosen auf. Im Point Ephémère hätte es Teenage Fanclub gegeben. Eine tolle Band, aber die alten Säcke aus Glasgow ziehen logischwerweise nicht mehr taufrisches, sondern vielmehr faltiges, in die Jahre gekommenes Publikum an. Und ich muss mich ja nicht selbst im Spiegel sehen, oder?



Schon nach dem ersten, absolut euphorisieren Lied von Hold Your Horses! (We Dear A Desert) bestätigte sich, das ich Recht hatte, der Jugend den Vorzug zu geben! Die sechsköpfige Band aus Paris spielte dermaßen frisch, unverbraucht und rotzfrech auf, daß es eine helle Freude war! Vor allem Florence, die quitschfiedele Drummerin lächelte ohne Unterlass. Ihre unbändige Spielfreude hatte etwas enorm Ansteckendes und übertrug sich unmittelbar auf mich und die anderen Zuschauer. Bei den meisten Liedern sang Florence auch im Background mit, manchmal trug sie sogar die Aleinverantwortung für den Gesang. Ansonsten war dafür der Heißsporn Charles verantwortlich, der fast genauso klang wie Isaac Brock von Modest Mouse. Seine knarzige Stimme war einfach geil! Der Rest der Truppe war etwas ruhige drauf, aber die vier anderen spielten so stimmungsvolle Instrumente wie Trompete, Geige, oder Klarinette.

Die performten Songs waren durchweg potentielle Indie-Hits. Schwer, da besondere Perlen herauszustellen. Wenn endlich das erste Album im nächsten Jahr erscheint, wird die Pariser Indieszene nicht mehr die Gleiche sein. Hold Your Horses! sind die Band, die die Maßstäbe setzen wird. Vergleiche mit internationalen Indiegruppen wie Wolf Parade, Modest Mouse, Los Campesinos! Fanfarlo oder Arcade Fire, mit denen man sie musikalisch assoziieren könnte, müssen sie nicht scheuen. Seit Toy Fight habe ich nicht mehr so eine tolle Indie Pop Band in Frankreich entdeckt. All ihre Lieder sind enorm tanzbar, absolut berauschend und catchy wie Hölle. Mann haben die einen Bums drauf! Wahnsinn, der helle Wahnsinn! Insofern unverständlich, daß heute nur etwa 40 Leute im Espace B aufkreuzten. Ich denke spätestens 2011 werden Hold Your Horses! in deutlich größeren Locations spielen. Und dann kostet der Eintritt auch mehr als 5 Euro.

Ein Hoch auf die Jugend! Hold Your Horses! sind die Zukunft, nicht die alten (wenngleich sicherlich immer noch guten) Teenage Fanclub.



Setlist Hold Your Hodes!, Espace B, Paris:

01: We Dear Are A Desert
02: Patience
03: Open Water
04: 70 Millions
05: My 2 Steps
06: Apologize
07: Strutter
08: Every Moment
09: BTP
10: Baby


Hold Your Horses!, Paris, 24.11.10


Konzert: Hold Your Horses!

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 24.11.2010
Zuschauer: etwa 40

Konzertdauer: ungefähr 40-45 Minuten


Je älter ich werde, desto mehr sehne ich meine Jugend zurück. Ich hab' einfach noch keinen Bock, wie ein Konzertrentner auszusehen, auf den die jungen Leute mit dem Finger zeigen und sagen: "Guck mal der Alte da, was sucht der eigentlich hier?"

Insofern tut es sehr gut, daß ich in den letzten Wochen etliche Male auf Anfang 30 geschätzt wurde. Ich bin 39 1/2 wohlgemerkt! Heute passierte es wieder. Ich war zu Gast im schönen Fargo-Plattenladen und Michel Pampelune, der Boss persönlich, fragte mich ganz erstaunt: "Was? Du bist schon verheiratet? Seit fast 10 Jahren? Dann bist Du wahrscheinlich bei weitem nicht so jung, wie ich dich geschätzt hatte!" Ob der Bursche weiß, daß Komplimente den Verkauf fördern? Auf jeden Fall trug ich wieder mal drei neue CDs aus dem Laden, obwohl sich bei mir Zu Hause ungehörte Silberlinge meterhoch stapeln. Mit den Neuerwerbungen unter dem Arm machte ich mich auf den Weg ins Espace B. Dort spielten mit Hold Your Horses! junge, dynamische Franzosen auf. Im Point Ephémère hätte es Teenage Fanclub gegeben. Eine tolle Band, aber die alten Säcke aus Glasgow ziehen logischwerweise nicht mehr taufrisches, sondern vielmehr faltiges, in die Jahre gekommenes Publikum an. Und ich muss mich ja nicht selbst im Spiegel sehen, oder?



Schon nach dem ersten, absolut euphorisieren Lied von Hold Your Horses! (We Dear A Desert) bestätigte sich, das ich Recht hatte, der Jugend den Vorzug zu geben! Die sechsköpfige Band aus Paris spielte dermaßen frisch, unverbraucht und rotzfrech auf, daß es eine helle Freude war! Vor allem Florence, die quitschfiedele Drummerin lächelte ohne Unterlass. Ihre unbändige Spielfreude hatte etwas enorm Ansteckendes und übertrug sich unmittelbar auf mich und die anderen Zuschauer. Bei den meisten Liedern sang Florence auch im Background mit, manchmal trug sie sogar die Aleinverantwortung für den Gesang. Ansonsten war dafür der Heißsporn Charles verantwortlich, der fast genauso klang wie Isaac Brock von Modest Mouse. Seine knarzige Stimme war einfach geil! Der Rest der Truppe war etwas ruhige drauf, aber die vier anderen spielten so stimmungsvolle Instrumente wie Trompete, Geige, oder Klarinette.

Die performten Songs waren durchweg potentielle Indie-Hits. Schwer, da besondere Perlen herauszustellen. Wenn endlich das erste Album im nächsten Jahr erscheint, wird die Pariser Indieszene nicht mehr die Gleiche sein. Hold Your Horses! sind die Band, die die Maßstäbe setzen wird. Vergleiche mit internationalen Indiegruppen wie Wolf Parade, Modest Mouse, Los Campesinos! Fanfarlo oder Arcade Fire, mit denen man sie musikalisch assoziieren könnte, müssen sie nicht scheuen. Seit Toy Fight habe ich nicht mehr so eine tolle Indie Pop Band in Frankreich entdeckt. All ihre Lieder sind enorm tanzbar, absolut berauschend und catchy wie Hölle. Mann haben die einen Bums drauf! Wahnsinn, der helle Wahnsinn! Insofern unverständlich, daß heute nur etwa 40 Leute im Espace B aufkreuzten. Ich denke spätestens 2011 werden Hold Your Horses! in deutlich größeren Locations spielen. Und dann kostet der Eintritt auch mehr als 5 Euro.

Ein Hoch auf die Jugend! Hold Your Horses! sind die Zukunft, nicht die alten (wenngleich sicherlich immer noch guten) Teenage Fanclub.



Setlist Hold Your Hodes!, Espace B, Paris:

01: We Dear Are A Desert
02: Patience
03: Open Water
04: 70 Millions
05: My 2 Steps
06: Apologize
07: Strutter
08: Every Moment
09: BTP
10: Baby


Florent Marchet, Paris, 09.11.10


Konzert: Florent Marchet

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 09.11.2010
Zuschauer: ausverkauft-complet, 500


Florent Marchet ist einer der besten auf französisch singenden Musiker seiner Generation. Gestern spielte er vor ausverkauftem Haus im Pariser Café de la Danse. Mein Freund Philippe D. war dabei und hat uns seine Impressionen geschildert. Er zeigte sich angetan. Vielen Dank! Merci bien!

Première date parisienne pour Florent Marchet et son « Courchevel Tour », hier soir au Café de laDanse. Afin de mettre le public dans l’ambiance, chacun se vit remettre à l’entrée une petite boule àneige, et le décor de scène évoquait l’intérieur d’un chalet au style seventies, avec le crépitement du feu dans la cheminée et une gigantesque peau d’ours blanc recouvrant toute la scène.

Florent Marchet, qui n’a pas encore conquis le grand public, est pourtant l’un des meilleurs artistes français actuels. Il l’a prouvé avec ses deux premiers albums, Gargilesse et surtout Rio Baril, ainsiqu’avec son collectif Frère Animal. Ce soir, c’est son nouvel album Courchevel qui était à l’honneur et dont l’intégralité des 11 titres ont été joués. Pour cette tournée, adieu aux orchestrations de Rio Baril qui laissaient une grande place à la trompette et au violon et retour à une formation plus resserrée(4 sur scène), avec un traitement parfois très rock des morceaux anciens (avec notamment un final presque « metal » de Je n’ai pensé qu’à moi !). Mais surtout, on a retrouvé avec plaisir le talentintact de compositeur et d’interprète de Florent Marchet, son humour caustique –il s’est interrompu pour lire quelques cartes postales assez croquignolesques- et sa façon d’habiller des histoires parfois dramatiques sous des atours mélodiques splendides.

Setlist Florent Marchet, Café de la Danse, Paris:

01 Courchevel
02:Mes nouveaux amis
03: Benjamin
04: Levallois
05:L'eau de rose
06: La chance de ta vie
07: Pourquoi êtes-vous si triste ?
08: Son Idole
09: Notre Jeunesse
10: Qui je suis ?
11: Hors piste (instrumental)
12: L'avion est en feu
13: Je n'ai pensé qu'à moi
14: Narbonne Plage
15: La Charrette
16: La famille Kinder

Rappels

17 Le terrain de sport
18 Aucun express (cover de Bashung)
19 Tous pareils

20 Rio Baril


Florent Marchet, Paris, 09.11.10


Konzert: Florent Marchet

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 09.11.2010
Zuschauer: ausverkauft-complet, 500


Florent Marchet ist einer der besten auf französisch singenden Musiker seiner Generation. Gestern spielte er vor ausverkauftem Haus im Pariser Café de la Danse. Mein Freund Philippe D. war dabei und hat uns seine Impressionen geschildert. Er zeigte sich angetan. Vielen Dank! Merci bien!

Première date parisienne pour Florent Marchet et son « Courchevel Tour », hier soir au Café de laDanse. Afin de mettre le public dans l’ambiance, chacun se vit remettre à l’entrée une petite boule àneige, et le décor de scène évoquait l’intérieur d’un chalet au style seventies, avec le crépitement du feu dans la cheminée et une gigantesque peau d’ours blanc recouvrant toute la scène.

Florent Marchet, qui n’a pas encore conquis le grand public, est pourtant l’un des meilleurs artistes français actuels. Il l’a prouvé avec ses deux premiers albums, Gargilesse et surtout Rio Baril, ainsiqu’avec son collectif Frère Animal. Ce soir, c’est son nouvel album Courchevel qui était à l’honneur et dont l’intégralité des 11 titres ont été joués. Pour cette tournée, adieu aux orchestrations de Rio Baril qui laissaient une grande place à la trompette et au violon et retour à une formation plus resserrée(4 sur scène), avec un traitement parfois très rock des morceaux anciens (avec notamment un final presque « metal » de Je n’ai pensé qu’à moi !). Mais surtout, on a retrouvé avec plaisir le talentintact de compositeur et d’interprète de Florent Marchet, son humour caustique –il s’est interrompu pour lire quelques cartes postales assez croquignolesques- et sa façon d’habiller des histoires parfois dramatiques sous des atours mélodiques splendides.

Setlist Florent Marchet, Café de la Danse, Paris:

01 Courchevel
02:Mes nouveaux amis
03: Benjamin
04: Levallois
05:L'eau de rose
06: La chance de ta vie
07: Pourquoi êtes-vous si triste ?
08: Son Idole
09: Notre Jeunesse
10: Qui je suis ?
11: Hors piste (instrumental)
12: L'avion est en feu
13: Je n'ai pensé qu'à moi
14: Narbonne Plage
15: La Charrette
16: La famille Kinder

Rappels

17 Le terrain de sport
18 Aucun express (cover de Bashung)
19 Tous pareils

20 Rio Baril


Karaocake, Paris, 06.09.10


Konzert: Karaocake

Ort: le Baron, Paris
Datum: 06.09.2010
Zuschauer: keine Ahnung
Konzertdauer: ungefähr 45 Minuten

Chronique en français ci-dessous


Für den heutigen 6. September hatte ich mir zwei Konzerte herausgesucht, bei denen man sich auf eine Liste setzen lassen musste. Zum Konzert von Coco Rosie beim Radiosender France Inter kam ich , genau wie etwa 30 andere Pechvögel (Glückspilze?), nicht rein, aber im Nobelclub Baron lief es besser für mich. Die Pariser Elektro Popband Karaocake spielte dort und zeigte ein wundervolles Set voller dreampoppiger Sahnebonbons.

Bevor ich in den Genuß des Gratiskonzertes kam, musste ich aber erst einmal Geduld beweisen. Mindestens 30, wenn nicht gar 40 zähe Minuten saß ich vor meinem Tischchen und glotzte Löcher in die Luft. Der DJ spielte funkige Oldies und erst ganz allmählich tröpfelten die Leute ein. Als es um 0 Uhr 20 los ging, war der puffartige Club (diese roten Lämpchen überall) bei weitem nicht voll. Komischerweise änderte sich das schlagartig, als Karaocake mit ihrem Program durch waren, da drängelten sich die Damen der Schickeria mit ihren Stöckelschuhen auf der kleinen Tanzfläche...

Mein Unbill über diese typischen Begleitumstände im Baron verflog aber, als das französische Trio angefangen hatte und mich von Beginn an verzauberte. Karaocake bestehen aus der Sängerin und Songschreiberin Camille Chambon, dem Gitarristen (Bassisten) und Arrangeur Domotic und Charlotte Sampling (ein Mann namens Tom Gagnaire übrigens). Die drei jungen Künstler haben erst kürzlich für Aufsehen in der Indieszene gesorgt, als sie nämlich Ende August Au Revoir Simone im Nouveau Casino supporten durften. Und an Au Revoir Simone wird man auch desöfteren erinnert, wenn man Karaocake hört. Unschuldiger, höchst lieblicher Frauengesang, zarte, dreampoppige Keybordklänge und Songs, die sich ziemlich schnell im Ohr einnisten. Ihr größter Ohrwurm ist ohne Frage die vom Debütalbum Rows & Stitches ausgekoppelte Single It Doesn't Take A Whole Week, die bei mir in den Sommerferien rauf-und runterlief. Der Refrain ist unwiderstehlich und die Melodie unfassbar catchy. Diese Nummer spielten die Franzosen recht früh, aber damit hatten sie ihr Pulver längst noch nicht verschossen. Sie sind mehr als ein One Hit Wonder, legen es aber nicht auf Teufel komm raus darauf an, eingängig zu sein. Dezentere Stücke wie Bodies &Minds oder Brooklyn Bridge bewiesen dies. Verhuschte, sahnig gerührte Slows zum Abträumen. Löblich auch, wie abwechslunsgreich das Konzert war, welches wunderbar Stilrichtungen wie Dreampop, 60ies Pop und New Wave miteinander vereinte. Hier klang keineswegs jeder Song gleich, was auch maßgeblich an Domotic lag, der mal Gitarre, mal auf markante Weise Bass spielte (z.B. bei Change Of Plans) und zusamen mit seinem Kollegen Charlotte Sampling hübsche Chorgesänge beisteuerte. In den basslastigen Momenten wurde ich wohlig an die Young Marble Giants erinnert, wahrlich keine schlechte Referenz!

Der Abschluß noch einmal ohrwurmig. Medication hat sicherlich das Potential zur zweiten Single. Nach schleppendem Beginn bekam die Nummer richtig Dampf unter den Hintern und erfreute mit erfrischenden Songzeilen wie "We shall be allright for medication, drinking wine straight from the bottle "und einem ahaha-Singalong vom Feinsten.

Karaocake sind toll, genau wie ihr Label Clapping Music, das unter anderem auch solch innovative Bands wie Yeti Lane, François Virot und Clara Clara beheimatet.

Setlist Karaokake, Le Baron, Paris (merci à Camille):

01: High And High
02: Bodies & Minds
03: It Doesn't Take A Whole Week
04: Brooklyn Bridge
06: Never Sure
07: Change Of Plans
08: Homeland
09: Inwards
10: Medication

Pour nos lecteurs français:

Au début j'avais prevu d'aller à deux concerts qui marchent sur invitation: d'abord la Black Session avec Coco Rosie chez France Inter et ensuite le concert de Karaocake au club très select le Baron. Mais pour Coco Rosie il n'y avait rien à faire cette fois-ci. Une queue de 30 personnes attendaient devant la porte de la Maison de Radio France pour obtenir une place de dernière minute (en général,ça marche), mais comme il y avait beaucoup trop de monde, ils m'ont pas laissé entrer...


Mais pour le deuxième concert j'ai eu plus de chance! Au Baron les videurs commencent à me connaître et en plus j'étais sur la liste! Pas de problème pour passer donc et ça valait le coup! Karocake, c'est un trio de pop électronique français, emmené par l'attachante chanteuse et compositrice Camille Chambon, qui s'entoure de deux garcons, Domotic (guitare, basse, clavier) et Charlotte Sampling (clavier, et oui c'est un garçon qui se cache sous ce pseudo!) pour présenter leurs comptines douces amères en live. L'attente fut longue, mais à minuit 20 le rideau se levait enfin! Le groupe m'a aussitôt séduit avec ses chansons envoûtantes, rêveuses et entêtantes. Le tube It Doesn't Take A Whole Week qu'ils ont joué en troisième position p.ex. est imparable! Une voix très jolie et innocente, des nappes de synthé de toute beauté et un refrain irrésistible, ce morceau qui est sorti également en 45 tour vinyle a tout pour plaire. Mais les Karaocake ont aussi des morceaux moins directs, mais tout aussi passionnants. Leur style, qui est parfois proche de Au Revoir Simone (pas étonnant, vu qu'ils les ont soutenu en premiere partie au Nouveau Casino récemment!) est simple, mais loin d'être banal ou commercial. Il est rafraichissant de constater qu'ils varient leur répertoire (entre dream pop, pop 60ies ou New Wave) et aucune chanson ne ressemble vraiment aux autres. J'ai particulièrement aimé les titres avec plus de basse (joué par Domotic), puisque ils m'ont fait penser aux cultissimes Young Marble Giants, un de mes groupes préférés.

Dommage qu'il n'y ait pas eu encore un peu plus de gens pour écouter, la grande foule arriva bizarrement plus tard, et pourtant Karaocake, qui sont signé sur le super label Clapping Music ,est un groupe à suivre de très près! Allez les voir en concert, ça vaut le détour!

Shows à venir de Karaocake:

16 Sep 2010: Cave au poètes, Roubaix
5 Oct 2010: Point FMR, Paris
7 Oct 2010: 6 par 4, Laval
22 Oct 2010: 4 ècluses, Dunkerque
29 Oct 2010 Festival Novosonic Dijon
30 Oct 2010: Violon Dingue, Nantes
5 Nov 2010: Le Sainteux, Bordeaux
12 Nov La Lune Des Pirates, Amiens
20 Nov 2010: Au Bout Du Monde, Limoges
8 Dec 2010: L'Epicentre, Cherbourg
10 Dec 2010: Salle Ockegheim, Tours


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Karaocake, Paris, 06.09.10


Konzert: Karaocake

Ort: le Baron, Paris
Datum: 06.09.2010
Zuschauer: keine Ahnung
Konzertdauer: ungefähr 45 Minuten

Chronique en français ci-dessous


Für den heutigen 6. September hatte ich mir zwei Konzerte herausgesucht, bei denen man sich auf eine Liste setzen lassen musste. Zum Konzert von Coco Rosie beim Radiosender France Inter kam ich , genau wie etwa 30 andere Pechvögel (Glückspilze?), nicht rein, aber im Nobelclub Baron lief es besser für mich. Die Pariser Elektro Popband Karaocake spielte dort und zeigte ein wundervolles Set voller dreampoppiger Sahnebonbons.

Bevor ich in den Genuß des Gratiskonzertes kam, musste ich aber erst einmal Geduld beweisen. Mindestens 30, wenn nicht gar 40 zähe Minuten saß ich vor meinem Tischchen und glotzte Löcher in die Luft. Der DJ spielte funkige Oldies und erst ganz allmählich tröpfelten die Leute ein. Als es um 0 Uhr 20 los ging, war der puffartige Club (diese roten Lämpchen überall) bei weitem nicht voll. Komischerweise änderte sich das schlagartig, als Karaocake mit ihrem Program durch waren, da drängelten sich die Damen der Schickeria mit ihren Stöckelschuhen auf der kleinen Tanzfläche...

Mein Unbill über diese typischen Begleitumstände im Baron verflog aber, als das französische Trio angefangen hatte und mich von Beginn an verzauberte. Karaocake bestehen aus der Sängerin und Songschreiberin Camille Chambon, dem Gitarristen (Bassisten) und Arrangeur Domotic und Charlotte Sampling (ein Mann namens Tom Gagnaire übrigens). Die drei jungen Künstler haben erst kürzlich für Aufsehen in der Indieszene gesorgt, als sie nämlich Ende August Au Revoir Simone im Nouveau Casino supporten durften. Und an Au Revoir Simone wird man auch desöfteren erinnert, wenn man Karaocake hört. Unschuldiger, höchst lieblicher Frauengesang, zarte, dreampoppige Keybordklänge und Songs, die sich ziemlich schnell im Ohr einnisten. Ihr größter Ohrwurm ist ohne Frage die vom Debütalbum Rows & Stitches ausgekoppelte Single It Doesn't Take A Whole Week, die bei mir in den Sommerferien rauf-und runterlief. Der Refrain ist unwiderstehlich und die Melodie unfassbar catchy. Diese Nummer spielten die Franzosen recht früh, aber damit hatten sie ihr Pulver längst noch nicht verschossen. Sie sind mehr als ein One Hit Wonder, legen es aber nicht auf Teufel komm raus darauf an, eingängig zu sein. Dezentere Stücke wie Bodies &Minds oder Brooklyn Bridge bewiesen dies. Verhuschte, sahnig gerührte Slows zum Abträumen. Löblich auch, wie abwechslunsgreich das Konzert war, welches wunderbar Stilrichtungen wie Dreampop, 60ies Pop und New Wave miteinander vereinte. Hier klang keineswegs jeder Song gleich, was auch maßgeblich an Domotic lag, der mal Gitarre, mal auf markante Weise Bass spielte (z.B. bei Change Of Plans) und zusamen mit seinem Kollegen Charlotte Sampling hübsche Chorgesänge beisteuerte. In den basslastigen Momenten wurde ich wohlig an die Young Marble Giants erinnert, wahrlich keine schlechte Referenz!

Der Abschluß noch einmal ohrwurmig. Medication hat sicherlich das Potential zur zweiten Single. Nach schleppendem Beginn bekam die Nummer richtig Dampf unter den Hintern und erfreute mit erfrischenden Songzeilen wie "We shall be allright for medication, drinking wine straight from the bottle "und einem ahaha-Singalong vom Feinsten.

Karaocake sind toll, genau wie ihr Label Clapping Music, das unter anderem auch solch innovative Bands wie Yeti Lane, François Virot und Clara Clara beheimatet.

Setlist Karaokake, Le Baron, Paris (merci à Camille):

01: High And High
02: Bodies & Minds
03: It Doesn't Take A Whole Week
04: Brooklyn Bridge
06: Never Sure
07: Change Of Plans
08: Homeland
09: Inwards
10: Medication

Pour nos lecteurs français:

Au début j'avais prevu d'aller à deux concerts qui marchent sur invitation: d'abord la Black Session avec Coco Rosie chez France Inter et ensuite le concert de Karaocake au club très select le Baron. Mais pour Coco Rosie il n'y avait rien à faire cette fois-ci. Une queue de 30 personnes attendaient devant la porte de la Maison de Radio France pour obtenir une place de dernière minute (en général,ça marche), mais comme il y avait beaucoup trop de monde, ils m'ont pas laissé entrer...


Mais pour le deuxième concert j'ai eu plus de chance! Au Baron les videurs commencent à me connaître et en plus j'étais sur la liste! Pas de problème pour passer donc et ça valait le coup! Karocake, c'est un trio de pop électronique français, emmené par l'attachante chanteuse et compositrice Camille Chambon, qui s'entoure de deux garcons, Domotic (guitare, basse, clavier) et Charlotte Sampling (clavier, et oui c'est un garçon qui se cache sous ce pseudo!) pour présenter leurs comptines douces amères en live. L'attente fut longue, mais à minuit 20 le rideau se levait enfin! Le groupe m'a aussitôt séduit avec ses chansons envoûtantes, rêveuses et entêtantes. Le tube It Doesn't Take A Whole Week qu'ils ont joué en troisième position p.ex. est imparable! Une voix très jolie et innocente, des nappes de synthé de toute beauté et un refrain irrésistible, ce morceau qui est sorti également en 45 tour vinyle a tout pour plaire. Mais les Karaocake ont aussi des morceaux moins directs, mais tout aussi passionnants. Leur style, qui est parfois proche de Au Revoir Simone (pas étonnant, vu qu'ils les ont soutenu en premiere partie au Nouveau Casino récemment!) est simple, mais loin d'être banal ou commercial. Il est rafraichissant de constater qu'ils varient leur répertoire (entre dream pop, pop 60ies ou New Wave) et aucune chanson ne ressemble vraiment aux autres. J'ai particulièrement aimé les titres avec plus de basse (joué par Domotic), puisque ils m'ont fait penser aux cultissimes Young Marble Giants, un de mes groupes préférés.

Dommage qu'il n'y ait pas eu encore un peu plus de gens pour écouter, la grande foule arriva bizarrement plus tard, et pourtant Karaocake, qui sont signé sur le super label Clapping Music ,est un groupe à suivre de très près! Allez les voir en concert, ça vaut le détour!

Shows à venir de Karaocake:

16 Sep 2010: Cave au poètes, Roubaix
5 Oct 2010: Point FMR, Paris
7 Oct 2010: 6 par 4, Laval
22 Oct 2010: 4 ècluses, Dunkerque
29 Oct 2010 Festival Novosonic Dijon
30 Oct 2010: Violon Dingue, Nantes
5 Nov 2010: Le Sainteux, Bordeaux
12 Nov La Lune Des Pirates, Amiens
20 Nov 2010: Au Bout Du Monde, Limoges
8 Dec 2010: L'Epicentre, Cherbourg
10 Dec 2010: Salle Ockegheim, Tours


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