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Beach House, Köln, 14.11.10


Konzert: Beach House (& Jack November)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 14.11.2010
Zuschauer: nah an ausverkauft
Dauer: Beach House 65 min, Jack November gut 25 min


Zweimal hatte ich Beach House dieses Jahr bereits verpasst, und auch heute brauchte ich externe Motivation, um ins Gebäude 9 zu fahren. Wieso, weiß ich jetzt hinterher wirklich nicht mehr, denn die Amerikaner überzeugten restlos!

Der Abend begann allerdings mit Jack November, einer jungen Frau (Daniela Moos) aus Hessen, die lediglich mit einem indischen Harmonium (dieser cooleren Version eines Akkordeons) und ihrer leisen, sphärischen Stimme Lieder erzeugte, die wie die 2010er Version des Twin Peaks Soundtracks klangen. Die meisten Stücke bestanden nur aus zwei Harmoniumtönen und Danielas Stimme. Auf dem Papier klingt das schrecklich eintönig*, live hatte Jack November durchaus Charme. In der Mitte des kurzen Sets kam ein Mann dazu, der vor Jack November schon ein paar tief brummende Töne auf der Bühne erzeugt hatte. Wir hatten ihn für die Pre-Pre-Show gehalten, er gehörte aber offensichtlich dazu und erzeugte ein paar Hintergrundgeräusche. Daniela verließ dann auch für ein Lied ihren Stuhl am Harmonium und stellte sich hinter ein Mikro und sang da, nur vom Bassgebrumme begleitet. Neben Julee Cruise erinnerte mich Jack November auch an eine reduzierte Version von Soap And Skin. Weil ich glaube, daß solch reduzierte Musik gerade sehr hip wird (s.a. Anika), bin ich sicher, daß wir Jack November wiedersehen werden.

Das Harmonium und der Brummkram des Helfers kamen weg, die eigenen Instrumente und Deko-Objekte standen schon auf der Bühne, also konnten Beach House sehr pünktlich beginnen. Allerdings erst nach dem erneuten Hinweis, daß die Band keinen Rauch im Saal wünsche. Nachdem sich in Köln anfangs alle an das Rauchverbot hielten, wird in letzter Zeit wieder kräftig gequalmt. Vielleicht finden Beach House es auch ekelhaft, nach einem Konzert widerlich nach Fremdrauch zu stinken, das Ergebnis war jedenfalls prima und der Abend rauchfrei.

Beach House, hmm... So ganz richtig warm bin ich
mit den Amerikanern bisher nicht geworden. Ich besitze ihre Platten, mag die, bin aber bei weitem weniger euphorisch, als ich das sein sollte, glaube ich den Meinungen der Indieszene. Beim ersten Stück (Gila) trat dann auch genau das ein, was ich befürchtet hatte, mich ließ das Treiben der vier Musiker recht kalt. Aber es würde wenigstens etwas zu Gucken geben, Sängerin Victoria Legrand zum Beispiel, die mit ihrem wilden Lockenkopf und dem Zweireiher, an den Ärmeln umgekrempelt, aussah, als sei sie gerade Miami Vice entsprungen. Oder Alex Scally, der Gitarrist, der auf einem Stuhl saß und mit den schuhlosen Füßen ein Bass-Orgel-Pedal bediente. Ich hatte vorher noch nie jemanden gesehen, der gleichzeitig Bass und Gitarre spielt! Dazu lebte Alex jeden Ton wirklich mit und begleitete ihn mit Tanzbewegungen.

Die beiden zusätzlichen Musiker (Schlagzeuger und Keyboarder/Bassist) sind keine regulären Bandmitglieder, machten ihre Sache aber (für mein Laienohr)
ausgezeichnet. Da sie allerdings verhaltensunauffällig waren, trugen sie zu meiner Unterhaltung weniger bei.

Mit dem zweiten Lied hatten sie mich dann doch. Better times legte bei mir einen Schalter um, und das Konzert wurde hervorragend!

Was mich von da an am meisten faszinierte, war der
"Gesamtklang" des Spektakels. Begünstigt durch den ausgezeichneten Sound klang das gesamte Konzert irgendwie künstlich, so als könnte man das auf keinen Fall gerade live spielen. Einen Großteil dieses Effekts machte sicher Victorias Stimme aus, die präzise aber eben auch unwirklich klingt. Auch Whitney Houston Konzerte erzeugen diesen Eindruck, allerdings aus anderen Gründen. Hier und heute war es brillant-entrückt, aber auch nicht, weil die Band es bewußt darauf angelegt hätte; die Musik, Victorias perfekte Stimme, das machte den Abend zu dem Pendent eines Fantasyfilms, (auch wenn berechtigterweise niemand verstehen wird, was ich damit meine).

Eigentlich war alles toll, einige Stücke ragten aber heraus. Norway nervt mich auf Platte, weil sich das Leiern des Lieds so
anhört wie Musikkassetten, die in der Sonne lagen. Live war das Lied hervorragend, allerdings bei weitem nicht der Höhepunkt. Ich fand Used to be, Take care oder 10 mile stereo noch deutlich besser. Oder Zebra, zu dem Victoria heftig headbangte!

Und dann hatte auch der Schlagzeuger noch einen großen Moment. Zu Used to be nahm er ein Handtuch und legte es auch das Fell seiner Trommel und spielte so frotteegedämpft! Das habe ich auch noch nicht gesehen.

Unter anderen Umständen (hier, hier, hier) bestes Konzert seit langem! Aber auch so hervorragend und oft atemberaubend schön! Vermutlich weiß die gebürtige Französin Victoria um diesen Effekt, sie fragte uns nämlich irgendwann: "are you all breathing?"

Setlist Beach House, Gebäude 9, Köln:

01: Gila
02: Better times
03: Walk in the park
04: Norway
05: Silver soul
06: Master of none
07: Astronaut
08: Lover of mine
09: Used to be
10: Zebra
11: Heart of chambers
12: Take care

13: Real love (Z)
14: 10 mile stereo (Z)

* zweitönig, strenggenommen



Beach House, Köln, 14.11.10


Konzert: Beach House (& Jack November)
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 14.11.2010
Zuschauer: nah an ausverkauft
Dauer: Beach House 65 min, Jack November gut 25 min


Zweimal hatte ich Beach House dieses Jahr bereits verpasst, und auch heute brauchte ich externe Motivation, um ins Gebäude 9 zu fahren. Wieso, weiß ich jetzt hinterher wirklich nicht mehr, denn die Amerikaner überzeugten restlos!

Der Abend begann allerdings mit Jack November, einer jungen Frau (Daniela Moos) aus Hessen, die lediglich mit einem indischen Harmonium (dieser cooleren Version eines Akkordeons) und ihrer leisen, sphärischen Stimme Lieder erzeugte, die wie die 2010er Version des Twin Peaks Soundtracks klangen. Die meisten Stücke bestanden nur aus zwei Harmoniumtönen und Danielas Stimme. Auf dem Papier klingt das schrecklich eintönig*, live hatte Jack November durchaus Charme. In der Mitte des kurzen Sets kam ein Mann dazu, der vor Jack November schon ein paar tief brummende Töne auf der Bühne erzeugt hatte. Wir hatten ihn für die Pre-Pre-Show gehalten, er gehörte aber offensichtlich dazu und erzeugte ein paar Hintergrundgeräusche. Daniela verließ dann auch für ein Lied ihren Stuhl am Harmonium und stellte sich hinter ein Mikro und sang da, nur vom Bassgebrumme begleitet. Neben Julee Cruise erinnerte mich Jack November auch an eine reduzierte Version von Soap And Skin. Weil ich glaube, daß solch reduzierte Musik gerade sehr hip wird (s.a. Anika), bin ich sicher, daß wir Jack November wiedersehen werden.

Das Harmonium und der Brummkram des Helfers kamen weg, die eigenen Instrumente und Deko-Objekte standen schon auf der Bühne, also konnten Beach House sehr pünktlich beginnen. Allerdings erst nach dem erneuten Hinweis, daß die Band keinen Rauch im Saal wünsche. Nachdem sich in Köln anfangs alle an das Rauchverbot hielten, wird in letzter Zeit wieder kräftig gequalmt. Vielleicht finden Beach House es auch ekelhaft, nach einem Konzert widerlich nach Fremdrauch zu stinken, das Ergebnis war jedenfalls prima und der Abend rauchfrei.

Beach House, hmm... So ganz richtig warm bin ich
mit den Amerikanern bisher nicht geworden. Ich besitze ihre Platten, mag die, bin aber bei weitem weniger euphorisch, als ich das sein sollte, glaube ich den Meinungen der Indieszene. Beim ersten Stück (Gila) trat dann auch genau das ein, was ich befürchtet hatte, mich ließ das Treiben der vier Musiker recht kalt. Aber es würde wenigstens etwas zu Gucken geben, Sängerin Victoria Legrand zum Beispiel, die mit ihrem wilden Lockenkopf und dem Zweireiher, an den Ärmeln umgekrempelt, aussah, als sei sie gerade Miami Vice entsprungen. Oder Alex Scally, der Gitarrist, der auf einem Stuhl saß und mit den schuhlosen Füßen ein Bass-Orgel-Pedal bediente. Ich hatte vorher noch nie jemanden gesehen, der gleichzeitig Bass und Gitarre spielt! Dazu lebte Alex jeden Ton wirklich mit und begleitete ihn mit Tanzbewegungen.

Die beiden zusätzlichen Musiker (Schlagzeuger und Keyboarder/Bassist) sind keine regulären Bandmitglieder, machten ihre Sache aber (für mein Laienohr)
ausgezeichnet. Da sie allerdings verhaltensunauffällig waren, trugen sie zu meiner Unterhaltung weniger bei.

Mit dem zweiten Lied hatten sie mich dann doch. Better times legte bei mir einen Schalter um, und das Konzert wurde hervorragend!

Was mich von da an am meisten faszinierte, war der
"Gesamtklang" des Spektakels. Begünstigt durch den ausgezeichneten Sound klang das gesamte Konzert irgendwie künstlich, so als könnte man das auf keinen Fall gerade live spielen. Einen Großteil dieses Effekts machte sicher Victorias Stimme aus, die präzise aber eben auch unwirklich klingt. Auch Whitney Houston Konzerte erzeugen diesen Eindruck, allerdings aus anderen Gründen. Hier und heute war es brillant-entrückt, aber auch nicht, weil die Band es bewußt darauf angelegt hätte; die Musik, Victorias perfekte Stimme, das machte den Abend zu dem Pendent eines Fantasyfilms, (auch wenn berechtigterweise niemand verstehen wird, was ich damit meine).

Eigentlich war alles toll, einige Stücke ragten aber heraus. Norway nervt mich auf Platte, weil sich das Leiern des Lieds so
anhört wie Musikkassetten, die in der Sonne lagen. Live war das Lied hervorragend, allerdings bei weitem nicht der Höhepunkt. Ich fand Used to be, Take care oder 10 mile stereo noch deutlich besser. Oder Zebra, zu dem Victoria heftig headbangte!

Und dann hatte auch der Schlagzeuger noch einen großen Moment. Zu Used to be nahm er ein Handtuch und legte es auch das Fell seiner Trommel und spielte so frotteegedämpft! Das habe ich auch noch nicht gesehen.

Unter anderen Umständen (hier, hier, hier) bestes Konzert seit langem! Aber auch so hervorragend und oft atemberaubend schön! Vermutlich weiß die gebürtige Französin Victoria um diesen Effekt, sie fragte uns nämlich irgendwann: "are you all breathing?"

Setlist Beach House, Gebäude 9, Köln:

01: Gila
02: Better times
03: Walk in the park
04: Norway
05: Silver soul
06: Master of none
07: Astronaut
08: Lover of mine
09: Used to be
10: Zebra
11: Heart of chambers
12: Take care

13: Real love (Z)
14: 10 mile stereo (Z)

* zweitönig, strenggenommen



Festival des Inrocks 1. Tag, 04.11.10


Konzert: Festival des Inrocks, erster Tag mit Beach House, Midlake, Anna Calvi, Espen & The Witch und anderen

Ort: La Cigale & La Boule Noire, Paris
Datum:04.11.2010
Zuschauer: jeweils ausverkaufte Locations
Konzertdauer: Konzerte von 18 Uhr bis Mitternacht


Wenn Al Qaida gestern eine Bombe auf die Pariser Cigale geworfen hätte, wäre ein Großteil der Pariser Indieszene ausgelöscht worden. Alle waren sie da: Musiker, Labelleute, Journalisten Fotografen, Blogger, Fans. Das alljährlich im November in Paris und anderen Städten Frankreichs stattfindene Festival des Inrocks ist eines der ganz großen Highlights des Musikjahres. Ich liebe die Atmosphäre, die Stimmung, das ganze Drumherum. Man trifft so viele bekannte Gesichter, in der Regel nette, fachkundige Freaks, die ebenfalls den ganzen Tag nur an das Eine denken (und ich meine jetzt nicht Sex oder Fußball). Aber wie waren die Konzerte? Hielten sie, was sie versprachen? Auf Grund des Zeitdrucks (gleich geht schon der zweite Festivaltag los) kann ich zunächst nur ganz kurz resumieren.

John Grant: Habe ich bewusst ausgelassen. Ein Mädchen im Forum des Veranstalters Les Inrocks brachte das Problem auf den Punkt "Ich dachte jeden Moment, jetzt würde der Kerl anfangen, Candle In The Wind zu singen. Will heißen: John Grant klingt nach Elton John und Billy Joel. Igitt!

The Acorn: Die Kanadier mit dem deutschstämmigen Sänger wurden als erst aufs Publikum gehetzt. Leider habe ich sie verpasst.

Esben & The Witch: Ein Konzert (Foto rechts) in der kleinen Boule Noire. Düster, tribalisch, okkultisch, dämonisch, spannungsgeladen. Definitiv eine Band, die ich mir noch einmal bei einem "richtigen" Konzert ansehen muss!

Beach House: Für mich die Enttäschung des Tages. Ausgerechnet beim Hit Norway war der Sound beschissen und auch sonst war das Ganze nicht perfekt ausbalanciert. Victoria mühte sich zwar nach Kräften, wirbelte wieder ihr Haar wild durch die Luft und hopste wie ein Känguruh, aber ihre Stimme war heute nicht gut geölt. Leider nur gehobenes Mittelmaß.

Midlake: Das beste Konzert des Tages. Die Texaner haben mich bisher immer auf CD restlos überzeugt, aber live fehlte stets ein Tick Dynamik. In der Cigale boten sie aber ihre famosen Lieder (Roscoe, Head Home) in einer deutlichen rockigeren Version und schafften es so, das Publikum mitzureißen. Einen umfeierten Gastauftritt hate Jason Lytle von Granddaddy (Am 180).

Setlist Midlake, La Cigale, Paris:

01: Fairest Way (neu)
02: Children Of The Ground
03: Winter Dies
04: My Young Bride
05: Roscoe
06: Core Of Nature
07: Dawn Has Arrived (neu)
08: Am 180 (Grandaddy)
09: Head Home

10: Branches


Anna Calvi:

Auf die zierliche Blondine mit dem Dutt muss man aufpassen. Die elegante Frau hat Potential. Ihr Konzert in der restlos überfüllten Boule Noire, das sie zusammen mit einem Drummer und einer Harmoniumspielerin bestritt, war aber zu kurz (nur 5 oder 6 Lieder), um voll auf seine Kosten zu kommen. Kürzlich hatte sie bereits im Vorprogramm von Grinderman für postive Schlagzeilen gesorgt. Wir werden sicherlich noch so einiges von ihr hören, Anna hat ein feuriges Temperament und eine kraftvolle Stimme...


Festival des Inrocks 1. Tag, 04.11.10


Konzert: Festival des Inrocks, erster Tag mit Beach House, Midlake, Anna Calvi, Espen & The Witch und anderen

Ort: La Cigale & La Boule Noire, Paris
Datum:04.11.2010
Zuschauer: jeweils ausverkaufte Locations
Konzertdauer: Konzerte von 18 Uhr bis Mitternacht


Wenn Al Qaida gestern eine Bombe auf die Pariser Cigale geworfen hätte, wäre ein Großteil der Pariser Indieszene ausgelöscht worden. Alle waren sie da: Musiker, Labelleute, Journalisten Fotografen, Blogger, Fans. Das alljährlich im November in Paris und anderen Städten Frankreichs stattfindene Festival des Inrocks ist eines der ganz großen Highlights des Musikjahres. Ich liebe die Atmosphäre, die Stimmung, das ganze Drumherum. Man trifft so viele bekannte Gesichter, in der Regel nette, fachkundige Freaks, die ebenfalls den ganzen Tag nur an das Eine denken (und ich meine jetzt nicht Sex oder Fußball). Aber wie waren die Konzerte? Hielten sie, was sie versprachen? Auf Grund des Zeitdrucks (gleich geht schon der zweite Festivaltag los) kann ich zunächst nur ganz kurz resumieren.

John Grant: Habe ich bewusst ausgelassen. Ein Mädchen im Forum des Veranstalters Les Inrocks brachte das Problem auf den Punkt "Ich dachte jeden Moment, jetzt würde der Kerl anfangen, Candle In The Wind zu singen. Will heißen: John Grant klingt nach Elton John und Billy Joel. Igitt!

The Acorn: Die Kanadier mit dem deutschstämmigen Sänger wurden als erst aufs Publikum gehetzt. Leider habe ich sie verpasst.

Esben & The Witch: Ein Konzert (Foto rechts) in der kleinen Boule Noire. Düster, tribalisch, okkultisch, dämonisch, spannungsgeladen. Definitiv eine Band, die ich mir noch einmal bei einem "richtigen" Konzert ansehen muss!

Beach House: Für mich die Enttäschung des Tages. Ausgerechnet beim Hit Norway war der Sound beschissen und auch sonst war das Ganze nicht perfekt ausbalanciert. Victoria mühte sich zwar nach Kräften, wirbelte wieder ihr Haar wild durch die Luft und hopste wie ein Känguruh, aber ihre Stimme war heute nicht gut geölt. Leider nur gehobenes Mittelmaß.

Midlake: Das beste Konzert des Tages. Die Texaner haben mich bisher immer auf CD restlos überzeugt, aber live fehlte stets ein Tick Dynamik. In der Cigale boten sie aber ihre famosen Lieder (Roscoe, Head Home) in einer deutlichen rockigeren Version und schafften es so, das Publikum mitzureißen. Einen umfeierten Gastauftritt hate Jason Lytle von Granddaddy (Am 180).

Setlist Midlake, La Cigale, Paris:

01: Fairest Way (neu)
02: Children Of The Ground
03: Winter Dies
04: My Young Bride
05: Roscoe
06: Core Of Nature
07: Dawn Has Arrived (neu)
08: Am 180 (Grandaddy)
09: Head Home

10: Branches


Anna Calvi:

Auf die zierliche Blondine mit dem Dutt muss man aufpassen. Die elegante Frau hat Potential. Ihr Konzert in der restlos überfüllten Boule Noire, das sie zusammen mit einem Drummer und einer Harmoniumspielerin bestritt, war aber zu kurz (nur 5 oder 6 Lieder), um voll auf seine Kosten zu kommen. Kürzlich hatte sie bereits im Vorprogramm von Grinderman für postive Schlagzeilen gesorgt. Wir werden sicherlich noch so einiges von ihr hören, Anna hat ein feuriges Temperament und eine kraftvolle Stimme...


Beach House, Frankfurt, 16.08.10


Konzert: Beach House

Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 16.08.2010
Zuschauer: ungefähr 260 (von maximal möglichen 400)
Konzertdauer: etwa eine Stunde


Der Frankfurter Indieclub Das Bett hat mit den Senkrechtstartern Beach House einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Spätestens seit der Veröffentlichung ihres aktuellen, dritten Albums Teen Love geht bei dem gemischten Duo so richtig die Post ab. in Frankfurt füllen sie zwar nicht wie vor ein paar Monaten in Paris eine 700er Location, aber gut besucht war das Bett heute trotzdem. Der nette Veranstalter Frank sprach von ungefähr 260 Gästen, die nach dem Auftritt eines Folkbarden gespannt auf die live zu einem Quartett angewachsene Band (ein echter Drummer und ein Bassist/zweiter Keyboarder ergänzten das Line-Up) wartete. Auf der noch verwaisten Bühne sah man drei Dreiecke, die man je nach Fantasie als Indianerzelte oder Pyramiden deuten konnte. Zwei dieser Dreiecke bewegten sich auch während der Songs und waren zudem Lichtquelle.

Dann endlich marschierte die Formation ein. Richtig gut zu erkennen waren die vier Musiker nie, aber das meist rosafarbene oder bläuliche nebelige Licht passte enfach perfekt zum dreampoppigen und verhuschten Sound von Beach House. Die Amis waren gerade aus Haldern (bzw. Helsinki wo sie einen Tag später gespielt hatten) gekommen und wirkten ob der Tourstrapazen anfänglich ein wenig müde. Die ersten paar Lieder verpufften somit ein bißchen. Spätestens mit dem Hit Norway war aber der Knoten geplatzt und das junge, sehr hübsche und in vielen Fällen weibliche Publikum schnalzte mit der Zunge. Victoria Legrand hauchte wieder einmal so eindringlich, daß es einem durch Mark und Bein ging! Zwar traf sie insbesonders die ganz hohen Töne nicht ganz so famos wie bei vorher erlebten Gigs, aber auch in für sie mittelmäßiger Form war sie ziemlich beeindruckend. Mein Freund Thomas, der neben mir stand, raunte mir zu: "Klingt stark nach Nico oder Mazzy Star." Und damit hatte er natürlich recht, wenngleich Victoria ihrer Stimme ihre ganz besondere Note verleiht. Die Mischung aus raunender, greinender Depressivität (manche behaupten, sie singe wie ein Mann), sinnlich gehauchter Erotik und glasklarer Purheit hat man in dieser Form noch nie zuvor erlebt. Und wie charismatisch sie ist! Trotz ihrer Distanziertheit (längere Ansagen gab es so gut wie keine, es fiel ihr einfach nichts ein) kommt bei ihr unglaublich viel Emotionalität rüber. Toll wie sie regelmäßig nach hinten hüpfte und ihre schöne Lockenpracht im Stile eines Headbangers wild über ihre Orgel schleuderte! Die Herren in der Band fielen hingegen weniger auf. Allerdings hatte der neue Keyboarder die Lacher auf seiner Seite, als er einen Song als Celin Dion Cover ankündigte, aber zum Glück nur rumalberte. Celine Dion mag zwar stimmgewaltig sein, aber als Einfluss für die Musik von Beach House wäre sie mir doch wesentlich zu schmalzig. Wobei natürlich nicht zu leugnen ist, daß der Zuckeranteil bei Victoria Legrand und Alex Scrally nicht gerade niedrig ist. Aber gerade die süßlich-kitschige Note ist es, die dem Stil des Duos die Besonderheit verleiht. Zucker macht süchtig und genau trifft auch auf die vielen tollen Songs von Beach House zu! Norway und Zebra kennen inzwischen die meisten, aber Fans der ersten Stunde wie ich, erfreuten sich besonders an alten Stücken wie Master Of None, Gila oder Heart Of Chambers. Gerade der letztgenannte Song zog mich heute am stärksten in seinen Bann. Victoria legte hierbei besonders viel Inbrunst in die Wagschale und bereitete mir ein tolles Finish, das sie noch mit einem herzzereißenden Take Care ("I'll take care of you, if you ask me to", simple Lyrics, große Wirkung!) krönte. Dann war Schluß. Vorerst. Nach einer relativ langen Pause kamen die vier Künstler aber noch einmal zurück und schafften mit einem sehr sphärischen 10 Miles Stereo auch noch einen gelungenen Abgang.

Hinterher gab es auch noch die Gelegenheit zum Plausch oder Erinnerungsfoto mit Alex und Victoria, zumindest wenn man wie ich groupiehaft lang wartete. Die beiden waren nett und herzlich und werden sicherlich auch noch die Fans in Graz (Österreich), Schorndorf (Manufaktur), Hasselt (Belgien) und Erlangen (E-Werk) begeistern, wo sie demnächst spielen werden.

Setlist Beach House, Das Bett, Frankfurt:
01: Better Times
02: Used To Be
03: Walk In The Park
04: Silver Soul
05: Norway
06: Master Of None
07: Gila
08: Zebra
09: Heart Of Chambers
10: Take Care

11: Real Love
12: 10 Miles Stereo

Anmerkung: Die Fotos stammen zum Teil aus Paris (Trabendo), aber auch aktuell aus Frankfurt.



Beach House, Frankfurt, 16.08.10


Konzert: Beach House

Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 16.08.2010
Zuschauer: ungefähr 260 (von maximal möglichen 400)
Konzertdauer: etwa eine Stunde


Der Frankfurter Indieclub Das Bett hat mit den Senkrechtstartern Beach House einen ganz dicken Fisch an Land gezogen. Spätestens seit der Veröffentlichung ihres aktuellen, dritten Albums Teen Love geht bei dem gemischten Duo so richtig die Post ab. in Frankfurt füllen sie zwar nicht wie vor ein paar Monaten in Paris eine 700er Location, aber gut besucht war das Bett heute trotzdem. Der nette Veranstalter Frank sprach von ungefähr 260 Gästen, die nach dem Auftritt eines Folkbarden gespannt auf die live zu einem Quartett angewachsene Band (ein echter Drummer und ein Bassist/zweiter Keyboarder ergänzten das Line-Up) wartete. Auf der noch verwaisten Bühne sah man drei Dreiecke, die man je nach Fantasie als Indianerzelte oder Pyramiden deuten konnte. Zwei dieser Dreiecke bewegten sich auch während der Songs und waren zudem Lichtquelle.

Dann endlich marschierte die Formation ein. Richtig gut zu erkennen waren die vier Musiker nie, aber das meist rosafarbene oder bläuliche nebelige Licht passte enfach perfekt zum dreampoppigen und verhuschten Sound von Beach House. Die Amis waren gerade aus Haldern (bzw. Helsinki wo sie einen Tag später gespielt hatten) gekommen und wirkten ob der Tourstrapazen anfänglich ein wenig müde. Die ersten paar Lieder verpufften somit ein bißchen. Spätestens mit dem Hit Norway war aber der Knoten geplatzt und das junge, sehr hübsche und in vielen Fällen weibliche Publikum schnalzte mit der Zunge. Victoria Legrand hauchte wieder einmal so eindringlich, daß es einem durch Mark und Bein ging! Zwar traf sie insbesonders die ganz hohen Töne nicht ganz so famos wie bei vorher erlebten Gigs, aber auch in für sie mittelmäßiger Form war sie ziemlich beeindruckend. Mein Freund Thomas, der neben mir stand, raunte mir zu: "Klingt stark nach Nico oder Mazzy Star." Und damit hatte er natürlich recht, wenngleich Victoria ihrer Stimme ihre ganz besondere Note verleiht. Die Mischung aus raunender, greinender Depressivität (manche behaupten, sie singe wie ein Mann), sinnlich gehauchter Erotik und glasklarer Purheit hat man in dieser Form noch nie zuvor erlebt. Und wie charismatisch sie ist! Trotz ihrer Distanziertheit (längere Ansagen gab es so gut wie keine, es fiel ihr einfach nichts ein) kommt bei ihr unglaublich viel Emotionalität rüber. Toll wie sie regelmäßig nach hinten hüpfte und ihre schöne Lockenpracht im Stile eines Headbangers wild über ihre Orgel schleuderte! Die Herren in der Band fielen hingegen weniger auf. Allerdings hatte der neue Keyboarder die Lacher auf seiner Seite, als er einen Song als Celin Dion Cover ankündigte, aber zum Glück nur rumalberte. Celine Dion mag zwar stimmgewaltig sein, aber als Einfluss für die Musik von Beach House wäre sie mir doch wesentlich zu schmalzig. Wobei natürlich nicht zu leugnen ist, daß der Zuckeranteil bei Victoria Legrand und Alex Scrally nicht gerade niedrig ist. Aber gerade die süßlich-kitschige Note ist es, die dem Stil des Duos die Besonderheit verleiht. Zucker macht süchtig und genau trifft auch auf die vielen tollen Songs von Beach House zu! Norway und Zebra kennen inzwischen die meisten, aber Fans der ersten Stunde wie ich, erfreuten sich besonders an alten Stücken wie Master Of None, Gila oder Heart Of Chambers. Gerade der letztgenannte Song zog mich heute am stärksten in seinen Bann. Victoria legte hierbei besonders viel Inbrunst in die Wagschale und bereitete mir ein tolles Finish, das sie noch mit einem herzzereißenden Take Care ("I'll take care of you, if you ask me to", simple Lyrics, große Wirkung!) krönte. Dann war Schluß. Vorerst. Nach einer relativ langen Pause kamen die vier Künstler aber noch einmal zurück und schafften mit einem sehr sphärischen 10 Miles Stereo auch noch einen gelungenen Abgang.

Hinterher gab es auch noch die Gelegenheit zum Plausch oder Erinnerungsfoto mit Alex und Victoria, zumindest wenn man wie ich groupiehaft lang wartete. Die beiden waren nett und herzlich und werden sicherlich auch noch die Fans in Graz (Österreich), Schorndorf (Manufaktur), Hasselt (Belgien) und Erlangen (E-Werk) begeistern, wo sie demnächst spielen werden.

Setlist Beach House, Das Bett, Frankfurt:
01: Better Times
02: Used To Be
03: Walk In The Park
04: Silver Soul
05: Norway
06: Master Of None
07: Gila
08: Zebra
09: Heart Of Chambers
10: Take Care

11: Real Love
12: 10 Miles Stereo

Anmerkung: Die Fotos stammen zum Teil aus Paris (Trabendo), aber auch aktuell aus Frankfurt.



1. Tag, Haldern-Festival, 12.08.10


Konzert: Haldern Pop Festival 2010, erster Tag

Ort: Rees-Haldern
Datum: 12.08.10


In der Schlange stehen, so etwas gab es in den letzten drei Jahren nicht für uns. Als akkreditierte Pressefuzzis für unser Konzerttagebuch kamen Christoph und ich in den Genuß des Privileges, problemlos in das schöne Spiegelzelt (seltsamerweise inzwischen neudeutsch/neuenglisch Spiegeltent genannt) zu gelangen, ohne warten zu müssen. In diesem Jahre wurde uns aber mitgeteilt, daß wir die Frist um 4 Tage verpasst hätten und deshalb keine Pressepässe bekämen. Das war am 8. Juli. Meine Vermutung, es handele sich um einen Vorwand, wurde vor Ort bestätigt. Von verschiedenen Medienleuten hörte ich beiläufig, daß andere Musikseiten und Fotografen auch noch sehr kurzfristig und viel später als wir akkreditiert wurden (was grundsätzlich vollkommen in Ordnung ist). Kein Neid aber Enttäuschung überkam mich. In den letzten Jahren haben wir uns massiv in die Berichterstattung über das stets prima besetzte Festival gekniet, teilweise bis spät in die Nacht (ach, was rede ich, manchmal war es 4 Uhr morgens!) Reviews geschrieben, Fotos aussortiert, hochgeladen und in die Texte eingebunden. Gedankt wurde uns dieses Engagement von der Halderner Pressestelle nicht und sogar unsere Bitte, zumindest Karten zum normalen Preis für das ausverkaufte Festival an der Kasse bereitzuhalten, wurde zurückgewiesen. Wir mussten uns bei Ebay umsehen oder anderweitig zusehen wie wir an Tickets kommen! Bitter! Mit sehr viel Glück wurden wir in letzter Sekunde über Bekannte, die die Reise nicht antreten konnten, fündig.

Konsequenz: Am Donnerstag um 18 Uhr 30 stehe ich zusammen mit meiner Frau und unfassbar vielen Leuten in einer nicht endend wollenden, kaum voranschreitenden Schlange. Auf dem Bildschirm vor dem Spiegelzelt sehe ich Cymbals Eat Guitars in Aktion und nicht wie ursprünglich vorgesehen Seabear. Ziemlich bald müssen wir zerknirscht einsehen, daß wir es auch zum Konzert meiner Lieblinge Beach House, die um 19 Uhr 50 angesetzt sind, nicht ins Zelt schaffen werden. Es geht einfach viel zu langsam voran und es wollen deutlich mehr Besucher herein statt heraus. Um kurz nach halb neun sind Victoria Legrand und Alex Scrally von Beach House mit ihrem kurzen Programm durch (Setlist folgt!) und wir stehen immer noch draußen. Wenigstens gibt es einen herrlichen Sonnenuntergang zu bewundern und nette Gesprächsgäste (Leidensgenossen!) in der Schlange, die die ewige Ansteherei erträglicher machen. Erst um 21 Uhr 10 öffnet sich der Sesam für uns und wir bekommen noch das ganze Konzert der gehypten englischen Newcomer Chapel Club mit. Die wurden vom NME schon als die neuen Joy Division bezeichnet, klingen aber lediglich nach der x-ten Kopie. Der kahlköpfige Sänger mit schwarzem Fred Perry Shirt croont wie Morrissey und die Gitarren hat man so ähnlich auch schon bei den Editors und vielen anderen Post-Punk Revivalisten gehört. Nicht unangenehm zu hören, aber wenig innovativ und spätestens nach dem zweiten Album vergessen. Bandleader Michael hält sich und seine Truppe trotzdem schon für wichtig: "The next song is our next single. Oh, I hope I'm allowed to say this." Köstlich! Hat ihm etwa sein Labelchef befohlen, Geheimniskrämerei um die Publikation von neuen Lieder zu betreiben, um sich interessant zu machen?

Setlist Chapel Club Haldern Pop Festivals 2010:

01: Fine Light
02: O Maybe I
03: 5 Trees
04: White Knight
05: The Shore
06: Surfacing
07: All The Eastern Girls
08: Paper Thin

Das Zelt füllt sich inzwischen wieder stärker, nachdem nach Beach House erst einmal Leute den Saal verlassen hatten. Zu I Blame Coco aus England ist es dann heiß und stickig. Musikalisch ist das Ganze aber eher mittelprickelnd. Eingängiger Pop/Rock für das Mainstreamradio, vorgetragen von einer wilden Rockröhre mit angeschlossner Männerband. Die einen finden sie catchy und unterhaltsam, die anderen eher flach und käsig. Ich persönlich muss die ganze Zeit an die schwedischen Sounds als Referenzband denken und die sind ja auch nicht ganz geschmackssicher. Egal, sowohl die Frontlady von den Sounds als auch von I Blame Coco haben ein angeborenes Talent für die Bühne und hinterher erfahre ich überrascht, daß ich soeben die Tochter von Sting in Aktion gesehen habe!

Zu recht später Stunde sind dann endlich die Isländer Seabear an der Reihe. Eine tolle Indie Pop Band, die ich schon zweimal in Paris sehen durfte. Der Aufbau zieht sich allerdings enorm in die Länge. Die blonde Geigerin mit der bordeauxroten Strumpfhouse (Leggings?) testet immer und immer wieder den Klang ihrer Violine, die brünette Keyboarderin mit dem Dutt bläst mehrfach in ihre rote Kindertröte, aber irgendwann ist es dann endlich soweit. Es kann losgehen. Es wird das erwartet schöne Konzert. Herrlich warme Wohlklänge durchdringen das Spiegelzelt und der unfassbar stoische Sänger Sindri singt mit seiner wundervollen Sufjan Stevens/Elliott Smith- Stimme die betörenden Texte. Seabear schaffen es auf verblüffende Weise, mit ihrer skandinavischen Melancholie Glücksgefühle aufkommen zu lassen. Toll auch die gelegentlichen Tempowechsel. Aus Folkballaden werden dann plötzlich vorangaloppierende Tanznummern mit Schunkelfaktor 10. Schade bloß, daß die Band so schüchtern und reserviert bleibt. Lediglich kurze Dankesworte auf englisch und deutsch für den warmen Applaus kommen Sänger Sindri über die Lippen. In der witzigsten Szene empfiehlt er aber auch bei der folgenden Ballade seinem Nachbarn/seiner Nachbarin einen Zungenkuss (wörtlich "a french kiss) zu geben. Neben mir steht eine unverschämt hübsche Blondine, aber meine Frau hätte es sicherlich nicht gut gefunden, wenn ich dieser Schönheit einen french kiss verpasst hätte! Also lausche ich weiter der himmlischen Musik und erlebe auch so prickelnde Momente. Keine Frage, Seabear hatten das beste Konzert des Tages geboten! Es sei denn Stornoway, die weit nach Mitternacht antreten, waren noch besser. Uns aber fallen fast die Augen zu, weshalb wir die Heimreise antreten. Morgen steht ja schließlich ein neuer Festivaltag auf dem Programm...

Setlist Seabear, Haldern-Pop Festival 2010:

01: Wolfboy
02: Fire Dies Down
03: Leaf Mask
04: I'll Build You A Fire
05: Softship
06: Cold Summer
07: Singing Arc
08: Warm Blood
09: Lion Face Boy
10: Seashell

Fotos in Kürze!


1. Tag, Haldern-Festival, 12.08.10


Konzert: Haldern Pop Festival 2010, erster Tag

Ort: Rees-Haldern
Datum: 12.08.10


In der Schlange stehen, so etwas gab es in den letzten drei Jahren nicht für uns. Als akkreditierte Pressefuzzis für unser Konzerttagebuch kamen Christoph und ich in den Genuß des Privileges, problemlos in das schöne Spiegelzelt (seltsamerweise inzwischen neudeutsch/neuenglisch Spiegeltent genannt) zu gelangen, ohne warten zu müssen. In diesem Jahre wurde uns aber mitgeteilt, daß wir die Frist um 4 Tage verpasst hätten und deshalb keine Pressepässe bekämen. Das war am 8. Juli. Meine Vermutung, es handele sich um einen Vorwand, wurde vor Ort bestätigt. Von verschiedenen Medienleuten hörte ich beiläufig, daß andere Musikseiten und Fotografen auch noch sehr kurzfristig und viel später als wir akkreditiert wurden (was grundsätzlich vollkommen in Ordnung ist). Kein Neid aber Enttäuschung überkam mich. In den letzten Jahren haben wir uns massiv in die Berichterstattung über das stets prima besetzte Festival gekniet, teilweise bis spät in die Nacht (ach, was rede ich, manchmal war es 4 Uhr morgens!) Reviews geschrieben, Fotos aussortiert, hochgeladen und in die Texte eingebunden. Gedankt wurde uns dieses Engagement von der Halderner Pressestelle nicht und sogar unsere Bitte, zumindest Karten zum normalen Preis für das ausverkaufte Festival an der Kasse bereitzuhalten, wurde zurückgewiesen. Wir mussten uns bei Ebay umsehen oder anderweitig zusehen wie wir an Tickets kommen! Bitter! Mit sehr viel Glück wurden wir in letzter Sekunde über Bekannte, die die Reise nicht antreten konnten, fündig.

Konsequenz: Am Donnerstag um 18 Uhr 30 stehe ich zusammen mit meiner Frau und unfassbar vielen Leuten in einer nicht endend wollenden, kaum voranschreitenden Schlange. Auf dem Bildschirm vor dem Spiegelzelt sehe ich Cymbals Eat Guitars in Aktion und nicht wie ursprünglich vorgesehen Seabear. Ziemlich bald müssen wir zerknirscht einsehen, daß wir es auch zum Konzert meiner Lieblinge Beach House, die um 19 Uhr 50 angesetzt sind, nicht ins Zelt schaffen werden. Es geht einfach viel zu langsam voran und es wollen deutlich mehr Besucher herein statt heraus. Um kurz nach halb neun sind Victoria Legrand und Alex Scrally von Beach House mit ihrem kurzen Programm durch (Setlist folgt!) und wir stehen immer noch draußen. Wenigstens gibt es einen herrlichen Sonnenuntergang zu bewundern und nette Gesprächsgäste (Leidensgenossen!) in der Schlange, die die ewige Ansteherei erträglicher machen. Erst um 21 Uhr 10 öffnet sich der Sesam für uns und wir bekommen noch das ganze Konzert der gehypten englischen Newcomer Chapel Club mit. Die wurden vom NME schon als die neuen Joy Division bezeichnet, klingen aber lediglich nach der x-ten Kopie. Der kahlköpfige Sänger mit schwarzem Fred Perry Shirt croont wie Morrissey und die Gitarren hat man so ähnlich auch schon bei den Editors und vielen anderen Post-Punk Revivalisten gehört. Nicht unangenehm zu hören, aber wenig innovativ und spätestens nach dem zweiten Album vergessen. Bandleader Michael hält sich und seine Truppe trotzdem schon für wichtig: "The next song is our next single. Oh, I hope I'm allowed to say this." Köstlich! Hat ihm etwa sein Labelchef befohlen, Geheimniskrämerei um die Publikation von neuen Lieder zu betreiben, um sich interessant zu machen?

Setlist Chapel Club Haldern Pop Festivals 2010:

01: Fine Light
02: O Maybe I
03: 5 Trees
04: White Knight
05: The Shore
06: Surfacing
07: All The Eastern Girls
08: Paper Thin

Das Zelt füllt sich inzwischen wieder stärker, nachdem nach Beach House erst einmal Leute den Saal verlassen hatten. Zu I Blame Coco aus England ist es dann heiß und stickig. Musikalisch ist das Ganze aber eher mittelprickelnd. Eingängiger Pop/Rock für das Mainstreamradio, vorgetragen von einer wilden Rockröhre mit angeschlossner Männerband. Die einen finden sie catchy und unterhaltsam, die anderen eher flach und käsig. Ich persönlich muss die ganze Zeit an die schwedischen Sounds als Referenzband denken und die sind ja auch nicht ganz geschmackssicher. Egal, sowohl die Frontlady von den Sounds als auch von I Blame Coco haben ein angeborenes Talent für die Bühne und hinterher erfahre ich überrascht, daß ich soeben die Tochter von Sting in Aktion gesehen habe!

Zu recht später Stunde sind dann endlich die Isländer Seabear an der Reihe. Eine tolle Indie Pop Band, die ich schon zweimal in Paris sehen durfte. Der Aufbau zieht sich allerdings enorm in die Länge. Die blonde Geigerin mit der bordeauxroten Strumpfhouse (Leggings?) testet immer und immer wieder den Klang ihrer Violine, die brünette Keyboarderin mit dem Dutt bläst mehrfach in ihre rote Kindertröte, aber irgendwann ist es dann endlich soweit. Es kann losgehen. Es wird das erwartet schöne Konzert. Herrlich warme Wohlklänge durchdringen das Spiegelzelt und der unfassbar stoische Sänger Sindri singt mit seiner wundervollen Sufjan Stevens/Elliott Smith- Stimme die betörenden Texte. Seabear schaffen es auf verblüffende Weise, mit ihrer skandinavischen Melancholie Glücksgefühle aufkommen zu lassen. Toll auch die gelegentlichen Tempowechsel. Aus Folkballaden werden dann plötzlich vorangaloppierende Tanznummern mit Schunkelfaktor 10. Schade bloß, daß die Band so schüchtern und reserviert bleibt. Lediglich kurze Dankesworte auf englisch und deutsch für den warmen Applaus kommen Sänger Sindri über die Lippen. In der witzigsten Szene empfiehlt er aber auch bei der folgenden Ballade seinem Nachbarn/seiner Nachbarin einen Zungenkuss (wörtlich "a french kiss) zu geben. Neben mir steht eine unverschämt hübsche Blondine, aber meine Frau hätte es sicherlich nicht gut gefunden, wenn ich dieser Schönheit einen french kiss verpasst hätte! Also lausche ich weiter der himmlischen Musik und erlebe auch so prickelnde Momente. Keine Frage, Seabear hatten das beste Konzert des Tages geboten! Es sei denn Stornoway, die weit nach Mitternacht antreten, waren noch besser. Uns aber fallen fast die Augen zu, weshalb wir die Heimreise antreten. Morgen steht ja schließlich ein neuer Festivaltag auf dem Programm...

Setlist Seabear, Haldern-Pop Festival 2010:

01: Wolfboy
02: Fire Dies Down
03: Leaf Mask
04: I'll Build You A Fire
05: Softship
06: Cold Summer
07: Singing Arc
08: Warm Blood
09: Lion Face Boy
10: Seashell

Fotos in Kürze!


Beach House, Paris, 03.06.10


Konzert: Beach House (White Hinterland)

Ort: Le Trabendo Paris
Datum: 03.06.10
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 65-Minuten


Résumée en français ci-dessous!


Orgasmisch, galaktisch, einfach unbeschreiblich toll!!!

Das Konzert von Beach House hat mich in eine andere Spähre katapultiert, ich war eine gute Stunde lang dem Paradies sehr nahe. Ganz klarer Fall: die Band aus Amerika ist besser als Schokolade, Twitter, Ragdollkatzen, ja besser als Sex!

Man merkt es meiner Wortwahl vielleicht ein wenig an: ja, ich bin ziemlich bekifft vor Glück aus dem Trabendo getorkelt und habe auch eine Weile lang Sternchen gesehen, so schön war das Ganze! Schwer zu sagen, ob mein Schwelgen in Superlativen nüchtern betrachtet gerechtfertigt ist, aber was spielt das in diesem Moment schon für eine Rolle? Einen Rausch gilt es auszuleben und nicht durch erbsenzählerische Abwägung kaputtzutrampeln. Also schwärmen wir mal so richtig schön. Die Stimme von Victoria Le Grand: Der Wahnsinn! Mal versoffen, mal sirenenhaft, aber immer genau ins Schwarze treffend. Der Sound im Trabendo: Brillant! Zudem wurden die Regler voll aufgedreht, so daß mich Victoria stimmlich zu Kleinholz hackte. Ich dachte jeden Moment, mein Trommelfell könnte platzen, aber das wäre mir auch Wurst gewesen. Die Bühnendeko: die bunt klitzernden Lametta-Bäumchen passten perfekt zum sahnig gerührten Schwebesound mit der kitschigen Note. Die Ausstrahlung der Sängerin: umwerfend sinnlich! Was für ein Charisma! Und wie sie ihre Lockenmähne nach hinten warf, sensationell! Manchmal glaubte ich der junge James Hetfield würde hinter einer Orgel headbangen. Die Gitarrenparts von Alex Scally: hochmelodiös und himmelhoch jauchzend! Der zusätzliche Drummer: eine enorme Bereicherung. So hatte das Konzert richtig viel Bums. Also kein lahmer, verhuschter Dreampop, sondern Lieder die mit Düsenjägerkraft in die Lüfte donnerten! Die Songs: allesamt Killer! Egal ob Norway, House of Chambers, Gila, oder Silversoul, jeder Hieb ein Treffer!

Kurzum: Eines der schönsten, intensivsten und berauschendesten Konzerte, das ich je in meinem Leben gesehen und gehört habe. Votum: 5 Sterne! Und Norway ist jetzt schon Livesong des Jahres für mich.

Und wie war White Hinterland im Vorprogramm?:

Nicht uninteressant. Ich weiß, daß dies eine dumme Floskel ist, die man verwendet, wenn man sich einen Verriss nicht zutraut, aber hier passt das mit dem interessant schon ziemlich gut und ist nicht negativ gemeint. Man muss wissen, daß. Casey Dienel, die sich hinter dem Moniker White Hinterland versteckt, ihren Stil radikal geändert hat. Machte sie auf dem Vorgängeralbum noch Pianofolk hat sie nun das Fach gewechselt und spielt seit dem Erscheinen von Kairos Eletropop/Dreampop mit experimenteller Note (ein bißchen wie Tune-Yards). Keine leicht verdaubare Kost, aber ich warne davor, sie deshalb vorschnell abzuhaken. Casey hat viel zu viel Talent, um oberflächlich mit ihr umzuspringen. An Kairos muss man sich in der Tat noch gewöhnen und die meisten Leute im Trabendo zeigten hinterher mit dem Daumen eher nach unten, aber ich gebe nicht so schnell auf. Außerdem ist das Vorgängeralbum Phylactery Factory ein Gedicht und hat mit Hometown Hooray ein ganz entzückendes Lied zu bieten.

Pour nos lecteurs français:

Un des concerts le plus intense, beau et enthousiasmant que j'ai jamais vu! Beach House est vraiment le groupe de l'année pour moi. Tout d'abord parce que leur album Teen Dreams est une pure merveille, mais surtout parce qu'on live c'est encore mille fois mieux! Pendant une bonne heure j'étais sur mon petit nuage et complètement hypnotisé par cette musique planante, reveuse et envoûtante. La voix superbe de Victoria Le Grand m'a donné des frissons et j'ai adoré de la voir faisant du "headbanging" derrière sa orgue comme si elle était une chanteuse de metal. Cette fille c'est la classe absolue, elle est cool, jolie et sensuelle, mais aussi teriblement attachante et gentille. Et elle parle pas mal français d'ailleurs. "Je vous aime" disait elle en quittant la scène, mais je pense que c'est réciproque. Une énorme claque ce concert!!

Setlist Beach House, Le Trabendo, Paris:

01: Walk In The Park
02: Lover Of Mine
03: Gila
04: Better Times
05: Norway
06: Silver Soul
07: Master Of None
08: Astronaut
09: Used To Be
10: Zebra
11: Heart Of Chambers
12: Take Care

13: Real Love
14: 8 Mile Stereo

Aus unserem Archiv:

Beach House, Paris, 24.05.08
Beach House, Paris, 20.02.10


Deutsche Konzerttermine von White Hinterland:

07.06.2010: Übel & Gefährlich, Hamburg
08.06.2010: NBI, Berlin



Beach House, Paris, 03.06.10


Konzert: Beach House (White Hinterland)

Ort: Le Trabendo Paris
Datum: 03.06.10
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 65-Minuten


Résumée en français ci-dessous!


Orgasmisch, galaktisch, einfach unbeschreiblich toll!!!

Das Konzert von Beach House hat mich in eine andere Spähre katapultiert, ich war eine gute Stunde lang dem Paradies sehr nahe. Ganz klarer Fall: die Band aus Amerika ist besser als Schokolade, Twitter, Ragdollkatzen, ja besser als Sex!

Man merkt es meiner Wortwahl vielleicht ein wenig an: ja, ich bin ziemlich bekifft vor Glück aus dem Trabendo getorkelt und habe auch eine Weile lang Sternchen gesehen, so schön war das Ganze! Schwer zu sagen, ob mein Schwelgen in Superlativen nüchtern betrachtet gerechtfertigt ist, aber was spielt das in diesem Moment schon für eine Rolle? Einen Rausch gilt es auszuleben und nicht durch erbsenzählerische Abwägung kaputtzutrampeln. Also schwärmen wir mal so richtig schön. Die Stimme von Victoria Le Grand: Der Wahnsinn! Mal versoffen, mal sirenenhaft, aber immer genau ins Schwarze treffend. Der Sound im Trabendo: Brillant! Zudem wurden die Regler voll aufgedreht, so daß mich Victoria stimmlich zu Kleinholz hackte. Ich dachte jeden Moment, mein Trommelfell könnte platzen, aber das wäre mir auch Wurst gewesen. Die Bühnendeko: die bunt klitzernden Lametta-Bäumchen passten perfekt zum sahnig gerührten Schwebesound mit der kitschigen Note. Die Ausstrahlung der Sängerin: umwerfend sinnlich! Was für ein Charisma! Und wie sie ihre Lockenmähne nach hinten warf, sensationell! Manchmal glaubte ich der junge James Hetfield würde hinter einer Orgel headbangen. Die Gitarrenparts von Alex Scally: hochmelodiös und himmelhoch jauchzend! Der zusätzliche Drummer: eine enorme Bereicherung. So hatte das Konzert richtig viel Bums. Also kein lahmer, verhuschter Dreampop, sondern Lieder die mit Düsenjägerkraft in die Lüfte donnerten! Die Songs: allesamt Killer! Egal ob Norway, House of Chambers, Gila, oder Silversoul, jeder Hieb ein Treffer!

Kurzum: Eines der schönsten, intensivsten und berauschendesten Konzerte, das ich je in meinem Leben gesehen und gehört habe. Votum: 5 Sterne! Und Norway ist jetzt schon Livesong des Jahres für mich.

Und wie war White Hinterland im Vorprogramm?:

Nicht uninteressant. Ich weiß, daß dies eine dumme Floskel ist, die man verwendet, wenn man sich einen Verriss nicht zutraut, aber hier passt das mit dem interessant schon ziemlich gut und ist nicht negativ gemeint. Man muss wissen, daß. Casey Dienel, die sich hinter dem Moniker White Hinterland versteckt, ihren Stil radikal geändert hat. Machte sie auf dem Vorgängeralbum noch Pianofolk hat sie nun das Fach gewechselt und spielt seit dem Erscheinen von Kairos Eletropop/Dreampop mit experimenteller Note (ein bißchen wie Tune-Yards). Keine leicht verdaubare Kost, aber ich warne davor, sie deshalb vorschnell abzuhaken. Casey hat viel zu viel Talent, um oberflächlich mit ihr umzuspringen. An Kairos muss man sich in der Tat noch gewöhnen und die meisten Leute im Trabendo zeigten hinterher mit dem Daumen eher nach unten, aber ich gebe nicht so schnell auf. Außerdem ist das Vorgängeralbum Phylactery Factory ein Gedicht und hat mit Hometown Hooray ein ganz entzückendes Lied zu bieten.

Pour nos lecteurs français:

Un des concerts le plus intense, beau et enthousiasmant que j'ai jamais vu! Beach House est vraiment le groupe de l'année pour moi. Tout d'abord parce que leur album Teen Dreams est une pure merveille, mais surtout parce qu'on live c'est encore mille fois mieux! Pendant une bonne heure j'étais sur mon petit nuage et complètement hypnotisé par cette musique planante, reveuse et envoûtante. La voix superbe de Victoria Le Grand m'a donné des frissons et j'ai adoré de la voir faisant du "headbanging" derrière sa orgue comme si elle était une chanteuse de metal. Cette fille c'est la classe absolue, elle est cool, jolie et sensuelle, mais aussi teriblement attachante et gentille. Et elle parle pas mal français d'ailleurs. "Je vous aime" disait elle en quittant la scène, mais je pense que c'est réciproque. Une énorme claque ce concert!!

Setlist Beach House, Le Trabendo, Paris:

01: Walk In The Park
02: Lover Of Mine
03: Gila
04: Better Times
05: Norway
06: Silver Soul
07: Master Of None
08: Astronaut
09: Used To Be
10: Zebra
11: Heart Of Chambers
12: Take Care

13: Real Love
14: 8 Mile Stereo

Aus unserem Archiv:

Beach House, Paris, 24.05.08
Beach House, Paris, 20.02.10


Deutsche Konzerttermine von White Hinterland:

07.06.2010: Übel & Gefährlich, Hamburg
08.06.2010: NBI, Berlin