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Mumford & Sons, Haldern-Festival, 13.08.10


Konzert: Mumford & Sons

Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 13.08.2010
Dauer: 60 min
Erster Konzertbericht bei uns: 24.04.08 (Paris)


Der Kommentar von Christoph:

Blöder Mainstream-Kram! Selbst bei SWR 3 laufen Mumford & Sons mittlerweile hoch und runter und natürlich spielen die Engländer demnächst im Palladium. Als echter indie Indie-Hörer gilt es, so etwas zu verachten!

Dummerweise ist die Truppe um Marcus Mumford so verdammt gut, daß man sie nicht ignorieren kann. Ich habe lange gebraucht, die Engländer zu sehen, obwohl mir mein Pariser Kollege Oliver seit 2 1/2 Jahren von den Musikern aus dem Umfeld von Laura Marling vorschwärmt. Daß der Haldern-Auftritt der Folkpop Band gut werden würde, dachte ich mir. Daß die Gruppe allerdings die danach folgenden Beirut so locker an die Wand spielen würden, hatte ich nicht erwartet.

Bei solch brillanter Musik macht es gar nichts, diese mit lalala-Radio-Hörern zu teilen. Schließlich wird der durchschnittliche deutsche Musikgeschmack so ein wenig besser.

Der Kommentar von Oliver Peel:

Wenn man Mumford And Suns die Verwendung des Wörtchens "Heart" untersagen würde, dann hätten die temperamentvollen Engländer Probleme, Texte für ihre Songs hinzubekommen. Da strotzt es in jedem einzelnen Lied nur so vor Herzen. Man kommt locker auf 20 oder mehr "Hearts" auf dem gefeierten Debütalbum Sigh No More. Auch sonst trieft der Schmalz aus allen Ecken und Enden. "You are the mother, the mother of your baby child, the one to whom you gave your life", heißt es beispielsweise auf Timshel. Viel schwülstiger geht es nimmer, zumindest nicht in Indiekreisen. Nur Schlagersänger-und Bands schreiben ähnlich kitschige Texte. Und dennoch nimmt man diesen bodenständig und aufrichtig wirkenden jungen Burschen ihre nach außen getragene Herzlichkeit, ihr Herzblut ab. Wenn Marcus Mumford mit seiner whiskeygetränkten Stimme loslegt, die Gitarre zwischen seine strammen Beine nimmt (ich könnte ihn mir gut mit bayrischer Lederhose vorstellen!) und mit der Klampfe wie eine Hexe auf ihrem Besenstiel über die Bühne düst, dann bleibt wirklich kein Auge trocken. Vielleicht sind Mumford & Sons einfach Theaterschauspieler, von denen der Professor verlangt hat, ein in Musik vertontes Stück zum Thema "Inbrunst und Herzblut" aufzuführen. Die Prüfung würden sie auf jeden Fall locker bestehen! Irgendwie erschienen mir die Jungs in Haldern wie eine folkigere Variante der Kaiser Chiefs. Kirmesmusik mit Herz. Oder so. Da ich aber die Kaiser Chiefs mochte und mag, war das kein großes Problem für mich. Nicht zu sehr auf die Qualität der Texte achten und einfach Mitgröhlen-bzw. Mithüpfen war wohl nicht nur meine Devise. "But it was not your fault but mine. It was your heart on the line, I really fucked it up this time, didn't I, my dear." (aus Little Lion Man), mit solchen im Chor geschmetterten Refrainzeilen steckten die Herzblutler das Halderner Publikum ganz locker in ihre Hosentasche. Die Masche muß auch schon beim Glastonbury Festival gezogen haben, zumindest wenn man den euphorischen Berichten im NME glauben schenken darf. Kernaussage der Fans: "Die meinen das so wie es singen." - Na dann ist ja gut!

Highlighst hervorzuheben ist nicht einfach, alle Songs wurden von der Meute euphorisch aufgenommen, aber die stärkste Phase dürfte der Auftritt wohl gehabt haben, als die hintereinander weg gespielten White Blank Page und Little Lion Man die Festivalwiese so richtig schön ducheinanderwirbelte. Der Refrain von White Blank Page war so eingängig, daß ihn das Publikum nach Verklingen des Liedes noch minutenlang mitsummte. Die Band war gezwungen zu warten, bevor sie mit dem Programm weitermachen konnte, bedankte sich bei ihren Fans aber auf ihre Weise. Sie klatschten ihnen gerührt Beifall, so wie man das nach Abpfiff von Fußbalspielen her kennt.

Ich glaube wirklich, daß Mumford & Sons so nett und aufrichtig sind, wie sie sich geben. Kann der Dackelblick von Marcus Mumford etwa lügen? Selbst Laura Marling konnte da nicht widerstehen...

Setlist Mumford & Sons, Haldern-Pop Festival:
01: Sigh no more
02: Awake my soul
03: Winter winds
04: Roll away your stone
05: Nothing is written
06: White blank page
07: Little lion man
08: Lover of the light
09: Thistle & weeds
10: Timshel
11: The cave
12: Dust bowl

Links:

- Mumford & Sons, Paris, 21.02.10
- Mumford & Sons, München, 02.11.09
- Mumford & Sons, Paris, 24.04.08
- Marcus Mumford zusammen mit Laura Marling, Paris, 19.04.08



Mumford & Sons, Haldern-Festival, 13.08.10


Konzert: Mumford & Sons

Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 13.08.2010
Dauer: 60 min
Erster Konzertbericht bei uns: 24.04.08 (Paris)


Der Kommentar von Christoph:

Blöder Mainstream-Kram! Selbst bei SWR 3 laufen Mumford & Sons mittlerweile hoch und runter und natürlich spielen die Engländer demnächst im Palladium. Als echter indie Indie-Hörer gilt es, so etwas zu verachten!

Dummerweise ist die Truppe um Marcus Mumford so verdammt gut, daß man sie nicht ignorieren kann. Ich habe lange gebraucht, die Engländer zu sehen, obwohl mir mein Pariser Kollege Oliver seit 2 1/2 Jahren von den Musikern aus dem Umfeld von Laura Marling vorschwärmt. Daß der Haldern-Auftritt der Folkpop Band gut werden würde, dachte ich mir. Daß die Gruppe allerdings die danach folgenden Beirut so locker an die Wand spielen würden, hatte ich nicht erwartet.

Bei solch brillanter Musik macht es gar nichts, diese mit lalala-Radio-Hörern zu teilen. Schließlich wird der durchschnittliche deutsche Musikgeschmack so ein wenig besser.

Der Kommentar von Oliver Peel:

Wenn man Mumford And Suns die Verwendung des Wörtchens "Heart" untersagen würde, dann hätten die temperamentvollen Engländer Probleme, Texte für ihre Songs hinzubekommen. Da strotzt es in jedem einzelnen Lied nur so vor Herzen. Man kommt locker auf 20 oder mehr "Hearts" auf dem gefeierten Debütalbum Sigh No More. Auch sonst trieft der Schmalz aus allen Ecken und Enden. "You are the mother, the mother of your baby child, the one to whom you gave your life", heißt es beispielsweise auf Timshel. Viel schwülstiger geht es nimmer, zumindest nicht in Indiekreisen. Nur Schlagersänger-und Bands schreiben ähnlich kitschige Texte. Und dennoch nimmt man diesen bodenständig und aufrichtig wirkenden jungen Burschen ihre nach außen getragene Herzlichkeit, ihr Herzblut ab. Wenn Marcus Mumford mit seiner whiskeygetränkten Stimme loslegt, die Gitarre zwischen seine strammen Beine nimmt (ich könnte ihn mir gut mit bayrischer Lederhose vorstellen!) und mit der Klampfe wie eine Hexe auf ihrem Besenstiel über die Bühne düst, dann bleibt wirklich kein Auge trocken. Vielleicht sind Mumford & Sons einfach Theaterschauspieler, von denen der Professor verlangt hat, ein in Musik vertontes Stück zum Thema "Inbrunst und Herzblut" aufzuführen. Die Prüfung würden sie auf jeden Fall locker bestehen! Irgendwie erschienen mir die Jungs in Haldern wie eine folkigere Variante der Kaiser Chiefs. Kirmesmusik mit Herz. Oder so. Da ich aber die Kaiser Chiefs mochte und mag, war das kein großes Problem für mich. Nicht zu sehr auf die Qualität der Texte achten und einfach Mitgröhlen-bzw. Mithüpfen war wohl nicht nur meine Devise. "But it was not your fault but mine. It was your heart on the line, I really fucked it up this time, didn't I, my dear." (aus Little Lion Man), mit solchen im Chor geschmetterten Refrainzeilen steckten die Herzblutler das Halderner Publikum ganz locker in ihre Hosentasche. Die Masche muß auch schon beim Glastonbury Festival gezogen haben, zumindest wenn man den euphorischen Berichten im NME glauben schenken darf. Kernaussage der Fans: "Die meinen das so wie es singen." - Na dann ist ja gut!

Highlighst hervorzuheben ist nicht einfach, alle Songs wurden von der Meute euphorisch aufgenommen, aber die stärkste Phase dürfte der Auftritt wohl gehabt haben, als die hintereinander weg gespielten White Blank Page und Little Lion Man die Festivalwiese so richtig schön ducheinanderwirbelte. Der Refrain von White Blank Page war so eingängig, daß ihn das Publikum nach Verklingen des Liedes noch minutenlang mitsummte. Die Band war gezwungen zu warten, bevor sie mit dem Programm weitermachen konnte, bedankte sich bei ihren Fans aber auf ihre Weise. Sie klatschten ihnen gerührt Beifall, so wie man das nach Abpfiff von Fußbalspielen her kennt.

Ich glaube wirklich, daß Mumford & Sons so nett und aufrichtig sind, wie sie sich geben. Kann der Dackelblick von Marcus Mumford etwa lügen? Selbst Laura Marling konnte da nicht widerstehen...

Setlist Mumford & Sons, Haldern-Pop Festival:
01: Sigh no more
02: Awake my soul
03: Winter winds
04: Roll away your stone
05: Nothing is written
06: White blank page
07: Little lion man
08: Lover of the light
09: Thistle & weeds
10: Timshel
11: The cave
12: Dust bowl

Links:

- Mumford & Sons, Paris, 21.02.10
- Mumford & Sons, München, 02.11.09
- Mumford & Sons, Paris, 24.04.08
- Marcus Mumford zusammen mit Laura Marling, Paris, 19.04.08



Efterklang, Haldern-Festival, 14.08.10


Konzert: Efterklang
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 14.08.2010
Dauer: 50 min
Erster Konzertbericht bei uns: 07.04.08 (Paris)


Haben die Dänen Efterklang etwa schon ihren Zenith überschritten? Für mich persönlich kommt jedenfalls nichts an ihre erste Ep Springer (2003) ran. Vielleicht liegt es daran, daß ich großer Anhänger des Post Rocks bin und auf diesem Minialbum klangen sie so postrockig wie danach nie mehr. Natürlich will ich Parades auch nicht vergessen, das zweite Studioalbum von 2007, mit dem sie zumindest in Indiekreisen den verdienten Durchbruch geschafft haben.* Mit dem Neuling Magic Chairs tue ich mich allerdings schwerer. Das Werk ist keineswegs schwach, klingt aber deutlich konventioneller und weniger besonders, als die vorangegangenen Outputs. Die Lieder sind kürzer, eingängiger, weniger komplex. Mit Mainstream haben Efterklang natürlich trotzdem nichts zu tun, dazu sind sie viel zu speziell, zu bizarr. Mitklatsch-bzw. Mitsingfaktor = 0. Vielleicht war dies auch der Grund dafür, daß so bedauerlich wenige Zuschauer auf der Festivalwiese zu sehen waren. Die vorderen Reihen waren sehr luftig und man hatte viel Platz und Bewegungsfreiheit. Diejenigen, die gerade eine Essenspause einlegten, ein Schläfchen im Zelt hielten, oder im Spigeltent weilten, hatten jedoch Unrecht. Efterklang waren nämlich trotz der etwas schwächeren Songs des neuen Albums toll! Allein der wundervolle Backgroundgesang, das liebliche Flötenspiel und die hochcharmante Erscheinung von Heather Woods Broderick waren das Kommen wert! Und dann war da natürlich auch noch der gewohnt dauerlächelnde Sänger und Drummer Casper, der seine endlos langen Beine in eine weiße Bermuda Short gehüllt hatte und mit diesem Look für viele Schmunzler sorgte. Lustig im eigentlichen Sinne ist die Musik von Efterklang freilich nicht. Es dominieren Töne in Moll, verhuschte Synthiemelodien, gehauchte Gesänge und dreampoppige, bisweilen postrockige Sequenzen. Mit dieser Mischung punkteten sie heute in Haldern sicherlich auch bei Leuten, die sie vorher noch nicht kannten. Als älterere Fan der Band kam für mich aber erst mit Mirador (von Parades) das erste wirkliche Highlight. Die neuen, gleich zu Beginn im Dreierpack abgefeuerten Sachen wie Full Moon, Alike und I Was Playing Drums waren gefällig, aber noch nicht wirklich euphorisierend. Mit Mirador platzte aber der Knoten. Allein das wunderschöne Synthieintro, traumhaft! In der Folge entwickelte sich ein gutes Konzert, das auch meinem Bloggerpartner Christoph, der sie noch nie gesehen hatte, zu gefallen schien. Einig waren wir uns hinterher darüber, daß Cutting Ice To Snow das absolut beste Lied des Konzertes war. Toll wie bei dem komplexen, raffiniert arrangierten Stück der rote Faden beibehalten wurde. Ich persönlich hätte natürlich gerne noch meinen Lieblingssong Bright (von der Springer Ep, klar!) gehört, aber wir waren ja nicht beim Wunschkonzert..


Setlist Efterklang, Haldern-Pop Festival:

01: Full moon
02: Alike
03: I was playing drums
04: Mirador
05: Harmonics
06: Raincoats
07: Modern drift
08: Cutting ice to snow
09: Soft beating
10: Mirror Mirror

* Im Grunde genommen sind alle Alben von Efterklang einzigartig. Tripper von 2004 beispielsweise bezaubert durch traumwandlerische Synthiemelodien, herrliche Chorgesänge, Fanfaren und einfühlsame Geigen.


Efterklang, Haldern-Festival, 14.08.10


Konzert: Efterklang
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 14.08.2010
Dauer: 50 min
Erster Konzertbericht bei uns: 07.04.08 (Paris)


Haben die Dänen Efterklang etwa schon ihren Zenith überschritten? Für mich persönlich kommt jedenfalls nichts an ihre erste Ep Springer (2003) ran. Vielleicht liegt es daran, daß ich großer Anhänger des Post Rocks bin und auf diesem Minialbum klangen sie so postrockig wie danach nie mehr. Natürlich will ich Parades auch nicht vergessen, das zweite Studioalbum von 2007, mit dem sie zumindest in Indiekreisen den verdienten Durchbruch geschafft haben.* Mit dem Neuling Magic Chairs tue ich mich allerdings schwerer. Das Werk ist keineswegs schwach, klingt aber deutlich konventioneller und weniger besonders, als die vorangegangenen Outputs. Die Lieder sind kürzer, eingängiger, weniger komplex. Mit Mainstream haben Efterklang natürlich trotzdem nichts zu tun, dazu sind sie viel zu speziell, zu bizarr. Mitklatsch-bzw. Mitsingfaktor = 0. Vielleicht war dies auch der Grund dafür, daß so bedauerlich wenige Zuschauer auf der Festivalwiese zu sehen waren. Die vorderen Reihen waren sehr luftig und man hatte viel Platz und Bewegungsfreiheit. Diejenigen, die gerade eine Essenspause einlegten, ein Schläfchen im Zelt hielten, oder im Spigeltent weilten, hatten jedoch Unrecht. Efterklang waren nämlich trotz der etwas schwächeren Songs des neuen Albums toll! Allein der wundervolle Backgroundgesang, das liebliche Flötenspiel und die hochcharmante Erscheinung von Heather Woods Broderick waren das Kommen wert! Und dann war da natürlich auch noch der gewohnt dauerlächelnde Sänger und Drummer Casper, der seine endlos langen Beine in eine weiße Bermuda Short gehüllt hatte und mit diesem Look für viele Schmunzler sorgte. Lustig im eigentlichen Sinne ist die Musik von Efterklang freilich nicht. Es dominieren Töne in Moll, verhuschte Synthiemelodien, gehauchte Gesänge und dreampoppige, bisweilen postrockige Sequenzen. Mit dieser Mischung punkteten sie heute in Haldern sicherlich auch bei Leuten, die sie vorher noch nicht kannten. Als älterere Fan der Band kam für mich aber erst mit Mirador (von Parades) das erste wirkliche Highlight. Die neuen, gleich zu Beginn im Dreierpack abgefeuerten Sachen wie Full Moon, Alike und I Was Playing Drums waren gefällig, aber noch nicht wirklich euphorisierend. Mit Mirador platzte aber der Knoten. Allein das wunderschöne Synthieintro, traumhaft! In der Folge entwickelte sich ein gutes Konzert, das auch meinem Bloggerpartner Christoph, der sie noch nie gesehen hatte, zu gefallen schien. Einig waren wir uns hinterher darüber, daß Cutting Ice To Snow das absolut beste Lied des Konzertes war. Toll wie bei dem komplexen, raffiniert arrangierten Stück der rote Faden beibehalten wurde. Ich persönlich hätte natürlich gerne noch meinen Lieblingssong Bright (von der Springer Ep, klar!) gehört, aber wir waren ja nicht beim Wunschkonzert..


Setlist Efterklang, Haldern-Pop Festival:

01: Full moon
02: Alike
03: I was playing drums
04: Mirador
05: Harmonics
06: Raincoats
07: Modern drift
08: Cutting ice to snow
09: Soft beating
10: Mirror Mirror

* Im Grunde genommen sind alle Alben von Efterklang einzigartig. Tripper von 2004 beispielsweise bezaubert durch traumwandlerische Synthiemelodien, herrliche Chorgesänge, Fanfaren und einfühlsame Geigen.


Sophie Hunger, Haldern-Festival, 14.08.10


Konzert: Sophie Hunger
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 14.08.2010
Dauer: ca. 60 min
Erster Konzertbericht bei uns: 23.03.09 (Paris)



Ehrlich gesagt war ich extrem skeptisch, ob Sophie Hunger auch auf der großen Haldern-Bühne funktionieren würde. Die beiden Konzerte, die ich von der Schweizerin gesehen hatte, insbesondere das im Gebäude 9, waren solch vorzügliche aber eben auch intime, andächtige Abende, daß ich mir schlecht vorstellen konnte, wie dies vor Festivalpublikum umsetzbar wäre.

Auch bei Sophie Hunger erstaunt es mich immer wieder, wieso ich ihre Musik mag. Mit Jazz und Soul habe ich nicht viel am Hut, auch wenn ich die anerkennenden Kommentare genossen habe, als ich vor zwei Jahren beim Montreux Jazz Festival war. Diese Art Musik klingt schließlich enorm kultiviert, viel besser als "Indie oder so Alternativesachen." Daß wir am Genfer See waren, um The National, Interpol, die Blood Red Shoes und die Babyshambles zu sehen, mußte man ja nicht näher erklären.

Genfer See, Schweiz, zurück zum Thema. Sophie Hunger ist sicher mehr Jazzmusikerin als Indiesängerin. Wenn die Posaune von Michael Flury mit ihrem Schalldämpfer losknödelt, könnte das auch irgendwo im Süden der USA stattfinden. Dazu Sophies Stimme, die mich oft an die Rainbirds erinnerte, viel Klavier und viele
ruhige Lieder; das alles hätte auch schrecklich einschläfend und fad sein können, aber es war eben ganz anders. Mich begeistern wirklich nicht alle Lieder der Schweizerin, und von meinen Lieblingen spielte die Band wenige, das Konzert war aber trotzdem fabelhaft.

Dafür sorgt zum Beispiel das Mienenspiel der Sängerin. Wie Sophie ihre Lieder selbst durchlebt beim Vortrag, fesselt mich ungemein. Mal mit geschlossenen Augen, mal leidend guckend, man merkt, daß ihre Stücke ihr wichtig sind und sie nicht einfach ein Programm abspult.

Und daß es nicht bloß so dahergeredet war, daß ihr und ihren Begleitern so viel daran gelegen habe, einmal in Haldern zu spielen, merkte man auch mit jedem Ton. Daher war Sophie Hunger für die Haldern-Macher ein echter Glücksgriff, ganz entgegen meiner Erwartungen.

Musikalisch stand das aktuelle Album im Mittelpunkt, die meisten Stücke stammten von der im Frühjahr erschienenen Platte 1983. Dazu kamen zu meiner Überraschung zwei Lieder von Sophies früherer Band Fisher (nicht nur zu meiner Überraschung,
auch als Herausforderung, das zu recherchieren, da ich nichts von Fisher besitze und auch keine Texte von deren Liedern im weiten Netz zu finden waren). Wie einiges andere kannte ich die nicht, besonders aber Speech (das wohl unveröffentlicht ist) gefiel mir ausgezeichnet! Das Lied, das den Abschluß bildete, war für mich der Höhepunkt des Konzerts.

Außerdem gefielen mir 1983 und
Citylights forever besonders. Aber auch Your personal religion, bei dem Sophie und Christian Prader eindruckvoll bewiesen, wie laut zwei akustische Gitarren sein können, war ein Höhepunkt!

Ich hatte Sophie Hunger wie einige meiner Bekannten als mögliche Essenspause eingeplant und bin sehr froh, daß ich ich mich für hungrig* bleiben entschieden habe.

Setlist Sophie Hunger, Haldern-Pop Festival:

01: Approximately gone
02: Lovesong for everyone
03: Drainpipes
04: My oh my (Fisher "Cover")
05: Headlights
06: Breaking the waves
07: The musician
08: 1983
09: Your personal religion
10: Citylights forever
11: Hotel Belfort (Sophie Hunger solo)
12: Speech (Fisher "Cover")

Links:

- Sophie Hunger, Paris, 02.06.10
- Sophie Hunger, Köln, 29.09.09
- Sophie Hunger, Köln, 09.05.09
- Sophie Hunger, Paris, 23.03.09

* der harmloseste der Wortwitze, die rauswollten.





Sophie Hunger, Haldern-Festival, 14.08.10


Konzert: Sophie Hunger
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 14.08.2010
Dauer: ca. 60 min
Erster Konzertbericht bei uns: 23.03.09 (Paris)



Ehrlich gesagt war ich extrem skeptisch, ob Sophie Hunger auch auf der großen Haldern-Bühne funktionieren würde. Die beiden Konzerte, die ich von der Schweizerin gesehen hatte, insbesondere das im Gebäude 9, waren solch vorzügliche aber eben auch intime, andächtige Abende, daß ich mir schlecht vorstellen konnte, wie dies vor Festivalpublikum umsetzbar wäre.

Auch bei Sophie Hunger erstaunt es mich immer wieder, wieso ich ihre Musik mag. Mit Jazz und Soul habe ich nicht viel am Hut, auch wenn ich die anerkennenden Kommentare genossen habe, als ich vor zwei Jahren beim Montreux Jazz Festival war. Diese Art Musik klingt schließlich enorm kultiviert, viel besser als "Indie oder so Alternativesachen." Daß wir am Genfer See waren, um The National, Interpol, die Blood Red Shoes und die Babyshambles zu sehen, mußte man ja nicht näher erklären.

Genfer See, Schweiz, zurück zum Thema. Sophie Hunger ist sicher mehr Jazzmusikerin als Indiesängerin. Wenn die Posaune von Michael Flury mit ihrem Schalldämpfer losknödelt, könnte das auch irgendwo im Süden der USA stattfinden. Dazu Sophies Stimme, die mich oft an die Rainbirds erinnerte, viel Klavier und viele
ruhige Lieder; das alles hätte auch schrecklich einschläfend und fad sein können, aber es war eben ganz anders. Mich begeistern wirklich nicht alle Lieder der Schweizerin, und von meinen Lieblingen spielte die Band wenige, das Konzert war aber trotzdem fabelhaft.

Dafür sorgt zum Beispiel das Mienenspiel der Sängerin. Wie Sophie ihre Lieder selbst durchlebt beim Vortrag, fesselt mich ungemein. Mal mit geschlossenen Augen, mal leidend guckend, man merkt, daß ihre Stücke ihr wichtig sind und sie nicht einfach ein Programm abspult.

Und daß es nicht bloß so dahergeredet war, daß ihr und ihren Begleitern so viel daran gelegen habe, einmal in Haldern zu spielen, merkte man auch mit jedem Ton. Daher war Sophie Hunger für die Haldern-Macher ein echter Glücksgriff, ganz entgegen meiner Erwartungen.

Musikalisch stand das aktuelle Album im Mittelpunkt, die meisten Stücke stammten von der im Frühjahr erschienenen Platte 1983. Dazu kamen zu meiner Überraschung zwei Lieder von Sophies früherer Band Fisher (nicht nur zu meiner Überraschung,
auch als Herausforderung, das zu recherchieren, da ich nichts von Fisher besitze und auch keine Texte von deren Liedern im weiten Netz zu finden waren). Wie einiges andere kannte ich die nicht, besonders aber Speech (das wohl unveröffentlicht ist) gefiel mir ausgezeichnet! Das Lied, das den Abschluß bildete, war für mich der Höhepunkt des Konzerts.

Außerdem gefielen mir 1983 und
Citylights forever besonders. Aber auch Your personal religion, bei dem Sophie und Christian Prader eindruckvoll bewiesen, wie laut zwei akustische Gitarren sein können, war ein Höhepunkt!

Ich hatte Sophie Hunger wie einige meiner Bekannten als mögliche Essenspause eingeplant und bin sehr froh, daß ich ich mich für hungrig* bleiben entschieden habe.

Setlist Sophie Hunger, Haldern-Pop Festival:

01: Approximately gone
02: Lovesong for everyone
03: Drainpipes
04: My oh my (Fisher "Cover")
05: Headlights
06: Breaking the waves
07: The musician
08: 1983
09: Your personal religion
10: Citylights forever
11: Hotel Belfort (Sophie Hunger solo)
12: Speech (Fisher "Cover")

Links:

- Sophie Hunger, Paris, 02.06.10
- Sophie Hunger, Köln, 29.09.09
- Sophie Hunger, Köln, 09.05.09
- Sophie Hunger, Paris, 23.03.09

* der harmloseste der Wortwitze, die rauswollten.





Bear In Heaven, Haldern Pop Festival, 14.08.10


Konzert: Bear In Heaven

Ort: Spiegeltent Haldern Pop Festival, Rees-Haldern, Niederrhein
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: recht viele

Konzertdauer: um die 40 Minuten



Ein Bär im Himmel. Wie er sich wohl da oben fühlt, der Bär? Keine Ahnung! Ich weiß lediglich, daß ich mich beim Konzert der Brooklyner Band Bear In Heaven im Spiegelzelt gut gefühlt habe. Obwohl eigentlich kein großer Fan von elektronischer Musik, konnte ich dem Set der im positiven Sinne verrückten Formation so einiges abgewinnen. Die bei bläulichem Schummerlicht gebotene Mucke war sehr abwechslungsreich und vereinte Elemente des Krautrock, des Shoegaze und des Ambient Pops. Viele überraschende Wendungen unterstrichen die Kreativität der mir bis dato lediglich dem Namen nach bekannten Band. Ich bin auf jeden Fall neugierig geworden und vermute, daß Bear In Heaven mehr Potential haben als MGMT oder Caribou, die deutlich stärker im Rampenlicht stehen und mit einer ähnlich psychedelischen Mixtur abräumen.

Daumen hoch für den Bär!


Bear In Heaven, Haldern Pop Festival, 14.08.10


Konzert: Bear In Heaven

Ort: Spiegeltent Haldern Pop Festival, Rees-Haldern, Niederrhein
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: recht viele

Konzertdauer: um die 40 Minuten



Ein Bär im Himmel. Wie er sich wohl da oben fühlt, der Bär? Keine Ahnung! Ich weiß lediglich, daß ich mich beim Konzert der Brooklyner Band Bear In Heaven im Spiegelzelt gut gefühlt habe. Obwohl eigentlich kein großer Fan von elektronischer Musik, konnte ich dem Set der im positiven Sinne verrückten Formation so einiges abgewinnen. Die bei bläulichem Schummerlicht gebotene Mucke war sehr abwechslungsreich und vereinte Elemente des Krautrock, des Shoegaze und des Ambient Pops. Viele überraschende Wendungen unterstrichen die Kreativität der mir bis dato lediglich dem Namen nach bekannten Band. Ich bin auf jeden Fall neugierig geworden und vermute, daß Bear In Heaven mehr Potential haben als MGMT oder Caribou, die deutlich stärker im Rampenlicht stehen und mit einer ähnlich psychedelischen Mixtur abräumen.

Daumen hoch für den Bär!


Nils Frahm, Haldern Pop Festival, 14.08.10


Konzert: Nils Frahm

Ort: Tonstudio Keusgen, Rees-Haldern, Niederrhein

Datum: 14.08.2010

Zuschauer: mindestens 100
Konzertdauer: ungefähr 45 Minuten


"Entschuldigen sie bitte, wie finden wir denn zum Tonstudio Keusgen?"

Ich glaube ich habe recht verzweifelt geklungen, als ich diese Frage an einen vorbeiwandernden jungen Mann stellte. Ich irrte zusammen mit meiner Frau über mir unbekannte Feldwege und das einzige Gebäude, was mein Auge erblickte, war ein alter Baunerhof. Sonst nur Kühe, Scheunen, Wiesen, Pferde, aber nichts, was wie ein Tonstudio aussah.

"Das suche ich auch schon seit einer Weile!"

Auch der Befragte schien recht verzweifelt. Zum Glück kamen kurze Zeit später andere Luete vorbei, die uns sagen konnten, wie man denn das Tonstudio Keusgen findet. Wir sollten uns beeilen, das Konzert hätte schon angefangen, wurde uns noch geraten. 5 Minuten später standen wir vor einem weißen Haus, in dem in der Tat schon musiziert wurde. In den eigentlichen Konzertsaal vordringen durften wir trotzdem nicht sofort, denn der Raum platzte aus allen Nähten und das Konzert des deutschen Pianisten Nils Frahm wurde zudem aufgenommen, da hätten wir nur gestört, wenn wir mittdendrin reingeplatzt wären. Dann endlich verklang ein Lied und wir durften rein. Der Konzertsaal glich einer Sauna. Die Sonne und die Körperwärme von über 100 Menschen auf engstem Raume hatten die Location auf mindestens 60 Grad Celsius erwärmt. Der Schweiß tropfte nicht nur dem armen Nils von der Stirne, sondern auch den Besuchern. Aber die Strapazen hatten sich auf alle Fälle gelohnt, denn das filigrane Spiel von Frahm war so herzerweichend schön, daß ich mich am Ende fragte, ob da Schweiß oder Tränen die Wange runterfließen. Kein einziges Konzert beim diesjährigen Haldern Festival hat mich so emotional berührt, so benebelt. Wie im Rausch bekam ich noch mit, wie Nils nach einem unfassbar heftigen und völlig verdienten Applaus noch einmal zurück kam und eine traumhafte Zugabe spendierte. Was für ein Talent! Auch der baumlange Sänger von Efterklang und die zuckersüße Heather Woods Broderick zeigten sich sehr angetan und gemeinsam schwärmten wir vor der Türe noch von dem Auftritt des deutschen Pianisten. Bravo, Nils! Herz gebrochen! Aber ich nehme es Dir nicht übel...


Nils Frahm, Haldern Pop Festival, 14.08.10


Konzert: Nils Frahm

Ort: Tonstudio Keusgen, Rees-Haldern, Niederrhein

Datum: 14.08.2010

Zuschauer: mindestens 100
Konzertdauer: ungefähr 45 Minuten


"Entschuldigen sie bitte, wie finden wir denn zum Tonstudio Keusgen?"

Ich glaube ich habe recht verzweifelt geklungen, als ich diese Frage an einen vorbeiwandernden jungen Mann stellte. Ich irrte zusammen mit meiner Frau über mir unbekannte Feldwege und das einzige Gebäude, was mein Auge erblickte, war ein alter Baunerhof. Sonst nur Kühe, Scheunen, Wiesen, Pferde, aber nichts, was wie ein Tonstudio aussah.

"Das suche ich auch schon seit einer Weile!"

Auch der Befragte schien recht verzweifelt. Zum Glück kamen kurze Zeit später andere Luete vorbei, die uns sagen konnten, wie man denn das Tonstudio Keusgen findet. Wir sollten uns beeilen, das Konzert hätte schon angefangen, wurde uns noch geraten. 5 Minuten später standen wir vor einem weißen Haus, in dem in der Tat schon musiziert wurde. In den eigentlichen Konzertsaal vordringen durften wir trotzdem nicht sofort, denn der Raum platzte aus allen Nähten und das Konzert des deutschen Pianisten Nils Frahm wurde zudem aufgenommen, da hätten wir nur gestört, wenn wir mittdendrin reingeplatzt wären. Dann endlich verklang ein Lied und wir durften rein. Der Konzertsaal glich einer Sauna. Die Sonne und die Körperwärme von über 100 Menschen auf engstem Raume hatten die Location auf mindestens 60 Grad Celsius erwärmt. Der Schweiß tropfte nicht nur dem armen Nils von der Stirne, sondern auch den Besuchern. Aber die Strapazen hatten sich auf alle Fälle gelohnt, denn das filigrane Spiel von Frahm war so herzerweichend schön, daß ich mich am Ende fragte, ob da Schweiß oder Tränen die Wange runterfließen. Kein einziges Konzert beim diesjährigen Haldern Festival hat mich so emotional berührt, so benebelt. Wie im Rausch bekam ich noch mit, wie Nils nach einem unfassbar heftigen und völlig verdienten Applaus noch einmal zurück kam und eine traumhafte Zugabe spendierte. Was für ein Talent! Auch der baumlange Sänger von Efterklang und die zuckersüße Heather Woods Broderick zeigten sich sehr angetan und gemeinsam schwärmten wir vor der Türe noch von dem Auftritt des deutschen Pianisten. Bravo, Nils! Herz gebrochen! Aber ich nehme es Dir nicht übel...


The Tallest Man On Earth, Haldern, 14.08.10


Konzert: The Tallest Man On Earth

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern, Niederrhein
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: viele



The Tallest Man On Earth war kein Riese, aber die Songs des Schweden, der sich hinter diesem Moniker verbirgt, waren, man erlaube mir dieses flache Wortspiel, riesig. Kristian Matsson heißt er, der angeblich größte Mann der Welt. Vermutlich bezog sich das mit dem "tall" heute vor allem auf die Bühne, denn die war wirklich großräumig, vor allem weil sie nur von dem Schweden und seiner Akustikklampfe eingenommen wurde. Ein Novum für mich in Haldern. Gab es das schon einmal, daß ein Musiker ganz alleine auf der Mainstage auftrat? Ein gewagtes Unterfangen der Organisatoren, die entweder kein Plätzchen mehr im Spigeltent frei hatten, oder aber Kristian Matsson den großen Auftritt gönnten. Wie auch immer, der Lockenkopf machte seine Sache gut. "Sorry, this is no music to dance to" sagte er entschuldigend, aber mir war sein warmherziger Folk allemal lieber als die gräßliche Dance Music von Delphic. Und dann die Stimme! Ein bluesig-kraziges Kehlchen, das nicht jedermanns Sache war, was beweist, daß die meisten Leute, die sich heutzutage Folkfans nennen, mit traditionell angelegtem Folk à la Bob Dylan oder Van Morrisson nicht viel anfangen können. Klar erforderte es eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration, seien akutischen Stücken zuzuhören, aber von einem versierten Publikum wie dem Halderner darf man das ruhig erwarten.

Ich jedenfalls habe mich nicht gelangweilt und The Tallest Man On Earth darf gerne in meinem Wohnzimmer auftreten, wenn er das denn möchte. Wie können zumindest die größte Katzenrasse der Welt (eine Ragdoll) aufbieten!

Setlist The Tallest Man On Earth, Haldern Pop festival 2010:

01: The Wild Hunt
02: Thousand Ways
03: I Won't Be Found
04: The Gardener
05: Love Is All
06: Where Do My Bluebird Fly
07: You're Going Back
08: King Of Spain


The Tallest Man On Earth, Haldern, 14.08.10


Konzert: The Tallest Man On Earth

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern, Niederrhein
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: viele



The Tallest Man On Earth war kein Riese, aber die Songs des Schweden, der sich hinter diesem Moniker verbirgt, waren, man erlaube mir dieses flache Wortspiel, riesig. Kristian Matsson heißt er, der angeblich größte Mann der Welt. Vermutlich bezog sich das mit dem "tall" heute vor allem auf die Bühne, denn die war wirklich großräumig, vor allem weil sie nur von dem Schweden und seiner Akustikklampfe eingenommen wurde. Ein Novum für mich in Haldern. Gab es das schon einmal, daß ein Musiker ganz alleine auf der Mainstage auftrat? Ein gewagtes Unterfangen der Organisatoren, die entweder kein Plätzchen mehr im Spigeltent frei hatten, oder aber Kristian Matsson den großen Auftritt gönnten. Wie auch immer, der Lockenkopf machte seine Sache gut. "Sorry, this is no music to dance to" sagte er entschuldigend, aber mir war sein warmherziger Folk allemal lieber als die gräßliche Dance Music von Delphic. Und dann die Stimme! Ein bluesig-kraziges Kehlchen, das nicht jedermanns Sache war, was beweist, daß die meisten Leute, die sich heutzutage Folkfans nennen, mit traditionell angelegtem Folk à la Bob Dylan oder Van Morrisson nicht viel anfangen können. Klar erforderte es eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration, seien akutischen Stücken zuzuhören, aber von einem versierten Publikum wie dem Halderner darf man das ruhig erwarten.

Ich jedenfalls habe mich nicht gelangweilt und The Tallest Man On Earth darf gerne in meinem Wohnzimmer auftreten, wenn er das denn möchte. Wie können zumindest die größte Katzenrasse der Welt (eine Ragdoll) aufbieten!

Setlist The Tallest Man On Earth, Haldern Pop festival 2010:

01: The Wild Hunt
02: Thousand Ways
03: I Won't Be Found
04: The Gardener
05: Love Is All
06: Where Do My Bluebird Fly
07: You're Going Back
08: King Of Spain


Frightened Rabbit, Haldern Pop Festival, 14.08.10


Konzert: Frightened Rabbit
Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: viele
Erster Konzertbericht bei uns: 04.12.2008 (Paris)


Eine gewisse Enttäuschung stellte das Konzert der Schotten Frightened Rabbit dar. Ihr hymnischer, amerikanisch gefärbter Indierock war oft ein wenig banal und hausbacken. Am Einsatzwillen der sympathisch bodenständig wirkenden Band lag das freilich nicht. Wie es sich für kampfstarke Schotten gehört, legten sie sich mit Inbrunst ins Zeug und schmetterten ihre bitteren Herzschmerz-Nummern aus voller Kehle Richtung Festivalwiese. Leider hatten sie mit The Modern Leper schon zu Beginn ihren besten Song abgefeuert, so daß der Rest- Lieder von The Midnight Organ Fight (2008) und The Winter Of Mixed Drinks (2010), ein wenig verpuffte. Zum Schluß gab es aber zumindest textlich noch einmal ein Highlight, als sie nämlich bei Keep Yourself Warm die Textzeile: "It takes more than fucking someone to keep yourself warm" zum Besten gaben, bevor U2sche Stadiongesänge einsetzten. Insgesamt solide Hausmannskost. Die mag man hin und wieder richtig gern, machmal langweilt sie einen aber auch. So wie heute.


Frightened Rabbit, Haldern Pop Festival, 14.08.10


Konzert: Frightened Rabbit
Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: viele
Erster Konzertbericht bei uns: 04.12.2008 (Paris)


Eine gewisse Enttäuschung stellte das Konzert der Schotten Frightened Rabbit dar. Ihr hymnischer, amerikanisch gefärbter Indierock war oft ein wenig banal und hausbacken. Am Einsatzwillen der sympathisch bodenständig wirkenden Band lag das freilich nicht. Wie es sich für kampfstarke Schotten gehört, legten sie sich mit Inbrunst ins Zeug und schmetterten ihre bitteren Herzschmerz-Nummern aus voller Kehle Richtung Festivalwiese. Leider hatten sie mit The Modern Leper schon zu Beginn ihren besten Song abgefeuert, so daß der Rest- Lieder von The Midnight Organ Fight (2008) und The Winter Of Mixed Drinks (2010), ein wenig verpuffte. Zum Schluß gab es aber zumindest textlich noch einmal ein Highlight, als sie nämlich bei Keep Yourself Warm die Textzeile: "It takes more than fucking someone to keep yourself warm" zum Besten gaben, bevor U2sche Stadiongesänge einsetzten. Insgesamt solide Hausmannskost. Die mag man hin und wieder richtig gern, machmal langweilt sie einen aber auch. So wie heute.