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The National, Neu-Isenburg, 18.11.10


Konzert: The National
Ort: Hugenottenhalle, Neu-Isenburg
Datum: 18.11.2010
Zuschauer: wohl ausverkauft aber nicht überlaufen
Dauer: The National 95 min, Phosphorescent 45 min


So recht weiß ich mein drittes National-Konzert des Jahres nicht einzuschätzen. Ich hatte mir vorher
vorgenommen, keine Vergleiche zum Sommer anzustellen, als ich die Band so stark gesehen habe, daß man das nicht besser machen kann. Das funktionierte gut, denn obwohl Überraschungen weitestgehend fehlten, mochte ich den Auftritt der um Bläser verstärkten Amerikaner gerne. Trotzdem war das Konzert "nur" gut, die äußeren Umstände ließen nicht mehr zu. Aber der Reihe nach...

Rund um Frankfurt gibt es eine Reihe mittelgroßer Hallen, die für Konzerte genutzt werden, die vom Zuschauerzuspruch zwischen Batschkapp und Jahrhunderhalle liegen. The National sind in dieser
Hallengröße angekommen, weil sie sich mit ihrem fünften Album High Violet immer mehr in den Focus einer größeren Öffentlichkeit gespielt haben. Der Morgenmagazin-Auftritt der Band vor ein paar Wochen hat dazu vermutlich kaum beigetragen, ist aber Symbol für den Bekanntheitssprung (wobei es natürlich einem Ritterschlag gleichkommt, von Cherno Jobatey, der noch nie von ihnen gehört hatte, gelobt zu werden).

Die Hugenottenhalle ist einer dieser Säle für die Übergangszeit im Frankfurter
Umland. Sie liegt in der Innenstadt von Neu-Isenburg und ist mit dem Auto trotzdem schwer erreichbar, weil die Parkkapazitäten eher übersichtlich sind. Der Parkplatz neben der Halle war besetzt, das Parkhaus des Einkaufscenters schließt um 21 Uhr. Also durch Wohngebiete streunen und den Wagen da irgendwo loswerden; ideal ist das natürlich nicht.

Die Halle hat eine achteckige Grundform, von oben sieht der Saal wie ein in die Länge gezogenes Stop-Schild aus. Weil die Bühne an einer der breiten Seiten liegt, ist der Raum bequem und luftig. Daß das zu Lasten des Klangs gehen sollte, merkte ich später erst.

Als ich reinkam, begannen gerade Phosphorescent aus Brooklyn. Wir haben hier
schon über Pariser Auftritte der Indierock-Band berichtet, ich kannte sie nicht, mochte sie aber auch nicht. Die gespielten Lieder waren melodiös-langweilig, die beiden besseren Momente, als es lauter wurde, wirkten aufgesetzt. Ich bin natürlich dankbar für jede namhafte Band, die als Vorgruppe mitgebracht wird, Phosphorescent langweilten dann aber doch zu sehr. Ich würde nicht so weit gehen wie derjenige, der auf ihrer Wikipedia-Seite dies hinterlassen hat: "i steal a whole bunch of crap from other bands, then add my own computer-generated music. im a total fake, and everybody should know" Aber wenn James Blunt Lust auf Rockmusik hat, hört er sicher solche Musik (ich wollte eigentlich nicht mehr über den lästern, seit ich weiß, daß er alleine uns alle vor dem 3. Weltkrieg gerettet hat).

Als es dann wirklich spannend wurde, war der Raum innen zwar voll, wegen seiner Weitläufigkeit an den Seiten aber eher spärlich gefüllt. Die Vorgruppe war furchtbar leise, was The National nicht gut tut, je lauter die live sind, desto besser die Konzerte. Glücklicherweise hatten die Toningenieure aber die Regler vor The National höher gefahren; es fingt mit Runaway gut an. Bei den ersten Stücken gefiel mir der Klang noch. Mich störte da nur die Passivität des Publikums. Mistaken for strangers hatte mir beim Latitude Festival noch Gänsehaut beschert - und einen der besten Konzertmomente, die ich je erlebt habe. Mehrere Tausend Leute, alle singend und schreiend, das war nicht nur ein sehr gutes Lied, das da gespielt wurde, es war viel intensiver, auch wenn das schrecklich platt klingt. Heute war Mistaken for strangers
nicht viel anders als vor dem Fernseher beim Rockpalast, das Lied ist so nicht schlechter, mit dem, wie man The National auch erleben kann, hatte das aber nichts zu tun.

Es war nicht keine Stimmung, das wäre ganz falsch. Hinterher wurde frenetisch
geklatscht. Aber während der Lieder passierte jenseits des Gitters nichts. Und, und das fand ich erstaunlich, die neuen Stücke kamen sehr viel besser an als die Gassenhauer von Alligator oder Boxer!

Neben der Passivität des Publikums kam bei Slow show ein weiteres Problem dazu (zumindest fiel es mir da erstmals auf), die Halle erzeugt Echos! Wenn Trommelschlag und Echo im Takt waren, war das nicht schlimm, bei Slow show und vielen anderen schepperte aber zeitversetzt off beat alles von der hinteren Wand zurück. Das war manches Mal richtig scheußlich, Slow show oder auch Abel hat dieser Effekt versaut.

So fies wie die Echos, so gut sind die Bläsereinsätze. Wenn Posaune und Trompete
einsetzen, gibt das vielen Stücken einen genau richtig dosierten Zusatzreiz. Bei Afraid of everybody zum Beispiel wirkte das besonders gut; ein echter Zugewinn!

Höhepunkte auf der Bühne waren wieder die ekstatischen Stücke wie Abel, Squalor Victoria oder Mr. November, bei denen Sänger Matt Berninger ausrastet, heute allerdings nur stimmlich. Trotz der Stimmung waren alle drei grandios!

Bemerkenswert waren dann noch drei weitere Szenen. Da war zum einen
Lemonworld, keiner meiner unbedingten Lieblinge. Der Sänger, der wieder viel redete und dabei sehr sympathisch war, seine introvertierten Auftritte ohne Publikumsansprache gefielen mir aber trotzdem sehr viel besser, patzte am Ende des Stücks ein wenig, ehrlich gesagt wäre mir das nicht weiter aufgefallen. Er lamentierte danach aber, daß sie das Lied zum ersten Mal gut gespielt hätten, und ausgerechnet dann müsse er das Ende versauen. "We have a hard time playing this song. For the first time it sounded awesome and I messed it up."

Eine herrliche Szene spielte sich zwischen Matt und den Dessner-Zwillingen ab. Irgendwer hatte den Wunsch nach Beautiful head vom Debütalbum The National nach vorne gebrüllt. Matt Berninger beendete das schnell: "I forgot it!" Sie würden das Stück nicht spielen. Lieder von den ersten beiden Platten sind ja eh große Ausnahme live. Einer der Dessners antwortete: "I know it...!"

Und dann wollte er im Zugabenteil bei Mr. November ins Publikum. In Köln hatte er diese Stelle auch für einen Ausflug genutzt. Allerdings versuchte er es rechts über eine Treppe, die vollkommen zugebaut war und blieb oben. Ausflug verschoben! Erst beim nächsten Lied (Terrible love), kletterte der Sänger
vorne runter und ging durch die Halle.

Beendet wurde das Konzert durch ein akustisches
Vanderlyle crybaby geeks, das wunderschön war, aber ganz ehrlich doch eher zu Bands wie Travis passt. Band toll, Stimmung und Halle mau - aber gut war es natürlich trotzdem. Nur nicht so.

Setlist The National, Hugenottenhalle, Neu-Isenburg:

01: Runaway
02: Anyone's ghost
03: Mistaken for strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Little faith
10: Apartment story
11: Lemonworld
12: Abel
13: Daughters of the Soho riots
14: England
15: Fake empire

16: Sorrow (Z)
17: Mr. November (Z)
18: Terrible love (Z)
19: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

- mehr Fotos aus Neu-Isenburg


The National, Neu-Isenburg, 18.11.10


Konzert: The National
Ort: Hugenottenhalle, Neu-Isenburg
Datum: 18.11.2010
Zuschauer: wohl ausverkauft aber nicht überlaufen
Dauer: The National 95 min, Phosphorescent 45 min


So recht weiß ich mein drittes National-Konzert des Jahres nicht einzuschätzen. Ich hatte mir vorher
vorgenommen, keine Vergleiche zum Sommer anzustellen, als ich die Band so stark gesehen habe, daß man das nicht besser machen kann. Das funktionierte gut, denn obwohl Überraschungen weitestgehend fehlten, mochte ich den Auftritt der um Bläser verstärkten Amerikaner gerne. Trotzdem war das Konzert "nur" gut, die äußeren Umstände ließen nicht mehr zu. Aber der Reihe nach...

Rund um Frankfurt gibt es eine Reihe mittelgroßer Hallen, die für Konzerte genutzt werden, die vom Zuschauerzuspruch zwischen Batschkapp und Jahrhunderhalle liegen. The National sind in dieser
Hallengröße angekommen, weil sie sich mit ihrem fünften Album High Violet immer mehr in den Focus einer größeren Öffentlichkeit gespielt haben. Der Morgenmagazin-Auftritt der Band vor ein paar Wochen hat dazu vermutlich kaum beigetragen, ist aber Symbol für den Bekanntheitssprung (wobei es natürlich einem Ritterschlag gleichkommt, von Cherno Jobatey, der noch nie von ihnen gehört hatte, gelobt zu werden).

Die Hugenottenhalle ist einer dieser Säle für die Übergangszeit im Frankfurter
Umland. Sie liegt in der Innenstadt von Neu-Isenburg und ist mit dem Auto trotzdem schwer erreichbar, weil die Parkkapazitäten eher übersichtlich sind. Der Parkplatz neben der Halle war besetzt, das Parkhaus des Einkaufscenters schließt um 21 Uhr. Also durch Wohngebiete streunen und den Wagen da irgendwo loswerden; ideal ist das natürlich nicht.

Die Halle hat eine achteckige Grundform, von oben sieht der Saal wie ein in die Länge gezogenes Stop-Schild aus. Weil die Bühne an einer der breiten Seiten liegt, ist der Raum bequem und luftig. Daß das zu Lasten des Klangs gehen sollte, merkte ich später erst.

Als ich reinkam, begannen gerade Phosphorescent aus Brooklyn. Wir haben hier
schon über Pariser Auftritte der Indierock-Band berichtet, ich kannte sie nicht, mochte sie aber auch nicht. Die gespielten Lieder waren melodiös-langweilig, die beiden besseren Momente, als es lauter wurde, wirkten aufgesetzt. Ich bin natürlich dankbar für jede namhafte Band, die als Vorgruppe mitgebracht wird, Phosphorescent langweilten dann aber doch zu sehr. Ich würde nicht so weit gehen wie derjenige, der auf ihrer Wikipedia-Seite dies hinterlassen hat: "i steal a whole bunch of crap from other bands, then add my own computer-generated music. im a total fake, and everybody should know" Aber wenn James Blunt Lust auf Rockmusik hat, hört er sicher solche Musik (ich wollte eigentlich nicht mehr über den lästern, seit ich weiß, daß er alleine uns alle vor dem 3. Weltkrieg gerettet hat).

Als es dann wirklich spannend wurde, war der Raum innen zwar voll, wegen seiner Weitläufigkeit an den Seiten aber eher spärlich gefüllt. Die Vorgruppe war furchtbar leise, was The National nicht gut tut, je lauter die live sind, desto besser die Konzerte. Glücklicherweise hatten die Toningenieure aber die Regler vor The National höher gefahren; es fingt mit Runaway gut an. Bei den ersten Stücken gefiel mir der Klang noch. Mich störte da nur die Passivität des Publikums. Mistaken for strangers hatte mir beim Latitude Festival noch Gänsehaut beschert - und einen der besten Konzertmomente, die ich je erlebt habe. Mehrere Tausend Leute, alle singend und schreiend, das war nicht nur ein sehr gutes Lied, das da gespielt wurde, es war viel intensiver, auch wenn das schrecklich platt klingt. Heute war Mistaken for strangers
nicht viel anders als vor dem Fernseher beim Rockpalast, das Lied ist so nicht schlechter, mit dem, wie man The National auch erleben kann, hatte das aber nichts zu tun.

Es war nicht keine Stimmung, das wäre ganz falsch. Hinterher wurde frenetisch
geklatscht. Aber während der Lieder passierte jenseits des Gitters nichts. Und, und das fand ich erstaunlich, die neuen Stücke kamen sehr viel besser an als die Gassenhauer von Alligator oder Boxer!

Neben der Passivität des Publikums kam bei Slow show ein weiteres Problem dazu (zumindest fiel es mir da erstmals auf), die Halle erzeugt Echos! Wenn Trommelschlag und Echo im Takt waren, war das nicht schlimm, bei Slow show und vielen anderen schepperte aber zeitversetzt off beat alles von der hinteren Wand zurück. Das war manches Mal richtig scheußlich, Slow show oder auch Abel hat dieser Effekt versaut.

So fies wie die Echos, so gut sind die Bläsereinsätze. Wenn Posaune und Trompete
einsetzen, gibt das vielen Stücken einen genau richtig dosierten Zusatzreiz. Bei Afraid of everybody zum Beispiel wirkte das besonders gut; ein echter Zugewinn!

Höhepunkte auf der Bühne waren wieder die ekstatischen Stücke wie Abel, Squalor Victoria oder Mr. November, bei denen Sänger Matt Berninger ausrastet, heute allerdings nur stimmlich. Trotz der Stimmung waren alle drei grandios!

Bemerkenswert waren dann noch drei weitere Szenen. Da war zum einen
Lemonworld, keiner meiner unbedingten Lieblinge. Der Sänger, der wieder viel redete und dabei sehr sympathisch war, seine introvertierten Auftritte ohne Publikumsansprache gefielen mir aber trotzdem sehr viel besser, patzte am Ende des Stücks ein wenig, ehrlich gesagt wäre mir das nicht weiter aufgefallen. Er lamentierte danach aber, daß sie das Lied zum ersten Mal gut gespielt hätten, und ausgerechnet dann müsse er das Ende versauen. "We have a hard time playing this song. For the first time it sounded awesome and I messed it up."

Eine herrliche Szene spielte sich zwischen Matt und den Dessner-Zwillingen ab. Irgendwer hatte den Wunsch nach Beautiful head vom Debütalbum The National nach vorne gebrüllt. Matt Berninger beendete das schnell: "I forgot it!" Sie würden das Stück nicht spielen. Lieder von den ersten beiden Platten sind ja eh große Ausnahme live. Einer der Dessners antwortete: "I know it...!"

Und dann wollte er im Zugabenteil bei Mr. November ins Publikum. In Köln hatte er diese Stelle auch für einen Ausflug genutzt. Allerdings versuchte er es rechts über eine Treppe, die vollkommen zugebaut war und blieb oben. Ausflug verschoben! Erst beim nächsten Lied (Terrible love), kletterte der Sänger
vorne runter und ging durch die Halle.

Beendet wurde das Konzert durch ein akustisches
Vanderlyle crybaby geeks, das wunderschön war, aber ganz ehrlich doch eher zu Bands wie Travis passt. Band toll, Stimmung und Halle mau - aber gut war es natürlich trotzdem. Nur nicht so.

Setlist The National, Hugenottenhalle, Neu-Isenburg:

01: Runaway
02: Anyone's ghost
03: Mistaken for strangers
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of everyone
08: Conversation 16
09: Little faith
10: Apartment story
11: Lemonworld
12: Abel
13: Daughters of the Soho riots
14: England
15: Fake empire

16: Sorrow (Z)
17: Mr. November (Z)
18: Terrible love (Z)
19: Vanderlyle crybaby geeks (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The National, Wien, 18.08.10
- The National, Haldern, 14.08.10
- The National, Latitude-Festival, 16.07.10
- The National, Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

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Deer Tick & Phosporescent, Paris, 14.09.10


Konzert: Deer Tick & Phosporescent

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 14.09.10
Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: Deer Tick gute halbe Stunde, Phosporescent fast 90 Minuten


Deer Tick und Phosorescent im Doppelpack! Line-up* des Jahres, oder etwa nicht? Als Veranstalter eines Folkrock-Festivals hätte ich die beiden Acts zumindest auch bedenkenlos verpflichtet. Leider wurden die hohen Erwartungen aber nicht erfüllt. Deer Tick waren behäbig und wenig charismatisch, der Sänger angeblich grippeschwächt und die danach folgenden Phosporescent zumindest in der Anfangsphase einschläfernd. Matthew Houck und seine Mannen berappelten sich dann gegen Ende aber noch und überzeugten im eine halbe Stunde (!) lang dauernden Zugabenteil mit fetzigem Folkrock. Stimmgewaltig wie ein Justin "Bon Iver" Vernon oder ein Robin "Fleet Foxes" Pecknold ist Matthew aber beileibe nicht. Und glaubt den Vergleichen mit Will Oldham nicht. Phosporescent der neue Bonnie Prince Billy? Niemals!

Für diejenigen, die ausführliche Konzertberichte schätzen:

Ich hatte mir einen der Konzertabende des Jahres versprochen. Jesse Sykes, Deer Tick, Phosporescent, wow, was für ein Programm! Dann aber musste Jesse Sykes kurzfristig absagen. Zu verkraften, denn mein Hauptaugenmerk galt eh den andern beiden Acts. Gerade auf die Amerikaner Deer Tick freute ich mich wie Bolle, ihr erstes Album War Elephant mit den Überhits Baltimore Blues Number 1 und These Old Shoes lief bei mir seit Monaten rauf und runter. Auch der Neuling (The Black Dirt Sessions) mit dem roten Cover soll famos sein. Ich habe ihn schon seit Juli bei mir im CD-Regal, konnte ihn aber bisher aus Zeitgründen (soviele CDs, die darauf warten gehört zu werden, sie schreien mich förnlich an!) nur einmal kurz laufen lassen. Aber auch auf Phosporescent war ich tierisch heiß, denn die guten Albenkritiken für die letzten Outputs überschlagen sich geradezu.

Logisch, daß ich mit saumäßig Vorfreude im (dicken) Bauch ins Café de la danse fuhr. Besonders früh war ich nicht dran, da ich zu Hause meiner Frau noch beim Gitarrenunterricht zugesehen hatte. Meine Süße nimmt jetzt Stunden auf der Akustischen und ich war neugierig auf ihre Fortschritte. Ich kam also erst gegen 20 Uhr/15 am Ort des Geschehens an und hörte und sah zu meiner Verblüffung bereits Deer Tick in Aktion. Ich war fest davon ausgegangen, daß sie Headliner sind und Phosporescent eröffnen würde, denn der Bandname Deer Tick war auf den Flyern und den Tickets deutlich fetter gedruckt. Ohne Vorspiel ging es also gleich in die Vollen. Dachte ich zumindest. Davon konnte aber keine Rede sein. Statt eines dynamisch-feurigen Auftritts, sah ich eine eher schüchtern und zurückgenommen agierende Truppe junger Amerikaner, die den großen Auftritt nicht gewohnt zu sein schien. Mein Auge fiel auf den tätowierten Sänger der Band. Er war hager und wirkte kraftlos. Später erfuhr ich, daß er unter einer Grippe leide und deshalb so platt war. Verflucht! Ich war mir ganz sicher, auf total wilde und vor Spielfreude strotzende Typen zu treffen und dann so was! Keine Dynamik, keine nonverbale Kommunikation unter den Bandmitglieder, nichts. Lediglich der Drummer ragte heraus. Beim abschließenden , von ihm intonierten Song, trommelte er wie ein Derwisch und ließ endlich einmal so etwas ähnliches wie Stimmung in dem recht leeren Café de la danse aufkommen. Zuvor hatten die Newcomer mit Baltimore Blues Number 1 zumindest einen meiner Lieblinge gespielt, auf den aktuellen Hit Twenty Miles und den Schunkler These Old Shoes wartete man aber vergeblich. Schade, schade, denn das Repertoire an guten Stücken ist jetzt schon beeindruckend und Sänger John McCauley III hat so eine herrlich verrauchte, nonchalante Stimme.

Aber egal, ich werde sie mir heute akutisch im Showcase im Fargo Store in Paris ansehen, da wird es sicherlich besser werden.

Um 21 Uhr standen Phosphorescent bereit. Eigentlich das Projekt eines Mannes, Matthew Houck, bedarf es zur Liveumsetzung der Songs 4 Musiker. Houck hat in den letzten beiden Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, zumindest was das Kritikerlob betrifft. Seine Outputs To Willie (2009), ein Tributalbum für Willie Nelson und Here's To Taking It Easy (2010) heimsten Sterne en masse ein. Dabei verfügt der bärtige Lulatsch mit den Cowboystiefeln und dem exzentrischen Armband (welche Steine sind das? Jade?) nicht unbedingt über die Sensationsstimme eines Robin Pecknold oder eines Ben Bridwell. Sein brüchiges Kelchen trifft aber dennoch den Nerv vieler Folkfans.

Die Erwartungshaltung war ob der Lobhuldigungen also groß, aber der Anfang der Show gestaltete sich leider recht zäh, stockend und zahnlos. Es gab Tonprobleme, Matthew war noch nicht warm gesungen und seine Begleitband wirkte abgesehen von dem wild headbangenden Keyboarder behäbig und steif. Ich langweilte mich. Lediglich der Anblick einer vollbusigen Schönheit mit engem Top in meiner Nachbarschaft hielt mich wach. Ich bewegte mich trotzdem zu den Sitzplätzchen und hielt ein Nickerchen. Die Show rauschte an mir vorbei. Inzwischen war fast eine Stunde gespielt, als die betörende Ballade Wolves erklang. "They tumble and fight and they're beautiful, on the hilltops at night, they are beautiful". Beautiful dieser Song, in der Tat!

Aber gerade als ich endlich warm geworden war, zogen die fünf Musiker von dannen. Wenn das jetzt alles gewsen sein sollte, wäre ich recht enttäuscht gewesen. Aber die Kerle kamen zurück und wie! Der Zugabenteil sollte insgesamt eine halbe Stunde dauern, fast halb so lang wie das reguläre Konzert! Und was für ein berauschendes Finish das war! Zunächst trug Matthew alleine einen wunderschönen Coversong vor (welchen genau? wenn ich das bloß wüßte!) der von Cocaine Lights gefolgt wurde, bevor zu Stück drei der Nachspielzeit die Gruppe zurück kam. Nun wurde phasenwesie richtig gerockt. Die Jungs trugen unter anderem das tolle Los Angeles vor und beendeten ihr Set wild auf den Gitarren schrammelnd. Der forsche zweite Teil hatte den eher mauen Teil vergessen lassen und somit konnte ich doch noch ein positives Fazit ziehen. Phosphorescent muss man im Auge behalten, obwohl die himmelhochjauchzenden Kritikerergüsse viellicht etwas überzogen sind.

Deer Tick & Phosporescent, Paris, 14.09.10


Konzert: Deer Tick & Phosporescent

Ort: Le Café de la Danse, Paris
Datum: 14.09.10
Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: Deer Tick gute halbe Stunde, Phosporescent fast 90 Minuten


Deer Tick und Phosorescent im Doppelpack! Line-up* des Jahres, oder etwa nicht? Als Veranstalter eines Folkrock-Festivals hätte ich die beiden Acts zumindest auch bedenkenlos verpflichtet. Leider wurden die hohen Erwartungen aber nicht erfüllt. Deer Tick waren behäbig und wenig charismatisch, der Sänger angeblich grippeschwächt und die danach folgenden Phosporescent zumindest in der Anfangsphase einschläfernd. Matthew Houck und seine Mannen berappelten sich dann gegen Ende aber noch und überzeugten im eine halbe Stunde (!) lang dauernden Zugabenteil mit fetzigem Folkrock. Stimmgewaltig wie ein Justin "Bon Iver" Vernon oder ein Robin "Fleet Foxes" Pecknold ist Matthew aber beileibe nicht. Und glaubt den Vergleichen mit Will Oldham nicht. Phosporescent der neue Bonnie Prince Billy? Niemals!

Für diejenigen, die ausführliche Konzertberichte schätzen:

Ich hatte mir einen der Konzertabende des Jahres versprochen. Jesse Sykes, Deer Tick, Phosporescent, wow, was für ein Programm! Dann aber musste Jesse Sykes kurzfristig absagen. Zu verkraften, denn mein Hauptaugenmerk galt eh den andern beiden Acts. Gerade auf die Amerikaner Deer Tick freute ich mich wie Bolle, ihr erstes Album War Elephant mit den Überhits Baltimore Blues Number 1 und These Old Shoes lief bei mir seit Monaten rauf und runter. Auch der Neuling (The Black Dirt Sessions) mit dem roten Cover soll famos sein. Ich habe ihn schon seit Juli bei mir im CD-Regal, konnte ihn aber bisher aus Zeitgründen (soviele CDs, die darauf warten gehört zu werden, sie schreien mich förnlich an!) nur einmal kurz laufen lassen. Aber auch auf Phosporescent war ich tierisch heiß, denn die guten Albenkritiken für die letzten Outputs überschlagen sich geradezu.

Logisch, daß ich mit saumäßig Vorfreude im (dicken) Bauch ins Café de la danse fuhr. Besonders früh war ich nicht dran, da ich zu Hause meiner Frau noch beim Gitarrenunterricht zugesehen hatte. Meine Süße nimmt jetzt Stunden auf der Akustischen und ich war neugierig auf ihre Fortschritte. Ich kam also erst gegen 20 Uhr/15 am Ort des Geschehens an und hörte und sah zu meiner Verblüffung bereits Deer Tick in Aktion. Ich war fest davon ausgegangen, daß sie Headliner sind und Phosporescent eröffnen würde, denn der Bandname Deer Tick war auf den Flyern und den Tickets deutlich fetter gedruckt. Ohne Vorspiel ging es also gleich in die Vollen. Dachte ich zumindest. Davon konnte aber keine Rede sein. Statt eines dynamisch-feurigen Auftritts, sah ich eine eher schüchtern und zurückgenommen agierende Truppe junger Amerikaner, die den großen Auftritt nicht gewohnt zu sein schien. Mein Auge fiel auf den tätowierten Sänger der Band. Er war hager und wirkte kraftlos. Später erfuhr ich, daß er unter einer Grippe leide und deshalb so platt war. Verflucht! Ich war mir ganz sicher, auf total wilde und vor Spielfreude strotzende Typen zu treffen und dann so was! Keine Dynamik, keine nonverbale Kommunikation unter den Bandmitglieder, nichts. Lediglich der Drummer ragte heraus. Beim abschließenden , von ihm intonierten Song, trommelte er wie ein Derwisch und ließ endlich einmal so etwas ähnliches wie Stimmung in dem recht leeren Café de la danse aufkommen. Zuvor hatten die Newcomer mit Baltimore Blues Number 1 zumindest einen meiner Lieblinge gespielt, auf den aktuellen Hit Twenty Miles und den Schunkler These Old Shoes wartete man aber vergeblich. Schade, schade, denn das Repertoire an guten Stücken ist jetzt schon beeindruckend und Sänger John McCauley III hat so eine herrlich verrauchte, nonchalante Stimme.

Aber egal, ich werde sie mir heute akutisch im Showcase im Fargo Store in Paris ansehen, da wird es sicherlich besser werden.

Um 21 Uhr standen Phosphorescent bereit. Eigentlich das Projekt eines Mannes, Matthew Houck, bedarf es zur Liveumsetzung der Songs 4 Musiker. Houck hat in den letzten beiden Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, zumindest was das Kritikerlob betrifft. Seine Outputs To Willie (2009), ein Tributalbum für Willie Nelson und Here's To Taking It Easy (2010) heimsten Sterne en masse ein. Dabei verfügt der bärtige Lulatsch mit den Cowboystiefeln und dem exzentrischen Armband (welche Steine sind das? Jade?) nicht unbedingt über die Sensationsstimme eines Robin Pecknold oder eines Ben Bridwell. Sein brüchiges Kelchen trifft aber dennoch den Nerv vieler Folkfans.

Die Erwartungshaltung war ob der Lobhuldigungen also groß, aber der Anfang der Show gestaltete sich leider recht zäh, stockend und zahnlos. Es gab Tonprobleme, Matthew war noch nicht warm gesungen und seine Begleitband wirkte abgesehen von dem wild headbangenden Keyboarder behäbig und steif. Ich langweilte mich. Lediglich der Anblick einer vollbusigen Schönheit mit engem Top in meiner Nachbarschaft hielt mich wach. Ich bewegte mich trotzdem zu den Sitzplätzchen und hielt ein Nickerchen. Die Show rauschte an mir vorbei. Inzwischen war fast eine Stunde gespielt, als die betörende Ballade Wolves erklang. "They tumble and fight and they're beautiful, on the hilltops at night, they are beautiful". Beautiful dieser Song, in der Tat!

Aber gerade als ich endlich warm geworden war, zogen die fünf Musiker von dannen. Wenn das jetzt alles gewsen sein sollte, wäre ich recht enttäuscht gewesen. Aber die Kerle kamen zurück und wie! Der Zugabenteil sollte insgesamt eine halbe Stunde dauern, fast halb so lang wie das reguläre Konzert! Und was für ein berauschendes Finish das war! Zunächst trug Matthew alleine einen wunderschönen Coversong vor (welchen genau? wenn ich das bloß wüßte!) der von Cocaine Lights gefolgt wurde, bevor zu Stück drei der Nachspielzeit die Gruppe zurück kam. Nun wurde phasenwesie richtig gerockt. Die Jungs trugen unter anderem das tolle Los Angeles vor und beendeten ihr Set wild auf den Gitarren schrammelnd. Der forsche zweite Teil hatte den eher mauen Teil vergessen lassen und somit konnte ich doch noch ein positives Fazit ziehen. Phosphorescent muss man im Auge behalten, obwohl die himmelhochjauchzenden Kritikerergüsse viellicht etwas überzogen sind.