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Iron & Wine, Paris, 17.02.11


Konzert: Iron & Wine (Tim Kasher)

Ort: L'Alhambra, Paris
Datum: 17.02.2011
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Tim Kasher etwa 30, Iron & Wine circa 100 Minuten


Man kann ja immer ein Haar in der Suppe finden, manche Nörgler entdecken ja oft ganze Haarbüschel. Im Falle von Iron & Wine in Paris hätte ich zu bemängeln, daß mit Cinder & Smoke, Naked As We Came und Trapeze Swinger gleich drei meiner Lieblingssongs im Set fehlten. Ansonsten aber: tadellos! Und zwar in jeder Hinsicht. Hervorragende Instrumentierung, harmonischer Wechsel von orchestraleren Stücken hin zu reduzierteren Titeln, ein ausgezeichneter Sound, ein Sam Beam, der stimmlich in Bestform war und sich nett und bescheiden präsentierte, eine exquisite Band, in der neben dem famosen Saxofonisten die Backgroundsängerin Rosie Thomas besonders zu gefallen wusste und ein fachkundiges und angenehmes Publikum. Die Zusammensetzung des Publikums war ohnehin eines der großen Themen, denn es waren unglaublich viele Amerikaner darunter, die größtenteil in Paris leben. Diese Tatsache führte zu dem Spruch des Abends:

"Are there any french people in the audience tonight??" (Sam Beam)

Mehr demnächst, dann auch lobende Worte zu Tim Kasher, der solo das Vorprogramm bestritt.

Setlist Iron & Wine, Theátre de L'Alhambra, Paris:

01: Rabbit Will Run
02: Woman King
03: Tree By The River
04: Arms Of A Thief
05: The Devil Never Sleeps
06: The Sea & The Rhythm
07: Big Burned Hand
08: Lovesong Of The Buzzard
09: Swans And The Swimming
10: Walking Far From Home
11: House By The Sea
12: Lion's Mane
13: Carousel
14: Me And Lazarus
15: Free Until They Cut Me Down
16: Fever Dream
17: Boy With A Coin

18: Flightless Bird, American Mouth (a cappella)



Iron & Wine, Paris, 17.02.11


Konzert: Iron & Wine (Tim Kasher)

Ort: L'Alhambra, Paris
Datum: 17.02.2011
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Tim Kasher etwa 30, Iron & Wine circa 100 Minuten


Man kann ja immer ein Haar in der Suppe finden, manche Nörgler entdecken ja oft ganze Haarbüschel. Im Falle von Iron & Wine in Paris hätte ich zu bemängeln, daß mit Cinder & Smoke, Naked As We Came und Trapeze Swinger gleich drei meiner Lieblingssongs im Set fehlten. Ansonsten aber: tadellos! Und zwar in jeder Hinsicht. Hervorragende Instrumentierung, harmonischer Wechsel von orchestraleren Stücken hin zu reduzierteren Titeln, ein ausgezeichneter Sound, ein Sam Beam, der stimmlich in Bestform war und sich nett und bescheiden präsentierte, eine exquisite Band, in der neben dem famosen Saxofonisten die Backgroundsängerin Rosie Thomas besonders zu gefallen wusste und ein fachkundiges und angenehmes Publikum. Die Zusammensetzung des Publikums war ohnehin eines der großen Themen, denn es waren unglaublich viele Amerikaner darunter, die größtenteil in Paris leben. Diese Tatsache führte zu dem Spruch des Abends:

"Are there any french people in the audience tonight??" (Sam Beam)

Mehr demnächst, dann auch lobende Worte zu Tim Kasher, der solo das Vorprogramm bestritt.

Setlist Iron & Wine, Theátre de L'Alhambra, Paris:

01: Rabbit Will Run
02: Woman King
03: Tree By The River
04: Arms Of A Thief
05: The Devil Never Sleeps
06: The Sea & The Rhythm
07: Big Burned Hand
08: Lovesong Of The Buzzard
09: Swans And The Swimming
10: Walking Far From Home
11: House By The Sea
12: Lion's Mane
13: Carousel
14: Me And Lazarus
15: Free Until They Cut Me Down
16: Fever Dream
17: Boy With A Coin

18: Flightless Bird, American Mouth (a cappella)



Iron & Wine, Wien, 10.02.11


Konzert: Iron & Wine (mit Tift Merritt)
Ort: WUK, Wien
Datum: 10.02.11
Zuschauer: restlos ausverkauft, 500
Konzertdauer: Tift Merritt 3o Minuten, Iron & Wine 100 Minuten

Wäre Sam Beam's Musik irgendwo in den Ecken härterer Musik verortet, würde man jetzt sagen, der Südstaatler hätte heute mit Iron & Wine alles niedergefegt. Aber so? Über den Weltschmerz hinweggetröstet? Unruhige Herzen versöhnt? Lauter Hilfsausdrücke! Am Besten ließe sich wohl eine Songzeile zitieren, die des Publikums Gemütszustand annähernd beschreibt: "Eyes wide open, naked as we came."
Aber um nicht das Ende entgegen jeder Tradition vorwegzunehmen alles schön der Reihe nach: Ich musste mich ordentlich beeilen, um rechtzeitig von der Uni ins glücklicherweise nur zehn Straßenbahnminuten entfernte WUK zu gelangen, wollte ich doch auch die als Support engagierte Songwriterin Tift Merritt sehen, von der an dieser Stelle bereits geschwärmt wurde.
Ging sich dann alles aus, es war aber auch schon dermaßen viel los, dass gute Plätze rar gesät waren und maibaumlange Kerle das Spiel zusätzlich erschwerten. Auch kein Problem, ich hatte mich schon darauf eingestellt, mir den Hals verrenken zu müssen, um Blicke auf die Frau erhaschen zu können.

Und ja: Tift Merritt ist eine ganz fesche, das hat auch unser Pariser Experte für weibliche Beine - Oliver Peel - schon bestätigt. Kommen wir also lieber zu den künstlerischen Vorzügen: Völlig alleine steht Madame Merritt auf der Bühne und bündelt in kargem Licht die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums. Ihre Stimme ist kräftig, klar und sehr bestimmt - und bot dennoch viel Raum für Projektion, Identifikation, Eigeninterpretation.

Drei Fremdwörter, die für diesen Auftritt von Bedeutung waren, Tifts Musik ist allerdings bodenständig im besten Sinne. Ihre Klasse beruht vor allem auf ihrem herausragenden Gesang und den Geschichten, die sie damit erzählt. Instrumentell setzt sie eher auf einfach gestrickte Songs und das ist durchaus auch etwas Gutes! Vor allem wenn mit Iron and Wine noch eine Band wartet, die bisweilen durchaus mit komplexen Strukturen herausfordert!

Und so wusste Tift Merritt an Gitarre und (bei zwei Songs) am Piano zu gefallen, spielte viel von ihrem aktuellen Werk See You On The Moon, sowie einige ältere Songs. All das begleitet von geäußertem Wohlgefallen der Menschen im Parkett. Und so ließ sich die sympathische Frau aus den Staaten ebenfalls nicht lumpen und meinte, sie hätte sich nie vorstellen können, einen solchen Anklang in Wien zu bekommen. Wenn sie also ihr Versprechen wahr macht und eines Tages an die Seine zieht, wäre man ihr in Wien jedenfalls nicht böse, wenn sie alle paar Monate mal in die Stadt kommt!

Nach einer halbstündigen Pause, die man dazu nutzte, vor die Maibäume zu gelangen, kamen dann Iron & Wine die Stiegen hinunter und bekamen gleich mal gewaltigen Applaus. Schön, dass sich die Leute zu solchen Vorschusslorbeeren hinreißen lassen, aber ob das wohl noch steigerbar ist?

Wird sich alles weisen, begonnen wurde das Set mit Rabbit Will Run, und bis auf etwaige Hasen lief alles wie am Schnürchen. Sam Beam zauberte mit seiner Stimme, der Sound war fast von Beginn an perfekt, die Damen und Herren an den Instrumenten in bester Laune - die Marschrichtung war von Anfang an klar.

Danach folgte - glaube ich - Red Dust, wobei ich mir nicht ganz sicher bin. Setlist.fm verkauft das in der übernommenen Setlist dennoch als Wahrheit, aber da ich entgegen der alten Weisheit auch selbstgefälschten Statistiken nicht traue, bleibts hier dabei: Kann auch ein anderes Stück vom Album mit Calexico gewesen sein!

Mit vielen neuen Stücken vom verstörend starken Album Kiss Each Other Clean und dem Besten aus dem bisherigen Werk ging es weiter, begeisternd die Ausgestaltung der Songs. Wie sich da Perkussionsinstrumente von einem Moment auf den anderen von treibenden Akteuren zu sanften Kuschlern wurden, wie das Saxophon sich zwischen laut und leise hin und her wog, Sam Beam's Stimme in Falsett und Flüsterton. Hm, schade, dass das englische "great" ethymologisch nicht ganz dem deutschen Gegenüber entspricht: Es war nämlich wirklich ganz große Kunst, nicht nur großartig, sondern Kunst! Und zwar keine verstaubte, sondern eine zum Angreifen. "Beautiful" kam es aus dem Publikum, zusätzlicher Ansporn für die Truppe auf der Bühne.

Was folgte war die derzeitige Single Walking Far From Home, die mit Jubel begrüßt wurde, der sehr schnell wieder abflaute. Nicht aus Enttäuschung oder so, nein, aus purem Selbstnutzen. Der singende Cineast trug den Song nämlich alleine und beinahe gehaucht vor. Da gab es keine fetten Backing-Chöre wie in der Studioversion, was es gab, das war Sam Beam. Und als der Song vermeintlich zu Ende war, schalteten sich die Musiker im Hintergrund ein und schraubten sich gemeinsam mit ihrem Vordermann in noisige Höhen, für ein paar Minuten meinte man, bei Mogwai und Konsorten zu sein.

Voll auf der Höhe der Zeit also Frontmann Beam, der, als eine kurze technische Pause vom Publikum für Songwünsche genutzt wurde, meinte, Vienna sei "still an idea city, full of surprises" (nette Ansage, danke!), sich dann umdrehte und ein paar Akkorde in Richtung seiner Hintermannschaft zupfte, um schließlich (wieder dem Publikum zugewandt) zu verkünden, die kurze bandinterne Konferenz sei beendet und dann halt doch einen ganz anderen Song als den gewünschten spielte. Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ ich einen Arbeitskreis! Dass da oftmals andere Ergebnisse, als vom Volk gewünscht, herauskommen können, ist ja nichts Neues...

Da Setlist und Dramaturgie im Aufbau aber allererste Klasse waren, gabs nichts zum Meckern, der Reihe nach wurden jetzt die Lieblingssongs abgefeuert, bis es dann eben hoch überzeugend hieß: "Eyes wide open, naked as we came."
Staunend und berührt, emotional völlig nackt (im Sprachgebrauch ehemaliger österreichischer Finanzminister auch: supernackt) stand man da, Iron & Wine waren ohne viel Federlesens verschwunden.

Und ein paar Minuten und crescendoartigen Beifall später wieder da. Zumindest Sam Beam, der ganz und gar nicht zynisch dankte, er könne wohl machen was er wolle und trotzdem den größten Applaus ernten, und was jetzt folgte war der stärkste Moment des gesamten Konzerts: Flightless Bird, American Mouth.
Totenstill war es, als er sang, was in meinen Augen der großartigste Song der Band ist. Und als mit dem letzten Ton diese gerührte Stille von einem über Becher stolpernden Besucher aufgehoben wurde, schnell allfällige Tränen aus dem Gesicht gewischt wurden und sich stattdessen glückliches Lächeln auf den Gesichtern breit machte, wusste man: Hätte Sam Beam auch noch Glad Man Singing angestimmt, hätte das auf alle Beteiligten zugetroffen.

Ein sehr gutes, furchtbar schönes Konzert, das alle Erwartungen erfüllt, die musikalische Neuerfindung bestätigt und alte Stärken ausgebaut hat. Auch wenn ihr Konzert in strömendem Regen am Frequency 2008 wohl noch einen Tick mehr an der Tür zur Ewigkeit kratzte, was Iron & Wine da im WUK ablieferten, wird 2011 wohl noch für viele als Maßstab herhalten müssen.

Setlist Iron & Wine, Wien:

01: Rabbit Will Run
02: Red Dust (?)
03: Big Burned Hand
04: House By The Sea
05: Love And Some Verses
06: Weary Memory
07: Boy With A Coin
08: Walking Far From Home
09: Cinder And Smoke
10: Tree By The River
11: In My Lady's House
12: Me And Lazarus
13: He Lays In The Reins
14: Burn That Broken Bed
15: Free Until They Me Down
16: Fever Dream
17: Naked As We Came

18: Flightless Bird, American Mouth (Z)


Die ersten beiden Fotos (Sam Beam in Farbe und Tift Merritt in s/w) stammen von Oliver Peel und sind Archivfotos aus Paris, die restlichen Bilder sind von Patrick und ebenjenem Abend im WUK. Danke euch!

Iron & Wine, Wien, 10.02.11


Konzert: Iron & Wine (mit Tift Merritt)
Ort: WUK, Wien
Datum: 10.02.11
Zuschauer: restlos ausverkauft, 500
Konzertdauer: Tift Merritt 3o Minuten, Iron & Wine 100 Minuten

Wäre Sam Beam's Musik irgendwo in den Ecken härterer Musik verortet, würde man jetzt sagen, der Südstaatler hätte heute mit Iron & Wine alles niedergefegt. Aber so? Über den Weltschmerz hinweggetröstet? Unruhige Herzen versöhnt? Lauter Hilfsausdrücke! Am Besten ließe sich wohl eine Songzeile zitieren, die des Publikums Gemütszustand annähernd beschreibt: "Eyes wide open, naked as we came."
Aber um nicht das Ende entgegen jeder Tradition vorwegzunehmen alles schön der Reihe nach: Ich musste mich ordentlich beeilen, um rechtzeitig von der Uni ins glücklicherweise nur zehn Straßenbahnminuten entfernte WUK zu gelangen, wollte ich doch auch die als Support engagierte Songwriterin Tift Merritt sehen, von der an dieser Stelle bereits geschwärmt wurde.
Ging sich dann alles aus, es war aber auch schon dermaßen viel los, dass gute Plätze rar gesät waren und maibaumlange Kerle das Spiel zusätzlich erschwerten. Auch kein Problem, ich hatte mich schon darauf eingestellt, mir den Hals verrenken zu müssen, um Blicke auf die Frau erhaschen zu können.

Und ja: Tift Merritt ist eine ganz fesche, das hat auch unser Pariser Experte für weibliche Beine - Oliver Peel - schon bestätigt. Kommen wir also lieber zu den künstlerischen Vorzügen: Völlig alleine steht Madame Merritt auf der Bühne und bündelt in kargem Licht die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums. Ihre Stimme ist kräftig, klar und sehr bestimmt - und bot dennoch viel Raum für Projektion, Identifikation, Eigeninterpretation.

Drei Fremdwörter, die für diesen Auftritt von Bedeutung waren, Tifts Musik ist allerdings bodenständig im besten Sinne. Ihre Klasse beruht vor allem auf ihrem herausragenden Gesang und den Geschichten, die sie damit erzählt. Instrumentell setzt sie eher auf einfach gestrickte Songs und das ist durchaus auch etwas Gutes! Vor allem wenn mit Iron and Wine noch eine Band wartet, die bisweilen durchaus mit komplexen Strukturen herausfordert!

Und so wusste Tift Merritt an Gitarre und (bei zwei Songs) am Piano zu gefallen, spielte viel von ihrem aktuellen Werk See You On The Moon, sowie einige ältere Songs. All das begleitet von geäußertem Wohlgefallen der Menschen im Parkett. Und so ließ sich die sympathische Frau aus den Staaten ebenfalls nicht lumpen und meinte, sie hätte sich nie vorstellen können, einen solchen Anklang in Wien zu bekommen. Wenn sie also ihr Versprechen wahr macht und eines Tages an die Seine zieht, wäre man ihr in Wien jedenfalls nicht böse, wenn sie alle paar Monate mal in die Stadt kommt!

Nach einer halbstündigen Pause, die man dazu nutzte, vor die Maibäume zu gelangen, kamen dann Iron & Wine die Stiegen hinunter und bekamen gleich mal gewaltigen Applaus. Schön, dass sich die Leute zu solchen Vorschusslorbeeren hinreißen lassen, aber ob das wohl noch steigerbar ist?

Wird sich alles weisen, begonnen wurde das Set mit Rabbit Will Run, und bis auf etwaige Hasen lief alles wie am Schnürchen. Sam Beam zauberte mit seiner Stimme, der Sound war fast von Beginn an perfekt, die Damen und Herren an den Instrumenten in bester Laune - die Marschrichtung war von Anfang an klar.

Danach folgte - glaube ich - Red Dust, wobei ich mir nicht ganz sicher bin. Setlist.fm verkauft das in der übernommenen Setlist dennoch als Wahrheit, aber da ich entgegen der alten Weisheit auch selbstgefälschten Statistiken nicht traue, bleibts hier dabei: Kann auch ein anderes Stück vom Album mit Calexico gewesen sein!

Mit vielen neuen Stücken vom verstörend starken Album Kiss Each Other Clean und dem Besten aus dem bisherigen Werk ging es weiter, begeisternd die Ausgestaltung der Songs. Wie sich da Perkussionsinstrumente von einem Moment auf den anderen von treibenden Akteuren zu sanften Kuschlern wurden, wie das Saxophon sich zwischen laut und leise hin und her wog, Sam Beam's Stimme in Falsett und Flüsterton. Hm, schade, dass das englische "great" ethymologisch nicht ganz dem deutschen Gegenüber entspricht: Es war nämlich wirklich ganz große Kunst, nicht nur großartig, sondern Kunst! Und zwar keine verstaubte, sondern eine zum Angreifen. "Beautiful" kam es aus dem Publikum, zusätzlicher Ansporn für die Truppe auf der Bühne.

Was folgte war die derzeitige Single Walking Far From Home, die mit Jubel begrüßt wurde, der sehr schnell wieder abflaute. Nicht aus Enttäuschung oder so, nein, aus purem Selbstnutzen. Der singende Cineast trug den Song nämlich alleine und beinahe gehaucht vor. Da gab es keine fetten Backing-Chöre wie in der Studioversion, was es gab, das war Sam Beam. Und als der Song vermeintlich zu Ende war, schalteten sich die Musiker im Hintergrund ein und schraubten sich gemeinsam mit ihrem Vordermann in noisige Höhen, für ein paar Minuten meinte man, bei Mogwai und Konsorten zu sein.

Voll auf der Höhe der Zeit also Frontmann Beam, der, als eine kurze technische Pause vom Publikum für Songwünsche genutzt wurde, meinte, Vienna sei "still an idea city, full of surprises" (nette Ansage, danke!), sich dann umdrehte und ein paar Akkorde in Richtung seiner Hintermannschaft zupfte, um schließlich (wieder dem Publikum zugewandt) zu verkünden, die kurze bandinterne Konferenz sei beendet und dann halt doch einen ganz anderen Song als den gewünschten spielte. Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ ich einen Arbeitskreis! Dass da oftmals andere Ergebnisse, als vom Volk gewünscht, herauskommen können, ist ja nichts Neues...

Da Setlist und Dramaturgie im Aufbau aber allererste Klasse waren, gabs nichts zum Meckern, der Reihe nach wurden jetzt die Lieblingssongs abgefeuert, bis es dann eben hoch überzeugend hieß: "Eyes wide open, naked as we came."
Staunend und berührt, emotional völlig nackt (im Sprachgebrauch ehemaliger österreichischer Finanzminister auch: supernackt) stand man da, Iron & Wine waren ohne viel Federlesens verschwunden.

Und ein paar Minuten und crescendoartigen Beifall später wieder da. Zumindest Sam Beam, der ganz und gar nicht zynisch dankte, er könne wohl machen was er wolle und trotzdem den größten Applaus ernten, und was jetzt folgte war der stärkste Moment des gesamten Konzerts: Flightless Bird, American Mouth.
Totenstill war es, als er sang, was in meinen Augen der großartigste Song der Band ist. Und als mit dem letzten Ton diese gerührte Stille von einem über Becher stolpernden Besucher aufgehoben wurde, schnell allfällige Tränen aus dem Gesicht gewischt wurden und sich stattdessen glückliches Lächeln auf den Gesichtern breit machte, wusste man: Hätte Sam Beam auch noch Glad Man Singing angestimmt, hätte das auf alle Beteiligten zugetroffen.

Ein sehr gutes, furchtbar schönes Konzert, das alle Erwartungen erfüllt, die musikalische Neuerfindung bestätigt und alte Stärken ausgebaut hat. Auch wenn ihr Konzert in strömendem Regen am Frequency 2008 wohl noch einen Tick mehr an der Tür zur Ewigkeit kratzte, was Iron & Wine da im WUK ablieferten, wird 2011 wohl noch für viele als Maßstab herhalten müssen.

Setlist Iron & Wine, Wien:

01: Rabbit Will Run
02: Red Dust (?)
03: Big Burned Hand
04: House By The Sea
05: Love And Some Verses
06: Weary Memory
07: Boy With A Coin
08: Walking Far From Home
09: Cinder And Smoke
10: Tree By The River
11: In My Lady's House
12: Me And Lazarus
13: He Lays In The Reins
14: Burn That Broken Bed
15: Free Until They Me Down
16: Fever Dream
17: Naked As We Came

18: Flightless Bird, American Mouth (Z)


Die ersten beiden Fotos (Sam Beam in Farbe und Tift Merritt in s/w) stammen von Oliver Peel und sind Archivfotos aus Paris, die restlichen Bilder sind von Patrick und ebenjenem Abend im WUK. Danke euch!

Iron & Wine, Köln, 09.02.11


Konzert: Iron & Wine (Tim Kasher, Mexican Elvis)

Ort: Gloria, Köln
Datum: 09.02.11

Zuschauer: gut beuscht, aber nicht asuverkauft
Konzertdauer: 1 Stunde 40 Minuten


Iron & Wine, der Mann, der mit Kiss Each Other Clean ein absolut sensationelles neues Album vorgelegt hat im Kölner Gloria und unser rasender Reporter Christoph ist leider verhindert! Aber das ist eure Chance. Wolltet ihr nicht schon immer mal einen Konzertbericht verfassen? Wer von unseren Lesern war im Gloria vor Ort? Wer kann uns berichten, wie es war?

Wir vom Konzerttagebuch suchen Verstärkung für unser Team, gerne auch in Hamburg und Berlin. Also seid keine Frösche, sondern seid dabei!

Aber wie war er denn nun der Sam Beam? Sicherlich großartig, oder etwa nicht??

So, Freunde, mein Aufruf hat erfreulicherweise gefruchtet und wir sind froh und dankbar, daß uns der gute Michael aus Düsseldorf seinen schönen Bericht zugesendet hat. Hier ist er:

Ich kann mir vorstellen mit welcher Liebe Sam Beam seine Live Band zusammenstellt, da wird nichts dem Zufall überlassen. Es befinden sich während des Konzerts mitunter 7 Musiker auf der Bühne, alle sind flexibel mit ihren Instrumenten. Das Highlight dabei die wunderbare zweite Stimme der einzigen Frau in der Band, für mich eine perfekte Ergänzung.

Aber fangen wir von vorne an: im letzten Jahr spielte Sam Beam solo ein fulminantes bestuhltes Konzert im Düsseldorfer Zakk. Er war bestens aufgelegt, flirtete viel mit dem Publikum und man merkte ihm an, das er wieder Spaß daran hatte, nach einer kreativen Pause auf der Bühne zu stehen. Konzert des Jahres - ganz klar.

Ein paar Monate später sind die Vorzeichen ein wenig anders, die neue Platte ist erschienen und die Kritiken sind zum Teil durchwachsen, auch mir hat der alte Stil besser gefallen, zu krampfhaft wird hier versucht, etwas Neues entstehen zu lassen. Nein, schlecht ist das neue Album mitunter nicht, nur kann ich nicht nachvollziehen, das die Stimme nicht mehr so prägnant im Vordergrund steht, das hat Iron & Wine doch immer so ausgezeichnet.

Das Gloria in Köln war gut besucht, wenn auch noch nicht lange ausverkauft, man könnte überall schön entspannt und ohne Gedränge stehen. gut so. Die Vorband Tim Kasher mit der Begleitband "The Mexican Elvis" habe ich 1/2 verpasst, das was ich hörte, kam bei mir und beim Publikum aber gut an, es machte Lust auf mehr.

"We play a lot of old songs new songs", so begann der Abend mit Iron & Wine. Oh ja, was freute ich mich auf die Konversationen mit dem Publikum, warum das allerdings nur am Anfang funktionierte, das bleibt mir ein Rätsel. Die Konzertdauer war mit fast einer Stunde und 40 Minuten überdurchschnittlich und kann in zwei Teile unterschieden werden. In der ersten Halbzeit war die Band auf Melodien bedacht, spielte viele fröhliche Songs, kaum einer dauerte länger wie gewohnt. In der zweiten Halbzeit drehte die Gruppe dann mächtig auf, kein Lied wurde mehr heruntergespielt, hier konnte man erkennen, wie gut diese Band funktioniert, mit einem tollen Sam Beam als Leader. Das Publikum war begeistert, aber nicht euphorisch, so lässt sich dieser Abend auch gut zusammenfassen. Was fehlte? Vielleicht ein paar Hits, vielleicht ein euphorisches Publikum, vielleicht ein ausgeschlafener Sam Beam, der irgendwie müde wirkte. Ich hätte mir als Zugabe noch ein paar "solo" Songs ohne Band gewünscht, wie in Düsseldorf, das wurde mir leider verwehrt.

Zum Abschied wurde dann als Zugabe "Boy With A Coin" gespielt, das ließ dann wirklich jeden Besucher zufrieden nach Hause gehen.

Eine 8/10 - ich habe trotzdem mehr erwartet.

Anmerkung: Die Fotos stammen aus dem Archiv.

Iron & Wine, Paris, 31.01.11
Iron & Wine, Haldern, 09.08.08
Iron & Wine, Paris, 19.01.08


Iron & Wine, Köln, 09.02.11


Konzert: Iron & Wine (Tim Kasher, Mexican Elvis)

Ort: Gloria, Köln
Datum: 09.02.11

Zuschauer: gut beuscht, aber nicht asuverkauft
Konzertdauer: 1 Stunde 40 Minuten


Iron & Wine, der Mann, der mit Kiss Each Other Clean ein absolut sensationelles neues Album vorgelegt hat im Kölner Gloria und unser rasender Reporter Christoph ist leider verhindert! Aber das ist eure Chance. Wolltet ihr nicht schon immer mal einen Konzertbericht verfassen? Wer von unseren Lesern war im Gloria vor Ort? Wer kann uns berichten, wie es war?

Wir vom Konzerttagebuch suchen Verstärkung für unser Team, gerne auch in Hamburg und Berlin. Also seid keine Frösche, sondern seid dabei!

Aber wie war er denn nun der Sam Beam? Sicherlich großartig, oder etwa nicht??

So, Freunde, mein Aufruf hat erfreulicherweise gefruchtet und wir sind froh und dankbar, daß uns der gute Michael aus Düsseldorf seinen schönen Bericht zugesendet hat. Hier ist er:

Ich kann mir vorstellen mit welcher Liebe Sam Beam seine Live Band zusammenstellt, da wird nichts dem Zufall überlassen. Es befinden sich während des Konzerts mitunter 7 Musiker auf der Bühne, alle sind flexibel mit ihren Instrumenten. Das Highlight dabei die wunderbare zweite Stimme der einzigen Frau in der Band, für mich eine perfekte Ergänzung.

Aber fangen wir von vorne an: im letzten Jahr spielte Sam Beam solo ein fulminantes bestuhltes Konzert im Düsseldorfer Zakk. Er war bestens aufgelegt, flirtete viel mit dem Publikum und man merkte ihm an, das er wieder Spaß daran hatte, nach einer kreativen Pause auf der Bühne zu stehen. Konzert des Jahres - ganz klar.

Ein paar Monate später sind die Vorzeichen ein wenig anders, die neue Platte ist erschienen und die Kritiken sind zum Teil durchwachsen, auch mir hat der alte Stil besser gefallen, zu krampfhaft wird hier versucht, etwas Neues entstehen zu lassen. Nein, schlecht ist das neue Album mitunter nicht, nur kann ich nicht nachvollziehen, das die Stimme nicht mehr so prägnant im Vordergrund steht, das hat Iron & Wine doch immer so ausgezeichnet.

Das Gloria in Köln war gut besucht, wenn auch noch nicht lange ausverkauft, man könnte überall schön entspannt und ohne Gedränge stehen. gut so. Die Vorband Tim Kasher mit der Begleitband "The Mexican Elvis" habe ich 1/2 verpasst, das was ich hörte, kam bei mir und beim Publikum aber gut an, es machte Lust auf mehr.

"We play a lot of old songs new songs", so begann der Abend mit Iron & Wine. Oh ja, was freute ich mich auf die Konversationen mit dem Publikum, warum das allerdings nur am Anfang funktionierte, das bleibt mir ein Rätsel. Die Konzertdauer war mit fast einer Stunde und 40 Minuten überdurchschnittlich und kann in zwei Teile unterschieden werden. In der ersten Halbzeit war die Band auf Melodien bedacht, spielte viele fröhliche Songs, kaum einer dauerte länger wie gewohnt. In der zweiten Halbzeit drehte die Gruppe dann mächtig auf, kein Lied wurde mehr heruntergespielt, hier konnte man erkennen, wie gut diese Band funktioniert, mit einem tollen Sam Beam als Leader. Das Publikum war begeistert, aber nicht euphorisch, so lässt sich dieser Abend auch gut zusammenfassen. Was fehlte? Vielleicht ein paar Hits, vielleicht ein euphorisches Publikum, vielleicht ein ausgeschlafener Sam Beam, der irgendwie müde wirkte. Ich hätte mir als Zugabe noch ein paar "solo" Songs ohne Band gewünscht, wie in Düsseldorf, das wurde mir leider verwehrt.

Zum Abschied wurde dann als Zugabe "Boy With A Coin" gespielt, das ließ dann wirklich jeden Besucher zufrieden nach Hause gehen.

Eine 8/10 - ich habe trotzdem mehr erwartet.

Anmerkung: Die Fotos stammen aus dem Archiv.

Iron & Wine, Paris, 31.01.11
Iron & Wine, Haldern, 09.08.08
Iron & Wine, Paris, 19.01.08


Iron & Wine, Paris, 31.01.11


Konzert: Iron & Wine

Ort: Maison de Radio France, Studios de France Inter, Black Session Lenoir
Datum: 31.01.2011

Zuschauer: ausverschenkt, etwa 250
Konzertdauer: eine Stunde


Jammerschade, daß ich die Black Session von Iron & Wine verpasst habe! Leute, die dabei waren, sprechen von einer beeindruckend schönen Vorstellung. Mein Freund Philippe D. hatte das Glück, der Show beizuwohnen und schildert uns auf französisch seine Impressionen. Merci! Ich fasse seine Worte in Stichpunkten kurz zusammen:

- Sam Beam aka Iron & Wine hat bisher sehr selten in Frankreich gespielt, lediglich zweimal in seiner ganzen Karriere. Eines dieser Konzert fand im Divan Du Monde statt. Ich hatte hier von dem wundervollen Gig berichtet.

- Sam hat gerade sein viertes Album Kiss Each Other Clean herausgebracht. Es ist reichhaltiger instrumentiert als die reduzierten Vorgänger, setzt auf Chorgesänge à la Beach Boys und wird teilweise sogar durch elektronische Elemente bereichert.

- das heutige Konzert fand jedoch in angespeckter Form statt. Weder Bass, noch Schlagzeug und nur 3 Begleitmusiker: Jim Baker (Banjo, Mandoline), Nick Luca von Calexico am Piano und Rosie Thomas als Backgroundsängerin.

- die ersten drei Stücke, Walking Far From Home, Woman King und Flightless Bird, American Mouth werden äußerst reduziert vorgetragen. Nur Sam mit Gitarre, bei Flightless Bird sogar fast gänzlich a capella. Magische Momente.

- dann stößt die Band hinzu und neue und alte Stücke halten sich die Waage. Der Sound ist brillant.

- eine Zugabe und welche! Das Kleinod Trapeze Swinger interpretiert Beam wieder ganz alleine und liefert einen der schönsten Songs ab, der je in diesem Radiostudio gespielt wurde.

Live report en français par Philippe D. Merci beaucoup!

Sam Beam, plus connu sous le nom d’Iron and Wine, se fait rare en France : jusqu’à lundi dernier, il n’avait joué en tout et pour tout que deux fois dans notre pays (dont un concert mémorable au Divan du Monde en janvier 2008). C’est dire l’intérêt qu’à suscité son passage dans les studios de Radio France en Black Session le 31 janvier.

Iron and Wine vient de sortir un quatrième album au titre attendrissant, Kiss Each Other Clean, qui voit sa musique s’éloigner encore davantage du folk pour gagner en orchestrations et en chœurs quasi « beach boysiens », le tout parsemé de cuivres et même de passages électro.

Pour cette prestation, Sam a pourtant choisi de jouer en formation légère : pas de batterie ni de basse, et seulement trois personnes l’accompagnent : Jim Baker (banjo, mandoline), Nick Luca (Calexico) au piano et autres claviers, ainsi qu’une choriste de choix en la personne de Rosie Thomas (connue pour ses albums et notamment pour un merveilleux duo avec Sufjan Stevens, The One I Love).

Et il commence son concert de manière encore plus dépouillée, la barbe toujours fournie et vêtu d’une veste en velours, seul à la guitare, pour interpréter Walking Far From Home (titre d’ouverture du nouvel album), puis Woman King et surtout, un Flightless Bird, American Mouth vocalement sur le fil, presque intégralement a cappella. Et tout de suite la magie opère.



Rejoint par ses trois acolytes, Sam Beam enchaîne alors les titres, alternant nouvelles chansons (notamment le très beau Tree by the River) et titres anciens. Comme souvent, en black session, les conditions d’écoute sont excellentes et le son magnifique.

Tout est réuni pour un final d’anthologie : Sam Beam revient seul faire un titre unique en rappel, et quel titre !

“Please, remember me happily
By the rosebush laughing
With bruises on my chin, the time when
We counted every black car passing
Your house beneath the hill
And up until someone caught us in the kitchen
With maps, a mountain range, a piggy bank
A vision too removed to mention…”

Les couplets de The Trapeze Swinger s’égrennent alors pendant près de 10 minutes, accompagnés par le jeu de guitare céleste du troubadour Texan. Sublime chanson, sublime interprétation.

Setlist Iron & Wine, Black Session,France Inter, Paris:

01: Walking far from home
02: Woman king
03: Flightless bird, american mouth
04: Tree by the river
05: Big burned hand
06: Love and some verses
07: Peace beneath the city
08: Half moon
09: He lays in reins
10: Glad man singing
11: My lady's house
12: Naked as we came

13: (Rappel) The Trapeze Swinger

Anmerkung: Pics aus dem Archiv bei Oliver Peel.

Links:

- English Review by Rockerparis with pics & video, click!
- Bloggerzar Eike vom Klienicum zum neuen Album von Iron & Wine, click!

Aus unsererm Archiv:

Iron & Wine, Haldern, 09.08.08
Iron & Wine, Paris, 19.01.08