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Patrick Wolf, Wien, 08.04.11


Konzert: Patrick Wolf & Rowdy Superstar
Ort: WUK, Wien
Datum: 08.04.11
Zuschauer: ausverkauft, mehr als 500
Konzertdauer: Patrick Wolf ca. 90 Minuten

Patrick Wolf und Wien, das ist eine Bilderbuch-Partnerschaft. Wie schon vor zwei Jahren war das WUK wieder in Rekordzeit ausverkauft und womit? Mit Recht. Der Engländer lieferte abermals ein tolles Konzert ab, das Publikum tat das Seinige dazu, am Ende stand einmal mehr ein maßstab-gleicher Abend. Mehr dazu (und Fotos) ganz bald!

Setlist Patrick Wolf, Wien, 08.04.11:

01 Armistice
02 Time Of My Life
03 To The Lighthouse
04 The Bachelor
05 Tristan
06 Accident & Emergency
07 Vulture
08 Souvenirs
09 Slouching Towards Bethlehem
10 House
11 The Bluebell
12 Bluebells
13 The Days
14 Who Will?
15 Together
16 Bermondsey Street
17 Magic Position

18 Hard Times (Z)
19 The City (Z)
20 Bloodbeat (Z)

Patrick Wolf, Wien, 08.04.11


Konzert: Patrick Wolf & Rowdy Superstar
Ort: WUK, Wien
Datum: 08.04.11
Zuschauer: ausverkauft, mehr als 500
Konzertdauer: Patrick Wolf ca. 90 Minuten

Patrick Wolf und Wien, das ist eine Bilderbuch-Partnerschaft. Wie schon vor zwei Jahren war das WUK wieder in Rekordzeit ausverkauft und womit? Mit Recht. Der Engländer lieferte abermals ein tolles Konzert ab, das Publikum tat das Seinige dazu, am Ende stand einmal mehr ein maßstab-gleicher Abend. Mehr dazu (und Fotos) ganz bald!

Setlist Patrick Wolf, Wien, 08.04.11:

01 Armistice
02 Time Of My Life
03 To The Lighthouse
04 The Bachelor
05 Tristan
06 Accident & Emergency
07 Vulture
08 Souvenirs
09 Slouching Towards Bethlehem
10 House
11 The Bluebell
12 Bluebells
13 The Days
14 Who Will?
15 Together
16 Bermondsey Street
17 Magic Position

18 Hard Times (Z)
19 The City (Z)
20 Bloodbeat (Z)

Iron & Wine, Wien, 10.02.11


Konzert: Iron & Wine (mit Tift Merritt)
Ort: WUK, Wien
Datum: 10.02.11
Zuschauer: restlos ausverkauft, 500
Konzertdauer: Tift Merritt 3o Minuten, Iron & Wine 100 Minuten

Wäre Sam Beam's Musik irgendwo in den Ecken härterer Musik verortet, würde man jetzt sagen, der Südstaatler hätte heute mit Iron & Wine alles niedergefegt. Aber so? Über den Weltschmerz hinweggetröstet? Unruhige Herzen versöhnt? Lauter Hilfsausdrücke! Am Besten ließe sich wohl eine Songzeile zitieren, die des Publikums Gemütszustand annähernd beschreibt: "Eyes wide open, naked as we came."
Aber um nicht das Ende entgegen jeder Tradition vorwegzunehmen alles schön der Reihe nach: Ich musste mich ordentlich beeilen, um rechtzeitig von der Uni ins glücklicherweise nur zehn Straßenbahnminuten entfernte WUK zu gelangen, wollte ich doch auch die als Support engagierte Songwriterin Tift Merritt sehen, von der an dieser Stelle bereits geschwärmt wurde.
Ging sich dann alles aus, es war aber auch schon dermaßen viel los, dass gute Plätze rar gesät waren und maibaumlange Kerle das Spiel zusätzlich erschwerten. Auch kein Problem, ich hatte mich schon darauf eingestellt, mir den Hals verrenken zu müssen, um Blicke auf die Frau erhaschen zu können.

Und ja: Tift Merritt ist eine ganz fesche, das hat auch unser Pariser Experte für weibliche Beine - Oliver Peel - schon bestätigt. Kommen wir also lieber zu den künstlerischen Vorzügen: Völlig alleine steht Madame Merritt auf der Bühne und bündelt in kargem Licht die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums. Ihre Stimme ist kräftig, klar und sehr bestimmt - und bot dennoch viel Raum für Projektion, Identifikation, Eigeninterpretation.

Drei Fremdwörter, die für diesen Auftritt von Bedeutung waren, Tifts Musik ist allerdings bodenständig im besten Sinne. Ihre Klasse beruht vor allem auf ihrem herausragenden Gesang und den Geschichten, die sie damit erzählt. Instrumentell setzt sie eher auf einfach gestrickte Songs und das ist durchaus auch etwas Gutes! Vor allem wenn mit Iron and Wine noch eine Band wartet, die bisweilen durchaus mit komplexen Strukturen herausfordert!

Und so wusste Tift Merritt an Gitarre und (bei zwei Songs) am Piano zu gefallen, spielte viel von ihrem aktuellen Werk See You On The Moon, sowie einige ältere Songs. All das begleitet von geäußertem Wohlgefallen der Menschen im Parkett. Und so ließ sich die sympathische Frau aus den Staaten ebenfalls nicht lumpen und meinte, sie hätte sich nie vorstellen können, einen solchen Anklang in Wien zu bekommen. Wenn sie also ihr Versprechen wahr macht und eines Tages an die Seine zieht, wäre man ihr in Wien jedenfalls nicht böse, wenn sie alle paar Monate mal in die Stadt kommt!

Nach einer halbstündigen Pause, die man dazu nutzte, vor die Maibäume zu gelangen, kamen dann Iron & Wine die Stiegen hinunter und bekamen gleich mal gewaltigen Applaus. Schön, dass sich die Leute zu solchen Vorschusslorbeeren hinreißen lassen, aber ob das wohl noch steigerbar ist?

Wird sich alles weisen, begonnen wurde das Set mit Rabbit Will Run, und bis auf etwaige Hasen lief alles wie am Schnürchen. Sam Beam zauberte mit seiner Stimme, der Sound war fast von Beginn an perfekt, die Damen und Herren an den Instrumenten in bester Laune - die Marschrichtung war von Anfang an klar.

Danach folgte - glaube ich - Red Dust, wobei ich mir nicht ganz sicher bin. Setlist.fm verkauft das in der übernommenen Setlist dennoch als Wahrheit, aber da ich entgegen der alten Weisheit auch selbstgefälschten Statistiken nicht traue, bleibts hier dabei: Kann auch ein anderes Stück vom Album mit Calexico gewesen sein!

Mit vielen neuen Stücken vom verstörend starken Album Kiss Each Other Clean und dem Besten aus dem bisherigen Werk ging es weiter, begeisternd die Ausgestaltung der Songs. Wie sich da Perkussionsinstrumente von einem Moment auf den anderen von treibenden Akteuren zu sanften Kuschlern wurden, wie das Saxophon sich zwischen laut und leise hin und her wog, Sam Beam's Stimme in Falsett und Flüsterton. Hm, schade, dass das englische "great" ethymologisch nicht ganz dem deutschen Gegenüber entspricht: Es war nämlich wirklich ganz große Kunst, nicht nur großartig, sondern Kunst! Und zwar keine verstaubte, sondern eine zum Angreifen. "Beautiful" kam es aus dem Publikum, zusätzlicher Ansporn für die Truppe auf der Bühne.

Was folgte war die derzeitige Single Walking Far From Home, die mit Jubel begrüßt wurde, der sehr schnell wieder abflaute. Nicht aus Enttäuschung oder so, nein, aus purem Selbstnutzen. Der singende Cineast trug den Song nämlich alleine und beinahe gehaucht vor. Da gab es keine fetten Backing-Chöre wie in der Studioversion, was es gab, das war Sam Beam. Und als der Song vermeintlich zu Ende war, schalteten sich die Musiker im Hintergrund ein und schraubten sich gemeinsam mit ihrem Vordermann in noisige Höhen, für ein paar Minuten meinte man, bei Mogwai und Konsorten zu sein.

Voll auf der Höhe der Zeit also Frontmann Beam, der, als eine kurze technische Pause vom Publikum für Songwünsche genutzt wurde, meinte, Vienna sei "still an idea city, full of surprises" (nette Ansage, danke!), sich dann umdrehte und ein paar Akkorde in Richtung seiner Hintermannschaft zupfte, um schließlich (wieder dem Publikum zugewandt) zu verkünden, die kurze bandinterne Konferenz sei beendet und dann halt doch einen ganz anderen Song als den gewünschten spielte. Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ ich einen Arbeitskreis! Dass da oftmals andere Ergebnisse, als vom Volk gewünscht, herauskommen können, ist ja nichts Neues...

Da Setlist und Dramaturgie im Aufbau aber allererste Klasse waren, gabs nichts zum Meckern, der Reihe nach wurden jetzt die Lieblingssongs abgefeuert, bis es dann eben hoch überzeugend hieß: "Eyes wide open, naked as we came."
Staunend und berührt, emotional völlig nackt (im Sprachgebrauch ehemaliger österreichischer Finanzminister auch: supernackt) stand man da, Iron & Wine waren ohne viel Federlesens verschwunden.

Und ein paar Minuten und crescendoartigen Beifall später wieder da. Zumindest Sam Beam, der ganz und gar nicht zynisch dankte, er könne wohl machen was er wolle und trotzdem den größten Applaus ernten, und was jetzt folgte war der stärkste Moment des gesamten Konzerts: Flightless Bird, American Mouth.
Totenstill war es, als er sang, was in meinen Augen der großartigste Song der Band ist. Und als mit dem letzten Ton diese gerührte Stille von einem über Becher stolpernden Besucher aufgehoben wurde, schnell allfällige Tränen aus dem Gesicht gewischt wurden und sich stattdessen glückliches Lächeln auf den Gesichtern breit machte, wusste man: Hätte Sam Beam auch noch Glad Man Singing angestimmt, hätte das auf alle Beteiligten zugetroffen.

Ein sehr gutes, furchtbar schönes Konzert, das alle Erwartungen erfüllt, die musikalische Neuerfindung bestätigt und alte Stärken ausgebaut hat. Auch wenn ihr Konzert in strömendem Regen am Frequency 2008 wohl noch einen Tick mehr an der Tür zur Ewigkeit kratzte, was Iron & Wine da im WUK ablieferten, wird 2011 wohl noch für viele als Maßstab herhalten müssen.

Setlist Iron & Wine, Wien:

01: Rabbit Will Run
02: Red Dust (?)
03: Big Burned Hand
04: House By The Sea
05: Love And Some Verses
06: Weary Memory
07: Boy With A Coin
08: Walking Far From Home
09: Cinder And Smoke
10: Tree By The River
11: In My Lady's House
12: Me And Lazarus
13: He Lays In The Reins
14: Burn That Broken Bed
15: Free Until They Me Down
16: Fever Dream
17: Naked As We Came

18: Flightless Bird, American Mouth (Z)


Die ersten beiden Fotos (Sam Beam in Farbe und Tift Merritt in s/w) stammen von Oliver Peel und sind Archivfotos aus Paris, die restlichen Bilder sind von Patrick und ebenjenem Abend im WUK. Danke euch!

Iron & Wine, Wien, 10.02.11


Konzert: Iron & Wine (mit Tift Merritt)
Ort: WUK, Wien
Datum: 10.02.11
Zuschauer: restlos ausverkauft, 500
Konzertdauer: Tift Merritt 3o Minuten, Iron & Wine 100 Minuten

Wäre Sam Beam's Musik irgendwo in den Ecken härterer Musik verortet, würde man jetzt sagen, der Südstaatler hätte heute mit Iron & Wine alles niedergefegt. Aber so? Über den Weltschmerz hinweggetröstet? Unruhige Herzen versöhnt? Lauter Hilfsausdrücke! Am Besten ließe sich wohl eine Songzeile zitieren, die des Publikums Gemütszustand annähernd beschreibt: "Eyes wide open, naked as we came."
Aber um nicht das Ende entgegen jeder Tradition vorwegzunehmen alles schön der Reihe nach: Ich musste mich ordentlich beeilen, um rechtzeitig von der Uni ins glücklicherweise nur zehn Straßenbahnminuten entfernte WUK zu gelangen, wollte ich doch auch die als Support engagierte Songwriterin Tift Merritt sehen, von der an dieser Stelle bereits geschwärmt wurde.
Ging sich dann alles aus, es war aber auch schon dermaßen viel los, dass gute Plätze rar gesät waren und maibaumlange Kerle das Spiel zusätzlich erschwerten. Auch kein Problem, ich hatte mich schon darauf eingestellt, mir den Hals verrenken zu müssen, um Blicke auf die Frau erhaschen zu können.

Und ja: Tift Merritt ist eine ganz fesche, das hat auch unser Pariser Experte für weibliche Beine - Oliver Peel - schon bestätigt. Kommen wir also lieber zu den künstlerischen Vorzügen: Völlig alleine steht Madame Merritt auf der Bühne und bündelt in kargem Licht die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums. Ihre Stimme ist kräftig, klar und sehr bestimmt - und bot dennoch viel Raum für Projektion, Identifikation, Eigeninterpretation.

Drei Fremdwörter, die für diesen Auftritt von Bedeutung waren, Tifts Musik ist allerdings bodenständig im besten Sinne. Ihre Klasse beruht vor allem auf ihrem herausragenden Gesang und den Geschichten, die sie damit erzählt. Instrumentell setzt sie eher auf einfach gestrickte Songs und das ist durchaus auch etwas Gutes! Vor allem wenn mit Iron and Wine noch eine Band wartet, die bisweilen durchaus mit komplexen Strukturen herausfordert!

Und so wusste Tift Merritt an Gitarre und (bei zwei Songs) am Piano zu gefallen, spielte viel von ihrem aktuellen Werk See You On The Moon, sowie einige ältere Songs. All das begleitet von geäußertem Wohlgefallen der Menschen im Parkett. Und so ließ sich die sympathische Frau aus den Staaten ebenfalls nicht lumpen und meinte, sie hätte sich nie vorstellen können, einen solchen Anklang in Wien zu bekommen. Wenn sie also ihr Versprechen wahr macht und eines Tages an die Seine zieht, wäre man ihr in Wien jedenfalls nicht böse, wenn sie alle paar Monate mal in die Stadt kommt!

Nach einer halbstündigen Pause, die man dazu nutzte, vor die Maibäume zu gelangen, kamen dann Iron & Wine die Stiegen hinunter und bekamen gleich mal gewaltigen Applaus. Schön, dass sich die Leute zu solchen Vorschusslorbeeren hinreißen lassen, aber ob das wohl noch steigerbar ist?

Wird sich alles weisen, begonnen wurde das Set mit Rabbit Will Run, und bis auf etwaige Hasen lief alles wie am Schnürchen. Sam Beam zauberte mit seiner Stimme, der Sound war fast von Beginn an perfekt, die Damen und Herren an den Instrumenten in bester Laune - die Marschrichtung war von Anfang an klar.

Danach folgte - glaube ich - Red Dust, wobei ich mir nicht ganz sicher bin. Setlist.fm verkauft das in der übernommenen Setlist dennoch als Wahrheit, aber da ich entgegen der alten Weisheit auch selbstgefälschten Statistiken nicht traue, bleibts hier dabei: Kann auch ein anderes Stück vom Album mit Calexico gewesen sein!

Mit vielen neuen Stücken vom verstörend starken Album Kiss Each Other Clean und dem Besten aus dem bisherigen Werk ging es weiter, begeisternd die Ausgestaltung der Songs. Wie sich da Perkussionsinstrumente von einem Moment auf den anderen von treibenden Akteuren zu sanften Kuschlern wurden, wie das Saxophon sich zwischen laut und leise hin und her wog, Sam Beam's Stimme in Falsett und Flüsterton. Hm, schade, dass das englische "great" ethymologisch nicht ganz dem deutschen Gegenüber entspricht: Es war nämlich wirklich ganz große Kunst, nicht nur großartig, sondern Kunst! Und zwar keine verstaubte, sondern eine zum Angreifen. "Beautiful" kam es aus dem Publikum, zusätzlicher Ansporn für die Truppe auf der Bühne.

Was folgte war die derzeitige Single Walking Far From Home, die mit Jubel begrüßt wurde, der sehr schnell wieder abflaute. Nicht aus Enttäuschung oder so, nein, aus purem Selbstnutzen. Der singende Cineast trug den Song nämlich alleine und beinahe gehaucht vor. Da gab es keine fetten Backing-Chöre wie in der Studioversion, was es gab, das war Sam Beam. Und als der Song vermeintlich zu Ende war, schalteten sich die Musiker im Hintergrund ein und schraubten sich gemeinsam mit ihrem Vordermann in noisige Höhen, für ein paar Minuten meinte man, bei Mogwai und Konsorten zu sein.

Voll auf der Höhe der Zeit also Frontmann Beam, der, als eine kurze technische Pause vom Publikum für Songwünsche genutzt wurde, meinte, Vienna sei "still an idea city, full of surprises" (nette Ansage, danke!), sich dann umdrehte und ein paar Akkorde in Richtung seiner Hintermannschaft zupfte, um schließlich (wieder dem Publikum zugewandt) zu verkünden, die kurze bandinterne Konferenz sei beendet und dann halt doch einen ganz anderen Song als den gewünschten spielte. Wenn ich nicht mehr weiterweiß, gründ ich einen Arbeitskreis! Dass da oftmals andere Ergebnisse, als vom Volk gewünscht, herauskommen können, ist ja nichts Neues...

Da Setlist und Dramaturgie im Aufbau aber allererste Klasse waren, gabs nichts zum Meckern, der Reihe nach wurden jetzt die Lieblingssongs abgefeuert, bis es dann eben hoch überzeugend hieß: "Eyes wide open, naked as we came."
Staunend und berührt, emotional völlig nackt (im Sprachgebrauch ehemaliger österreichischer Finanzminister auch: supernackt) stand man da, Iron & Wine waren ohne viel Federlesens verschwunden.

Und ein paar Minuten und crescendoartigen Beifall später wieder da. Zumindest Sam Beam, der ganz und gar nicht zynisch dankte, er könne wohl machen was er wolle und trotzdem den größten Applaus ernten, und was jetzt folgte war der stärkste Moment des gesamten Konzerts: Flightless Bird, American Mouth.
Totenstill war es, als er sang, was in meinen Augen der großartigste Song der Band ist. Und als mit dem letzten Ton diese gerührte Stille von einem über Becher stolpernden Besucher aufgehoben wurde, schnell allfällige Tränen aus dem Gesicht gewischt wurden und sich stattdessen glückliches Lächeln auf den Gesichtern breit machte, wusste man: Hätte Sam Beam auch noch Glad Man Singing angestimmt, hätte das auf alle Beteiligten zugetroffen.

Ein sehr gutes, furchtbar schönes Konzert, das alle Erwartungen erfüllt, die musikalische Neuerfindung bestätigt und alte Stärken ausgebaut hat. Auch wenn ihr Konzert in strömendem Regen am Frequency 2008 wohl noch einen Tick mehr an der Tür zur Ewigkeit kratzte, was Iron & Wine da im WUK ablieferten, wird 2011 wohl noch für viele als Maßstab herhalten müssen.

Setlist Iron & Wine, Wien:

01: Rabbit Will Run
02: Red Dust (?)
03: Big Burned Hand
04: House By The Sea
05: Love And Some Verses
06: Weary Memory
07: Boy With A Coin
08: Walking Far From Home
09: Cinder And Smoke
10: Tree By The River
11: In My Lady's House
12: Me And Lazarus
13: He Lays In The Reins
14: Burn That Broken Bed
15: Free Until They Me Down
16: Fever Dream
17: Naked As We Came

18: Flightless Bird, American Mouth (Z)


Die ersten beiden Fotos (Sam Beam in Farbe und Tift Merritt in s/w) stammen von Oliver Peel und sind Archivfotos aus Paris, die restlichen Bilder sind von Patrick und ebenjenem Abend im WUK. Danke euch!

Francis International Airport & Diver, Wien, 02.02.11

Konzert: Francis International Airport & Diver
Ort: WUK, Wien
Datum: 02.02.11
Zuschauer: mindestens 350

Dass es mir Anliegen ist, Francis International Airport auch den werten Lesern aus Köln und Paris ans Herz zu legen, dürfte in meinen Jahresbestenlisten durchgeklungen sein. Hier wird dieses mit einem Bericht des gestrigen Abends fortgesetzt, der einerseits ein wenig enttäuschte, andererseits auch neue Seiten der Melancholiker hervorkehrte und vor toller Kulisse stattfand.

Aber der Reihe nach: Die Agentur
ink.music hatte den Auftritt kurzfristig vom Foyer in den Hauptsaal des WUK verlegt, da er etwa eine Woche zuvor ausverkauft war. Schnelle Zungen behaupten gar, der Besuch europäischer Berufskollegen bei Österreichs größter Indie-Agentur hätte bei der Redimensionierung der Publikumskapazitäten eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Völlig egal eigentlich, man durfte sich auf den möglicherweise größten Auftritt von Francis International Airport in Wien freuen.

Als Support hatte man
Diver angekündigt, ebenfalls lokale Musiker, von denen ich zwar noch nie was gehört hatte, die aber sehr hübsche Songs darboten und dafür vom ausgesprochen gut gelaunten Publikum viel Applaus ernteten und das Wohlgefallen dazu nutzten, ihre soeben erschienene „selbst genähte“ EP No Release zu bewerben. Also der Ausdruck „einfach gestrickte Songs“ ist mir ja geläufig, was man unter einem genähten Tonträger versteht kann ich leider nicht berichten, da die EP nach dem Konzert ratzfatz ausverkauft war und mir nicht mal ein Blick auf das edle Teil vergönnt war.

Seis drum, vermutlich wird man noch öfter von Diver hören, die harmonisch sanften Songs erinnerten stark an eine Band, die in Form eines Covers auch gewürdigt wurde: an die
Kings of Convenience.

Publikumsdichte und Enthusiasmus in selbigem stiegen erwartungsgemäß mit Beginn der Hauptattraktion des Abends, die Verlegung in den Saal schien sich angesichts der mehreren hundert Besucher ausgezahlt zu haben.
Standesgemäß wurde das Set mit dem aktuellen Album-Opener
All Your Lines End In Me eröffnet, bevor gleich als zweiter Song mein Lieblingssong der neuen Platte gespielt wurde, Feet of Clay nämlich. Leider zeigte sich bereits hier, dass die Akustik und der Sound größerer Locations der Musik nicht wirklich zuträglich ist. Ist natürlich völlig subjektiv und man kann es den Herren von FIA auch nicht verdenken, dass sie vor größerem Publikum spielen wollen. Aber für mich jedenfalls nimmt der fast gezwungenermaßen breitere Sound viel von dem, was ich an dieser Band lieb gewonnen habe, er wirkt der brüchigen Stimme eines Markus Zahradnicek weite Strecken entgegen und lässt das gesamte Instrumentarium weniger fragil und zart klingen, als es auf dem Album der Fall ist. Und klar: das neue Album In the Woods baut generell auf wesentlich kräftigere Klangfarben auf, als es beim Erstling We are Jealous, we are Glass der Fall war. Man zitiert nunmehr andere Einflüsse (Grizzly Bear, Beach House) als zuvor (Death Cab for Cutie, The Shins) und hat viel, viel Geld aus privaten Ersparnissen in ein professionelles Studio gesteckt, um das Ergebnis möglichst perfekt klingen zu lassen. Und dennoch besaßen die drei Auftritte der Band, die ich im Herbst allesamt in kleineren Räumen gesehen hatte, genau die erwähnten Attribute.

Heute war der Lichtblick (apropos: die Lichttechnik war gewohnt großartig, FIA haben da einen hervorragenden Mann in der zweiten Reihe) in dieser Hinsicht Words on Logs, der einzige Song des alten Albums, der aktuell auf Konzerten zu hören ist. Auch der ist schon mal besser, ergreifender rübergekommen, stellte aber für mich dennoch das Highlight dar.

Weiter ging es mit neuerem Material, viel Anklang im Publikum fand – nach kurzen technischen Schwierigkeiten - besonders Amnesiacs, das mit „It’s gonna be a great great deal for all of us“ eine Textzeile aufweist, die – quasi ein aufgelegter Elfmeter – von einer Mehrzahl der Kritiker als Statement in ihre Rezensionen aufgenommen wurde. Vom heutigen Abend ließe sich allerdings eher Words on Logs zitieren: „What happened last night, I can’t remember?“

Gut, stimmt eigentlich nicht, ich habe das alles noch ziemlich gut im Kopf, auch die Setlist: Es folgte sehr bald die Single
Monsters, von der es übrigens ein ganz hervorragendes Video gibt, und dessen Popularität sich in hoher Publikumsbeteiligung niederschlug.

Ein Cover von
The Cure und zwar Lovesong wurde dann zum Besten gegeben, welches mir wirklich gut gefiel und der Menge im Saal ebenso. „You make me feel like I’m whole again…“
Wer sich an Parallelen zwischen
Zahradnicek und Robert Smith versuchen wollte, täte dies jedenfalls nicht völlig zu unrecht.
Bug stellte daraufhin den Schlusspunkt des regulären Sets dar, allzu lange zwangen die Franziskaner das Publikum aber dann nicht dazu, ihre überwältigenden Begeisterungsstürme durchzuhalten und standen rasch wieder auf der Bühne.

City of Fog, einer meiner anderen aktuellen Lieblinge, war somit Zugabe #1, erfüllte leider auch nicht ganz meine Erwartungen, meine Lieblingsstelle (nach gut 55 Sekunden, wers wissen will) fiel leider auch nicht so aus, wie ich sie im Herbst schon gehört hatte. versuchen

Scheint außer mir nicht großartig jemanden gestört zu haben, den Zuneigungsbekundungen der Besucher nach zu schließen, hat man es bei
Francis International Airport endgültig mit den Indie-Helden der Stadt zu tun.

Und so ging ein Konzert zu Ende, das auf der einen Seite großen Spaß machte, schließlich waren Menschen auf und vor der Bühne gleichermaßen voneinander angetan, andererseits mich zumindest mit einer Spur von Enttäuschung zurückließ. Ich will ja eigentlich auch gar nicht, dass das jetzt hochdramatisch klingt, ich kann mich ja auch sehr darüber freuen, dass die Band stetig bekannter und beliebter wird. Jedenfalls war der Auftritt nicht ganz nach meinem Geschmack, ich freue mich schon wieder auf kleinere Auftritte.
Und bis es soweit ist, darf weiterhin die Plattenspielernadel meine kaputtgeliebte
We are Jealous, we are Glass bearbeiten…

Setlist Francis International Airport, WUK, Wien:

01: All Your Lines End In Me
02: Feet of Clay
03: Words On Logs
04: Art of
Unlearning
05: Solaris
06: Amnesiacs
07: Pipeland
08: Monsters
09: Cure-Cover
10: Bug

11: City of Fog (Z)
12: Celluloid (Z)


Francis International Airport kommen übrigens im Frühjahr auch nach Deutschland, Holland und Belgien. Ausgewählte Termine:



19.04.11: Druckluft, Oberhausen
21.04.11: JOC, Ieper (BE)
22.04.11: Melkweg, Amsterdam
23.04.11: Lido, Berlin
24.04.11: Astra Stube, Hamburg
27.04.11: Hafen 2, Offenbach
06.05.11: Atomic Café, München

Bei den Fotos handelt es sich um Archivfotos von Patrick, aufgenommen im Haus der Musik letzten Oktober. Danke Patrick!