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Mixed up monday (15)

Das Anstarten der Woche fällt mir regelmässig schwer, zumal nach einem Wochenende, an dem mir (unter anderem) die Musik ein Gefühl von Schwerelosigkeit vermittelt hat. Mit Timnah Sommerfeldt und Cassy standen im Basler Presswerk zwei DJs an den Plattentellern, die mich über die letzten Jahre hinweg entweder mit ihren fein ausgesuchten Mixen oder durch ihre kunstfertigen Sets zwischen House und Techno beeindrucken konnten.

Einzig das Publikum, welches sich am vergangenen Abend im Presswerk eingefunden hatte, vermochte es, die überaus positive (Grund-)Gestimmtheit ein wenig zu trüben. Das beständige Hin- und Hergelaufe auf der Tanzfläche von irgendwelchen Halbstarken, die sich vielmehr um ihre Gelfrisur, Bling Bling-Ohrstecker und Holzperlenketten mit Kreuzanhänger kümmerten, denn sich auf die Musik der beiden Ladies einzulassen, nervte genauso wie die beinahe gellenden, gedehnten Pfiffe, welche diese unablässig ausstiessen.

Sich noch länger mit diesen Leuten gedanklich auseinander zu setzen, macht überhaupt keinen Sinn, zumal diese letzten Endes auch nur ihren Spass haben und ein klein wenig Abstand vom Alltag nehmen wollten. Dass ihre und meine Vorstellung von einer Clubnacht dabei ein wenig divergieren, liegt in der Natur der menschlichen Vielfalt. Daher geht's sogleich weiter zu der Handvoll Mixen, die ich in dieser Woche (weiter-)empfehlen möchte.


Zu Beginn sei auf den (Promo-)Mix des Italieners Leopoldo Rosa alias Lerosa hingewiesen. Sperrig, heiser, düster, vertrippt, acid, House und Techno. Gut. Sehr gut!

Lerosa April 2010 by Lerosa


Weiter geht's mit dem Mojuba-/a.r.t.less-Gründer Don Williams, der vor beinahe einer Woche seinen "Utopian House Mix" veröffentlichte. Eine Klangmixtur mit unheimlich viel Soul!

Don Williams - Utopian House Mix 10-04-10 by Mojuba Records


Überaus reizvoll und tieftrunken vom Soul ist auch der (allerdings schon aus dem Vorjahr stammende) Train Wreck Mix für die Red Bull Music Academy von Marcellus Pittman. Unter anderem spielt er darin auch "Solitary Flight" von Theo Parrish, unbestritten einer meiner liebsten Tracks. Absolute Hörempfehlung!

Marcellus Pittman (Unirhythm, Detroit) - Train Wreck Mix - Mr. Pittman's Vinyl Massage - 2009 by R_co


Joel Martin, der gemeinsam mit Matt Edwards (Radio Slave) unter dem Künstleralias Quiet Village mit dem Album "Silent Movie" für "feuchte Träume unter den Plattensammlern" gesorgt hat (Quelle: Quiet Village @ 78s.ch), stand für die Veranstaltungs- und Bookingagentur Warm an den Plattentellern und lieferte ein wunderbares Preview für die bevorstehende "Causes & Colours"-Party ab, genauso wie der jüngste Zugang bei Warm, mighty Cottam.

Joel Martin (Quiet Village) - Causes of Colour Mix by warmhq


Cottam - Causes of Colour Mix by warmhq


Geniale Mixe finden sich auch auf dem Soundcloud-Account von Brightons Richard Dugdale alias DJ Deek. Auf diesem veröffentlicht der Local Zero in regelmässigen Abständen Mixe voller Disco / Boogie / Funk, Edits oder Classics, und zeitgemässem Slow Motion House. Besonders angetan hat's mir sein April Mix. Check it out:

Local Zeros April Mix by Local Zeros


Zum Schluss sei noch auf den Mix des Bärenfunkers Max Essa hingewiesen, den er in seinem Salon De L'Herbe exklusiv für den Blog Testpressing eingespielt hat. "Twilight Horizontal" heisst dieser, anhören und herunterladen kann man ihn hier.


Das war's mal wieder von meiner Seite. Jetzt seid ihr dran.


English (short) version: Monday's a violent bitch that brutally punishes and tortures me. That's why there's nothing better to either beginnig or ending it with loads of good music. We have Lerosa, Don Williams, Cottam and a handful of disco boogie and slow motion house digger on mixing duties. Have fun!


P.S. Das heutige Bild stammt von Jacobo Garcia alias Robot Plays Guitar, der es auf seinem Flickr-Account erstveröffentlicht hat.

Wolf Music - Back From The Future

Ausgedehnte, wohlgepflegte Park- und anmutige Hügellandschaften, liebreizende, weitläufige Wiesen, Dörfer mit engen, verwinkelnden Gassen sowie markante Burgen und gotische Kathedralen bestimmen - Reiseprospektidylle lässt grüssen - das Bild vom Süden Englands. Somerset, Gloucestershire, Devon, Dorset und wie die Grafschaften alle heissen, bieten ein idyllisches Rückzugsgebiet für Aussteiger, Bohemians, Lebenskünstler, (angehende) Maler, Schriftsteller und Musiker. Kaum verwunderlich also, dass gerade in der Ruhe und Beschaulichkeit der englischen Countryside eine nahezu unüberschaubare Vielzahl an kleinteilig organisierter Produktions- und Labelgemeinschaften ent- bzw. bestehen, die - ganz 2.0. - untereinander bestens vernetzt sind.



Eine dieser Produktionsplattformen ist Wolf Music Recordings, ein Imprint, auf das ich schon viel früher hätte Bezug nehmen müssen. War das Debüt, "Dancing In Outer Space" annähernd noch pure underground, befreite spätestens die dritte 12", "I Wanna See All My Friends At Once" mit Tracks von The Revenge, Eddie C, KRL und BE aus dem gemütlichen Verborgenheitszustand.



Seit wenigen Tagen, genau genommen seit Montag, den 15. Februar 2010, ist die Wolf EP 004, "Back From The Future EP", erhältlich, mit Tracks von zwei neuen und zwei bekannten Gesichtern auf Wolf Music. Neben den (alt)gedienten KRL und Greymatter gesellen sich der Kroate Ilija Rudman sowie Cottam, der im vergangenen Jahr mit seiner EP-Reihe einen Begeisterungssturm für seine Herangehens- und Interpretationsweise zeitgenössischer elektronischer Clubmusik zu entfachen vermochte. Kaum geringer ist meine Schwärmerei für die "Back From The Future EP".



Motorisch vorantreibende Shuffles auf Ride-Becken und trockene, knallige Snares verleihen "Time" (von KRL) einen Uptempo-Charakter. Und mit dem ausdrucksstarken Bläser-Sample ("Horny Horns"), das nach dem Breakdown zum Einsatz kommt, zeigt er nach meinem Dafürhalten sehr schön die Verankerung (moderner) Clubmusik im Funk, Soul und Jazz auf:



WOLFEP004 KRL - Time (Snippet) by NYSoul



Greymatter geht auf "Seventh Disco" eine gelungene Verbindung von Soul, Funk und Disco sowie nach (Dub)Techno schielenden Elementen ein. Prägnante, sich wiederholende Synthesizer-Riffs, sphärische Pads im Hintergrund sowie perkussive Instrumentierungen verpacken das verhäckselte und geloopte Sample, welches motivgebend für diesen Track ist:



WOLFEP004 Greymatter - Seventh Disco (Snippet) by NYSoul



Cottam macht, was er am besten kann: er beschwört die auf Sampling basierende Arbeit (der Genre-Überväter Theo Parrish oder KDJ) - R'n'B- oder Soul-Sample auf einem leicht perkussiven, heruntergestrippten House-Beat:



WOLFEP004 Cottam - Down Low (Snippet) by NYSoul



Bleibt schliesslich noch Ilija Rudman mit "Who's Crying Now", ein Track mit einer zart-hymnischen Note, deren melodiöse Soundstruktur in den späten 70er / frühen 80er Jahren wurzelt:



WOLFEP004 01- Ilija Rudman-Who's Crying Now (snippet) by NYSoul



Top notch EP!



Mehr im Web:



Wolf Music Recordings @ MySpace

KRL @ MySpace

Greymatter @ MySpace

Ilija Rudman @ MySpace

Cottam @ MySpace

Ilija Rudman - Casual Joys

Wie übersetzt man "Casual Joys" am treffendsten ins Deutsche? Eine gute Dreiviertelstunde schlage ich mich bereits mit dem Versuch, dieses Wortpaar so korrekt und so wenig holprig wie möglich in meine Muttersprache zu übertragen. Doch ohne Erfolg. "Joys" lässt sich, ganz allgemein, mit Freuden wiedergeben, wobei der Begriffsumfang mehrere Bedeutungsebenen abdeckt, angefangen von weltlichen Freuden, vergängliche Freuden, trügerische Freuden, flüchtige Freuden, himmlische Freuden, wahre Freude, dauerhafte Freude, aber auch körperliche Freuden. "Casual" kann flüchtig, ungezwungen, gelegentlich, zwanglos oder unbeständig. "Casual" begegnet mir meist in Verbindung mit irgendwelchen Dresscode-Fragen, dem "casual friday" sowie "casual sex", Gelegenheitssex also, auch One-Night-Stand genannt.

Letztere Bedeutungsakzentuierung ist meines Erachtens auch die Richtung, die man einzuschlagen hat, um "Casual Joys" einem entsprechenden Ausdruck in der deutschen Sprache zuzuführen, nicht zuletzt, wenn man - und nun komme ich endlich zum Punkt - in die neue 12" auf Under The Shade reinhört. Das Vocal-Sample wird einem sofort auffallen, gesungen von einer Lady mit einer leicht rauchigen Stimme. "Love me, love me", haucht sie schmelzzart ins Mikrophon. Dass damit wohl kaum eine auf Dauer angelegte Beziehung gemeint ist, wissen wir Nachtschwärmer, die wir durchaus auch einmal einem hedonistischen Lebensstil frönen, nur zu gut.

Hinter "Casual Joys" steht der kroatische DJ und Produzent Ilija Rudman, den ich hier vor kurzem vorgestellt habe (http://keep-it-deep.blogspot.com/2009/11/ilija-rudman-night-people-instruments.html). Sein Song, auf der 12" der Original Mix, nimmt einen mit auf eine kurze Zeitreise in die 80er-Jahre. Einprägsam sind insbesondere das hart gespielte Piano, unterstützt von einer nicht minder markanten Bassline sowie den atmosphärischen Streichersynths im Hintergrund. Pete Herbert, der britische Leftfield Disco-Head, transferiert "Casual Joys" in eine Hochgeschwindigkeits-Elektrodisco-Nummer, die mir persönlich beim blossen hören nicht ganz so zusagt. Sein Remix ist sehr auf Tanzbarkeit getrimmt, dementsprechend bedarf es für ihn auch einen standesgemässen Clubkontext.

Auch ausserhalb dieses Clubkontexts funktioniert für mich - wie schon so oft - die Interpretation des Mannes aus Birmingham, Mark E. Mit seinem Remxi festigt er ein weiteres Mal seine Führungsposition unter den gegenwärtigen Slow Motion House- und Disco-Interpreten (wobei, einmal ist es Mark E, ein anderes mal The Revenge, dann wieder Eddie C. Genial sind sie alle!). Seit gestern gibt es sein Werk auf Soundcloud unter http://soundcloud.com/under-the-shade/ilija-rudman-casual-joys-mark-e-remix zum anhören. Kompakt, groove-orientiert, und mit einer beeindruckenden Portion Energie versehen, präsentiert er die "flüchtigen Freuden", die sich, müsste ich auf Englisch schreiben, mit lush washy synth driven slow motion house rework zusammenfassend umschreiben. Doch sag mir mal einer ein adäquates Wort für "synth driven"? Synthesizergetrieben hört sich einfach nicht gut an und wird auch den mächtigen Synthesizersounds, die Mark E in seinem Remix übereinanderschichtet, nicht gerecht. Killer tune!

"Casual Sounds" erscheint zudem noch als Instrumental, und wer sich die EP auf digitalem Weg besorgt, erhält zudem noch einen Remix von Jacques Renault.

Mehr im Web: