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Beirut, Festival Rock en Seine, Paris, 29.08.10


Konzert: Beirut

Ort: Domaine National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine bei Paris

Datum: 29.08.10

Zuschauer: mehrere zehntausend

Konzertdauer: etwa 50Minuten




Ja was denn nun? Ist Beirut jetzt total langweilig oder doch hoch spannend?


Da scheiden sich die Geister. Einige Musikfans, die die Festival- Auftritte von Beirut beim Haldern Pop und bei Rock en Seine gesehen hatten, äußerten sich ziemlich negativ. "Zum Einschlafen!, so ihr hartes Urteil. Andere wiederum schnalzten mit der Zunge und schwärmten von den herzerwärmenden Trompeten-Konzerten. Schwer zu sagen, wer recht hat. Gerade bei Festivals kommt es sicherlich auch darauf an, wo man sich auf dem Gelädne befindet. Wenn man weit weg ist und das Geschehen nur am Rande verfolgt, ist es nur logisch, daß die Sache an einem vorbeigeht. Am besten man ist nahe dran und bekommt neben der Musik auch noch die Mimik und die Gestik der Künstler mit. Bei einer Sophie Hunger beispielsweise kann ich mir gar nicht vorstellen, wie man mitfiebern will, wenn man die packende Mimik der Schweizerin nicht sieht (wie sie den Mund verzieht, leidet, explodiert, toll!).

Im Falle von Beirut bei Rock en Seine hieß es deshalb für mich: Mittendrin statt nur dabei! Ich ließ meinen Hunger Hunger sein (hat jetzt grad nix mit der Sophie zu tun) und stellte mich 40 (!) Minuten vor Beginn des Konzertes vor der Hauptbühne an. So etwas mache ich sonst nie, aber hier musste es sein, denn das Gelände der Domaine National de Saint Cloud ist so riesig, daß man von weitem die Akteure nur auf der Leinwand sehen kann. Ich wollte aber kein Kino, sondern ein richtiges Liveerlebnis. Also stand ich bereits um 17 Uhr 20 in der dritten Reihe und wartete auf Godot, ähem nein, auf Beirut natürlich! Viele Mädchen standen und saßen um mich rum, was darauf schließen lässt, daß Zach Condon mit seinem Lausbubencharme gut bei den Weibern ankommt. Dabei dachte ich immer, daß Frauen nicht auf Softies und Romantiker stehen, aber anscheinend gibt es Ausnahmen, wenn der Softie Trompete und Ukulele spielen kann. Nun gut.

Pünktlich um 18 Uhr kam dann Zach zusammen mit seiner Band wirklich auf die Bühne geschlichen, ein Köfferchen und einen Fotoapparat in der Hand. Wohl immer noch erstaunt darüber, inzwischen vor zigtausend Leuten zu spielen, schoß der Trompeten-Titan ein Foto von den Zuschauern. Dann ging es mit Schwung los. Im Nu wurde im Publikum zu Nantes geschunkelt und mitgesungen. Die Stimmung war prima und viele Mädchen kletterten auf die Schultern ihrer Freunde, um besser sehen zu können. Zach und seine Mitstreiter bliesen mit der Kraft der drei Trompeten den Leuten den Marsch. Der Drummer grinste währenddessen wie ein Honigkuchenpferd und der Akkordeonspieler erinerte mich mit seinen schwarzen Locken und dem blaßen Teint an Robert Smith. Eine lustige und hochsympathische Truppe! Der Chef selbst sprach in den Pausen zwischen den Songs immer mal wieder in gebrochenem französisch, was beim patriotischen Publikum sehr gut ankam. Schließlich hatte Zach eine ganze Weile in Paris gelebt und nicht nur Nantes, sondern auch Cherbourg, eine andere französische Stadt, besungen. Das Pariser Indiepublikum hat deshalb früh eine Liebesbeziehung zu Beirut aufgebaut, die auch durch tolle Videosessions mit der Blogothèque befeuert wurde. Daß der engelsgleiche Knabe aber vor solch vielen Leuten wie heute spielt, war neu. In ganz kleinen Locations hatte er angefangen und nun das: Ein Auftritt auf der Hauptbühne bei einem der größten Festivals in Frankreich! Sein berühmt-berüchtigtes Lampfenfieber schien Zach aber dennoch gut im Griff zu haben. Sein Gesang war fest und sicher und Trompete und Ukulele spielt er noch im Schlaf.

Das Set war songtechnisch gut durchgemischt, alte und neue Stücke hielten sich die Waage. Ich persönlich freute mich am meisten über Elephant Gun und Postcards From Italy, denn mit diesen melancholischen Liedern hatte ich den Künstler aus New Mexiko entdeckt. Am besten kam beim Publikum aber die Schlußphase an. Mit A Sunday Smile (von tausenden Kehlen mitgesungen), Mount Wroclai und dem berauschenden The Gulag Orkestar landete die Band einen lupenreinen Hattrick. Die Mädels jubelten und Zach verabschiedete sich auch noch mit einer charmantenLiebeserklärung: "Je vous aime."

Beirut mag in einem mittlgroßen Club zwar besser zu gefallen, seine Auftritte bei Festivals als langweilig zu bezeichnen, finde ich aber unfair.




Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar



Beirut, Festival Rock en Seine, Paris, 29.08.10


Konzert: Beirut

Ort: Domaine National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine bei Paris

Datum: 29.08.10

Zuschauer: mehrere zehntausend

Konzertdauer: etwa 50Minuten




Ja was denn nun? Ist Beirut jetzt total langweilig oder doch hoch spannend?


Da scheiden sich die Geister. Einige Musikfans, die die Festival- Auftritte von Beirut beim Haldern Pop und bei Rock en Seine gesehen hatten, äußerten sich ziemlich negativ. "Zum Einschlafen!, so ihr hartes Urteil. Andere wiederum schnalzten mit der Zunge und schwärmten von den herzerwärmenden Trompeten-Konzerten. Schwer zu sagen, wer recht hat. Gerade bei Festivals kommt es sicherlich auch darauf an, wo man sich auf dem Gelädne befindet. Wenn man weit weg ist und das Geschehen nur am Rande verfolgt, ist es nur logisch, daß die Sache an einem vorbeigeht. Am besten man ist nahe dran und bekommt neben der Musik auch noch die Mimik und die Gestik der Künstler mit. Bei einer Sophie Hunger beispielsweise kann ich mir gar nicht vorstellen, wie man mitfiebern will, wenn man die packende Mimik der Schweizerin nicht sieht (wie sie den Mund verzieht, leidet, explodiert, toll!).

Im Falle von Beirut bei Rock en Seine hieß es deshalb für mich: Mittendrin statt nur dabei! Ich ließ meinen Hunger Hunger sein (hat jetzt grad nix mit der Sophie zu tun) und stellte mich 40 (!) Minuten vor Beginn des Konzertes vor der Hauptbühne an. So etwas mache ich sonst nie, aber hier musste es sein, denn das Gelände der Domaine National de Saint Cloud ist so riesig, daß man von weitem die Akteure nur auf der Leinwand sehen kann. Ich wollte aber kein Kino, sondern ein richtiges Liveerlebnis. Also stand ich bereits um 17 Uhr 20 in der dritten Reihe und wartete auf Godot, ähem nein, auf Beirut natürlich! Viele Mädchen standen und saßen um mich rum, was darauf schließen lässt, daß Zach Condon mit seinem Lausbubencharme gut bei den Weibern ankommt. Dabei dachte ich immer, daß Frauen nicht auf Softies und Romantiker stehen, aber anscheinend gibt es Ausnahmen, wenn der Softie Trompete und Ukulele spielen kann. Nun gut.

Pünktlich um 18 Uhr kam dann Zach zusammen mit seiner Band wirklich auf die Bühne geschlichen, ein Köfferchen und einen Fotoapparat in der Hand. Wohl immer noch erstaunt darüber, inzwischen vor zigtausend Leuten zu spielen, schoß der Trompeten-Titan ein Foto von den Zuschauern. Dann ging es mit Schwung los. Im Nu wurde im Publikum zu Nantes geschunkelt und mitgesungen. Die Stimmung war prima und viele Mädchen kletterten auf die Schultern ihrer Freunde, um besser sehen zu können. Zach und seine Mitstreiter bliesen mit der Kraft der drei Trompeten den Leuten den Marsch. Der Drummer grinste währenddessen wie ein Honigkuchenpferd und der Akkordeonspieler erinerte mich mit seinen schwarzen Locken und dem blaßen Teint an Robert Smith. Eine lustige und hochsympathische Truppe! Der Chef selbst sprach in den Pausen zwischen den Songs immer mal wieder in gebrochenem französisch, was beim patriotischen Publikum sehr gut ankam. Schließlich hatte Zach eine ganze Weile in Paris gelebt und nicht nur Nantes, sondern auch Cherbourg, eine andere französische Stadt, besungen. Das Pariser Indiepublikum hat deshalb früh eine Liebesbeziehung zu Beirut aufgebaut, die auch durch tolle Videosessions mit der Blogothèque befeuert wurde. Daß der engelsgleiche Knabe aber vor solch vielen Leuten wie heute spielt, war neu. In ganz kleinen Locations hatte er angefangen und nun das: Ein Auftritt auf der Hauptbühne bei einem der größten Festivals in Frankreich! Sein berühmt-berüchtigtes Lampfenfieber schien Zach aber dennoch gut im Griff zu haben. Sein Gesang war fest und sicher und Trompete und Ukulele spielt er noch im Schlaf.

Das Set war songtechnisch gut durchgemischt, alte und neue Stücke hielten sich die Waage. Ich persönlich freute mich am meisten über Elephant Gun und Postcards From Italy, denn mit diesen melancholischen Liedern hatte ich den Künstler aus New Mexiko entdeckt. Am besten kam beim Publikum aber die Schlußphase an. Mit A Sunday Smile (von tausenden Kehlen mitgesungen), Mount Wroclai und dem berauschenden The Gulag Orkestar landete die Band einen lupenreinen Hattrick. Die Mädels jubelten und Zach verabschiedete sich auch noch mit einer charmantenLiebeserklärung: "Je vous aime."

Beirut mag in einem mittlgroßen Club zwar besser zu gefallen, seine Auftritte bei Festivals als langweilig zu bezeichnen, finde ich aber unfair.




Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar



Arcade Fire & Guests, 3. Festivaltag, Rock en Seine, 29.08.10


Konzert: Arcade Fire (u. a.)

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 29.08.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: netto oder brutto? Ohne oder mit Regenpause? 1 Stunde


Rock en seine = Flop en Seine! Anders kann man es wohl nicht ausdrücken. Zum vierten Mal hintereinander steckte beim Headliner des Pariser Festivals der Wurm drin. Im letzten Jahr prügelten sich die Gebrüder Gallagher kurz vor ihrem Auftritt und lösten Oasis ohne angetreten zu sein, gleich im Anschluß auf und in den beiden vorangegangenen Editionen sagte Amy Winhehouse in letzter Minute ab.

Heute gab es zumindest ein halbes Konzert. Die texanischen Kanadier (ihr wisst was ich meine) Arcade Fire performten 11 Songs, als während We Used To Wait ein heftiger Regen einsetzte, der bedingt durch böige Winde auf die Bühne fegte. Die warmduschenden Weicheier aus Montreal* brachen daraufhin nach Ende des Songs ab. Regine erklärte kichernd auf französisch, daß es zu gefährlich sei weiterzuspielen (ist das wie mit dem Fön, der in die Badewanne fällt? Stromschlag und so?) und schwuppdiwupp lagen Planen auf den Instrumenten. Die Band saß unterdessen im Warmen in der Kabine, während die Festivalbesucher tropfnass wurden. 10 Minuten später kamen die Musiker dann zurück und Optimisten (darunter auch ich; Pessimist = der einzige Mist auf dem nichts wächst) glaubten, daß es nun normal weitergehen würde. Großzügig verkündeten Régine und Win, daß sie versuchen würden, ein weiteres Liedchen für uns zu spielen und stimmten unter großem Jubel den Schunkel- und Mitgröhlsong Wake Up an. Die durchnässten Zuschauer summten aus voller Kehle mit, getreu dem Motto: " Wir lassen uns den Spaß nicht verderben, jetzt erst recht!" Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Band gemacht. Die nämlich machte nach dem Verklingen der letzten Note erneut den langen Schuh und winkte zum Abschluss (?!) noch einmal in die Menge. Ich glaubte zu viele halluzinogene Pilze gegessen zu haben. "Wie jetzt? Das war schon alles?" Wie gerne hätte ich jetzt das bandeigene Megaphon gehabt, um die Truppe augenblicklich aufzufordern, zurückzukommen. "Halt, stehengeblieben! Macht gefälligst weiter!" Mir wären schon die richtigen Sprüche eingefallen, aber mir stand nun einmal kein Megaphon zur Verfügung und meine lauten Buhrufe interessierten auch keinen Arsch. Schluß, aus, Ende! Das half auch kein treudoofes Warten und Hoffen, die Messe war gelesen. Nun ja, wenigstens hatten wir Intervention (allerdings ohne Kirchenorgel) geboten bekommen und auch noch ein paar andere Klassiker wie Laika oder No Cars Go. Aber 12 Lieder, darunter Neulinge wie Ready To Start (sehr guter Opener) waren eindeutig zu wenig. Es fehlten Kracher wie Rebellion, Tunnels, Power Out oder der fetzige Neuling Month Of March. Es war wie bei einem Coitus Interruptus. Man wurde heiß gemacht ohne Ende, durfte aber den Orgasmus nicht genießen. Ein scheiß Gefühl!

Rock en Seine = Flop en Seine! Blame it on the Veranstalter, die nicht gegen Regengüsse gewappnet sind?

Zum Glück waren vorher wenigstens die Oldies Roxy Music brillant und auch Beirut enttäuschten nicht...

Setlist Arcade Fire, Festival Rock en Seine 2010:

01: Ready To Start
02: Keep The Car Running
03: Neighborhood # 2 (Laika)
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Modern Man
07: Rococo
08: The Suburbs
09: Ocean Of Noise (mit Zach Condon von Beirut an der Trompete)
10: Intervention
11: We Used To Wait

12: Wake Up

* ist jetzt nur so ein Spruch, höchstwahrscheinlich war es wirklich zu riskant weiterzumachen. Und total naß waren sie auch.

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, 05.07.10 (bereits mit der Besprechung der neuen Lieder/chronique en français également)
Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07

Setlist Roxy Music, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Re-Make/Re-Model
02: Out Of The Blue
03: While My Heart Is Still Beating
04: Avalon
05: Ladytron
06: Song For Europe (en partie en français)
07: In Every Dream Home A Heartache
08: Love Is The Drug
09: Editions Of You
10: Do The Strand

11: Let's Stick Together
12: Jealous Guy

Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar


Arcade Fire & Guests, 3. Festivaltag, Rock en Seine, 29.08.10


Konzert: Arcade Fire (u. a.)

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 29.08.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: netto oder brutto? Ohne oder mit Regenpause? 1 Stunde


Rock en seine = Flop en Seine! Anders kann man es wohl nicht ausdrücken. Zum vierten Mal hintereinander steckte beim Headliner des Pariser Festivals der Wurm drin. Im letzten Jahr prügelten sich die Gebrüder Gallagher kurz vor ihrem Auftritt und lösten Oasis ohne angetreten zu sein, gleich im Anschluß auf und in den beiden vorangegangenen Editionen sagte Amy Winhehouse in letzter Minute ab.

Heute gab es zumindest ein halbes Konzert. Die texanischen Kanadier (ihr wisst was ich meine) Arcade Fire performten 11 Songs, als während We Used To Wait ein heftiger Regen einsetzte, der bedingt durch böige Winde auf die Bühne fegte. Die warmduschenden Weicheier aus Montreal* brachen daraufhin nach Ende des Songs ab. Regine erklärte kichernd auf französisch, daß es zu gefährlich sei weiterzuspielen (ist das wie mit dem Fön, der in die Badewanne fällt? Stromschlag und so?) und schwuppdiwupp lagen Planen auf den Instrumenten. Die Band saß unterdessen im Warmen in der Kabine, während die Festivalbesucher tropfnass wurden. 10 Minuten später kamen die Musiker dann zurück und Optimisten (darunter auch ich; Pessimist = der einzige Mist auf dem nichts wächst) glaubten, daß es nun normal weitergehen würde. Großzügig verkündeten Régine und Win, daß sie versuchen würden, ein weiteres Liedchen für uns zu spielen und stimmten unter großem Jubel den Schunkel- und Mitgröhlsong Wake Up an. Die durchnässten Zuschauer summten aus voller Kehle mit, getreu dem Motto: " Wir lassen uns den Spaß nicht verderben, jetzt erst recht!" Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Band gemacht. Die nämlich machte nach dem Verklingen der letzten Note erneut den langen Schuh und winkte zum Abschluss (?!) noch einmal in die Menge. Ich glaubte zu viele halluzinogene Pilze gegessen zu haben. "Wie jetzt? Das war schon alles?" Wie gerne hätte ich jetzt das bandeigene Megaphon gehabt, um die Truppe augenblicklich aufzufordern, zurückzukommen. "Halt, stehengeblieben! Macht gefälligst weiter!" Mir wären schon die richtigen Sprüche eingefallen, aber mir stand nun einmal kein Megaphon zur Verfügung und meine lauten Buhrufe interessierten auch keinen Arsch. Schluß, aus, Ende! Das half auch kein treudoofes Warten und Hoffen, die Messe war gelesen. Nun ja, wenigstens hatten wir Intervention (allerdings ohne Kirchenorgel) geboten bekommen und auch noch ein paar andere Klassiker wie Laika oder No Cars Go. Aber 12 Lieder, darunter Neulinge wie Ready To Start (sehr guter Opener) waren eindeutig zu wenig. Es fehlten Kracher wie Rebellion, Tunnels, Power Out oder der fetzige Neuling Month Of March. Es war wie bei einem Coitus Interruptus. Man wurde heiß gemacht ohne Ende, durfte aber den Orgasmus nicht genießen. Ein scheiß Gefühl!

Rock en Seine = Flop en Seine! Blame it on the Veranstalter, die nicht gegen Regengüsse gewappnet sind?

Zum Glück waren vorher wenigstens die Oldies Roxy Music brillant und auch Beirut enttäuschten nicht...

Setlist Arcade Fire, Festival Rock en Seine 2010:

01: Ready To Start
02: Keep The Car Running
03: Neighborhood # 2 (Laika)
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Modern Man
07: Rococo
08: The Suburbs
09: Ocean Of Noise (mit Zach Condon von Beirut an der Trompete)
10: Intervention
11: We Used To Wait

12: Wake Up

* ist jetzt nur so ein Spruch, höchstwahrscheinlich war es wirklich zu riskant weiterzumachen. Und total naß waren sie auch.

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, 05.07.10 (bereits mit der Besprechung der neuen Lieder/chronique en français également)
Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07

Setlist Roxy Music, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Re-Make/Re-Model
02: Out Of The Blue
03: While My Heart Is Still Beating
04: Avalon
05: Ladytron
06: Song For Europe (en partie en français)
07: In Every Dream Home A Heartache
08: Love Is The Drug
09: Editions Of You
10: Do The Strand

11: Let's Stick Together
12: Jealous Guy

Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar


Beirut, Haldern-Festival, 13.08.10


Konzert: Beirut
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 13.08.2010
Dauer: 65 min


Beirut habe ich lange unterschätzt. Man muß schließlich nicht jedem Hype hinterherhechten, dachte ich wohl, als alle plötzlich ihre Leidenschaft für Balkan-Pop entdeckten. Jeder Hauch Weltmusik ist mir schon immer suspekt - dummerweise funktionierten meine Reflexe bei der Band des Zach Condon irgendwann nicht mehr und ich begann Spaß an den herrlichen Ukulelen und Blechbläsern zu bekommen.

Ähnlich verlief auch mein vor Haldern einziges Konzert der Band. In der Kölner Philharmonie gefiel mir der Auftritt gut, bis dann die Zugaben so unglaublich fabelhaft waren, daß Beirut von da ein einen Stammplatz in meinem musikalischen Herzen hatten.

Auf Beiruts Auftritt in Haldern hatte ich mich sehr gefreut. Mein Festival war vorher nicht richtig glücklich verlaufen. Den Donnerstag erlebte ich vor der Einlaßkontrolle wartend und hoffend, vielleicht doch ins Zelt zu kommen, weil das Vergnügen, neben der Flaschensammelfamilie, die gerade ihre Erträge sortierte, Konzerte auf Leinwand zu verfolgen, eher begrenzt ist.

Beirut war schließlich mein zweites Konzert beim diesjährigen Festival...

Vorher hatten mich Mumford & Sons ordentlich beeindruckt. Musikalisch gehören beide Bands sicher in die gleiche Kategorie, nicht nur wegen des Einsatzes ähnlicher Instrumente. Den Gegensatz zum Folkpop der Briten machten Beirut allerdings schnell deutlich, die Walzer- und Polka-Rhythmen ihrer Lieder, die die Musik spannend, weil ungewohnt, aber eben auch unabhängig davon reizvoll machen.

Hätte man mir mit 18 gesagt, daß ich irgendwann mal eine Art volkstümliche Musik mit Tuba und Akkordeon im 3/4 Takt hören würde, wäre ich vermutlich handgreiflich geworden. Als erste "long time, longe time" von Nantes anklang, war ich aber wieder mittendrin in der Hitparade der Volksmusik, und sie gefiel mir außerordentlich gut!

Wie der andere Headliner The National hatten auch Beirut früh technische Probleme. Nach dem zweiten Stück gab es Ärger mit der Ukulele (ein Satz, den man bei Rock am Ring Berichten vermutlich nie lesen kann). Zach stimmte mit seinen Kollegen eine Änderung ab und spielte erst
Mimizan. Wie ich beim Rockpalast gesehen habe, sollte wohl ursprünglich zunächst Elephant gun kommen. Überhaupt unterschied sich das, was Beirut letztlich spielten, deutlich von dem (veröffentlichten), was vorher geplant war. Wir wären zum Beispiel nicht in den Genuß des fabelhaften Mount Wroclai gekommen!

Die stärksten Momente hat ein Beirut-Konzert, wenn es ordentlich scheppert, wenn dem Publikum Breitseite um Breitseite Blechbläser um die Ohren gehauen werden. Mit dem Einsatz von teilweise gleich drei Trompeten gleichzeitig lagen Beirut eh mitten im diesjährigen Haldern Trend. Es gibt nämlich jedes Jahr das eine dominierende Instrument. Im vorletzten Jahr waren Geigen in, 2009 Loopmaschinen und jetzt Blasinstrumente, vor allem aus Blech.

Auch wenn viele Lieder, die gespielt wurden, laut arrangiert waren - Ruhiges wie
A Sunday smile bildete die Ausnahme - fehlte dem Konzert selbst das ein oder andere Dezibel. Oft war der amerikanische Sänger schlechter zu verstehen als die holländischen Frauen neben mir. Was helfen da die schönsten Instrumentierungen und die schmachtendsten Gesangseinlagen, wenn sie mangels Lautstärke flach klingen?

So leise, auch im Verhältnis Stimme zu Instrumenten, wirkt pompöse Musik nicht, der Auftritt lief weitestgehend ins Leere. Dabei waren im Set genug Lieder, die ein wahnsinnig tolles Konzert garantiert hätten. Ein wenig war der zweite Abend dann also auch wieder wie der Donnerstag - es hatte etwas von Leinwand-Konzerten.

Vielleicht wirkte Beirut aber auch deshalb etwas flach, weil vorher Marcus Mumford & Sons den Maßstab verflucht hoch angesetzt hatten, kein Wunder also, daß der Headliner auch eine Ecke weniger Besucher als die Band vorher hatte!


Setlist Beirut, Haldern-Festival:

01: Nantes
02: The shrew
03: Mimizan
04: Elephant gun
05: Postcards from Italy
06: Scenic world
07: East Harlem
08: Cocec
09: The concubine
10: Cherbourg
11: The Akara
12: A Sunday smile
13: Closing song
14: The penalty
15: Mount Wroclai (Idle days)
16: The Gulag Orkestar

17: Carousels (Z)


Beirut, Haldern-Festival, 13.08.10


Konzert: Beirut
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 13.08.2010
Dauer: 65 min


Beirut habe ich lange unterschätzt. Man muß schließlich nicht jedem Hype hinterherhechten, dachte ich wohl, als alle plötzlich ihre Leidenschaft für Balkan-Pop entdeckten. Jeder Hauch Weltmusik ist mir schon immer suspekt - dummerweise funktionierten meine Reflexe bei der Band des Zach Condon irgendwann nicht mehr und ich begann Spaß an den herrlichen Ukulelen und Blechbläsern zu bekommen.

Ähnlich verlief auch mein vor Haldern einziges Konzert der Band. In der Kölner Philharmonie gefiel mir der Auftritt gut, bis dann die Zugaben so unglaublich fabelhaft waren, daß Beirut von da ein einen Stammplatz in meinem musikalischen Herzen hatten.

Auf Beiruts Auftritt in Haldern hatte ich mich sehr gefreut. Mein Festival war vorher nicht richtig glücklich verlaufen. Den Donnerstag erlebte ich vor der Einlaßkontrolle wartend und hoffend, vielleicht doch ins Zelt zu kommen, weil das Vergnügen, neben der Flaschensammelfamilie, die gerade ihre Erträge sortierte, Konzerte auf Leinwand zu verfolgen, eher begrenzt ist.

Beirut war schließlich mein zweites Konzert beim diesjährigen Festival...

Vorher hatten mich Mumford & Sons ordentlich beeindruckt. Musikalisch gehören beide Bands sicher in die gleiche Kategorie, nicht nur wegen des Einsatzes ähnlicher Instrumente. Den Gegensatz zum Folkpop der Briten machten Beirut allerdings schnell deutlich, die Walzer- und Polka-Rhythmen ihrer Lieder, die die Musik spannend, weil ungewohnt, aber eben auch unabhängig davon reizvoll machen.

Hätte man mir mit 18 gesagt, daß ich irgendwann mal eine Art volkstümliche Musik mit Tuba und Akkordeon im 3/4 Takt hören würde, wäre ich vermutlich handgreiflich geworden. Als erste "long time, longe time" von Nantes anklang, war ich aber wieder mittendrin in der Hitparade der Volksmusik, und sie gefiel mir außerordentlich gut!

Wie der andere Headliner The National hatten auch Beirut früh technische Probleme. Nach dem zweiten Stück gab es Ärger mit der Ukulele (ein Satz, den man bei Rock am Ring Berichten vermutlich nie lesen kann). Zach stimmte mit seinen Kollegen eine Änderung ab und spielte erst
Mimizan. Wie ich beim Rockpalast gesehen habe, sollte wohl ursprünglich zunächst Elephant gun kommen. Überhaupt unterschied sich das, was Beirut letztlich spielten, deutlich von dem (veröffentlichten), was vorher geplant war. Wir wären zum Beispiel nicht in den Genuß des fabelhaften Mount Wroclai gekommen!

Die stärksten Momente hat ein Beirut-Konzert, wenn es ordentlich scheppert, wenn dem Publikum Breitseite um Breitseite Blechbläser um die Ohren gehauen werden. Mit dem Einsatz von teilweise gleich drei Trompeten gleichzeitig lagen Beirut eh mitten im diesjährigen Haldern Trend. Es gibt nämlich jedes Jahr das eine dominierende Instrument. Im vorletzten Jahr waren Geigen in, 2009 Loopmaschinen und jetzt Blasinstrumente, vor allem aus Blech.

Auch wenn viele Lieder, die gespielt wurden, laut arrangiert waren - Ruhiges wie
A Sunday smile bildete die Ausnahme - fehlte dem Konzert selbst das ein oder andere Dezibel. Oft war der amerikanische Sänger schlechter zu verstehen als die holländischen Frauen neben mir. Was helfen da die schönsten Instrumentierungen und die schmachtendsten Gesangseinlagen, wenn sie mangels Lautstärke flach klingen?

So leise, auch im Verhältnis Stimme zu Instrumenten, wirkt pompöse Musik nicht, der Auftritt lief weitestgehend ins Leere. Dabei waren im Set genug Lieder, die ein wahnsinnig tolles Konzert garantiert hätten. Ein wenig war der zweite Abend dann also auch wieder wie der Donnerstag - es hatte etwas von Leinwand-Konzerten.

Vielleicht wirkte Beirut aber auch deshalb etwas flach, weil vorher Marcus Mumford & Sons den Maßstab verflucht hoch angesetzt hatten, kein Wunder also, daß der Headliner auch eine Ecke weniger Besucher als die Band vorher hatte!


Setlist Beirut, Haldern-Festival:

01: Nantes
02: The shrew
03: Mimizan
04: Elephant gun
05: Postcards from Italy
06: Scenic world
07: East Harlem
08: Cocec
09: The concubine
10: Cherbourg
11: The Akara
12: A Sunday smile
13: Closing song
14: The penalty
15: Mount Wroclai (Idle days)
16: The Gulag Orkestar

17: Carousels (Z)