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Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10



Konzert: Arcade Fire
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 29.11.2010
Zuschauer: 5.000 (?)
Dauer: Arcade Fire 95 min, Fucked Up unerträgliche 30 min


Ausgerechnet heute brach der Winter in Westdeutschland ein. Viel zu viel Schnee auf den Straßen, jede Vernunft sprach gegen eine Fahrt nach Düsseldorf, bloß um ein Konzert zu sehen. Allerdings sind Arcade Fire seltener als Schneetage, und dann ist es um die Vernunft eben schnell geschehen.

Ich hatte mich lange nicht mehr so sehr auf ein Konzert gefreut, vor allem seit ich in den letzten Tagen nach viel zu langer Zeit wieder einmal die beiden ersten Platten der Kanadier gehört hatte, die ohne Zweifel zu den großen Meisterwerken unserer Generation gehören. 2005 hatte ich das große Glück, die Band im Gebäude 9 in Köln zu sehen, gerade als ihr Stern in Europa kräftig aufging. Sehr sicher war der wilde Auftritt eines der besten Konzerte meines Lebens. Im Gegensatz zu vielen anderen Musiksternen verglühten Régine & Win und ihre Kollegen aber nicht sofort wieder. Auch wenn das aktuelle Album der Band nur das drittbeste ist, sind Arcade Fire gut und relevant wie vor fünf Jahren.

Trotzdem fragte ich mich in der Umbaupause nach der scheußlichen Vorgruppe Fucked Up (sicherlich nur zugezogene Kanadier), ob der Abend nicht vielleicht doch enttäuschend werden könnte. Vieles des eben Beschriebenen gilt ja schließlich auch
für Interpol, und die hatten mich vor einer Woche leider gar nicht vom Hocker gerissen.

Um 21.20 Uhr waren diese Zweifel weg, und zwar restlos! Denn in der Zwischenzeit hatten Arcade Fire Ready to start, Keep the car running,
Laïka und No cars go gespielt, vier sagenhafte Kracher, wie sie nur wenige Bands am Anfang eines Konzerts verbraten können. Klotzen statt Kleckern also...

Arcade Fire traten zu acht auf, also das Ehepaar Régine & Win, Wins Bruder Will Butler, Richard Parry, Tim Kingsbury, Geigerin Sarah Neufeld, Schlagzeuger Jeremy Gara und ein zweiter Geiger (denke ich). Die Band begeistert mich seit jeher durch die reibungslosen Positionswechsel zwischen den Stücken. Es gibt Gruppen, bei denen es zur Show gehört, ab und zu die Instrumente zu wechseln, bei den Kanadiern wirkt das alles vollkommen sinnvoll und stimmig. Es begann noch relativ harmlos mit zwei Gitarren, zwei Keyboardern, Bass, Geige und Schlagzeug. Nur Régine Chassagne fiel aus der Reihe, weil sie an einem zweiten Trommelset saß. Nach Ready to start eilten nicht ein sondern drei Helfer mit gestimmten Instrumenten auf die Bühne. Es war eine perfekte Logistik im Hintergrund, die die komplizierten Umarrangements möglich machte, man merkte
keine Hänger zwischen den Stücken, obwohl die Aufstellung nie die gleiche wie beim abgelaufenen Lied war. Kanada ist eben eine Eishockey-Nation und fliegende Wechsel gewohnt.

Beim zweiten Lied (Keep the car running) spielte Régine Drehleier, Win Laute (glaube ich), dazu gab es zwei Geigen. Laïka benötigte drei Trommler, zwei Geiger und Akkordeon, wäre das Konzert langweilig gewesen, alleine das Zusehen der Wechselspiele hätte den Abend gerettet.

Aber es war so weit von langweilig wie Fucked Up von gut entfernt.
Laïka bereitete mir die ersten hochstehenden Nackenhaare. Natürlich ist das Stück ein riesiger Hit, wie sehr es mich aber heute beeindruckte, überraschte mich doch sehr. So sehr hauen mich nur ganz selten Lieder bei Konzerten um! Danach hätte ich guten Gewissens fahren können.

Nach No cars go wurde es ruhiger. Zunächst folgten die beiden von Régine
gesungenen Stücke Haïti und Sprawl II (mountains beyond mountains). Haïti mochte ich schon immer und es war heute live, auch und vor allem vor dem Hintergrund der schrecklichen Tragödien, die dieses Land beuteln, ganz besonders. Mit dem 80er Jahre Song Sprawl II... geht es mir anders. Auf Platte mag ich den nicht sonderlich. Live war Mountains beyond mountains zwar eine Ecke besser, neben Rococo gehörte er aber zu den schwächsten Stücken im Set. Gut, daß beide nacheinander kamen, danach deutete sich nämlich bereits langsam das sagenhafte Ende des Abends an.

Spätestens mit
Month of May wurde es wieder grandios. Das anschließende Tunnels gehörte wieder zu den besten Liedern, die ich jemals live gesehen habe. Allerdings gefiel mir von den Stücken der Debüt-Platte Funeral plötzlich Power out am besten. Eigentlich steht das bei mir immer ein wenig im Schatten der Überhits, heute gab es zwar viele Songs, die lange Schatten warfen, da mochte sich aber keiner der anderen reinstellen. Power out ging in Rebellion (lies) über, das nach 80 Minuten das eigentliche Konzert beendete. Mit einem Paukenschlag, wie Parajournalisten wie wir gerne schreiben. Es war zwar keine Pauke sondern eine kleine Trommel, das machte den wilden Sprung von Will Butler von der Bühne ins Publikum, um da wild auf sein Instrument einzuschlagen, nicht weniger spektakulär. Das ist trotz all der Erfolge, trotz der riesigen Hallen noch der gleiche Spaß an der Musik wie am Anfang, als sie Helme (mit Köpfen drin) als Trommeln benutzt haben.

Auch Zugaben hätte ich eigentlich nicht mehr gebraucht. Wie sollte es denn noch besser werden?

Gut, ob nun besser oder nicht, es blieb jedenfalls so grandios. Intervention und Wake up als Zugaben endeten den Abend so hervorragend, wie er begonnen hatte.
Überragend! Chris Martin, der nicht nur bei Frauen einen blendenden Geschmack hat brachte das richtig auf den Punkt: "The best bands in the world today are probably Arcade Fire and Sigur Rós."

Ein grandioses Konzert, sehr sicher das beste des Jahres, mit einer blendenden Band, die ihr Publikum
an die Wand spielt.Was soll man da noch besser machen?!

Eine einzige kleine Panne fiel mir auf, und die war, wie das in solchen Fällen üblich ist, sehr charmant. Cold wind, die Single, die auf keiner Platte ist, hatten Arcade Fire (The Arcade Fire laut Win) eine Weile nicht gespielt. Die fehlende Routine zeigte sich darin, daß einer der Musiker plötzlich hektisch nach hinten lief und sich das Akkordeon schnappte, ihm war wohl entgangen, wo genau er jetzt zu spielen hatte. Den Einsatz schaffte er, die leichte Panik vorher war toll!

Und nach diesem herausragenden Konzert wurde mir auch plötzlich die Funktion der Vorgruppe bewußt. Eigentlich helfen miese Supportbands der Hauptgruppe dadurch, daß etwas Gutes im Vergleich zu Mist noch deutlich strahlender wird (das psychologische Kontrastprinzip). Allerdings haben Arcade Fire so etwas nicht nötig. Der schreckliche Schreihals der kanadischen Vorgruppe sollte
uns vielmehr vorher schon bremsen, damit wir nicht zu euphorisch die Halle verlassen würden. Das war Fürsorge und machte auf einmal komplett Sinn!

Win Butler sagte irgendwann am Ende: "thank you for being so amazing!" Er sprach mir aus der Seele.*


Setlist Arcade Fire, Philipshalle, Düsseldorf:

01: Ready to start
02: Keep the car running
03: Neighborhood #2 (Laïka)
04: No cars go
05: Haïti
06: Sprawl II (mountains beyond mountains)
07: Rococo
08: Cold wind
09: Deep blue
10: The suburbs
11: Month of May
12: Neighborhood #1 (Tunnels)
13: We used to wait
14: Neighborhood #3 (Power out)
15: Rebellion (Lies)

16: Intervention (Z)
17: Wake up (Z)

Links:

- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07


Leider keine eigenen Fotos! Die Hauptabteilungsleiterin "Tür 3" verwies darauf, daß "da steht", daß meine Kompaktkamera nicht reindürfe. Die verwendeten Bilder stammen aus Olivers Archiv vom Konzert in Paris im Juli.


* zwei richtige Ärgernisse gab es aber doch noch. Zum einen ist vollkommen unverständlich, warum nach dem Konzert solch ein Chaos auf den Parkplätzen rund um die Halle herrscht. Eine Stunde vom Parkplatz auf die Straße ist ärgerlich. Die Parkwächter, die vorher Gebühren kassieren, sollten vielleicht auch hinterher dafür eingesetzt werden, für einen zügigen Abfluß zu sorgen. Wir hatten nur eine gute Stunde Rückfahrt nachts vor uns. Aber auf den Parkplätzen standen auch viele, die von deutlich weiter weg angereist waren.

Das zweite Ärgernis tat mir in der Seele weh. Ganz vorne hatten Eltern ein kleines Mädchen mitgenommen, das den infernalischen Krach der Vorgruppe vermutlich ohne Ohrenschutz ertragen musste. Später hatte es dann etwas im Ohr, wirkte aber alles andere als glücklich. Das mag unglaublich spießig klingen, aber für ein zwei- oder dreijähriges Kind ohne Ohrenschoner gibt es sicher bessere Orte als wahnsinnig laute Konzertsäle. Süß war, daß Régine der Kleinen nach dem Konzert ein Instrument schenkte (eine Triangel?). Haben die Eltern noch ein schönes Souvenir.



Arcade Fire, Düsseldorf, 29.11.10



Konzert: Arcade Fire
Ort: Philipshalle, Düsseldorf
Datum: 29.11.2010
Zuschauer: 5.000 (?)
Dauer: Arcade Fire 95 min, Fucked Up unerträgliche 30 min


Ausgerechnet heute brach der Winter in Westdeutschland ein. Viel zu viel Schnee auf den Straßen, jede Vernunft sprach gegen eine Fahrt nach Düsseldorf, bloß um ein Konzert zu sehen. Allerdings sind Arcade Fire seltener als Schneetage, und dann ist es um die Vernunft eben schnell geschehen.

Ich hatte mich lange nicht mehr so sehr auf ein Konzert gefreut, vor allem seit ich in den letzten Tagen nach viel zu langer Zeit wieder einmal die beiden ersten Platten der Kanadier gehört hatte, die ohne Zweifel zu den großen Meisterwerken unserer Generation gehören. 2005 hatte ich das große Glück, die Band im Gebäude 9 in Köln zu sehen, gerade als ihr Stern in Europa kräftig aufging. Sehr sicher war der wilde Auftritt eines der besten Konzerte meines Lebens. Im Gegensatz zu vielen anderen Musiksternen verglühten Régine & Win und ihre Kollegen aber nicht sofort wieder. Auch wenn das aktuelle Album der Band nur das drittbeste ist, sind Arcade Fire gut und relevant wie vor fünf Jahren.

Trotzdem fragte ich mich in der Umbaupause nach der scheußlichen Vorgruppe Fucked Up (sicherlich nur zugezogene Kanadier), ob der Abend nicht vielleicht doch enttäuschend werden könnte. Vieles des eben Beschriebenen gilt ja schließlich auch
für Interpol, und die hatten mich vor einer Woche leider gar nicht vom Hocker gerissen.

Um 21.20 Uhr waren diese Zweifel weg, und zwar restlos! Denn in der Zwischenzeit hatten Arcade Fire Ready to start, Keep the car running,
Laïka und No cars go gespielt, vier sagenhafte Kracher, wie sie nur wenige Bands am Anfang eines Konzerts verbraten können. Klotzen statt Kleckern also...

Arcade Fire traten zu acht auf, also das Ehepaar Régine & Win, Wins Bruder Will Butler, Richard Parry, Tim Kingsbury, Geigerin Sarah Neufeld, Schlagzeuger Jeremy Gara und ein zweiter Geiger (denke ich). Die Band begeistert mich seit jeher durch die reibungslosen Positionswechsel zwischen den Stücken. Es gibt Gruppen, bei denen es zur Show gehört, ab und zu die Instrumente zu wechseln, bei den Kanadiern wirkt das alles vollkommen sinnvoll und stimmig. Es begann noch relativ harmlos mit zwei Gitarren, zwei Keyboardern, Bass, Geige und Schlagzeug. Nur Régine Chassagne fiel aus der Reihe, weil sie an einem zweiten Trommelset saß. Nach Ready to start eilten nicht ein sondern drei Helfer mit gestimmten Instrumenten auf die Bühne. Es war eine perfekte Logistik im Hintergrund, die die komplizierten Umarrangements möglich machte, man merkte
keine Hänger zwischen den Stücken, obwohl die Aufstellung nie die gleiche wie beim abgelaufenen Lied war. Kanada ist eben eine Eishockey-Nation und fliegende Wechsel gewohnt.

Beim zweiten Lied (Keep the car running) spielte Régine Drehleier, Win Laute (glaube ich), dazu gab es zwei Geigen. Laïka benötigte drei Trommler, zwei Geiger und Akkordeon, wäre das Konzert langweilig gewesen, alleine das Zusehen der Wechselspiele hätte den Abend gerettet.

Aber es war so weit von langweilig wie Fucked Up von gut entfernt.
Laïka bereitete mir die ersten hochstehenden Nackenhaare. Natürlich ist das Stück ein riesiger Hit, wie sehr es mich aber heute beeindruckte, überraschte mich doch sehr. So sehr hauen mich nur ganz selten Lieder bei Konzerten um! Danach hätte ich guten Gewissens fahren können.

Nach No cars go wurde es ruhiger. Zunächst folgten die beiden von Régine
gesungenen Stücke Haïti und Sprawl II (mountains beyond mountains). Haïti mochte ich schon immer und es war heute live, auch und vor allem vor dem Hintergrund der schrecklichen Tragödien, die dieses Land beuteln, ganz besonders. Mit dem 80er Jahre Song Sprawl II... geht es mir anders. Auf Platte mag ich den nicht sonderlich. Live war Mountains beyond mountains zwar eine Ecke besser, neben Rococo gehörte er aber zu den schwächsten Stücken im Set. Gut, daß beide nacheinander kamen, danach deutete sich nämlich bereits langsam das sagenhafte Ende des Abends an.

Spätestens mit
Month of May wurde es wieder grandios. Das anschließende Tunnels gehörte wieder zu den besten Liedern, die ich jemals live gesehen habe. Allerdings gefiel mir von den Stücken der Debüt-Platte Funeral plötzlich Power out am besten. Eigentlich steht das bei mir immer ein wenig im Schatten der Überhits, heute gab es zwar viele Songs, die lange Schatten warfen, da mochte sich aber keiner der anderen reinstellen. Power out ging in Rebellion (lies) über, das nach 80 Minuten das eigentliche Konzert beendete. Mit einem Paukenschlag, wie Parajournalisten wie wir gerne schreiben. Es war zwar keine Pauke sondern eine kleine Trommel, das machte den wilden Sprung von Will Butler von der Bühne ins Publikum, um da wild auf sein Instrument einzuschlagen, nicht weniger spektakulär. Das ist trotz all der Erfolge, trotz der riesigen Hallen noch der gleiche Spaß an der Musik wie am Anfang, als sie Helme (mit Köpfen drin) als Trommeln benutzt haben.

Auch Zugaben hätte ich eigentlich nicht mehr gebraucht. Wie sollte es denn noch besser werden?

Gut, ob nun besser oder nicht, es blieb jedenfalls so grandios. Intervention und Wake up als Zugaben endeten den Abend so hervorragend, wie er begonnen hatte.
Überragend! Chris Martin, der nicht nur bei Frauen einen blendenden Geschmack hat brachte das richtig auf den Punkt: "The best bands in the world today are probably Arcade Fire and Sigur Rós."

Ein grandioses Konzert, sehr sicher das beste des Jahres, mit einer blendenden Band, die ihr Publikum
an die Wand spielt.Was soll man da noch besser machen?!

Eine einzige kleine Panne fiel mir auf, und die war, wie das in solchen Fällen üblich ist, sehr charmant. Cold wind, die Single, die auf keiner Platte ist, hatten Arcade Fire (The Arcade Fire laut Win) eine Weile nicht gespielt. Die fehlende Routine zeigte sich darin, daß einer der Musiker plötzlich hektisch nach hinten lief und sich das Akkordeon schnappte, ihm war wohl entgangen, wo genau er jetzt zu spielen hatte. Den Einsatz schaffte er, die leichte Panik vorher war toll!

Und nach diesem herausragenden Konzert wurde mir auch plötzlich die Funktion der Vorgruppe bewußt. Eigentlich helfen miese Supportbands der Hauptgruppe dadurch, daß etwas Gutes im Vergleich zu Mist noch deutlich strahlender wird (das psychologische Kontrastprinzip). Allerdings haben Arcade Fire so etwas nicht nötig. Der schreckliche Schreihals der kanadischen Vorgruppe sollte
uns vielmehr vorher schon bremsen, damit wir nicht zu euphorisch die Halle verlassen würden. Das war Fürsorge und machte auf einmal komplett Sinn!

Win Butler sagte irgendwann am Ende: "thank you for being so amazing!" Er sprach mir aus der Seele.*


Setlist Arcade Fire, Philipshalle, Düsseldorf:

01: Ready to start
02: Keep the car running
03: Neighborhood #2 (Laïka)
04: No cars go
05: Haïti
06: Sprawl II (mountains beyond mountains)
07: Rococo
08: Cold wind
09: Deep blue
10: The suburbs
11: Month of May
12: Neighborhood #1 (Tunnels)
13: We used to wait
14: Neighborhood #3 (Power out)
15: Rebellion (Lies)

16: Intervention (Z)
17: Wake up (Z)

Links:

- Arcade Fire, Paris, 29.08.10
- Arcade Fire, Paris, 05.07.10
- Arcade Fire, Paris, 24.08.07
- Arcade Fire, Köln, 22.08.07
- Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
- Arcade Fire, Paris, 20.03.07


Leider keine eigenen Fotos! Die Hauptabteilungsleiterin "Tür 3" verwies darauf, daß "da steht", daß meine Kompaktkamera nicht reindürfe. Die verwendeten Bilder stammen aus Olivers Archiv vom Konzert in Paris im Juli.


* zwei richtige Ärgernisse gab es aber doch noch. Zum einen ist vollkommen unverständlich, warum nach dem Konzert solch ein Chaos auf den Parkplätzen rund um die Halle herrscht. Eine Stunde vom Parkplatz auf die Straße ist ärgerlich. Die Parkwächter, die vorher Gebühren kassieren, sollten vielleicht auch hinterher dafür eingesetzt werden, für einen zügigen Abfluß zu sorgen. Wir hatten nur eine gute Stunde Rückfahrt nachts vor uns. Aber auf den Parkplätzen standen auch viele, die von deutlich weiter weg angereist waren.

Das zweite Ärgernis tat mir in der Seele weh. Ganz vorne hatten Eltern ein kleines Mädchen mitgenommen, das den infernalischen Krach der Vorgruppe vermutlich ohne Ohrenschutz ertragen musste. Später hatte es dann etwas im Ohr, wirkte aber alles andere als glücklich. Das mag unglaublich spießig klingen, aber für ein zwei- oder dreijähriges Kind ohne Ohrenschoner gibt es sicher bessere Orte als wahnsinnig laute Konzertsäle. Süß war, daß Régine der Kleinen nach dem Konzert ein Instrument schenkte (eine Triangel?). Haben die Eltern noch ein schönes Souvenir.



Arcade Fire & Guests, 3. Festivaltag, Rock en Seine, 29.08.10


Konzert: Arcade Fire (u. a.)

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 29.08.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: netto oder brutto? Ohne oder mit Regenpause? 1 Stunde


Rock en seine = Flop en Seine! Anders kann man es wohl nicht ausdrücken. Zum vierten Mal hintereinander steckte beim Headliner des Pariser Festivals der Wurm drin. Im letzten Jahr prügelten sich die Gebrüder Gallagher kurz vor ihrem Auftritt und lösten Oasis ohne angetreten zu sein, gleich im Anschluß auf und in den beiden vorangegangenen Editionen sagte Amy Winhehouse in letzter Minute ab.

Heute gab es zumindest ein halbes Konzert. Die texanischen Kanadier (ihr wisst was ich meine) Arcade Fire performten 11 Songs, als während We Used To Wait ein heftiger Regen einsetzte, der bedingt durch böige Winde auf die Bühne fegte. Die warmduschenden Weicheier aus Montreal* brachen daraufhin nach Ende des Songs ab. Regine erklärte kichernd auf französisch, daß es zu gefährlich sei weiterzuspielen (ist das wie mit dem Fön, der in die Badewanne fällt? Stromschlag und so?) und schwuppdiwupp lagen Planen auf den Instrumenten. Die Band saß unterdessen im Warmen in der Kabine, während die Festivalbesucher tropfnass wurden. 10 Minuten später kamen die Musiker dann zurück und Optimisten (darunter auch ich; Pessimist = der einzige Mist auf dem nichts wächst) glaubten, daß es nun normal weitergehen würde. Großzügig verkündeten Régine und Win, daß sie versuchen würden, ein weiteres Liedchen für uns zu spielen und stimmten unter großem Jubel den Schunkel- und Mitgröhlsong Wake Up an. Die durchnässten Zuschauer summten aus voller Kehle mit, getreu dem Motto: " Wir lassen uns den Spaß nicht verderben, jetzt erst recht!" Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Band gemacht. Die nämlich machte nach dem Verklingen der letzten Note erneut den langen Schuh und winkte zum Abschluss (?!) noch einmal in die Menge. Ich glaubte zu viele halluzinogene Pilze gegessen zu haben. "Wie jetzt? Das war schon alles?" Wie gerne hätte ich jetzt das bandeigene Megaphon gehabt, um die Truppe augenblicklich aufzufordern, zurückzukommen. "Halt, stehengeblieben! Macht gefälligst weiter!" Mir wären schon die richtigen Sprüche eingefallen, aber mir stand nun einmal kein Megaphon zur Verfügung und meine lauten Buhrufe interessierten auch keinen Arsch. Schluß, aus, Ende! Das half auch kein treudoofes Warten und Hoffen, die Messe war gelesen. Nun ja, wenigstens hatten wir Intervention (allerdings ohne Kirchenorgel) geboten bekommen und auch noch ein paar andere Klassiker wie Laika oder No Cars Go. Aber 12 Lieder, darunter Neulinge wie Ready To Start (sehr guter Opener) waren eindeutig zu wenig. Es fehlten Kracher wie Rebellion, Tunnels, Power Out oder der fetzige Neuling Month Of March. Es war wie bei einem Coitus Interruptus. Man wurde heiß gemacht ohne Ende, durfte aber den Orgasmus nicht genießen. Ein scheiß Gefühl!

Rock en Seine = Flop en Seine! Blame it on the Veranstalter, die nicht gegen Regengüsse gewappnet sind?

Zum Glück waren vorher wenigstens die Oldies Roxy Music brillant und auch Beirut enttäuschten nicht...

Setlist Arcade Fire, Festival Rock en Seine 2010:

01: Ready To Start
02: Keep The Car Running
03: Neighborhood # 2 (Laika)
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Modern Man
07: Rococo
08: The Suburbs
09: Ocean Of Noise (mit Zach Condon von Beirut an der Trompete)
10: Intervention
11: We Used To Wait

12: Wake Up

* ist jetzt nur so ein Spruch, höchstwahrscheinlich war es wirklich zu riskant weiterzumachen. Und total naß waren sie auch.

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, 05.07.10 (bereits mit der Besprechung der neuen Lieder/chronique en français également)
Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07

Setlist Roxy Music, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Re-Make/Re-Model
02: Out Of The Blue
03: While My Heart Is Still Beating
04: Avalon
05: Ladytron
06: Song For Europe (en partie en français)
07: In Every Dream Home A Heartache
08: Love Is The Drug
09: Editions Of You
10: Do The Strand

11: Let's Stick Together
12: Jealous Guy

Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar


Arcade Fire & Guests, 3. Festivaltag, Rock en Seine, 29.08.10


Konzert: Arcade Fire (u. a.)

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 29.08.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: netto oder brutto? Ohne oder mit Regenpause? 1 Stunde


Rock en seine = Flop en Seine! Anders kann man es wohl nicht ausdrücken. Zum vierten Mal hintereinander steckte beim Headliner des Pariser Festivals der Wurm drin. Im letzten Jahr prügelten sich die Gebrüder Gallagher kurz vor ihrem Auftritt und lösten Oasis ohne angetreten zu sein, gleich im Anschluß auf und in den beiden vorangegangenen Editionen sagte Amy Winhehouse in letzter Minute ab.

Heute gab es zumindest ein halbes Konzert. Die texanischen Kanadier (ihr wisst was ich meine) Arcade Fire performten 11 Songs, als während We Used To Wait ein heftiger Regen einsetzte, der bedingt durch böige Winde auf die Bühne fegte. Die warmduschenden Weicheier aus Montreal* brachen daraufhin nach Ende des Songs ab. Regine erklärte kichernd auf französisch, daß es zu gefährlich sei weiterzuspielen (ist das wie mit dem Fön, der in die Badewanne fällt? Stromschlag und so?) und schwuppdiwupp lagen Planen auf den Instrumenten. Die Band saß unterdessen im Warmen in der Kabine, während die Festivalbesucher tropfnass wurden. 10 Minuten später kamen die Musiker dann zurück und Optimisten (darunter auch ich; Pessimist = der einzige Mist auf dem nichts wächst) glaubten, daß es nun normal weitergehen würde. Großzügig verkündeten Régine und Win, daß sie versuchen würden, ein weiteres Liedchen für uns zu spielen und stimmten unter großem Jubel den Schunkel- und Mitgröhlsong Wake Up an. Die durchnässten Zuschauer summten aus voller Kehle mit, getreu dem Motto: " Wir lassen uns den Spaß nicht verderben, jetzt erst recht!" Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Band gemacht. Die nämlich machte nach dem Verklingen der letzten Note erneut den langen Schuh und winkte zum Abschluss (?!) noch einmal in die Menge. Ich glaubte zu viele halluzinogene Pilze gegessen zu haben. "Wie jetzt? Das war schon alles?" Wie gerne hätte ich jetzt das bandeigene Megaphon gehabt, um die Truppe augenblicklich aufzufordern, zurückzukommen. "Halt, stehengeblieben! Macht gefälligst weiter!" Mir wären schon die richtigen Sprüche eingefallen, aber mir stand nun einmal kein Megaphon zur Verfügung und meine lauten Buhrufe interessierten auch keinen Arsch. Schluß, aus, Ende! Das half auch kein treudoofes Warten und Hoffen, die Messe war gelesen. Nun ja, wenigstens hatten wir Intervention (allerdings ohne Kirchenorgel) geboten bekommen und auch noch ein paar andere Klassiker wie Laika oder No Cars Go. Aber 12 Lieder, darunter Neulinge wie Ready To Start (sehr guter Opener) waren eindeutig zu wenig. Es fehlten Kracher wie Rebellion, Tunnels, Power Out oder der fetzige Neuling Month Of March. Es war wie bei einem Coitus Interruptus. Man wurde heiß gemacht ohne Ende, durfte aber den Orgasmus nicht genießen. Ein scheiß Gefühl!

Rock en Seine = Flop en Seine! Blame it on the Veranstalter, die nicht gegen Regengüsse gewappnet sind?

Zum Glück waren vorher wenigstens die Oldies Roxy Music brillant und auch Beirut enttäuschten nicht...

Setlist Arcade Fire, Festival Rock en Seine 2010:

01: Ready To Start
02: Keep The Car Running
03: Neighborhood # 2 (Laika)
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Modern Man
07: Rococo
08: The Suburbs
09: Ocean Of Noise (mit Zach Condon von Beirut an der Trompete)
10: Intervention
11: We Used To Wait

12: Wake Up

* ist jetzt nur so ein Spruch, höchstwahrscheinlich war es wirklich zu riskant weiterzumachen. Und total naß waren sie auch.

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, 05.07.10 (bereits mit der Besprechung der neuen Lieder/chronique en français également)
Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07

Setlist Roxy Music, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Re-Make/Re-Model
02: Out Of The Blue
03: While My Heart Is Still Beating
04: Avalon
05: Ladytron
06: Song For Europe (en partie en français)
07: In Every Dream Home A Heartache
08: Love Is The Drug
09: Editions Of You
10: Do The Strand

11: Let's Stick Together
12: Jealous Guy

Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar


Arcade Fire, Paris, 05.07.10


Konzert: Arcade Fire

Ort: Casino de Paris, Paris
Datum: 05.07.10 Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ungefähr 80 Minuten


Résumé en français ci-dessous. Merci!


Arcade Fire sind zurück und wie! Win Butler und seine Truppe haben den unzähligen Klonen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, mal gezeigt wo der Hammer hängt! Mannschaftlich geschlossen wie eh und je, beeindruckten die Kanadier durch ihr Wucht, Dynamik und Bühnenpräsenz. Die Stimmung war fast durchgängig sensationell und auch die neuen Lieder zogen schon sehr ordentlich. Zwar nörgelten ein paar "Haar-in-der Suppe-Finder" hinterher, daß lediglich die alten Hits wie Laika, Rebellion oder Intervention überragend gewesen seien, aber das war dummes Geschwätz. Das Set war durchgängig hochklassig, basta! Ich glaube der legendäre Dokumentarfilmer Vincent Moon hatte auch seinen Spaß, zumindest ist er phasenweise rumgehüpft wie so ein Wilder. Coeur de Pirate wirkte hingegen etwas genervt. Vielleicht wird ihr der Rummel um ihre Person zu viel und wenn dann auch noch ein Vollhorst wie Oliver Peel um die Ecke biegt, um sie abzuknipsen, ist die Stimmung endgültig im Arsch...

Für diejenigen die ausführliche Konzertberichte schätzen:

In den letzten Jahren hatte ich oft das Gefühl, Funeral sei nur geschrieben worden, um der dahinsiechenden Geigenbauerzunft wieder auf die Sprünge zu helfen. Seit dem Erscheinen dieses allgemein anerkannten Meisterwerkes aus dem Jahre 2004 ist nämlich die Anzahl der Bands mit Geige exorbitant gestiegen. Wurde die Violine vorher fast ausschließlich bei klassischen Konzerten und Ensembles angetroffen, sah man sie seitdem bei jeder Indie-Band, die etwas auf sich hält. Ob bei Get Well Soon, Operator Please, O'Death, Fanfarlo, Ra Ra Riot, Andrew Bird, Islands, Seabear, Los Campesinos!, Bodies Of Water, Johnny Flynn, Efterklang, Eagle Seagull, Friska Viljor, Noah & The Whale, Lightspeed Champion, The Miserable Rich, The Leisure Society, My Latest Novel oder den Decemberists, überall wird gefiedelt, bis die Schwarte kracht! Fast könnte man allergisch gegen das klassiche Saiteninstrument werden. Hinzu kommt in den meisten Fällen ein im Chor angestimmter Refrain, der die Kraft der 10 Kehlen hat. Das musikalische Strickmuster ist also fast überall gleich und mit einer umfassenden Liste der Bands, die mehr oder weniger nach Arcade Fire klingen, könnte man 10 Blogs füllen. Zumal es ja auch etliche Formationen ohne Geige gibt, die stilistisch den Kanadiern ähneln, so etwa Local Natives, Yeasayer, Clap Your Hands Say Yeah, The Maccabees, The Spinto Band und etliche mehr.

Aber machen wir Schluß mit dieser Aufzählung, zumal ja klar sein sollte, was ich belegen will: Aracade Fire sind die einflussreichste Band der 2000er Jahre. Aber damit auch gleich die beste? Unzählige Pariser und Konzerttouristen (darunter Coeur de Pirate) wollten heute darauf eine Antwort. Würden die Nordamerikaner auch mit ihrem neuen Material auf ganzer Linie abräumen? Oder leben sie nur von ihren alten Hits? Win Butler und seine vielköpfige Truppe gingen die Sache mutig an. Sofort der Sprung ins kalte Wasser mit den Neulingen Ready To Start und Modern Man. Taubenblaues Licht umnebelte die Künstler, die, wenn man genauer hinsah, einen neuen Frisurentrend zur Schau stellten. Sowohl Win Butler als auch Violinstin Sarah Neufeld trugen lange strähnige Haare über sehr kurz ausrasierten Stellen. Das Tempo war kompromisslos hoch und Ready To Start ein Auftakt nach Maß, denn die Nummer hat gehöriges Potential! Knarziger Bass, ein schneller fetziger Beat zu dem man auch prima tanzen konnte und dazu die sensationelle Grabesstimme von Win, wer da noch sagt, daß neue Material tauge nichts, hat Tomaten auf den Ohren! Auch das anschließende melancholische und an The Cure erinnernde Modern Man wußte auf Anhieb zu gefallen. In der Folge wurden die altbekannten Hits abgefackelt, bevor mit Empty Room, einem Gary Moor Cover, wieder in das Album The Suburbs eingestiegen wurde. In der Version von Arcade Fire war die alte Gary Moor Nummer noch ein paar Zacken schärfer als das Original und das Publikum johlte vor Begeisterung. Scherz bei Seite, die ekelerregende Nummer von Gary hieß ja Empty Rooms (Plural) und nicht Empty Room und der Songs von Arcade Fire war neu und klang zum Glück ganz anders. Regine sang und die anderen hüpften wie von Sackratten geplagt über die Theaterbühne. The Suburbs im Anschluß war ein Midtempo Stück, das beschwingt und optimistisch rüberkam und ein sicherer Hit ist. Suburban War verzückte durch eine sehr hübsche kleine Gitarrenmelodie, die sich durch das senitmentale Stück zog, das mit zum kontemplativsten Stoff gehörte, der heute performt wurde. Ganz das Gegenteil davon war Month Of Day. Ein post-punkiger Stampfer, der mit 250 Sachen durch das Casino de Paris fegte und mich angenehm an Say Hello To The Angels von Interpol erinnerte. Ein Killer!

Der Zugabenteil dann bestückt mit bekannten Nummern, die natürlich immer noch besser ankamen, als die neuen Sachen. Das kann sich aber sehr bald ändern, denn ich glaube, wenn man das neue Album ein paar Mal gehört hat, wird sich ein gewisser Suchtfaktor einstellen, den man schon von Funeral und der Neon Bible her kannte. Ich freue mich schon auf Rock en Seine! Bei diesem schönen Pariser Festival wird man die Truppe Ende August erneut anfeuern können. Come on, baby!!!

Setlist Arcade Fire, Casino de Paris, Paris:


01: Ready To Start
02: Modern Man
03: Laika
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Empty Room
07: The Suburbs
08: Suburban War
09: We Used To Wait
10: Power Out
11: Rebellion
12: Month Of May
13: Keep The Cr Running

14: Tunnels
15: Intervention
16: Wake Up

Pour nos lecteurs français:

Retour gagnant des canadiens Arcade Fire dans un Casino de Paris plein comme une huître. Les epoux Win Butler /Regine Chassagne et leur groupe ont montré qu'il n'ont rien perdu de leur puissance, de leur créativité et de leur présence sur scène. Un set urgent, dense et varié, truffé de titres irrésistibles come Rebellion, Laika ou Intervention et enrichi de nouveaux morceaux très prometteurs, il n' y avaient vraiment pas beaucoup de raisons de se plaindre. Les chanceux qui étaient là ce soir ont savouré et profité pleinement de ce concert fabuleux. Ambiance "chaud bouillant" du début à la fin, les Arcade Fire ont mis très vite le public dans leur poches malgré un début risqué avec deux nouvelles chansons à la suite. Ensuite Laika a vraiment lancé le spectacle et la mayonnaise a pris. Peu de temps mort si ce n'est au milieu, mais la finale avec Rebellion et Keep The Car Running, puis les rappels avec Tunnels Intervention et Wake Up furent spectaculaires. On se retrouve à Rock en Seine. J'ai hâte de les voir en plein air sur la grande scène et jusqu'a fin août les fans auront le temps de se familiariser avec les nouveaux morceaux...

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07



Arcade Fire, Paris, 05.07.10


Konzert: Arcade Fire

Ort: Casino de Paris, Paris
Datum: 05.07.10 Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ungefähr 80 Minuten


Résumé en français ci-dessous. Merci!


Arcade Fire sind zurück und wie! Win Butler und seine Truppe haben den unzähligen Klonen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, mal gezeigt wo der Hammer hängt! Mannschaftlich geschlossen wie eh und je, beeindruckten die Kanadier durch ihr Wucht, Dynamik und Bühnenpräsenz. Die Stimmung war fast durchgängig sensationell und auch die neuen Lieder zogen schon sehr ordentlich. Zwar nörgelten ein paar "Haar-in-der Suppe-Finder" hinterher, daß lediglich die alten Hits wie Laika, Rebellion oder Intervention überragend gewesen seien, aber das war dummes Geschwätz. Das Set war durchgängig hochklassig, basta! Ich glaube der legendäre Dokumentarfilmer Vincent Moon hatte auch seinen Spaß, zumindest ist er phasenweise rumgehüpft wie so ein Wilder. Coeur de Pirate wirkte hingegen etwas genervt. Vielleicht wird ihr der Rummel um ihre Person zu viel und wenn dann auch noch ein Vollhorst wie Oliver Peel um die Ecke biegt, um sie abzuknipsen, ist die Stimmung endgültig im Arsch...

Für diejenigen die ausführliche Konzertberichte schätzen:

In den letzten Jahren hatte ich oft das Gefühl, Funeral sei nur geschrieben worden, um der dahinsiechenden Geigenbauerzunft wieder auf die Sprünge zu helfen. Seit dem Erscheinen dieses allgemein anerkannten Meisterwerkes aus dem Jahre 2004 ist nämlich die Anzahl der Bands mit Geige exorbitant gestiegen. Wurde die Violine vorher fast ausschließlich bei klassischen Konzerten und Ensembles angetroffen, sah man sie seitdem bei jeder Indie-Band, die etwas auf sich hält. Ob bei Get Well Soon, Operator Please, O'Death, Fanfarlo, Ra Ra Riot, Andrew Bird, Islands, Seabear, Los Campesinos!, Bodies Of Water, Johnny Flynn, Efterklang, Eagle Seagull, Friska Viljor, Noah & The Whale, Lightspeed Champion, The Miserable Rich, The Leisure Society, My Latest Novel oder den Decemberists, überall wird gefiedelt, bis die Schwarte kracht! Fast könnte man allergisch gegen das klassiche Saiteninstrument werden. Hinzu kommt in den meisten Fällen ein im Chor angestimmter Refrain, der die Kraft der 10 Kehlen hat. Das musikalische Strickmuster ist also fast überall gleich und mit einer umfassenden Liste der Bands, die mehr oder weniger nach Arcade Fire klingen, könnte man 10 Blogs füllen. Zumal es ja auch etliche Formationen ohne Geige gibt, die stilistisch den Kanadiern ähneln, so etwa Local Natives, Yeasayer, Clap Your Hands Say Yeah, The Maccabees, The Spinto Band und etliche mehr.

Aber machen wir Schluß mit dieser Aufzählung, zumal ja klar sein sollte, was ich belegen will: Aracade Fire sind die einflussreichste Band der 2000er Jahre. Aber damit auch gleich die beste? Unzählige Pariser und Konzerttouristen (darunter Coeur de Pirate) wollten heute darauf eine Antwort. Würden die Nordamerikaner auch mit ihrem neuen Material auf ganzer Linie abräumen? Oder leben sie nur von ihren alten Hits? Win Butler und seine vielköpfige Truppe gingen die Sache mutig an. Sofort der Sprung ins kalte Wasser mit den Neulingen Ready To Start und Modern Man. Taubenblaues Licht umnebelte die Künstler, die, wenn man genauer hinsah, einen neuen Frisurentrend zur Schau stellten. Sowohl Win Butler als auch Violinstin Sarah Neufeld trugen lange strähnige Haare über sehr kurz ausrasierten Stellen. Das Tempo war kompromisslos hoch und Ready To Start ein Auftakt nach Maß, denn die Nummer hat gehöriges Potential! Knarziger Bass, ein schneller fetziger Beat zu dem man auch prima tanzen konnte und dazu die sensationelle Grabesstimme von Win, wer da noch sagt, daß neue Material tauge nichts, hat Tomaten auf den Ohren! Auch das anschließende melancholische und an The Cure erinnernde Modern Man wußte auf Anhieb zu gefallen. In der Folge wurden die altbekannten Hits abgefackelt, bevor mit Empty Room, einem Gary Moor Cover, wieder in das Album The Suburbs eingestiegen wurde. In der Version von Arcade Fire war die alte Gary Moor Nummer noch ein paar Zacken schärfer als das Original und das Publikum johlte vor Begeisterung. Scherz bei Seite, die ekelerregende Nummer von Gary hieß ja Empty Rooms (Plural) und nicht Empty Room und der Songs von Arcade Fire war neu und klang zum Glück ganz anders. Regine sang und die anderen hüpften wie von Sackratten geplagt über die Theaterbühne. The Suburbs im Anschluß war ein Midtempo Stück, das beschwingt und optimistisch rüberkam und ein sicherer Hit ist. Suburban War verzückte durch eine sehr hübsche kleine Gitarrenmelodie, die sich durch das senitmentale Stück zog, das mit zum kontemplativsten Stoff gehörte, der heute performt wurde. Ganz das Gegenteil davon war Month Of Day. Ein post-punkiger Stampfer, der mit 250 Sachen durch das Casino de Paris fegte und mich angenehm an Say Hello To The Angels von Interpol erinnerte. Ein Killer!

Der Zugabenteil dann bestückt mit bekannten Nummern, die natürlich immer noch besser ankamen, als die neuen Sachen. Das kann sich aber sehr bald ändern, denn ich glaube, wenn man das neue Album ein paar Mal gehört hat, wird sich ein gewisser Suchtfaktor einstellen, den man schon von Funeral und der Neon Bible her kannte. Ich freue mich schon auf Rock en Seine! Bei diesem schönen Pariser Festival wird man die Truppe Ende August erneut anfeuern können. Come on, baby!!!

Setlist Arcade Fire, Casino de Paris, Paris:


01: Ready To Start
02: Modern Man
03: Laika
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Empty Room
07: The Suburbs
08: Suburban War
09: We Used To Wait
10: Power Out
11: Rebellion
12: Month Of May
13: Keep The Cr Running

14: Tunnels
15: Intervention
16: Wake Up

Pour nos lecteurs français:

Retour gagnant des canadiens Arcade Fire dans un Casino de Paris plein comme une huître. Les epoux Win Butler /Regine Chassagne et leur groupe ont montré qu'il n'ont rien perdu de leur puissance, de leur créativité et de leur présence sur scène. Un set urgent, dense et varié, truffé de titres irrésistibles come Rebellion, Laika ou Intervention et enrichi de nouveaux morceaux très prometteurs, il n' y avaient vraiment pas beaucoup de raisons de se plaindre. Les chanceux qui étaient là ce soir ont savouré et profité pleinement de ce concert fabuleux. Ambiance "chaud bouillant" du début à la fin, les Arcade Fire ont mis très vite le public dans leur poches malgré un début risqué avec deux nouvelles chansons à la suite. Ensuite Laika a vraiment lancé le spectacle et la mayonnaise a pris. Peu de temps mort si ce n'est au milieu, mais la finale avec Rebellion et Keep The Car Running, puis les rappels avec Tunnels Intervention et Wake Up furent spectaculaires. On se retrouve à Rock en Seine. J'ai hâte de les voir en plein air sur la grande scène et jusqu'a fin août les fans auront le temps de se familiariser avec les nouveaux morceaux...

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07