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The Big Crunch Theory & Glasser & Anika, Paris, 30.03.11


Konzert: The Big Crunch Theory, Glasser, Anika, Festival les femmes s'en mêlent

Ort: Le Divan Du monde, Paris
Datum: 30.03.2011
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft, vielleicht 300
Konzertdauer: pro Künstlerin etwa 40 Minuten


Gar nicht so einfach nach einem solch grandiosen Konzert wie dem gestrigen zur Tagesordnung überzugehen. Syd Matters hatten mich mit ihrer atemberaubenden Show im Olympia über alle Maßen berauscht und heute hatte ich eine Art Post- Syd Matters Depression zu erleiden.

Insofern eine kuriose Sache, daß ich im Divan Du Monde zu meiner Überraschung Olivier Marguerit, den Gitarristen, Pianisten und Querflötenspieler meiner Helden von gestern traf (Foto). Er hatte seinerseits den Sensationsauftritt mit seiner Band schon wieder abgehakt und sagte mir als Erstes, daß er die Show der Deutsch-Engländerin Anika sehr gemocht habe. Kein Wort zum Gig im Olympia. So etwas nenne ich Nüchternheit! Ich selbst hätte wohl an seiner Stelle durch keine Tür mehr gepasst, weil meine Brust vor Stolz so angeschwollen gewesen wäre.

Aber Olivier hatte recht, Anika war in der Tat erneut positiv aufgefallen. Genau in der gleichen Location hatte ich sie vor 5 Monaten gesehen und war auf Anhieb von ihrem düsteren Dubstep und ihrer apatischen Erscheinung sehr angetan gewesen. Seitdem ist etwas Zeit ins Land gegangen, Albert Koch vom Musikexpress hatte Anikas Album sehr gelobt (alle plappern sie mir nach) und die junge Blondine hat auch ein paar neue, nicht auf dem Album erhältliche Songs einstudiert, die in den nächsten Wochen auf einer EP veröffentlicht werden sollen. 2-3 davon spielte sie auch heute und die Songs waren wirklich klasse. Stilistisch bleibt sich Anika treu. Minimalistischer, bassgeprägter Sound mit gespenstisch anmutenden Synthiepassagen, verhallter, tiefer Gesang im Stile von Nico und eine eiskalte, depressive Atmosphäre, die mir kurioserweise Glücksgefühle bereitete. Auch die neuen Sachen sollen zum Teil originelle Cover sein, aber nicht ausschließlich. Die Kaltschnäuzigkeit, Klassiker wie den Bob Dylan Song Masters Of War oder Yang Yang von der ollen Yoko Ono so zu covern, das man sie nicht wiedererkennt, war ohnehin eine der großen Stärken des Debütalbums, das auf dem Label von Geoff Barrow (Portishead) erschienen war. Natürlich spielte sie auch die Albumtracks fast vollständig, schließlich kannte längst nicht jeder anwesende Gast dieses Material.

Highlights für mich die klaustrophob jaulende Yoko Ono Nummer Yang Yang ("join the revolution"), der großartige Orgelsong I Go To Sleep, vor allem aber das schnellste Stück in ihrem Repertoire, der an Joy Division gemahnende Feger Officer Officer. Ein schneller, bedrohlich- polternder Bass, ein gothischer Keyboardsound und ein weltentrückter Gesang, Zutaten, die einen faszinierenden Song ergaben, der der beste des heutigen Abends bleiben sollte.

Hinterher zeigte sich Anika dennoch ein wenig unzufrieden mit ihrer eigenen Leistung, war mit dem Sound nicht so recht glücklich gewesen und meinte, sie hätte eines ihrer neuen Lieder in den Sand gesetzt. Der rege Absatz ihres roten Vinylalbums (nur auf der Tour erhältlich) widerlegte aber ihre Skepsis. Viele Besucher trugen die Scheibe hinterher stolz aus dem Divan Du Monde und schließlich kann sich ja wohl auch ein Olivier Marguerit kaum täuschen, oder?

Zuvor hatte die Schwedin/Französin Lisa Li Lund, vor den Augen ihres berühmten Brüders Herman Dune und ihren Eltern, zusammen mit ihrem neuen Bandprojekt The Big Crunch Theory ein abwechslungsreiches Set geboten. Die Stücke klangen sehr unterschiedlich und waren je nachdem in die Schubladen Folk, Indierock, New Wave oder Elektropop einzuordnen. Der Tonfall und die Rhythmik beim Gesang trug aber ziemlich deutlich die Handschrift ihres Bruders David-Ivar. Ähnlicher Akzent, gleicher textlicher Sinn für Absurdes und Kurioses und immer mit einem Augenzwinkern versehen. Ihre Band war eine Art Supergroup, denn neben zwei Damen an Schlagzeug und Bass, agierten Guillaumes Léglise von My Broken Frame (und Go Go Charlton) und Etienne Chaumet, der nerdige Compterfreak von Zombie- Zombie, mit denen er sogar in England in Insiderkreisen sehr bekannt und angesehen ist.

Der Abend wurde schließlich von der Amerikanerin Cameron Mesirow alias Glasser abgeschlossen. Die rotblonde Sängerin war mit einem sehr extravaganten Kleid erschienen, zu dessen Beschreibung mir die passenden Worte fehlen. Da fragt man besser bei Modeblogs nach, die verstehen sich auf so was. Für mich sah das Ganze so ähnlich aus wie der Fummel von Cindy Lauper und auf dem Kopf trug Glasser ein schwarzes Mützchen, um das sie sicherlich deutsche Autofahrer beneiden werden. Jene Autofahrer nämlich (bevorzugte Marken: Mercedes, Audi), die gerne ihre Klopapierrollen auf dem Rücksitz ihrer Karre in ein Häkelteil wickeln und gleich neben den Regenschirm legen. Krass, Alter!

Über die Musik hüllen wir ohnehin besser den Mantel des Schweigens, denn welcher Mitbürger mit Geschmack steht schon auf kitschigen 1980 er Jahre Synthiepop mit Operndiva Gesang? Und wer mag eigentlich Björk, Camerons offensichtliches Vorbild? Keine Sau, genau!



The Big Crunch Theory & Glasser & Anika, Paris, 30.03.11


Konzert: The Big Crunch Theory, Glasser, Anika, Festival les femmes s'en mêlent

Ort: Le Divan Du monde, Paris
Datum: 30.03.2011
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft, vielleicht 300
Konzertdauer: pro Künstlerin etwa 40 Minuten


Gar nicht so einfach nach einem solch grandiosen Konzert wie dem gestrigen zur Tagesordnung überzugehen. Syd Matters hatten mich mit ihrer atemberaubenden Show im Olympia über alle Maßen berauscht und heute hatte ich eine Art Post- Syd Matters Depression zu erleiden.

Insofern eine kuriose Sache, daß ich im Divan Du Monde zu meiner Überraschung Olivier Marguerit, den Gitarristen, Pianisten und Querflötenspieler meiner Helden von gestern traf (Foto). Er hatte seinerseits den Sensationsauftritt mit seiner Band schon wieder abgehakt und sagte mir als Erstes, daß er die Show der Deutsch-Engländerin Anika sehr gemocht habe. Kein Wort zum Gig im Olympia. So etwas nenne ich Nüchternheit! Ich selbst hätte wohl an seiner Stelle durch keine Tür mehr gepasst, weil meine Brust vor Stolz so angeschwollen gewesen wäre.

Aber Olivier hatte recht, Anika war in der Tat erneut positiv aufgefallen. Genau in der gleichen Location hatte ich sie vor 5 Monaten gesehen und war auf Anhieb von ihrem düsteren Dubstep und ihrer apatischen Erscheinung sehr angetan gewesen. Seitdem ist etwas Zeit ins Land gegangen, Albert Koch vom Musikexpress hatte Anikas Album sehr gelobt (alle plappern sie mir nach) und die junge Blondine hat auch ein paar neue, nicht auf dem Album erhältliche Songs einstudiert, die in den nächsten Wochen auf einer EP veröffentlicht werden sollen. 2-3 davon spielte sie auch heute und die Songs waren wirklich klasse. Stilistisch bleibt sich Anika treu. Minimalistischer, bassgeprägter Sound mit gespenstisch anmutenden Synthiepassagen, verhallter, tiefer Gesang im Stile von Nico und eine eiskalte, depressive Atmosphäre, die mir kurioserweise Glücksgefühle bereitete. Auch die neuen Sachen sollen zum Teil originelle Cover sein, aber nicht ausschließlich. Die Kaltschnäuzigkeit, Klassiker wie den Bob Dylan Song Masters Of War oder Yang Yang von der ollen Yoko Ono so zu covern, das man sie nicht wiedererkennt, war ohnehin eine der großen Stärken des Debütalbums, das auf dem Label von Geoff Barrow (Portishead) erschienen war. Natürlich spielte sie auch die Albumtracks fast vollständig, schließlich kannte längst nicht jeder anwesende Gast dieses Material.

Highlights für mich die klaustrophob jaulende Yoko Ono Nummer Yang Yang ("join the revolution"), der großartige Orgelsong I Go To Sleep, vor allem aber das schnellste Stück in ihrem Repertoire, der an Joy Division gemahnende Feger Officer Officer. Ein schneller, bedrohlich- polternder Bass, ein gothischer Keyboardsound und ein weltentrückter Gesang, Zutaten, die einen faszinierenden Song ergaben, der der beste des heutigen Abends bleiben sollte.

Hinterher zeigte sich Anika dennoch ein wenig unzufrieden mit ihrer eigenen Leistung, war mit dem Sound nicht so recht glücklich gewesen und meinte, sie hätte eines ihrer neuen Lieder in den Sand gesetzt. Der rege Absatz ihres roten Vinylalbums (nur auf der Tour erhältlich) widerlegte aber ihre Skepsis. Viele Besucher trugen die Scheibe hinterher stolz aus dem Divan Du Monde und schließlich kann sich ja wohl auch ein Olivier Marguerit kaum täuschen, oder?

Zuvor hatte die Schwedin/Französin Lisa Li Lund, vor den Augen ihres berühmten Brüders Herman Dune und ihren Eltern, zusammen mit ihrem neuen Bandprojekt The Big Crunch Theory ein abwechslungsreiches Set geboten. Die Stücke klangen sehr unterschiedlich und waren je nachdem in die Schubladen Folk, Indierock, New Wave oder Elektropop einzuordnen. Der Tonfall und die Rhythmik beim Gesang trug aber ziemlich deutlich die Handschrift ihres Bruders David-Ivar. Ähnlicher Akzent, gleicher textlicher Sinn für Absurdes und Kurioses und immer mit einem Augenzwinkern versehen. Ihre Band war eine Art Supergroup, denn neben zwei Damen an Schlagzeug und Bass, agierten Guillaumes Léglise von My Broken Frame (und Go Go Charlton) und Etienne Chaumet, der nerdige Compterfreak von Zombie- Zombie, mit denen er sogar in England in Insiderkreisen sehr bekannt und angesehen ist.

Der Abend wurde schließlich von der Amerikanerin Cameron Mesirow alias Glasser abgeschlossen. Die rotblonde Sängerin war mit einem sehr extravaganten Kleid erschienen, zu dessen Beschreibung mir die passenden Worte fehlen. Da fragt man besser bei Modeblogs nach, die verstehen sich auf so was. Für mich sah das Ganze so ähnlich aus wie der Fummel von Cindy Lauper und auf dem Kopf trug Glasser ein schwarzes Mützchen, um das sie sicherlich deutsche Autofahrer beneiden werden. Jene Autofahrer nämlich (bevorzugte Marken: Mercedes, Audi), die gerne ihre Klopapierrollen auf dem Rücksitz ihrer Karre in ein Häkelteil wickeln und gleich neben den Regenschirm legen. Krass, Alter!

Über die Musik hüllen wir ohnehin besser den Mantel des Schweigens, denn welcher Mitbürger mit Geschmack steht schon auf kitschigen 1980 er Jahre Synthiepop mit Operndiva Gesang? Und wer mag eigentlich Björk, Camerons offensichtliches Vorbild? Keine Sau, genau!



Anika & Dag för Dag, Paris, 03.11.10


Konzert: Anika & Dag för Dag (Screaming Females)

Ort: Le Divan Du Monde
Datum: 03.11.2010
Zuschauer: mittlere Raumauslastung



Da sieht man mal wie schlaftrunken ich von den vielen Konzerten und durchgemachten Nächten bin!

Ich Trottel bringe es doch tatsächlich fertig, in die Boule Noire zu latschen, mir mein Ticket abreissen zu lassen, mit Vorfreude im Bauch Richtung Konzertsaal zu gehen, nur um dann darauf aufmerksam gemacht zu werden, daß mein Festivalpass erst ab dem 4. November gültig ist! Der Kartenabreisser hat eine geschlagene Viertelstunde gebraucht, um ihn wieder zu finden.

Nix also mit School Of Seven Bells, sondern Rückzug auf die Straße. Was tun? Nach Hause fahren? Nö, kommt gar nicht in die Tüte! Zufällig hatte ich mitbekommen, daß im gleich um die Ecke liegenden Divan Du Monde auch ein Konzertabend läuft. Glücklicherweise kenne ich die Veranstalter und die lassen mich prompt gratis eintreten. Weil ich Konzertblogger bin wohlgemerkt, nicht weil ich so nett gucke.

Drinnen sind die Screaming Females bereits mit ihrem Programm durch. Der Zuschauerandrang hält sich in recht engen Grenzen, was auch damit zu tun hat, daß im November unzählige gute Konzerte gleichzeitig stattfinden. Egal, so hat man Luft zum Atmen. Die Schweden Dag för Dag stehen nun an. Schon beim ersten Song sieht man, wie wild die drauf sind! Das Geschwister-Pärchen Sarah und Jacob Snavely (begleitet von dem Drummer Chuck Bukowski) rockt ab wie Hölle! Sarah ist besonders aufgestachelt, sie spielt barfuß und reißt ihren Fuß wie eine Ballettänzerin nach oben, performt aber dennoch auf einem Bein lässig weiter. Saucool! Der Sound ist garagig, melodiös und treibend, die Schweden denken nicht im Traum daran, ruhigen Folk-Pop wie ihre zahlreichen Landsleute zu spielen. Als Referenzen schießen mir die Kills, die Handsome Furs oder Joe Gideon and The Shark in den Kopf, aber was die Skandinavier hier treiben, ist dennoch eigen. Neben der Gitarre und dem Bass gehören auch vereinzelt eine Geige und eine Trommel zum Instrumentarium dazu. Die gespielten Lieder kenne ich nicht, aber das macht nichts, das Material ist catchy genug, um mich gut zu entertainen. Sarah erzählt in einer Szene irgend etwas von ihrer Schwangerschaft, aber ich kapiere nicht so recht, ob sie zur Zeit schwanger ist, oder schwanger war. Hinterher sagt man mir, daß sie bereits Mutter geworden ist (ob das stimmt?) und deshalb wieder volle Pulle losrocken kann. Wenn das Kind nach der Mami kommt, dann wird es ein Temperamentsbündel!

Zum letzten Song machen die Snavelys noch einmal die allerletzten Kräfte frei. Die Haare von Sarah fliegen wie bei Heavy Metal Musikern durch die Luft und zusammen mit Jacob hüpft sie meterhoch im Gleichklang. Abgefahren! Mein Freund Michael kauft hinterher ihre CD Boo, die beim Haldern Pop-Label erschienen ist.

Setlist Dag för Dag, Le Divan du Monde, Paris:

01: Light on your feet
02: Cry cry (?)
03: Hands an knees
04: ?
05: Hearts and bones
06: Boxed in pine
07: In hiding
08: Animal
09: Traffic jam
10: Ring me, Elise

Exkurs: Dag för Dag, Albumkritik Boo bei Plattentest. de , klick!

Haldern Pop ist auch das Stichwort beim letzten Act des Abends. Die Deutsch- Engländerin Anika, erzählte mir nach ihrem Konzert, daß sie seit 10 Jahren für das schöne Festival am Niederrhein helfenderweise tätig ist und von der Arbeit am Kassenhäuschen bis hin zur Betreuung im Backstage-Bereich schon alle Jobs gemacht hat. Anika pendelt zwischen Berlin und Bristol und hat kürzlich ihr erstes selbstbetiteltes Album auf den Markt gebracht. Songs von diesem Werk, in den meisten Fällen ungewöhnliche Cover, performt sie auch beim heutigen Konzert. Ganz in schwarz gekleidet, erscheint die bildhübsche Blondine auf der Bühne und wird musikalisch von einer mehrköpfigen Rhythmustruppe begleitet. Ihre Musik ist extrem düster, trist, monoton. Und genau diese Tristesse ist es, die mich fasziniert! Sie erinnert mich an die Anfänge von Joy Division aber auch an die Young Marble Giants. Kein Gramm Zucker wird dem minimalistischem Sound hinzugemischt, alles ist karg, nüchtern, deprimierend. Toll, ich liebe das! Anika bewegt sich keinen Zentimeter auf der Bühne. Wie angewurzelt murmelt sie die Texte ins Mikro (es ist mehr ein Sprechen als ein Singen) und wirkt dabei wie eine moderne Nico. Von Lied zu Lied bin ich mehr begeistert. Vor allem das Cover von Masters Of War ist der Hammer! Ich verbringe eine ganz tolle Zeit, bin hingerissen vom kühlen Charisma der Blondine und den gemeinen Bassläufen, die viele Songs begleiten. Selbst die Drummachine erinnert an She's Lost Control von Joy Division. Joy Division, immer wieder Joy Division*, tausende aktuelle Bands versuchen den Stil der Kultband zu reproduzieren. Aber so gut wie Anika hat es in den letzten Jahren kaum jemand hinbekommen, die suizidäre Atmosphäre von Manchester in die Neuzeit und andere Städte zu übertragen. Anika hat ihr Album mit den Leutchen von Beak aufgenommen. Dahinter steckt unter anderem Geoff Barrow, Mastermind von Portishead. Kein Wunder, daß das Resultat so überzeugend geworden ist!

Kurzum: Anika ist granatenhaft toll! Eine spitzenmäßige Neuentdeckung! Und sie hat seltsamerweise noch nie in Deutschland gespielt...

Was für ein feiner Konzertabend, bestimmt besser als der ursprünglich angedachte in der Boule Noire. Die Leute, die bei School Of Seven Bells dabei waren, äußern sich nämlich hinterher sehr enttäuscht. Meine Verpenntheit hat also doch manchmal gute Nebeneffekte!

Setlist Anika, Le Divan du Monde, Paris:

01: Terry
02: End of the world
03: No one's there
04: He hit me
05: Yang Yang
06: Go to sleep
07: Masters of war
08: Love buzz
09: Officer officer
10: Sadness hides the sun

Setlist Screaming Females, Le Divan du Monde, Paris, klick!


* man könnte natürlich auch andere Bands von Factory nennen, zum Beispiel A Certain Ratio, Cabaret Voltaire und The Durutti Column. Ansonsten Sucide, Blondie oder Throbbing Gristle. Aber lassen wir am besten das Namedropping...



Anika & Dag för Dag, Paris, 03.11.10


Konzert: Anika & Dag för Dag (Screaming Females)

Ort: Le Divan Du Monde
Datum: 03.11.2010
Zuschauer: mittlere Raumauslastung



Da sieht man mal wie schlaftrunken ich von den vielen Konzerten und durchgemachten Nächten bin!

Ich Trottel bringe es doch tatsächlich fertig, in die Boule Noire zu latschen, mir mein Ticket abreissen zu lassen, mit Vorfreude im Bauch Richtung Konzertsaal zu gehen, nur um dann darauf aufmerksam gemacht zu werden, daß mein Festivalpass erst ab dem 4. November gültig ist! Der Kartenabreisser hat eine geschlagene Viertelstunde gebraucht, um ihn wieder zu finden.

Nix also mit School Of Seven Bells, sondern Rückzug auf die Straße. Was tun? Nach Hause fahren? Nö, kommt gar nicht in die Tüte! Zufällig hatte ich mitbekommen, daß im gleich um die Ecke liegenden Divan Du Monde auch ein Konzertabend läuft. Glücklicherweise kenne ich die Veranstalter und die lassen mich prompt gratis eintreten. Weil ich Konzertblogger bin wohlgemerkt, nicht weil ich so nett gucke.

Drinnen sind die Screaming Females bereits mit ihrem Programm durch. Der Zuschauerandrang hält sich in recht engen Grenzen, was auch damit zu tun hat, daß im November unzählige gute Konzerte gleichzeitig stattfinden. Egal, so hat man Luft zum Atmen. Die Schweden Dag för Dag stehen nun an. Schon beim ersten Song sieht man, wie wild die drauf sind! Das Geschwister-Pärchen Sarah und Jacob Snavely (begleitet von dem Drummer Chuck Bukowski) rockt ab wie Hölle! Sarah ist besonders aufgestachelt, sie spielt barfuß und reißt ihren Fuß wie eine Ballettänzerin nach oben, performt aber dennoch auf einem Bein lässig weiter. Saucool! Der Sound ist garagig, melodiös und treibend, die Schweden denken nicht im Traum daran, ruhigen Folk-Pop wie ihre zahlreichen Landsleute zu spielen. Als Referenzen schießen mir die Kills, die Handsome Furs oder Joe Gideon and The Shark in den Kopf, aber was die Skandinavier hier treiben, ist dennoch eigen. Neben der Gitarre und dem Bass gehören auch vereinzelt eine Geige und eine Trommel zum Instrumentarium dazu. Die gespielten Lieder kenne ich nicht, aber das macht nichts, das Material ist catchy genug, um mich gut zu entertainen. Sarah erzählt in einer Szene irgend etwas von ihrer Schwangerschaft, aber ich kapiere nicht so recht, ob sie zur Zeit schwanger ist, oder schwanger war. Hinterher sagt man mir, daß sie bereits Mutter geworden ist (ob das stimmt?) und deshalb wieder volle Pulle losrocken kann. Wenn das Kind nach der Mami kommt, dann wird es ein Temperamentsbündel!

Zum letzten Song machen die Snavelys noch einmal die allerletzten Kräfte frei. Die Haare von Sarah fliegen wie bei Heavy Metal Musikern durch die Luft und zusammen mit Jacob hüpft sie meterhoch im Gleichklang. Abgefahren! Mein Freund Michael kauft hinterher ihre CD Boo, die beim Haldern Pop-Label erschienen ist.

Setlist Dag för Dag, Le Divan du Monde, Paris:

01: Light on your feet
02: Cry cry (?)
03: Hands an knees
04: ?
05: Hearts and bones
06: Boxed in pine
07: In hiding
08: Animal
09: Traffic jam
10: Ring me, Elise

Exkurs: Dag för Dag, Albumkritik Boo bei Plattentest. de , klick!

Haldern Pop ist auch das Stichwort beim letzten Act des Abends. Die Deutsch- Engländerin Anika, erzählte mir nach ihrem Konzert, daß sie seit 10 Jahren für das schöne Festival am Niederrhein helfenderweise tätig ist und von der Arbeit am Kassenhäuschen bis hin zur Betreuung im Backstage-Bereich schon alle Jobs gemacht hat. Anika pendelt zwischen Berlin und Bristol und hat kürzlich ihr erstes selbstbetiteltes Album auf den Markt gebracht. Songs von diesem Werk, in den meisten Fällen ungewöhnliche Cover, performt sie auch beim heutigen Konzert. Ganz in schwarz gekleidet, erscheint die bildhübsche Blondine auf der Bühne und wird musikalisch von einer mehrköpfigen Rhythmustruppe begleitet. Ihre Musik ist extrem düster, trist, monoton. Und genau diese Tristesse ist es, die mich fasziniert! Sie erinnert mich an die Anfänge von Joy Division aber auch an die Young Marble Giants. Kein Gramm Zucker wird dem minimalistischem Sound hinzugemischt, alles ist karg, nüchtern, deprimierend. Toll, ich liebe das! Anika bewegt sich keinen Zentimeter auf der Bühne. Wie angewurzelt murmelt sie die Texte ins Mikro (es ist mehr ein Sprechen als ein Singen) und wirkt dabei wie eine moderne Nico. Von Lied zu Lied bin ich mehr begeistert. Vor allem das Cover von Masters Of War ist der Hammer! Ich verbringe eine ganz tolle Zeit, bin hingerissen vom kühlen Charisma der Blondine und den gemeinen Bassläufen, die viele Songs begleiten. Selbst die Drummachine erinnert an She's Lost Control von Joy Division. Joy Division, immer wieder Joy Division*, tausende aktuelle Bands versuchen den Stil der Kultband zu reproduzieren. Aber so gut wie Anika hat es in den letzten Jahren kaum jemand hinbekommen, die suizidäre Atmosphäre von Manchester in die Neuzeit und andere Städte zu übertragen. Anika hat ihr Album mit den Leutchen von Beak aufgenommen. Dahinter steckt unter anderem Geoff Barrow, Mastermind von Portishead. Kein Wunder, daß das Resultat so überzeugend geworden ist!

Kurzum: Anika ist granatenhaft toll! Eine spitzenmäßige Neuentdeckung! Und sie hat seltsamerweise noch nie in Deutschland gespielt...

Was für ein feiner Konzertabend, bestimmt besser als der ursprünglich angedachte in der Boule Noire. Die Leute, die bei School Of Seven Bells dabei waren, äußern sich nämlich hinterher sehr enttäuscht. Meine Verpenntheit hat also doch manchmal gute Nebeneffekte!

Setlist Anika, Le Divan du Monde, Paris:

01: Terry
02: End of the world
03: No one's there
04: He hit me
05: Yang Yang
06: Go to sleep
07: Masters of war
08: Love buzz
09: Officer officer
10: Sadness hides the sun

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* man könnte natürlich auch andere Bands von Factory nennen, zum Beispiel A Certain Ratio, Cabaret Voltaire und The Durutti Column. Ansonsten Sucide, Blondie oder Throbbing Gristle. Aber lassen wir am besten das Namedropping...