Wie man der Veröffentlichungszeit unschwer entnehmen kann, war ich gestern, Freitagabend, nicht in Zürich in der Zukunft. Allzu intensiv daran denken darf ich nicht, sonst schnürt's mir die Kehle zu vor Traurigkeit. Vor wenigen Stunden ging der Gig von Keith Worthy und Patrice Scott zu Ende, tatkräftig unterstützt von Alex Dallas und Ron Shiller, doch zeitlich lässt sich das derzeit nicht mit meiner anderen Identität in Einklang bringen. Schade. Denn beide Detroiter DJs einzeln zu erleben war bereits überwältigend, und von ihren Back-2-Back Sets, ob in der Panoramabar oder auf dem Disko300 Festival, wurde mir stets vorgeschwärmt. Doch meine Zeit wird kommen, und bis dahin erfreue ich mich an den Produktionen von Keith Worthy und den Veröffentlichungen auf Aesthetic Audio sowie am Material auf Sistrum Recordings und aus Patrice Scotts Händen.
"Analog Dreams" ist nach "Distance Against Time" Patrice Scotts zweite 12" in diesem Jahr. Akribisch genau hält er einen streng zurückhaltenden aber regelmässigen Output-Kurs ein mit jährlich zwei EPs seit 2006 / 2007 - die zwei Remixe, die in diesem Jahr für BLM & Pawas sowie Fred P hinzukamen, einmal nicht mit eingerechnet.
Ausladend, monumental, voluminös - das, was ein Song / Track aus der Motor City durchaus mitbringen kann, oftmals auch überzogen vom Gestus bis hin zur dekorativen Ausgestaltung, war ja noch nie der Fall des Patrice Scott. Vielmehr wandelt er auf dem erleuchteten Pfad des "ruff, rugged and raw". Er beruft sich auf die Kraft der Einfachheit und erfreut mit im Grundriss geradlinigen und übersichtlichen Tracks und erreicht gerade aufgrund des geübten Zusammenspiels der einzelnen Elemente eine wesentlich weitreichendere Wirkung. Ausgewogene Bassfrequenzen, treibende, auf den Punkt genau programmierte Drums, Synthesizer-Flächen mit flirrend leicht wirkenden Konturen - sie beschwören zum einen die Hitze eines gewitterträchtigen Sommertags mit in der Ferne aufsteigenden bedrohlichen Wolkenzügen. Es ist das unheimliche Kraftpotenzial, das in Patrice Scotts Tracks innewohnt. Zum anderen vermitteln sie eine immer ein wenig zu Schwermut neigende schwebende Melodiosität, ohne dabei in eine Art Weltschmerz und Resignation auszubrechen. Elegisch und reflexiv wirken Patrice Scotts analoge Traumbilder, die Ausgangspunkt seiner künstlerischen Produktionen seit jeher sind. An absolute killer of an EP!
Patrice Scott - Mind Rhythms Sample (Track 3, Analog Dreams, Sistrum Recordsings) by The Secret Agency
English (short) version: following the path of "ruff, rugged and raw", Patrice Scott is delivering an absolute killer of an EP, powerful and elegiac at the same time, sounding more like a reflective prayer.
Mehr im Web:
Patrice Scott @ MySpace
Sistrum Recordings
Sistrum Recordings @ Facebook
Patrice Scott - Live At Shift Festival 2009 Pt. 1 @ RBMA
Patrice Scott - Live At Shift Festival 2009 Pt. 2 @ RBMA
Patrice Scott - Data Transmission Podcast 117 by The Secret Agency
Solab - Celestial Tales
Musik aus dem Hause Solab sorgt bei mir für glänzende Augen und feuchte Hände, auch wenn Scharfmacher unter den Kritikern mir nun vorwerfen werden, dass es sich dabei doch nur um die inzwischen soundsovielte Rezeption einer musikalischen Erbmasse handelt. Diese ist jedoch längst auseinandergerissen, was zähe Kämpfe um die Berechtigung tatsächlicher, mutmasslicher oder möglicher Erben obsolet macht. Wenn man denn dieses sprachliche Bild weiterführen möchte, bestätigen die bisherigen Releases von Ross McMillan und Graham Wilson, das sind Solab, ihre Stellung als am Nachlass berechtigte Erben, vergleichbar einer Erbbescheinigung. Nun gut. Seit nahezu zwei Jahrzehnten sind die beiden Schotten unterwegs als DJs, Produzenten und Labelbetreiber. Graham Wilson beispielsweise kümmert sich gemeinsam mit dem Sub Club-Resident Domenic Capello um das Imprint 7th Sign Recordings, inzwischen ist da auch Ross McMillan daran beteiligt, und so kümmern sich die beiden darum, dass Schottland in einem Moor aus Slow Motion House und Disco Edits zu versinken droht.
Schroffe, zerklüftete Beats rumpeln und poltern auf "Celestial Tales" wie ein Pferdefuhrwerk, das, beladen mit Whiskyfässern, über einen Schotterweg hinab ans Meer zu einer kleinen Schiffsanlegestelle fährt.
Untitled Track by Ross(Solab/CarlosNilmmns)
Im Gegensatz dazu entfalten Ross McMillan und Graham Wilson in ihrem Track "IOK2" eine samtige, beinahe betörende Milde, wären da nicht die "rauchig" klingenden Synthesizer-Pattern im Hintergrund. Hinsichtlich Geschmeidigkeit packen die beiden Schotten bei "Just Like Home" noch einen obendrauf - leicht nachlässig wirkende, schlurfende Drums sowie das wiederkehrend gesprochene, vielmehr gehauchte Wörtchen "Soul" leisten ihren Beitrag dazu. Und "Gliese 581"? Ein kauzig knorriger, behäbiger Track. Fein!
Übrigens: Ende diesen / Anfang nächsten Jahres erscheint eine weitere 12" von Solab, auf 7th Sign Recordings. Reinhören in einen Track lässt sich bereits hier anhören.
English (short) version: Ross McMillan and Graham Wilson team up for another release under their Solab project name. Pure, raw, rough, rugged and hardcore on the on side, baby smooth on the other. Dope!
Mehr im Web:
Solab @ MySpace
Carlos Nilmmns @ MySpace
Ross McMillan @ Soundcloud
7th Sign Recordings
Fizzy Duck Records
Lifeworld
Solab - Interview & Podcast @ Electronic Directory
Schroffe, zerklüftete Beats rumpeln und poltern auf "Celestial Tales" wie ein Pferdefuhrwerk, das, beladen mit Whiskyfässern, über einen Schotterweg hinab ans Meer zu einer kleinen Schiffsanlegestelle fährt.
Untitled Track by Ross(Solab/CarlosNilmmns)
Im Gegensatz dazu entfalten Ross McMillan und Graham Wilson in ihrem Track "IOK2" eine samtige, beinahe betörende Milde, wären da nicht die "rauchig" klingenden Synthesizer-Pattern im Hintergrund. Hinsichtlich Geschmeidigkeit packen die beiden Schotten bei "Just Like Home" noch einen obendrauf - leicht nachlässig wirkende, schlurfende Drums sowie das wiederkehrend gesprochene, vielmehr gehauchte Wörtchen "Soul" leisten ihren Beitrag dazu. Und "Gliese 581"? Ein kauzig knorriger, behäbiger Track. Fein!
Übrigens: Ende diesen / Anfang nächsten Jahres erscheint eine weitere 12" von Solab, auf 7th Sign Recordings. Reinhören in einen Track lässt sich bereits hier anhören.
English (short) version: Ross McMillan and Graham Wilson team up for another release under their Solab project name. Pure, raw, rough, rugged and hardcore on the on side, baby smooth on the other. Dope!
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