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Brisa Roché, 23.09.10


Konzert: Brisa Roché

Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 23.09.10
Zuschauer: gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Konzertdauer: etwa 70 Minuten


Beau concert de la californienne Brisa Roché au Divan Du Monde. Chronique en français plus detaillée à venir!


Ausländische Musiker, die in Paris eine Zeit lang oder für immer eine Heimat gefunden haben, gibt es so einige. Die bekanntesten Namen sind sicherlich Jim Morrison, Jarvis Cocker, Beirut, Peter Doherty, Feist, Coco Rosie, Ken Stringfellow (The Posies), Aaron Dessner (The National) und ähem, Kylie Minogue.

Aber auch etwas weniger bekannte Künstler leben in der Stadt der Liebe. Der Liebe wegen konsequenterweise. Oft liegt die Sache darin begründet, daß der Partner Franzose ist und man zu ihm nach Paris zieht. Ob die Kalifornierin Brisa Roché mit einem Frenchie zusammen ist, weiß ich nicht, aber sie muß zumindest vor ein paar Monaten Liebe gemacht haben ("faire l'amour" auf französisch), sonst wäre sie jetzt nicht schwanger. Logisch. Wenn ich mich recht erinnere, ist sie die dritte werdende Mutter, die ich musizierend auf einer Bühne sehe, nachdem sich mir schon Laura Veirs und Inga Lileström mit Bäuchlein gezeigt haben. Bewunderswert, diese Energie! Aber wenn ein neues Album promotet werden muss, dann bleibt halt eben keine Zeit, däumchendrehend zu Hause auf die Niederkunft zu warten.

Brisa Roché tritt also tapfer an, denn es gilt den neuen Output All Right Now dem Publikum schmackhaft zu machen. In rotem Kleid steht die gothisch angehauchte Lady auf der Bühne des Divan Du Monde und wird bei ihrem Auftritt von einer weiteren Frau, der Keyboarderin Lena Deluxe (Roken is Dodelijk) und drei männlichen Musikern begleitet. Der schöne, etwa 500 Leute fassende Raum ist dicht bevölkert , aber nicht ganz ausverkauft. Die Temperaturen sind erträglich, ganz im Gegensatz zu der Bullenhitze, die gestern in der Fléche d'Or herrschte. Gute Rahmenbedingungen also, wenn nicht einige Leute so ungeniert laut plappern würden. Man muss wissen, daß der Divan Du Monde die Lautstärke regelmäßig recht stark drosselt und Unterhaltungen deshalb als sehr störend empfunden werden. Schon erstaunlich, daß einige Leute so wenig Respekt vor der Kunst haben! Denn Kunst ist es in der Tat, was die kesse Brisa da vorne abliefert. Ihre Musik ist eine charmante Mischung aus 60 ies Pop, Jazz, New Wave und Chanson. Zu gefällig und nett meckern die einen, großartig sagen die anderen, vor allem die angesehenen Musikgazetten Les Inrocks und Magic. Ich selbst konnte mit ihrem zweiten Album Takes (2007) jahrelang nicht viel anfangen, obwohl ich es mir aus Neugierde gleich nach Erscheinen gekauft hatte. Erst kürzlich ist der Knoten bei mir geplatzt und seitdem höre ich es immer mal wieder recht gerne. Roché hat einfach einen gewissen Schmelz in der Stimme, der mir gefällt und außerdem schadet es mir gar nicht, mal etwas fröhlichere Musik als sonst zu hören. Ihre Musik klingt in der Tat wie eine Mischung aus amerikanischem Sunshinepop (The Beach Boys, The Supremes) und französischem Chanson à la Jane Birkin oder Françoise Hardy. Auf dem neuen Album (das ich noch nicht habe) scheint sie rockiger und waviger zu werden, zumindest wirkt das live so. Und die alten Sachen von Takes hat sie heute komplett umarrangiert und ganz anders als auf CD klingen lassen. "Habt ihr den Song gerade erkannt?", fragt sie deshalb in einer Szene lächelnd und mit einer perfekten französischen Aussprache. Charismatisch ist sie, diese kalifornische Adoptivfranzösin und auch sehr gesprächig und offen. Das Publikum mag sie. Ein ganz kurioser Fan ist so aus dem Häusche, daß er mit seinem falschen Leoparden-Pelzmantel wie ein Irrer umhertanzt und die Arme in die Höhe reißt, als hätte gerade eine gute Fee zu ihm gesprochen. Ansonsten bleiben die Leute doch ein wenig reserviert und an den falschen Stellen leise. Das Konzert vergeht dennoch wie im Fluge, nach einer Stunde ist das Set, daß auschließlich aus Liedern vom zweiten Album und dem Neuling besteht, regulär zu Ende.

Als Zugabe gibt es dann noch The Tide Is High von Blondie (die ich irgendwie nie so richtig mochte, ganz im Gegensatz zu meinem Mitblogger Christoph) und mit Open Your Lock ein feines Stück, das sie ganz alleine auf der Akustikgitarre vorträgt. Da merkt man daß sie stimmlich was auf dem Kasten hat und ich frage mich ein wenig, ob es nicht eigentlich besser gewesen wäre, wenn sie noch mehr reduzierte Stücke dieser Art vorgetragen hätte.

Aber das sind nur Marginalien, unter den Strich bleibt ein schönes Konzert im Gedächtnis haften.

Setlist Brisa Roché, Le Divan Du Monde, Paris:



Links:

- Plattentests.de zum Album Takes von Brisa Roché, klick!
- Der Spiegel.de mit einem interessanten Porträt zu Brisa Roché. Titel: "Sex-Rebellin mit Hippie-Herz
", klick!

Setlist Brisa Roché, Le Divan Du Monde, Paris:

01: It's Alright
02: Penetrate
03: Past Contemplative
04: Sweat King
05: Whistle
06: Do What You Can Do
07: Green Light
08: Hard As Love
09: Heavy Dreaming
10: Bloom
11: Stone Trade
12: Open Your Lock
13: Get Down
14: You're Wrong
15: Miles Ride

16: The Tide Is High (Blondie Cover)
17: Open Your Lock (solo)


Brisa Roché, 23.09.10


Konzert: Brisa Roché

Ort: Le Divan Du Monde, Paris
Datum: 23.09.10
Zuschauer: gut besuchte, aber nicht ausverkaufte Veranstaltung
Konzertdauer: etwa 70 Minuten


Beau concert de la californienne Brisa Roché au Divan Du Monde. Chronique en français plus detaillée à venir!


Ausländische Musiker, die in Paris eine Zeit lang oder für immer eine Heimat gefunden haben, gibt es so einige. Die bekanntesten Namen sind sicherlich Jim Morrison, Jarvis Cocker, Beirut, Peter Doherty, Feist, Coco Rosie, Ken Stringfellow (The Posies), Aaron Dessner (The National) und ähem, Kylie Minogue.

Aber auch etwas weniger bekannte Künstler leben in der Stadt der Liebe. Der Liebe wegen konsequenterweise. Oft liegt die Sache darin begründet, daß der Partner Franzose ist und man zu ihm nach Paris zieht. Ob die Kalifornierin Brisa Roché mit einem Frenchie zusammen ist, weiß ich nicht, aber sie muß zumindest vor ein paar Monaten Liebe gemacht haben ("faire l'amour" auf französisch), sonst wäre sie jetzt nicht schwanger. Logisch. Wenn ich mich recht erinnere, ist sie die dritte werdende Mutter, die ich musizierend auf einer Bühne sehe, nachdem sich mir schon Laura Veirs und Inga Lileström mit Bäuchlein gezeigt haben. Bewunderswert, diese Energie! Aber wenn ein neues Album promotet werden muss, dann bleibt halt eben keine Zeit, däumchendrehend zu Hause auf die Niederkunft zu warten.

Brisa Roché tritt also tapfer an, denn es gilt den neuen Output All Right Now dem Publikum schmackhaft zu machen. In rotem Kleid steht die gothisch angehauchte Lady auf der Bühne des Divan Du Monde und wird bei ihrem Auftritt von einer weiteren Frau, der Keyboarderin Lena Deluxe (Roken is Dodelijk) und drei männlichen Musikern begleitet. Der schöne, etwa 500 Leute fassende Raum ist dicht bevölkert , aber nicht ganz ausverkauft. Die Temperaturen sind erträglich, ganz im Gegensatz zu der Bullenhitze, die gestern in der Fléche d'Or herrschte. Gute Rahmenbedingungen also, wenn nicht einige Leute so ungeniert laut plappern würden. Man muss wissen, daß der Divan Du Monde die Lautstärke regelmäßig recht stark drosselt und Unterhaltungen deshalb als sehr störend empfunden werden. Schon erstaunlich, daß einige Leute so wenig Respekt vor der Kunst haben! Denn Kunst ist es in der Tat, was die kesse Brisa da vorne abliefert. Ihre Musik ist eine charmante Mischung aus 60 ies Pop, Jazz, New Wave und Chanson. Zu gefällig und nett meckern die einen, großartig sagen die anderen, vor allem die angesehenen Musikgazetten Les Inrocks und Magic. Ich selbst konnte mit ihrem zweiten Album Takes (2007) jahrelang nicht viel anfangen, obwohl ich es mir aus Neugierde gleich nach Erscheinen gekauft hatte. Erst kürzlich ist der Knoten bei mir geplatzt und seitdem höre ich es immer mal wieder recht gerne. Roché hat einfach einen gewissen Schmelz in der Stimme, der mir gefällt und außerdem schadet es mir gar nicht, mal etwas fröhlichere Musik als sonst zu hören. Ihre Musik klingt in der Tat wie eine Mischung aus amerikanischem Sunshinepop (The Beach Boys, The Supremes) und französischem Chanson à la Jane Birkin oder Françoise Hardy. Auf dem neuen Album (das ich noch nicht habe) scheint sie rockiger und waviger zu werden, zumindest wirkt das live so. Und die alten Sachen von Takes hat sie heute komplett umarrangiert und ganz anders als auf CD klingen lassen. "Habt ihr den Song gerade erkannt?", fragt sie deshalb in einer Szene lächelnd und mit einer perfekten französischen Aussprache. Charismatisch ist sie, diese kalifornische Adoptivfranzösin und auch sehr gesprächig und offen. Das Publikum mag sie. Ein ganz kurioser Fan ist so aus dem Häusche, daß er mit seinem falschen Leoparden-Pelzmantel wie ein Irrer umhertanzt und die Arme in die Höhe reißt, als hätte gerade eine gute Fee zu ihm gesprochen. Ansonsten bleiben die Leute doch ein wenig reserviert und an den falschen Stellen leise. Das Konzert vergeht dennoch wie im Fluge, nach einer Stunde ist das Set, daß auschließlich aus Liedern vom zweiten Album und dem Neuling besteht, regulär zu Ende.

Als Zugabe gibt es dann noch The Tide Is High von Blondie (die ich irgendwie nie so richtig mochte, ganz im Gegensatz zu meinem Mitblogger Christoph) und mit Open Your Lock ein feines Stück, das sie ganz alleine auf der Akustikgitarre vorträgt. Da merkt man daß sie stimmlich was auf dem Kasten hat und ich frage mich ein wenig, ob es nicht eigentlich besser gewesen wäre, wenn sie noch mehr reduzierte Stücke dieser Art vorgetragen hätte.

Aber das sind nur Marginalien, unter den Strich bleibt ein schönes Konzert im Gedächtnis haften.

Setlist Brisa Roché, Le Divan Du Monde, Paris:



Links:

- Plattentests.de zum Album Takes von Brisa Roché, klick!
- Der Spiegel.de mit einem interessanten Porträt zu Brisa Roché. Titel: "Sex-Rebellin mit Hippie-Herz
", klick!

Setlist Brisa Roché, Le Divan Du Monde, Paris:

01: It's Alright
02: Penetrate
03: Past Contemplative
04: Sweat King
05: Whistle
06: Do What You Can Do
07: Green Light
08: Hard As Love
09: Heavy Dreaming
10: Bloom
11: Stone Trade
12: Open Your Lock
13: Get Down
14: You're Wrong
15: Miles Ride

16: The Tide Is High (Blondie Cover)
17: Open Your Lock (solo)


Metric, Paris, 26.05.10


Konzert: Metric

Ort: La Cigale, Paris
Datum: 26.05.10
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer. 70 Minuten


Als "accident de voyageur ou de personne" (Personenschaden) wird in der nüchternen Amtssprache der Pariser Verkehrsbetriebe RATP der Umstand bezeichnet, daß sich jemand vor den Zug geworfen hat. Diese menschlische Tragödie passiert leider nicht selten und heute war es wieder soweit: der Verkehr in der Metrolinie 8 sei unterbrochen, meldete eine Frauenstimme per Lautsprecherdurchsage. Zu jucken schien das kaum jemanden der wartenden Passagiere. Gelangweilt schauten die Leute auf ihre Blackberries oder Iphone und warteten einfach drauf, daß es gleich weitergeht. Von Betroffenheit keine Spur. Erst als 10-15 Minuten später immer noch nicht die nächste Metro eingetrudelt kam, wurden einige unruhig und verließen das unterirdische Labyrinth. Auch ich begab mich nach draußen, denn es war inzwischen 20 Uhr 45 und ich wollte zum Konzert von Metric in die Cigale. Ich fühlte mich mies, denn Suizide in der U-Bahn lassen mich nie ganz kalt. Früher dachte ich immer, daß sich Obdachlose in ihrem Elend vor die Züge stürzen, aber in einem Bericht über das Leben der Clochards auf der Straße habe ich neulich erfahren, daß sie sich ganz selten das Leben nehmen. Begründung eines befragten Psychiaters: Obdachlose denken nur an den nächsten Tag und nicht weiter und irgendwie sorgt dies bei ihnen für weniger Zukunftsängste als bei Leuten, die an die nächsten 5 bis 10 Jahre oder noch weiter denken und dementsprechend planen.

Ich musste nun ein Taxi nehmen, um noch rechtzeitig zum Konzert zu kommen. Dies gelang mir auch und als ich in das stickige und übervölkerte Theater im Pigaleviertel eintrat, erklang gerade das erste Lied. Als hätte ein Schiedsrichter bei einem Wettlauf den Startschuss abgegeben, gingen hunderte Leute ab wie ein Zäpfchen. Wie auf Befehl. Alle hüpften und sangen jede einzelne Strophe mit. Ich fühlte mich wie ein nüchterner Mensch, der ins Hofbräuhaus eintritt, wo quasi jeder besoffen wie ein Schwein ist und grundlos auf den Tischen rumtanzt. Grauenvoll. Wo war ich hier gelandet? Im Club Robinson, bzw. Med? Emily Haines war die Animateurin und das Publikum die vergnügunsgeilen Clubgäste. Es war schwül warm, ich stand bedrängt auf einer Treppenstufe in der Nähe der Boxen und der Sound war dumpf, basslastig und scheppernd. Alles andere als ein Vergnügen, diese Veranstaltung! Ich ermahnte mich selbst und sagte mir innerlich: "Hey, Oliver, mach dich locker und amüsier' dich doch auch. Sei kein Spielverderber!" Emily Haines keifte derweil eine von den Beastie Boys entlehnte Songzeile: "We gonna fight for our right to party." Das machte mich fertig. Ich konnte mich einfach nicht amüsieren, weil ich schmerzlich erkennen musste, wie flach die Musik von Metric ist. Indie-Disko für den Ballermann, schoß es mir durch den Kopf. Dümmliche Refrains, die jeder Heini mitgrölen kann ("Beating like a hammer, beating like a hammer") und Gitarrenriffs, die wie auf Bestellug kamen. Dabei waren die Gitarren letztlich nur Staffage um cool zu wirken, denn seien wir ehrlich: Metric machen Pop und nichts anderes. Klar, Emily Haines sah prima aus wie immer, stylische goldene Stiefelchen, ein kurzes Glitzerkleidchen und makellos schöne Beine. Aber deshalb gleich pausenlos ausrasten? Nö! Ich jedenfalls nicht. Die (meist männlichen) Fans hingen ihr aber an den Lippen und wenn sie nach vorne an den Bühnenrand kam, grapschte jeder nach ihren Händen. Ich fand das affig. Dennoch war es ratsam, immer nur auf Emily zu glotzen, denn den Anblick des Bassisten und des Gitarristen konnte ich nicht ertragen. Zwei überaus eitle, permanent posende Schönlinge, die die abgedroschensten Rockstargesten darboten und sich dabei obercool vorkamen. Hilfe!

Am schlimmsten war aber, das jeder Song gleich klang. Ein ungenießbarer Brei aus garagigen Bässen und wummernden Synthiebeats, der eklige Assoziationen zu Placebo, den verfluchten Killers oder anderen ätzenden Bands bei mir hervorrief. Egal ob Help I'm Alive, Gimme Sympathy, Dead Disco oder den oberfeisten Abschlußsong Stadium Love, ich fand jeden dieser Hits kacke, die Gestik von Haines einstudiert, die Euphorie künstlich. Gut, daß das Trauerspiel nur eine Stunde dauerte. Zwei doofe Zugaben (Monster Hospital und das schnulzige Combat Baby) und zehn Minuten später und ich war erlöst. Das Publikum jubelte, als ob Frankreich die WM gewonnen hätte, aber ich spielte die Spaßbremse, zog eine schlechtgelaunte Fluppe und suchte das Weite. Musikalisch hatte ich trotz überbordender Energie der Frontlady eines der schlechtesten Konzertes des Jahres gesehen. Möglicherweise hat mir der eingangs geschilderte "Personenschaden" den Abend versaut (ich Sensibelchen!), ich denke aber, daß ich auch mit besserer Laune nicht den gleichen Spaß wie die meisten Zuschauer gehabt hätte. Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, daß ich durch meine Wohnzimmersessions und die kleinen Clubkonzerte verwöhnt bin und Massenveranstaltungen wie der heutigen kaum noch etwas abgewinnen kann. Aber ich bin es auch selbst Schuld. In der Flèche d'or spielten heute Micah P Hinson und The Leisure Society, im Scopitone Gemma Ray und in der Maroquinerie The New Pornographers und Here We Go Magic. Die Auswahl an guten Indiekonzerten war also groß und der Besuch des Konzertes von Metric nicht zwingend nötig.

Pour nos lecteurs français:

Par moment je me sentais comme au Club Med ce soir à la Cigale. Emily Haines de Metric était la Go et le public surchauffé les GM. Dès le premier morceau la foule se déchaîna comme s'il fallait faire la fête de l'année. Un public conquis d' avance donc qui se foutait un peu des chansons, qui, pour moi, sonnaient toutes plus au moins pareilles. Refrains catchy ("beating like a hammer, beating like a hammer") melodies entêtantes et un beat dansant, melangé avec des riffs sanglants, voila la recette qui faisait danser de joie tout le monde. Sauf moi. Certes, Emily faisait preuve d'une énergie remarquable, se donnait à fond et justifiait complètement son statut de bête de scène, mais musicalement le tout restait étrangement plat. Les riffs venaient comme sur commande, les morceaux allaient toujours droit au but et le son était pourri, au moins dans mon coin. Pas étonnant donc que le public n'était pas composé des personnes qui vont regulièrement au petits concerts indés. Ici reignait une ambiance quasi festivaliaire, dominé par des gens qui tapaient sur le moindre rythme dans la main. J'ai trouvé cela plutot génant. Pourtant Emily etait sublime comme d'habitude. Petites bottines (des low boots plus précisement) dorées très chic, jambes impeccables et mini jube paillettée. Jolie ca! A ces côtés deux mecs qui posaient comme des clowns en faisant sans cesse des gestes des rock stars. Ridicule. Finalement j'étais content que le concert ne dure pas plus que 70 petites minutes, rappels inclus. Le public hurlait de joie comme si la France avait gagné la coupe du monde, mais moi j'étais plutôt deçu que je n'avais pas opté pour les concerts de Micah P Hinson à la Flèche d'or où de The New Pornographers à la Maro. Des concerts grand public comme ce soir à la Cigale me passionnent de moins en moins. Mais bon, c'est mon goût personnel, c'est compréhensible que la très grande majorité du public avait passé une excellente soirée avec une Emily Haines survoltée et sexy en diable.

Setlist Metric, La Cigale, Paris:

01: Twilight Galaxy
02: Satellite Mind
03: Front Row
04: Help I'm Alive
05: Empty
06: Gold Gun Girls
07: Gimme Sympathy
08: Sick Muse
09: Dead Disco
10: Stadium Love

11: Monster Hospital
12: Combat Baby

Aus unserem Archiv:

Metric, Paris, 31.08.09
Metric, Paris, 30.08.09
Metric, Köln, 05.05.09


Metric, Paris, 26.05.10


Konzert: Metric

Ort: La Cigale, Paris
Datum: 26.05.10
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer. 70 Minuten


Als "accident de voyageur ou de personne" (Personenschaden) wird in der nüchternen Amtssprache der Pariser Verkehrsbetriebe RATP der Umstand bezeichnet, daß sich jemand vor den Zug geworfen hat. Diese menschlische Tragödie passiert leider nicht selten und heute war es wieder soweit: der Verkehr in der Metrolinie 8 sei unterbrochen, meldete eine Frauenstimme per Lautsprecherdurchsage. Zu jucken schien das kaum jemanden der wartenden Passagiere. Gelangweilt schauten die Leute auf ihre Blackberries oder Iphone und warteten einfach drauf, daß es gleich weitergeht. Von Betroffenheit keine Spur. Erst als 10-15 Minuten später immer noch nicht die nächste Metro eingetrudelt kam, wurden einige unruhig und verließen das unterirdische Labyrinth. Auch ich begab mich nach draußen, denn es war inzwischen 20 Uhr 45 und ich wollte zum Konzert von Metric in die Cigale. Ich fühlte mich mies, denn Suizide in der U-Bahn lassen mich nie ganz kalt. Früher dachte ich immer, daß sich Obdachlose in ihrem Elend vor die Züge stürzen, aber in einem Bericht über das Leben der Clochards auf der Straße habe ich neulich erfahren, daß sie sich ganz selten das Leben nehmen. Begründung eines befragten Psychiaters: Obdachlose denken nur an den nächsten Tag und nicht weiter und irgendwie sorgt dies bei ihnen für weniger Zukunftsängste als bei Leuten, die an die nächsten 5 bis 10 Jahre oder noch weiter denken und dementsprechend planen.

Ich musste nun ein Taxi nehmen, um noch rechtzeitig zum Konzert zu kommen. Dies gelang mir auch und als ich in das stickige und übervölkerte Theater im Pigaleviertel eintrat, erklang gerade das erste Lied. Als hätte ein Schiedsrichter bei einem Wettlauf den Startschuss abgegeben, gingen hunderte Leute ab wie ein Zäpfchen. Wie auf Befehl. Alle hüpften und sangen jede einzelne Strophe mit. Ich fühlte mich wie ein nüchterner Mensch, der ins Hofbräuhaus eintritt, wo quasi jeder besoffen wie ein Schwein ist und grundlos auf den Tischen rumtanzt. Grauenvoll. Wo war ich hier gelandet? Im Club Robinson, bzw. Med? Emily Haines war die Animateurin und das Publikum die vergnügunsgeilen Clubgäste. Es war schwül warm, ich stand bedrängt auf einer Treppenstufe in der Nähe der Boxen und der Sound war dumpf, basslastig und scheppernd. Alles andere als ein Vergnügen, diese Veranstaltung! Ich ermahnte mich selbst und sagte mir innerlich: "Hey, Oliver, mach dich locker und amüsier' dich doch auch. Sei kein Spielverderber!" Emily Haines keifte derweil eine von den Beastie Boys entlehnte Songzeile: "We gonna fight for our right to party." Das machte mich fertig. Ich konnte mich einfach nicht amüsieren, weil ich schmerzlich erkennen musste, wie flach die Musik von Metric ist. Indie-Disko für den Ballermann, schoß es mir durch den Kopf. Dümmliche Refrains, die jeder Heini mitgrölen kann ("Beating like a hammer, beating like a hammer") und Gitarrenriffs, die wie auf Bestellug kamen. Dabei waren die Gitarren letztlich nur Staffage um cool zu wirken, denn seien wir ehrlich: Metric machen Pop und nichts anderes. Klar, Emily Haines sah prima aus wie immer, stylische goldene Stiefelchen, ein kurzes Glitzerkleidchen und makellos schöne Beine. Aber deshalb gleich pausenlos ausrasten? Nö! Ich jedenfalls nicht. Die (meist männlichen) Fans hingen ihr aber an den Lippen und wenn sie nach vorne an den Bühnenrand kam, grapschte jeder nach ihren Händen. Ich fand das affig. Dennoch war es ratsam, immer nur auf Emily zu glotzen, denn den Anblick des Bassisten und des Gitarristen konnte ich nicht ertragen. Zwei überaus eitle, permanent posende Schönlinge, die die abgedroschensten Rockstargesten darboten und sich dabei obercool vorkamen. Hilfe!

Am schlimmsten war aber, das jeder Song gleich klang. Ein ungenießbarer Brei aus garagigen Bässen und wummernden Synthiebeats, der eklige Assoziationen zu Placebo, den verfluchten Killers oder anderen ätzenden Bands bei mir hervorrief. Egal ob Help I'm Alive, Gimme Sympathy, Dead Disco oder den oberfeisten Abschlußsong Stadium Love, ich fand jeden dieser Hits kacke, die Gestik von Haines einstudiert, die Euphorie künstlich. Gut, daß das Trauerspiel nur eine Stunde dauerte. Zwei doofe Zugaben (Monster Hospital und das schnulzige Combat Baby) und zehn Minuten später und ich war erlöst. Das Publikum jubelte, als ob Frankreich die WM gewonnen hätte, aber ich spielte die Spaßbremse, zog eine schlechtgelaunte Fluppe und suchte das Weite. Musikalisch hatte ich trotz überbordender Energie der Frontlady eines der schlechtesten Konzertes des Jahres gesehen. Möglicherweise hat mir der eingangs geschilderte "Personenschaden" den Abend versaut (ich Sensibelchen!), ich denke aber, daß ich auch mit besserer Laune nicht den gleichen Spaß wie die meisten Zuschauer gehabt hätte. Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, daß ich durch meine Wohnzimmersessions und die kleinen Clubkonzerte verwöhnt bin und Massenveranstaltungen wie der heutigen kaum noch etwas abgewinnen kann. Aber ich bin es auch selbst Schuld. In der Flèche d'or spielten heute Micah P Hinson und The Leisure Society, im Scopitone Gemma Ray und in der Maroquinerie The New Pornographers und Here We Go Magic. Die Auswahl an guten Indiekonzerten war also groß und der Besuch des Konzertes von Metric nicht zwingend nötig.

Pour nos lecteurs français:

Par moment je me sentais comme au Club Med ce soir à la Cigale. Emily Haines de Metric était la Go et le public surchauffé les GM. Dès le premier morceau la foule se déchaîna comme s'il fallait faire la fête de l'année. Un public conquis d' avance donc qui se foutait un peu des chansons, qui, pour moi, sonnaient toutes plus au moins pareilles. Refrains catchy ("beating like a hammer, beating like a hammer") melodies entêtantes et un beat dansant, melangé avec des riffs sanglants, voila la recette qui faisait danser de joie tout le monde. Sauf moi. Certes, Emily faisait preuve d'une énergie remarquable, se donnait à fond et justifiait complètement son statut de bête de scène, mais musicalement le tout restait étrangement plat. Les riffs venaient comme sur commande, les morceaux allaient toujours droit au but et le son était pourri, au moins dans mon coin. Pas étonnant donc que le public n'était pas composé des personnes qui vont regulièrement au petits concerts indés. Ici reignait une ambiance quasi festivaliaire, dominé par des gens qui tapaient sur le moindre rythme dans la main. J'ai trouvé cela plutot génant. Pourtant Emily etait sublime comme d'habitude. Petites bottines (des low boots plus précisement) dorées très chic, jambes impeccables et mini jube paillettée. Jolie ca! A ces côtés deux mecs qui posaient comme des clowns en faisant sans cesse des gestes des rock stars. Ridicule. Finalement j'étais content que le concert ne dure pas plus que 70 petites minutes, rappels inclus. Le public hurlait de joie comme si la France avait gagné la coupe du monde, mais moi j'étais plutôt deçu que je n'avais pas opté pour les concerts de Micah P Hinson à la Flèche d'or où de The New Pornographers à la Maro. Des concerts grand public comme ce soir à la Cigale me passionnent de moins en moins. Mais bon, c'est mon goût personnel, c'est compréhensible que la très grande majorité du public avait passé une excellente soirée avec une Emily Haines survoltée et sexy en diable.

Setlist Metric, La Cigale, Paris:

01: Twilight Galaxy
02: Satellite Mind
03: Front Row
04: Help I'm Alive
05: Empty
06: Gold Gun Girls
07: Gimme Sympathy
08: Sick Muse
09: Dead Disco
10: Stadium Love

11: Monster Hospital
12: Combat Baby

Aus unserem Archiv:

Metric, Paris, 31.08.09
Metric, Paris, 30.08.09
Metric, Köln, 05.05.09