Konzert: Band Of Horses Ort: La Cigale, Paris Datum: 26.02.2011 Zuschauer: ausverkauft Konzertdauer: satte 2 Stunden!
Wow, was für ein Knaller!!! Die Band Of Horses hat in Paris ein Hammerkonzert aufs Parkett gelegt, an daß sie sich selbst wahrscheinlich für immer erinnern wird.
Die Cigale, ein legendärer, sagenumwobener Ort, eine Location, die mir die unfassbarsten Konzerte beschert hat. Unvergessen die Show der kultigen Post Punk Band Gang Of Four vor über vier Jahren. Der in die Jahre gekommene Sänger Jon King verausgabte sich bis aufs Letzte, lag zwischen den Songs nach Atem ringend auf dem Boden und peitschte die Fans in den ersten Reihen regelrecht auf. Die totale Extase. Alela Diane (Foto rechts) rührte die Pariser im März 2008 mit ihrer festen Stimme, ihrem charmanten Lächeln und ihrer natürlichen Erscheinung zu Tränen und Beth Ditto und ihre Band Gossip rammten mich im November 2007 ungespitzt in den Boden. Was sich bei diesem Konzert abspielte war einfach unbeschreiblich, weibliche Fans die die Bühne stürmten, Beth herzten und küssten und eine bis in die Haarspitzen motivierte Frontlady, die sich die Seele aus dem Leib schrie. Denkwürdig auch der Auftritt der Pariser Sensationsband Syd Matters 2008, die mir die wundervollsten Gefühle bereiteten und ein atemberaubend schönes, intimes und bewegendes Konzert ablieferten.
Und nun heute die Band Of Horses. Grandios, gigantisch, orgasmisch, episch, einfach sagenhaft. S-A-G-E-N-haft! Ben Bridwell und seine Kumpels strotzten nur so vor Spielfreude, waren bestens aufgelegt, kommunzierten toll mit dem famos mitgehenden Publikum und hauten einen Hit nach dem anderen raus. Die Stimme von Ben: eine Weltsensation. Sie ging mir durch Mark und Bein. Die Gitarren: saftig, krachend, hochmelodisch. Das volle Brett. Das Schlagzeug: wuchtig und explosiv. Die Keyboardparts: melancholisch, hypnotisch, einschmeichelnd. Die Stimmung in der Cigale: kaum zu toppen. Der alte Theatersaal kochte, die Fans waren außer sich. Die überglückliche Band Of Horses bedankte sich tausendfach und aufrichtig gerührt für die sensationelle Untersützung und hinterher sah ich noch alle Bandmitglieder vor dem riesigen Tourbus. Der schnauzbärtige Bassist sprach von der besten Show ever, der dicke Keyboarder sagte zu amerikanischen Landsleuten, daß er so eine Stimmung noch nie erlebt habe, der baumlange ( 2 Meter??) und wahnsinnig nette Gitarrist Tyler Ramsey war ebenfalls total aus dem Häuschen. Und Oberhorse Ben Bridwell? Der ließ sich mit dem Duschen wahnsinnig viel Zeit und kam eine geschlagene Stunde später (!!) als seine Bandkollegen zum Bus gelatscht. Trotzdem hatten viele (vor allem weibliche) Fans geduldig und vor Kälte bibbernd auf ihn gewartet, worauf er wie folgt reagierte: Er hielt die Hände vor die Augen, rannte Richtung Straße (vielbefahren!) und legte sich flach auf den Boden, als wolle er sich unter ein Auto werfen. Ein paar Mädels schrien vor Entsetzen, aber schon kurze Zeit später stand Ben auf und ging breit grinsend zu seinen Fans, schrieb fleißig Autogramme, ließ sich Abknipsen, gab mir die Hand und unterhielt sich mit mir über die vorhergehenden Shows in Paris ("Maroquinerie was great"), um abzuschließen: "Today was the best show, it was really really special. A magical night, thanks to you guys. Thank you so much."
Morgen geht es zurück nach Amerika, Paris war die letzte Station der Europa-Tour. Für diese Show hatten sie die allerletzten Kräfte mobilisiert.
Setlist Band Of Horses, La Cigale, Paris:
01: Bats 02: Ode To LRC 03: Islands On The Coast 04: NW Apt. 05: Blue Beard 06: Compliments 07: Factory 08: Cigarettes, Wedding Bands 09: Marry Song 10: Part One 11: The General Specific 12: Mirage Rock 13: Dilly 14: Older (written and sung by Ryan Monroe) 15: No One's Gonna Love You 16: Is There A Ghost? 17: The Great Salt Lake 18: Monsters 19: Am I A Good Man? (Them Two Cover)
20: Evening Kitchen (written and sung by Ben Bridwell & Tyler Ramsey) 21: Infinite Arms 22: The Funeral
Photos: Archivbilder. Aktuelle Pics in Kürze, dann auch ein längerer Bericht.
Konzert: Band Of Horses Ort: La Cigale, Paris Datum: 26.02.2011 Zuschauer: ausverkauft Konzertdauer: satte 2 Stunden!
Wow, was für ein Knaller!!! Die Band Of Horses hat in Paris ein Hammerkonzert aufs Parkett gelegt, an daß sie sich selbst wahrscheinlich für immer erinnern wird.
Die Cigale, ein legendärer, sagenumwobener Ort, eine Location, die mir die unfassbarsten Konzerte beschert hat. Unvergessen die Show der kultigen Post Punk Band Gang Of Four vor über vier Jahren. Der in die Jahre gekommene Sänger Jon King verausgabte sich bis aufs Letzte, lag zwischen den Songs nach Atem ringend auf dem Boden und peitschte die Fans in den ersten Reihen regelrecht auf. Die totale Extase. Alela Diane (Foto rechts) rührte die Pariser im März 2008 mit ihrer festen Stimme, ihrem charmanten Lächeln und ihrer natürlichen Erscheinung zu Tränen und Beth Ditto und ihre Band Gossip rammten mich im November 2007 ungespitzt in den Boden. Was sich bei diesem Konzert abspielte war einfach unbeschreiblich, weibliche Fans die die Bühne stürmten, Beth herzten und küssten und eine bis in die Haarspitzen motivierte Frontlady, die sich die Seele aus dem Leib schrie. Denkwürdig auch der Auftritt der Pariser Sensationsband Syd Matters 2008, die mir die wundervollsten Gefühle bereiteten und ein atemberaubend schönes, intimes und bewegendes Konzert ablieferten.
Und nun heute die Band Of Horses. Grandios, gigantisch, orgasmisch, episch, einfach sagenhaft. S-A-G-E-N-haft! Ben Bridwell und seine Kumpels strotzten nur so vor Spielfreude, waren bestens aufgelegt, kommunzierten toll mit dem famos mitgehenden Publikum und hauten einen Hit nach dem anderen raus. Die Stimme von Ben: eine Weltsensation. Sie ging mir durch Mark und Bein. Die Gitarren: saftig, krachend, hochmelodisch. Das volle Brett. Das Schlagzeug: wuchtig und explosiv. Die Keyboardparts: melancholisch, hypnotisch, einschmeichelnd. Die Stimmung in der Cigale: kaum zu toppen. Der alte Theatersaal kochte, die Fans waren außer sich. Die überglückliche Band Of Horses bedankte sich tausendfach und aufrichtig gerührt für die sensationelle Untersützung und hinterher sah ich noch alle Bandmitglieder vor dem riesigen Tourbus. Der schnauzbärtige Bassist sprach von der besten Show ever, der dicke Keyboarder sagte zu amerikanischen Landsleuten, daß er so eine Stimmung noch nie erlebt habe, der baumlange ( 2 Meter??) und wahnsinnig nette Gitarrist Tyler Ramsey war ebenfalls total aus dem Häuschen. Und Oberhorse Ben Bridwell? Der ließ sich mit dem Duschen wahnsinnig viel Zeit und kam eine geschlagene Stunde später (!!) als seine Bandkollegen zum Bus gelatscht. Trotzdem hatten viele (vor allem weibliche) Fans geduldig und vor Kälte bibbernd auf ihn gewartet, worauf er wie folgt reagierte: Er hielt die Hände vor die Augen, rannte Richtung Straße (vielbefahren!) und legte sich flach auf den Boden, als wolle er sich unter ein Auto werfen. Ein paar Mädels schrien vor Entsetzen, aber schon kurze Zeit später stand Ben auf und ging breit grinsend zu seinen Fans, schrieb fleißig Autogramme, ließ sich Abknipsen, gab mir die Hand und unterhielt sich mit mir über die vorhergehenden Shows in Paris ("Maroquinerie was great"), um abzuschließen: "Today was the best show, it was really really special. A magical night, thanks to you guys. Thank you so much."
Morgen geht es zurück nach Amerika, Paris war die letzte Station der Europa-Tour. Für diese Show hatten sie die allerletzten Kräfte mobilisiert.
Setlist Band Of Horses, La Cigale, Paris:
01: Bats 02: Ode To LRC 03: Islands On The Coast 04: NW Apt. 05: Blue Beard 06: Compliments 07: Factory 08: Cigarettes, Wedding Bands 09: Marry Song 10: Part One 11: The General Specific 12: Mirage Rock 13: Dilly 14: Older (written and sung by Ryan Monroe) 15: No One's Gonna Love You 16: Is There A Ghost? 17: The Great Salt Lake 18: Monsters 19: Am I A Good Man? (Them Two Cover)
20: Evening Kitchen (written and sung by Ben Bridwell & Tyler Ramsey) 21: Infinite Arms 22: The Funeral
Photos: Archivbilder. Aktuelle Pics in Kürze, dann auch ein längerer Bericht.
Konzert: Angus & Julia Stone Ort: La Cigale, Paris Datum: 29.11.2010 Zuschauer: ausverkauft Konzertdauer: 90-95 Minuten
Welch ein Kontrast! Am Vortag hundsgemeine, unbeschreiblich laute und saumäßig aggressive Musik beim Konzert der kultigen Amerikaner Swans und heute ungemein nette, teilsweise akustische und peacige Klänge beim Auftritt des charmanten australischen Geschwisterpaars Angus & Julia Stone. "Choisis ton camp" sagen die Franzosen. Entscheide dich für ein Lager, bzw. einen Stil...
Hmm. Keine leichte Entscheidung. Zumal die Swans das aggressive Schwein in mir geweckt haben, das noch irgendwo in mir schlummerte. Mann, war das granatenhaft toll, wie uns die Amis mit ihrer höllisch noisigen Musik beballert haben! Bis an die Schmerzgrenze gingen sie und manchmal auch darüber hinaus. Und wie herrlich böse die Burschen teilweise geguckt haben! Vor allem der tätowierte Gitarrist rechts von der Bühne starrte einen brutal grimmig an, so als wolle er andeuten: "Hey, was willst Du kleiner Scheißer? Wenn du ein paar auf die Fresse willst, dann komm her!" Dabei waren die Swans natürlich in Wirklichkeit nicht so finster wie sie auf der Bühne wirkten. Bandleader Michael Gira ließ sich nach der mörderischen Show am Merch blicken, hatte sanfte blaue Augen, einen Cowboyhut und signierte höflich und zuvorkommend CDs. Man sollte halt nie vergessen, daß Musiker auf der Bühne auch ein wenig (manchmal sogar sehr viel) schauspielern. Darf man nicht mit ihrem wahren Wesen verwechseln.
Wie Angus & Julia Stone wohl privat so drauf sind? Sind die dann auch immer so süßlich nett, schüchtern und sanftmütig wie auf der Bühne? Oder zeigen sie ihre andere Seite, fauchen sich im Tourbus an und beschimpfen den jeweils anderen als blödes Arschloch? Wer weiß, wer weiß...
Nun gut, meine Stellungnahme ist jetzt gefragt. Choisis ton camp. Butter bei die Fisch! Also Angus und Julia gingen mir heute in der Cigale mit ihren permanenten Nettigkeiten und dem schüchtern koketten Lächeln teilweise ein wenig auf die Nerven. Vor allem Julia redete zwischen den Liedern so mädchenhaft süßlich, als sei sie gerade erst zwölf Jahre alt und hätte noch nie über die Strenge gezogen. Ihre Masche zog freilich erwartet gut, denn das Publikum fraß ihr von der ersten bis zur letzten Minute förmlich aus der zarten Hand und fand jede noch so kleine Geste und Mimik umwerfend charmant und entzückend. Eine Frau hinte mir lachte permanent, egal was gesagt oder gemacht wurde (z.B. wenn Angus seine Mundharmonika etwas linkisch zurecht rückte, was war daran so komisch?). Ich fühlte mich bisweilen wie in einem Film von Woody Allen.
Überhaupt das Publikum. Keinen einzigen Menschen kannte ich in dem von über 1000 Mitbürgern bevölkerten Saal. Und wenn ich die Leute nicht kenne, dann gehen die nicht oft auf Konzerte! Kurzum: Angus & Julia Stone ziehen hauptsächlich ein Mainstreampublikum an, das im Jahr vier bis 6 Gigs sieht. Ist ja auch nicht so dramatisch. Störender war hingegen, das ein paar arrogante Snobs unter ihnen waren. Links von mir stand ein Brillenträger, der wie der typische Streber aus der Schule wirkte, der aber jetzt auf dicke Hose macht, weil er seine erste Anstellung in einer renommierten Anwaltskanzlei ergattert hat und vor mir standen zwei Kashmir - Pullover tragende höhere Töchter mit hochnäsigem Blick, die unentwegt schnatterten und mit ihren blöden Iphons spielten. Ich fühlte mich zugegebenermaßen etwas unwohl in dieser angeberhaften Nachbarschaft, war aber zu eingekesselt, um mich woandershin zu stellen. Ich wäre ohnehin neben einem der unzähligen Liebespärchen gelandet, die hier Händchen haltend ihrer romatischen Ader freien Lauf ließen. Fand ich ja schon immer ziemlich scheiße sowas. Mit seiner Freundin aufs Konzert gehen und dann fummelnd und schmachtend auf die Bühne glotzen und warten bis "unser Lied" kommt. Grausam. Genau wie meine Frau hassen wir beide diese ganze Romantikkacke mit Kerzenschein und dem ganzen Kokolores. Seichter Dreck aus den verkitschten Achtzigern, den kein Mensch braucht.
Konsequenterweise war dann heute auch die Bühnendeko auf die Romantikerzielgruppe im Publikum ausgerichtet. Lichterketten, omahafte Lämpchen und dazu gedimmtes Licht.
Aber kommen wir zum Konzert. Vorausgeschickt sei, daß ich kein einziges Lied vorher kannte, ganz im Gegensatz zum Publikum, das bei vielen Songs (oft falsch und schief) mitsang. Ich war aus Neugierde gekommen, wollte wissen, was hinter dem Phänomen der Geschwister Stone steckt, die es schafften, die legendäre und ziemlich große Cigale gleich zwei mal hintereinander auszuverkaufen.
Gründe, die Australier und ihre Musik zu mögen, gab es allerdings durchaus. Da war zunächst Julias hervorragende Stimme. Piepsig, mit jeder Menge Kleinmädchencharme und einem gehörigen Schuß Countryparfüm. Sie klang wie eine junge Dolly Parton, glücklicherweise aber ohne so gräßlich tussig auszusehen, wie die inzwischen in die Jahre gekommene Dolly. Statt Tussilook mit langen Wimpern und falschen Nägeln, machte Julia auf schickes Hippiegirl. Ihr Fummel (ein weißes Spitzenkleid) stand ihr außerordentlich gut und passte perfekt zu ihrer zarten Erscheinung. Sie ist ein unglaublich hübsches Mädchen, verfügt über einen betörenden Augenaufschlag und ein zauberhaftes Lächeln. Das Gesicht ihres Bruders (er wirkte wie ein junger Reinhold Messner) war hinter dem Bart und den wuscheligen Haaren indessen kaum zu erkennen. Sicherlich hat er auch feine Züge, wenn man den den Wildwuchs auf dem Kopf und im Gesicht einmal freilegen würde.
Außer Angus und Julia agierten auch noch andere Musiker auf der Bühne, aber die fielen mir bis auf die Netzstrumpfhose tragende Geigerin, die hin und wieder zum Einsatz kam, optisch kaum auf. Sie spielten auch nicht bei jedem Lied aktiv mit, denn einige Male gab es rein akustische Vorträge auf der Gitarre von Julia. Dieser Wechsel zwischen reduzierten und stärker instrumentierten Passagen war ohne Frage wunderbar ausgewogen. Ein klarer Pluspunkt dieses Konzerts, das in technischer und musikalischer Hinsicht tadellos war. Alles flutschte und man merkte, daß wir es mit einer eingespielten Truppe und erlesenen Musikern zu tun hatten. Besonders schön fand ich die Passgen, in denen Julia Trompete spielte, das war nicht nur optisch ein Genuß. Doof hingegen das Cover von Didi Hallervorden und Helga Feddersen. Die Wanne ist voll mochte ich schon im Original nicht sonderlich und auf eine englische Neuinterpretierung (Your The One That I Want ) hatte ich auch keinen Bock (lol).
Das Highlight kam für mich (fast) ganz zum Schluß. Bei Does The Love spielte sie zum zweiten (oder dritten?) Mal E-Gitarre und der Songs rockte deshalb fast ein wenig.
Bei der Zugabe Hold On klimperte Julia dann am Klavier und spielte ihre stimmlichen Fertigkeiten voll aus. Zwar mag ich es normalerweise nicht sonderlich, wenn demonstrativ mit der Stimme "show off" betrieben wird, aber sie war gesanglich so sattelfest und gut, daß ihr Hochgehen absolut durchging. Nein mehr noch, sie sang fabelhaft!
Insgesamt ein schönes Konzert, das für mich aber sicherlich an einem ungünstigen Tag stattfand. Wenn man vorher einen Gig von den Swans erlebt hat, wird man zwangsläufig fast alles andere zu nett, zu seicht und zu süßlich empfinden...
Setlist Angus und Julia Stone, La Cigale, Paris, 29.11.2010:
01: Santa Monica 02: Babylon 03: For You 04: Black Crow 05: The One That I Want (Die Wanne ist voll) 06: Just A Boy 07: Private Lawns 08: Big Jet Plane 09: I'm not Yours 10: The milky Way 11: And The boys 12: Yellow Brick Road 13: Does The Love
Konzert: Angus & Julia Stone Ort: La Cigale, Paris Datum: 29.11.2010 Zuschauer: ausverkauft Konzertdauer: 90-95 Minuten
Welch ein Kontrast! Am Vortag hundsgemeine, unbeschreiblich laute und saumäßig aggressive Musik beim Konzert der kultigen Amerikaner Swans und heute ungemein nette, teilsweise akustische und peacige Klänge beim Auftritt des charmanten australischen Geschwisterpaars Angus & Julia Stone. "Choisis ton camp" sagen die Franzosen. Entscheide dich für ein Lager, bzw. einen Stil...
Hmm. Keine leichte Entscheidung. Zumal die Swans das aggressive Schwein in mir geweckt haben, das noch irgendwo in mir schlummerte. Mann, war das granatenhaft toll, wie uns die Amis mit ihrer höllisch noisigen Musik beballert haben! Bis an die Schmerzgrenze gingen sie und manchmal auch darüber hinaus. Und wie herrlich böse die Burschen teilweise geguckt haben! Vor allem der tätowierte Gitarrist rechts von der Bühne starrte einen brutal grimmig an, so als wolle er andeuten: "Hey, was willst Du kleiner Scheißer? Wenn du ein paar auf die Fresse willst, dann komm her!" Dabei waren die Swans natürlich in Wirklichkeit nicht so finster wie sie auf der Bühne wirkten. Bandleader Michael Gira ließ sich nach der mörderischen Show am Merch blicken, hatte sanfte blaue Augen, einen Cowboyhut und signierte höflich und zuvorkommend CDs. Man sollte halt nie vergessen, daß Musiker auf der Bühne auch ein wenig (manchmal sogar sehr viel) schauspielern. Darf man nicht mit ihrem wahren Wesen verwechseln.
Wie Angus & Julia Stone wohl privat so drauf sind? Sind die dann auch immer so süßlich nett, schüchtern und sanftmütig wie auf der Bühne? Oder zeigen sie ihre andere Seite, fauchen sich im Tourbus an und beschimpfen den jeweils anderen als blödes Arschloch? Wer weiß, wer weiß...
Nun gut, meine Stellungnahme ist jetzt gefragt. Choisis ton camp. Butter bei die Fisch! Also Angus und Julia gingen mir heute in der Cigale mit ihren permanenten Nettigkeiten und dem schüchtern koketten Lächeln teilweise ein wenig auf die Nerven. Vor allem Julia redete zwischen den Liedern so mädchenhaft süßlich, als sei sie gerade erst zwölf Jahre alt und hätte noch nie über die Strenge gezogen. Ihre Masche zog freilich erwartet gut, denn das Publikum fraß ihr von der ersten bis zur letzten Minute förmlich aus der zarten Hand und fand jede noch so kleine Geste und Mimik umwerfend charmant und entzückend. Eine Frau hinte mir lachte permanent, egal was gesagt oder gemacht wurde (z.B. wenn Angus seine Mundharmonika etwas linkisch zurecht rückte, was war daran so komisch?). Ich fühlte mich bisweilen wie in einem Film von Woody Allen.
Überhaupt das Publikum. Keinen einzigen Menschen kannte ich in dem von über 1000 Mitbürgern bevölkerten Saal. Und wenn ich die Leute nicht kenne, dann gehen die nicht oft auf Konzerte! Kurzum: Angus & Julia Stone ziehen hauptsächlich ein Mainstreampublikum an, das im Jahr vier bis 6 Gigs sieht. Ist ja auch nicht so dramatisch. Störender war hingegen, das ein paar arrogante Snobs unter ihnen waren. Links von mir stand ein Brillenträger, der wie der typische Streber aus der Schule wirkte, der aber jetzt auf dicke Hose macht, weil er seine erste Anstellung in einer renommierten Anwaltskanzlei ergattert hat und vor mir standen zwei Kashmir - Pullover tragende höhere Töchter mit hochnäsigem Blick, die unentwegt schnatterten und mit ihren blöden Iphons spielten. Ich fühlte mich zugegebenermaßen etwas unwohl in dieser angeberhaften Nachbarschaft, war aber zu eingekesselt, um mich woandershin zu stellen. Ich wäre ohnehin neben einem der unzähligen Liebespärchen gelandet, die hier Händchen haltend ihrer romatischen Ader freien Lauf ließen. Fand ich ja schon immer ziemlich scheiße sowas. Mit seiner Freundin aufs Konzert gehen und dann fummelnd und schmachtend auf die Bühne glotzen und warten bis "unser Lied" kommt. Grausam. Genau wie meine Frau hassen wir beide diese ganze Romantikkacke mit Kerzenschein und dem ganzen Kokolores. Seichter Dreck aus den verkitschten Achtzigern, den kein Mensch braucht.
Konsequenterweise war dann heute auch die Bühnendeko auf die Romantikerzielgruppe im Publikum ausgerichtet. Lichterketten, omahafte Lämpchen und dazu gedimmtes Licht.
Aber kommen wir zum Konzert. Vorausgeschickt sei, daß ich kein einziges Lied vorher kannte, ganz im Gegensatz zum Publikum, das bei vielen Songs (oft falsch und schief) mitsang. Ich war aus Neugierde gekommen, wollte wissen, was hinter dem Phänomen der Geschwister Stone steckt, die es schafften, die legendäre und ziemlich große Cigale gleich zwei mal hintereinander auszuverkaufen.
Gründe, die Australier und ihre Musik zu mögen, gab es allerdings durchaus. Da war zunächst Julias hervorragende Stimme. Piepsig, mit jeder Menge Kleinmädchencharme und einem gehörigen Schuß Countryparfüm. Sie klang wie eine junge Dolly Parton, glücklicherweise aber ohne so gräßlich tussig auszusehen, wie die inzwischen in die Jahre gekommene Dolly. Statt Tussilook mit langen Wimpern und falschen Nägeln, machte Julia auf schickes Hippiegirl. Ihr Fummel (ein weißes Spitzenkleid) stand ihr außerordentlich gut und passte perfekt zu ihrer zarten Erscheinung. Sie ist ein unglaublich hübsches Mädchen, verfügt über einen betörenden Augenaufschlag und ein zauberhaftes Lächeln. Das Gesicht ihres Bruders (er wirkte wie ein junger Reinhold Messner) war hinter dem Bart und den wuscheligen Haaren indessen kaum zu erkennen. Sicherlich hat er auch feine Züge, wenn man den den Wildwuchs auf dem Kopf und im Gesicht einmal freilegen würde.
Außer Angus und Julia agierten auch noch andere Musiker auf der Bühne, aber die fielen mir bis auf die Netzstrumpfhose tragende Geigerin, die hin und wieder zum Einsatz kam, optisch kaum auf. Sie spielten auch nicht bei jedem Lied aktiv mit, denn einige Male gab es rein akustische Vorträge auf der Gitarre von Julia. Dieser Wechsel zwischen reduzierten und stärker instrumentierten Passagen war ohne Frage wunderbar ausgewogen. Ein klarer Pluspunkt dieses Konzerts, das in technischer und musikalischer Hinsicht tadellos war. Alles flutschte und man merkte, daß wir es mit einer eingespielten Truppe und erlesenen Musikern zu tun hatten. Besonders schön fand ich die Passgen, in denen Julia Trompete spielte, das war nicht nur optisch ein Genuß. Doof hingegen das Cover von Didi Hallervorden und Helga Feddersen. Die Wanne ist voll mochte ich schon im Original nicht sonderlich und auf eine englische Neuinterpretierung (Your The One That I Want ) hatte ich auch keinen Bock (lol).
Das Highlight kam für mich (fast) ganz zum Schluß. Bei Does The Love spielte sie zum zweiten (oder dritten?) Mal E-Gitarre und der Songs rockte deshalb fast ein wenig.
Bei der Zugabe Hold On klimperte Julia dann am Klavier und spielte ihre stimmlichen Fertigkeiten voll aus. Zwar mag ich es normalerweise nicht sonderlich, wenn demonstrativ mit der Stimme "show off" betrieben wird, aber sie war gesanglich so sattelfest und gut, daß ihr Hochgehen absolut durchging. Nein mehr noch, sie sang fabelhaft!
Insgesamt ein schönes Konzert, das für mich aber sicherlich an einem ungünstigen Tag stattfand. Wenn man vorher einen Gig von den Swans erlebt hat, wird man zwangsläufig fast alles andere zu nett, zu seicht und zu süßlich empfinden...
Setlist Angus und Julia Stone, La Cigale, Paris, 29.11.2010:
01: Santa Monica 02: Babylon 03: For You 04: Black Crow 05: The One That I Want (Die Wanne ist voll) 06: Just A Boy 07: Private Lawns 08: Big Jet Plane 09: I'm not Yours 10: The milky Way 11: And The boys 12: Yellow Brick Road 13: Does The Love
Konzert: Sophie Hunger Ort: La Cigale, Paris Datum: 02.06.10 Zuschauer: gut gefüllte Ränge, aber nicht ganz ausverkauft Konzertdauer: 100 Minuten
Résumée en français ci-dessous!
"Allein schon der Name weckt nicht mein Interesse und wenn ich dann die Fotos sehe: sie sieht so brav und bieder aus". Meine Freundin Uschi, die bekanntlich einen hohen Fachverstand hat wenn es um Musik geht, ging mit Sophie Hunger hart ins Gericht. Aber sie hat die Schweizerin eben noch nie auf einer Bühne gesehen, sonst würde sie vielleicht anders urteilen. Das Liveerlebnis hatte ich also der guten Uschi voraus, denn vor ziemlich genau einem Jahr hatte mich Sophie in der kleinen Boule Noire schwindelig gespielt und mir eines der emotionalsten Konzerte meines Lebens bereitet. Besoffen vor Glück schrieb ich noch in der gleichen Nacht einen euphorischen Konzertbericht, der fast einem Liebesbrief glich. Inzwischen ist aber schon wieder einige Zeit ins Land gegangen und CDs der Schweizerin habe ich 2010 noch kein einziges Mal gehört. Der Hype war bei mir erloschen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Oder so. Mit klarem Verstand und sehr nüchterner Stimmung fuhr ich also heute zur Cigale, ohne so richtig zu wissen, was mich erwarten würde. Mein Puls ging ganz normal als ich die Treppenstufen erklomm und ins Theater eindrang, wo Sophie und ihre Band schon angefangen hatte. Es war gerade einmal 20 Uhr 50, aber das Konzert war schon in vollem Gange. So etwas nennt man dann wohl Schweizer Pünktlichkeit, normalerweise tut sich hier vor 21 Uhr/21 Uhr 15 nie etwas. Ich war etwas verwirrt, denn mein Fotopass wurde unter der Auflage erteilt, nur Lied Nummer 4, 5 und 6 von der von der Bühne recht weit entfernten Konsole zu knipsen. Wie sollte ich jetzt wissen, wann Lied vier dran ist? Ob man mich ins Gefängnis sperren würde, wenn ich schon bei Lied drei knipse? An der Konsole angekommen, wurde ich von einer Besucherin von hinten angeschissen: "He, sie da, gehen sie mal zur Seite, ich sehe nichts." Ich verwies wichtigtuerisch auf meinem Aufkleber, der mich als Fotopassinhaber auswies. Die Nummer zog, die Frau wurde ganz kleinlaut und entschuldigte sich fast. Ich schoss triumphierend ein paar Fotos, aber die Entfernung war für meinen beschissenen Apparat zu weit (ich brauche unbedingt eine Spiegelreflex, Spenden werden gerne entgegengenommen, danke!). Die Bilder hätte ich gleich alle in die Tonne kloppen können! Ich war sauer und das Konzert plätscherte an mir vorbei. Erst bei dem Noir Desir Cover Le Vent Nous Portera wurde ich zum ersten Mal hellhörig. Ein guter Song einer starken französischen Band, deren Werk aber durch den Totschlag des Sängers Bertrand Cantat an seiner Frau Marie Trintignant 2003 mit einem unauslöschlichen Makel behaftet ist. Darf man Lieder covern, die ein Mörder geschrieben hat? Klugscheißer verweisen darauf, daß der Song bevor der brutalen Tat komponiert wurde. Schön und nahegehend ist er auf alle Fälle. Und Sophie und Band haben es verstanden, ihn perfekt in ihr Repertoire einzugliedern und harmonisch zu instrumentieren. Ein paar Auszüge der Parolen übersetzte die Hunger sogar ins Deutsche, für wen weiß ich auch nicht so recht. Für mich vielleicht? Nein, natürlich nicht, hier und heute waren ja auch noch andere deutschsprachige Leute im Publikum.
Ich bewegte mich nun von der Konsole weg, um näher dran zu sein. Die Fotos waren mir egal, was zählte war, in das Konzert so richtig reinzukommen. Manchmal gelingt einem das nicht, weil man zu müde, der Saal zu heiß, oder der Künstler zu lahm ist. Lahm ist Sophie Hunger zwar auch, aber ihre Langsamkeit hat etwas ungemein Beruhigendes in einer Zeit der Zappelphilippe. Zwischen den Liedern nimmt sie sich oft viel Zeit und als sie die Band vorstellte, ging damit eine gefühlte viertel Stunde drauf. Ich hörte Namen, die ich noch vom Konzert in der Boule Noire her kannte: Flury, Prader und Sartorius unter anderem. Eine tolle Band, die fabelhaft zusammenspielte und Sophie Hunger perfekt in Szene setzte. Die immer etwas schüchtern und verunsichert wirkende Sängerin war heute in ein orangefarbenes Kleid gehüllt und trug dazu schwarze Leggings. Simpel, aber nicht unelegant. Wenn ich aber sage, daß sie ziemlich langsam ist und damit eine Klischeevorstellung untermauert, die man von Schweizern hat, dann gilt das nur für die Zeit zwischen den Liedern. Sobald sie am Klavier sitzt, oder Gitarre spielt, wirkt sie wie verwandelt. Aus dem schüchternen Mädchen wird dann eine angriffslustige, selbstbewußte Dame, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Auch ich war inzwischen so richtig schön in Schwung gekommen und genoß das Konzert von Lied zu Lied ein bißchen mehr. Mit dem recht rockigen Citylights Forever vom aktuellen Album 1983 platzte dann bei mir der Koten. Spät, es handelte sich um den vorletzten Titel des offiziellen Sets, aber noch rechtzeitig genug. Dann wurde es melancholisch. Die Schweizerin setzt sich hinter ihr Piano und performte die herzerweichende Ballade Rise And Fall. Vor mir quengelte die Trombone von Michael Flury und plötzlich stieg in mir eine unglaubliche Ergriffenheit auf. Tränen schossen mir in die Augen, da ich plötzlich schmerzhaft an Beerdigungen von mir sehr nahe stehenden Menschen denken musste. Rise And Fall wirkte auf mich wie ein Trauermarsch und am Ende stand ich schluchzend wie ein kleiner Junge da. Aber das Ganze hatte auch etwas Befreiendes, mir ging es bald wieder besser.
Der Zugabenteil wurde zum Triumphzug. Den Text von Walzer Für Niemand verstand zwar nicht jeder Franzose, aber die intime, warmherzige Atmosphäre übertrug sich auf alle hier. Das zum Teil ziemlich reife Publikum (es waren auch ein paar Leute jenseits der 50 da) guckte gerührt und glückseelig auf die Bühne und verfolgte die Mimik von Sophie. An dieser kann man sehr gut ihre Stimmungslage ablesen und wenn sie die Mundwinkel verzieht, weiß man, daß sie gerade leidet. Oft schaute sie aber auch weltentrückt in die Luft, so als wolle sie den lieben Gott um Hilfe bitten. Hilfe von Seiten des Publikums brauchte sie auch immer mal wieder, wenn sie Dinge auf französisch erklären wollte. Zwar beherrscht sie die Sprache Molières recht gut, aber flüssig war es nicht, was sie so erzählte. Egal, die Zuschauer erkannten ihren guten Willen und halfen ihr auf die Sprünge, wenn sie stockte. Als sie erklären will, daß sie vor fast genau einem Jahr gleich gegenüber in der kleinen Boule Noire vor 100 Zuschauern gespielt hat, leistet sie sich einen Versprecher: "Jai joué devant 100 pourcent", sagt sie ("Ich habe vor 100 % gespielt"), will aber eigentlich ausdrücken: "Jai joué devant 100 personnes." ("Ich habe vor 100 Leuten gespielt"). Die Leute schmunzeln, aber Sophie schickt schlagfertig hinterher: "100 personnes c'est 100 pourcent la-bas" ("100 Leute bedeuten dort 100 %ige Raumauslastung)". In der Sache stimmte das zwar nicht, denn in die Boule Noire passen zwischen 200 und 250 Leute, aber das spielte gar keine Rolle. Klar war, was sie ausdrücken wollte, nämlich, daß sie es kaum glauben kann, heute vor mindestens 1000 Leuten aufzutreten. Das würde sie sehr berühren und man merkte ihr an, daß sie das aufrichtig meinte. Inzwischen hatte sie das Publikum komplett in der Tasche, die Leute fraßen ihr aus der Hand und die Jubelstürme kannten keine Grenzen mehr. Sie hat die Massen elektrisiert, anders kann man das nicht ausdrücken. Zum Dank gab es etliche umjubelte Zugaben und den Abschluss mit dem Song Train People, dessen Story sie auch ein wenig erklärt hatte. Emotional aufgeladen, vergaß ich aber wieder, was sie zu erzählen hatte.
Am Ende wollten die Franzosen sie gar nicht mehr gehen lassen, sie klatschten und klatschten und die Schweizerin klopfte immer wieder mit der Faust auf ihren Brustkorb, um auszudrücken, daß ihr dies zu Herzen ging. Am Bühnenrand und völlig akustisch spielte die Band dann im Sitzen noch ein allerletztes Lied. Es beschloß einen sehr emotionalen Konzertabend, bei dem mich die junge Künstlerin erneut verzaubert hatte.
Aftershow: Vor der Cigale treffe ich ein sehr nettes Bandmitglied von Sophie Hunger. Er erzählt mir, daß sie bald bei einem großen Festival in Frankreich spielen werden und sie auch beim Haldern Pop dabei sind. "Toll, da spielen nur klasse Gruppen!", beglückwünsche ich ihn und höre plötzlich deutsche Passanten gröhlend die Straße runterziehen. Die besoffenen Schweine waren bei den fiesen Beatsteaks in der Boule Noire gleich neben der Cigale und bestätigen die These: jede Band hat die Fans, die sie verdient. Eine von den deutschen Bräuten, die bei den Beatsteaks war, glotzt den Programmzettel der Cigale an und meint zu ihrem Freund: "Sophie Hunger? Kenn ich nicht!" Das beruhigt mich ungemein, denn aus diesem Lager braucht die Schweizerin nun wirklich keine Fans. Uschi lege ich aber Sophie Hunger noch einmal mit Nachdruck ans Herz!
Pour nos lecteurs français:
Quel beau et émouvant concert de la jeune Suissesse Sophie Hunger, j'avais les larmes aux yeux! On parle ici d'une fille timide (limite angoissée) et simple, mais terriblement attachante et bourrée de talent. La beauté ressort par ses yeux, elle met tout son coeur dans chaque morceau et mérite amplement l'ascension au sommet. L'année dernière elle jouait encore à la miniscule Boule Noire à côté, aujourd'hui elle remplit La Cigale. Parfaitement entourée par son groupe la demoiselle Hunger a même donné quelques leçons d'allemand et a fait l'effort de parler en français la plupart du temps: "J'ai joué devant 100 pourcent à la Boule Noire il y a un an. Non, excusez-moi j'ai joué devant 100 personnes et 100 personnes veut dire que le concert était complet donc la salle était remplie à 100 pourcent".
Ses dernìères chansons, incroyablement touchantes , ont mis tout le public debout pour applaudir longuement. Une chose est sûr: cette fille a quelque chose! Une jeune femme qui devient une star en si peu de temps et reste simple et accessible, je dis bravo!
Aus unsererm Archiv:
Sophie Hunger, Köln, 09.05.09 Sophie Hunger, Paris, 23.03.09
Konzert: Sophie Hunger Ort: La Cigale, Paris Datum: 02.06.10 Zuschauer: gut gefüllte Ränge, aber nicht ganz ausverkauft Konzertdauer: 100 Minuten
Résumée en français ci-dessous!
"Allein schon der Name weckt nicht mein Interesse und wenn ich dann die Fotos sehe: sie sieht so brav und bieder aus". Meine Freundin Uschi, die bekanntlich einen hohen Fachverstand hat wenn es um Musik geht, ging mit Sophie Hunger hart ins Gericht. Aber sie hat die Schweizerin eben noch nie auf einer Bühne gesehen, sonst würde sie vielleicht anders urteilen. Das Liveerlebnis hatte ich also der guten Uschi voraus, denn vor ziemlich genau einem Jahr hatte mich Sophie in der kleinen Boule Noire schwindelig gespielt und mir eines der emotionalsten Konzerte meines Lebens bereitet. Besoffen vor Glück schrieb ich noch in der gleichen Nacht einen euphorischen Konzertbericht, der fast einem Liebesbrief glich. Inzwischen ist aber schon wieder einige Zeit ins Land gegangen und CDs der Schweizerin habe ich 2010 noch kein einziges Mal gehört. Der Hype war bei mir erloschen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Oder so. Mit klarem Verstand und sehr nüchterner Stimmung fuhr ich also heute zur Cigale, ohne so richtig zu wissen, was mich erwarten würde. Mein Puls ging ganz normal als ich die Treppenstufen erklomm und ins Theater eindrang, wo Sophie und ihre Band schon angefangen hatte. Es war gerade einmal 20 Uhr 50, aber das Konzert war schon in vollem Gange. So etwas nennt man dann wohl Schweizer Pünktlichkeit, normalerweise tut sich hier vor 21 Uhr/21 Uhr 15 nie etwas. Ich war etwas verwirrt, denn mein Fotopass wurde unter der Auflage erteilt, nur Lied Nummer 4, 5 und 6 von der von der Bühne recht weit entfernten Konsole zu knipsen. Wie sollte ich jetzt wissen, wann Lied vier dran ist? Ob man mich ins Gefängnis sperren würde, wenn ich schon bei Lied drei knipse? An der Konsole angekommen, wurde ich von einer Besucherin von hinten angeschissen: "He, sie da, gehen sie mal zur Seite, ich sehe nichts." Ich verwies wichtigtuerisch auf meinem Aufkleber, der mich als Fotopassinhaber auswies. Die Nummer zog, die Frau wurde ganz kleinlaut und entschuldigte sich fast. Ich schoss triumphierend ein paar Fotos, aber die Entfernung war für meinen beschissenen Apparat zu weit (ich brauche unbedingt eine Spiegelreflex, Spenden werden gerne entgegengenommen, danke!). Die Bilder hätte ich gleich alle in die Tonne kloppen können! Ich war sauer und das Konzert plätscherte an mir vorbei. Erst bei dem Noir Desir Cover Le Vent Nous Portera wurde ich zum ersten Mal hellhörig. Ein guter Song einer starken französischen Band, deren Werk aber durch den Totschlag des Sängers Bertrand Cantat an seiner Frau Marie Trintignant 2003 mit einem unauslöschlichen Makel behaftet ist. Darf man Lieder covern, die ein Mörder geschrieben hat? Klugscheißer verweisen darauf, daß der Song bevor der brutalen Tat komponiert wurde. Schön und nahegehend ist er auf alle Fälle. Und Sophie und Band haben es verstanden, ihn perfekt in ihr Repertoire einzugliedern und harmonisch zu instrumentieren. Ein paar Auszüge der Parolen übersetzte die Hunger sogar ins Deutsche, für wen weiß ich auch nicht so recht. Für mich vielleicht? Nein, natürlich nicht, hier und heute waren ja auch noch andere deutschsprachige Leute im Publikum.
Ich bewegte mich nun von der Konsole weg, um näher dran zu sein. Die Fotos waren mir egal, was zählte war, in das Konzert so richtig reinzukommen. Manchmal gelingt einem das nicht, weil man zu müde, der Saal zu heiß, oder der Künstler zu lahm ist. Lahm ist Sophie Hunger zwar auch, aber ihre Langsamkeit hat etwas ungemein Beruhigendes in einer Zeit der Zappelphilippe. Zwischen den Liedern nimmt sie sich oft viel Zeit und als sie die Band vorstellte, ging damit eine gefühlte viertel Stunde drauf. Ich hörte Namen, die ich noch vom Konzert in der Boule Noire her kannte: Flury, Prader und Sartorius unter anderem. Eine tolle Band, die fabelhaft zusammenspielte und Sophie Hunger perfekt in Szene setzte. Die immer etwas schüchtern und verunsichert wirkende Sängerin war heute in ein orangefarbenes Kleid gehüllt und trug dazu schwarze Leggings. Simpel, aber nicht unelegant. Wenn ich aber sage, daß sie ziemlich langsam ist und damit eine Klischeevorstellung untermauert, die man von Schweizern hat, dann gilt das nur für die Zeit zwischen den Liedern. Sobald sie am Klavier sitzt, oder Gitarre spielt, wirkt sie wie verwandelt. Aus dem schüchternen Mädchen wird dann eine angriffslustige, selbstbewußte Dame, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Auch ich war inzwischen so richtig schön in Schwung gekommen und genoß das Konzert von Lied zu Lied ein bißchen mehr. Mit dem recht rockigen Citylights Forever vom aktuellen Album 1983 platzte dann bei mir der Koten. Spät, es handelte sich um den vorletzten Titel des offiziellen Sets, aber noch rechtzeitig genug. Dann wurde es melancholisch. Die Schweizerin setzt sich hinter ihr Piano und performte die herzerweichende Ballade Rise And Fall. Vor mir quengelte die Trombone von Michael Flury und plötzlich stieg in mir eine unglaubliche Ergriffenheit auf. Tränen schossen mir in die Augen, da ich plötzlich schmerzhaft an Beerdigungen von mir sehr nahe stehenden Menschen denken musste. Rise And Fall wirkte auf mich wie ein Trauermarsch und am Ende stand ich schluchzend wie ein kleiner Junge da. Aber das Ganze hatte auch etwas Befreiendes, mir ging es bald wieder besser.
Der Zugabenteil wurde zum Triumphzug. Den Text von Walzer Für Niemand verstand zwar nicht jeder Franzose, aber die intime, warmherzige Atmosphäre übertrug sich auf alle hier. Das zum Teil ziemlich reife Publikum (es waren auch ein paar Leute jenseits der 50 da) guckte gerührt und glückseelig auf die Bühne und verfolgte die Mimik von Sophie. An dieser kann man sehr gut ihre Stimmungslage ablesen und wenn sie die Mundwinkel verzieht, weiß man, daß sie gerade leidet. Oft schaute sie aber auch weltentrückt in die Luft, so als wolle sie den lieben Gott um Hilfe bitten. Hilfe von Seiten des Publikums brauchte sie auch immer mal wieder, wenn sie Dinge auf französisch erklären wollte. Zwar beherrscht sie die Sprache Molières recht gut, aber flüssig war es nicht, was sie so erzählte. Egal, die Zuschauer erkannten ihren guten Willen und halfen ihr auf die Sprünge, wenn sie stockte. Als sie erklären will, daß sie vor fast genau einem Jahr gleich gegenüber in der kleinen Boule Noire vor 100 Zuschauern gespielt hat, leistet sie sich einen Versprecher: "Jai joué devant 100 pourcent", sagt sie ("Ich habe vor 100 % gespielt"), will aber eigentlich ausdrücken: "Jai joué devant 100 personnes." ("Ich habe vor 100 Leuten gespielt"). Die Leute schmunzeln, aber Sophie schickt schlagfertig hinterher: "100 personnes c'est 100 pourcent la-bas" ("100 Leute bedeuten dort 100 %ige Raumauslastung)". In der Sache stimmte das zwar nicht, denn in die Boule Noire passen zwischen 200 und 250 Leute, aber das spielte gar keine Rolle. Klar war, was sie ausdrücken wollte, nämlich, daß sie es kaum glauben kann, heute vor mindestens 1000 Leuten aufzutreten. Das würde sie sehr berühren und man merkte ihr an, daß sie das aufrichtig meinte. Inzwischen hatte sie das Publikum komplett in der Tasche, die Leute fraßen ihr aus der Hand und die Jubelstürme kannten keine Grenzen mehr. Sie hat die Massen elektrisiert, anders kann man das nicht ausdrücken. Zum Dank gab es etliche umjubelte Zugaben und den Abschluss mit dem Song Train People, dessen Story sie auch ein wenig erklärt hatte. Emotional aufgeladen, vergaß ich aber wieder, was sie zu erzählen hatte.
Am Ende wollten die Franzosen sie gar nicht mehr gehen lassen, sie klatschten und klatschten und die Schweizerin klopfte immer wieder mit der Faust auf ihren Brustkorb, um auszudrücken, daß ihr dies zu Herzen ging. Am Bühnenrand und völlig akustisch spielte die Band dann im Sitzen noch ein allerletztes Lied. Es beschloß einen sehr emotionalen Konzertabend, bei dem mich die junge Künstlerin erneut verzaubert hatte.
Aftershow: Vor der Cigale treffe ich ein sehr nettes Bandmitglied von Sophie Hunger. Er erzählt mir, daß sie bald bei einem großen Festival in Frankreich spielen werden und sie auch beim Haldern Pop dabei sind. "Toll, da spielen nur klasse Gruppen!", beglückwünsche ich ihn und höre plötzlich deutsche Passanten gröhlend die Straße runterziehen. Die besoffenen Schweine waren bei den fiesen Beatsteaks in der Boule Noire gleich neben der Cigale und bestätigen die These: jede Band hat die Fans, die sie verdient. Eine von den deutschen Bräuten, die bei den Beatsteaks war, glotzt den Programmzettel der Cigale an und meint zu ihrem Freund: "Sophie Hunger? Kenn ich nicht!" Das beruhigt mich ungemein, denn aus diesem Lager braucht die Schweizerin nun wirklich keine Fans. Uschi lege ich aber Sophie Hunger noch einmal mit Nachdruck ans Herz!
Pour nos lecteurs français:
Quel beau et émouvant concert de la jeune Suissesse Sophie Hunger, j'avais les larmes aux yeux! On parle ici d'une fille timide (limite angoissée) et simple, mais terriblement attachante et bourrée de talent. La beauté ressort par ses yeux, elle met tout son coeur dans chaque morceau et mérite amplement l'ascension au sommet. L'année dernière elle jouait encore à la miniscule Boule Noire à côté, aujourd'hui elle remplit La Cigale. Parfaitement entourée par son groupe la demoiselle Hunger a même donné quelques leçons d'allemand et a fait l'effort de parler en français la plupart du temps: "J'ai joué devant 100 pourcent à la Boule Noire il y a un an. Non, excusez-moi j'ai joué devant 100 personnes et 100 personnes veut dire que le concert était complet donc la salle était remplie à 100 pourcent".
Ses dernìères chansons, incroyablement touchantes , ont mis tout le public debout pour applaudir longuement. Une chose est sûr: cette fille a quelque chose! Une jeune femme qui devient une star en si peu de temps et reste simple et accessible, je dis bravo!
Aus unsererm Archiv:
Sophie Hunger, Köln, 09.05.09 Sophie Hunger, Paris, 23.03.09