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Laetitia Sadier & We//Are//Animal, Paris, 23.03.11


Konzert: Mon Petit Club # 6 présente: Laetitia Sadier & We//Are//Animal

Ort: L'International, Paris
Datum: 23.03.2011

Zuschauer: relativ viele
Konzertdauer: pro Act etwa 45 Minuten


Donnerwetter! Die walisischen Raubeine We/Are//Animal sind wirklich der Hammer! Unglaublich, was die fünf harten Jungs heute im International ablieferten. Gerade zurück aus Texas, wo sie beim Festival SXSW aufgetreten waren, gingen sie in Paris aufs Ganze und ließen die Funken sprühen. Kurt Cobains Enkel hätte man meinen können, aber Sänger Owen (ein ganz wilder Hund!) nannte mir gegenüber eher die Kinks und die Rolling Stones als Einflüsse. Außerdem mögen sie die Queens Of The Stone Age.



Ich muss lange zurückdenken, wann ich zuletzt von einer Garagenrockband so begeistert war. Ich glaube das dürfte bei meinen ersten Konzerten von und mit den Blood Red Shoes gewesen sein, oder auch als ich 2004 zum ersten Mal die Kings of Leon gesehen habe. Damals waren sie noch roh und ungeschliffen, heute posen sie nur noch und spielen sphärischen Stadionrock wie U2. Die Kings of Leon passen dennoch als Vergleich, weil Owen von We//Are//Animal eine unglaublich verrauchte, krächzige Stimme hat, die derjenigen von Caleb Followill sehr ähnelt.

In den Abend eingeleitet hatte die famose Laetitia Sadier, die auf ihrem ersten Soloalbum The Trip sehr persönliche und sehr traurige Themen wie den Suizid ihrer Schwester vertont hat. Enstprechend intim und melancholisch klangen die reduzierten Songs dann auch. Ich bin Fan der Stereolab und Monade Sängerin und nach dem heutigen Konzert bin ich es sogar noch ein wenig mehr, denn schließlich hatte ich den Abend mitorganisiert und Laetitia, die in London wohnt, spielt nur sehr selten in Paris. Was für eine Ehre für uns von Mon Petit Club, sie bei uns begrüßen zu dürfen! Und Laetitia ist sehr nett, natürlich und intelligent. Sie spricht auch gut deutsch, wußte sogar was "semoule" (vom Couscus) auf deutsch heißt: Gries.

So, Freunde, ich muss ins Bett, der Tag war lang, ich war schon beim Soundcheck der Bands um 15 Uhr dabei und habe bis zwei Uhr morgens noch mitgefeiert. Die Draufgänger von We//Are//Animal sind dann noch mit ein paar sehr hübschen (deutschen!) Mädels weitergezogen und haben sich sicherlich noch prächtig amüsiert. Es war ihr erstes Konzert in Paris überhaupt und ich denke, sie werden wiederkommen. Ich prohezeihe ihnen eine rosige Zukunft. They kick ass!


Laetitia Sadier & We//Are//Animal, Paris, 23.03.11


Konzert: Mon Petit Club # 6 présente: Laetitia Sadier & We//Are//Animal

Ort: L'International, Paris
Datum: 23.03.2011

Zuschauer: relativ viele
Konzertdauer: pro Act etwa 45 Minuten


Donnerwetter! Die walisischen Raubeine We/Are//Animal sind wirklich der Hammer! Unglaublich, was die fünf harten Jungs heute im International ablieferten. Gerade zurück aus Texas, wo sie beim Festival SXSW aufgetreten waren, gingen sie in Paris aufs Ganze und ließen die Funken sprühen. Kurt Cobains Enkel hätte man meinen können, aber Sänger Owen (ein ganz wilder Hund!) nannte mir gegenüber eher die Kinks und die Rolling Stones als Einflüsse. Außerdem mögen sie die Queens Of The Stone Age.



Ich muss lange zurückdenken, wann ich zuletzt von einer Garagenrockband so begeistert war. Ich glaube das dürfte bei meinen ersten Konzerten von und mit den Blood Red Shoes gewesen sein, oder auch als ich 2004 zum ersten Mal die Kings of Leon gesehen habe. Damals waren sie noch roh und ungeschliffen, heute posen sie nur noch und spielen sphärischen Stadionrock wie U2. Die Kings of Leon passen dennoch als Vergleich, weil Owen von We//Are//Animal eine unglaublich verrauchte, krächzige Stimme hat, die derjenigen von Caleb Followill sehr ähnelt.

In den Abend eingeleitet hatte die famose Laetitia Sadier, die auf ihrem ersten Soloalbum The Trip sehr persönliche und sehr traurige Themen wie den Suizid ihrer Schwester vertont hat. Enstprechend intim und melancholisch klangen die reduzierten Songs dann auch. Ich bin Fan der Stereolab und Monade Sängerin und nach dem heutigen Konzert bin ich es sogar noch ein wenig mehr, denn schließlich hatte ich den Abend mitorganisiert und Laetitia, die in London wohnt, spielt nur sehr selten in Paris. Was für eine Ehre für uns von Mon Petit Club, sie bei uns begrüßen zu dürfen! Und Laetitia ist sehr nett, natürlich und intelligent. Sie spricht auch gut deutsch, wußte sogar was "semoule" (vom Couscus) auf deutsch heißt: Gries.

So, Freunde, ich muss ins Bett, der Tag war lang, ich war schon beim Soundcheck der Bands um 15 Uhr dabei und habe bis zwei Uhr morgens noch mitgefeiert. Die Draufgänger von We//Are//Animal sind dann noch mit ein paar sehr hübschen (deutschen!) Mädels weitergezogen und haben sich sicherlich noch prächtig amüsiert. Es war ihr erstes Konzert in Paris überhaupt und ich denke, sie werden wiederkommen. Ich prohezeihe ihnen eine rosige Zukunft. They kick ass!


Kumisolo & Anything Maria, Paris, 23.02.11


Konzert: Kumisolo & Anything Maria
Ort: L'International, Paris
Datum: 23.02.11

Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung 150-200

Konzertdauer: pro Künstlerin rund vierzig Minuten, Anything Maria etwas länger



Das Wetter ist mir eigentlich meistens ziemlich egal. Heute aber habe ich dauernd bange aus dem Fenster geschaut und konsterniert festgestellt, daß es den ganzen Tag lang regnen würde. Wetter um zu Hause im Warmen zu bleiben. Genau das war aber ganz und gar nicht in meinem Sinne, denn heute habe ich zusammen mit meinen beiden französischen Kumpels Vincent und Camille den insgesamt 5. Konzertabend in der Reihe Mon Petit Club im International organisiert und da wollte ich natürlich, daß möglichst viele Leute ausgehen und ins International strömen.

Letztlich war die Zuschauerresonanz aber doch wieder gut, wenngleich nicht ganz der Andrang unserer ersten drei Abende herrschte. Und in Frankreich sagt man "les absents ont toujours tort", die Abwesenden sind immer im Unrecht. Stimmte natürlich auch heute wieder, denn die seit acht Jahren in Paris lebende Japanerin Kumi aka Kumisolo und die aus dem südfranzösischen Marseille stammende Sophie Gonthier aka Anything Maria (Foto oben) boten tolle und abwechslunsgreiche Konzerte.

Beim Auftritt der zuckersüßen Kumisolo fühlte man sich ein wenig wie in einer Karakokebar in Tokio. Die Asiatin spielte ihre unschuldigen und hochcharmanten Elektropopsongs und tanzte dazu herzallerliebst. Niedlichkeitsfaktor: 10! Sie sang auf englisch, japanisch und französisch ("je t'aime je t'aime, est-ce que tu m'aimes aussi?") und zauberte den Gästen ein Dauergrinsen aufs Gesicht.

Danach kam die temperamentvolle Anything Maria und zog eine astreine Bühnenshow ab. Die Blondine hatte weiße Kriegsbemalung im Gesicht aufgetragen und trug ein schlichtes weißes Paillettenkleid im Stile von Emily Haines. Ihre Beine waren schön und absolut makellos und ihre Stimme fest und druchdringend. Die androgyne Sängerin, die früher ein paar Jahre in Berlin gelebt hatte und sehr gut deutsch spricht, variierte ihre Songs. Ein Teil war elektronisch und wabernd wie bei Peaches oder LCD Soundsytem, der andere Teil gitarrenlastig und an Rock-Sängerinnen wie PJ Harvey oder Scout Niblett erinnernd. Eine kühle Schönheit, in der ein Vulkan lodert. Wie ein männermordendes Vamp raste sie in einer Szene durch die Menge und stachelte einen Typen neben mir dermaßen auf, daß er mich dauernd fragte, ob ich ihr Manager sei, ihre Telefonnummer habe und ob sie noch zu haben sei. Nervtötend!



Insgesamt aber: ein toller Abend, der von einem DJ namens Koko beschlossen wurde. Das ein oder andere Bier floß durstige Kehlen hinunter, mir wurden dauernd Schnäpse angedreht und am Ende war ich fast ein wenig blau. Es war so spät geworden, daß ich ein Taxi nehmen musste.

Unser nächster Konzertabend aus der Reihe Mon Petit Club ist auch schon gebucht. Am 23. März kommen Laetitia Sadier (Stereolab/Monade) yeah, baby!!!! und We/Are Animal. Schaut vorbei, ist gratis und macht Spaß!

à la prochaine!

Achtung: Kumisolo spielt am heutigen 24. Februar im Festsaal in Berlin Kreuzberg zusammen mit anderen französischen Elektropoppern. Das Ganze nennt sich French Electric Underground und klingt nach einem tollen Abend. Hier gibt es alle Infos und die Links zu den Tickethändlern. Und es gibt dazu natürlich auch ein Event bei Facebook, klick!




Anmerkung: die beiden schönen Fotos von Anything Maria stammen von lamusiquedenosvies. Merci! Archiv- Foto Kumisolo by Oliver Peel

Aus unserem Archiv:

Kumisolo, Paris, 24.11.09
Kumisolo, Paris, 25.03.08


Anything MARIA - "Ecstatic pessimist" by Anything MARIA


Kumisolo & Anything Maria, Paris, 23.02.11


Konzert: Kumisolo & Anything Maria
Ort: L'International, Paris
Datum: 23.02.11

Zuschauer: gut besuchte Veranstaltung 150-200

Konzertdauer: pro Künstlerin rund vierzig Minuten, Anything Maria etwas länger



Das Wetter ist mir eigentlich meistens ziemlich egal. Heute aber habe ich dauernd bange aus dem Fenster geschaut und konsterniert festgestellt, daß es den ganzen Tag lang regnen würde. Wetter um zu Hause im Warmen zu bleiben. Genau das war aber ganz und gar nicht in meinem Sinne, denn heute habe ich zusammen mit meinen beiden französischen Kumpels Vincent und Camille den insgesamt 5. Konzertabend in der Reihe Mon Petit Club im International organisiert und da wollte ich natürlich, daß möglichst viele Leute ausgehen und ins International strömen.

Letztlich war die Zuschauerresonanz aber doch wieder gut, wenngleich nicht ganz der Andrang unserer ersten drei Abende herrschte. Und in Frankreich sagt man "les absents ont toujours tort", die Abwesenden sind immer im Unrecht. Stimmte natürlich auch heute wieder, denn die seit acht Jahren in Paris lebende Japanerin Kumi aka Kumisolo und die aus dem südfranzösischen Marseille stammende Sophie Gonthier aka Anything Maria (Foto oben) boten tolle und abwechslunsgreiche Konzerte.

Beim Auftritt der zuckersüßen Kumisolo fühlte man sich ein wenig wie in einer Karakokebar in Tokio. Die Asiatin spielte ihre unschuldigen und hochcharmanten Elektropopsongs und tanzte dazu herzallerliebst. Niedlichkeitsfaktor: 10! Sie sang auf englisch, japanisch und französisch ("je t'aime je t'aime, est-ce que tu m'aimes aussi?") und zauberte den Gästen ein Dauergrinsen aufs Gesicht.

Danach kam die temperamentvolle Anything Maria und zog eine astreine Bühnenshow ab. Die Blondine hatte weiße Kriegsbemalung im Gesicht aufgetragen und trug ein schlichtes weißes Paillettenkleid im Stile von Emily Haines. Ihre Beine waren schön und absolut makellos und ihre Stimme fest und druchdringend. Die androgyne Sängerin, die früher ein paar Jahre in Berlin gelebt hatte und sehr gut deutsch spricht, variierte ihre Songs. Ein Teil war elektronisch und wabernd wie bei Peaches oder LCD Soundsytem, der andere Teil gitarrenlastig und an Rock-Sängerinnen wie PJ Harvey oder Scout Niblett erinnernd. Eine kühle Schönheit, in der ein Vulkan lodert. Wie ein männermordendes Vamp raste sie in einer Szene durch die Menge und stachelte einen Typen neben mir dermaßen auf, daß er mich dauernd fragte, ob ich ihr Manager sei, ihre Telefonnummer habe und ob sie noch zu haben sei. Nervtötend!



Insgesamt aber: ein toller Abend, der von einem DJ namens Koko beschlossen wurde. Das ein oder andere Bier floß durstige Kehlen hinunter, mir wurden dauernd Schnäpse angedreht und am Ende war ich fast ein wenig blau. Es war so spät geworden, daß ich ein Taxi nehmen musste.

Unser nächster Konzertabend aus der Reihe Mon Petit Club ist auch schon gebucht. Am 23. März kommen Laetitia Sadier (Stereolab/Monade) yeah, baby!!!! und We/Are Animal. Schaut vorbei, ist gratis und macht Spaß!

à la prochaine!

Achtung: Kumisolo spielt am heutigen 24. Februar im Festsaal in Berlin Kreuzberg zusammen mit anderen französischen Elektropoppern. Das Ganze nennt sich French Electric Underground und klingt nach einem tollen Abend. Hier gibt es alle Infos und die Links zu den Tickethändlern. Und es gibt dazu natürlich auch ein Event bei Facebook, klick!




Anmerkung: die beiden schönen Fotos von Anything Maria stammen von lamusiquedenosvies. Merci! Archiv- Foto Kumisolo by Oliver Peel

Aus unserem Archiv:

Kumisolo, Paris, 24.11.09
Kumisolo, Paris, 25.03.08


Anything MARIA - "Ecstatic pessimist" by Anything MARIA


Bird On The Wire & SuperBravo, Paris, 25.01.11


Konzert: Bird On The Wire & SuperBravo

Ort: L'International, Paris
Datum: 25.01.11

Zuschauer: etwa 150





Die Kratzer, die mein Selbstvertrauen als (relativ) frischgebackener Konzertpromoter durch den sehr mäßig besuchten Gig am Vortage im Espace B bekommen hatte, wurden am heutigen 25. Januar postwendend mit Balsam zugepudert.

"Oliver Peel is a hero, a legend, he makes bands", oder "Oliver is the best booker in the world", solche (natürlich völlig übertriebenen) Sätze, gingen runter wie Öl. Schon schmeichelhaft, daß Leute so etwas von mir behaupten, aber die unverhältnismäßigen Komplimente nahm ich natürlich trotzdem gerne an, da die letzten Tage psychisch und physisch enorm fordernd waren und ich Aufmunterung gut gebrauchen konnte. Dennoch werde ich energisch dagegen angehen, die Bodenhaftung zu verlieren und mir auf Lob allzuviel einzubilden. Zumal ich selbst einigen anderen engagierten Leuten zum Dank verpflichtet bin. Da wäre zunächst Vincent zu nennen, mein Partner von Mon Petit Club, mit dem ich zusammen den insgesamt vierten Konzertabend im International auf die Beine gestellt habe.* Wie er in der Vorbereitung gewuselt und gewirkt hat, das war schon große Klasse. In seiner kargen Freizeit hat er die schmucken Flyer drucken lassen, permanent für das Konzert getrommelt und bis zum letzten Tag Handzettel verteilt. Am meisten beindruckt hat er mich mit einer Szene, die sich mittags beim Soundcheck ereignete. Armelle Pioline aka Superbravo stand bereits auf der Bühne, um den Sound zu testen, da sah Vincent das plötzlich direkt vor der Tür des International ein Parkplatz frei wurde. Er sprintete die Treppenstufen zu Armelle runter, ließ sich die Autoschlüssel geben und parkte den Wagen der Sängerin um. Vincent, der voiturier. Was für ein Service! Mensch, der Junge kann anpacken! Und wie er nach dem Konzert als DJ die Leute zum Tanzen und Feiern brachte, war beeindruckend. Er hatte genau das Feeling dafür, was die Leute brauchten, um in Stimmung zu kommen und servierte es ihnen punktgenau. Alle johlten und lagen sich in den Armen. Freundschaften (und Liebschaften?) wurden im Handumdrehen geschlossen. Selbst der in Paris lebende britische Sänger Thos Henley (sein erstes Album wird demnächst erscheinen, berichtete er mir freudstrahlend) ließ sich blicken und hatte seine Fans mitgebracht, die im Laufe des Abends ordentlich becherten.

Desweiteren muss auch unbedingt Clô alias Onewomanpictures geannt werden, die Bird On The Wire an drei nachfolgedne Tagen auf äußerst charmante und gekonnte Weise filmte und so ein wunderbares Tourdokument schuf, an dem ich mich gar nicht satt sehen kann.

Und schließlich meine Freunde von den Oliverpeelsessions, die sich heute zu meiner großen Freude zahlreich im International eingefunden hatten.

Aber kommen wir zu den Konzerten, schließlich sind wir hier ja nicht bei einer Oscarverleihung. Absolutes Highlight nach der gelungenen Einleitung durch Armelle Pioline aka SuperBravo war natürlich der Auftritt der jungen Holländer Bird On The Wire. Rosa (Gesang, Akustikgitarre Orgel, Melodica), Thijs (E-Gitarre, Gesang) und Nina (Schlagzeug, Percussions, Glockenspiel, Melodica) sind meine Helden dieser tristen Spätjanuartage. Sie brachten Licht und Farbe ins Dunkel, haben mit ihren drei Konzerten meine kühnsten Erwartungen übertroffen und im Handumdrehen einige neue Fans hinzugewonnen. Wenn man alle 25 Demo CDs absetzt, dann muss man so einiges richtig gemacht haben. Dabei biedern sie sich keineswegs an, sondern spielen scheinbar simple, aber dennoch so bewegende Folkpopsongs mit Wildwestnote. Die drei Amsterdamer haben definitiv das gewisse Etwas. Trotz ihres jungen Alters machen sie allein bühnentechnisch schon was her. Bandleaderin Rosa Ronsdorf beispielsweise hat ein unglaubliches Charisma. Sie ist eine Mischung aus Pipi Langstrumpf und Stilikonen von Alfred Hitchock Filmen. Ihr Augenaufschlag ist betörend und ihre Austrahlung kühl, aber sinnlich, sexy aber nicht verrucht. Sie umgibt eine mysteriöse Aura, die vollkommen faszinierend ist. Sie ist gleichzeitig nett und natürlich, aber dennoch ein wenig unnahbar und distanziert. Ihre Blicke sind schwer zu deuten. Erkennt man in ihren wundervollen blauen Augen Trauer und Melancholie oder Verträumtheit und Sanftheit?

Die zweite Frau in der Band ist ebenfalls auffällig. Nina ist 1,80 groß und hat unglaublich schöne Hände mit langen, feinen Fingern, mit denen sie auf äußerst gelungene Weise das Glockenspiel erklingen lässt, oder filigran und perkussiv trommelt. Ihr Haupt wird von schweren Rastazöpfen geschmückt, die sie sich vor 5 Jahren in Amsterdam hat flechten lassen. Ein auf den ersten Blick eher schüchternes und stilles Mädchen, das aber an einigen schelmischen Schmunzlern erkennen ließ, daß sie keineswegs stoisch ist.

Und dann gibt es noch Thijs, den einzigen jungen Mann in der Band, der gerade einmal 19 Jahre auf dem schmalen Buckel hat und schon so ausgebufft spielt wie ein Alter. Er ist für das feine Artwork der Band verantwortlich, gestaltet die Webseite und die Cover der Demo CDs und kann auch prima zeichnen. Ein Sympath, der als letzter zu der Girlgroup gestoßen ist.

Heute gab es sogar noch einen vierten Musiker auf der Bühne. Den amerikanischen Trompeter Zach hatten Bird On The Wire lediglich zwei Tage zuvor bei der Oliver Peel Session kennengelernt. Der ungemein attraktiv aussehende junge Mann war keineswegs nur Zierrat, sondern sorgte mit seinem Trompetensolo bei dem abschließenden Song Words für ein furioses Finale.

Überhaupt die Songs von Bird On The Wire. Alle toll. Mal beschwingt und tanzbar (Strange Days) mal kontemplativ und melancholisch (No Man's Land), mal sanft und träumerisch (Choose Now), immer herzerwärmend. Hier passt einfach alles zusammen. Die sehnsüchtige Melodica, das liebliche Glockenspiel, die alte Vintage Orgel, die melodische Gitarre und vor allem die Stimmen von Rosa und Thijs. Der Applaus im Publikum wurde logischerweise von Lied zu Lied größer. Ein farbiger Mitbürger war gar so angetan (oder war er einfach nur besoffen?), daß er vorne am Bühnerand zu jedem Lied mit ausschweifender Gestik tanzte, was die Band verschmitzt grinsend aus den Augenwinkeln beobachtete.

Am Ende hatten alle ein Lächeln auf den Lippen, die Band, die Besucher und sogar Konzertfotografenzar Robert Gil, der hier völlig überraschend aufgekreuzt war.

Bei der Aftershow erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Bird On The Wire wünschten sich etwas von Gainsbourg (Vincent ließ draufhin prompt die Stöhnnumer Je t'aime moi non plus laufen), dann auch Love Will Tear Us Apart von Joy Division und um ihnen heimatliche Gefühle zu bereiten, ließ ich mit Northern Territory von Alamo Race Track, einen Titel einer anderen fabelhaften holländischen Band laufen. An der Bar lernte ich dann noch eine hübsche Münchnerin kennen und lud sie prompt zur nächsten Oliver Peel Session ein ("ich lüsterner alter Mann" wird Eike jetzt vermutlich wieder ausrufen). Alles war perfekt gelaufen. Nur ein Taxi für die Band zu bekommen, daß den ganzen Instrumentenkram auflädt, gestaltete sich um 2 Uhr nachts als ziemlich schwierg und langwierig. Dann aber kam es und lud die jungen Menschen ein. Draußen regnete es und Wasser lief meine Wangen runter. In den Regen hatten sich Tränen gemischt. Freudentränen, weil das Konzert so gut gelaufen war und Tränen der Wehmut, weil ich mich von meinen liebgewonnenen Musikern schon wieder verabschieden musste. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Die Zukunft gehört ihnen.

*Camille, unser dritter Mann fehlte krankheitsbedingt. Gute Besserung!




Bird On The Wire & SuperBravo, Paris, 25.01.11


Konzert: Bird On The Wire & SuperBravo

Ort: L'International, Paris
Datum: 25.01.11

Zuschauer: etwa 150





Die Kratzer, die mein Selbstvertrauen als (relativ) frischgebackener Konzertpromoter durch den sehr mäßig besuchten Gig am Vortage im Espace B bekommen hatte, wurden am heutigen 25. Januar postwendend mit Balsam zugepudert.

"Oliver Peel is a hero, a legend, he makes bands", oder "Oliver is the best booker in the world", solche (natürlich völlig übertriebenen) Sätze, gingen runter wie Öl. Schon schmeichelhaft, daß Leute so etwas von mir behaupten, aber die unverhältnismäßigen Komplimente nahm ich natürlich trotzdem gerne an, da die letzten Tage psychisch und physisch enorm fordernd waren und ich Aufmunterung gut gebrauchen konnte. Dennoch werde ich energisch dagegen angehen, die Bodenhaftung zu verlieren und mir auf Lob allzuviel einzubilden. Zumal ich selbst einigen anderen engagierten Leuten zum Dank verpflichtet bin. Da wäre zunächst Vincent zu nennen, mein Partner von Mon Petit Club, mit dem ich zusammen den insgesamt vierten Konzertabend im International auf die Beine gestellt habe.* Wie er in der Vorbereitung gewuselt und gewirkt hat, das war schon große Klasse. In seiner kargen Freizeit hat er die schmucken Flyer drucken lassen, permanent für das Konzert getrommelt und bis zum letzten Tag Handzettel verteilt. Am meisten beindruckt hat er mich mit einer Szene, die sich mittags beim Soundcheck ereignete. Armelle Pioline aka Superbravo stand bereits auf der Bühne, um den Sound zu testen, da sah Vincent das plötzlich direkt vor der Tür des International ein Parkplatz frei wurde. Er sprintete die Treppenstufen zu Armelle runter, ließ sich die Autoschlüssel geben und parkte den Wagen der Sängerin um. Vincent, der voiturier. Was für ein Service! Mensch, der Junge kann anpacken! Und wie er nach dem Konzert als DJ die Leute zum Tanzen und Feiern brachte, war beeindruckend. Er hatte genau das Feeling dafür, was die Leute brauchten, um in Stimmung zu kommen und servierte es ihnen punktgenau. Alle johlten und lagen sich in den Armen. Freundschaften (und Liebschaften?) wurden im Handumdrehen geschlossen. Selbst der in Paris lebende britische Sänger Thos Henley (sein erstes Album wird demnächst erscheinen, berichtete er mir freudstrahlend) ließ sich blicken und hatte seine Fans mitgebracht, die im Laufe des Abends ordentlich becherten.

Desweiteren muss auch unbedingt Clô alias Onewomanpictures geannt werden, die Bird On The Wire an drei nachfolgedne Tagen auf äußerst charmante und gekonnte Weise filmte und so ein wunderbares Tourdokument schuf, an dem ich mich gar nicht satt sehen kann.

Und schließlich meine Freunde von den Oliverpeelsessions, die sich heute zu meiner großen Freude zahlreich im International eingefunden hatten.

Aber kommen wir zu den Konzerten, schließlich sind wir hier ja nicht bei einer Oscarverleihung. Absolutes Highlight nach der gelungenen Einleitung durch Armelle Pioline aka SuperBravo war natürlich der Auftritt der jungen Holländer Bird On The Wire. Rosa (Gesang, Akustikgitarre Orgel, Melodica), Thijs (E-Gitarre, Gesang) und Nina (Schlagzeug, Percussions, Glockenspiel, Melodica) sind meine Helden dieser tristen Spätjanuartage. Sie brachten Licht und Farbe ins Dunkel, haben mit ihren drei Konzerten meine kühnsten Erwartungen übertroffen und im Handumdrehen einige neue Fans hinzugewonnen. Wenn man alle 25 Demo CDs absetzt, dann muss man so einiges richtig gemacht haben. Dabei biedern sie sich keineswegs an, sondern spielen scheinbar simple, aber dennoch so bewegende Folkpopsongs mit Wildwestnote. Die drei Amsterdamer haben definitiv das gewisse Etwas. Trotz ihres jungen Alters machen sie allein bühnentechnisch schon was her. Bandleaderin Rosa Ronsdorf beispielsweise hat ein unglaubliches Charisma. Sie ist eine Mischung aus Pipi Langstrumpf und Stilikonen von Alfred Hitchock Filmen. Ihr Augenaufschlag ist betörend und ihre Austrahlung kühl, aber sinnlich, sexy aber nicht verrucht. Sie umgibt eine mysteriöse Aura, die vollkommen faszinierend ist. Sie ist gleichzeitig nett und natürlich, aber dennoch ein wenig unnahbar und distanziert. Ihre Blicke sind schwer zu deuten. Erkennt man in ihren wundervollen blauen Augen Trauer und Melancholie oder Verträumtheit und Sanftheit?

Die zweite Frau in der Band ist ebenfalls auffällig. Nina ist 1,80 groß und hat unglaublich schöne Hände mit langen, feinen Fingern, mit denen sie auf äußerst gelungene Weise das Glockenspiel erklingen lässt, oder filigran und perkussiv trommelt. Ihr Haupt wird von schweren Rastazöpfen geschmückt, die sie sich vor 5 Jahren in Amsterdam hat flechten lassen. Ein auf den ersten Blick eher schüchternes und stilles Mädchen, das aber an einigen schelmischen Schmunzlern erkennen ließ, daß sie keineswegs stoisch ist.

Und dann gibt es noch Thijs, den einzigen jungen Mann in der Band, der gerade einmal 19 Jahre auf dem schmalen Buckel hat und schon so ausgebufft spielt wie ein Alter. Er ist für das feine Artwork der Band verantwortlich, gestaltet die Webseite und die Cover der Demo CDs und kann auch prima zeichnen. Ein Sympath, der als letzter zu der Girlgroup gestoßen ist.

Heute gab es sogar noch einen vierten Musiker auf der Bühne. Den amerikanischen Trompeter Zach hatten Bird On The Wire lediglich zwei Tage zuvor bei der Oliver Peel Session kennengelernt. Der ungemein attraktiv aussehende junge Mann war keineswegs nur Zierrat, sondern sorgte mit seinem Trompetensolo bei dem abschließenden Song Words für ein furioses Finale.

Überhaupt die Songs von Bird On The Wire. Alle toll. Mal beschwingt und tanzbar (Strange Days) mal kontemplativ und melancholisch (No Man's Land), mal sanft und träumerisch (Choose Now), immer herzerwärmend. Hier passt einfach alles zusammen. Die sehnsüchtige Melodica, das liebliche Glockenspiel, die alte Vintage Orgel, die melodische Gitarre und vor allem die Stimmen von Rosa und Thijs. Der Applaus im Publikum wurde logischerweise von Lied zu Lied größer. Ein farbiger Mitbürger war gar so angetan (oder war er einfach nur besoffen?), daß er vorne am Bühnerand zu jedem Lied mit ausschweifender Gestik tanzte, was die Band verschmitzt grinsend aus den Augenwinkeln beobachtete.

Am Ende hatten alle ein Lächeln auf den Lippen, die Band, die Besucher und sogar Konzertfotografenzar Robert Gil, der hier völlig überraschend aufgekreuzt war.

Bei der Aftershow erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Bird On The Wire wünschten sich etwas von Gainsbourg (Vincent ließ draufhin prompt die Stöhnnumer Je t'aime moi non plus laufen), dann auch Love Will Tear Us Apart von Joy Division und um ihnen heimatliche Gefühle zu bereiten, ließ ich mit Northern Territory von Alamo Race Track, einen Titel einer anderen fabelhaften holländischen Band laufen. An der Bar lernte ich dann noch eine hübsche Münchnerin kennen und lud sie prompt zur nächsten Oliver Peel Session ein ("ich lüsterner alter Mann" wird Eike jetzt vermutlich wieder ausrufen). Alles war perfekt gelaufen. Nur ein Taxi für die Band zu bekommen, daß den ganzen Instrumentenkram auflädt, gestaltete sich um 2 Uhr nachts als ziemlich schwierg und langwierig. Dann aber kam es und lud die jungen Menschen ein. Draußen regnete es und Wasser lief meine Wangen runter. In den Regen hatten sich Tränen gemischt. Freudentränen, weil das Konzert so gut gelaufen war und Tränen der Wehmut, weil ich mich von meinen liebgewonnenen Musikern schon wieder verabschieden musste. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder. Die Zukunft gehört ihnen.

*Camille, unser dritter Mann fehlte krankheitsbedingt. Gute Besserung!




Your Kid Sister & Narrow Terence, Paris, 11.11.10


Konzert: Your Kid Sister & Narrow Terence, Mon Petit Club # 3

Ort: L'International, Paris

Datum: 11.11.2010
Zuschauer: etwa 250-300, volle Hütte

Konzertdauer: Your Kid Sister etwa 45 Minuten, Narrow Terence circa 55 Minuten


Niedlichkeitsfaktor 10 bei Maia Vidal aka Your Kid Sister! Ein unfassbar hübsches , ebenförmiges Gesicht, strahlende blaue Augen und eine Hasenfell-Perrücke ließen die Pariser im International dahinschmilzen. Maia spielte liebliche Lieder am Akkordeon und man fühlte sich oft an Amélie Poulain erinnert. Hinterher rockten dann die beiden Heißsporne von Narrow Terence ab wie Hölle und ließen an die Bleach Ära von Nirvana denken.

Aber mal von Anfang an:

"Wie süß, diese Your Kid Sister! Bestimmt hast du sie gebucht und deine anderen beiden Kumpel vom Petit Club die harten Jungs, oder?" fragte mich meine Freundin Uschi in der Pause. Sie kennt meine Schwäche für zarte, charmante Fräuleins und war regelrecht verwundert, als ich antwortete: "Nö, Your Kid Sister hat Vincent klargemacht. Und Narrow Terence war eine Idee von uns Dreien."

Zur Erlärung: seit ein paar Monaten organisiere ich auch Konzerte außerhalb meines Wohnzimmers. Gemeinsam mit Vincent und Camille (ein Junge) haben wir das Projekt "Mon Petit Club"* gestartet und begingen heute am 11. November unseren dritten Konzertabend. Nächstes Jahr kriegen wir einen Termin pro Monat im International, die Daten stehen schon fest. Unser Ziel ist es, talentierten Nachwuchskünstlern eine Bühne zu bieten und den Konzertgängern der Seine-Metropole zu zeigen, daß es fernab des Mainstream noch viele gute Musiker zu entdecken gibt. Unsere Abende laufen bisher sehr gut, alle drei Events waren Publikumsmagneten, die Hütte war immer voll. Yeah, baby!!

Your Kid Sister ging heuer als Erste ins Rennen. Sie saß auf einem Hocker, das Akkordeon um die zarten Schultern gewunden und das rote Toy Piano gleich neben ihr. Die Zuckerpuppe war nicht allein gekommen, an ihrer Seite agierte ein pferdeschwänziger Multiinstrumentalist, der meistens Glockenspiel, ab und zu auch Trompete spielte. Wenn ich das richtig gedeutet habe, ist der Glückspilz mit Maia liiert. Die Chemie stimmte jedenfalls zwischen den Beiden, sie lachten viel und zauberten auch dem Publikum ein Dauerlächeln ins Gesicht. Sie boten Lieder voller Charme, Anmut und Poesie, die kurioserweise zum Großteil von der Punkband Rancid (!) stammten. Ja, richtig gelesen, Your Kid Sister hat eine Debüt Ep mit 5 Rancid- Covern veröffentlicht, die sie völlig neu und fernab vom Original interpretierte. Fast ein bißchen so wie bei den Dirty Projectors, deren Album Rise Above aus Covern der Kultpunker Black Flag bestand.

Daß Mia Vidal ein absoluter Augenschmaus ist, hatte ich eingangs bereits erwähnt, in musikalischer Hinsicht wichtiger ist aber, daß auch ihre Stimme sensationell gut ist. Teilweise jazzig angehaucht, immer die richtige Tonlage treffend und sanft und klar. Sie fand die perfekte Balance zwischen lieblichen Parts und kraftvollen Momenten, wo sie sich so richtig austoben konnte. Wer war Feist noch mal? Gesanglich ein kleiner Fisch verglichen mit Your Kid Sister!

Der Aufbau der Lieder folgte oft einer bestimmten Dramaturgie. Langsam und verhalten startend, entwickelten sie sich in der Regel zu mitreißenden, schnellen Schunklern. Maia zog dann ihr Akkordeon immer schneller auf und zu und ließ auch ihr Toypiano rasant pluckern. Etliche potentielle Hits bekamen wir hier geboten mit dem Ohrwurm Daily City Train an erster Stelle. Wenn diese süchtig machende Nummer kein Indie-Hit, dann weiß ich es wirklich nicht!



Aber auch die patriotischen Franzosen kamen auf ihre Kosten. Maia coverte den Oldie Je Me Suis Fait Tout Petit von Georges Brassens und ihre Version gefiel mir sogar besser als das verstaubte , aber dennoch brillante Original des kauzigen Lidermachers. Das ungemein angetane Publikum honorierte das große Talent und die entzückende Performance von Your Kid Sister und spendete warmen Applaus. Der Lohn war eine feine Zugabe, die das rund 45 minütige Traumset abschloß. Mann, war das schon wider toll!!!

Das absolute Kontrastprogramm folgte etwa 15-20 Minuten später. Statt süßen Akordeon-Pop gab es nun saftigen Gitarrenrock. Narrow Terence hatten die Bühne eingenommen und im International war es nun so richtig knackig voll. Eigentlich handelt es sich bei der Band um ein Quartett, aber die Gebrüder Antoine und Nicolas Puaux besorgten es dem Publikum heute ganz ohne weitere Verstärkung. Drummer Antoine sang und wie! Als hätte er die letzten Jahre jeden Tag eine Flasche Whiskey gesoffen und zwei Päckchen Rothändle geraucht, so klang sein knarziges Gesangesorgan! Die Assoziation zu Tom Waits lag auf der Hand und passte hier auch. Sein smarter Bruder Nicolas sorgte für die diabolischen, rasiermesserscharfen Gittarenriffs. Zu zweit machten die beiden einen Lärm wie eine sechsköpfige Band. Sie spielten gnadenlos hart und roh auf und sorgten so für eine prima Stimmung in dem Konzertkeller. Eines ihrer geilsten Lieder war Weakness Of The Sheep vom neuen (zweiten) Album Narco Corridos das 2010 erschienen ist. Sie beweisen hierbei, daß sie nicht nur wild können, sondern auch ein Gespür für catchy Melodien haben. Anderer Knüller: Wet Dead Horses. Ein staubiger Wüstensong mit Stonerrock- Parfüm und einem einprägsamen Refrain à la Foo Fighters. Wahnsinn wie es hier zur Sache ging, wir waren phasenweise nicht mehr wieit vom Heavy Metal entfernt, wurden aber immer mal wieder auf dem falschen Fuß erwischt, weil Narrow Terence in bester Sytsem Of A Down- Manier Tempo und Stimmungen wechselten.



Fast eine Stunde lang wurde der Fuß nicht vom Gaspedal genommen und zum letzten Song wurde dann auch noch das Publikum auf die Bühne gebeten. Ein paar ganz Sportliche hüpften wild im Takt mit und machten den Abend noch etwas ungezügelter als er ohnehin schon war. Das Set von Narrow Terence: der Oberhammer! Allerdings nichts für Pussies...



* nützliche Adressen:

http://twitter.com/monpetitclub
http://www.myspace.com/monpetitclub
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Your Kid Sister & Narrow Terence, Paris, 11.11.10


Konzert: Your Kid Sister & Narrow Terence, Mon Petit Club # 3

Ort: L'International, Paris

Datum: 11.11.2010
Zuschauer: etwa 250-300, volle Hütte

Konzertdauer: Your Kid Sister etwa 45 Minuten, Narrow Terence circa 55 Minuten


Niedlichkeitsfaktor 10 bei Maia Vidal aka Your Kid Sister! Ein unfassbar hübsches , ebenförmiges Gesicht, strahlende blaue Augen und eine Hasenfell-Perrücke ließen die Pariser im International dahinschmilzen. Maia spielte liebliche Lieder am Akkordeon und man fühlte sich oft an Amélie Poulain erinnert. Hinterher rockten dann die beiden Heißsporne von Narrow Terence ab wie Hölle und ließen an die Bleach Ära von Nirvana denken.

Aber mal von Anfang an:

"Wie süß, diese Your Kid Sister! Bestimmt hast du sie gebucht und deine anderen beiden Kumpel vom Petit Club die harten Jungs, oder?" fragte mich meine Freundin Uschi in der Pause. Sie kennt meine Schwäche für zarte, charmante Fräuleins und war regelrecht verwundert, als ich antwortete: "Nö, Your Kid Sister hat Vincent klargemacht. Und Narrow Terence war eine Idee von uns Dreien."

Zur Erlärung: seit ein paar Monaten organisiere ich auch Konzerte außerhalb meines Wohnzimmers. Gemeinsam mit Vincent und Camille (ein Junge) haben wir das Projekt "Mon Petit Club"* gestartet und begingen heute am 11. November unseren dritten Konzertabend. Nächstes Jahr kriegen wir einen Termin pro Monat im International, die Daten stehen schon fest. Unser Ziel ist es, talentierten Nachwuchskünstlern eine Bühne zu bieten und den Konzertgängern der Seine-Metropole zu zeigen, daß es fernab des Mainstream noch viele gute Musiker zu entdecken gibt. Unsere Abende laufen bisher sehr gut, alle drei Events waren Publikumsmagneten, die Hütte war immer voll. Yeah, baby!!

Your Kid Sister ging heuer als Erste ins Rennen. Sie saß auf einem Hocker, das Akkordeon um die zarten Schultern gewunden und das rote Toy Piano gleich neben ihr. Die Zuckerpuppe war nicht allein gekommen, an ihrer Seite agierte ein pferdeschwänziger Multiinstrumentalist, der meistens Glockenspiel, ab und zu auch Trompete spielte. Wenn ich das richtig gedeutet habe, ist der Glückspilz mit Maia liiert. Die Chemie stimmte jedenfalls zwischen den Beiden, sie lachten viel und zauberten auch dem Publikum ein Dauerlächeln ins Gesicht. Sie boten Lieder voller Charme, Anmut und Poesie, die kurioserweise zum Großteil von der Punkband Rancid (!) stammten. Ja, richtig gelesen, Your Kid Sister hat eine Debüt Ep mit 5 Rancid- Covern veröffentlicht, die sie völlig neu und fernab vom Original interpretierte. Fast ein bißchen so wie bei den Dirty Projectors, deren Album Rise Above aus Covern der Kultpunker Black Flag bestand.

Daß Mia Vidal ein absoluter Augenschmaus ist, hatte ich eingangs bereits erwähnt, in musikalischer Hinsicht wichtiger ist aber, daß auch ihre Stimme sensationell gut ist. Teilweise jazzig angehaucht, immer die richtige Tonlage treffend und sanft und klar. Sie fand die perfekte Balance zwischen lieblichen Parts und kraftvollen Momenten, wo sie sich so richtig austoben konnte. Wer war Feist noch mal? Gesanglich ein kleiner Fisch verglichen mit Your Kid Sister!

Der Aufbau der Lieder folgte oft einer bestimmten Dramaturgie. Langsam und verhalten startend, entwickelten sie sich in der Regel zu mitreißenden, schnellen Schunklern. Maia zog dann ihr Akkordeon immer schneller auf und zu und ließ auch ihr Toypiano rasant pluckern. Etliche potentielle Hits bekamen wir hier geboten mit dem Ohrwurm Daily City Train an erster Stelle. Wenn diese süchtig machende Nummer kein Indie-Hit, dann weiß ich es wirklich nicht!



Aber auch die patriotischen Franzosen kamen auf ihre Kosten. Maia coverte den Oldie Je Me Suis Fait Tout Petit von Georges Brassens und ihre Version gefiel mir sogar besser als das verstaubte , aber dennoch brillante Original des kauzigen Lidermachers. Das ungemein angetane Publikum honorierte das große Talent und die entzückende Performance von Your Kid Sister und spendete warmen Applaus. Der Lohn war eine feine Zugabe, die das rund 45 minütige Traumset abschloß. Mann, war das schon wider toll!!!

Das absolute Kontrastprogramm folgte etwa 15-20 Minuten später. Statt süßen Akordeon-Pop gab es nun saftigen Gitarrenrock. Narrow Terence hatten die Bühne eingenommen und im International war es nun so richtig knackig voll. Eigentlich handelt es sich bei der Band um ein Quartett, aber die Gebrüder Antoine und Nicolas Puaux besorgten es dem Publikum heute ganz ohne weitere Verstärkung. Drummer Antoine sang und wie! Als hätte er die letzten Jahre jeden Tag eine Flasche Whiskey gesoffen und zwei Päckchen Rothändle geraucht, so klang sein knarziges Gesangesorgan! Die Assoziation zu Tom Waits lag auf der Hand und passte hier auch. Sein smarter Bruder Nicolas sorgte für die diabolischen, rasiermesserscharfen Gittarenriffs. Zu zweit machten die beiden einen Lärm wie eine sechsköpfige Band. Sie spielten gnadenlos hart und roh auf und sorgten so für eine prima Stimmung in dem Konzertkeller. Eines ihrer geilsten Lieder war Weakness Of The Sheep vom neuen (zweiten) Album Narco Corridos das 2010 erschienen ist. Sie beweisen hierbei, daß sie nicht nur wild können, sondern auch ein Gespür für catchy Melodien haben. Anderer Knüller: Wet Dead Horses. Ein staubiger Wüstensong mit Stonerrock- Parfüm und einem einprägsamen Refrain à la Foo Fighters. Wahnsinn wie es hier zur Sache ging, wir waren phasenweise nicht mehr wieit vom Heavy Metal entfernt, wurden aber immer mal wieder auf dem falschen Fuß erwischt, weil Narrow Terence in bester Sytsem Of A Down- Manier Tempo und Stimmungen wechselten.



Fast eine Stunde lang wurde der Fuß nicht vom Gaspedal genommen und zum letzten Song wurde dann auch noch das Publikum auf die Bühne gebeten. Ein paar ganz Sportliche hüpften wild im Takt mit und machten den Abend noch etwas ungezügelter als er ohnehin schon war. Das Set von Narrow Terence: der Oberhammer! Allerdings nichts für Pussies...



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