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The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude, 18.07.10


Konzert: The Pains Of Being Pure At Heart
Ort: Latitude-Festival
Datum: 18.07.2010
Zuschauer: einige hundert auf der im Wald liegenden Sunrise Stage
Dauer: 37 min


Kaum ein Konzert hat mich 2009 so sehr begeistert wie der Kölner Auftritt einer der Neuentdeckungen des Jahres, der Pains Of Being Pure At Heart. Über die fabelhaften Melodien der Songs der ersten EP und der folgenden Platte muß man nicht streiten. Die Amerikaner haben treffsicher einen Hit nach dem anderen geschrieben, obwohl die Band blutjung ist. Live wurde dies selbst im Luxor so gut umgesetzt, daß hinterher alle Besucher einig waren, ein herausragendes Konzert gesehen zu haben.

Im Gegensatz zur anderen 2009 plötzlich aufgetauchten Gruppe, von der alle (zu recht) schwärmten, The xx, machten sich The Pains Of Being Pure At Heart danach rar in Deutschland. Sie spielten 2009 nur noch einmal in Leipzig, aber auch auf der aktuellen Europatour sind keine Termine bei uns eingeplant. Wie froh war ich da, daß in einer der späten Bestätigungsrunden des Latitude auch die tween Amerikaner noch angekündigt wurden.

The Pains Of Being Pure At Heart spielten auf der im Wald gelegenen Sunrise Bühne, einer K
ombination aus zwei Zelten (Bühne, dann zwei Meter dahinter das Zuschauerzelt) mitten im Wald. Die Roadies, die zwischen den Bands aktiv wurden, lagerten die Bühnentechnik dann auch einfach auf dem weichen Waldboden, das bot sich schließlich an.

Den Aufbau und Soundcheck oben machte die Band selbst. Sängerin, nein besser Keyboarderin Peggy (dazu später mehr) machte das mit umhängender Jutetasche, Indiepop bis zur Perfektion!

Ohne noch einmal zu verschwinden, begannen die Amerikaner ihr Konzert. Daß das nicht lange dauern würde, war vorher schon klar, daher war keine Zeit für Schnickschnack wie ein dramatischer Auftritt.

Es begann mit Stücken der Debütplatte und der EP Higher than the stars. Die
Melodien, vor allem diese Gitarren hatten mich sofort wieder. Was schreibt diese Band für wundervolle Popsongs!

Allerdings störte mich etwas anderes, und irgendwann gelang es mir nicht mehr, das
zu verdrängen. Peggys Gesang ist zwar auf Platte toll, live traf sie aber viel zu viele Töne nicht so, wie es sein sollte. Es leierte manchmal, wie früher Musikkassetten, die im Auto zuviel Hitze abbekommen hatten. Leider galt das auch für Sänger Kip, zwar nicht in gleichem Maße, aber auch er hatte zunehmend Probleme, punktgenau zu singen. Leider war der Ton so gut abgemischt, daß man den Gesang glasklar vernahm, hier hätte schlechter Sound dem Gesamterlebnis gut getan. Sicherlich kann jeder einmal einen schlechten Tag haben. Daher - und vor allem weil die Liveleistung vom Gesang abgesehen hervorragend war, hinterlässt der Katzengesang nur einen faden Beigeschmack, versaut mir die Band aber noch nicht nachhaltig.

Pluspunkte brachten nämlich auch die mir neuen Lieder
Heaven's gonna happen now und vor allem The heart in your heartbreak, die nicht schlechter als das bisherige Material sind! Und das Bedauern von Kip, Belle & Sebastian verpasst zu haben. Und - und da leuchtete mein Herz, das Bekenntnis: "music is all the bad poetry you need!"

Setlist The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude-Festival:

01: This love is fucking right!
02: 103
03: Young adult friction
04: Say no to love
05: Heaven's gonna happen now (neu)
06: A teenager in love
07: Come saturday
08: The heart in your heartbreak (neu)
09: Stay alive
10: Everything with you

Links:

-
The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 04.06.09
- The Pains Of Being Pure At Heart, Paris, 27.05.09


The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude, 18.07.10


Konzert: The Pains Of Being Pure At Heart
Ort: Latitude-Festival
Datum: 18.07.2010
Zuschauer: einige hundert auf der im Wald liegenden Sunrise Stage
Dauer: 37 min


Kaum ein Konzert hat mich 2009 so sehr begeistert wie der Kölner Auftritt einer der Neuentdeckungen des Jahres, der Pains Of Being Pure At Heart. Über die fabelhaften Melodien der Songs der ersten EP und der folgenden Platte muß man nicht streiten. Die Amerikaner haben treffsicher einen Hit nach dem anderen geschrieben, obwohl die Band blutjung ist. Live wurde dies selbst im Luxor so gut umgesetzt, daß hinterher alle Besucher einig waren, ein herausragendes Konzert gesehen zu haben.

Im Gegensatz zur anderen 2009 plötzlich aufgetauchten Gruppe, von der alle (zu recht) schwärmten, The xx, machten sich The Pains Of Being Pure At Heart danach rar in Deutschland. Sie spielten 2009 nur noch einmal in Leipzig, aber auch auf der aktuellen Europatour sind keine Termine bei uns eingeplant. Wie froh war ich da, daß in einer der späten Bestätigungsrunden des Latitude auch die tween Amerikaner noch angekündigt wurden.

The Pains Of Being Pure At Heart spielten auf der im Wald gelegenen Sunrise Bühne, einer K
ombination aus zwei Zelten (Bühne, dann zwei Meter dahinter das Zuschauerzelt) mitten im Wald. Die Roadies, die zwischen den Bands aktiv wurden, lagerten die Bühnentechnik dann auch einfach auf dem weichen Waldboden, das bot sich schließlich an.

Den Aufbau und Soundcheck oben machte die Band selbst. Sängerin, nein besser Keyboarderin Peggy (dazu später mehr) machte das mit umhängender Jutetasche, Indiepop bis zur Perfektion!

Ohne noch einmal zu verschwinden, begannen die Amerikaner ihr Konzert. Daß das nicht lange dauern würde, war vorher schon klar, daher war keine Zeit für Schnickschnack wie ein dramatischer Auftritt.

Es begann mit Stücken der Debütplatte und der EP Higher than the stars. Die
Melodien, vor allem diese Gitarren hatten mich sofort wieder. Was schreibt diese Band für wundervolle Popsongs!

Allerdings störte mich etwas anderes, und irgendwann gelang es mir nicht mehr, das
zu verdrängen. Peggys Gesang ist zwar auf Platte toll, live traf sie aber viel zu viele Töne nicht so, wie es sein sollte. Es leierte manchmal, wie früher Musikkassetten, die im Auto zuviel Hitze abbekommen hatten. Leider galt das auch für Sänger Kip, zwar nicht in gleichem Maße, aber auch er hatte zunehmend Probleme, punktgenau zu singen. Leider war der Ton so gut abgemischt, daß man den Gesang glasklar vernahm, hier hätte schlechter Sound dem Gesamterlebnis gut getan. Sicherlich kann jeder einmal einen schlechten Tag haben. Daher - und vor allem weil die Liveleistung vom Gesang abgesehen hervorragend war, hinterlässt der Katzengesang nur einen faden Beigeschmack, versaut mir die Band aber noch nicht nachhaltig.

Pluspunkte brachten nämlich auch die mir neuen Lieder
Heaven's gonna happen now und vor allem The heart in your heartbreak, die nicht schlechter als das bisherige Material sind! Und das Bedauern von Kip, Belle & Sebastian verpasst zu haben. Und - und da leuchtete mein Herz, das Bekenntnis: "music is all the bad poetry you need!"

Setlist The Pains Of Being Pure At Heart, Latitude-Festival:

01: This love is fucking right!
02: 103
03: Young adult friction
04: Say no to love
05: Heaven's gonna happen now (neu)
06: A teenager in love
07: Come saturday
08: The heart in your heartbreak (neu)
09: Stay alive
10: Everything with you

Links:

-
The Pains Of Being Pure At Heart, Köln, 04.06.09
- The Pains Of Being Pure At Heart, Paris, 27.05.09


Tokyo Police Club, Latitude, 16.07.10


Konzert: Tokyo Police Club
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: vielleicht 1.000
Dauer: 35 min


Vor lauter sehenswerter Bands hatte ich unmittelbar vor dem Festival vergessen, daß ja auch Tokyo Police Club auftreten würden. Als ich irgendwann Freitag nachmittags anhand des Programmbuchs meinen Tagesplan machte, entdeckte ich die Kanadier zu meiner großen Freude wieder.

Und genau das war auch das Motto: ein mögliches Wiederentdecken, denn in den gut zwei Jahren, seit ich Tokyo Police Club zuletzt gesehen hatte, habe ich nicht furchtbar oft Musik der Band gehört. Aus den Augen, aus dem Sinn, vollkommen unverdient, aber wer nicht live präsent ist, fällt eben auch leichter bei mir hinten runter.

Freudig angespannt aber auch sehr schlecht vorbereitet, ging ich dann also in den Auftritt der Band, der der vorletzte meines ersten Latitude-Tages sein sollte. Vorher hatte Luna Belle sich auf der Sunrise Stage ausgetobt, sehr zur Freude der vielen Kinder im Publikum. Die blieben dann auch für Tokyo Police Club und pogten, was das Zeug hält (und mit Kindern meine ich Kinder, nicht etwa 20jährige!).

Das Konzert begann mit viel Unbekanntem, denn ich kannte Champ, das zweite Album der Band, bis da noch nicht. Da aber der Großteil der gespielten Lieder von der neuen Platte stammte, gab es viel zu entdecken.

Allerdings blieben die ganz großen Entdeckungen erst einmal aus. Mit Abstand am besten zogen nämlich mit Nature of the experiment, Tessallate und Your English is good drei alte Lieder. Auch wenn jetzt im Nachhinein, nach einigen Hördurchgängen die Platte bei mir mehr und mehr gewinnt, empfand ich die neuen Stücke live wenig aufregend. Es fehlten mir die hymnischen Qualitäten der alten Hits, die aber trotzdem schrullig genug sind, einen besonderen Charme zu versprühen. Favourite colour ist ein gutes Beispiel dafür. Live fand ich das Stück eine Ecke flacher als alle Songs von den Veröffentlichungen vorher.

Bambi, in das ich mich langsam reinhöre, war live vollkommen langweilig. Richtig überzeugt hatte mich eigentlich nur End of a spark.

Tokyo Police Club haben sicher sehr bewußt einen Schritt in Richtung weniger versponnen, also radiotauglich. Kein Wunder, daß sie mit Owl City auf Tour gehen sollten. Dafür muß man dann eben in Kauf nehmen, daß die Wildheit der ersten Konzerte dabei auf der Strecke bleibt. Wenn ich dann zum nächsten TPC Konzert gehe (das werde ich sicher), werde ich mit anderer Erwartungshaltung kommen, dann werde ich es mehr genießen, die Band mag ich nämlich immer noch sehr.

Setlist Tokyo Police Club, Latitude Festival:

01: Not sick (neu)
02: Nature of the experiment
03: Favourite colour (neu)
04: End of a spark (neu)
05: Bambi (neu)
06: Gone (neu)
07: Citizens of tomorrow
08: Tessellate
09: Breakneck speed (neu)
10: Boots of danger (Wait up) (neu)
11: Your English is good

Links:

- aus unserem Archiv:
- Tokyo Police Club, Brüssel, 05.06.08
- Tokyo Police Club, Frankfurt, 25.06.07
- Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
- Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
- Tokyo Police Club, Paris, 16.02.07
- Tokyo Police Club, Paris, 16.02.07


Tokyo Police Club, Latitude, 16.07.10


Konzert: Tokyo Police Club
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: vielleicht 1.000
Dauer: 35 min


Vor lauter sehenswerter Bands hatte ich unmittelbar vor dem Festival vergessen, daß ja auch Tokyo Police Club auftreten würden. Als ich irgendwann Freitag nachmittags anhand des Programmbuchs meinen Tagesplan machte, entdeckte ich die Kanadier zu meiner großen Freude wieder.

Und genau das war auch das Motto: ein mögliches Wiederentdecken, denn in den gut zwei Jahren, seit ich Tokyo Police Club zuletzt gesehen hatte, habe ich nicht furchtbar oft Musik der Band gehört. Aus den Augen, aus dem Sinn, vollkommen unverdient, aber wer nicht live präsent ist, fällt eben auch leichter bei mir hinten runter.

Freudig angespannt aber auch sehr schlecht vorbereitet, ging ich dann also in den Auftritt der Band, der der vorletzte meines ersten Latitude-Tages sein sollte. Vorher hatte Luna Belle sich auf der Sunrise Stage ausgetobt, sehr zur Freude der vielen Kinder im Publikum. Die blieben dann auch für Tokyo Police Club und pogten, was das Zeug hält (und mit Kindern meine ich Kinder, nicht etwa 20jährige!).

Das Konzert begann mit viel Unbekanntem, denn ich kannte Champ, das zweite Album der Band, bis da noch nicht. Da aber der Großteil der gespielten Lieder von der neuen Platte stammte, gab es viel zu entdecken.

Allerdings blieben die ganz großen Entdeckungen erst einmal aus. Mit Abstand am besten zogen nämlich mit Nature of the experiment, Tessallate und Your English is good drei alte Lieder. Auch wenn jetzt im Nachhinein, nach einigen Hördurchgängen die Platte bei mir mehr und mehr gewinnt, empfand ich die neuen Stücke live wenig aufregend. Es fehlten mir die hymnischen Qualitäten der alten Hits, die aber trotzdem schrullig genug sind, einen besonderen Charme zu versprühen. Favourite colour ist ein gutes Beispiel dafür. Live fand ich das Stück eine Ecke flacher als alle Songs von den Veröffentlichungen vorher.

Bambi, in das ich mich langsam reinhöre, war live vollkommen langweilig. Richtig überzeugt hatte mich eigentlich nur End of a spark.

Tokyo Police Club haben sicher sehr bewußt einen Schritt in Richtung weniger versponnen, also radiotauglich. Kein Wunder, daß sie mit Owl City auf Tour gehen sollten. Dafür muß man dann eben in Kauf nehmen, daß die Wildheit der ersten Konzerte dabei auf der Strecke bleibt. Wenn ich dann zum nächsten TPC Konzert gehe (das werde ich sicher), werde ich mit anderer Erwartungshaltung kommen, dann werde ich es mehr genießen, die Band mag ich nämlich immer noch sehr.

Setlist Tokyo Police Club, Latitude Festival:

01: Not sick (neu)
02: Nature of the experiment
03: Favourite colour (neu)
04: End of a spark (neu)
05: Bambi (neu)
06: Gone (neu)
07: Citizens of tomorrow
08: Tessellate
09: Breakneck speed (neu)
10: Boots of danger (Wait up) (neu)
11: Your English is good

Links:

- aus unserem Archiv:
- Tokyo Police Club, Brüssel, 05.06.08
- Tokyo Police Club, Frankfurt, 25.06.07
- Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
- Tokyo Police Club, Köln, 25.02.07
- Tokyo Police Club, Paris, 16.02.07
- Tokyo Police Club, Paris, 16.02.07


Crystal Castles, Latitude Festival, 17.07.10


Konzert: Crystal Castles
Ort: Latitude Festival
Datum: 17.07.2010
Zuschauer: 15.000?
Dauer: 40 min


Samstag abend auf der Hauptbühne: James hatten kräftig überzogen, die nachfolgenden Maccabees sollten diese Verspätung durch ein verkürztes Set wieder wettmachen, dachten aber nicht ansatzweise daran und spielten nach dem Hinweis, zum Schluß zu kommen, noch drei oder vier Lieder.

Ausbaden mussten das Crystal Castles, die erst mit 15 Minuten Verspätung anfangen durften. Die zusätzliche Zeit war allerdings auch dringend nötig, denn ein ganzer Stab Techniker suchte verzweifelt einen Weg, eine Konstruktion aufzubauen, mit der man von der enorm hohen Bühne herunterklettern könnte. Erst wurde ein richtiges Treppenelement herbeigeschleppt und mit ein paar unterbauten Paletten an einem der Kameratürme montiert. Das stellte die Crew aber noch nicht zufrieden, es wurde hin- und hergerückt, bis das Treppendings wieder in der Ecke landete. Versuch zwei war paragmatischer. Aus Bühnenkisten sollte jetzt eine Stiege gebastelt werden. Also stellte ein cleverer Tüftler unten zwei der Wagen auf und packte einen dritten auf die beiden unteren. Das überbrückte den Weg zur Bühne ganz gut. Allerdings hatte niemand beachtet, daß die Bühnenboxen auf Rollen stehen und eine Treppe, die in alle Richtungen gleichzeitig rollt, sicher nicht zu den größten Glanztaten angewandter Ingenieurskunst gehört. Also die Dinger drehen, Räder nach hinten. Plötzlich trauten sich die ersten Tester von oben runter. Um das ganze aber auch TÜV Suffolk tauglich zu machen, klebte einer der Bastler noch Panzerband auf alle Ecken und Kanten der Kisten. Damit diejenigen, die von oben runterklettern würden, auch den Weg finden würden, machte man dann noch einen Richtungspfeil auf die Kisten. Da: unten.

Kurz danach kam dann auf der Bühne Nebel auf. Drei (statt der von mir erwarteten zwei) Musiker entstiegen dem und machten schnell großen Lärm. Crystal Castles sind Ethan Kath und Sängerin Alice Glass. Live wurden sie von einem Schlagzeuger begleitet, vermutlich Christopher Chartrand). Obwohl sie heftig ins Mikro schrie, hörte man von Alice anfangs nichts. Nur das Wummern der Beats, elektronisch oder vom Schlagzeug kommend, war zu vernehmen. Meine Begeisterung hielt sich extrem in Grenzen; in dem Moment wäre mir Scooter lieber gewesen, denn das wäre vermutlich unterhaltsamer gewesen. Alice kauerte da meist im Parka hinter einer der Monitorboxen und sang lautlos. Es war sterbenslangweilig und sehr schlecht.

Daß das Konzert dann aber doch noch die Kurve bekam, hatte eh nichts mit der Musik zu tun. Denn endlich kam das, was mir alle versprochen hatten, das Irre an der Show!

Alice kletterte nach unten. Dabei stakste sie wie ein Storch. Weniger nett formuliert: sie bewegte sich sehr trampelig. Als sie am Gitter angekommen war, kletterte die (verhinderte) Sängerin sofort ins Publikum, um zu crowdsurfen. Das dauerte ewig, währenddessen wummerte es weiter aus den Boxen. Manchmal hörte man gesangsähnliche Sachen, das meiste ging allerdings unter. Nachdem Alice das Spiel ein paarmal wiederholt hatte, kletterte sie wieder nach oben. Allerdings machte sie auf halbem Weg zur Bühne Pause und sank auf die Knie, sie schien restlos fertig zu sein. Oben angekommen, rannte sie aber schnell wieder nach unten, schnappt sich Tourmanager und einen zweiten Bandhelfer und schrie auf die ein. Die beiden halfen ihr erneut aufs Gitter, wo sie wild gestikulierend zum Publikum zeigte. "Some fucking idiot stole my...", brüllte sie durchs Mikro. Daß das kein Liedtext war, kapierte ich, auch ohne mich bisher mit dem Werk des kanadischen Duos befasst zu haben. Nur was der Entertainerin fehlte, habe ich nicht verstanden. Als ich die Fotos anschließend betrachtete, sah ich es sofort: man hatte Alice einen Schuh beim surfen ausgezogen. Sie gab den beiden Bandmitarbeitern eine Beschreibung des Diebs, zeigte immer wieder auf eine Stelle und schlug dann wild ausholend in diese Richtung. Allerdings schien Alice, warum auch immer (Jetlag vermutlich), nicht in der Lage, gezielte Bewegungen zu machen.

Nachdem dem Partyvolk mitgeteilt worden war, daß die Sängerin einen Schuh verloren habe, reagierten die tanzenden Leute in den ersten Reihen konsequent: es flogen enorm viele einzelne Schuhe nach vorne, manchmal sehr dicht am Kopf der Kanadierin oder ihrer Helfer vorbei!

Musikalisch passierte sonst nichts. Man hörte wenig bis gar nichts von der Sängerin, nur die knallenden, elektronischen Rhythmen. Als Konzert mag ich den Auftritt eigentlich nicht bezeichnen. Aber wegen der grandiosen Stimmung, wegen Alices Ausflügen und wegen des lustigen Schuhspiels war die Geschichte dann doch wieder hoch unterhaltsam.



Crystal Castles, Latitude Festival, 17.07.10


Konzert: Crystal Castles
Ort: Latitude Festival
Datum: 17.07.2010
Zuschauer: 15.000?
Dauer: 40 min


Samstag abend auf der Hauptbühne: James hatten kräftig überzogen, die nachfolgenden Maccabees sollten diese Verspätung durch ein verkürztes Set wieder wettmachen, dachten aber nicht ansatzweise daran und spielten nach dem Hinweis, zum Schluß zu kommen, noch drei oder vier Lieder.

Ausbaden mussten das Crystal Castles, die erst mit 15 Minuten Verspätung anfangen durften. Die zusätzliche Zeit war allerdings auch dringend nötig, denn ein ganzer Stab Techniker suchte verzweifelt einen Weg, eine Konstruktion aufzubauen, mit der man von der enorm hohen Bühne herunterklettern könnte. Erst wurde ein richtiges Treppenelement herbeigeschleppt und mit ein paar unterbauten Paletten an einem der Kameratürme montiert. Das stellte die Crew aber noch nicht zufrieden, es wurde hin- und hergerückt, bis das Treppendings wieder in der Ecke landete. Versuch zwei war paragmatischer. Aus Bühnenkisten sollte jetzt eine Stiege gebastelt werden. Also stellte ein cleverer Tüftler unten zwei der Wagen auf und packte einen dritten auf die beiden unteren. Das überbrückte den Weg zur Bühne ganz gut. Allerdings hatte niemand beachtet, daß die Bühnenboxen auf Rollen stehen und eine Treppe, die in alle Richtungen gleichzeitig rollt, sicher nicht zu den größten Glanztaten angewandter Ingenieurskunst gehört. Also die Dinger drehen, Räder nach hinten. Plötzlich trauten sich die ersten Tester von oben runter. Um das ganze aber auch TÜV Suffolk tauglich zu machen, klebte einer der Bastler noch Panzerband auf alle Ecken und Kanten der Kisten. Damit diejenigen, die von oben runterklettern würden, auch den Weg finden würden, machte man dann noch einen Richtungspfeil auf die Kisten. Da: unten.

Kurz danach kam dann auf der Bühne Nebel auf. Drei (statt der von mir erwarteten zwei) Musiker entstiegen dem und machten schnell großen Lärm. Crystal Castles sind Ethan Kath und Sängerin Alice Glass. Live wurden sie von einem Schlagzeuger begleitet, vermutlich Christopher Chartrand). Obwohl sie heftig ins Mikro schrie, hörte man von Alice anfangs nichts. Nur das Wummern der Beats, elektronisch oder vom Schlagzeug kommend, war zu vernehmen. Meine Begeisterung hielt sich extrem in Grenzen; in dem Moment wäre mir Scooter lieber gewesen, denn das wäre vermutlich unterhaltsamer gewesen. Alice kauerte da meist im Parka hinter einer der Monitorboxen und sang lautlos. Es war sterbenslangweilig und sehr schlecht.

Daß das Konzert dann aber doch noch die Kurve bekam, hatte eh nichts mit der Musik zu tun. Denn endlich kam das, was mir alle versprochen hatten, das Irre an der Show!

Alice kletterte nach unten. Dabei stakste sie wie ein Storch. Weniger nett formuliert: sie bewegte sich sehr trampelig. Als sie am Gitter angekommen war, kletterte die (verhinderte) Sängerin sofort ins Publikum, um zu crowdsurfen. Das dauerte ewig, währenddessen wummerte es weiter aus den Boxen. Manchmal hörte man gesangsähnliche Sachen, das meiste ging allerdings unter. Nachdem Alice das Spiel ein paarmal wiederholt hatte, kletterte sie wieder nach oben. Allerdings machte sie auf halbem Weg zur Bühne Pause und sank auf die Knie, sie schien restlos fertig zu sein. Oben angekommen, rannte sie aber schnell wieder nach unten, schnappt sich Tourmanager und einen zweiten Bandhelfer und schrie auf die ein. Die beiden halfen ihr erneut aufs Gitter, wo sie wild gestikulierend zum Publikum zeigte. "Some fucking idiot stole my...", brüllte sie durchs Mikro. Daß das kein Liedtext war, kapierte ich, auch ohne mich bisher mit dem Werk des kanadischen Duos befasst zu haben. Nur was der Entertainerin fehlte, habe ich nicht verstanden. Als ich die Fotos anschließend betrachtete, sah ich es sofort: man hatte Alice einen Schuh beim surfen ausgezogen. Sie gab den beiden Bandmitarbeitern eine Beschreibung des Diebs, zeigte immer wieder auf eine Stelle und schlug dann wild ausholend in diese Richtung. Allerdings schien Alice, warum auch immer (Jetlag vermutlich), nicht in der Lage, gezielte Bewegungen zu machen.

Nachdem dem Partyvolk mitgeteilt worden war, daß die Sängerin einen Schuh verloren habe, reagierten die tanzenden Leute in den ersten Reihen konsequent: es flogen enorm viele einzelne Schuhe nach vorne, manchmal sehr dicht am Kopf der Kanadierin oder ihrer Helfer vorbei!

Musikalisch passierte sonst nichts. Man hörte wenig bis gar nichts von der Sängerin, nur die knallenden, elektronischen Rhythmen. Als Konzert mag ich den Auftritt eigentlich nicht bezeichnen. Aber wegen der grandiosen Stimmung, wegen Alices Ausflügen und wegen des lustigen Schuhspiels war die Geschichte dann doch wieder hoch unterhaltsam.



James, Latitude Festival, 17.07.10


Konzert: James
Ort: Latitude Festival
Datum: 17.07.2010
Zuschauer: sicherlich gut 15.000
Dauer: 60 min


Es ist schon gemein... Da gibt es meine 90er Lieblinge James seit einigen Jahren wiedervereinigt und regelmäßig auf Tour, die Meister der Indiepophymnen ziehen es aber vor, Deutschland weit zu umgehen. Will man die Band aus Manchester sehen, muß man zu ihnen kommen. Vor ein paar Monaten hatten wir den festen Willen dazu. James sollten in der Royal Albert Hall spielen. Ich war da noch nie, ein doppelter Grund also, einen Ausflug nach London zu machen. Der Verkaufsstart der
(natürlich knappen) Tickets war wie üblich morgens um neun und ich pünktlich, glücklich und hatte zwei Karten für den Innenraum. Nur lieferte die deutsche Version eines internationalen Kartenhändlers nicht nach Deutschland, nur Engländer durften James sehen. Ich bin sicher, einer Klage würde solch ein Verhalten innerhalb der EU nicht standhalten. Aber ich bin weder Jurist noch verrückt. Und Karten für das Konzert hätte uns so etwas auch nicht gebracht.

Umso glücklicher war ich, als einer der Special guests fürs Latitude Festival James waren, ich meine Lieblinge also wirklich sehen würde.

Die Gruppe um Tim Booth war erstaunlich früh auf der großen Bühne angesetzt. Es war trotzdem rappelvoll vor der Obelisk Stage, James ziehen noch sehr im Vereinigten Königreich!

Und was für Leute da waren! Neben unglaublich vielen kleinen Kindern standen am Rand ein paar sehr exzentrisch verkleidete Menschen, so eine Art englische Village People (Tennisspieler statt Indianer). Die vergaß ich aber schnell wieder, als es losging. James-Frontmann Tim sieht mittlerweile wie Bernd Stromberg aus, vor allem
wegen des albernen Bärtchens. Obwohl es wirklich warm war, trug er erst eine Lederjacke mit Lammfellfutter. Die armen Schafe, die sonst auf den Weiden leben! Damit ihnen übers Wochenende keine Popstars rasieren konnten, hatten die sich übrigens getarnt!

Aber zu James: mit Bubbles, einem sehr ruhigen Lied über Kinder und die Geburt, das auf dem letzten Album Hey Ma erschienen war, begannen die Veteranen ihr Set. Das Lied ist kein echter Kracher, ganz anders als das, was James bekannt gemacht
hatte. Als das Stück vorbei war, sagte Tim, wo es langgehe: "We'll play a lot of new ones!" Man konnte dem Entgleisen der Gesichtszüge der Zuschauer prima zusehen. "You wanna party?" fragte der Sänger grinsend und stimmte Ring the bells an, gefolgt von Getting away with it und Tomorrow, also drei der größten Hits der Band. Puh! Sie wussten also doch, was ihr Job war!

Bis auf I wanna go home (auch von Hey Ma) bestand das ganze Set aus alten Stücken, ach, es war großartig! Allerdings war das Konzert auch eine Prüfung, denn Tim Booth hat nicht nur ein albernes Bärtchen, er tanzt auch immer wilder. In Bewegung war der Mann schon immer auf der Bühne, es gilt aber wohl das alte je
oller, je doller. Sein Getanze während der Instrumentalstellen ist mittlerweile ein wildes Gezappel, das ihm sicher auch zum Star jeder Hunsrück-Disko machte.

Der größte Hit der Band, das sagenhafte Sit down (sicherlich einer der besten Popsongs der Musikgeschichte), kam nicht wie erwartet ganz am Ende. Grund dafür war vermutlich, daß Tim einen Ausflug machen wollte. Bei den ersten Klaviertönen fragte er, wie er denn nach unten komme. Die Bühne war nämlich sauhoch. Irgendwie klappte es, und der Sänger stand am Absperrgitter, kletterte hoch und sang ins Publikum. Natürlich ist das nicht furchtbar originell, aber es wirkte nicht aufgesetzt und machte Tim Booth damit sehr sympathisch!

Vermutlich hatte die Band deutlich weniger Musik genehmigt bekommen, sie
entschieden sich aber, zu überziehen (man merkte das danach, als sich der Start der Maccabees deutlich verzögerte). Also folgten noch Sound, Sometimes und Laid. Mir fehlte nur Born of frustration zum Glück, aber das kann ja noch irgendwann kommen.

Mit dem Spätwerk kann ich deutlich weniger anfangen, die alten James-Klassiker haben aber nichts an ihrem Charme verloren! Da ist es auch egal, wie sehr der Frontmann rumhampelt.

Den Gegenentwurf zum Rumzappeln konnte man bei Sit down auch erleben: während TIm vorne rampensaute, machten die anderen Bandmitglieder lustige
anderen Sachen. Der Bassist machte Fotos mit seiner Spiegelreflex-Kamera und der Trompeter setzte sich auf den Bühenrand. So hieß das Lied ja auch schließlich.

Irgendwann sah ich auch die exzentrisch verkleideten Menschen wieder, die erschienen nämlich zum Tanzen auf der Bühne (habt ihr gut gemacht, Abe, Simone und Nathan!).

Setlist James, Latitude Festival:

01: Bubbles
02: Ring the bells
03: Getting away with it
04: Tomorrow
05: I wanna go home
06: Out to get you
07: Stutter
08: Sit down
09: Sound
10: Sometimes
11: Laid

Links:

- James, Dublin, 17.04.07


James, Latitude Festival, 17.07.10


Konzert: James
Ort: Latitude Festival
Datum: 17.07.2010
Zuschauer: sicherlich gut 15.000
Dauer: 60 min


Es ist schon gemein... Da gibt es meine 90er Lieblinge James seit einigen Jahren wiedervereinigt und regelmäßig auf Tour, die Meister der Indiepophymnen ziehen es aber vor, Deutschland weit zu umgehen. Will man die Band aus Manchester sehen, muß man zu ihnen kommen. Vor ein paar Monaten hatten wir den festen Willen dazu. James sollten in der Royal Albert Hall spielen. Ich war da noch nie, ein doppelter Grund also, einen Ausflug nach London zu machen. Der Verkaufsstart der
(natürlich knappen) Tickets war wie üblich morgens um neun und ich pünktlich, glücklich und hatte zwei Karten für den Innenraum. Nur lieferte die deutsche Version eines internationalen Kartenhändlers nicht nach Deutschland, nur Engländer durften James sehen. Ich bin sicher, einer Klage würde solch ein Verhalten innerhalb der EU nicht standhalten. Aber ich bin weder Jurist noch verrückt. Und Karten für das Konzert hätte uns so etwas auch nicht gebracht.

Umso glücklicher war ich, als einer der Special guests fürs Latitude Festival James waren, ich meine Lieblinge also wirklich sehen würde.

Die Gruppe um Tim Booth war erstaunlich früh auf der großen Bühne angesetzt. Es war trotzdem rappelvoll vor der Obelisk Stage, James ziehen noch sehr im Vereinigten Königreich!

Und was für Leute da waren! Neben unglaublich vielen kleinen Kindern standen am Rand ein paar sehr exzentrisch verkleidete Menschen, so eine Art englische Village People (Tennisspieler statt Indianer). Die vergaß ich aber schnell wieder, als es losging. James-Frontmann Tim sieht mittlerweile wie Bernd Stromberg aus, vor allem
wegen des albernen Bärtchens. Obwohl es wirklich warm war, trug er erst eine Lederjacke mit Lammfellfutter. Die armen Schafe, die sonst auf den Weiden leben! Damit ihnen übers Wochenende keine Popstars rasieren konnten, hatten die sich übrigens getarnt!

Aber zu James: mit Bubbles, einem sehr ruhigen Lied über Kinder und die Geburt, das auf dem letzten Album Hey Ma erschienen war, begannen die Veteranen ihr Set. Das Lied ist kein echter Kracher, ganz anders als das, was James bekannt gemacht
hatte. Als das Stück vorbei war, sagte Tim, wo es langgehe: "We'll play a lot of new ones!" Man konnte dem Entgleisen der Gesichtszüge der Zuschauer prima zusehen. "You wanna party?" fragte der Sänger grinsend und stimmte Ring the bells an, gefolgt von Getting away with it und Tomorrow, also drei der größten Hits der Band. Puh! Sie wussten also doch, was ihr Job war!

Bis auf I wanna go home (auch von Hey Ma) bestand das ganze Set aus alten Stücken, ach, es war großartig! Allerdings war das Konzert auch eine Prüfung, denn Tim Booth hat nicht nur ein albernes Bärtchen, er tanzt auch immer wilder. In Bewegung war der Mann schon immer auf der Bühne, es gilt aber wohl das alte je
oller, je doller. Sein Getanze während der Instrumentalstellen ist mittlerweile ein wildes Gezappel, das ihm sicher auch zum Star jeder Hunsrück-Disko machte.

Der größte Hit der Band, das sagenhafte Sit down (sicherlich einer der besten Popsongs der Musikgeschichte), kam nicht wie erwartet ganz am Ende. Grund dafür war vermutlich, daß Tim einen Ausflug machen wollte. Bei den ersten Klaviertönen fragte er, wie er denn nach unten komme. Die Bühne war nämlich sauhoch. Irgendwie klappte es, und der Sänger stand am Absperrgitter, kletterte hoch und sang ins Publikum. Natürlich ist das nicht furchtbar originell, aber es wirkte nicht aufgesetzt und machte Tim Booth damit sehr sympathisch!

Vermutlich hatte die Band deutlich weniger Musik genehmigt bekommen, sie
entschieden sich aber, zu überziehen (man merkte das danach, als sich der Start der Maccabees deutlich verzögerte). Also folgten noch Sound, Sometimes und Laid. Mir fehlte nur Born of frustration zum Glück, aber das kann ja noch irgendwann kommen.

Mit dem Spätwerk kann ich deutlich weniger anfangen, die alten James-Klassiker haben aber nichts an ihrem Charme verloren! Da ist es auch egal, wie sehr der Frontmann rumhampelt.

Den Gegenentwurf zum Rumzappeln konnte man bei Sit down auch erleben: während TIm vorne rampensaute, machten die anderen Bandmitglieder lustige
anderen Sachen. Der Bassist machte Fotos mit seiner Spiegelreflex-Kamera und der Trompeter setzte sich auf den Bühenrand. So hieß das Lied ja auch schließlich.

Irgendwann sah ich auch die exzentrisch verkleideten Menschen wieder, die erschienen nämlich zum Tanzen auf der Bühne (habt ihr gut gemacht, Abe, Simone und Nathan!).

Setlist James, Latitude Festival:

01: Bubbles
02: Ring the bells
03: Getting away with it
04: Tomorrow
05: I wanna go home
06: Out to get you
07: Stutter
08: Sit down
09: Sound
10: Sometimes
11: Laid

Links:

- James, Dublin, 17.04.07


The National, Latitude Festival, 16.07.10


Konzert: The National
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: viele Tausend
Dauer: 70 min


Darauf daß The National trotz der vielen anderen hervorragenden Künstler der Höhepunkt des ersten Latitude Tages sein würden, hätte ich alles gewettet. Keine sehr wagemutige Wette zugegebenermaßen, schließlich sind die Amerikaner zur Zeit sicher eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Band der Musikrichtung, die wir hier hören.

Vorher hatte ich Tokyo Police Club gesehen und war zeitig genug im Word Zelt angekommen, um einen recht guten Platz zu finden. Meine Theorie aber, daß es wegen der parallel auf der größten Bühne auftretenden Florence nicht knallvoll würde, hatte sich schnell zerschlagen. Scheinbar wollte doch jeder Matt Berninger, die Dessners und die Devendorfs sehen.

Vor ein paar Monaten ist mit High Violet die fünfte Platte der Amerikaner erschienen. Wie so viele habe ich The National erst seit Alligator wahrgenommen und seit Boxer* abgöttisch geliebt. Gerade gegenüber Boxer mit all seinen unfassbaren Stücken fällt High Violet natürlich ab, die Platte wächst aber immer mehr, und es wäre unfair sie dafür zu bestrafen, daß ihr Vorgänger solch ein Meisterwerk ist.

Wie so oft zeigt sich aber die wahre Stärke von Songs live - der alte
Konzertlackmustest. Und der war ein Volltreffer! Runaway als Auftaktstück war schon so groß, daß jeder Zweifel sofort weg war!

"I'll name my son after you!" brüllte ein Engländer unmittelbar nach den letzten Tönen nach vorne. Ich glaube, er sprach damit vielen aus dem Herzen. Und in ein paar Jahren bekommt National Turner dann erklärt, wie er zu seinem Namen kam.

Runaway habe ich übrigens als Duett erlebt. Neben mir stand eine sehr große Frau, die das Stück komplett mitsang, in atemberaubender Lautstärke aber extrem treff-
und textsicher. Das war toll, vielleicht sollten The National auch mal eine Gastsängerin für ihre Stücke einsetzen. Aber mir genügte natürlich das Original. Eines der perfektesten Stücke Musik, die ich je erlebt habe, kam danach: Mistaken for strangers mit einem unentwegt über die Bühne tigernden Matt Berninger war so intensiv, wie ich wirklich ganz selten ein Lied auf einem Konzert erlebt habe.

Auch wenn Mistaken for strangers erst einmal einzigartig blieb, hielt das Konzert dieses extrem hohe Niveau. Auch etwa Bloodbuzz Ohio, das ich beim ersten Hören viel zu sommerlich fröhlich hielt, überzeugte mich restlos. Squalor Victoria endete in Schreitiraden des introvertierten Sängers, so als suche sich alles mögliche ein Ventil über seine Stimme.

Die Ansagen übrigens übernahm grundsätzlich ein anderes Bandmitglied für den Sänger.

Mit dem Cardinal song kam dann ein Stück aus der Zeit vor Alligator. Das Lied stammt von Sad songs for dirty lovers, der zweiten Platte der Band. Ich hatte bisher
noch keines der Stücke der ersten beiden Alben live gehört, wenn ich mich recht entsinne, eine schöne kleine Überraschung also!

Ähnlich bewegend wie Mistaken for strangers wurde es dann noch einmal bei Fake empires. Ich habe wirklich nie Gänsehaut bei Konzerten, hier schon - trotz der Enge und der hohen Sommertemperaturen. Aber auch dies war sicher kein Phänomen, daß alleine ich erlebte, denn das Zelt bejubelte die Band wie das zwischenzeitliche 2:2 gegen Deutschland. A propos Fußball... eine meine Lieblingsszenen des ganzen Wochenendes spielte sich vor The National ab: in meiner
Nähe standen ein paar junge Frauen, die quer durchs Zelt "Sweinsteiga! Sweinsteiga!" brüllten.

Wieder einmal haben The National ein überragendes Konzert abgeliefert. So und nicht anders muß man das machen. Und genau dafür lohnt es sich, sich Nächte oder Wochenende um die Ohren zu schlagen, um Bands nachzureisen, die niemand im Freundeskreis kennt.

Setlist The National, Latitude Festival:

01: Runaway
02: Mistaken for strangers
03: Anyone's ghost
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of anyone
08: Cardinal song
09: Conversation 16
10: Apartment story
11: Abel
12: England
13: Fake empires
14: Mr. November
15: Terrible love

Links:

aus unserem Archiv:
- The National (mit Pavement), Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

* ich weiß, daß ich einen Mainstream-Geschmack habe


The National, Latitude Festival, 16.07.10


Konzert: The National
Ort: Latitude Festival
Datum: 16.07.2010
Zuschauer: viele Tausend
Dauer: 70 min


Darauf daß The National trotz der vielen anderen hervorragenden Künstler der Höhepunkt des ersten Latitude Tages sein würden, hätte ich alles gewettet. Keine sehr wagemutige Wette zugegebenermaßen, schließlich sind die Amerikaner zur Zeit sicher eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Band der Musikrichtung, die wir hier hören.

Vorher hatte ich Tokyo Police Club gesehen und war zeitig genug im Word Zelt angekommen, um einen recht guten Platz zu finden. Meine Theorie aber, daß es wegen der parallel auf der größten Bühne auftretenden Florence nicht knallvoll würde, hatte sich schnell zerschlagen. Scheinbar wollte doch jeder Matt Berninger, die Dessners und die Devendorfs sehen.

Vor ein paar Monaten ist mit High Violet die fünfte Platte der Amerikaner erschienen. Wie so viele habe ich The National erst seit Alligator wahrgenommen und seit Boxer* abgöttisch geliebt. Gerade gegenüber Boxer mit all seinen unfassbaren Stücken fällt High Violet natürlich ab, die Platte wächst aber immer mehr, und es wäre unfair sie dafür zu bestrafen, daß ihr Vorgänger solch ein Meisterwerk ist.

Wie so oft zeigt sich aber die wahre Stärke von Songs live - der alte
Konzertlackmustest. Und der war ein Volltreffer! Runaway als Auftaktstück war schon so groß, daß jeder Zweifel sofort weg war!

"I'll name my son after you!" brüllte ein Engländer unmittelbar nach den letzten Tönen nach vorne. Ich glaube, er sprach damit vielen aus dem Herzen. Und in ein paar Jahren bekommt National Turner dann erklärt, wie er zu seinem Namen kam.

Runaway habe ich übrigens als Duett erlebt. Neben mir stand eine sehr große Frau, die das Stück komplett mitsang, in atemberaubender Lautstärke aber extrem treff-
und textsicher. Das war toll, vielleicht sollten The National auch mal eine Gastsängerin für ihre Stücke einsetzen. Aber mir genügte natürlich das Original. Eines der perfektesten Stücke Musik, die ich je erlebt habe, kam danach: Mistaken for strangers mit einem unentwegt über die Bühne tigernden Matt Berninger war so intensiv, wie ich wirklich ganz selten ein Lied auf einem Konzert erlebt habe.

Auch wenn Mistaken for strangers erst einmal einzigartig blieb, hielt das Konzert dieses extrem hohe Niveau. Auch etwa Bloodbuzz Ohio, das ich beim ersten Hören viel zu sommerlich fröhlich hielt, überzeugte mich restlos. Squalor Victoria endete in Schreitiraden des introvertierten Sängers, so als suche sich alles mögliche ein Ventil über seine Stimme.

Die Ansagen übrigens übernahm grundsätzlich ein anderes Bandmitglied für den Sänger.

Mit dem Cardinal song kam dann ein Stück aus der Zeit vor Alligator. Das Lied stammt von Sad songs for dirty lovers, der zweiten Platte der Band. Ich hatte bisher
noch keines der Stücke der ersten beiden Alben live gehört, wenn ich mich recht entsinne, eine schöne kleine Überraschung also!

Ähnlich bewegend wie Mistaken for strangers wurde es dann noch einmal bei Fake empires. Ich habe wirklich nie Gänsehaut bei Konzerten, hier schon - trotz der Enge und der hohen Sommertemperaturen. Aber auch dies war sicher kein Phänomen, daß alleine ich erlebte, denn das Zelt bejubelte die Band wie das zwischenzeitliche 2:2 gegen Deutschland. A propos Fußball... eine meine Lieblingsszenen des ganzen Wochenendes spielte sich vor The National ab: in meiner
Nähe standen ein paar junge Frauen, die quer durchs Zelt "Sweinsteiga! Sweinsteiga!" brüllten.

Wieder einmal haben The National ein überragendes Konzert abgeliefert. So und nicht anders muß man das machen. Und genau dafür lohnt es sich, sich Nächte oder Wochenende um die Ohren zu schlagen, um Bands nachzureisen, die niemand im Freundeskreis kennt.

Setlist The National, Latitude Festival:

01: Runaway
02: Mistaken for strangers
03: Anyone's ghost
04: Bloodbuzz Ohio
05: Slow show
06: Squalor Victoria
07: Afraid of anyone
08: Cardinal song
09: Conversation 16
10: Apartment story
11: Abel
12: England
13: Fake empires
14: Mr. November
15: Terrible love

Links:

aus unserem Archiv:
- The National (mit Pavement), Paris, 07.05.10
- The National, Haldern, 09.08.08
- The National, Montreux, 16.07.08
- The National, Köln, 27.11.07
- The National, Paris, 14.11.07

* ich weiß, daß ich einen Mainstream-Geschmack habe