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Chad VanGaalen & Crocodiles, Paris, 08.04.11


Konzert: Chad VanGaalen & Crocodiles (The Missing Season)

Ort: la Flèche d'or, Paris
Datum: 08.04.2011
Zuschauer: viele


Ein aufregendes Gefühl. Dieser stimulierende Gedanke, einen würdigen Nachfolger des großen, des unvergessenen Elliott Smith für sich entdeckt zu haben. Seit dem Tode des fantastischen, depressiven Singer/Songwriters im Jahre 2003 klafft eine Lücke, die geschlossen werden muss. Kaum ein Zweiter hat mich mit seinen Liedern und seinem düsteren Songwriting so bewegt wie Elliott. Aber man muss es hinnehmen wie es ist, von Smith wird es keine neuen Stücke mehr geben, selbst wenn immer mal wieder unveröffentliche Sachen im Netz auftauchen oder altes Material wie bei der Doppel-CD Full Moon erstmals auf Tonträger gebannt wird.

Für durchaus guten Ersatz haben in den letzten Jahren vor allem Sufjan Stevens, Troy von Balthazar und Loney, Dear gesorgt. Aber traurige Sänger mit verzweifelten Texten kann es auf dieser Welt gar nicht genug geben, insofern ist das Emporkommen eines Chad VanGaalen ein Geschenk Gottes. "When I die I'll hang my head beside the willow tree when I'm dead is when I'll be free. And you can take my body put it in a boat light it on fire you can use the kerosene." Diese Songzeilen haben sich in den letzten zwei Tagen tief in mein Gedächtnis gegraben. Der Tod als Erlösung und danach ist es egal, was mit einem passiert. Wie traurig, aber gleichzeitig tröstlich dieser Gedanke doch ist. Und wie anrührend es ist, wenn ein junger, gutaussehender Mann wie Chad diese Zeilen mit seiner brüchigen Falsettstimme singt.

Dennoch gehörte ich mit meiner Begeisterung für Chad heute abend in der Pariser Flèche d'or offenkundig einer Minderheit an, denn die meisten Leute waren wohl für die später startenden Crocodiles gekommen. Die erste Zuschauer-Reihe war überwiegend von jungen, aber nicht sonderlich hübschen Amerikanerinnen eingenommen worden. Fans von den Crocodiles wie sich später an den hysterischen Reaktionen herausstellen sollte. Jede Band hat die Fans, die sie verdient, insofern passten die häßlichen Kröten zu den Crocodiles. Bei solchen Groupies geht man dann als Musiker sicherlich gerne alleine aufs Hotelzimmer und zieht die Onanie vor.

Aber ich schweife ab. Also, Chad klasse, aber das heutige Publikum hatte ihn nicht wirklich verdient. Viele plapperten während seines Konzertes laut und ungeniert rum und hinterher hörte man allenthalben einen Standartsatz, den ich nur schwerlich ertragen kann: "c'était pas mal"- das war nicht schlecht. Er fällt quasi immer, wenn eine Konstellation wie die heutige vorliegt. Wenn nämlich am Anfang ein eher ruhiger Singer/Songwriter angesetzt ist und hinterher Lärmmacher in den Ring geschickt werden, für die die meisten Leute gekommen sind. Der stillere Künstler bekommt dann kaum Gehör, wird als ganz nett, aber ein wenig langweilig abgecancelt und die Krachmacher bekommen die ungeteilte Aufmerksamkeit und den oft unverdienten Zuspruch. Zum Kotzen. Auch Horse Feathers hatten sich bei mir über diesen Umstand beschwert. Auch sie wurden vor ein paar Monaten zu früher Stunde in der Flèche d'or verheizt und gingen neben den späteren Rockern ein wenig unter.

Also, die Einstufung "war nicht schlecht", insofern völliger Papperlapapp. Großartig war er, der Herr von Gaalen, jawohl! Sensationell wie er zeitlose Folk/Indierocksongs aus dem Ärmel schüttelte, famos wie er sang, bemerkenswert wie eigenständig sein Songwriting war, herrlich seine Melodien. Er war wieder als Alleinunterhalter unterwegs, spielte im Sitzen und bediente mit den Füßen die Pedalen seines Schlagzeuges, während sich seine Hände abwechselnd an Gitarre, Banjo und Ukulele zu schaffen machten. Der Mund war nebem dem Singen mit dem Mundharmonika spielen beschäftigt. Das Ganze klang knarziger, rockiger und energischer als beim gestrigen, rein akustischen, Showcase im Fargo Record Store, aber an der zarten Brüchigkeit der Kompositionen und ihrem Liebreiz änderte das nicht viel. Die Sache hattte nur etwas mehr Bums. Auch die gespielten Lieder waren fast die Gleichen, aber überhaupt nicht in der selben Reihenfolge. Wieder gab es etliche Neuheiten von dem noch nicht erschienenen Album Diaper Island und erneut gefiel mir davon "Sara wake me up" (Songzeile, der Titel heißt schlicht und einfach Sara) besonders gut.

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, wie die Lieder heute abend geklungen haben schaue sich das eingebundene Video von I Changed My Name an, das heute auch Teil der Setlist war.


Chad VanGaalen - I changed my name from Welcome To The West on Vimeo.



Achso, die Crocodiles. Fürchterliche Poser-Band mit schwachen Liedern. In der Presse hatte ich immer mal wieder The Jesus and Mary Chain als Referenz gelesen, aber diesbezüglich bin ich inzwischen extrem vorsichtig geworden. Seitdem die Kultband im Zusammenhang mit einer Nietentruppe wie Glasvegas erwähnt wurde, passe ich da besonders auf und erneut erwies sich der Klon als ganz schwacher Abklatsch. Da lobe ich mir doch Black Rebel Motorcycle Club. Die sind zwar nicht wirklich genial, dafür aber sehr solide, tight und routiniert. Die Milchbubis von den Crocodiles hingegen wirkten wie eine selbstverliebte, weitestgehend talentfreie Schülerband und der arrogante Sänger mit der Sonnenbrille ging mir dermaßen auf die Nerven, daß ich ihm das häßliche Ding am liebsten von der Nase gestoßen hätte. Dazu kam es aber nicht mehr, nach nur fünf Liedern zog ich Leine. Ich hatte genug gehört und gesehen. Für einen solchen Käse ist mir meine Zeit zu schade.


Chad VanGaalen & Crocodiles, Paris, 08.04.11


Konzert: Chad VanGaalen & Crocodiles (The Missing Season)

Ort: la Flèche d'or, Paris
Datum: 08.04.2011
Zuschauer: viele


Ein aufregendes Gefühl. Dieser stimulierende Gedanke, einen würdigen Nachfolger des großen, des unvergessenen Elliott Smith für sich entdeckt zu haben. Seit dem Tode des fantastischen, depressiven Singer/Songwriters im Jahre 2003 klafft eine Lücke, die geschlossen werden muss. Kaum ein Zweiter hat mich mit seinen Liedern und seinem düsteren Songwriting so bewegt wie Elliott. Aber man muss es hinnehmen wie es ist, von Smith wird es keine neuen Stücke mehr geben, selbst wenn immer mal wieder unveröffentliche Sachen im Netz auftauchen oder altes Material wie bei der Doppel-CD Full Moon erstmals auf Tonträger gebannt wird.

Für durchaus guten Ersatz haben in den letzten Jahren vor allem Sufjan Stevens, Troy von Balthazar und Loney, Dear gesorgt. Aber traurige Sänger mit verzweifelten Texten kann es auf dieser Welt gar nicht genug geben, insofern ist das Emporkommen eines Chad VanGaalen ein Geschenk Gottes. "When I die I'll hang my head beside the willow tree when I'm dead is when I'll be free. And you can take my body put it in a boat light it on fire you can use the kerosene." Diese Songzeilen haben sich in den letzten zwei Tagen tief in mein Gedächtnis gegraben. Der Tod als Erlösung und danach ist es egal, was mit einem passiert. Wie traurig, aber gleichzeitig tröstlich dieser Gedanke doch ist. Und wie anrührend es ist, wenn ein junger, gutaussehender Mann wie Chad diese Zeilen mit seiner brüchigen Falsettstimme singt.

Dennoch gehörte ich mit meiner Begeisterung für Chad heute abend in der Pariser Flèche d'or offenkundig einer Minderheit an, denn die meisten Leute waren wohl für die später startenden Crocodiles gekommen. Die erste Zuschauer-Reihe war überwiegend von jungen, aber nicht sonderlich hübschen Amerikanerinnen eingenommen worden. Fans von den Crocodiles wie sich später an den hysterischen Reaktionen herausstellen sollte. Jede Band hat die Fans, die sie verdient, insofern passten die häßlichen Kröten zu den Crocodiles. Bei solchen Groupies geht man dann als Musiker sicherlich gerne alleine aufs Hotelzimmer und zieht die Onanie vor.

Aber ich schweife ab. Also, Chad klasse, aber das heutige Publikum hatte ihn nicht wirklich verdient. Viele plapperten während seines Konzertes laut und ungeniert rum und hinterher hörte man allenthalben einen Standartsatz, den ich nur schwerlich ertragen kann: "c'était pas mal"- das war nicht schlecht. Er fällt quasi immer, wenn eine Konstellation wie die heutige vorliegt. Wenn nämlich am Anfang ein eher ruhiger Singer/Songwriter angesetzt ist und hinterher Lärmmacher in den Ring geschickt werden, für die die meisten Leute gekommen sind. Der stillere Künstler bekommt dann kaum Gehör, wird als ganz nett, aber ein wenig langweilig abgecancelt und die Krachmacher bekommen die ungeteilte Aufmerksamkeit und den oft unverdienten Zuspruch. Zum Kotzen. Auch Horse Feathers hatten sich bei mir über diesen Umstand beschwert. Auch sie wurden vor ein paar Monaten zu früher Stunde in der Flèche d'or verheizt und gingen neben den späteren Rockern ein wenig unter.

Also, die Einstufung "war nicht schlecht", insofern völliger Papperlapapp. Großartig war er, der Herr von Gaalen, jawohl! Sensationell wie er zeitlose Folk/Indierocksongs aus dem Ärmel schüttelte, famos wie er sang, bemerkenswert wie eigenständig sein Songwriting war, herrlich seine Melodien. Er war wieder als Alleinunterhalter unterwegs, spielte im Sitzen und bediente mit den Füßen die Pedalen seines Schlagzeuges, während sich seine Hände abwechselnd an Gitarre, Banjo und Ukulele zu schaffen machten. Der Mund war nebem dem Singen mit dem Mundharmonika spielen beschäftigt. Das Ganze klang knarziger, rockiger und energischer als beim gestrigen, rein akustischen, Showcase im Fargo Record Store, aber an der zarten Brüchigkeit der Kompositionen und ihrem Liebreiz änderte das nicht viel. Die Sache hattte nur etwas mehr Bums. Auch die gespielten Lieder waren fast die Gleichen, aber überhaupt nicht in der selben Reihenfolge. Wieder gab es etliche Neuheiten von dem noch nicht erschienenen Album Diaper Island und erneut gefiel mir davon "Sara wake me up" (Songzeile, der Titel heißt schlicht und einfach Sara) besonders gut.

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, wie die Lieder heute abend geklungen haben schaue sich das eingebundene Video von I Changed My Name an, das heute auch Teil der Setlist war.


Chad VanGaalen - I changed my name from Welcome To The West on Vimeo.



Achso, die Crocodiles. Fürchterliche Poser-Band mit schwachen Liedern. In der Presse hatte ich immer mal wieder The Jesus and Mary Chain als Referenz gelesen, aber diesbezüglich bin ich inzwischen extrem vorsichtig geworden. Seitdem die Kultband im Zusammenhang mit einer Nietentruppe wie Glasvegas erwähnt wurde, passe ich da besonders auf und erneut erwies sich der Klon als ganz schwacher Abklatsch. Da lobe ich mir doch Black Rebel Motorcycle Club. Die sind zwar nicht wirklich genial, dafür aber sehr solide, tight und routiniert. Die Milchbubis von den Crocodiles hingegen wirkten wie eine selbstverliebte, weitestgehend talentfreie Schülerband und der arrogante Sänger mit der Sonnenbrille ging mir dermaßen auf die Nerven, daß ich ihm das häßliche Ding am liebsten von der Nase gestoßen hätte. Dazu kam es aber nicht mehr, nach nur fünf Liedern zog ich Leine. Ich hatte genug gehört und gesehen. Für einen solchen Käse ist mir meine Zeit zu schade.


The Kills, Paris, 22.03.11


Konzert: The Kills

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 22.03.2011
Zuschauer: 600 (ausverkauft)
Konzertdauer: eine knappe Stunde



The Kills in der Flèche d'or und Oliver Peel kriegt noch nicht einmal mit, daß Kate Moss da war!


Paris entwickelt sich immer mehr zur einem der Leader innerhalb der wichtigsten Konzertstädte dieses Planeten. Nachdem dieses Jahr schon PJ Harvey ihre neuen Songs von Let England Shake exklusiv in Paris angetestet hat, waren es nun die Kills, die in der Seinemetropole die neuen Stücke ihres noch nicht erschienenen Albums Blood Pressures zum allerersten Male live einem Publikum präsentierten. Tatort war dieses Mal die nicht sonderlich große Flèche d'or (Zuschauerkapazität 600).

Erneut wurde das Konzert per Livestream von verschiedenen Internetseiten (vor allem vom Initiator sfr.fr) in die Wohnzimmer dieser Welt gesendet. Aber selbst vor Ort zu sein, ist nach wie vor allemal spannender, wenngleich ich mir die Schwitzerei in der bullenheißen Location gerne erspart hätte. Aber die schwüle, schweißdurchtränkte Atmosphäre, passte genau zum flirrenden, staubtrockenen Wüstensound der Kills. Diese scheinen bei den jungen, trendigen Leuten eine der coolsten Bands der Welt zu sein, zumindest hatte dies heute abend für mich den Anschein. Wobei auch Kritik darüber laut wurde, daß von den 600 Plätzen nur 350 in den freien Handel kamen, während 250 geladene Gäste auf Listen vermerkt waren. Ich gehörte zu jenen Auserwählten, die hier gratis rein kamen und musste nicht am Tage x pünktlichst hinter dem Computer hängen, als innerhalb von 10 Minuten sämtliche Karten weggingen wie die warmen Semmeln.

Ganz relaxt konnte ich somit mit meinem schicken Gratisticket (hat mir Kate Moss geschenkt; nö, ein Witz!) auf wichtig machen und problemlos die bulligen Türsteher passieren. Drinnen war es schon ordentlich voll, aber es standen auch noch ein paar süchtige Mitbürger draußen rum und rauchten Zigaretten. Eine Vorgruppe gab es keine, getreu dem Motto: "du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Und diese Götter der Coolness waren natürlich Alison Mosshart und Jamie Hince.

Gegen 21 Uhr kamen sie auf die Bühne geschlurft und Alison verkündete, daß sie heute abend ein paar Neuheiten testen würden. Diese Ansage sollte einer der wenigen des einstündigen Sets bleiben, ansonsten wurde die brünette Rocklady nur noch einmal gesprächig, als sie etwa in der Mitte des Konzertes inständig und mit Nachdruck darum bat, die Lichter runterzudrehen ("turn it down, seriously I mean it"), sie hätten keinen Bock auf Fotos, auf denen man sie verschwitzt sehen könne. Für viele Fans eine gewissse Enttäuschung, denn jeder wollte die beiden heißen Rockstars mit seiner Kamera ablichten und das Fotografierverbot wirkte ernüchternd. Zudem sorgten die Aufpasser vor der Bühne dafür, daß bloß keiner mehr knipste.

Aber vielleicht auch gar nicht schlecht so, denn nun konnte man sich auf die Musik konzentrieren, ohne den Ellenbogen seines Vordermannes, bei dessen Versuch einen Schnappschuss zu landen, in die Rippen zu kriegen. Ohnehin hätte die Stimmung wesentlich ausgelassener und wilder sein können. Obwohl vorne laut und roh gerockt wurde, wirkten die Hitze und die Enge lähmend auf die Besucher und kaum jemand bewegte sich großartig zu den rasiermesserscharfen Gitarrenriffs und dem greinenden Gesang von Alison. Die Hüftsteife kann natürlich auch daran gelegen haben, daß so viel neues, unbekanntes Material gespielt wurde. Material, das allerdings schon nach dem ersten Mal Livehören zu gefallen wusste. Die tyischen Merkmale des Killschen Sounds sind geblieben. Eine düster polternde, bedrohlich wirkende Gitarre, die jederzeit ausbrechen und höllisch laut werden kann, eine Alison Mosshart, die sexy und lasziv singt, als würde sie gerade von hinten genommen, und ein Jamie Hince, der mit seiner tiefen Mark Knopfler Stimme einen schönen Kontrast zu Alisons Gezwitschere bildet. Wie immer natürlich so rockstarlike performt wie es im Lehrbuch steht. Er ganz lässig mit seiner Elektrischen posend und nie zu viel Energie verschwendend, sie wild wie eine Furie und fast genauso wie man es aus dem Helge Schneider Song Baby Es Gibt Reis kennt: "wildes Mädchen, schüttel dein Haar für mich, Baby Baby schüttel dein Haupthaar für mich."



Welches neue Lied jetzt im Einzelnen wie gut ist, vermag ich freilich noch nicht zu sagen, aber zumindest die Mutter von Alison hat sich schon auf einen Favoriten festgelegt: ein Lied, bei dem eine Orgel zum Einsatz kam (ich glaube das war Lost Goodbye) und das rockige Moment ein wenig in den Hintergrund rückte. Mir persönlich hatte es aber am meisten ein Stück angetan, bei dem Jamies Gitarre ausnahmsweise auch einmal sehr melodische Töne anschlug und insgesamt eine poppigere Grundstimmung herrschte (weiß der Geier, wie der Song hieß).

Letztlich war die ganze Sache aber ziemlich schnell vorbei. Nach höchstens 50 Minuten verließen die beiden Sexysmbole die Bühne, bevor es noch zwei Zugaben gab, bei denen die Fesseln im Publikum gelöst wurden. Plötzlich war Crowdsurfen angesagt und viele Fanhände flogen in die Luft. Eine ausgelassene Stimmung, die ich mir so schon eher gewünscht hätte, aber vielleicht war es zum Dauertanzen einfach zu heiß heute.

Wie auch immer, das Konzert war gut, wenngleich nicht unbedingt weltbewegend. Es erfüllte auf jeden Fall seine Rolle: Lust darauf zu machen, sich demnächst "offiziellere" und längere Konzerte als das heutige anzusehen.

Und wo war jetzt Kate Moss? Laut Aussagen meiner aufmerksamen Freunde gleich rechts am Bühnenrand stehend und angeblich so hübsch, wie man das von einem Topmodel erwartet. Mit ihrem Lover Jamie Hince ging es nach der Show ins Hotel Ritz, wo sie unbedingt pennen wollte, obwohl eigentlich schon das der Location gleich gegenüber liegende Hotel gebucht worden war.

Setlist The Kills, La Flèche d,'or, Paris:

01: Future Starts Here
02: Satellite
03: Heart Is A Beating Drum
04: No Wow
05: Kissy Kissy
06: DNA
07: Baby Says
08: The Last Goodbye
09: You Don't Own The Road
10: Pots And Pan

11: Fried My Little Brains (Z)
12: Sour Cherry (Z)

Links:

- The Kills, Frankfurt, 17.03.09
- The Kills, Paris, 18.03.08



The Kills, Paris, 22.03.11


Konzert: The Kills

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 22.03.2011
Zuschauer: 600 (ausverkauft)
Konzertdauer: eine knappe Stunde



The Kills in der Flèche d'or und Oliver Peel kriegt noch nicht einmal mit, daß Kate Moss da war!


Paris entwickelt sich immer mehr zur einem der Leader innerhalb der wichtigsten Konzertstädte dieses Planeten. Nachdem dieses Jahr schon PJ Harvey ihre neuen Songs von Let England Shake exklusiv in Paris angetestet hat, waren es nun die Kills, die in der Seinemetropole die neuen Stücke ihres noch nicht erschienenen Albums Blood Pressures zum allerersten Male live einem Publikum präsentierten. Tatort war dieses Mal die nicht sonderlich große Flèche d'or (Zuschauerkapazität 600).

Erneut wurde das Konzert per Livestream von verschiedenen Internetseiten (vor allem vom Initiator sfr.fr) in die Wohnzimmer dieser Welt gesendet. Aber selbst vor Ort zu sein, ist nach wie vor allemal spannender, wenngleich ich mir die Schwitzerei in der bullenheißen Location gerne erspart hätte. Aber die schwüle, schweißdurchtränkte Atmosphäre, passte genau zum flirrenden, staubtrockenen Wüstensound der Kills. Diese scheinen bei den jungen, trendigen Leuten eine der coolsten Bands der Welt zu sein, zumindest hatte dies heute abend für mich den Anschein. Wobei auch Kritik darüber laut wurde, daß von den 600 Plätzen nur 350 in den freien Handel kamen, während 250 geladene Gäste auf Listen vermerkt waren. Ich gehörte zu jenen Auserwählten, die hier gratis rein kamen und musste nicht am Tage x pünktlichst hinter dem Computer hängen, als innerhalb von 10 Minuten sämtliche Karten weggingen wie die warmen Semmeln.

Ganz relaxt konnte ich somit mit meinem schicken Gratisticket (hat mir Kate Moss geschenkt; nö, ein Witz!) auf wichtig machen und problemlos die bulligen Türsteher passieren. Drinnen war es schon ordentlich voll, aber es standen auch noch ein paar süchtige Mitbürger draußen rum und rauchten Zigaretten. Eine Vorgruppe gab es keine, getreu dem Motto: "du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Und diese Götter der Coolness waren natürlich Alison Mosshart und Jamie Hince.

Gegen 21 Uhr kamen sie auf die Bühne geschlurft und Alison verkündete, daß sie heute abend ein paar Neuheiten testen würden. Diese Ansage sollte einer der wenigen des einstündigen Sets bleiben, ansonsten wurde die brünette Rocklady nur noch einmal gesprächig, als sie etwa in der Mitte des Konzertes inständig und mit Nachdruck darum bat, die Lichter runterzudrehen ("turn it down, seriously I mean it"), sie hätten keinen Bock auf Fotos, auf denen man sie verschwitzt sehen könne. Für viele Fans eine gewissse Enttäuschung, denn jeder wollte die beiden heißen Rockstars mit seiner Kamera ablichten und das Fotografierverbot wirkte ernüchternd. Zudem sorgten die Aufpasser vor der Bühne dafür, daß bloß keiner mehr knipste.

Aber vielleicht auch gar nicht schlecht so, denn nun konnte man sich auf die Musik konzentrieren, ohne den Ellenbogen seines Vordermannes, bei dessen Versuch einen Schnappschuss zu landen, in die Rippen zu kriegen. Ohnehin hätte die Stimmung wesentlich ausgelassener und wilder sein können. Obwohl vorne laut und roh gerockt wurde, wirkten die Hitze und die Enge lähmend auf die Besucher und kaum jemand bewegte sich großartig zu den rasiermesserscharfen Gitarrenriffs und dem greinenden Gesang von Alison. Die Hüftsteife kann natürlich auch daran gelegen haben, daß so viel neues, unbekanntes Material gespielt wurde. Material, das allerdings schon nach dem ersten Mal Livehören zu gefallen wusste. Die tyischen Merkmale des Killschen Sounds sind geblieben. Eine düster polternde, bedrohlich wirkende Gitarre, die jederzeit ausbrechen und höllisch laut werden kann, eine Alison Mosshart, die sexy und lasziv singt, als würde sie gerade von hinten genommen, und ein Jamie Hince, der mit seiner tiefen Mark Knopfler Stimme einen schönen Kontrast zu Alisons Gezwitschere bildet. Wie immer natürlich so rockstarlike performt wie es im Lehrbuch steht. Er ganz lässig mit seiner Elektrischen posend und nie zu viel Energie verschwendend, sie wild wie eine Furie und fast genauso wie man es aus dem Helge Schneider Song Baby Es Gibt Reis kennt: "wildes Mädchen, schüttel dein Haar für mich, Baby Baby schüttel dein Haupthaar für mich."



Welches neue Lied jetzt im Einzelnen wie gut ist, vermag ich freilich noch nicht zu sagen, aber zumindest die Mutter von Alison hat sich schon auf einen Favoriten festgelegt: ein Lied, bei dem eine Orgel zum Einsatz kam (ich glaube das war Lost Goodbye) und das rockige Moment ein wenig in den Hintergrund rückte. Mir persönlich hatte es aber am meisten ein Stück angetan, bei dem Jamies Gitarre ausnahmsweise auch einmal sehr melodische Töne anschlug und insgesamt eine poppigere Grundstimmung herrschte (weiß der Geier, wie der Song hieß).

Letztlich war die ganze Sache aber ziemlich schnell vorbei. Nach höchstens 50 Minuten verließen die beiden Sexysmbole die Bühne, bevor es noch zwei Zugaben gab, bei denen die Fesseln im Publikum gelöst wurden. Plötzlich war Crowdsurfen angesagt und viele Fanhände flogen in die Luft. Eine ausgelassene Stimmung, die ich mir so schon eher gewünscht hätte, aber vielleicht war es zum Dauertanzen einfach zu heiß heute.

Wie auch immer, das Konzert war gut, wenngleich nicht unbedingt weltbewegend. Es erfüllte auf jeden Fall seine Rolle: Lust darauf zu machen, sich demnächst "offiziellere" und längere Konzerte als das heutige anzusehen.

Und wo war jetzt Kate Moss? Laut Aussagen meiner aufmerksamen Freunde gleich rechts am Bühnenrand stehend und angeblich so hübsch, wie man das von einem Topmodel erwartet. Mit ihrem Lover Jamie Hince ging es nach der Show ins Hotel Ritz, wo sie unbedingt pennen wollte, obwohl eigentlich schon das der Location gleich gegenüber liegende Hotel gebucht worden war.

Setlist The Kills, La Flèche d,'or, Paris:

01: Future Starts Here
02: Satellite
03: Heart Is A Beating Drum
04: No Wow
05: Kissy Kissy
06: DNA
07: Baby Says
08: The Last Goodbye
09: You Don't Own The Road
10: Pots And Pan

11: Fried My Little Brains (Z)
12: Sour Cherry (Z)

Links:

- The Kills, Frankfurt, 17.03.09
- The Kills, Paris, 18.03.08



Wintersleep.u.a., Paris, 02.03.11


Konzert: Wintersleep & Mona & Sea Of Bees & Rah Rah

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 02.03.2011
Zuschauer: halbleer (sagen die Pessimisten), halbvoll (die Optimisten)


Och, menno! Alles ein bißchen dumm gelaufen an diesem 2. März 2011!

Weil meine Frau mich eindringlich bat, noch in in der Apotheke Insulin für unseren zuckerkranken Kater (Foto, beim Versuch Glockenspiel zu spielen) zu besorgen, verlor ich viel Zeit und trudelte recht spät in der Pariser Flèche d'or ein. Ich stand also erst gegen 21 Uhr 20 an der Kasse, drückte meine 10 Euro Eintrittspreis ab (sehr fair für 4 Bands), als ich meinen Kumpel Yves hinter mir sah, der zwei Freikarten hatte und allein gekommen war. Um seinen überschüssigen Gästelistenplatz in Anspruch zu nehmen, war es aber nun zu spät, ich hatte den Ticket-Kauf schon getätigt und das Ganze war nicht mehr rückgängig zu machen. 10 Euro in die Luft geschossen! Nun ja, ich hoffe die Knete kommt anteilig auch den Bands zu. Aber damit war mein Pechpotential noch nicht ausgeschöpft, denn als ich auf dem Nachhauseweg die Metrolinie wechseln wollte, ertönte eine Lautsprecherdurchsage, die unmissverständlich klar machte, daß der Metro- Betrieb nun zu Ende sei. Ich musste also ein Taxi nehmen und weitere 10 Euro wanderten von meinem in ein anderes Portemonnaie.

Das Ärgerlichste war aber, daß ich ausgerechnet die Bands, die ich gerne hätte sehen wollen, sprich Rah Rah und Sea Of Bees, durch meinen Apothekengang, verpasst hatte. Verflucht!

Rah Rah sind eine sechsköpfige (normalerweise sind sie sieben, heute aber nur zu sechst) gemischt-geschlechtliche, kanadische Indierockband , auf die mich unsere Freunde von Plattenvorgericht aufmerksam gemacht haben (klick!). I-tunes hatte sie dereinst zur "Best New Canadian Band" gewählt und Leute, die heute pünktlich da waren, sagten mir, daß sie musikalisch mit Los Campesinos! oder Arcade Fire vergleichbar seien.



Sea Of Bees wiederum ist das Projekt von Julie Ann Bee, die mit einer anderen Musikerin in meiner Abwesenheit ein Set an Akustik-und E-Gitarre vorgetragen hatte, das von vielen Zuschauern als sehr schön beschrieben wurde. Um mich zu trösten, habe ich zumindest ihr Album Songs Of The Ravens für 10 Euro erworben und mich noch nett mit der natürlich wirkenden Künstlerin unterhalten.



Aber ich habe nicht nur Bands verpasst, sondern auch welche gesehen:

Mona aus Nashville, Tennessee hätte ich aber wirklich nicht gebraucht. Eine bombastische Poserband ohne Substanz und keinem einzigen guten Lied im Repertoire, die aber dennoch einen relativ starken Hype erfährt. Die grünschnäbeligen Burschen um Sänger Nick Brown (optisch eine Art Joe "The Clash" Strummer) ließen die Harten raushängen und klangen wie eine schlechte Kopie der Kings Of Leon (au weia! Kol sind ja schon mies!). Lasst sie einfach aus, wenn sie euch im Sommer auf Festivalbühnen vorgesetzt werden sollten. Nutzt lieber die Pause, um etwas essen zu gehen. Klarer Fall: ich mag viel lieber Mohna als Mona.

Als letzte Band des Abends durften dann die Kanadier Wintersleep ran. Eine sympathische, grundsolide Indierockband, die es aber heute nur selten schaffte, Funken sprühen zu lassen. Der postpunkige Bass, das fetzige Schlagzeug und die nasale Nörgelstimme von Paul Murphy (Bob Dylan meets Paul Banks) wussten zwar zu gefallen, aber die wirklich packenden Momente waren eher rar gesät. In keiner Phase hob das Konzert so richtig ab, obwohl ein paar Songs temporeich und tight geliefert wurden. Irgend etwas fehlt dieser Band. Musikalisch liegen sie irgendwo zwischen REM, Guided By Voices und Interpol, aber so gut wie nie erreichten sie deren Charisma und Catchyness. Das Konzert war folglich gehobener Durchschnitt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Alles in allem ein eher duchwachsener Konzertabend. Vielleicht hättte ich eher zu Peter Björn & John ins gerammelt volle International gehen sollen? War gratis, dafür sahen Leute die zu spät kamen, aber so gut wie nix. Sagt zumindest Rockerparis. Und sauheiß soll es gewesen sein. Also doch nichts verpasst? Moment, der Rockerparis redet von vielen hübschen Schwedinnen. Verflucht!

Fotos folgen!

Link: Das Klienicum hat einen sehr schönen Eintrag über Sea Of Bees, klick!

Aus unserem Archiv:

Wintersleep, Paris, 14.12.09
Wintersleep, Köln, 12.11.09
Wintersleep, Haldern, 13.08.09
Wintersleep, Köln, 02.05.09


Sea Of Bees auf Tour:

9. März 2011: Chelsea, Wien
10. März 2011: Monarch, Berlin




Wintersleep.u.a., Paris, 02.03.11


Konzert: Wintersleep & Mona & Sea Of Bees & Rah Rah

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 02.03.2011
Zuschauer: halbleer (sagen die Pessimisten), halbvoll (die Optimisten)


Och, menno! Alles ein bißchen dumm gelaufen an diesem 2. März 2011!

Weil meine Frau mich eindringlich bat, noch in in der Apotheke Insulin für unseren zuckerkranken Kater (Foto, beim Versuch Glockenspiel zu spielen) zu besorgen, verlor ich viel Zeit und trudelte recht spät in der Pariser Flèche d'or ein. Ich stand also erst gegen 21 Uhr 20 an der Kasse, drückte meine 10 Euro Eintrittspreis ab (sehr fair für 4 Bands), als ich meinen Kumpel Yves hinter mir sah, der zwei Freikarten hatte und allein gekommen war. Um seinen überschüssigen Gästelistenplatz in Anspruch zu nehmen, war es aber nun zu spät, ich hatte den Ticket-Kauf schon getätigt und das Ganze war nicht mehr rückgängig zu machen. 10 Euro in die Luft geschossen! Nun ja, ich hoffe die Knete kommt anteilig auch den Bands zu. Aber damit war mein Pechpotential noch nicht ausgeschöpft, denn als ich auf dem Nachhauseweg die Metrolinie wechseln wollte, ertönte eine Lautsprecherdurchsage, die unmissverständlich klar machte, daß der Metro- Betrieb nun zu Ende sei. Ich musste also ein Taxi nehmen und weitere 10 Euro wanderten von meinem in ein anderes Portemonnaie.

Das Ärgerlichste war aber, daß ich ausgerechnet die Bands, die ich gerne hätte sehen wollen, sprich Rah Rah und Sea Of Bees, durch meinen Apothekengang, verpasst hatte. Verflucht!

Rah Rah sind eine sechsköpfige (normalerweise sind sie sieben, heute aber nur zu sechst) gemischt-geschlechtliche, kanadische Indierockband , auf die mich unsere Freunde von Plattenvorgericht aufmerksam gemacht haben (klick!). I-tunes hatte sie dereinst zur "Best New Canadian Band" gewählt und Leute, die heute pünktlich da waren, sagten mir, daß sie musikalisch mit Los Campesinos! oder Arcade Fire vergleichbar seien.



Sea Of Bees wiederum ist das Projekt von Julie Ann Bee, die mit einer anderen Musikerin in meiner Abwesenheit ein Set an Akustik-und E-Gitarre vorgetragen hatte, das von vielen Zuschauern als sehr schön beschrieben wurde. Um mich zu trösten, habe ich zumindest ihr Album Songs Of The Ravens für 10 Euro erworben und mich noch nett mit der natürlich wirkenden Künstlerin unterhalten.



Aber ich habe nicht nur Bands verpasst, sondern auch welche gesehen:

Mona aus Nashville, Tennessee hätte ich aber wirklich nicht gebraucht. Eine bombastische Poserband ohne Substanz und keinem einzigen guten Lied im Repertoire, die aber dennoch einen relativ starken Hype erfährt. Die grünschnäbeligen Burschen um Sänger Nick Brown (optisch eine Art Joe "The Clash" Strummer) ließen die Harten raushängen und klangen wie eine schlechte Kopie der Kings Of Leon (au weia! Kol sind ja schon mies!). Lasst sie einfach aus, wenn sie euch im Sommer auf Festivalbühnen vorgesetzt werden sollten. Nutzt lieber die Pause, um etwas essen zu gehen. Klarer Fall: ich mag viel lieber Mohna als Mona.

Als letzte Band des Abends durften dann die Kanadier Wintersleep ran. Eine sympathische, grundsolide Indierockband, die es aber heute nur selten schaffte, Funken sprühen zu lassen. Der postpunkige Bass, das fetzige Schlagzeug und die nasale Nörgelstimme von Paul Murphy (Bob Dylan meets Paul Banks) wussten zwar zu gefallen, aber die wirklich packenden Momente waren eher rar gesät. In keiner Phase hob das Konzert so richtig ab, obwohl ein paar Songs temporeich und tight geliefert wurden. Irgend etwas fehlt dieser Band. Musikalisch liegen sie irgendwo zwischen REM, Guided By Voices und Interpol, aber so gut wie nie erreichten sie deren Charisma und Catchyness. Das Konzert war folglich gehobener Durchschnitt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Alles in allem ein eher duchwachsener Konzertabend. Vielleicht hättte ich eher zu Peter Björn & John ins gerammelt volle International gehen sollen? War gratis, dafür sahen Leute die zu spät kamen, aber so gut wie nix. Sagt zumindest Rockerparis. Und sauheiß soll es gewesen sein. Also doch nichts verpasst? Moment, der Rockerparis redet von vielen hübschen Schwedinnen. Verflucht!

Fotos folgen!

Link: Das Klienicum hat einen sehr schönen Eintrag über Sea Of Bees, klick!

Aus unserem Archiv:

Wintersleep, Paris, 14.12.09
Wintersleep, Köln, 12.11.09
Wintersleep, Haldern, 13.08.09
Wintersleep, Köln, 02.05.09


Sea Of Bees auf Tour:

9. März 2011: Chelsea, Wien
10. März 2011: Monarch, Berlin




Allo Darlin' & Please Don't Blame Mexico & La Féline & The Airborne Toxic Event, Paris, 25.02.11


Konzert: Allo Darlin' & Please Don't Blame Mexico & La Féline & The Airborne Toxic Event

Ort: la Flèche d'or, Paris

Datum: 25.02.11

Zuschauer: mittlerer Andrang, etwa 250

Konzertdauer: pro Band rund 40 Minuten



Ich habe vor diesem Konzert darüber nachgedacht, wie Musiker und auch das Konzertpublikum mit emotionalen Tages- Schwankungen umgehen.


Wie ist das eigentlich, wenn eine Band fröhliche, stimmungsvolle Musik macht, am Tage des Konzertes aber hundemüde und eher niedergeschlagen ist? Geht man dann trotzdem raus, setzt ein breites Grinsen auf und tut so, als könne man die ganze Welt umarmen? Oder spult man das Programm ein wenig lustlos runter und hofft, daß die Leute das nicht so merken?

Und ist es nicht leichter, traurige und langsame Musik zu schreiben, so daß man sich nicht verstellen muss, wenn man schlapp und ausgebrannt ist?

Ähnliche Fragen für die Konzertgänger. Was wenn man eigentlich Bock auf saftigen, lauten Rock hat, genau an dem Tag an dem man ein niedliches softes Twee Pop Konzert gebucht hat? Stellt man sich dann vor die Bühne und sagt: "oh guck mal wie putzig und charmant?!" Oder denkt man innerlich: " Metallica (auf dem Foto) oder Slayer, das wär's jetzt?

Auf den heutigen 25. Februar 2011 bezogen. Ich hatte eigentlich Bock auf laute, fies jaulennde Gitarren und hörte auf dem Weg zur Location in der Metro Queens Of The Stone Age und Foo Fighters auf meinen Kopfhörern. Verzweifelt suchte ich nach Slayer, aber die hatte ich komischerweise nicht auf meinem I-pod. Angel Of Death wäre so geil gekommen. Zu dumm nur, das heute vor allem mit Please Don't Blame Mexico und Allo Darlin' eher Süßwarenpop als Metal auf dem Programm stand.

La Féline - Mystery Train from marthetmartin on Vimeo.



Aber los ging es erst einmal mit der Französin Agnès Gayraud aka La Féline. Ein großgewachsenes brünettes Mädel mit E-Gitarre und schöner Stimme. Sophie Marceau mit Jane Birkin Kehlchen. So in etwa. Ich hatte sie vor ein paar Monaten schon einmal im Trois Baudets gesehen und war nicht 100 % überzeugt von ihr. Heute aber gefiel sie mir ausgezeichnet. Zusammen mit zwei männlichen Bandmitgliedern am Synthesizer und am Schlagzeug zelebrierte sie sinnlichen, melancholischen und melodieverliebten Gitarrenpop, abwechselnd auf englisch und französisch vorgetragen (und zwar oft innerhalb des gleichen Liedes!). Es war zum mit der Zunge schnalzen! Ihr Songmaterial war variabel und entsprach ziemlich genau ihrer stilistischen Selbsteinschätzung auf Myspace: Folk Rock, New Wave, Pop. Von allem etwas. Blondie, Blonde Redhead, Calexico, François Breut, Stereolab, Metric, verschiedenste Einflüsse vermengten sich und ergaben eine prickelnde Mischung, die mit viel Authenzität dargeboten wurde. La Féline hat zwei EPs auf ihrer Habenseite, Wolf & Wheel ist davon der letzte Output.



10 Minuten später machten sich die Australier/Engländer Allo Darlin' bereit. Deren australische Sängerin schien vom Touren müde und kauerte eine ganze Weile auf der Bühne, bevor es losging. Sie hatte sich ihrer Schuhe entledigt und performte auf weißen Strümpfchen, die Löcher hatten und den Blick auf einen rotlackierten Zehennagel freigaben.

Ein Wirbelwind mit Ukulele, diese Elizabeth, die heute aber zu kämpfen hatte. Der Tourbus der Band war kürzlich zu Schrott gegangen und die Sorgen um das finanzielle Heil, schienen ihr zuzusetzen. Dennoch- und das ist ihr sehr hoch anzurechnen-, gab sie ihr Allerletztes, hopste auf den Zehenspitzen, wirbelte hin und her und gab so dem Publikum was es erwartete: Entertainment, gute Laune, Stimmung. Und hier sind wir beim oben angerissenen Thema. Wie fühlt es sich für eine fröhliche Musik machende Band an, wenn man eigentlich totmüde und down ist und lieber Bock hat, zu schlafen? Bestimmt nicht so gut, aber da muss man in der Showbranche durch.

Allo Darlin' schaften es jedenfalls trotz der Nöte um ihr Transportmittel, den Gästen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern und ein paar Leute zum Tanzen zu bringen. Im Set gab es sogar zwei nagelneue Lieder, (Europe, You're Still Young) die mir auf Anhieb gut ins Ohr gingen und den Kurs des letzten Albums fortsetzten. 60 ies Pop mit jeder Menge Charme, Romantik und Catchyness. Eine Weile gab ich mich Tagträumen hin, bekam ob der frischen Musik Frühlingsgefühle und stellte mir vor, wie ich, 18 jährig, mich mit einem hübschen Mädchen treffe, auf einer blühenden Wiese halt mache und wir uns zärtlich küssen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich ihre kleinen festen Brüste streicheln, so daß sich bei ihr die Knospen aufrichten, ehe ich jäh in die Realität zurückgeholt wurde: fast vierzigjärig, fett geworden und längst verheiratet (zumindest immerhin mit einer tollen Frau, ich glückspilziger Bastard!). You're Still Young sangen indess Allo Darlin' auf der Bühne, aber ich hatte Probleme, das in meinem Falle zu glauben...

Setlist Allo Darlin', La Flèche d'or, Paris:
01: If Loneliness Was Art
02: The Polaroid Song
03: Silver
04: Europe
05: Kiss Your Lips
06: Dreaming
07: Still Young
08: SP Say
09: Drummer


Die Jungs von (Please) Don't Blame Mexico, die nun auf dem Programm standen, haben allerdings die Jugend noch auf ihrer Seite, wenngleich auch sie keine Küken mehr sind. Mitte bis Ende zwanzig dürften Maxime Chamoux und seine Begleitband (Thomas Pirot-Schlagzeug, Raphael Ankierman- Bass) alt sein und Maxime hat in den letzten Jahren auch bei anderen Projekten viel Erfahrung gesammelt. Der Pianist und Sänger gehört zu den bei Cityslang gesignten Toyfight, ist aber auch Klavierspieler und Backgroundsänger der hinreißenden Mina Tindle. Und so ähnlich klingen dann auch (Please) Don't Blame Mexico. Hier wie dort frischer, unschuldiger und melodienverliebter Pianopop der berauschenden Sorte mit dem Hauch French Touch, der die Sache so liebenswürdig macht. Die englischen Texte werden natürlich auch bei PDBM nicht wie bei Shakespeare ausgesprochen, sondern mit dem typisch fanzösischen Akzent versehen. Das hat Witz, das hat Pfiff und so ist es auch kein Wunder, daß das gerade erschienene Debütalbum Concorde sehr gute Kritiken (Magic, Voxpop) eingefahren hat. Ein paar (wenn man's genau nimmt eigentlich ziemlich viele) der darauf enthaltenen Tracks kennt man als Fan schon von früheren EPs (Carolina Now 2009, Michel Foucault 2007), aber es wäre auch zu schade gewesen, stimmungsvolle Kracher wie Durango, Bribing Lonesome Drivers oder The Behinders außen vor zu lassen, zumal die EPs in winziger Stückzahl erschienen waren.

Schade bloß, daß trotz einiger guter Songs der Funken nicht so richtig überspringen wollte. Das Gute-Laune-Paket fand in mir heute nicht den richtigen Empfänger, mir fehlte der Dampf, die Spielfreude, die ich bei Toyfight so zu lieben gelernt hatte. Gegen Ende des Sets wurde es dann aber stimmungsvoller, denn kein Geringerer als Olivier Marguerit (der Gitarrist der famosen Syd Matters) spielte Trompete und es gab sogar noch einen Geiger, der die Sache zusätzlich aufpeppte. So wußte dann auch der letzte Titel The Protocol so richtig zu überzeugen und sorgte dafür, daß mein Interesse an (Please) Don't Blame Mexico intakt bleibt, zumal das Album ohnehin uneingeschränkt empfehlenswert ist. Demnächst spielen sie als Support der Shout Out Louds, schau' mer mal, ob ich da dabei sein werde...

(Please) Don't Blame Mexico | A Take Away Show | Part 1 from La Blogotheque on Vimeo.



Setlist (Please) Don't Blame Mexico, La Flèche d'or, Paris:

01: Safari
02: Behinders
03: Weekend
04: Michel Focault
05: Pointillism
06: Elephant Man
07: Distant Trees
08: 1991
09: Durango
10: Panorama
11: The Protocol

The Airborne Toxic Event aus den USA standen als letzte Band auf dem Zettel. Etliche Zuschauer hatten sich schon auf den Heimweg gemacht und so spielte die kommerziell sicherlich erfolgreichste Band des Abends vor den wenigsten Leuten.

Die Amis waren schon seit Anfang Februar in Europa, waren auch durch Deutschland getourt (u.a. Köln/Luxor, Frankfurt/Das Bett) und hatten in Paris in verschiedenen Locations (International, La Machine du Moulin Rouge, La Flèche d'or) drei Konzerte gegeben, bei denen ich aber nicht dabei war.

Mein erster Eindruck: positiv. Die Band spielte tight und druckvoll auf und ich erfreute mich an dem Geigenspiel der einzigen Dame und der whiskeygetränkten Reibeisenstimme des Muskel-Shirt tragenden Sängers. The Airborne Toxic Event vermittelten den Bums, den ich zuvor vermisst hatte.

Dann aber drehte sich das Blatt. Die Attitüde des Sängers (eine Kreuzung aus Bruce Springsteen und Robbie Wilimas) ging mir zunehmend auf die Nerven.
Er machte auf dicke Hose und obercool und auch die anderen Musiker posten affektiert was das Zeug hielt. Nun fiel mir auch auf, wie bombastisch und hymnisch die Songs waren. Bombast, Pathos, Stadionrock, alles Dinge die ich nicht leiden kann. TATE wirkten wie der Missing link zwischen den Kings Of Leon (würg!) und den Killers (noch viel mehr würg!!). Ihre Show fiel ineinander wie ein Soufflé. Vielleicht hatte ich mich zu sehr von dem unglaublich knackigen Po der Keyboarderin blenden lassen, denn als ich die Seiten wechselte und nicht mehr ihr Hinterteil direkt vor meine Augen sah, merkte ich, das im Sound der Band viel heiße Luft drin war.

Daumen also eher runter. Wobei sie definitiv nicht so glatt und banal wie die Killers sind und der Sänger wirklich eine interessante Stimme hat (zumindest live, bei MySpace klingt sie viel weniger rau). Eine Band die man sich geben kann, aber nicht muss.

Setlist The Airborne Toxic Event, La Flèche d'or, Paris, 25/02/11:

01: All I Ever Wanted
02: Wishing Well
03: Numb
04: All For A Woman
05: It Doesn't Mean A Thing
06: The Kids Are Ready To Die
07: Wednesday
08: Sometime Around Mignight
09: All At Once

10: Missy