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The Kills, Paris, 22.03.11


Konzert: The Kills

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 22.03.2011
Zuschauer: 600 (ausverkauft)
Konzertdauer: eine knappe Stunde



The Kills in der Flèche d'or und Oliver Peel kriegt noch nicht einmal mit, daß Kate Moss da war!


Paris entwickelt sich immer mehr zur einem der Leader innerhalb der wichtigsten Konzertstädte dieses Planeten. Nachdem dieses Jahr schon PJ Harvey ihre neuen Songs von Let England Shake exklusiv in Paris angetestet hat, waren es nun die Kills, die in der Seinemetropole die neuen Stücke ihres noch nicht erschienenen Albums Blood Pressures zum allerersten Male live einem Publikum präsentierten. Tatort war dieses Mal die nicht sonderlich große Flèche d'or (Zuschauerkapazität 600).

Erneut wurde das Konzert per Livestream von verschiedenen Internetseiten (vor allem vom Initiator sfr.fr) in die Wohnzimmer dieser Welt gesendet. Aber selbst vor Ort zu sein, ist nach wie vor allemal spannender, wenngleich ich mir die Schwitzerei in der bullenheißen Location gerne erspart hätte. Aber die schwüle, schweißdurchtränkte Atmosphäre, passte genau zum flirrenden, staubtrockenen Wüstensound der Kills. Diese scheinen bei den jungen, trendigen Leuten eine der coolsten Bands der Welt zu sein, zumindest hatte dies heute abend für mich den Anschein. Wobei auch Kritik darüber laut wurde, daß von den 600 Plätzen nur 350 in den freien Handel kamen, während 250 geladene Gäste auf Listen vermerkt waren. Ich gehörte zu jenen Auserwählten, die hier gratis rein kamen und musste nicht am Tage x pünktlichst hinter dem Computer hängen, als innerhalb von 10 Minuten sämtliche Karten weggingen wie die warmen Semmeln.

Ganz relaxt konnte ich somit mit meinem schicken Gratisticket (hat mir Kate Moss geschenkt; nö, ein Witz!) auf wichtig machen und problemlos die bulligen Türsteher passieren. Drinnen war es schon ordentlich voll, aber es standen auch noch ein paar süchtige Mitbürger draußen rum und rauchten Zigaretten. Eine Vorgruppe gab es keine, getreu dem Motto: "du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Und diese Götter der Coolness waren natürlich Alison Mosshart und Jamie Hince.

Gegen 21 Uhr kamen sie auf die Bühne geschlurft und Alison verkündete, daß sie heute abend ein paar Neuheiten testen würden. Diese Ansage sollte einer der wenigen des einstündigen Sets bleiben, ansonsten wurde die brünette Rocklady nur noch einmal gesprächig, als sie etwa in der Mitte des Konzertes inständig und mit Nachdruck darum bat, die Lichter runterzudrehen ("turn it down, seriously I mean it"), sie hätten keinen Bock auf Fotos, auf denen man sie verschwitzt sehen könne. Für viele Fans eine gewissse Enttäuschung, denn jeder wollte die beiden heißen Rockstars mit seiner Kamera ablichten und das Fotografierverbot wirkte ernüchternd. Zudem sorgten die Aufpasser vor der Bühne dafür, daß bloß keiner mehr knipste.

Aber vielleicht auch gar nicht schlecht so, denn nun konnte man sich auf die Musik konzentrieren, ohne den Ellenbogen seines Vordermannes, bei dessen Versuch einen Schnappschuss zu landen, in die Rippen zu kriegen. Ohnehin hätte die Stimmung wesentlich ausgelassener und wilder sein können. Obwohl vorne laut und roh gerockt wurde, wirkten die Hitze und die Enge lähmend auf die Besucher und kaum jemand bewegte sich großartig zu den rasiermesserscharfen Gitarrenriffs und dem greinenden Gesang von Alison. Die Hüftsteife kann natürlich auch daran gelegen haben, daß so viel neues, unbekanntes Material gespielt wurde. Material, das allerdings schon nach dem ersten Mal Livehören zu gefallen wusste. Die tyischen Merkmale des Killschen Sounds sind geblieben. Eine düster polternde, bedrohlich wirkende Gitarre, die jederzeit ausbrechen und höllisch laut werden kann, eine Alison Mosshart, die sexy und lasziv singt, als würde sie gerade von hinten genommen, und ein Jamie Hince, der mit seiner tiefen Mark Knopfler Stimme einen schönen Kontrast zu Alisons Gezwitschere bildet. Wie immer natürlich so rockstarlike performt wie es im Lehrbuch steht. Er ganz lässig mit seiner Elektrischen posend und nie zu viel Energie verschwendend, sie wild wie eine Furie und fast genauso wie man es aus dem Helge Schneider Song Baby Es Gibt Reis kennt: "wildes Mädchen, schüttel dein Haar für mich, Baby Baby schüttel dein Haupthaar für mich."



Welches neue Lied jetzt im Einzelnen wie gut ist, vermag ich freilich noch nicht zu sagen, aber zumindest die Mutter von Alison hat sich schon auf einen Favoriten festgelegt: ein Lied, bei dem eine Orgel zum Einsatz kam (ich glaube das war Lost Goodbye) und das rockige Moment ein wenig in den Hintergrund rückte. Mir persönlich hatte es aber am meisten ein Stück angetan, bei dem Jamies Gitarre ausnahmsweise auch einmal sehr melodische Töne anschlug und insgesamt eine poppigere Grundstimmung herrschte (weiß der Geier, wie der Song hieß).

Letztlich war die ganze Sache aber ziemlich schnell vorbei. Nach höchstens 50 Minuten verließen die beiden Sexysmbole die Bühne, bevor es noch zwei Zugaben gab, bei denen die Fesseln im Publikum gelöst wurden. Plötzlich war Crowdsurfen angesagt und viele Fanhände flogen in die Luft. Eine ausgelassene Stimmung, die ich mir so schon eher gewünscht hätte, aber vielleicht war es zum Dauertanzen einfach zu heiß heute.

Wie auch immer, das Konzert war gut, wenngleich nicht unbedingt weltbewegend. Es erfüllte auf jeden Fall seine Rolle: Lust darauf zu machen, sich demnächst "offiziellere" und längere Konzerte als das heutige anzusehen.

Und wo war jetzt Kate Moss? Laut Aussagen meiner aufmerksamen Freunde gleich rechts am Bühnenrand stehend und angeblich so hübsch, wie man das von einem Topmodel erwartet. Mit ihrem Lover Jamie Hince ging es nach der Show ins Hotel Ritz, wo sie unbedingt pennen wollte, obwohl eigentlich schon das der Location gleich gegenüber liegende Hotel gebucht worden war.

Setlist The Kills, La Flèche d,'or, Paris:

01: Future Starts Here
02: Satellite
03: Heart Is A Beating Drum
04: No Wow
05: Kissy Kissy
06: DNA
07: Baby Says
08: The Last Goodbye
09: You Don't Own The Road
10: Pots And Pan

11: Fried My Little Brains (Z)
12: Sour Cherry (Z)

Links:

- The Kills, Frankfurt, 17.03.09
- The Kills, Paris, 18.03.08



The Kills, Paris, 22.03.11


Konzert: The Kills

Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 22.03.2011
Zuschauer: 600 (ausverkauft)
Konzertdauer: eine knappe Stunde



The Kills in der Flèche d'or und Oliver Peel kriegt noch nicht einmal mit, daß Kate Moss da war!


Paris entwickelt sich immer mehr zur einem der Leader innerhalb der wichtigsten Konzertstädte dieses Planeten. Nachdem dieses Jahr schon PJ Harvey ihre neuen Songs von Let England Shake exklusiv in Paris angetestet hat, waren es nun die Kills, die in der Seinemetropole die neuen Stücke ihres noch nicht erschienenen Albums Blood Pressures zum allerersten Male live einem Publikum präsentierten. Tatort war dieses Mal die nicht sonderlich große Flèche d'or (Zuschauerkapazität 600).

Erneut wurde das Konzert per Livestream von verschiedenen Internetseiten (vor allem vom Initiator sfr.fr) in die Wohnzimmer dieser Welt gesendet. Aber selbst vor Ort zu sein, ist nach wie vor allemal spannender, wenngleich ich mir die Schwitzerei in der bullenheißen Location gerne erspart hätte. Aber die schwüle, schweißdurchtränkte Atmosphäre, passte genau zum flirrenden, staubtrockenen Wüstensound der Kills. Diese scheinen bei den jungen, trendigen Leuten eine der coolsten Bands der Welt zu sein, zumindest hatte dies heute abend für mich den Anschein. Wobei auch Kritik darüber laut wurde, daß von den 600 Plätzen nur 350 in den freien Handel kamen, während 250 geladene Gäste auf Listen vermerkt waren. Ich gehörte zu jenen Auserwählten, die hier gratis rein kamen und musste nicht am Tage x pünktlichst hinter dem Computer hängen, als innerhalb von 10 Minuten sämtliche Karten weggingen wie die warmen Semmeln.

Ganz relaxt konnte ich somit mit meinem schicken Gratisticket (hat mir Kate Moss geschenkt; nö, ein Witz!) auf wichtig machen und problemlos die bulligen Türsteher passieren. Drinnen war es schon ordentlich voll, aber es standen auch noch ein paar süchtige Mitbürger draußen rum und rauchten Zigaretten. Eine Vorgruppe gab es keine, getreu dem Motto: "du sollst keine anderen Götter neben mir haben." Und diese Götter der Coolness waren natürlich Alison Mosshart und Jamie Hince.

Gegen 21 Uhr kamen sie auf die Bühne geschlurft und Alison verkündete, daß sie heute abend ein paar Neuheiten testen würden. Diese Ansage sollte einer der wenigen des einstündigen Sets bleiben, ansonsten wurde die brünette Rocklady nur noch einmal gesprächig, als sie etwa in der Mitte des Konzertes inständig und mit Nachdruck darum bat, die Lichter runterzudrehen ("turn it down, seriously I mean it"), sie hätten keinen Bock auf Fotos, auf denen man sie verschwitzt sehen könne. Für viele Fans eine gewissse Enttäuschung, denn jeder wollte die beiden heißen Rockstars mit seiner Kamera ablichten und das Fotografierverbot wirkte ernüchternd. Zudem sorgten die Aufpasser vor der Bühne dafür, daß bloß keiner mehr knipste.

Aber vielleicht auch gar nicht schlecht so, denn nun konnte man sich auf die Musik konzentrieren, ohne den Ellenbogen seines Vordermannes, bei dessen Versuch einen Schnappschuss zu landen, in die Rippen zu kriegen. Ohnehin hätte die Stimmung wesentlich ausgelassener und wilder sein können. Obwohl vorne laut und roh gerockt wurde, wirkten die Hitze und die Enge lähmend auf die Besucher und kaum jemand bewegte sich großartig zu den rasiermesserscharfen Gitarrenriffs und dem greinenden Gesang von Alison. Die Hüftsteife kann natürlich auch daran gelegen haben, daß so viel neues, unbekanntes Material gespielt wurde. Material, das allerdings schon nach dem ersten Mal Livehören zu gefallen wusste. Die tyischen Merkmale des Killschen Sounds sind geblieben. Eine düster polternde, bedrohlich wirkende Gitarre, die jederzeit ausbrechen und höllisch laut werden kann, eine Alison Mosshart, die sexy und lasziv singt, als würde sie gerade von hinten genommen, und ein Jamie Hince, der mit seiner tiefen Mark Knopfler Stimme einen schönen Kontrast zu Alisons Gezwitschere bildet. Wie immer natürlich so rockstarlike performt wie es im Lehrbuch steht. Er ganz lässig mit seiner Elektrischen posend und nie zu viel Energie verschwendend, sie wild wie eine Furie und fast genauso wie man es aus dem Helge Schneider Song Baby Es Gibt Reis kennt: "wildes Mädchen, schüttel dein Haar für mich, Baby Baby schüttel dein Haupthaar für mich."



Welches neue Lied jetzt im Einzelnen wie gut ist, vermag ich freilich noch nicht zu sagen, aber zumindest die Mutter von Alison hat sich schon auf einen Favoriten festgelegt: ein Lied, bei dem eine Orgel zum Einsatz kam (ich glaube das war Lost Goodbye) und das rockige Moment ein wenig in den Hintergrund rückte. Mir persönlich hatte es aber am meisten ein Stück angetan, bei dem Jamies Gitarre ausnahmsweise auch einmal sehr melodische Töne anschlug und insgesamt eine poppigere Grundstimmung herrschte (weiß der Geier, wie der Song hieß).

Letztlich war die ganze Sache aber ziemlich schnell vorbei. Nach höchstens 50 Minuten verließen die beiden Sexysmbole die Bühne, bevor es noch zwei Zugaben gab, bei denen die Fesseln im Publikum gelöst wurden. Plötzlich war Crowdsurfen angesagt und viele Fanhände flogen in die Luft. Eine ausgelassene Stimmung, die ich mir so schon eher gewünscht hätte, aber vielleicht war es zum Dauertanzen einfach zu heiß heute.

Wie auch immer, das Konzert war gut, wenngleich nicht unbedingt weltbewegend. Es erfüllte auf jeden Fall seine Rolle: Lust darauf zu machen, sich demnächst "offiziellere" und längere Konzerte als das heutige anzusehen.

Und wo war jetzt Kate Moss? Laut Aussagen meiner aufmerksamen Freunde gleich rechts am Bühnenrand stehend und angeblich so hübsch, wie man das von einem Topmodel erwartet. Mit ihrem Lover Jamie Hince ging es nach der Show ins Hotel Ritz, wo sie unbedingt pennen wollte, obwohl eigentlich schon das der Location gleich gegenüber liegende Hotel gebucht worden war.

Setlist The Kills, La Flèche d,'or, Paris:

01: Future Starts Here
02: Satellite
03: Heart Is A Beating Drum
04: No Wow
05: Kissy Kissy
06: DNA
07: Baby Says
08: The Last Goodbye
09: You Don't Own The Road
10: Pots And Pan

11: Fried My Little Brains (Z)
12: Sour Cherry (Z)

Links:

- The Kills, Frankfurt, 17.03.09
- The Kills, Paris, 18.03.08



Julianna Barwick,Paris, 07.03.11


Konzert: Julianna Barwick

Ort: Crypte de l'eglise Notre-Dame de la Croix, Paris
Datum: 07.03.11
Zuschauer: etwa hundert
Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten


Ein Folk- Konzert in einer Kirche hatte ich bisher noch nicht gesehen, da war mir Freund Christoph mit seinen Besuchen in der Kulturkirche zu Köln immer ein paar Schritte voraus.

Um so schöner, daß mein Debüt in einem Gotteshaus beim Auftritt der exzellenten Julianna Barwick stattfand. Die Amerikanerin klang dank moderner Sampeltechnik wie ein vielköpfiger Engelschor und ließ ihre glockenklare Stimme durch die Crypte de l'Eglise Notre Dame de la Croix schweben.

Himmlisch!

Sunlight, Heaven: Julianna Barwick from Ray Concepcion on Vimeo.



Morgen mehr!

Bloggergott das Klienicum zu Julianna Barwick, klick!


Julianna Barwick,Paris, 07.03.11


Konzert: Julianna Barwick

Ort: Crypte de l'eglise Notre-Dame de la Croix, Paris
Datum: 07.03.11
Zuschauer: etwa hundert
Konzertdauer: ungefähr 50 Minuten


Ein Folk- Konzert in einer Kirche hatte ich bisher noch nicht gesehen, da war mir Freund Christoph mit seinen Besuchen in der Kulturkirche zu Köln immer ein paar Schritte voraus.

Um so schöner, daß mein Debüt in einem Gotteshaus beim Auftritt der exzellenten Julianna Barwick stattfand. Die Amerikanerin klang dank moderner Sampeltechnik wie ein vielköpfiger Engelschor und ließ ihre glockenklare Stimme durch die Crypte de l'Eglise Notre Dame de la Croix schweben.

Himmlisch!

Sunlight, Heaven: Julianna Barwick from Ray Concepcion on Vimeo.



Morgen mehr!

Bloggergott das Klienicum zu Julianna Barwick, klick!


Schrödinger, Paris, 25.10.10


Konzert: Schrödinger (Poney Express, Carp, Clak)

Ort: Le Reservoir, Paris
Datum: 25.10.2010
Zuschauer: voller Schuppen


Als Katzenvater hat man keinen leichten Job. Unser süßer d'Artagan hat ja nun leider schon seit zwei Jahren Diabetes und braucht ständig sein Insulin. Und weil wir ihn so lange wie möglich bei uns behalten wollen, sind wir diesbezüglich sehr sorgfältig und aufmerksam. Dummerweise ging heute seine Medizin aus und ich besorgte in großer Eile ein neues Fläschen Insulin. So weit so gut. Blöd war nur, daß ich den Flacon nicht mehr wiederfand. Ich war so verunsichert, daß ich aus dem Haus stürmte und fast eine Stunde lang die ganze Straße absuchte. Viellicht war er mir aus der Tasche gefallen?

Um es kürzer zu machen: Ich Trottel hatte das Insulin in der Küche abgestellt und fand es dort auch wieder. Bei der Suchaktion auf der Straße ging aber so viel Zeit verloren, daß ich zu spät zum Konzert kam. Ich wollte eigentlich die Franzosen Poney Express sehen, aber die wurden schon als erste von vier Bands aufs Publikum gehetzt. Von Carp bekam ich nur das Ende mit, zu wenig um mir ein Urteil erlauben zu können. Ich sah mich um. Im Reservoir war es knackig voll, die gesamte Pariser Indie-und Musikszene hing in dem wunderschönen Saal ab. Warum bloß? Ich sollte es bald erfahren. Die waren alle für Schrödinger gekommen!

Schrödinger? Die neue (allererste?) Rockband des Ex-Bundeskanzlers, der durch seine Politik der ruhigen Hand, die Currywurstfresserei und seine bei der Oderflut getragenen Gummistiefel bekannt wurde? Nö. Gerhard schrödingert nicht. Der in Paris lebende Ami Dick Turner hingegen schon. Ein total verrückter Typ, dieser Dick! Er wurde mir vor ein paar Monaten einmal vorgestellt und mir wurde gesagt, ich solle mal seine Musik anhören. Da mir aber jeden Tag gefühlte 38 Leute sagen, ich solle mir dies und jenes unbedingt anhören, kam ich nicht dazu. Heute also die Gelegenheit Versäumtes live nachzuholen. Turner, der von Musikern der französischen Kultband Lapin Machin unterstützt wurde, fetzte über die Bühne wie so ein Gestörter. Die Gestik erinnerte an Jarvis Cocker und Eddie Argos, die saftige Musik an Pulp, Nick Cave und Punk Bands wie The Fall. Er riß die Arme in die Luft, ging mehrfach in die Knie und war aufgedreht wie ein Duracell Hase. Trotzdem: wie ein Sexsymbol oder ein attraktiver Rockstar sah er nicht gerade aus. Besonders häßlich war sein weinrotes Samtjacket, aber die Mädels standen drauf und fingen am Ende an, wild abzutanzen. Das mit witzigen Texten gespickte Konzert gestaltete sich zum Triumphzug, die Menge johlte. Die Leute hatten recht, die Lieder waren allesamt Kracher und ich war froh, daß ich trotz der elenden Sucherei des Insulinfläschens doch noch ein stimmungsvolles Konzert geboten bekommen hatte!

Setlist Schrödinger, Le Reservoir, Paris:

01: Salomé
02: Volcano
03: Tell Me How It Was When You Were Young
04: ?
05: Sawing Wood
06: Funny Feeling
07: Goodbye



Schrödinger, Paris, 25.10.10


Konzert: Schrödinger (Poney Express, Carp, Clak)

Ort: Le Reservoir, Paris
Datum: 25.10.2010
Zuschauer: voller Schuppen


Als Katzenvater hat man keinen leichten Job. Unser süßer d'Artagan hat ja nun leider schon seit zwei Jahren Diabetes und braucht ständig sein Insulin. Und weil wir ihn so lange wie möglich bei uns behalten wollen, sind wir diesbezüglich sehr sorgfältig und aufmerksam. Dummerweise ging heute seine Medizin aus und ich besorgte in großer Eile ein neues Fläschen Insulin. So weit so gut. Blöd war nur, daß ich den Flacon nicht mehr wiederfand. Ich war so verunsichert, daß ich aus dem Haus stürmte und fast eine Stunde lang die ganze Straße absuchte. Viellicht war er mir aus der Tasche gefallen?

Um es kürzer zu machen: Ich Trottel hatte das Insulin in der Küche abgestellt und fand es dort auch wieder. Bei der Suchaktion auf der Straße ging aber so viel Zeit verloren, daß ich zu spät zum Konzert kam. Ich wollte eigentlich die Franzosen Poney Express sehen, aber die wurden schon als erste von vier Bands aufs Publikum gehetzt. Von Carp bekam ich nur das Ende mit, zu wenig um mir ein Urteil erlauben zu können. Ich sah mich um. Im Reservoir war es knackig voll, die gesamte Pariser Indie-und Musikszene hing in dem wunderschönen Saal ab. Warum bloß? Ich sollte es bald erfahren. Die waren alle für Schrödinger gekommen!

Schrödinger? Die neue (allererste?) Rockband des Ex-Bundeskanzlers, der durch seine Politik der ruhigen Hand, die Currywurstfresserei und seine bei der Oderflut getragenen Gummistiefel bekannt wurde? Nö. Gerhard schrödingert nicht. Der in Paris lebende Ami Dick Turner hingegen schon. Ein total verrückter Typ, dieser Dick! Er wurde mir vor ein paar Monaten einmal vorgestellt und mir wurde gesagt, ich solle mal seine Musik anhören. Da mir aber jeden Tag gefühlte 38 Leute sagen, ich solle mir dies und jenes unbedingt anhören, kam ich nicht dazu. Heute also die Gelegenheit Versäumtes live nachzuholen. Turner, der von Musikern der französischen Kultband Lapin Machin unterstützt wurde, fetzte über die Bühne wie so ein Gestörter. Die Gestik erinnerte an Jarvis Cocker und Eddie Argos, die saftige Musik an Pulp, Nick Cave und Punk Bands wie The Fall. Er riß die Arme in die Luft, ging mehrfach in die Knie und war aufgedreht wie ein Duracell Hase. Trotzdem: wie ein Sexsymbol oder ein attraktiver Rockstar sah er nicht gerade aus. Besonders häßlich war sein weinrotes Samtjacket, aber die Mädels standen drauf und fingen am Ende an, wild abzutanzen. Das mit witzigen Texten gespickte Konzert gestaltete sich zum Triumphzug, die Menge johlte. Die Leute hatten recht, die Lieder waren allesamt Kracher und ich war froh, daß ich trotz der elenden Sucherei des Insulinfläschens doch noch ein stimmungsvolles Konzert geboten bekommen hatte!

Setlist Schrödinger, Le Reservoir, Paris:

01: Salomé
02: Volcano
03: Tell Me How It Was When You Were Young
04: ?
05: Sawing Wood
06: Funny Feeling
07: Goodbye



Lidwine & Julie Peel & Helluvah, Paris, 18.10.10


Konzert: Lidwine & Julie Peel & Helluvah

Ort: L'International, Paris
Datum: 18.10.2010
Zuschauer: etwa 100
Konzertdauer: pro Künstlerin etwa 40-45 Minuten


Die Franzosen demonstrieren und streiken mal wieder wie die Blöden. Züge fallen aus, Flugzeuge bleiben am Boden und die Metro fährt unregelmäßig. Das Beste an der Sache ist, daß auch Abiturienten gegen die Rentenform auf die Straße gehen, obwohl sie es sind, die die vielen (Früh)-rentner dann bald mitfinanzieren müssen. Ob sie sich da mal nicht ins eigene Bein schießen? Auch kurios: die Beamten und Angestellten der Bahngesellschaft SNCF und die Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsbetriebe RATP genießen hinsichtlich des Rentenalters eine Sonderregelung (sie dürfen schon mit 57 in Rente oder so), die noch aus Zeiten stammt, als Lockführer noch ein harter, körperlicher Job war. Warum streiken die dann? Hmm. Muss ich die Franzosen verstehen?

Wie auch immer, als Blogger und Indiemusiker gibt es kein Streikrecht, da werden Überstunden und durchgearbeitete Nächte nicht bezahlt und sowieso ackert man freiwillig oder unfreiwillig quasi ehrenamtlich. Aus Liebe zur Musik. Oder so. Auch den Videofilmer Pierre (Name von der Redaktion geändert) schien das zu wurmen, denn er beklagte sich mir gegenüber ein wenig darüber, daß Musikerfreunde ihn oft einspannen, er aber immer für lau schufte. Aber es ist ja nichts Neues, daß in der Indieszene die Kohle fehlt, die Musikkonzerne und übergeschnappte Fans einer Lady Gaga (nur ein Beispiel) in den Arsch pusten. Vielleicht sollte man mal eine Demo organisieren und die Eingänge zu Konzerten von Britney Spears, Robbie Williams oder Beyonce barrikadieren?

Aber kommen wir doch nun zu den Auftritten des heutigen Abends. Mit Julie Peel, Lidwine und Helluvah waren gleich drei junge Frauen mit allerdings höchst unterschiedlichen Musikstilen am Start.

Julie Peel begann und da muss ich sofort meine Befangenheit offenbaren. Schließlich ist Julie meine Schwester und ist für ihre erste Show in Paris extra aus Brooklyn angereist. Natürlich fand ich sie toll und bewegend und talentiert, ist doch klar oder? Was für feine, warme Folksongs mein Schwesterherz da im fernen Amerika geschrieben hat, das ist schon ganz beachtlich!

Weiter ging es mit der Pariserin Lidwine, die die Pariser Antwort auf Joanna Newsom ist und am nächsten Sonntag eine Oliver Peel Session spielen wird. Lidwine performte zunächst am Harmonium, dann auf der Harfe und schließlich auf der Autoharp (Selbstharfe? Wie übersetzt man das?). Begleitet wurde sie von Jeremie, der Querflöte spielte und auch mit Glöckchen klingelte etc.

Aber auch hinsichtlich Lidwine bin ich in gewisser Weise befangen. Sie ist die neue Sensation der Pariser Folkszene, ganz klar! Würde ich etwa Musiker ohne überragendes Talent zu einer meiner Sessions einladen? Nö. Eben! Fans von Bat For Lashes, Björk, Kate Bush und eben Joanna Newsom werden ihre helle Freude an ihr haben, dessen bin ich mir sicher. Aber Lidwine kopiert nicht nur, schließlich spielt sie meistens Harmonium und erst an zweiter Stelle Harfe, das unterscheidet sie schon einmal von Joanna, die zeitweise Klavier spielt, was Lidwine nie tut. Und die Musik von Björk ist zwar originell und eigenständig, aber für meine Ohren quasi unhörbar. Bei Lidwine ist das anders, da nervt (zumindest mich) kein einziger Song und so abgehoben und egozentrisch wie die Isländerin ist die Pariserin natürlich auch nicht. Also meine Botschaft sollte klar sein: Lidwine ist Lidwine und nicht Joanna, oder Björk oder Kate oder Natascha, auch wenn sie diese Künstlerinnen als Referenzen angibt. Die Französin feierte übrigens heute EP Release Party für ein Minialbum, das sie beim tollen Label Ocean Music (Hafdis Huld, Tamara Williamson etc.) veröffentlich hat. Logischerweise stammten die meisten Stücke auch von diesem Werk, aber nicht ausschließlich. Neben den tollen EP Tracks wie A Resonance Of Myself und In The Half Light trug Lidwine auch ein Prince Cover (The Beautiful Ones) vor, das mir viel besser als das Original gefiel. Kein Wunder, ich mag Prince nicht, mochte ihn noch nie!

Also kurzum, die Session mit Lidwine wird toll, davon bin ich nun endgültig überzeugt. Ich frage mich gerade nur, wie wir die große Harfe unbeschadet über unseren extrem engen Treppenaufgang schleppen können...

Zum Abschluß des heutigen Konzertabends dann noch Helluvah. Ein rockiges Mädel, das E-Gitarre spielte und von einem Drummer begleitet wurde. Also so eine Art französische Scout Niblett. Nicht ganz so stark wie die überragende Scout, aber auf jeden Fall fetzig und kurzweilig!

Ein guter Konzertabend, bei dem weder die Kellner noch die Tontechniker streikten. Wäre ja auch noch schöner!


Lidwine & Julie Peel & Helluvah, Paris, 18.10.10


Konzert: Lidwine & Julie Peel & Helluvah

Ort: L'International, Paris
Datum: 18.10.2010
Zuschauer: etwa 100
Konzertdauer: pro Künstlerin etwa 40-45 Minuten


Die Franzosen demonstrieren und streiken mal wieder wie die Blöden. Züge fallen aus, Flugzeuge bleiben am Boden und die Metro fährt unregelmäßig. Das Beste an der Sache ist, daß auch Abiturienten gegen die Rentenform auf die Straße gehen, obwohl sie es sind, die die vielen (Früh)-rentner dann bald mitfinanzieren müssen. Ob sie sich da mal nicht ins eigene Bein schießen? Auch kurios: die Beamten und Angestellten der Bahngesellschaft SNCF und die Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsbetriebe RATP genießen hinsichtlich des Rentenalters eine Sonderregelung (sie dürfen schon mit 57 in Rente oder so), die noch aus Zeiten stammt, als Lockführer noch ein harter, körperlicher Job war. Warum streiken die dann? Hmm. Muss ich die Franzosen verstehen?

Wie auch immer, als Blogger und Indiemusiker gibt es kein Streikrecht, da werden Überstunden und durchgearbeitete Nächte nicht bezahlt und sowieso ackert man freiwillig oder unfreiwillig quasi ehrenamtlich. Aus Liebe zur Musik. Oder so. Auch den Videofilmer Pierre (Name von der Redaktion geändert) schien das zu wurmen, denn er beklagte sich mir gegenüber ein wenig darüber, daß Musikerfreunde ihn oft einspannen, er aber immer für lau schufte. Aber es ist ja nichts Neues, daß in der Indieszene die Kohle fehlt, die Musikkonzerne und übergeschnappte Fans einer Lady Gaga (nur ein Beispiel) in den Arsch pusten. Vielleicht sollte man mal eine Demo organisieren und die Eingänge zu Konzerten von Britney Spears, Robbie Williams oder Beyonce barrikadieren?

Aber kommen wir doch nun zu den Auftritten des heutigen Abends. Mit Julie Peel, Lidwine und Helluvah waren gleich drei junge Frauen mit allerdings höchst unterschiedlichen Musikstilen am Start.

Julie Peel begann und da muss ich sofort meine Befangenheit offenbaren. Schließlich ist Julie meine Schwester und ist für ihre erste Show in Paris extra aus Brooklyn angereist. Natürlich fand ich sie toll und bewegend und talentiert, ist doch klar oder? Was für feine, warme Folksongs mein Schwesterherz da im fernen Amerika geschrieben hat, das ist schon ganz beachtlich!

Weiter ging es mit der Pariserin Lidwine, die die Pariser Antwort auf Joanna Newsom ist und am nächsten Sonntag eine Oliver Peel Session spielen wird. Lidwine performte zunächst am Harmonium, dann auf der Harfe und schließlich auf der Autoharp (Selbstharfe? Wie übersetzt man das?). Begleitet wurde sie von Jeremie, der Querflöte spielte und auch mit Glöckchen klingelte etc.

Aber auch hinsichtlich Lidwine bin ich in gewisser Weise befangen. Sie ist die neue Sensation der Pariser Folkszene, ganz klar! Würde ich etwa Musiker ohne überragendes Talent zu einer meiner Sessions einladen? Nö. Eben! Fans von Bat For Lashes, Björk, Kate Bush und eben Joanna Newsom werden ihre helle Freude an ihr haben, dessen bin ich mir sicher. Aber Lidwine kopiert nicht nur, schließlich spielt sie meistens Harmonium und erst an zweiter Stelle Harfe, das unterscheidet sie schon einmal von Joanna, die zeitweise Klavier spielt, was Lidwine nie tut. Und die Musik von Björk ist zwar originell und eigenständig, aber für meine Ohren quasi unhörbar. Bei Lidwine ist das anders, da nervt (zumindest mich) kein einziger Song und so abgehoben und egozentrisch wie die Isländerin ist die Pariserin natürlich auch nicht. Also meine Botschaft sollte klar sein: Lidwine ist Lidwine und nicht Joanna, oder Björk oder Kate oder Natascha, auch wenn sie diese Künstlerinnen als Referenzen angibt. Die Französin feierte übrigens heute EP Release Party für ein Minialbum, das sie beim tollen Label Ocean Music (Hafdis Huld, Tamara Williamson etc.) veröffentlich hat. Logischerweise stammten die meisten Stücke auch von diesem Werk, aber nicht ausschließlich. Neben den tollen EP Tracks wie A Resonance Of Myself und In The Half Light trug Lidwine auch ein Prince Cover (The Beautiful Ones) vor, das mir viel besser als das Original gefiel. Kein Wunder, ich mag Prince nicht, mochte ihn noch nie!

Also kurzum, die Session mit Lidwine wird toll, davon bin ich nun endgültig überzeugt. Ich frage mich gerade nur, wie wir die große Harfe unbeschadet über unseren extrem engen Treppenaufgang schleppen können...

Zum Abschluß des heutigen Konzertabends dann noch Helluvah. Ein rockiges Mädel, das E-Gitarre spielte und von einem Drummer begleitet wurde. Also so eine Art französische Scout Niblett. Nicht ganz so stark wie die überragende Scout, aber auf jeden Fall fetzig und kurzweilig!

Ein guter Konzertabend, bei dem weder die Kellner noch die Tontechniker streikten. Wäre ja auch noch schöner!


Liz Green, Paris, 06.10.10


Konzert: Liz Green
Ort: Le Môtel, Paris
Datum: 06.10.10
Zuschauer: 30 oder so
Konzertdauer: halbe Stunde


Liz Green aus nächster Nähe, sozusagen gleich vor meinen Füßen in einem winzigen Pariser Schuppen. Wie toll ist das denn? Sehr toll natürlich, schließlich ist Liz eines der größten Talente der britischen Folkszene!

Aber wie kam es zu diesem ungewöhnlichen und intimen Gig, der zudem gratis war? Hätte eine Liz Green nicht eine größere Location verdient gehabt? Nun, dazu muss man wissen, daß die hochtalentierte Chanteuse aus Manchester bei zwei Titeln des Albums der Pariser Indieband Villeneuve mitgewirkt hat und auch höchst erfreulicherweise beim heutigen Konzert von Villeneuve im Café de la Danse live in Erscheinung trat. So blieb ihr nur noch die Möglichkeit einer Aftershow, denn schon am morgigen Tage wird sie nach Australien aufbrechen. Ihr Stelldichein im winzigen Motel war also stark improvisiert und seitens der Künsterlin enorm großzügig. Ich denke nicht, daß sie eine Gage bekommen hat. Ihr Kurzauftritt- ein Geschenk an die Pariser! Danke Liz!

Ist sowieso ein tolles Mädel, diese rothaarige Engländerin. Ihr natürliches, humorvolles und eigenwilliges Wesen sucht in der heutigen Welt der kühlen Arroganz ihresgleichen. Sie scheint aus einem anderen Zeitalter zu stammen, ich könnte sie mir gut in einer Verfilmung eines Jane Austen Romans vorstellen. Ganz sensationell ist ihre Stimme. Bluesig/soulig/jazzig und wie von einer alten Grammofonplatte stammend. Keine Ahnung wo sie diese Töne herholt!

Im Motel spielte sie ein halbes Dutzend Lieder, deren Namen sie in einem kleinen Büchlein eingetragen hatte. Setlisten auf einem Zettel gibt es bei ihr nicht. Ich kannte nicht alles, aber gleich zu Beginn spielte sie den Rambling Man und danach Bad Medecine, bereits jetzt so etwas wie ein Klassiker. "We've got no way out, we have got no way out of this" singt sie in dieser einschmeichelnden Blues-Ballade, die eigentlich weltbekannt sein müsste. Aber Liz Green wird ihren Weg gehen, dessen bin ich mir sicher. Obwohl sie bisher nur zwei EP's veröffentlicht hat, ist ihr Songmaterial bereits jetzt beachtlich. Midnight Blues, French Singer, Grinnin' In Your Face, soviele Lieder mit Potential! Und sie arbeitet fleißig an neuem Stoff, denn nächstes Jahr soll endlich das Debütalbum erscheinen. Kein Wunder also, daß das letzte Lied des heutigen Abends noch gar keinen Titel hatte. Inhaltlich ging es um das Meer und ich wäre am liebsten mit Liz auf große Bootstour gegangen. Aber das ging natürlich nicht, sie musste ja weiter nach Australien und zwar mit dem Flugzeug!

Toll!


Liz Green, Paris, 06.10.10


Konzert: Liz Green
Ort: Le Môtel, Paris
Datum: 06.10.10
Zuschauer: 30 oder so
Konzertdauer: halbe Stunde


Liz Green aus nächster Nähe, sozusagen gleich vor meinen Füßen in einem winzigen Pariser Schuppen. Wie toll ist das denn? Sehr toll natürlich, schließlich ist Liz eines der größten Talente der britischen Folkszene!

Aber wie kam es zu diesem ungewöhnlichen und intimen Gig, der zudem gratis war? Hätte eine Liz Green nicht eine größere Location verdient gehabt? Nun, dazu muss man wissen, daß die hochtalentierte Chanteuse aus Manchester bei zwei Titeln des Albums der Pariser Indieband Villeneuve mitgewirkt hat und auch höchst erfreulicherweise beim heutigen Konzert von Villeneuve im Café de la Danse live in Erscheinung trat. So blieb ihr nur noch die Möglichkeit einer Aftershow, denn schon am morgigen Tage wird sie nach Australien aufbrechen. Ihr Stelldichein im winzigen Motel war also stark improvisiert und seitens der Künsterlin enorm großzügig. Ich denke nicht, daß sie eine Gage bekommen hat. Ihr Kurzauftritt- ein Geschenk an die Pariser! Danke Liz!

Ist sowieso ein tolles Mädel, diese rothaarige Engländerin. Ihr natürliches, humorvolles und eigenwilliges Wesen sucht in der heutigen Welt der kühlen Arroganz ihresgleichen. Sie scheint aus einem anderen Zeitalter zu stammen, ich könnte sie mir gut in einer Verfilmung eines Jane Austen Romans vorstellen. Ganz sensationell ist ihre Stimme. Bluesig/soulig/jazzig und wie von einer alten Grammofonplatte stammend. Keine Ahnung wo sie diese Töne herholt!

Im Motel spielte sie ein halbes Dutzend Lieder, deren Namen sie in einem kleinen Büchlein eingetragen hatte. Setlisten auf einem Zettel gibt es bei ihr nicht. Ich kannte nicht alles, aber gleich zu Beginn spielte sie den Rambling Man und danach Bad Medecine, bereits jetzt so etwas wie ein Klassiker. "We've got no way out, we have got no way out of this" singt sie in dieser einschmeichelnden Blues-Ballade, die eigentlich weltbekannt sein müsste. Aber Liz Green wird ihren Weg gehen, dessen bin ich mir sicher. Obwohl sie bisher nur zwei EP's veröffentlicht hat, ist ihr Songmaterial bereits jetzt beachtlich. Midnight Blues, French Singer, Grinnin' In Your Face, soviele Lieder mit Potential! Und sie arbeitet fleißig an neuem Stoff, denn nächstes Jahr soll endlich das Debütalbum erscheinen. Kein Wunder also, daß das letzte Lied des heutigen Abends noch gar keinen Titel hatte. Inhaltlich ging es um das Meer und ich wäre am liebsten mit Liz auf große Bootstour gegangen. Aber das ging natürlich nicht, sie musste ja weiter nach Australien und zwar mit dem Flugzeug!

Toll!