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Gruff Rhys, Frankfurt, 08.03.11


Konzert: Gruff Rhys

Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: ca. 30


von Ursula von neulich als ich dachte

Gälisch mit Untertiteln

Der Abend in der Brotfabrik beginnt deprimierend – nur maximal dreißig Zuschauer haben sich eingefunden; wohl um diese kleine Schar etwas fülliger wirken zu lassen, hat man vor der Bühne Tische und Stühle aufgestellt. Wenn man
bedenkt, dass wir und sicher auch einige andere Zuschauer Freikarten gewonnen haben, bekommt man richtig Mitleid mit den Künstlern – viel Geld verdienen sie an diesem Auftritt sicher nicht.

Gruff Rhys hat dennoch eine vierköpfige Vorband, die ebenfalls aus Wales stammenden Y Niwl. Die Band hat nach eigener (beinahe einziger) Aussage nichts zu sagen und zu singen, man spielt deshalb instrumentalen 60s Surfrock, der besser zum bereits hinter ihnen hängenden Plakat von Gryff Rhys zu dessen neuer Platte Hotel Shampoo passt – es zeigt einen Sonnenuntergang am Palmenstrand - als zu ihren Pudelmützen. Auch die Setliste ist wenig eloquent: Die Liedtitel sind nämlich Nummern, und so folgt „6“ auf „7“ und dann irgendwann „2“. Die Erklärung dafür verstehe ich nicht so ganz, anscheinend ist das Gälische nicht nur schwer zu verstehen, sondern auch schwer zu schreiben?

Als Gruff Rhys anschließend die Bühne betritt, stellt sich heraus, dass die Vorband auch seine Band ist, es gibt auf dieser Tournee kein weiteres Personal. Das nun folgende Konzert ist eines der skurrilsten, die ich je gesehen habe. Angeblich darüber besorgt, dass ihn dank Dialekt keiner verstehen könnte, hat der Sänger verschiedene große Schilder dabei, auf denen ein Albumtitel sowie diverses anders (Danke, Applause – er zückt sie zum Beispiel nach dem Flötensolo eines Bandkollegen) geschrieben steht. Während einigen Liedern läuft als Hintergrund eine Schallplatte mit Vogelstimmen, die laut hörbar auf Finnisch erklärt werden. Erklärt werden uns auch einige Lieder in geradezu epischer Detailfülle: „Pwdin Wy 1“ handelt von einem Mädchen, das sich im ersten Teil des Lieder glücklich verliebt, im zweiten („Pwdin Wy 2“) aber bereits getrennt ist, zum Trost eine Weltreise unternimmt und dann in einem Internetcafé im südamerikanischen Dschungel erfährt, dass ihr Exfreund verstorben ist – und sie möglicherweise ebenfalls krank ist.

Auch der Inhalt von „Skylon“, einem Lied über ein Flugzeugattentat, dessen Scheitern und die beteiligten Personen, wird uns zwischendurch ganz genau erklärt, was den Song noch weit über seine sonst 14minütige Spieldauer ausweitet. Andere Lieder wie „Ni Yw Y Byd“ und „Gyrru Gyrru“ dagegen haben nur eine Textzeile, die gleichzeitig der Titel ist, da erübrigt sich dann das Erklären. Nichtsdestotrotz erfahren wir, dass „Gyrru Gyrru“ „Fahren Fahren“ bedeutet und der langen Anreise von Wien nach Frankfurt gewidmet ist.
 Vor Beginn von „Rubble Rubble“ spielt uns Gruff Rhys schon einmal die erste Zeile vor, damit wir beim „echten“ Liedanfang die typischen „Oh, mein Lieblingslied“-Publikumsgeräusche machen können, was wir dann auch folgsam tun.

Abgesehen von den Schildern und den Vogelstimmen gibt es noch zahlreiche andere lustige Requisiten: Rhys’ Gitarre hat ein „Body Kit“ aus Pappe, weil er angeblich darunter leidet, das Gitarrespielen falsch herum erlernt zu haben und davon genervt ist, dass bei seinen Gitarren die dekorierte Oberseite immer unten ist. Das erste Lied, „Gwn Mi Wn“, dirigiert und begleitet er mit einer Art Elektro-Plastik-Schlagzeug, und auf die Vogelstimmen antwortet er mit einer Vogelpfeife. Für den Flugzeugentführungssong stehen eine Schwimmweste und ein Plastikgewehr zur Verfügung. CocoRosie hätten angesichts dieser Produktvielfalt sicher ihre Freude und könnten Herrn Rhys, der einen relativ normalen Cordanzug trägt, allenfalls noch Kostümtipps geben.
Obwohl wir so wenige Zuschauer sind und folglich nicht allzu viel Lärm machen können, bekommen wir sogar noch eine ziemlich lange Zugabe, in der Rhys zunächst zwei Titel solo darbietet, um dann mit einer Art Fernsehshow fortzufahren die (natürlich gibt es dazu ein passendes Schild und eine weiteren Schallplatte für ein Jingle) beginnt, in deren Rahmen ein Mitglied von Y Niwl einen Solosong („Gwestai?“) darbietet. 
Und so ist es schon halb 12, als dieses Konzert wirklich zu Ende ist, und wir stellen fest, dass die wenigen Gäste für ihr Eintrittsgeld extrem viel Konzert bekommen haben. Nur "Christopher Columbus" wurde im Rahmen des langen Programms leider nicht gespielt, obwohl am Bühnenrand lange ein vielversprechendes Schild mit zweimal C teilweise hervor schaute - es handelte sich bei der Aufschrift dann aber leider um "Conservation Conversation", die Zugaben-Talkshow.


Setlist Gruff Rhys, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Gwn Mi Wn
02: Candylion
03: The Court of the King Arthur
04: House with no Mirrors
05: Pwdin Wy 1
06: Pwdin Wy 2
07: Sophie Softly
08: If we were Words
09: Sensations in the Dark
10: Conservation Conversation
11: Honey all over
12: Lonsome Words
13: Ni Yw Y Byd
14: Gyrru Gyrru
15: Cycle of Violence
16: Shark Ridden Waters

17: Rubble Rubble (Z)
18: Colonise the Moon (Z)
19: Gwestai? (Z)
20: Skylon (Z)


Gruff Rhys, Frankfurt, 08.03.11


Konzert: Gruff Rhys

Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: ca. 30


von Ursula von neulich als ich dachte

Gälisch mit Untertiteln

Der Abend in der Brotfabrik beginnt deprimierend – nur maximal dreißig Zuschauer haben sich eingefunden; wohl um diese kleine Schar etwas fülliger wirken zu lassen, hat man vor der Bühne Tische und Stühle aufgestellt. Wenn man
bedenkt, dass wir und sicher auch einige andere Zuschauer Freikarten gewonnen haben, bekommt man richtig Mitleid mit den Künstlern – viel Geld verdienen sie an diesem Auftritt sicher nicht.

Gruff Rhys hat dennoch eine vierköpfige Vorband, die ebenfalls aus Wales stammenden Y Niwl. Die Band hat nach eigener (beinahe einziger) Aussage nichts zu sagen und zu singen, man spielt deshalb instrumentalen 60s Surfrock, der besser zum bereits hinter ihnen hängenden Plakat von Gryff Rhys zu dessen neuer Platte Hotel Shampoo passt – es zeigt einen Sonnenuntergang am Palmenstrand - als zu ihren Pudelmützen. Auch die Setliste ist wenig eloquent: Die Liedtitel sind nämlich Nummern, und so folgt „6“ auf „7“ und dann irgendwann „2“. Die Erklärung dafür verstehe ich nicht so ganz, anscheinend ist das Gälische nicht nur schwer zu verstehen, sondern auch schwer zu schreiben?

Als Gruff Rhys anschließend die Bühne betritt, stellt sich heraus, dass die Vorband auch seine Band ist, es gibt auf dieser Tournee kein weiteres Personal. Das nun folgende Konzert ist eines der skurrilsten, die ich je gesehen habe. Angeblich darüber besorgt, dass ihn dank Dialekt keiner verstehen könnte, hat der Sänger verschiedene große Schilder dabei, auf denen ein Albumtitel sowie diverses anders (Danke, Applause – er zückt sie zum Beispiel nach dem Flötensolo eines Bandkollegen) geschrieben steht. Während einigen Liedern läuft als Hintergrund eine Schallplatte mit Vogelstimmen, die laut hörbar auf Finnisch erklärt werden. Erklärt werden uns auch einige Lieder in geradezu epischer Detailfülle: „Pwdin Wy 1“ handelt von einem Mädchen, das sich im ersten Teil des Lieder glücklich verliebt, im zweiten („Pwdin Wy 2“) aber bereits getrennt ist, zum Trost eine Weltreise unternimmt und dann in einem Internetcafé im südamerikanischen Dschungel erfährt, dass ihr Exfreund verstorben ist – und sie möglicherweise ebenfalls krank ist.

Auch der Inhalt von „Skylon“, einem Lied über ein Flugzeugattentat, dessen Scheitern und die beteiligten Personen, wird uns zwischendurch ganz genau erklärt, was den Song noch weit über seine sonst 14minütige Spieldauer ausweitet. Andere Lieder wie „Ni Yw Y Byd“ und „Gyrru Gyrru“ dagegen haben nur eine Textzeile, die gleichzeitig der Titel ist, da erübrigt sich dann das Erklären. Nichtsdestotrotz erfahren wir, dass „Gyrru Gyrru“ „Fahren Fahren“ bedeutet und der langen Anreise von Wien nach Frankfurt gewidmet ist.
 Vor Beginn von „Rubble Rubble“ spielt uns Gruff Rhys schon einmal die erste Zeile vor, damit wir beim „echten“ Liedanfang die typischen „Oh, mein Lieblingslied“-Publikumsgeräusche machen können, was wir dann auch folgsam tun.

Abgesehen von den Schildern und den Vogelstimmen gibt es noch zahlreiche andere lustige Requisiten: Rhys’ Gitarre hat ein „Body Kit“ aus Pappe, weil er angeblich darunter leidet, das Gitarrespielen falsch herum erlernt zu haben und davon genervt ist, dass bei seinen Gitarren die dekorierte Oberseite immer unten ist. Das erste Lied, „Gwn Mi Wn“, dirigiert und begleitet er mit einer Art Elektro-Plastik-Schlagzeug, und auf die Vogelstimmen antwortet er mit einer Vogelpfeife. Für den Flugzeugentführungssong stehen eine Schwimmweste und ein Plastikgewehr zur Verfügung. CocoRosie hätten angesichts dieser Produktvielfalt sicher ihre Freude und könnten Herrn Rhys, der einen relativ normalen Cordanzug trägt, allenfalls noch Kostümtipps geben.
Obwohl wir so wenige Zuschauer sind und folglich nicht allzu viel Lärm machen können, bekommen wir sogar noch eine ziemlich lange Zugabe, in der Rhys zunächst zwei Titel solo darbietet, um dann mit einer Art Fernsehshow fortzufahren die (natürlich gibt es dazu ein passendes Schild und eine weiteren Schallplatte für ein Jingle) beginnt, in deren Rahmen ein Mitglied von Y Niwl einen Solosong („Gwestai?“) darbietet. 
Und so ist es schon halb 12, als dieses Konzert wirklich zu Ende ist, und wir stellen fest, dass die wenigen Gäste für ihr Eintrittsgeld extrem viel Konzert bekommen haben. Nur "Christopher Columbus" wurde im Rahmen des langen Programms leider nicht gespielt, obwohl am Bühnenrand lange ein vielversprechendes Schild mit zweimal C teilweise hervor schaute - es handelte sich bei der Aufschrift dann aber leider um "Conservation Conversation", die Zugaben-Talkshow.


Setlist Gruff Rhys, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Gwn Mi Wn
02: Candylion
03: The Court of the King Arthur
04: House with no Mirrors
05: Pwdin Wy 1
06: Pwdin Wy 2
07: Sophie Softly
08: If we were Words
09: Sensations in the Dark
10: Conservation Conversation
11: Honey all over
12: Lonsome Words
13: Ni Yw Y Byd
14: Gyrru Gyrru
15: Cycle of Violence
16: Shark Ridden Waters

17: Rubble Rubble (Z)
18: Colonise the Moon (Z)
19: Gwestai? (Z)
20: Skylon (Z)


Warpaint, Frankfurt, 11.11.10


Konzert: Warpaint (& etwas Lokales vorher)
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 11.11.2010
Zuschauer: recht voll, allerdings nicht ausverkauft
Dauer: Warpaint 70 min


An Warpaint kommt man zur Zeit einfach nicht vorbei, zumindest in unserem musikalischen
Mikrokosmos. Mir ist durchaus bewußt, daß vermutlich höchstens ein, zwei Tausend Landsleute schon einmal von dieser Band gehört haben, in dieser Szene allerdings werden die Amerikanerinnen gerade enorm gehypt. Auch wenn ich mich nicht davon freisprechen kann, vielen dieser Hypes aus Neugierde Aufmerksamkeit zu widmen, liegt der Fall bei Warpaint anders, da ich die Kalifornierinnen im Mai im Rahmen der Nuits Botaniques in Brüssel im Vorprogramm von Wolf Parade gesehen und mich sofort unsterblich in ihre Musik verliebt hatte. Dabei waren wir damals spät dran und erlebten leider nur noch die letzten 2,5 Stücke der Band, aber Billie Holiday und Elephants hatten mich tief beeindruckt. Vor allem dieses Billie Holiday... so ein tolles Stück hatte ich seit The Organ oder deren Nachfolger Lovers Love Haters nicht mehr gehört. Alleine dieser Buchstabier-Anfang!

Ihr Konzert in Frankfurt war das dritte und letzte einer ersten Deutschland-Tour. Booker aus Köln hatten sich diese Perle entgehen lassen, also spielte Warpaint nur in
Berlin, Hamburg und Frankfurt. Als ich in der Brotfabrik ankam, spielte eine leider sehr belanglose örtliche Vorgruppe (Borgenine), bei der das einzig Erwähnenswerte war, daß Warpaint Bassistin Jenny Lee Lindberg im Publikum zusah.

Der Saal der Brotfabrik ist perfekt für Konzerte. Die Bühne ist breit, der Saal luftig, und er scheint nicht überbucht zu werden. Daß trotzdem die beiden einzigen Leute im Raum, die sich laut unterhalten wollten, immer wieder meine Nähe suchten, kann ich der Brotfabrik sicher nicht vorwerfen.

Die vier Musikerinnen hatten nichts von mondänem L.A. Style, als sie auf die Bühne kamen. Jenny Lee in der Mitte trug einen riesigen Jeans Overall, Gitarristin Emily
Kokal eine Jogginghose, die links stehende Theresa Wayman (auch Gitarre) ein Holzfällerhemd. Aber irgendwie ist ihre Musik ja genauso: unaufgeregt und alles andere als auf Effekte ausgerichtet.

Wie toll der reduzierte Sound funktioniert, merkte man sofort. Dezente Instrumentierung, dazu meist mehrstimmiger Gesang, der nicht immer laut aber jederzeit eindrucksvoll ist. Stars von der 2008er EP Exquisite Corpse, das als zweites gespielt wurde, war bisher in meinen Ohren nur eins von vielen schönen Liedern. Wie wundervoll das Stück ist, fiel mir erst live auf.

Erstaunlicherweise spielten die alten Lieder wie Stars eine größere Rolle als üblich, Warpaint hatten fünf der sechs Titel der EP im Programm. Aber das ist musikalisch vollkommen unwichtig, weil zwischen EP und Platte keinerlei Qualitätsunterschiede festzustellen sind.

Für eine junge Band schienen die Musikerinnen extrem vertraut mit dem zu sein,
was sie machen. Junge Band ist allerdings auch nicht ganz richtig, Warpaint existiert bereits seit 2004. Damals hatten sich Theresa und Emily, die sich in Oregon kennengelernt hatten, mit den beiden Schwestern Jenny Lee und Shannyn Sossamon (die später ausstieg, um sich aufs Schauspielern zu konzentrieren - sie spielt unter anderem alle drei Wochen die Lady Jocelyn in Ritter aus Leidenschaft im deutschen Fernsehen) getroffen und gemeinsam Musik gemacht. Obwohl einige Musiker kamen und gingen (u.a. Josh Klinghoffer von den Red Hot Chili Peppers, während Ex-Red Hot Dings Gitarrist und Theresas Exfreund* John Frusciante das Album produziert hat), bilden die drei Freundinnen das Grundgerüst der Band. Und das merkt man eben von A bis Z.

Nur einmal kam da doch die junge Band durch. Nachdem Warpaint ihr reguläres Set beendet hatten, kam ein Roadie und stimmte Theresas und Emilys Gitarren. Das war
insofern spektakulär, weil es ewig dauerte und das Zugabeklatschen immer leiser wurde. Ob die beiden ihre Instrumente nicht stimmen können oder da doch ein Hauch Hollywood durch die Brotfabrik schwebte, weiß ich nicht, ich fand die Situation enorm komisch aber auch wahnsinnig charmant.

Vielleicht wollte der Roadie aber auch sicher gehen, daß das schönste Lied der Band auch ja nicht schief klang, die erste Zugabe war nämlich Billie Holiday, und es war perfekt!

Warpaint werden vollkommen zurecht überall gelobt. Die Band hat einfach zu viel Substanz, um nur eine flüchtige Erscheinung zu sein. Standard für solche Bands mit überschaubarem Repertoire ist doch zum Beispiel, daß Konzerte gerade mal eine Dreiviertelstunde dauern. Warpaint hatten das Selbstvertrauen 70 Minuten auf der
Bühne zu stehen. Und sie haben natürlich auch das Songmaterial dafür. Fasziniert hat mich auch, daß trotz des eigentlich monotonen Grundsounds (hier: monoton=gut!) ein treibender Beat entstehen konnte, im Saal das Wippen immer mehr in Tanzen überging. Damit sind Warpaint, obwohl eigentlich vollkommen anders, machmal auch nicht weit weg von The xx, die sie bereits supportet haben.

Am Wochenende treten die Amerikanerinnen beim Rolling Stone Weekender auf. Es ist wohl nicht zu gewagt vorherzusagen, daß sie auch da mächtig beeindrucken werden...


Setlist Warpaint, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Bees
02: Stars
03: Composure
04: Undertow
05: Warpaint
06: Set your arms down
07: Beetles
08: Burgundy
09: Elephants

10: Billie Holiday (Z)
11: Majesty (Z)**


* wir machen hier zu wenig Indietratsch
** noch nicht endgültig kontrolliert. Mir scheint, es fehlt eines.


Warpaint, Frankfurt, 11.11.10


Konzert: Warpaint (& etwas Lokales vorher)
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 11.11.2010
Zuschauer: recht voll, allerdings nicht ausverkauft
Dauer: Warpaint 70 min


An Warpaint kommt man zur Zeit einfach nicht vorbei, zumindest in unserem musikalischen
Mikrokosmos. Mir ist durchaus bewußt, daß vermutlich höchstens ein, zwei Tausend Landsleute schon einmal von dieser Band gehört haben, in dieser Szene allerdings werden die Amerikanerinnen gerade enorm gehypt. Auch wenn ich mich nicht davon freisprechen kann, vielen dieser Hypes aus Neugierde Aufmerksamkeit zu widmen, liegt der Fall bei Warpaint anders, da ich die Kalifornierinnen im Mai im Rahmen der Nuits Botaniques in Brüssel im Vorprogramm von Wolf Parade gesehen und mich sofort unsterblich in ihre Musik verliebt hatte. Dabei waren wir damals spät dran und erlebten leider nur noch die letzten 2,5 Stücke der Band, aber Billie Holiday und Elephants hatten mich tief beeindruckt. Vor allem dieses Billie Holiday... so ein tolles Stück hatte ich seit The Organ oder deren Nachfolger Lovers Love Haters nicht mehr gehört. Alleine dieser Buchstabier-Anfang!

Ihr Konzert in Frankfurt war das dritte und letzte einer ersten Deutschland-Tour. Booker aus Köln hatten sich diese Perle entgehen lassen, also spielte Warpaint nur in
Berlin, Hamburg und Frankfurt. Als ich in der Brotfabrik ankam, spielte eine leider sehr belanglose örtliche Vorgruppe (Borgenine), bei der das einzig Erwähnenswerte war, daß Warpaint Bassistin Jenny Lee Lindberg im Publikum zusah.

Der Saal der Brotfabrik ist perfekt für Konzerte. Die Bühne ist breit, der Saal luftig, und er scheint nicht überbucht zu werden. Daß trotzdem die beiden einzigen Leute im Raum, die sich laut unterhalten wollten, immer wieder meine Nähe suchten, kann ich der Brotfabrik sicher nicht vorwerfen.

Die vier Musikerinnen hatten nichts von mondänem L.A. Style, als sie auf die Bühne kamen. Jenny Lee in der Mitte trug einen riesigen Jeans Overall, Gitarristin Emily
Kokal eine Jogginghose, die links stehende Theresa Wayman (auch Gitarre) ein Holzfällerhemd. Aber irgendwie ist ihre Musik ja genauso: unaufgeregt und alles andere als auf Effekte ausgerichtet.

Wie toll der reduzierte Sound funktioniert, merkte man sofort. Dezente Instrumentierung, dazu meist mehrstimmiger Gesang, der nicht immer laut aber jederzeit eindrucksvoll ist. Stars von der 2008er EP Exquisite Corpse, das als zweites gespielt wurde, war bisher in meinen Ohren nur eins von vielen schönen Liedern. Wie wundervoll das Stück ist, fiel mir erst live auf.

Erstaunlicherweise spielten die alten Lieder wie Stars eine größere Rolle als üblich, Warpaint hatten fünf der sechs Titel der EP im Programm. Aber das ist musikalisch vollkommen unwichtig, weil zwischen EP und Platte keinerlei Qualitätsunterschiede festzustellen sind.

Für eine junge Band schienen die Musikerinnen extrem vertraut mit dem zu sein,
was sie machen. Junge Band ist allerdings auch nicht ganz richtig, Warpaint existiert bereits seit 2004. Damals hatten sich Theresa und Emily, die sich in Oregon kennengelernt hatten, mit den beiden Schwestern Jenny Lee und Shannyn Sossamon (die später ausstieg, um sich aufs Schauspielern zu konzentrieren - sie spielt unter anderem alle drei Wochen die Lady Jocelyn in Ritter aus Leidenschaft im deutschen Fernsehen) getroffen und gemeinsam Musik gemacht. Obwohl einige Musiker kamen und gingen (u.a. Josh Klinghoffer von den Red Hot Chili Peppers, während Ex-Red Hot Dings Gitarrist und Theresas Exfreund* John Frusciante das Album produziert hat), bilden die drei Freundinnen das Grundgerüst der Band. Und das merkt man eben von A bis Z.

Nur einmal kam da doch die junge Band durch. Nachdem Warpaint ihr reguläres Set beendet hatten, kam ein Roadie und stimmte Theresas und Emilys Gitarren. Das war
insofern spektakulär, weil es ewig dauerte und das Zugabeklatschen immer leiser wurde. Ob die beiden ihre Instrumente nicht stimmen können oder da doch ein Hauch Hollywood durch die Brotfabrik schwebte, weiß ich nicht, ich fand die Situation enorm komisch aber auch wahnsinnig charmant.

Vielleicht wollte der Roadie aber auch sicher gehen, daß das schönste Lied der Band auch ja nicht schief klang, die erste Zugabe war nämlich Billie Holiday, und es war perfekt!

Warpaint werden vollkommen zurecht überall gelobt. Die Band hat einfach zu viel Substanz, um nur eine flüchtige Erscheinung zu sein. Standard für solche Bands mit überschaubarem Repertoire ist doch zum Beispiel, daß Konzerte gerade mal eine Dreiviertelstunde dauern. Warpaint hatten das Selbstvertrauen 70 Minuten auf der
Bühne zu stehen. Und sie haben natürlich auch das Songmaterial dafür. Fasziniert hat mich auch, daß trotz des eigentlich monotonen Grundsounds (hier: monoton=gut!) ein treibender Beat entstehen konnte, im Saal das Wippen immer mehr in Tanzen überging. Damit sind Warpaint, obwohl eigentlich vollkommen anders, machmal auch nicht weit weg von The xx, die sie bereits supportet haben.

Am Wochenende treten die Amerikanerinnen beim Rolling Stone Weekender auf. Es ist wohl nicht zu gewagt vorherzusagen, daß sie auch da mächtig beeindrucken werden...


Setlist Warpaint, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Bees
02: Stars
03: Composure
04: Undertow
05: Warpaint
06: Set your arms down
07: Beetles
08: Burgundy
09: Elephants

10: Billie Holiday (Z)
11: Majesty (Z)**


* wir machen hier zu wenig Indietratsch
** noch nicht endgültig kontrolliert. Mir scheint, es fehlt eines.


Diego, Frankfurt, 16.10.10


Konzert: Diego
Ort: Nachtleben, Frankfurt
Datum: 16.10.2010
Zuschauer: wenige (ca. 45)
Konzertdauer: ca. 80 Minuten


Neulich im Goldrausch

von Ursula von neulich als ich dachte

Diese Woche war alles wieder normal auf Frankfurter Bühnen: Für das Konzert von Diego im Nachtleben am Samstagabend gab es eine offizielle Einlass- und Anfangszeit (letztere eine Stunde später als erstere) und keine von beiden hatte etwas mit dem tatsächlichen Konzertbeginn zu tun. Der Auftritt der Karlsruher Band fing 45 Minuten später an als angekündigt, dafür war Fotografieren (und Biertrinken) auch wieder erlaubt.

Dennoch hatten sich im Nachtleben nur ca. 45 Zuschauer eingefunden, dabei haben Diego mittlerweile zwei in der Presse gelobte Alben veröffentlicht, und der Eintritt war mit 10 EUR an der Abendkasse auch sehr moderat. Stylten sich die Frankfurter etwa alle für die „Nacht der Maschinen“ in der Batschkapp?

So blieben die ersten drei bis vier „Reihen“ des Nachtlebens leer. Die Band forderte das Publikum auch nicht dazu auf, näher zu treten, weshalb der relativ große Abstand bestehen blieb und der Funke nicht so richtig überspringen konnte, während das empfehlenswerte Album Gold komplett vorgestellt wurde.

Einen schweren Abend hatte Schlagzeuger Christian, der sowohl mit einem steifen Nacken zu kämpfen hatte – so etwas sollte man übrigens unbedingt warm halten und somit keineswegs oben ohne auftreten! – als auch mit technischen Problemen konfrontiert wurde. Bei einer unfreiwilligen Pause murmelte er bei eiligen Reparaturarbeiten, dass „das wichtigste Teil fehle“ und zwang somit Sänger Andreas, die Unterbrechung zu überbrücken. Dessen peinlich berührte Aufforderung, ob es im Publikum vielleicht Fragen an die Band gebe, war dabei um einiges lustiger als der darauf folgende Witz über zwei Auto fahrende Vampire mit Fahrrädern auf dem Dachgepäckträger, die von der Polizei gestoppt und gefragt werden, ob sie etwas getrunken haben (Antwort: Zwei Radler).

Über Fußball wollte er dagegen nicht sprechen, und so erfuhren wir nicht, ob sich die Band nun nach dem ehemaligen Bremer Diego oder nach Diego Maradona benannt hat. Immerhin das Internet konnte uns später in diesem Punkt weiter helfen.

Offen blieb aber auch die ungestellte Frage, ob Diego nun eher wie Interpol klingen (findet Ursula) oder wie die Editors (Dirk). Vielleicht richten sie sich ja auch einfach nach dem großen Vorbild Joy Division.

Wir waren dann relativ froh, dass Andreas keine weiteren Witze zu kennen schien, und die Band mit repariertem Schlagzeug zwei ihrer größten Hits, Grizzly Bear und September March, spielte.

Von der nicht allzu großen Originalität der „Musikrichtung“ abgesehen, muss man aber feststellen, dass Diego als sehr junge Band zwei Alben herausgebracht haben, die sich gegenüber den internationalen Vorbildern nicht verstecken müssen, und diese auch live sehr gut darbieten können. Etwas schade war neben der geringen Zuschauerzahl lediglich die relative Wortkargheit der Bandmitglieder, zum Beispiel vermieden sie „Konzert-Standards“ wie die Vorstellung der Bandmitglieder oder den Hinweis auf den Merchandise-Stand. Nachdem Frankfurt aber nach dem Heimspiel Karlsruhe erst der zweite Termin der Tournee war, arbeiten die Bandmitglieder vielleicht noch an ihrer Lockerheit (nicht nur im Nacken).

Setlist Diego, Nachtleben, Frankfurt:


01: The Distance In Between Us
02: Echoes
03: Lucy
04: Connected
05: Grizzly Bear
06: September March
07: Fan City
08: King of Castle
09: Galama
10: A Lot Like You
11: Vienna
12: Metz
13: She Is

14: Misery Loves Company (?) (Z)
15: Smokie Eyes
16: Me vs. Music


Diego, Frankfurt, 16.10.10


Konzert: Diego
Ort: Nachtleben, Frankfurt
Datum: 16.10.2010
Zuschauer: wenige (ca. 45)
Konzertdauer: ca. 80 Minuten


Neulich im Goldrausch

von Ursula von neulich als ich dachte

Diese Woche war alles wieder normal auf Frankfurter Bühnen: Für das Konzert von Diego im Nachtleben am Samstagabend gab es eine offizielle Einlass- und Anfangszeit (letztere eine Stunde später als erstere) und keine von beiden hatte etwas mit dem tatsächlichen Konzertbeginn zu tun. Der Auftritt der Karlsruher Band fing 45 Minuten später an als angekündigt, dafür war Fotografieren (und Biertrinken) auch wieder erlaubt.

Dennoch hatten sich im Nachtleben nur ca. 45 Zuschauer eingefunden, dabei haben Diego mittlerweile zwei in der Presse gelobte Alben veröffentlicht, und der Eintritt war mit 10 EUR an der Abendkasse auch sehr moderat. Stylten sich die Frankfurter etwa alle für die „Nacht der Maschinen“ in der Batschkapp?

So blieben die ersten drei bis vier „Reihen“ des Nachtlebens leer. Die Band forderte das Publikum auch nicht dazu auf, näher zu treten, weshalb der relativ große Abstand bestehen blieb und der Funke nicht so richtig überspringen konnte, während das empfehlenswerte Album Gold komplett vorgestellt wurde.

Einen schweren Abend hatte Schlagzeuger Christian, der sowohl mit einem steifen Nacken zu kämpfen hatte – so etwas sollte man übrigens unbedingt warm halten und somit keineswegs oben ohne auftreten! – als auch mit technischen Problemen konfrontiert wurde. Bei einer unfreiwilligen Pause murmelte er bei eiligen Reparaturarbeiten, dass „das wichtigste Teil fehle“ und zwang somit Sänger Andreas, die Unterbrechung zu überbrücken. Dessen peinlich berührte Aufforderung, ob es im Publikum vielleicht Fragen an die Band gebe, war dabei um einiges lustiger als der darauf folgende Witz über zwei Auto fahrende Vampire mit Fahrrädern auf dem Dachgepäckträger, die von der Polizei gestoppt und gefragt werden, ob sie etwas getrunken haben (Antwort: Zwei Radler).

Über Fußball wollte er dagegen nicht sprechen, und so erfuhren wir nicht, ob sich die Band nun nach dem ehemaligen Bremer Diego oder nach Diego Maradona benannt hat. Immerhin das Internet konnte uns später in diesem Punkt weiter helfen.

Offen blieb aber auch die ungestellte Frage, ob Diego nun eher wie Interpol klingen (findet Ursula) oder wie die Editors (Dirk). Vielleicht richten sie sich ja auch einfach nach dem großen Vorbild Joy Division.

Wir waren dann relativ froh, dass Andreas keine weiteren Witze zu kennen schien, und die Band mit repariertem Schlagzeug zwei ihrer größten Hits, Grizzly Bear und September March, spielte.

Von der nicht allzu großen Originalität der „Musikrichtung“ abgesehen, muss man aber feststellen, dass Diego als sehr junge Band zwei Alben herausgebracht haben, die sich gegenüber den internationalen Vorbildern nicht verstecken müssen, und diese auch live sehr gut darbieten können. Etwas schade war neben der geringen Zuschauerzahl lediglich die relative Wortkargheit der Bandmitglieder, zum Beispiel vermieden sie „Konzert-Standards“ wie die Vorstellung der Bandmitglieder oder den Hinweis auf den Merchandise-Stand. Nachdem Frankfurt aber nach dem Heimspiel Karlsruhe erst der zweite Termin der Tournee war, arbeiten die Bandmitglieder vielleicht noch an ihrer Lockerheit (nicht nur im Nacken).

Setlist Diego, Nachtleben, Frankfurt:


01: The Distance In Between Us
02: Echoes
03: Lucy
04: Connected
05: Grizzly Bear
06: September March
07: Fan City
08: King of Castle
09: Galama
10: A Lot Like You
11: Vienna
12: Metz
13: She Is

14: Misery Loves Company (?) (Z)
15: Smokie Eyes
16: Me vs. Music


Erdmöbel, Frankfurt, 10.10.10


Konzert: Erdmöbel
Ort: Schauspielhaus Frankfurt
Datum: 10.10.2010


Neulich bei Erdmöbel unterm eisernen Vorhang

von Ursula von neulich als ich dachte

Erdmöbel sind zwar mittlerweile eine Band, die im Feuilleton der FAZ (positive) Erwähnung findet, dennoch ist ein Konzert im Schauspielhaus Frankfurt für die Band aus Köln eine große Nummer – bei der letzten Tournee war man noch im winzigen Nachtleben aufgetreten, demgegenüber stellt das 680 Zuschauer fassende Schauspiel einen gewaltigen Sprung dar.

Doch nicht nur die Saalgröße ist bei diesem Konzert anders als gewohnt, auch die Gepflogenheiten des sonst auf ernstere Veranstaltungen spezialisierten Personals sind für uns versierte Popmusik-Konzertgänger überraschend: Nach kurzer Wartezeit auf die an der Kasse hinterlegten Karten erreichen wir den eigentlichen Saal gegen 19:35 und sind gespannt, ob die auf die Karten aufgedruckte Zeit „19:30“ nun den Einlass oder den Beginn meint. Tatsächlich wird uns mitgeteilt, dass das Konzert nun bereits angefangen habe, und die zahlreichen Zuspätkommer werden erst nach Aufforderung grüppchenweise in den Saal gelassen, noch dazu mit dem Hinweis, man solle es unterlassen, über sitzende Gäste zu steigen, sondern gegebenenfalls statt dem gebuchten einen anderen Platz wählen. Fotografieren darf man auch nicht, worauf man auch während des Konzertes freundlich hingewiesen wird.

So spielt die schick in Anzüge gekleidete Band auf der schlicht mit der Kamera von Plattencover dekorierten Bühne bei unserem Eintreten bereits Arbeiten, und ein Blick ins Publikum um uns herum bestätigt uns, dass der Zuschauerraum nur etwa zu einem Drittel mit meist älteren Fans gefüllt ist. Die Stimmung ist trotzdem gut, und Sänger Markus Berges erklärt, dass es sich um das erste Konzert der soeben begonnenen Tournee zum neuen Album Krokus handelt. Und so werden auch 12 der 13 Titel des Albums gespielt, als einziges altes Lied in der ersten Stunde bildet Genau wie ich mir es wünsche mit 77ste Liebe einen Mini-Themenblock zum Thema Heiraten.

Bei Wort ist das falsche Wort erklärt dann Ekki, es handele sich um sein Lieblingslied des neuen Albums, er verstehe es aber nicht. Markus, der den Text geschrieben hat, behauptet darauf, dass er ihn ebenfalls nicht verstehe.

Erst im letzten Drittel des Konzertes setzen Erdmöbel auf ältere Songs, so dass sich das begeisterte Publikum aus seinen Sitzen erhebt und die letzte halbe Stunde stehend, klatschend und mitsingend erlebt. Auch die Aussage von Markus, dass Äppler, den sie nach dem Konzert probieren wollen, ja nicht wirklich verträglich sei, verzeiht das Publikum der Band.

Zwischendurch gibt es auch einen kleinen Werbeblock für Markus‘ Roman „Ein langer Brief an September Nowak“, den man am Merchandise-Stand kaufen kann (und soll). Markus erklärt dazu, dass er auf der Buchmesse vor etwa 15 Leuten daraus gelesen habe, woraus Ekki meint, zwei davon seien jetzt anwesend. Markus hält das für eine Schätzung, Ekki erklärt aber „Doch, ich seh‘ sie!“ Für das Publikum bleibt unklar, ob Ekki bei der Lesung dabei war oder einfach gerne stalkt ...

Auch das Publikum wird schließlich in die Musik eingebunden: Jeder bekommt eine attraktive Streichholzschachtel im Krokus-Design (die außerdem an das Cover von Altes Gasthaus Love erinnern), und alle sollen damit als „Rhythmusmaschine Frankfurt“ zu Sunrise mitrascheln. Dabei schwebt die Band in Lebensgefahr, denn die anwesende Feuerwehr hat angeblich angekündigt, beim Anzünden eines einzigen der „verdammten Streichhölzer“ sofort den für Brandkatastrophen vorgesehenen eisernen Vorhang der Bühne herunterrasseln zu lassen – egal, wer gerade darunter steht.

Offensichtlich rascheln wir ausreichend gut und singen bei Nahe bei dir auch überzeugend genug mit, denn es gibt noch zwei Zugaben und als Allerletztes schließlich das bereits 1995 aufgenommene Das Leben ist trivial – den Abschluss eines eher aus brandneuen Liedern zusammen gestellten Abends bildet also etwas richtig Altes.

Setlist Erdmöbel, Schauspielhaus Frankfurt:

- Arbeiten
- Ausstellung über das Glück
- Fremdes
- Emma
- 77ste Liebe
- Genau wie ich es mir wünsche
- Dawai, Dawai
- Krokusse
- Wort ist das falsche Wort
- Brasilia
- Erster Erster
- Snoopy T-Shirt
- Vergnügungslokal mit Weinzwang
- Das Beste von Osten
- In den Schuhen von Audrey Hepburn
- Das Leben ist schön
- Nah bei dir (Cover von "Close to You")

- Die Devise der Sterne (Z)
- Dreierbahn (Z)
- Sunrise (Z)

- Das Leben ist trivial (Z)

Tourdaten Erdmöbel:

15.10.2010 Braunschweig, Staatstheater
16.10.2010 Magdeburg, Moritzhof
19.10.2010 München, Ampere
20.10.2010 Dresden, Beatpol
22.10.2010 Hamburg, Übel&Gefährlich
23.10.2010 Köln, Gloria
29.10.2010 Wuppertal, Schauspielhaus

Erdmöbel, Frankfurt, 10.10.10


Konzert: Erdmöbel
Ort: Schauspielhaus Frankfurt
Datum: 10.10.2010


Neulich bei Erdmöbel unterm eisernen Vorhang

von Ursula von neulich als ich dachte

Erdmöbel sind zwar mittlerweile eine Band, die im Feuilleton der FAZ (positive) Erwähnung findet, dennoch ist ein Konzert im Schauspielhaus Frankfurt für die Band aus Köln eine große Nummer – bei der letzten Tournee war man noch im winzigen Nachtleben aufgetreten, demgegenüber stellt das 680 Zuschauer fassende Schauspiel einen gewaltigen Sprung dar.

Doch nicht nur die Saalgröße ist bei diesem Konzert anders als gewohnt, auch die Gepflogenheiten des sonst auf ernstere Veranstaltungen spezialisierten Personals sind für uns versierte Popmusik-Konzertgänger überraschend: Nach kurzer Wartezeit auf die an der Kasse hinterlegten Karten erreichen wir den eigentlichen Saal gegen 19:35 und sind gespannt, ob die auf die Karten aufgedruckte Zeit „19:30“ nun den Einlass oder den Beginn meint. Tatsächlich wird uns mitgeteilt, dass das Konzert nun bereits angefangen habe, und die zahlreichen Zuspätkommer werden erst nach Aufforderung grüppchenweise in den Saal gelassen, noch dazu mit dem Hinweis, man solle es unterlassen, über sitzende Gäste zu steigen, sondern gegebenenfalls statt dem gebuchten einen anderen Platz wählen. Fotografieren darf man auch nicht, worauf man auch während des Konzertes freundlich hingewiesen wird.

So spielt die schick in Anzüge gekleidete Band auf der schlicht mit der Kamera von Plattencover dekorierten Bühne bei unserem Eintreten bereits Arbeiten, und ein Blick ins Publikum um uns herum bestätigt uns, dass der Zuschauerraum nur etwa zu einem Drittel mit meist älteren Fans gefüllt ist. Die Stimmung ist trotzdem gut, und Sänger Markus Berges erklärt, dass es sich um das erste Konzert der soeben begonnenen Tournee zum neuen Album Krokus handelt. Und so werden auch 12 der 13 Titel des Albums gespielt, als einziges altes Lied in der ersten Stunde bildet Genau wie ich mir es wünsche mit 77ste Liebe einen Mini-Themenblock zum Thema Heiraten.

Bei Wort ist das falsche Wort erklärt dann Ekki, es handele sich um sein Lieblingslied des neuen Albums, er verstehe es aber nicht. Markus, der den Text geschrieben hat, behauptet darauf, dass er ihn ebenfalls nicht verstehe.

Erst im letzten Drittel des Konzertes setzen Erdmöbel auf ältere Songs, so dass sich das begeisterte Publikum aus seinen Sitzen erhebt und die letzte halbe Stunde stehend, klatschend und mitsingend erlebt. Auch die Aussage von Markus, dass Äppler, den sie nach dem Konzert probieren wollen, ja nicht wirklich verträglich sei, verzeiht das Publikum der Band.

Zwischendurch gibt es auch einen kleinen Werbeblock für Markus‘ Roman „Ein langer Brief an September Nowak“, den man am Merchandise-Stand kaufen kann (und soll). Markus erklärt dazu, dass er auf der Buchmesse vor etwa 15 Leuten daraus gelesen habe, woraus Ekki meint, zwei davon seien jetzt anwesend. Markus hält das für eine Schätzung, Ekki erklärt aber „Doch, ich seh‘ sie!“ Für das Publikum bleibt unklar, ob Ekki bei der Lesung dabei war oder einfach gerne stalkt ...

Auch das Publikum wird schließlich in die Musik eingebunden: Jeder bekommt eine attraktive Streichholzschachtel im Krokus-Design (die außerdem an das Cover von Altes Gasthaus Love erinnern), und alle sollen damit als „Rhythmusmaschine Frankfurt“ zu Sunrise mitrascheln. Dabei schwebt die Band in Lebensgefahr, denn die anwesende Feuerwehr hat angeblich angekündigt, beim Anzünden eines einzigen der „verdammten Streichhölzer“ sofort den für Brandkatastrophen vorgesehenen eisernen Vorhang der Bühne herunterrasseln zu lassen – egal, wer gerade darunter steht.

Offensichtlich rascheln wir ausreichend gut und singen bei Nahe bei dir auch überzeugend genug mit, denn es gibt noch zwei Zugaben und als Allerletztes schließlich das bereits 1995 aufgenommene Das Leben ist trivial – den Abschluss eines eher aus brandneuen Liedern zusammen gestellten Abends bildet also etwas richtig Altes.

Setlist Erdmöbel, Schauspielhaus Frankfurt:

- Arbeiten
- Ausstellung über das Glück
- Fremdes
- Emma
- 77ste Liebe
- Genau wie ich es mir wünsche
- Dawai, Dawai
- Krokusse
- Wort ist das falsche Wort
- Brasilia
- Erster Erster
- Snoopy T-Shirt
- Vergnügungslokal mit Weinzwang
- Das Beste von Osten
- In den Schuhen von Audrey Hepburn
- Das Leben ist schön
- Nah bei dir (Cover von "Close to You")

- Die Devise der Sterne (Z)
- Dreierbahn (Z)
- Sunrise (Z)

- Das Leben ist trivial (Z)

Tourdaten Erdmöbel:

15.10.2010 Braunschweig, Staatstheater
16.10.2010 Magdeburg, Moritzhof
19.10.2010 München, Ampere
20.10.2010 Dresden, Beatpol
22.10.2010 Hamburg, Übel&Gefährlich
23.10.2010 Köln, Gloria
29.10.2010 Wuppertal, Schauspielhaus

Pete & The Pirates, Frankfurt, 05.09.10


Konzert: Pete & The Pirates
Ort: Yellowstage Tonstudio, Frankfurt
Datum: 05.09.2010
Zuschauer: knapp 80
Dauer: 70 min


Heute abend lief der letzte Frankfurter Tatort mit Andrea Sawatzki - oder in der gleichen Stadt ein Konzert mit einer von mir sehr geschätzten, allgemein aber wenig wahrgenommenen Band.

Auch wenn es sicher nicht die letzte Chance war, Pete & The Pirates live zu sehen, versprach der Auftritt der Band aus Reading den spannenderen Abend.

Vom Yellowstage Tonstudio hatte ich bisher nur gehört (u.a. hier), selbst da war ich noch nicht. Das Studio gehört zum Frankfurter Label Hazelwood Vinyl Plastics, bei dem ausgezeichnete Künstler wie The Broken Beats oder The Miserable Rich veröffentlichen. Es liegt in Rödelheim, das ich - das liegt auf der Hand - musikalisch bisher nur am Rande wahrgenommen habe (um Sabrina Setlur zu zitieren: "in meiner Kindheit gab es kein Ghetto")1.

Wir waren gegen halb neun da und fanden unseren Weg durch einige lange Gänge des Industriebaus dank der vielen Pete & The Pirates Schilder leicht ins Studio. Für ein Tonstudio wirkte der Raum mit den Backsteinmauern komisch geformt. Zumindest hatte ich bisher andere Vorstellungen. Da ich allerdings vom Musikaufnehmen überhaupt keine Ahnung habe, sind meine Vorstellungen reichlich egal.

Kurz nach neun begann eine heimische Vorgruppe, Rokoko aus Wiesbaden. Bei der fünfköpfigen Band, die auf deutsch sang, gefielen mir die Melodien und die Instrumentierung gut; das passte durchaus zur späteren Hauptgruppe und war gut ausgewählt. Der Gesang packte mich aber nicht, daher war ich wenig aufmerksam. Die spannendste Beschäftigung während des Auftritts war dann die Frage, wer der fünf Musiker gestern nichts getrunken hatte, denn der Sänger der Band hatte berichtet, 80% hätten einen Kater. Ich hielt erst den Keyboarder, dann aber den rechten Gitarristen (mit ironischem Schnauzbart) für den nicht-Trinker. Vor lauter spannendem Grübeln, hätte ich fast verpasst, daß es eine Zugabe der Wiesbadener gab. Dabei fragte ich mich dann, ob es spießig von mir ist, Zugaben von örtlichen Vorgruppen unangemessen zu finden, weil sie die Demut vor der eigentlichen Band des Abends ebenso missen lassen, wie das offensichtliche Nicht-Kennen des Hauptacts.

Es war also schon spät geworden, als die Hauptgruppe ihren Umbau machte. Wenn ich mich recht entsinne, war die Besetzung von Pete & The Pirates noch dieselbe wie bei meinen ersten Konzerten der Band. Auch die Engländer treten zu fünft auf. Neben den beiden Peters (Hefferan, Gitarre und Gesang und Cattermoul, Bass) sind dies Sänger Thomas Sanders, Gitarrist David Thorpe und Schlagzeuger Jonny Sanders.

Gegen 22.15 h begannen die Engländer ihr Set mit Bright lights von ihrem tollen 2008er Debütalbum Little death. Und auch nachdem ich mit einem recht aktuellen Maccabees-Konzert die artverwandten Musiker noch recht frisch im Ohr hatte, kamen mir Pete & The Pirates absolut nicht wie ein Abklatsch vor. Die Lieder mit ihren vielen Melodiebrüchen, überhaupt das Melodieverliebte der Musik, die Wechsel zwischen leisen und lauten Passagen und die teils mehrstimmigen Gesänge verbinden beide Bands, gar keine Frage. Pete & The Pirates sind aber trotzdem sehr eigenständig und unbedingt hörenswert! Sprich: ich mochte den Auftaktsong schon sehr!

Es folgten (halb)neue Stücke.
Things that go bump in the night (oder Things that go bump?) und Motorbike sind schon lange im Repertoire der Band, sind bisher aber unveröffentlicht. Da die Band gerade an ihrer zweiten Platte arbeitet, werden diese Stücke wohl darauf erscheinen.

In die gleiche Kategorie gehörten Cold black kitty, Can't fish, Washing powder, Little gun und United, die die Band zum Teil schon 2008 und 2009 gespielt hat. Ganz neu für mich war eines der schönsten Stücke des Abends,
Half Moon Street, das von Thomas Sanders' anderer Band Tap Tap stammt.

Der Sänger stand überhaupt mehr im Mittelpunkt, als ich das in Erinnerung hatte. Durch seinen ungewöhnlichen Singstil fällt Thomas immer auf. Er macht das Mikro oft los, nimmt es in beide Hände, hält es recht weit von Körper weg und wandert während des Singens (und singt dabei erstaunlich sauber). Ich rätsele immer noch, an wen er mich damit erinnert (Morrissey? The Twang? Die Housemartins?). In meiner Erinnerung hatte Co-Sänger Peter Hefferan viel größere Gesangsanteile. Heute war ganz deutlich Thomas der Sänger, Peter und Jonny sangen Zweit- oder Drittstimme.

Vermutlich täuschte mich mein Gedächtnis, denn musikalisch war der Abend keinen Deut schlechter als mein erstes Konzert der Band in Köln 2008. Wie auch bei Liedern wie Jennifer, Blood gets thin (dieser lustige Rock Lobster Rhythmus!), She doesn't belong to me, Mr. Unterstanding oder Come on feet?

Nach Rokoko hatte ich Bedenken, daß viele der enthusiastischen Klatscher Freunde der Rheinhessen wären, die anschließend nach der Vorgruppe gehen würden. Auch die Einschätzung war Unsinn, die Stimmung während der Piratenfreunde war hervorragend, für die Band vielleicht zu gut. Denn auch nach den beiden eingeplanten Zugaben hatten die Zuschauer nicht genug. Nach ewig langer Zeit kam die sichtlich verunsicherte Band zurück, erklärte, man komme niemals noch ein zweites Mal raus, spielte aber trotzdem mit Wrong man und Not a friend zwei weitere Stücke - pannenfrei.

Für mich bot der Abend allerlei Erkenntnisse: Konzerte sind Fernsehkrimis immer vorzuziehen, das Yellowstage ist trotz der Raucherlaubnis eine echte Konzertsaalbereicherung und Pete & The Pirates sind eine ausgezeichnete Band, nur leider viel zu wenig bekannt. Aber das wusste ich ja schon vorher.


Setlist Pete & The Pirates, Yellowstage, Frankfurt:

01: Bright lights
02: Things that go bump in the night
03: Motorbike
04: She doesn't belong to me
05: Can't fish
06: Cold black kitty
07: Lost in the woods
08: Jennifer
09: Half Moon Street (Tap Tap "Cover")
10: Knots
11: United
12: Washing powder
13: Little gun
14: Mr. Understanding
15: Blood gets thin

16: Eyes like tar (Z)
17: Come on feet (Z)

18: Wrong man (?) (Z)
19: Not a friend (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pete & The Pirates, Luxemburg (Support Maximo Park), 19.10.09
- Pete & The Pirates, Köln, 26.09.08
- Pete & The Pirates, Paris, 18.03.08
- unser Interview mit Pete & The Pirates


1 bei Harald Schmidt vor vielen Jahren

Fotos folgen!



Pete & The Pirates, Frankfurt, 05.09.10


Konzert: Pete & The Pirates
Ort: Yellowstage Tonstudio, Frankfurt
Datum: 05.09.2010
Zuschauer: knapp 80
Dauer: 70 min


Heute abend lief der letzte Frankfurter Tatort mit Andrea Sawatzki - oder in der gleichen Stadt ein Konzert mit einer von mir sehr geschätzten, allgemein aber wenig wahrgenommenen Band.

Auch wenn es sicher nicht die letzte Chance war, Pete & The Pirates live zu sehen, versprach der Auftritt der Band aus Reading den spannenderen Abend.

Vom Yellowstage Tonstudio hatte ich bisher nur gehört (u.a. hier), selbst da war ich noch nicht. Das Studio gehört zum Frankfurter Label Hazelwood Vinyl Plastics, bei dem ausgezeichnete Künstler wie The Broken Beats oder The Miserable Rich veröffentlichen. Es liegt in Rödelheim, das ich - das liegt auf der Hand - musikalisch bisher nur am Rande wahrgenommen habe (um Sabrina Setlur zu zitieren: "in meiner Kindheit gab es kein Ghetto")1.

Wir waren gegen halb neun da und fanden unseren Weg durch einige lange Gänge des Industriebaus dank der vielen Pete & The Pirates Schilder leicht ins Studio. Für ein Tonstudio wirkte der Raum mit den Backsteinmauern komisch geformt. Zumindest hatte ich bisher andere Vorstellungen. Da ich allerdings vom Musikaufnehmen überhaupt keine Ahnung habe, sind meine Vorstellungen reichlich egal.

Kurz nach neun begann eine heimische Vorgruppe, Rokoko aus Wiesbaden. Bei der fünfköpfigen Band, die auf deutsch sang, gefielen mir die Melodien und die Instrumentierung gut; das passte durchaus zur späteren Hauptgruppe und war gut ausgewählt. Der Gesang packte mich aber nicht, daher war ich wenig aufmerksam. Die spannendste Beschäftigung während des Auftritts war dann die Frage, wer der fünf Musiker gestern nichts getrunken hatte, denn der Sänger der Band hatte berichtet, 80% hätten einen Kater. Ich hielt erst den Keyboarder, dann aber den rechten Gitarristen (mit ironischem Schnauzbart) für den nicht-Trinker. Vor lauter spannendem Grübeln, hätte ich fast verpasst, daß es eine Zugabe der Wiesbadener gab. Dabei fragte ich mich dann, ob es spießig von mir ist, Zugaben von örtlichen Vorgruppen unangemessen zu finden, weil sie die Demut vor der eigentlichen Band des Abends ebenso missen lassen, wie das offensichtliche Nicht-Kennen des Hauptacts.

Es war also schon spät geworden, als die Hauptgruppe ihren Umbau machte. Wenn ich mich recht entsinne, war die Besetzung von Pete & The Pirates noch dieselbe wie bei meinen ersten Konzerten der Band. Auch die Engländer treten zu fünft auf. Neben den beiden Peters (Hefferan, Gitarre und Gesang und Cattermoul, Bass) sind dies Sänger Thomas Sanders, Gitarrist David Thorpe und Schlagzeuger Jonny Sanders.

Gegen 22.15 h begannen die Engländer ihr Set mit Bright lights von ihrem tollen 2008er Debütalbum Little death. Und auch nachdem ich mit einem recht aktuellen Maccabees-Konzert die artverwandten Musiker noch recht frisch im Ohr hatte, kamen mir Pete & The Pirates absolut nicht wie ein Abklatsch vor. Die Lieder mit ihren vielen Melodiebrüchen, überhaupt das Melodieverliebte der Musik, die Wechsel zwischen leisen und lauten Passagen und die teils mehrstimmigen Gesänge verbinden beide Bands, gar keine Frage. Pete & The Pirates sind aber trotzdem sehr eigenständig und unbedingt hörenswert! Sprich: ich mochte den Auftaktsong schon sehr!

Es folgten (halb)neue Stücke.
Things that go bump in the night (oder Things that go bump?) und Motorbike sind schon lange im Repertoire der Band, sind bisher aber unveröffentlicht. Da die Band gerade an ihrer zweiten Platte arbeitet, werden diese Stücke wohl darauf erscheinen.

In die gleiche Kategorie gehörten Cold black kitty, Can't fish, Washing powder, Little gun und United, die die Band zum Teil schon 2008 und 2009 gespielt hat. Ganz neu für mich war eines der schönsten Stücke des Abends,
Half Moon Street, das von Thomas Sanders' anderer Band Tap Tap stammt.

Der Sänger stand überhaupt mehr im Mittelpunkt, als ich das in Erinnerung hatte. Durch seinen ungewöhnlichen Singstil fällt Thomas immer auf. Er macht das Mikro oft los, nimmt es in beide Hände, hält es recht weit von Körper weg und wandert während des Singens (und singt dabei erstaunlich sauber). Ich rätsele immer noch, an wen er mich damit erinnert (Morrissey? The Twang? Die Housemartins?). In meiner Erinnerung hatte Co-Sänger Peter Hefferan viel größere Gesangsanteile. Heute war ganz deutlich Thomas der Sänger, Peter und Jonny sangen Zweit- oder Drittstimme.

Vermutlich täuschte mich mein Gedächtnis, denn musikalisch war der Abend keinen Deut schlechter als mein erstes Konzert der Band in Köln 2008. Wie auch bei Liedern wie Jennifer, Blood gets thin (dieser lustige Rock Lobster Rhythmus!), She doesn't belong to me, Mr. Unterstanding oder Come on feet?

Nach Rokoko hatte ich Bedenken, daß viele der enthusiastischen Klatscher Freunde der Rheinhessen wären, die anschließend nach der Vorgruppe gehen würden. Auch die Einschätzung war Unsinn, die Stimmung während der Piratenfreunde war hervorragend, für die Band vielleicht zu gut. Denn auch nach den beiden eingeplanten Zugaben hatten die Zuschauer nicht genug. Nach ewig langer Zeit kam die sichtlich verunsicherte Band zurück, erklärte, man komme niemals noch ein zweites Mal raus, spielte aber trotzdem mit Wrong man und Not a friend zwei weitere Stücke - pannenfrei.

Für mich bot der Abend allerlei Erkenntnisse: Konzerte sind Fernsehkrimis immer vorzuziehen, das Yellowstage ist trotz der Raucherlaubnis eine echte Konzertsaalbereicherung und Pete & The Pirates sind eine ausgezeichnete Band, nur leider viel zu wenig bekannt. Aber das wusste ich ja schon vorher.


Setlist Pete & The Pirates, Yellowstage, Frankfurt:

01: Bright lights
02: Things that go bump in the night
03: Motorbike
04: She doesn't belong to me
05: Can't fish
06: Cold black kitty
07: Lost in the woods
08: Jennifer
09: Half Moon Street (Tap Tap "Cover")
10: Knots
11: United
12: Washing powder
13: Little gun
14: Mr. Understanding
15: Blood gets thin

16: Eyes like tar (Z)
17: Come on feet (Z)

18: Wrong man (?) (Z)
19: Not a friend (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pete & The Pirates, Luxemburg (Support Maximo Park), 19.10.09
- Pete & The Pirates, Köln, 26.09.08
- Pete & The Pirates, Paris, 18.03.08
- unser Interview mit Pete & The Pirates


1 bei Harald Schmidt vor vielen Jahren

Fotos folgen!



Shearwater, Frankfurt, 06.08.10


Konzert: Shearwater (Nils Frahm)

Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 06.08.2010
Zuschauer: etwa 120
Konzertdauer: Nils Frahm 35 Minuten, Shearwater 60-70 Minuten


Als wir gegen Viertel vor neun vor dem Frankfurter Indieclub Das Bett aufkreuzen, stehen wir vor verschlossenen Türen. Ein kleiner weißer (nein nicht der mit den Klopapier-Ersatzrollen!) Zettel am runtergelassenen Rollladen liefert die Erklärung: Einlass heute um 21 Uhr. Zu früh gekommen! So etwas passiert mir in meinem heimischen Konzertjagdrevier in Paris nie. Aber ich bin nun einmal mit meinem für seine Pünktlichkeit bekannten Bloggerfreud Christoph unterwegs und da wird keine Minute verpasst. Von Verpassen kann aber ohnehin nicht die Rede sein, denn bevor es mit dem jungen Berliner Pianisten Nils Frahm losgeht, vergehen quälend lange 70 Minuten. Um 21 Uhr hatte der Clubchef pünktlich den Rollladen hochgelassen und danach war erst einmal Dauerbeschallung durch die aktuelle Beach House CD Teen Love angesagt. Als die Scheibe zum dritten Mal durchläuft, würde ich am liebsten Amok laufen, denn der eiernde Orgelsound hängt mir bis zum geht nicht mehr zum Halse raus. Irgendwann ist die Qual zu Ende und Nils Frahm setzt sich hinter sein vor der Bühne aufgebautes Piano. Sein Spiel ist anmutig, traumversunken, hochmelancholisch. Es ist ein Genuss ihm zuzuhören. Das hinter und vor ihm stehende Publikum dankt es ihm durch vorbildliche Stille und applaudiert auch angemessen lang. Frahm selbst spricht scheinbar überrascht vom längsten Applaus, den er auf der Tour mit Shearwater bekommen hat. Seine Bescheidenheit macht ihn sympathisch, aber er muss sich wirklich nicht verstecken, denn er hat jede Menge Talent und sein rein instrumentales Set , das aus Stücken (insgesamt vier) von Wintermusik und Bells besteht, passt atmosphärisch auch gut zum Headliner des heutigen Abends.

Shearwater bequemen sich schließlich erst nach 23 Uhr auf die Bühne. Fünf amerikanische Musiker mit dem hochaufgeschossenen Sänger, Gitarristen und Pianisten Jonathan Meiburg an der Spitze und der schönbeinigen Bassistin Kimberley Burke als optisches Highlight. Natürlich hat sie mehr zu bieten als nur tadellose Beine und ein entzückendes Lächeln. Ihr graziles Baßspiel (mal gezupft, mal gestrichen) ist hochfein und ich kann meine Augen nicht von ihr lassen. Ihr friedlicher, verträumter Blick hätte allein schon das Kommen gerechtfertigt (am Ende habe ich ungefähr 400 Fotos von ihr, ...ähem, ja). Klarer Chef von Shearwater ist aber Jonathan, der wie immer mit seiner von zarten Anmut zur heroischen Stürmigkeit wechselnden Stimme begeistert. Sein anrührender Falsettgesang ist schlicht und einfach sensationell! Auch seine Mimik zu beobachten lohnt sich. Wenn er in den rockigen Passagen alle Zügel losläßt (der Kerl kommt aus dem Pferdeland Texas!) und den Mund wie ein angriffslustiger Löwe aufreißt, bleibt kein Auge trocken. Auch die anderen drei Musiker agieren effizient und hochklassig, fallen aber abgesehen von dem lustig frisierten Drummer mit dem Mickey Mouse T-Shirt nicht sonderlich auf. Letztgenannter hat gegen Ende seinen großen Auftritt, als er am vorderen rechten Bühnenrand zusammen mit Kimberley um die Wette klöppelt und dem Glockenspiel wahre Wohlklänge entlockt. Witziger als diese Szene ist aber eine Passage, in der er auf der Bühne nicht gebraucht wird, sich in aller Seelenruhe eine Flasche Bier holt und sich seitlich neben Kimberley kauert, um ihr Bein zu tätscheln. Ob der langmähnige Muskelprotz wirklich mit der Beauty zusammen ist? Eifersucht! Aber musikalisch ist er ja wirklich unumstritten toll, denn er spielt nicht nur formidabel Schlagzeug, sondern auch Klarinette.

Hinsichtlich des Songmaterials steht eindeutig das aktuelle Werk The Golden Archipelago im Vordergrund. Für mich nicht unproblematisch, weil ich von dem Vorgänger Rook so dermaßen bgeistert war, daß ich mich bis zum heutigen Konzert nicht getraut hatte, das neue Opus zu hören. Meine Bedenken werden aber ziemlich schnell zerstreut, denn schon der Opener Black Eyes ist betörend schön und auch Castaways lässt mich mit der Zunge schnalzen. Absolute Highlights bleiben aber Rooks und Century Eyes im Doppelpack, an diese mit jubilierenden Trompeten untersetzten Perlen kommen die neuen Sachen einfach nicht ran. Euphorisierend allerdings auch 74/75, das live noch mehr rockt als aus der Konserve. Ohnehin werden sämtliche Lieder leicht abgewandelt gespielt, nichts klingt wie vom Band und es bleibt Platz für Improvisation und Spontaneität, kleine Patzer inklusive. Schade, daß das Frankfurter Publikum so zurückhaltend bleibt und nur bedingt mitswingt, aber die Hessen sind wahrscheinlich stille Genießer, denn zufriedene Gesichter sieht man hinterher reichlich. Auch die deutsche Folksängerin Caroline (Projekt Radio Caroline) ist hingerissen. Sie kannte Shearwater vorher nicht und ist innerhalb von einer guten Stunde zum Fan geworden.

Das lange Warten auf die Bands hat sich letztlich also mehr als gelohnt. Dann läuft wieder Beach House vom Band. Die sehen wir am 15. August an gleicher Stelle und darauf freue ich mich bereits sehr. Trotz der nervigen Dauerberieselung bin ich nämlich glühender Anhänger des Duos...

Setlist Shearwater, Am Bett, Frankfurt:

01: Black Eyes
02: Landscape At Spead
03: Castaways
04: White Waves
05: God Made Me
06: Corridors
07: Hidden Lakes
08: Home Life
09: Rooks
10: Century Eyes
11: I Was A Cloud
12: 74/75
13: Uniforms

14: Missing Islands
15: Snow Leopard

Shearwater:

Past shows:

05.08.2010: München, Ampere
06.08.2010: Das Bett, Frankfurt
07.08.2010: Beatpol, Dresden

Demnächst:

09.08.2010: Comet Club, Berlin
10.08.2010: Übel & Gefährlich, Hamburg