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Gruff Rhys, Frankfurt, 08.03.11


Konzert: Gruff Rhys

Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: ca. 30


von Ursula von neulich als ich dachte

Gälisch mit Untertiteln

Der Abend in der Brotfabrik beginnt deprimierend – nur maximal dreißig Zuschauer haben sich eingefunden; wohl um diese kleine Schar etwas fülliger wirken zu lassen, hat man vor der Bühne Tische und Stühle aufgestellt. Wenn man
bedenkt, dass wir und sicher auch einige andere Zuschauer Freikarten gewonnen haben, bekommt man richtig Mitleid mit den Künstlern – viel Geld verdienen sie an diesem Auftritt sicher nicht.

Gruff Rhys hat dennoch eine vierköpfige Vorband, die ebenfalls aus Wales stammenden Y Niwl. Die Band hat nach eigener (beinahe einziger) Aussage nichts zu sagen und zu singen, man spielt deshalb instrumentalen 60s Surfrock, der besser zum bereits hinter ihnen hängenden Plakat von Gryff Rhys zu dessen neuer Platte Hotel Shampoo passt – es zeigt einen Sonnenuntergang am Palmenstrand - als zu ihren Pudelmützen. Auch die Setliste ist wenig eloquent: Die Liedtitel sind nämlich Nummern, und so folgt „6“ auf „7“ und dann irgendwann „2“. Die Erklärung dafür verstehe ich nicht so ganz, anscheinend ist das Gälische nicht nur schwer zu verstehen, sondern auch schwer zu schreiben?

Als Gruff Rhys anschließend die Bühne betritt, stellt sich heraus, dass die Vorband auch seine Band ist, es gibt auf dieser Tournee kein weiteres Personal. Das nun folgende Konzert ist eines der skurrilsten, die ich je gesehen habe. Angeblich darüber besorgt, dass ihn dank Dialekt keiner verstehen könnte, hat der Sänger verschiedene große Schilder dabei, auf denen ein Albumtitel sowie diverses anders (Danke, Applause – er zückt sie zum Beispiel nach dem Flötensolo eines Bandkollegen) geschrieben steht. Während einigen Liedern läuft als Hintergrund eine Schallplatte mit Vogelstimmen, die laut hörbar auf Finnisch erklärt werden. Erklärt werden uns auch einige Lieder in geradezu epischer Detailfülle: „Pwdin Wy 1“ handelt von einem Mädchen, das sich im ersten Teil des Lieder glücklich verliebt, im zweiten („Pwdin Wy 2“) aber bereits getrennt ist, zum Trost eine Weltreise unternimmt und dann in einem Internetcafé im südamerikanischen Dschungel erfährt, dass ihr Exfreund verstorben ist – und sie möglicherweise ebenfalls krank ist.

Auch der Inhalt von „Skylon“, einem Lied über ein Flugzeugattentat, dessen Scheitern und die beteiligten Personen, wird uns zwischendurch ganz genau erklärt, was den Song noch weit über seine sonst 14minütige Spieldauer ausweitet. Andere Lieder wie „Ni Yw Y Byd“ und „Gyrru Gyrru“ dagegen haben nur eine Textzeile, die gleichzeitig der Titel ist, da erübrigt sich dann das Erklären. Nichtsdestotrotz erfahren wir, dass „Gyrru Gyrru“ „Fahren Fahren“ bedeutet und der langen Anreise von Wien nach Frankfurt gewidmet ist.
 Vor Beginn von „Rubble Rubble“ spielt uns Gruff Rhys schon einmal die erste Zeile vor, damit wir beim „echten“ Liedanfang die typischen „Oh, mein Lieblingslied“-Publikumsgeräusche machen können, was wir dann auch folgsam tun.

Abgesehen von den Schildern und den Vogelstimmen gibt es noch zahlreiche andere lustige Requisiten: Rhys’ Gitarre hat ein „Body Kit“ aus Pappe, weil er angeblich darunter leidet, das Gitarrespielen falsch herum erlernt zu haben und davon genervt ist, dass bei seinen Gitarren die dekorierte Oberseite immer unten ist. Das erste Lied, „Gwn Mi Wn“, dirigiert und begleitet er mit einer Art Elektro-Plastik-Schlagzeug, und auf die Vogelstimmen antwortet er mit einer Vogelpfeife. Für den Flugzeugentführungssong stehen eine Schwimmweste und ein Plastikgewehr zur Verfügung. CocoRosie hätten angesichts dieser Produktvielfalt sicher ihre Freude und könnten Herrn Rhys, der einen relativ normalen Cordanzug trägt, allenfalls noch Kostümtipps geben.
Obwohl wir so wenige Zuschauer sind und folglich nicht allzu viel Lärm machen können, bekommen wir sogar noch eine ziemlich lange Zugabe, in der Rhys zunächst zwei Titel solo darbietet, um dann mit einer Art Fernsehshow fortzufahren die (natürlich gibt es dazu ein passendes Schild und eine weiteren Schallplatte für ein Jingle) beginnt, in deren Rahmen ein Mitglied von Y Niwl einen Solosong („Gwestai?“) darbietet. 
Und so ist es schon halb 12, als dieses Konzert wirklich zu Ende ist, und wir stellen fest, dass die wenigen Gäste für ihr Eintrittsgeld extrem viel Konzert bekommen haben. Nur "Christopher Columbus" wurde im Rahmen des langen Programms leider nicht gespielt, obwohl am Bühnenrand lange ein vielversprechendes Schild mit zweimal C teilweise hervor schaute - es handelte sich bei der Aufschrift dann aber leider um "Conservation Conversation", die Zugaben-Talkshow.


Setlist Gruff Rhys, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Gwn Mi Wn
02: Candylion
03: The Court of the King Arthur
04: House with no Mirrors
05: Pwdin Wy 1
06: Pwdin Wy 2
07: Sophie Softly
08: If we were Words
09: Sensations in the Dark
10: Conservation Conversation
11: Honey all over
12: Lonsome Words
13: Ni Yw Y Byd
14: Gyrru Gyrru
15: Cycle of Violence
16: Shark Ridden Waters

17: Rubble Rubble (Z)
18: Colonise the Moon (Z)
19: Gwestai? (Z)
20: Skylon (Z)


Gruff Rhys, Frankfurt, 08.03.11


Konzert: Gruff Rhys

Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: ca. 30


von Ursula von neulich als ich dachte

Gälisch mit Untertiteln

Der Abend in der Brotfabrik beginnt deprimierend – nur maximal dreißig Zuschauer haben sich eingefunden; wohl um diese kleine Schar etwas fülliger wirken zu lassen, hat man vor der Bühne Tische und Stühle aufgestellt. Wenn man
bedenkt, dass wir und sicher auch einige andere Zuschauer Freikarten gewonnen haben, bekommt man richtig Mitleid mit den Künstlern – viel Geld verdienen sie an diesem Auftritt sicher nicht.

Gruff Rhys hat dennoch eine vierköpfige Vorband, die ebenfalls aus Wales stammenden Y Niwl. Die Band hat nach eigener (beinahe einziger) Aussage nichts zu sagen und zu singen, man spielt deshalb instrumentalen 60s Surfrock, der besser zum bereits hinter ihnen hängenden Plakat von Gryff Rhys zu dessen neuer Platte Hotel Shampoo passt – es zeigt einen Sonnenuntergang am Palmenstrand - als zu ihren Pudelmützen. Auch die Setliste ist wenig eloquent: Die Liedtitel sind nämlich Nummern, und so folgt „6“ auf „7“ und dann irgendwann „2“. Die Erklärung dafür verstehe ich nicht so ganz, anscheinend ist das Gälische nicht nur schwer zu verstehen, sondern auch schwer zu schreiben?

Als Gruff Rhys anschließend die Bühne betritt, stellt sich heraus, dass die Vorband auch seine Band ist, es gibt auf dieser Tournee kein weiteres Personal. Das nun folgende Konzert ist eines der skurrilsten, die ich je gesehen habe. Angeblich darüber besorgt, dass ihn dank Dialekt keiner verstehen könnte, hat der Sänger verschiedene große Schilder dabei, auf denen ein Albumtitel sowie diverses anders (Danke, Applause – er zückt sie zum Beispiel nach dem Flötensolo eines Bandkollegen) geschrieben steht. Während einigen Liedern läuft als Hintergrund eine Schallplatte mit Vogelstimmen, die laut hörbar auf Finnisch erklärt werden. Erklärt werden uns auch einige Lieder in geradezu epischer Detailfülle: „Pwdin Wy 1“ handelt von einem Mädchen, das sich im ersten Teil des Lieder glücklich verliebt, im zweiten („Pwdin Wy 2“) aber bereits getrennt ist, zum Trost eine Weltreise unternimmt und dann in einem Internetcafé im südamerikanischen Dschungel erfährt, dass ihr Exfreund verstorben ist – und sie möglicherweise ebenfalls krank ist.

Auch der Inhalt von „Skylon“, einem Lied über ein Flugzeugattentat, dessen Scheitern und die beteiligten Personen, wird uns zwischendurch ganz genau erklärt, was den Song noch weit über seine sonst 14minütige Spieldauer ausweitet. Andere Lieder wie „Ni Yw Y Byd“ und „Gyrru Gyrru“ dagegen haben nur eine Textzeile, die gleichzeitig der Titel ist, da erübrigt sich dann das Erklären. Nichtsdestotrotz erfahren wir, dass „Gyrru Gyrru“ „Fahren Fahren“ bedeutet und der langen Anreise von Wien nach Frankfurt gewidmet ist.
 Vor Beginn von „Rubble Rubble“ spielt uns Gruff Rhys schon einmal die erste Zeile vor, damit wir beim „echten“ Liedanfang die typischen „Oh, mein Lieblingslied“-Publikumsgeräusche machen können, was wir dann auch folgsam tun.

Abgesehen von den Schildern und den Vogelstimmen gibt es noch zahlreiche andere lustige Requisiten: Rhys’ Gitarre hat ein „Body Kit“ aus Pappe, weil er angeblich darunter leidet, das Gitarrespielen falsch herum erlernt zu haben und davon genervt ist, dass bei seinen Gitarren die dekorierte Oberseite immer unten ist. Das erste Lied, „Gwn Mi Wn“, dirigiert und begleitet er mit einer Art Elektro-Plastik-Schlagzeug, und auf die Vogelstimmen antwortet er mit einer Vogelpfeife. Für den Flugzeugentführungssong stehen eine Schwimmweste und ein Plastikgewehr zur Verfügung. CocoRosie hätten angesichts dieser Produktvielfalt sicher ihre Freude und könnten Herrn Rhys, der einen relativ normalen Cordanzug trägt, allenfalls noch Kostümtipps geben.
Obwohl wir so wenige Zuschauer sind und folglich nicht allzu viel Lärm machen können, bekommen wir sogar noch eine ziemlich lange Zugabe, in der Rhys zunächst zwei Titel solo darbietet, um dann mit einer Art Fernsehshow fortzufahren die (natürlich gibt es dazu ein passendes Schild und eine weiteren Schallplatte für ein Jingle) beginnt, in deren Rahmen ein Mitglied von Y Niwl einen Solosong („Gwestai?“) darbietet. 
Und so ist es schon halb 12, als dieses Konzert wirklich zu Ende ist, und wir stellen fest, dass die wenigen Gäste für ihr Eintrittsgeld extrem viel Konzert bekommen haben. Nur "Christopher Columbus" wurde im Rahmen des langen Programms leider nicht gespielt, obwohl am Bühnenrand lange ein vielversprechendes Schild mit zweimal C teilweise hervor schaute - es handelte sich bei der Aufschrift dann aber leider um "Conservation Conversation", die Zugaben-Talkshow.


Setlist Gruff Rhys, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Gwn Mi Wn
02: Candylion
03: The Court of the King Arthur
04: House with no Mirrors
05: Pwdin Wy 1
06: Pwdin Wy 2
07: Sophie Softly
08: If we were Words
09: Sensations in the Dark
10: Conservation Conversation
11: Honey all over
12: Lonsome Words
13: Ni Yw Y Byd
14: Gyrru Gyrru
15: Cycle of Violence
16: Shark Ridden Waters

17: Rubble Rubble (Z)
18: Colonise the Moon (Z)
19: Gwestai? (Z)
20: Skylon (Z)


Warpaint, Frankfurt, 11.11.10


Konzert: Warpaint (& etwas Lokales vorher)
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 11.11.2010
Zuschauer: recht voll, allerdings nicht ausverkauft
Dauer: Warpaint 70 min


An Warpaint kommt man zur Zeit einfach nicht vorbei, zumindest in unserem musikalischen
Mikrokosmos. Mir ist durchaus bewußt, daß vermutlich höchstens ein, zwei Tausend Landsleute schon einmal von dieser Band gehört haben, in dieser Szene allerdings werden die Amerikanerinnen gerade enorm gehypt. Auch wenn ich mich nicht davon freisprechen kann, vielen dieser Hypes aus Neugierde Aufmerksamkeit zu widmen, liegt der Fall bei Warpaint anders, da ich die Kalifornierinnen im Mai im Rahmen der Nuits Botaniques in Brüssel im Vorprogramm von Wolf Parade gesehen und mich sofort unsterblich in ihre Musik verliebt hatte. Dabei waren wir damals spät dran und erlebten leider nur noch die letzten 2,5 Stücke der Band, aber Billie Holiday und Elephants hatten mich tief beeindruckt. Vor allem dieses Billie Holiday... so ein tolles Stück hatte ich seit The Organ oder deren Nachfolger Lovers Love Haters nicht mehr gehört. Alleine dieser Buchstabier-Anfang!

Ihr Konzert in Frankfurt war das dritte und letzte einer ersten Deutschland-Tour. Booker aus Köln hatten sich diese Perle entgehen lassen, also spielte Warpaint nur in
Berlin, Hamburg und Frankfurt. Als ich in der Brotfabrik ankam, spielte eine leider sehr belanglose örtliche Vorgruppe (Borgenine), bei der das einzig Erwähnenswerte war, daß Warpaint Bassistin Jenny Lee Lindberg im Publikum zusah.

Der Saal der Brotfabrik ist perfekt für Konzerte. Die Bühne ist breit, der Saal luftig, und er scheint nicht überbucht zu werden. Daß trotzdem die beiden einzigen Leute im Raum, die sich laut unterhalten wollten, immer wieder meine Nähe suchten, kann ich der Brotfabrik sicher nicht vorwerfen.

Die vier Musikerinnen hatten nichts von mondänem L.A. Style, als sie auf die Bühne kamen. Jenny Lee in der Mitte trug einen riesigen Jeans Overall, Gitarristin Emily
Kokal eine Jogginghose, die links stehende Theresa Wayman (auch Gitarre) ein Holzfällerhemd. Aber irgendwie ist ihre Musik ja genauso: unaufgeregt und alles andere als auf Effekte ausgerichtet.

Wie toll der reduzierte Sound funktioniert, merkte man sofort. Dezente Instrumentierung, dazu meist mehrstimmiger Gesang, der nicht immer laut aber jederzeit eindrucksvoll ist. Stars von der 2008er EP Exquisite Corpse, das als zweites gespielt wurde, war bisher in meinen Ohren nur eins von vielen schönen Liedern. Wie wundervoll das Stück ist, fiel mir erst live auf.

Erstaunlicherweise spielten die alten Lieder wie Stars eine größere Rolle als üblich, Warpaint hatten fünf der sechs Titel der EP im Programm. Aber das ist musikalisch vollkommen unwichtig, weil zwischen EP und Platte keinerlei Qualitätsunterschiede festzustellen sind.

Für eine junge Band schienen die Musikerinnen extrem vertraut mit dem zu sein,
was sie machen. Junge Band ist allerdings auch nicht ganz richtig, Warpaint existiert bereits seit 2004. Damals hatten sich Theresa und Emily, die sich in Oregon kennengelernt hatten, mit den beiden Schwestern Jenny Lee und Shannyn Sossamon (die später ausstieg, um sich aufs Schauspielern zu konzentrieren - sie spielt unter anderem alle drei Wochen die Lady Jocelyn in Ritter aus Leidenschaft im deutschen Fernsehen) getroffen und gemeinsam Musik gemacht. Obwohl einige Musiker kamen und gingen (u.a. Josh Klinghoffer von den Red Hot Chili Peppers, während Ex-Red Hot Dings Gitarrist und Theresas Exfreund* John Frusciante das Album produziert hat), bilden die drei Freundinnen das Grundgerüst der Band. Und das merkt man eben von A bis Z.

Nur einmal kam da doch die junge Band durch. Nachdem Warpaint ihr reguläres Set beendet hatten, kam ein Roadie und stimmte Theresas und Emilys Gitarren. Das war
insofern spektakulär, weil es ewig dauerte und das Zugabeklatschen immer leiser wurde. Ob die beiden ihre Instrumente nicht stimmen können oder da doch ein Hauch Hollywood durch die Brotfabrik schwebte, weiß ich nicht, ich fand die Situation enorm komisch aber auch wahnsinnig charmant.

Vielleicht wollte der Roadie aber auch sicher gehen, daß das schönste Lied der Band auch ja nicht schief klang, die erste Zugabe war nämlich Billie Holiday, und es war perfekt!

Warpaint werden vollkommen zurecht überall gelobt. Die Band hat einfach zu viel Substanz, um nur eine flüchtige Erscheinung zu sein. Standard für solche Bands mit überschaubarem Repertoire ist doch zum Beispiel, daß Konzerte gerade mal eine Dreiviertelstunde dauern. Warpaint hatten das Selbstvertrauen 70 Minuten auf der
Bühne zu stehen. Und sie haben natürlich auch das Songmaterial dafür. Fasziniert hat mich auch, daß trotz des eigentlich monotonen Grundsounds (hier: monoton=gut!) ein treibender Beat entstehen konnte, im Saal das Wippen immer mehr in Tanzen überging. Damit sind Warpaint, obwohl eigentlich vollkommen anders, machmal auch nicht weit weg von The xx, die sie bereits supportet haben.

Am Wochenende treten die Amerikanerinnen beim Rolling Stone Weekender auf. Es ist wohl nicht zu gewagt vorherzusagen, daß sie auch da mächtig beeindrucken werden...


Setlist Warpaint, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Bees
02: Stars
03: Composure
04: Undertow
05: Warpaint
06: Set your arms down
07: Beetles
08: Burgundy
09: Elephants

10: Billie Holiday (Z)
11: Majesty (Z)**


* wir machen hier zu wenig Indietratsch
** noch nicht endgültig kontrolliert. Mir scheint, es fehlt eines.


Warpaint, Frankfurt, 11.11.10


Konzert: Warpaint (& etwas Lokales vorher)
Ort: Brotfabrik, Frankfurt
Datum: 11.11.2010
Zuschauer: recht voll, allerdings nicht ausverkauft
Dauer: Warpaint 70 min


An Warpaint kommt man zur Zeit einfach nicht vorbei, zumindest in unserem musikalischen
Mikrokosmos. Mir ist durchaus bewußt, daß vermutlich höchstens ein, zwei Tausend Landsleute schon einmal von dieser Band gehört haben, in dieser Szene allerdings werden die Amerikanerinnen gerade enorm gehypt. Auch wenn ich mich nicht davon freisprechen kann, vielen dieser Hypes aus Neugierde Aufmerksamkeit zu widmen, liegt der Fall bei Warpaint anders, da ich die Kalifornierinnen im Mai im Rahmen der Nuits Botaniques in Brüssel im Vorprogramm von Wolf Parade gesehen und mich sofort unsterblich in ihre Musik verliebt hatte. Dabei waren wir damals spät dran und erlebten leider nur noch die letzten 2,5 Stücke der Band, aber Billie Holiday und Elephants hatten mich tief beeindruckt. Vor allem dieses Billie Holiday... so ein tolles Stück hatte ich seit The Organ oder deren Nachfolger Lovers Love Haters nicht mehr gehört. Alleine dieser Buchstabier-Anfang!

Ihr Konzert in Frankfurt war das dritte und letzte einer ersten Deutschland-Tour. Booker aus Köln hatten sich diese Perle entgehen lassen, also spielte Warpaint nur in
Berlin, Hamburg und Frankfurt. Als ich in der Brotfabrik ankam, spielte eine leider sehr belanglose örtliche Vorgruppe (Borgenine), bei der das einzig Erwähnenswerte war, daß Warpaint Bassistin Jenny Lee Lindberg im Publikum zusah.

Der Saal der Brotfabrik ist perfekt für Konzerte. Die Bühne ist breit, der Saal luftig, und er scheint nicht überbucht zu werden. Daß trotzdem die beiden einzigen Leute im Raum, die sich laut unterhalten wollten, immer wieder meine Nähe suchten, kann ich der Brotfabrik sicher nicht vorwerfen.

Die vier Musikerinnen hatten nichts von mondänem L.A. Style, als sie auf die Bühne kamen. Jenny Lee in der Mitte trug einen riesigen Jeans Overall, Gitarristin Emily
Kokal eine Jogginghose, die links stehende Theresa Wayman (auch Gitarre) ein Holzfällerhemd. Aber irgendwie ist ihre Musik ja genauso: unaufgeregt und alles andere als auf Effekte ausgerichtet.

Wie toll der reduzierte Sound funktioniert, merkte man sofort. Dezente Instrumentierung, dazu meist mehrstimmiger Gesang, der nicht immer laut aber jederzeit eindrucksvoll ist. Stars von der 2008er EP Exquisite Corpse, das als zweites gespielt wurde, war bisher in meinen Ohren nur eins von vielen schönen Liedern. Wie wundervoll das Stück ist, fiel mir erst live auf.

Erstaunlicherweise spielten die alten Lieder wie Stars eine größere Rolle als üblich, Warpaint hatten fünf der sechs Titel der EP im Programm. Aber das ist musikalisch vollkommen unwichtig, weil zwischen EP und Platte keinerlei Qualitätsunterschiede festzustellen sind.

Für eine junge Band schienen die Musikerinnen extrem vertraut mit dem zu sein,
was sie machen. Junge Band ist allerdings auch nicht ganz richtig, Warpaint existiert bereits seit 2004. Damals hatten sich Theresa und Emily, die sich in Oregon kennengelernt hatten, mit den beiden Schwestern Jenny Lee und Shannyn Sossamon (die später ausstieg, um sich aufs Schauspielern zu konzentrieren - sie spielt unter anderem alle drei Wochen die Lady Jocelyn in Ritter aus Leidenschaft im deutschen Fernsehen) getroffen und gemeinsam Musik gemacht. Obwohl einige Musiker kamen und gingen (u.a. Josh Klinghoffer von den Red Hot Chili Peppers, während Ex-Red Hot Dings Gitarrist und Theresas Exfreund* John Frusciante das Album produziert hat), bilden die drei Freundinnen das Grundgerüst der Band. Und das merkt man eben von A bis Z.

Nur einmal kam da doch die junge Band durch. Nachdem Warpaint ihr reguläres Set beendet hatten, kam ein Roadie und stimmte Theresas und Emilys Gitarren. Das war
insofern spektakulär, weil es ewig dauerte und das Zugabeklatschen immer leiser wurde. Ob die beiden ihre Instrumente nicht stimmen können oder da doch ein Hauch Hollywood durch die Brotfabrik schwebte, weiß ich nicht, ich fand die Situation enorm komisch aber auch wahnsinnig charmant.

Vielleicht wollte der Roadie aber auch sicher gehen, daß das schönste Lied der Band auch ja nicht schief klang, die erste Zugabe war nämlich Billie Holiday, und es war perfekt!

Warpaint werden vollkommen zurecht überall gelobt. Die Band hat einfach zu viel Substanz, um nur eine flüchtige Erscheinung zu sein. Standard für solche Bands mit überschaubarem Repertoire ist doch zum Beispiel, daß Konzerte gerade mal eine Dreiviertelstunde dauern. Warpaint hatten das Selbstvertrauen 70 Minuten auf der
Bühne zu stehen. Und sie haben natürlich auch das Songmaterial dafür. Fasziniert hat mich auch, daß trotz des eigentlich monotonen Grundsounds (hier: monoton=gut!) ein treibender Beat entstehen konnte, im Saal das Wippen immer mehr in Tanzen überging. Damit sind Warpaint, obwohl eigentlich vollkommen anders, machmal auch nicht weit weg von The xx, die sie bereits supportet haben.

Am Wochenende treten die Amerikanerinnen beim Rolling Stone Weekender auf. Es ist wohl nicht zu gewagt vorherzusagen, daß sie auch da mächtig beeindrucken werden...


Setlist Warpaint, Brotfabrik, Frankfurt:

01: Bees
02: Stars
03: Composure
04: Undertow
05: Warpaint
06: Set your arms down
07: Beetles
08: Burgundy
09: Elephants

10: Billie Holiday (Z)
11: Majesty (Z)**


* wir machen hier zu wenig Indietratsch
** noch nicht endgültig kontrolliert. Mir scheint, es fehlt eines.