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Sarah Jeanne, Paris, 05.02.11

Konzert: Sarah Jeanne
Ort: La Bellevilloise, Paris
Datum: 05.02.11
Zuschauer: mindestens 200
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Bericht Sarah-Jeanne in Kürze.


Concerts à venir de Sarah-Jeanne:

15.02.2011: Le Connetable, Paris
20.02.2011: Café 25° Est, Paris
07.04.2011: Pop In, Paris

Sarah Jeanne, Paris, 05.02.11

Konzert: Sarah Jeanne
Ort: La Bellevilloise, Paris
Datum: 05.02.11
Zuschauer: mindestens 200
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Bericht Sarah-Jeanne in Kürze.


Concerts à venir de Sarah-Jeanne:

15.02.2011: Le Connetable, Paris
20.02.2011: Café 25° Est, Paris
07.04.2011: Pop In, Paris

Denis Jones, Paris, 30.10.10


Konzert: Denis Jones
Ort: Chez Justine, Paris
Datum: 30.10.2010
Zuschauer: hmm
Konzertdauer: etwa 40 Minuten


Eigentlich war ich auf eine Party bei einem sehr netten Landsmann eingeladen. Ob es einen Zusammenhang mit Halloween gab, weiß ich nicht. Ist aber auch egal, denn ich wollte auf jeden Fall da hin, gruselig geschminkt oder nicht. Seitdem ich wie so ein Junkie quasi jeden Abend auf Konzerten unterwegs bin, ist es schwierig geworden, mich zu einer Party anzulocken (es sei denn es tritt dort eine Band auf). Meine sozialen Kontakte fokussieren sich stark auf andere Musikverrückte, ebenso süchtige Konzertgänger, Indiemusiker, Konzertveranstalter, Gigfotografen, andere Blogger, Labelmenschen etc. Obwohl es natürlich auch hier ein paar Arschgeigen gibt, fühle ich mich in dem Milieu pudelwohl. Aber ich möchte trotzdem auch gerne mal sehen, wie andere Mitbürger in Paris so leben und Leute kennenlernen, die nicht direkt etwas mit Musik zu tun haben. Das Problem war bloß: am heutigen 30. Oktober gab es natürlich auch wieder einige spannende Konzerte. Logisch. Irgendwo spielt in Paris immer die Musik, jeden Tag.

Die Auswahl war wieder einmal prima und es war schwierig, sich auf einen Gig festzulegen. Crystal Castles zappelten in der ausverkauften Cigale rum (ich mag die seltsamerweise, obwohl ich eigentlich überhaupt kein Anhänger synthetischer Musik bin), Beach Fossil beehrten die Flèche d'or und Ariel Pink trat im Nouveau Casino auf.

Aber meine Wahl fiel auf eine Veranstaltung, die gleich gegenüber des Nouveau Casino, im Cafe/Restaurant Chez Justine stattfand. Hier sollte der Brite Denis Jones spielen, mit dem fast eine Oliver Peel Session zu Stande gekommen wäre. Wohlgemerkt: ich wollte trotzdem auf die Fete zu meinem netten Landsmann. Ich dachte, es sei beides möglich. Erst Denis Jones bei Justine gucken und dann ab zur Party. Ich hatte nicht nur meine Frau dabei, sondern auch eine Flasche Wein, die ich dem Gastgeber übereichen wollte. Daraus wurde aber nichts, weil das laut My Space für 20 Uhr angesetzte Konzert von Denis Jones letzlich um 22 Uhr 30 begann. Zuerst wurde hier der samstägliche Restaurantbetrieb durchgezogen. Schicke Leute (" des gens branchés" wie man in Frankreich sagt) drängelten sich im Minutentakt zur Tür herein, um überteuerte Burger (15 Euro der kleine Cheeseburger mit Pommes Frites, happig!) oder Cocktails an der Bar zu trinken. Ich hatte den Laden Chez Justine ganz anders in Erinnerung. Als ich vor etwa zwei Jahren hier gegen 18 Uhr einmal zum Aperitif einkehrte, saß man auf stimmunsvollen, abgewetzten Sesseln und schrammeligen Tischen. Das hatte Atmosphäre und den typisch Pariser Bohème Charme. Nun aber haben die (neuen?) Betreiber die alten Möbel rausgeworfen, machen verstärkt auf angesagtes Restaurant und zielen es auf eine zahlungskräftige Klientel ab. Nichts für mich, ich fühlte mich nur mittelmäßig wohl. Auch der Künster selbst, Denis Jones, äußerte sich vor dem Gig skeptisch und fragte sich, ob die mampfenden Schönlinge ihm denn überhaupt Beachtung schenken würden. Letztlich verhielt sich das Publikum aber relativ fair und es wurde nicht allzu heftig geplappert. Begünstigend kam hinzu, daß die Boxen ziemlich laut aufgedreht wurden und der Kollagensound des Klangkünstlers Denis Jones die Plaudereien an den Tischen weitestgehend überdeckte. Schade allerdings, daß es technische Probleme gab. Zunächst riss dem Briten schon nach ein paar Takten eine Gitarrenseite, die er eigenhändig reparieren musste und dann war der Rauschebartträger auch mit dem Ton nicht so recht zufrieden. Seine Loop-und Sampeltechnik ist faszinierend, allerdings auch störungsanfällig und live nicht immer leicht zu reproduzieren. "Sorry ich kann hier nur die halbe Leistung bringen", sagte er etwa in der Mitte des Auftritts schulterzuckend in Richtung des Publikums. Aber das störte mich persönlich nicht sonderlich, denn das enorme Potential und der Ideenreichtum des Engländers war dennoch einwandfrei zu erkennen. Seine Stimme ist vorzüglich und seine Elektrofrickeleien klingen so organisch, daß man das Ganze trotzdem noch als Folk bezeichnen kann. Eine moderne Interpretation des Genres freilich. Future Folk kann man bei Last fm lesen und dieser Begriff trifft die Sache schon sehr gut. Anstatt am konventionellen Singer/Songwriter-schema festzuhalten, bei dem traurige Männer traurige Lieder auf einer Akustikgitarre zum Vortrage bringen, feilt Jones an einem Stil, der zwar in den letzten Jahren auch schon von einigen anderen Künstlern angewendet wurde, aber dennoch ganz klar die Handschrift seines Autors trägt. Vor allem aber: die Lieder von Denis sind einfach wunderschön! Sie stammten heute größtenteils von seinem letzte Output Clap Hands, in Ausnahmefällen aber auch von seinem Debüt Humdrum Virtue. Eine Setlist hatte der talentierte Musiker trotzdem nicht, denn ein Teil des Sets bestand aus freien Improvisationen. Dennoch wurde es über die gesamte Länge nie zu experimentell, weil Jones unkonventionellen Liedern, auch immer mal wieder Stücke hinterherschickte, die einen eher klassischen Folkaufbau hatten. Visuell wurden die Tracks von abstrakten Videos untermalt, die die hypnotische Wirkung des Songmaterials noch unterstrich.

Nach etwa 40 Minuten hatte Jones fertig und schlich von der kleinen Bühne. Ich (und diejenigen die zugehört haben) hatte(n) ein feines Konzert erlebt, das ich mir noch durch CD Käufe versüßte. Ich lehne mich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß die Indiegemeinde von Denis Jones in den nächsten Jahren noch so einiges hören wird.



Denis Jones, Paris, 30.10.10


Konzert: Denis Jones
Ort: Chez Justine, Paris
Datum: 30.10.2010
Zuschauer: hmm
Konzertdauer: etwa 40 Minuten


Eigentlich war ich auf eine Party bei einem sehr netten Landsmann eingeladen. Ob es einen Zusammenhang mit Halloween gab, weiß ich nicht. Ist aber auch egal, denn ich wollte auf jeden Fall da hin, gruselig geschminkt oder nicht. Seitdem ich wie so ein Junkie quasi jeden Abend auf Konzerten unterwegs bin, ist es schwierig geworden, mich zu einer Party anzulocken (es sei denn es tritt dort eine Band auf). Meine sozialen Kontakte fokussieren sich stark auf andere Musikverrückte, ebenso süchtige Konzertgänger, Indiemusiker, Konzertveranstalter, Gigfotografen, andere Blogger, Labelmenschen etc. Obwohl es natürlich auch hier ein paar Arschgeigen gibt, fühle ich mich in dem Milieu pudelwohl. Aber ich möchte trotzdem auch gerne mal sehen, wie andere Mitbürger in Paris so leben und Leute kennenlernen, die nicht direkt etwas mit Musik zu tun haben. Das Problem war bloß: am heutigen 30. Oktober gab es natürlich auch wieder einige spannende Konzerte. Logisch. Irgendwo spielt in Paris immer die Musik, jeden Tag.

Die Auswahl war wieder einmal prima und es war schwierig, sich auf einen Gig festzulegen. Crystal Castles zappelten in der ausverkauften Cigale rum (ich mag die seltsamerweise, obwohl ich eigentlich überhaupt kein Anhänger synthetischer Musik bin), Beach Fossil beehrten die Flèche d'or und Ariel Pink trat im Nouveau Casino auf.

Aber meine Wahl fiel auf eine Veranstaltung, die gleich gegenüber des Nouveau Casino, im Cafe/Restaurant Chez Justine stattfand. Hier sollte der Brite Denis Jones spielen, mit dem fast eine Oliver Peel Session zu Stande gekommen wäre. Wohlgemerkt: ich wollte trotzdem auf die Fete zu meinem netten Landsmann. Ich dachte, es sei beides möglich. Erst Denis Jones bei Justine gucken und dann ab zur Party. Ich hatte nicht nur meine Frau dabei, sondern auch eine Flasche Wein, die ich dem Gastgeber übereichen wollte. Daraus wurde aber nichts, weil das laut My Space für 20 Uhr angesetzte Konzert von Denis Jones letzlich um 22 Uhr 30 begann. Zuerst wurde hier der samstägliche Restaurantbetrieb durchgezogen. Schicke Leute (" des gens branchés" wie man in Frankreich sagt) drängelten sich im Minutentakt zur Tür herein, um überteuerte Burger (15 Euro der kleine Cheeseburger mit Pommes Frites, happig!) oder Cocktails an der Bar zu trinken. Ich hatte den Laden Chez Justine ganz anders in Erinnerung. Als ich vor etwa zwei Jahren hier gegen 18 Uhr einmal zum Aperitif einkehrte, saß man auf stimmunsvollen, abgewetzten Sesseln und schrammeligen Tischen. Das hatte Atmosphäre und den typisch Pariser Bohème Charme. Nun aber haben die (neuen?) Betreiber die alten Möbel rausgeworfen, machen verstärkt auf angesagtes Restaurant und zielen es auf eine zahlungskräftige Klientel ab. Nichts für mich, ich fühlte mich nur mittelmäßig wohl. Auch der Künster selbst, Denis Jones, äußerte sich vor dem Gig skeptisch und fragte sich, ob die mampfenden Schönlinge ihm denn überhaupt Beachtung schenken würden. Letztlich verhielt sich das Publikum aber relativ fair und es wurde nicht allzu heftig geplappert. Begünstigend kam hinzu, daß die Boxen ziemlich laut aufgedreht wurden und der Kollagensound des Klangkünstlers Denis Jones die Plaudereien an den Tischen weitestgehend überdeckte. Schade allerdings, daß es technische Probleme gab. Zunächst riss dem Briten schon nach ein paar Takten eine Gitarrenseite, die er eigenhändig reparieren musste und dann war der Rauschebartträger auch mit dem Ton nicht so recht zufrieden. Seine Loop-und Sampeltechnik ist faszinierend, allerdings auch störungsanfällig und live nicht immer leicht zu reproduzieren. "Sorry ich kann hier nur die halbe Leistung bringen", sagte er etwa in der Mitte des Auftritts schulterzuckend in Richtung des Publikums. Aber das störte mich persönlich nicht sonderlich, denn das enorme Potential und der Ideenreichtum des Engländers war dennoch einwandfrei zu erkennen. Seine Stimme ist vorzüglich und seine Elektrofrickeleien klingen so organisch, daß man das Ganze trotzdem noch als Folk bezeichnen kann. Eine moderne Interpretation des Genres freilich. Future Folk kann man bei Last fm lesen und dieser Begriff trifft die Sache schon sehr gut. Anstatt am konventionellen Singer/Songwriter-schema festzuhalten, bei dem traurige Männer traurige Lieder auf einer Akustikgitarre zum Vortrage bringen, feilt Jones an einem Stil, der zwar in den letzten Jahren auch schon von einigen anderen Künstlern angewendet wurde, aber dennoch ganz klar die Handschrift seines Autors trägt. Vor allem aber: die Lieder von Denis sind einfach wunderschön! Sie stammten heute größtenteils von seinem letzte Output Clap Hands, in Ausnahmefällen aber auch von seinem Debüt Humdrum Virtue. Eine Setlist hatte der talentierte Musiker trotzdem nicht, denn ein Teil des Sets bestand aus freien Improvisationen. Dennoch wurde es über die gesamte Länge nie zu experimentell, weil Jones unkonventionellen Liedern, auch immer mal wieder Stücke hinterherschickte, die einen eher klassischen Folkaufbau hatten. Visuell wurden die Tracks von abstrakten Videos untermalt, die die hypnotische Wirkung des Songmaterials noch unterstrich.

Nach etwa 40 Minuten hatte Jones fertig und schlich von der kleinen Bühne. Ich (und diejenigen die zugehört haben) hatte(n) ein feines Konzert erlebt, das ich mir noch durch CD Käufe versüßte. Ich lehne mich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß die Indiegemeinde von Denis Jones in den nächsten Jahren noch so einiges hören wird.



Jo Krasevich, 24.09.10


Konzert: Jo Krasevich

Ort: Gibert Joseph, Paris
Datum: 24.09.10
Zuschauer: 10-15
Konzertdauer: etwa 35 Minuten


Ihr heißgeliebter Hund namens Toulouse sei ihr in Paris entlaufen, erzählte uns eine unglaubliche nette und sympathische Jo Krasevich nach ihrem Showcase im Gibert Joseph CD-Store. Die charismatische, sehr groß gewachsene Amerikanerin aus Detroit mit Wohnsitzen in Paris, Los Angeles und Montreal berichtete ein wenig von dem Leben auf Tour, dem Streit mit ihrem ehemaligen Plattenlabel und ihrem Konzert vom Vortag, wo sie im Café de la Danse Ray La Montagne supportet hatte. Ihr zweites Konzert in Paris wie sie anmerkte, das erste hatte vor ein paar Monaten im Jazz-Club New Morning stattgefunden. Jo Krasevitch? Wer is'n das? Das wusste ich bis ein paar Stunden vor dem kurzen Akustikauftritt bei Gibert auch nicht. Ein unbeschriebendes Blatt. Zumindest für mich. Die Musikgazette X-Roads hingegen hatte über sie in der aktuellen Ausgabe zwei Seiten gefüllt und ein interessantes Interview abgedruckt. Darin erzählt die Tochter eines Jugoslawen und einer Franko-Kanadierin von iher Kindheit in Detroit und Ottawa, ihrer kurzen, aber sehr erfolgreichen Karriere als Model (sie hatte es auf die Titelseite der Elle gebracht und Fotos mit Helmut Newton gemacht), einem Gastauftritt bei einem U2-Konzert und ihrer Vorliebe für das Songwriting von Neil Young.



Mit einem Cover von Neil Young, Like A Hurricane, hatte sie auch den heutigen Showcase beendet. Ansonsten spielte sie aber eigene Kompositionen von ihrem Debütalbum Merry-Go-Round an dem sogar Daniel Lanois (Produzent von Bob Dylan, Neil Young etc.) Gitarre spielend beteiligt gewesen war. Butterweiche, anschmiegsame und höchst tröstliche Folksongs voller Simplizität und Melancholie. Die Stimme von Jo Krasevich gefiel mir ganz ausgezeichnet. Sie erinnerte an Suzanne Vega oder Anna Ternheim und schuf eine äußerst intime Atmosphäre. Ohnehin war ich der langbeinigen Lady sehr nahe, denn ich hatte es mir auf dem Boden vor ihren schokoladenbraunen Cowboystiefeln bequem gemacht. "This is a good spot" rief sie mir von oben zu und ich nickte bejahend. Krasevich spielte Gitarre aber auch Mundharmonika und trug Stücke wie Crazy Love, If I oder Fall On Me (kein R.E.M. Cover!) vor. Die Sachen gefielen mir auf Anhieb, sie kamen ungekünstelt und authentisch rüber. Schade, daß die Zeit wirklich wie im Fluge verging, ein halbes Dutzend Songs und dann war auch schon Schluß. Hinterher musste ich unbedingt ihr Album haben, dessen Anschaffung auch für das Artwork im Jugendstil-Design lohnt. Auf Konserve sind die Titel allesamt stärker arrangiert, mit Peadal- Steel und Geige unterlegt und mundgerecht aufgearbeitet. Der reduzierte Akustikvortrag von heute gefiel mir besser, aber schlecht ist das Album keineswegs.

Ich war auf jeden Fall froh, Bekanntschaft mit Jo Krasevich geschlossen zu haben und nun drücke ich ihr ganz fest die Daumen, daß sie ihren Hund wiederfindet!


For our english readers (thanks a million to Uschi for the translation!)

Jo Krasevich is an incredibly kind and wonderful person. Unfortunately, her beloved dog called Toulouse ran away in Paris, as she told us after her show case at the Gibert Joseph CD-Store. The Detroit born, tall and charismatic American woman who resides in Paris, Los Angeles und Montreal shared some other moments of her life with us: life on tour, the clash with her former record label, the show she played last night when she was supporting Ray La Montagne at Café de la Danse. She mentioned that it was her second concert in Paris, after playing at New Morning jazz club a few months ago. But who is Jo Krasevich actually? I hadn’t heard the name until only shortly before this acoustic set at Gibert; I admit that she was a dark horse to me. X-Roads magazine, on the contrary, have dedicated two pages of their current issue to her, including an interesting interview: The daughter of a Yugoslav father and a Quebecois mother speaks about her childhood in Detroit and Ottawa, her short but very successful career as a model (she scored a cover of Elle and posed for Helmut Newton!), a guest appearance at a U2 concert and her fondness for Neil Young’s songwriting skills. And so, the last song of today’s show case was a cover of Neil Young’s Like A Hurricane. Apart from that, she performed several titles off her debut album Merry-Go-Round. The album features, nota bene, Daniel Lanois (producer of Bob Dylan, Neil Young etc.) on the guitar and contains mellow and very comforting, melancholic lo-fi folk songs. I really have enjoyed Jo Krasevich’s voice. She sounded like Suzanne Vega or Anna Ternheim and created a wonderful, intimate mood. I sat very close to the long legged lady anyway, comfortably installed on the floor, right in front of her chocolate brown western boots. "This is a good spot" she said to me from above, and I nodded in agreement.Krasevich played the guitar and also the harmonica, performing titles such has Crazy Love, If I or Fall On Me (NOT a R.E.M. cover!). The songs sounded unaffected and authentic; I liked them on the first listen. Bummer that time passed by so quickly! The set was finished after half a dozen of songs only. Afterwards, I absolutely had to get her album. Its Art Nouveau artwork is well worth the purchase. With a tighter arrangement and pedal steel guitar and fiddle, the songs are more bite-sized in their album versions. I prefer the stripped-down acoustic performance, but the album is not bad at all. I’m glad I got to know Jo Krasevich. I’ll keep my fingers crossed for her and hope that she’ll find her dog!


Video by Rockerparis, Jo Krasevich-Crazy Love



Jo Krasevich, 24.09.10


Konzert: Jo Krasevich

Ort: Gibert Joseph, Paris
Datum: 24.09.10
Zuschauer: 10-15
Konzertdauer: etwa 35 Minuten


Ihr heißgeliebter Hund namens Toulouse sei ihr in Paris entlaufen, erzählte uns eine unglaubliche nette und sympathische Jo Krasevich nach ihrem Showcase im Gibert Joseph CD-Store. Die charismatische, sehr groß gewachsene Amerikanerin aus Detroit mit Wohnsitzen in Paris, Los Angeles und Montreal berichtete ein wenig von dem Leben auf Tour, dem Streit mit ihrem ehemaligen Plattenlabel und ihrem Konzert vom Vortag, wo sie im Café de la Danse Ray La Montagne supportet hatte. Ihr zweites Konzert in Paris wie sie anmerkte, das erste hatte vor ein paar Monaten im Jazz-Club New Morning stattgefunden. Jo Krasevitch? Wer is'n das? Das wusste ich bis ein paar Stunden vor dem kurzen Akustikauftritt bei Gibert auch nicht. Ein unbeschriebendes Blatt. Zumindest für mich. Die Musikgazette X-Roads hingegen hatte über sie in der aktuellen Ausgabe zwei Seiten gefüllt und ein interessantes Interview abgedruckt. Darin erzählt die Tochter eines Jugoslawen und einer Franko-Kanadierin von iher Kindheit in Detroit und Ottawa, ihrer kurzen, aber sehr erfolgreichen Karriere als Model (sie hatte es auf die Titelseite der Elle gebracht und Fotos mit Helmut Newton gemacht), einem Gastauftritt bei einem U2-Konzert und ihrer Vorliebe für das Songwriting von Neil Young.



Mit einem Cover von Neil Young, Like A Hurricane, hatte sie auch den heutigen Showcase beendet. Ansonsten spielte sie aber eigene Kompositionen von ihrem Debütalbum Merry-Go-Round an dem sogar Daniel Lanois (Produzent von Bob Dylan, Neil Young etc.) Gitarre spielend beteiligt gewesen war. Butterweiche, anschmiegsame und höchst tröstliche Folksongs voller Simplizität und Melancholie. Die Stimme von Jo Krasevich gefiel mir ganz ausgezeichnet. Sie erinnerte an Suzanne Vega oder Anna Ternheim und schuf eine äußerst intime Atmosphäre. Ohnehin war ich der langbeinigen Lady sehr nahe, denn ich hatte es mir auf dem Boden vor ihren schokoladenbraunen Cowboystiefeln bequem gemacht. "This is a good spot" rief sie mir von oben zu und ich nickte bejahend. Krasevich spielte Gitarre aber auch Mundharmonika und trug Stücke wie Crazy Love, If I oder Fall On Me (kein R.E.M. Cover!) vor. Die Sachen gefielen mir auf Anhieb, sie kamen ungekünstelt und authentisch rüber. Schade, daß die Zeit wirklich wie im Fluge verging, ein halbes Dutzend Songs und dann war auch schon Schluß. Hinterher musste ich unbedingt ihr Album haben, dessen Anschaffung auch für das Artwork im Jugendstil-Design lohnt. Auf Konserve sind die Titel allesamt stärker arrangiert, mit Peadal- Steel und Geige unterlegt und mundgerecht aufgearbeitet. Der reduzierte Akustikvortrag von heute gefiel mir besser, aber schlecht ist das Album keineswegs.

Ich war auf jeden Fall froh, Bekanntschaft mit Jo Krasevich geschlossen zu haben und nun drücke ich ihr ganz fest die Daumen, daß sie ihren Hund wiederfindet!


For our english readers (thanks a million to Uschi for the translation!)

Jo Krasevich is an incredibly kind and wonderful person. Unfortunately, her beloved dog called Toulouse ran away in Paris, as she told us after her show case at the Gibert Joseph CD-Store. The Detroit born, tall and charismatic American woman who resides in Paris, Los Angeles und Montreal shared some other moments of her life with us: life on tour, the clash with her former record label, the show she played last night when she was supporting Ray La Montagne at Café de la Danse. She mentioned that it was her second concert in Paris, after playing at New Morning jazz club a few months ago. But who is Jo Krasevich actually? I hadn’t heard the name until only shortly before this acoustic set at Gibert; I admit that she was a dark horse to me. X-Roads magazine, on the contrary, have dedicated two pages of their current issue to her, including an interesting interview: The daughter of a Yugoslav father and a Quebecois mother speaks about her childhood in Detroit and Ottawa, her short but very successful career as a model (she scored a cover of Elle and posed for Helmut Newton!), a guest appearance at a U2 concert and her fondness for Neil Young’s songwriting skills. And so, the last song of today’s show case was a cover of Neil Young’s Like A Hurricane. Apart from that, she performed several titles off her debut album Merry-Go-Round. The album features, nota bene, Daniel Lanois (producer of Bob Dylan, Neil Young etc.) on the guitar and contains mellow and very comforting, melancholic lo-fi folk songs. I really have enjoyed Jo Krasevich’s voice. She sounded like Suzanne Vega or Anna Ternheim and created a wonderful, intimate mood. I sat very close to the long legged lady anyway, comfortably installed on the floor, right in front of her chocolate brown western boots. "This is a good spot" she said to me from above, and I nodded in agreement.Krasevich played the guitar and also the harmonica, performing titles such has Crazy Love, If I or Fall On Me (NOT a R.E.M. cover!). The songs sounded unaffected and authentic; I liked them on the first listen. Bummer that time passed by so quickly! The set was finished after half a dozen of songs only. Afterwards, I absolutely had to get her album. Its Art Nouveau artwork is well worth the purchase. With a tighter arrangement and pedal steel guitar and fiddle, the songs are more bite-sized in their album versions. I prefer the stripped-down acoustic performance, but the album is not bad at all. I’m glad I got to know Jo Krasevich. I’ll keep my fingers crossed for her and hope that she’ll find her dog!


Video by Rockerparis, Jo Krasevich-Crazy Love



Damien Jurado, Paris, 11.09.10


Konzerte: Damien Jurado
Orte: Fargo Recordstore & Café de la danse, Paris Datum: 11.09.10
Zuschauer: 20-30 (Fargo Store), 500-600 (ausverkauft) Café de la danse (Support Campbell/Lanegan)
Konzertdauer: jeweils 30-40 Minuten



Nicht ein Feuerwehrmann aus New York, sondern ein Singer/Songwriter aus Seattle war mein Held an diesem 11. September!

Die Rede ist von Damien Jurado, der gleich zwei mal in der Stadt der Liebe auftrat. Der erste Gig war eine ziemlich exklusive Geschichte. Der Mann mit dem in der Folkszene obligatorischem Karoshirt gab nämlich um 18 Uhr einen Showcase im Fargo Recordstore unweit des Oberkampf-Viertels. 20 Eingeweihte hatten sich in Michels fein sortiertem Plattenladen eingefunden und kauerten zwischen Vinylscheiben auf dem Boden, oder standen vor den Regalen, um andächtig Damien Jurado und seinen traurigen, aber wundervollen Songs zuzuhören. Das Konzert hatte schon begonnen als ich eintrat und ich war nicht der Letzte, der noch später angeschissen kam. Ungefähr 10 weitere Fans tröpfelten im Laufe des Akustiksets noch ein.

Vor den CD-Neuheiten saß der recht kräftig gebaute Mann auf einem Stühlchen und trug einen Zungenschnalzer nach dem anderen vor. Seine Grammofon-Stimme war schlicht und einfach sensationell! Ein unglaubliches Timbre, ein weicher runder Klang, dem er aber ab und an auch ein klein wenig Kratzbürstigkeit beimischte. Wahrlich eine Wohltat für die Ohren und das Herz! Auch sein Auftreten war angenehm sympathisch und bescheiden. Er machte nicht viel Aufheben um seine Person, sondern zelebrierte ganz relaxt seine formidablen Lieder, die zum größten Teil von seinem überaus gelungenen neuen Album Saint Bartlett stammten. In der heutigen komplett akustischen Variante war das Ganze vielleicht noch schöner und berührender als auf dem Tonträger, denn so kam die ungeheure Intimität noch besser zur Geltung. Rachel & Cali oder Cloudy Shoes, egal was er gerade anstimmte, es war schlichtweg ein Traum! Auch dem Altwerk widmete er den ein oderen anderen Track, dann aber sagte er, daß er nun schnellstens zum Café de la Danse müsse, ansonsten würden sie ihn dort umbringen. Hätten sie natürlich nicht gemacht, aber in der Tat erwartete man im Café de la danse Damien Jurado zu seinem "richtigen" Konzert. als Support von Campbell & Lanegan. Zusammen mit seiner Frau, die auch ein paar Fotos geschossen hatte, wanderte er zur zwei U-Bahnstation entfernten Location zu Fuß. Er käme während einer Tournee nie dazu, sich zu bewegen, erklärte er mir später. Ein ungemein netter Kerl und was für ein fabelhafter Musiker!

Im Café de la Danse angekommen, machte er vor deutlich mehr Zuschauern seine Sache genau so gut. Humor bewies er, als er nach drei eher melancholisch gehaltenen Stücken erklärte, er hätte nun seine fröhlichen Songs verballert, von nun an würde es deutlich trauriger werden. Viellicht liegt es an dieser (mir persönlich sehr gut gefallenden ) Schwermut, daß sein Sohn seine Musik nicht sonderlich mag. "My son hates my music. He prefers bands like Daft Punk, Justice or Kraftwerk". Wenn sein Sohnemann älter wird, wird er sicherlich mehr zu schätzen wissen, was sein Vater Großartiges geschrieben hat. Mit seiner Stimme, seinem guten Songwriting und der Fähigkeit, Leute allein an der Akustikgitarre in seinen Bann zu ziehen, verfügt Damien Jurado über alle Qualitäten, die ihn zu einem der besten Singer/Songwriter seiner Generation machen.

Damien Jurado, mein Held dieses 11. Septembers 2010!

Setlist Damien Jurado, Fargo Store Paris:

- Three To Be Seen
- The Loneliest Place I've Ever Been (Is In Your Arms)
- Abilene
- Rachel & Cali
- Cloudy Shoes
- Diamond Sea

+ Newspaper Gown (new)


Ausgewählte Konzerttermine Damien Jurado (ohne Gewähr):

13.09.2010: King Geogr, Köln
14.09.2010: Ekko, Utrecht
15.09.2010: Haus 73, Hamburg
16.09.2010: NBI Club, Berlin
17.09.2010: UT Connewitz, Leipzig


Damien Jurado, Paris, 11.09.10


Konzerte: Damien Jurado
Orte: Fargo Recordstore & Café de la danse, Paris Datum: 11.09.10
Zuschauer: 20-30 (Fargo Store), 500-600 (ausverkauft) Café de la danse (Support Campbell/Lanegan)
Konzertdauer: jeweils 30-40 Minuten



Nicht ein Feuerwehrmann aus New York, sondern ein Singer/Songwriter aus Seattle war mein Held an diesem 11. September!

Die Rede ist von Damien Jurado, der gleich zwei mal in der Stadt der Liebe auftrat. Der erste Gig war eine ziemlich exklusive Geschichte. Der Mann mit dem in der Folkszene obligatorischem Karoshirt gab nämlich um 18 Uhr einen Showcase im Fargo Recordstore unweit des Oberkampf-Viertels. 20 Eingeweihte hatten sich in Michels fein sortiertem Plattenladen eingefunden und kauerten zwischen Vinylscheiben auf dem Boden, oder standen vor den Regalen, um andächtig Damien Jurado und seinen traurigen, aber wundervollen Songs zuzuhören. Das Konzert hatte schon begonnen als ich eintrat und ich war nicht der Letzte, der noch später angeschissen kam. Ungefähr 10 weitere Fans tröpfelten im Laufe des Akustiksets noch ein.

Vor den CD-Neuheiten saß der recht kräftig gebaute Mann auf einem Stühlchen und trug einen Zungenschnalzer nach dem anderen vor. Seine Grammofon-Stimme war schlicht und einfach sensationell! Ein unglaubliches Timbre, ein weicher runder Klang, dem er aber ab und an auch ein klein wenig Kratzbürstigkeit beimischte. Wahrlich eine Wohltat für die Ohren und das Herz! Auch sein Auftreten war angenehm sympathisch und bescheiden. Er machte nicht viel Aufheben um seine Person, sondern zelebrierte ganz relaxt seine formidablen Lieder, die zum größten Teil von seinem überaus gelungenen neuen Album Saint Bartlett stammten. In der heutigen komplett akustischen Variante war das Ganze vielleicht noch schöner und berührender als auf dem Tonträger, denn so kam die ungeheure Intimität noch besser zur Geltung. Rachel & Cali oder Cloudy Shoes, egal was er gerade anstimmte, es war schlichtweg ein Traum! Auch dem Altwerk widmete er den ein oderen anderen Track, dann aber sagte er, daß er nun schnellstens zum Café de la Danse müsse, ansonsten würden sie ihn dort umbringen. Hätten sie natürlich nicht gemacht, aber in der Tat erwartete man im Café de la danse Damien Jurado zu seinem "richtigen" Konzert. als Support von Campbell & Lanegan. Zusammen mit seiner Frau, die auch ein paar Fotos geschossen hatte, wanderte er zur zwei U-Bahnstation entfernten Location zu Fuß. Er käme während einer Tournee nie dazu, sich zu bewegen, erklärte er mir später. Ein ungemein netter Kerl und was für ein fabelhafter Musiker!

Im Café de la Danse angekommen, machte er vor deutlich mehr Zuschauern seine Sache genau so gut. Humor bewies er, als er nach drei eher melancholisch gehaltenen Stücken erklärte, er hätte nun seine fröhlichen Songs verballert, von nun an würde es deutlich trauriger werden. Viellicht liegt es an dieser (mir persönlich sehr gut gefallenden ) Schwermut, daß sein Sohn seine Musik nicht sonderlich mag. "My son hates my music. He prefers bands like Daft Punk, Justice or Kraftwerk". Wenn sein Sohnemann älter wird, wird er sicherlich mehr zu schätzen wissen, was sein Vater Großartiges geschrieben hat. Mit seiner Stimme, seinem guten Songwriting und der Fähigkeit, Leute allein an der Akustikgitarre in seinen Bann zu ziehen, verfügt Damien Jurado über alle Qualitäten, die ihn zu einem der besten Singer/Songwriter seiner Generation machen.

Damien Jurado, mein Held dieses 11. Septembers 2010!

Setlist Damien Jurado, Fargo Store Paris:

- Three To Be Seen
- The Loneliest Place I've Ever Been (Is In Your Arms)
- Abilene
- Rachel & Cali
- Cloudy Shoes
- Diamond Sea

+ Newspaper Gown (new)


Ausgewählte Konzerttermine Damien Jurado (ohne Gewähr):

13.09.2010: King Geogr, Köln
14.09.2010: Ekko, Utrecht
15.09.2010: Haus 73, Hamburg
16.09.2010: NBI Club, Berlin
17.09.2010: UT Connewitz, Leipzig


The Tallest Man On Earth, Haldern, 14.08.10


Konzert: The Tallest Man On Earth

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern, Niederrhein
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: viele



The Tallest Man On Earth war kein Riese, aber die Songs des Schweden, der sich hinter diesem Moniker verbirgt, waren, man erlaube mir dieses flache Wortspiel, riesig. Kristian Matsson heißt er, der angeblich größte Mann der Welt. Vermutlich bezog sich das mit dem "tall" heute vor allem auf die Bühne, denn die war wirklich großräumig, vor allem weil sie nur von dem Schweden und seiner Akustikklampfe eingenommen wurde. Ein Novum für mich in Haldern. Gab es das schon einmal, daß ein Musiker ganz alleine auf der Mainstage auftrat? Ein gewagtes Unterfangen der Organisatoren, die entweder kein Plätzchen mehr im Spigeltent frei hatten, oder aber Kristian Matsson den großen Auftritt gönnten. Wie auch immer, der Lockenkopf machte seine Sache gut. "Sorry, this is no music to dance to" sagte er entschuldigend, aber mir war sein warmherziger Folk allemal lieber als die gräßliche Dance Music von Delphic. Und dann die Stimme! Ein bluesig-kraziges Kehlchen, das nicht jedermanns Sache war, was beweist, daß die meisten Leute, die sich heutzutage Folkfans nennen, mit traditionell angelegtem Folk à la Bob Dylan oder Van Morrisson nicht viel anfangen können. Klar erforderte es eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration, seien akutischen Stücken zuzuhören, aber von einem versierten Publikum wie dem Halderner darf man das ruhig erwarten.

Ich jedenfalls habe mich nicht gelangweilt und The Tallest Man On Earth darf gerne in meinem Wohnzimmer auftreten, wenn er das denn möchte. Wie können zumindest die größte Katzenrasse der Welt (eine Ragdoll) aufbieten!

Setlist The Tallest Man On Earth, Haldern Pop festival 2010:

01: The Wild Hunt
02: Thousand Ways
03: I Won't Be Found
04: The Gardener
05: Love Is All
06: Where Do My Bluebird Fly
07: You're Going Back
08: King Of Spain


The Tallest Man On Earth, Haldern, 14.08.10


Konzert: The Tallest Man On Earth

Ort: Hauptbühne des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern, Niederrhein
Datum: 14.08.2010
Zuschauer: viele



The Tallest Man On Earth war kein Riese, aber die Songs des Schweden, der sich hinter diesem Moniker verbirgt, waren, man erlaube mir dieses flache Wortspiel, riesig. Kristian Matsson heißt er, der angeblich größte Mann der Welt. Vermutlich bezog sich das mit dem "tall" heute vor allem auf die Bühne, denn die war wirklich großräumig, vor allem weil sie nur von dem Schweden und seiner Akustikklampfe eingenommen wurde. Ein Novum für mich in Haldern. Gab es das schon einmal, daß ein Musiker ganz alleine auf der Mainstage auftrat? Ein gewagtes Unterfangen der Organisatoren, die entweder kein Plätzchen mehr im Spigeltent frei hatten, oder aber Kristian Matsson den großen Auftritt gönnten. Wie auch immer, der Lockenkopf machte seine Sache gut. "Sorry, this is no music to dance to" sagte er entschuldigend, aber mir war sein warmherziger Folk allemal lieber als die gräßliche Dance Music von Delphic. Und dann die Stimme! Ein bluesig-kraziges Kehlchen, das nicht jedermanns Sache war, was beweist, daß die meisten Leute, die sich heutzutage Folkfans nennen, mit traditionell angelegtem Folk à la Bob Dylan oder Van Morrisson nicht viel anfangen können. Klar erforderte es eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration, seien akutischen Stücken zuzuhören, aber von einem versierten Publikum wie dem Halderner darf man das ruhig erwarten.

Ich jedenfalls habe mich nicht gelangweilt und The Tallest Man On Earth darf gerne in meinem Wohnzimmer auftreten, wenn er das denn möchte. Wie können zumindest die größte Katzenrasse der Welt (eine Ragdoll) aufbieten!

Setlist The Tallest Man On Earth, Haldern Pop festival 2010:

01: The Wild Hunt
02: Thousand Ways
03: I Won't Be Found
04: The Gardener
05: Love Is All
06: Where Do My Bluebird Fly
07: You're Going Back
08: King Of Spain


Laura Marling, Haldern-Festival, 13.08.10

Konzert: Laura Marling
Ort: Spiegeltent des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern
Datum: 13.08.2010
Zuschauer: knallvolles Zelt
Konzertdauer: etwa 50 Minuten


Die junge Engländerin Laura Marling entwickelt sich immer mehr zur Diva. Den langwierigen Soundcheck in Haldern übernimmt ein stark tätowierter Glatzkopf für sie und sie erscheint eine Viertel Stunde später auf der Bühne obwohl ihre zahlreichen männlichen Bandmitglieder, darunter Marcus Mumford (ihr Lover?) schont längst bereit stehen. Ob ihr Majorlabel EMI das wohl so will? Professionell wirkt es ja, wenn man nicht mehr selbst Hand anlegt und hinterher nicht den Kabelsalat aufräumt, aber schöner finde ich es, wenn die jeweiligen Künstler den Aufbau-und Abbau persönlich erledigen. Na ja, vielleicht sollte ich nicht jede Kleinigkeit überinterpretieren. Dass mit der professionellen Vermarktung durch ihr Label EMI weiß ich aber aus eigener Erfahrung. In Paris kam ich vor ein paar Monaten in den Genuß, Laura Marling bei einer geheimen Videosession der Seite le-hiboo.com zu treffen und wurde hinterher von einem ihrer Labelmenschen darüber belehrt, daß man bei EMI das Recht am Bild der Sängerin genauestens überwache. Ich solle bitte meine Fotos zuerst der zuständigen Person zuschicken, die mir dann die Veröffentlichung von ein paar Schüssen genehmigen würde. Von 20 Bildern erlaubte man mir nur ganze 3 bei Flickr öffentlich hochzuladen! (eines davon habe ich hier eingestellt, Laura mit Gitarre und Trenchcoat auf einer Wiese, irgendwie sehr lässig) Die Karriere von Laura Marling ist also perfekt durchgeplant, damit es was wird mit dem kommerziellen Erfolg an dem sie schon in ihrem jungen Alter mit enormen Fleiß, Ehrgeiz und Talent arbeitet. Als Wunderkind wird sie in der Presse oft dargestellt, als unglaublich reif für ihr Alter und nicht zuletzt als Nachfolgerin von Joni Mitchell. Kein Wunder, daß da viel Druck auf ihren schmalen Schultern lastet. Bisher geht sie damit sehr gut um, ist immer höflich, wohlerzogen und nett. Allerdings stets auch auf vornehme Weise reserviert und distanziert. Heute in Haldern war das nicht anders. Man merkte, daß sich Laura bemühte, Kommunikation zu betreiben, einen Draht zum Publikum herzustellen (prägnantes Beispiel: die Mitpfeifszene bei einem Lied) und offen zu sein. Richtig an sie ran ließ sie aber keinen (nein, nein, nicht das Ranlassen was ihr Lustmolche meint!). Man merkte immer, daß es eine Barriere zwischen ihr und den Fans gab, egal wie nett und charmant sie auch lächelte. Aber in dieser Hinsicht gilt wie überhaupt in Bezug auf Laura Marling: Gebt dem Mädchen Zeit, sich menschlisch und musikalisch zu entwickeln! Ja, sie ist sehr talentiert, stimmlich gut und enorm charmant, aber die neue Königin der Folkmusik ist sie noch nicht. Ich selbst hatte mich vor ein paar Jahren, als ich sie zum ersten Male in Paris gesehen habe, dazu hinreißen lassen, überaus schwämerisch und unter Verwendung von zahlreichen Superlativen über sie zu berichten. Vieles davon kann ich auch heute noch so unterschreiben, bin aber inzwischen sachlicher und weiß, daß gerade in der Folkmusik kein Star vom Himmel fällt. Gutes Songwriting braucht Reife, Zeit und Erfahrung und griffige Songs schreibt man nicht mal so nebenbei. Dabei hat Laura ja in diesen Bereichen tasächlich schon Großartiges geleistet. Ghosts, My Manic and I und Alas I Cannot Swim, bereits auf dem ersten Album gab es einige Sternstunden zu feiern. Mit dem Neuling I Speak Because I Can tue ich mich allerdings schwerer. Lediglich das schon früh zur Setlist gehörende Blackberry Stone und die Single Hope In The Air überzeugen mich hunderprozentig, einige ander Titel verblassen hingegen ein wenig. Und der Instrumentierung beim heutigen Konzert war es mir oftmals zu viel (besonders orchestral: Alas I Cannot Swim, das mir besser in reduzierter Version gefällt). So hatte der Gig für mich dann auch konsequenzerweise die besten Momente, wenn die Blondine ganz alleine sang und Gitarre spielte. Da wurde es dann richtig intim und heimelig im Zelt und mir wurde wieder bewußt, warum ich Laura Marling von Beginn an so vergöttert habe. In diesen kostbaren Momenten stellte die Folkeuse dann auch wirklich einen Draht zum (sehr angetanen) Publikum her und band es auch in der bereits oben erwähnten Mitpfeifszene zum Song Night Terror mit ein. Eine kesse Besucherin fragte hinterher, ob das Haldern-Publikum den Preis für die beste Partizipation gewonnen hätte (Laura hatte vorher davon berichtet, daß sie auch in anderen Städten die Leute mitpfeifen lässt), wurde aber schlagfertig und schmunzelnd mit den Worten beschieden: " You were good, but Sydney won, you have to work a litte bit on it" (den genauen Wortlaut erinnere ich nicht mehr, aber in der Sache dürfte es hinkommen).

In Anspielung auf diesen Spruch könnte es für mich als Fazit lauten: " You were good, but Alela Diane, Nina Nastasia or Mia Doi Todd won, you still have to work a bit on it, Laura Marling"...

Setlist Laura Marling Haldern Pop Festival 2010:

01: Devils Spoke
02: Rambling Man
03: Ghosts
04: My Manic And I
05: Blackberry Stone
06: Don't Ask Me Why (Laura solo)
07: Night Terror (solo)
08: Goodbye England (solo)
09: Alpha Swallows
10: Hope In The Air
11: Alas I Cannot Swim
12: I Speak Because I Can




Laura Marling, Haldern-Festival, 13.08.10

Konzert: Laura Marling
Ort: Spiegeltent des Haldern Pop Festivals, Rees-Haldern
Datum: 13.08.2010
Zuschauer: knallvolles Zelt
Konzertdauer: etwa 50 Minuten


Die junge Engländerin Laura Marling entwickelt sich immer mehr zur Diva. Den langwierigen Soundcheck in Haldern übernimmt ein stark tätowierter Glatzkopf für sie und sie erscheint eine Viertel Stunde später auf der Bühne obwohl ihre zahlreichen männlichen Bandmitglieder, darunter Marcus Mumford (ihr Lover?) schont längst bereit stehen. Ob ihr Majorlabel EMI das wohl so will? Professionell wirkt es ja, wenn man nicht mehr selbst Hand anlegt und hinterher nicht den Kabelsalat aufräumt, aber schöner finde ich es, wenn die jeweiligen Künstler den Aufbau-und Abbau persönlich erledigen. Na ja, vielleicht sollte ich nicht jede Kleinigkeit überinterpretieren. Dass mit der professionellen Vermarktung durch ihr Label EMI weiß ich aber aus eigener Erfahrung. In Paris kam ich vor ein paar Monaten in den Genuß, Laura Marling bei einer geheimen Videosession der Seite le-hiboo.com zu treffen und wurde hinterher von einem ihrer Labelmenschen darüber belehrt, daß man bei EMI das Recht am Bild der Sängerin genauestens überwache. Ich solle bitte meine Fotos zuerst der zuständigen Person zuschicken, die mir dann die Veröffentlichung von ein paar Schüssen genehmigen würde. Von 20 Bildern erlaubte man mir nur ganze 3 bei Flickr öffentlich hochzuladen! (eines davon habe ich hier eingestellt, Laura mit Gitarre und Trenchcoat auf einer Wiese, irgendwie sehr lässig) Die Karriere von Laura Marling ist also perfekt durchgeplant, damit es was wird mit dem kommerziellen Erfolg an dem sie schon in ihrem jungen Alter mit enormen Fleiß, Ehrgeiz und Talent arbeitet. Als Wunderkind wird sie in der Presse oft dargestellt, als unglaublich reif für ihr Alter und nicht zuletzt als Nachfolgerin von Joni Mitchell. Kein Wunder, daß da viel Druck auf ihren schmalen Schultern lastet. Bisher geht sie damit sehr gut um, ist immer höflich, wohlerzogen und nett. Allerdings stets auch auf vornehme Weise reserviert und distanziert. Heute in Haldern war das nicht anders. Man merkte, daß sich Laura bemühte, Kommunikation zu betreiben, einen Draht zum Publikum herzustellen (prägnantes Beispiel: die Mitpfeifszene bei einem Lied) und offen zu sein. Richtig an sie ran ließ sie aber keinen (nein, nein, nicht das Ranlassen was ihr Lustmolche meint!). Man merkte immer, daß es eine Barriere zwischen ihr und den Fans gab, egal wie nett und charmant sie auch lächelte. Aber in dieser Hinsicht gilt wie überhaupt in Bezug auf Laura Marling: Gebt dem Mädchen Zeit, sich menschlisch und musikalisch zu entwickeln! Ja, sie ist sehr talentiert, stimmlich gut und enorm charmant, aber die neue Königin der Folkmusik ist sie noch nicht. Ich selbst hatte mich vor ein paar Jahren, als ich sie zum ersten Male in Paris gesehen habe, dazu hinreißen lassen, überaus schwämerisch und unter Verwendung von zahlreichen Superlativen über sie zu berichten. Vieles davon kann ich auch heute noch so unterschreiben, bin aber inzwischen sachlicher und weiß, daß gerade in der Folkmusik kein Star vom Himmel fällt. Gutes Songwriting braucht Reife, Zeit und Erfahrung und griffige Songs schreibt man nicht mal so nebenbei. Dabei hat Laura ja in diesen Bereichen tasächlich schon Großartiges geleistet. Ghosts, My Manic and I und Alas I Cannot Swim, bereits auf dem ersten Album gab es einige Sternstunden zu feiern. Mit dem Neuling I Speak Because I Can tue ich mich allerdings schwerer. Lediglich das schon früh zur Setlist gehörende Blackberry Stone und die Single Hope In The Air überzeugen mich hunderprozentig, einige ander Titel verblassen hingegen ein wenig. Und der Instrumentierung beim heutigen Konzert war es mir oftmals zu viel (besonders orchestral: Alas I Cannot Swim, das mir besser in reduzierter Version gefällt). So hatte der Gig für mich dann auch konsequenzerweise die besten Momente, wenn die Blondine ganz alleine sang und Gitarre spielte. Da wurde es dann richtig intim und heimelig im Zelt und mir wurde wieder bewußt, warum ich Laura Marling von Beginn an so vergöttert habe. In diesen kostbaren Momenten stellte die Folkeuse dann auch wirklich einen Draht zum (sehr angetanen) Publikum her und band es auch in der bereits oben erwähnten Mitpfeifszene zum Song Night Terror mit ein. Eine kesse Besucherin fragte hinterher, ob das Haldern-Publikum den Preis für die beste Partizipation gewonnen hätte (Laura hatte vorher davon berichtet, daß sie auch in anderen Städten die Leute mitpfeifen lässt), wurde aber schlagfertig und schmunzelnd mit den Worten beschieden: " You were good, but Sydney won, you have to work a litte bit on it" (den genauen Wortlaut erinnere ich nicht mehr, aber in der Sache dürfte es hinkommen).

In Anspielung auf diesen Spruch könnte es für mich als Fazit lauten: " You were good, but Alela Diane, Nina Nastasia or Mia Doi Todd won, you still have to work a bit on it, Laura Marling"...

Setlist Laura Marling Haldern Pop Festival 2010:

01: Devils Spoke
02: Rambling Man
03: Ghosts
04: My Manic And I
05: Blackberry Stone
06: Don't Ask Me Why (Laura solo)
07: Night Terror (solo)
08: Goodbye England (solo)
09: Alpha Swallows
10: Hope In The Air
11: Alas I Cannot Swim
12: I Speak Because I Can