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Maps & Atlases & Oh No Oh My, Paris, 03.02.11


Konzert: Maps & Atlases & Oh No Oh My

Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 03.02.11

Zuschauer: voll, aber nicht ausverkauft

Konzertdauer: Oh No Oh My knapp 1 Stunde, Maps & Atlases 75 Minuten


Zu dumm nur, daß es schon die Shins gibt, die das Gleiche in besser machen! Dergestalt waren meine Gedanken, als ich am Dienstag die texanische Indiepop Band Oh No Oh My* bei einem Showcase im Plattenladen Fnac gesehen hatte. Die wohlgenährten Jungs aus Austin (haha, ich muß grad' reden, ich fetter Sack!) sind dabei ihr zweites Album People Problems ("it's absolutely great ",wie sie selbst sagten) zu promoten und touren gerade durch Frankeich, bevor sie im Laufe des Februars auch durch deutsche Indieclubs ziehen werden.



Heute durften sie als Vorgruppe von Maps & Atlases in der Pariser Maroquinerie ran. Und es war durchaus gefällig und Laune machend, was man hörte. Eine Band mit gleich zwei Sängern, die sich je nach Stück immer wieder abwechselten und dem typisch amerikanischen College Rock/Indiepopsound. Neben den Shins könnte man problemlos auch noch The New Pornographers, Death Cab For Cutie, Cursive, The Good Life, REM, Someone Still Loves You Boris Yeltsin und noch einige andere nennen. Bei sovielen ähnlichen Bands, fiel es mir schwer, das Eigenständige bei Oh No Oh My zu erkennen. Aber was soll's, man stößt halt eben nicht alle Nase lang auf eine essentielle Gruppe, die die Musikwelt revolutioniert. Und ein paar gute Songs hatten die Texaner ja allemal zu bieten. Die Variationen entstanden durch die wechselnden Sänger. Wenn der bärtige Greg Barkley sang Jamesmercerte es und wenn der rundliche Daniel Hoxmeier zum Mikro griff, Robersmithte es sogar ein wenig. Das allerletzte Lied des Sets bestritt allerdings ausnahmsweise Tim Reagan mit seiner bluesigen Whiskeystimme. Unter dem Strich ein passables Konzert, gut zur Einstimmung.

Dann durften Maps & Atlases ran. Die zahlreichen Amerikaner im Publikum scharrten schon mit den Hufen und johlten als die Truppe um den bärtigen Brillenträger die Bühne berat. Ohne die amerikannische Gemeinde in Paris wären Konzerte von US-Indierockkapellen wohl deutlich schlechter besucht und kaum einer würde die Texte kennen. Hipster nennt man diese Typen wohl. In der Regel gutsituiert, gebildet und betont lässig auftretend. Kinder reicher Eltern, die sich locker machen, den Schlips in die Ecke donnern, sich lange Haare und Bärte wachsen lassen und den Mainstream verachten. Individuell und kreativ will man sein, um sich von den anderen Pappnasen, die Jura studiert haben, abzugrenzen. Zu dumm nur, daß durch die rasend schnelle Informationsverbreitung im Internet, Bands wie Maps & Atlases in der Szene schnell bekannt werden und über kurz oder lang auch ein paar Mainstreamler anziehen werden, die der Hipster hasst. Blame it on pitchfork.

Maps & Atlases scheinen mir ohnehin der Inbegriff der Bloggerlieblinge zu sein. Schräg, gegen den Strich gebürstet, mit zahlreichen Ecken und Kanten und Tempiwechseln aufwartend und einem Sänger mit Hippielook und nasaler Stimme. Clever wie sie sind, vereinen sie alle angesagten Stile der letzten 5 Musikjahre auf sich. Mathrock, Afro-Indie, Psychedelic-Folk. Mit dieser Mischung und ihrem nonchalanten, netten Auftreten, versuchen sie an unsere Kohle zu kommen. Wenn es die Truppe aus Chicago nicht gäbe, mussten man sie als Indieplatten-Boss klonen! Schon eine clevere Masche das Ganze. Aber hey, halt, warte! Jetzt nicht aufschreien und mir Boshaftigkeit unterstellen. Wohlgemerkt, ich mag Maps & Atlases, sie sind toll, haben mir einen prima Abend beschert. Ich wollte nur anmerken, daß eine kleine Kapelle wie Maps & Atlases genau wie großkotzige Arroganzler wie die Killers ganz genau durchdachte Karrierpläne einhalten und keinen Bock darauf haben, auf immer und ewig ein paar CDs an Freude und Bekannte aus dem Kofferraum ihres bemalten VW- Busses zu verscherbeln. Das sind eben Amerikaner, denen wurde in der Schule nicht eingebläut, daß Konsum per se etwas Schlechtes ist und ein Brainwashing durch die wirren Thesen eines Karl Marx haben sie auch nicht erfahren. Daß der Sänger Dave Davison schon fast aussieht wie der Enkel des Trieres ändert daran nichts. Und wir wissen ja auch, wie Oberkomunarde Rainer Langhans geendet ist. Im Dschungel, aber anschließend mit 50.000 Euro mehr auf dem Konto.

Zu den gespielten Songs: allesamt quirlig, bunt, federnd, perlend, euphorisierend. Opener Pigeon kommt mit Afroeinschlag à la Vampire Weekend daher, Israeli duftet nach dem Saft kalifornischer, sonnengereifter Apfelsinen und hätte so ähnlich auch von den Magic Numbers stammen können, CavesWill erinnert mit seiner verwunschenen Psychedelic- Note an Grizzly Bear und Closer Solid Ground ist der Hit der Band schlechthin. Ein Ohrwurm, der Maps & Atlases noch deutlich bekannter machen wird.

Schön auch, daß die Band am Schluß vier akustische Lider inmitten des Publikums performt. Die Zuschauer bilden einen Kreis und können den Künstler aus nächster Nähe beim Musizieren zusehen.

Exklusiver geht es bei der Aftershow Session zu. Renaud von Le Cargo kam mit seiner Kamera vorbei und filmte noch zwei Tracks mit der Band in der Kabine. Zutritt für Normalsterbliche verboten. Ich selbst hätte die Chance gehabt, reinzukommen, war aber zu lahm. Aber wie das Ganze war, können wir dann ja später auf der Seite von Le Cargo bewundern.

Setlist Maps & Atlases, La Maroquinerie, Paris:

01:Pigeon
02: The Sound They Make
03: Artichokes
04: Israeli Caves
05: Ted Zancha
06: Will
07: The Charm
08: Witch
09: If This Is
10: Was
11: Every Place is A House
12: Living Decorations
13: Daily News
14: Is
15: Solid Ground

2 der akustischen Songs hat mein Freund Laurent (merci!) erkannt, es handelet sich um Carrying The Wet Wood und The Ongoing Horrible. Laurent merkte auch an, daß die Reihenfolge der getippten Setlist nicht immer eingehalten wurde.

* aufgepasst beim Namen! Nicht zu verwechseln mit Oh No Oh No. Außerdem muss man wissen, daß Oh No Oh My die ursprünglich verwendeten Ausrufezeichen aus seinem Bandnamen gestrichen hat.

Ausgewählte Konzerttermine Oh No Oh My (ohne Gewähr):

11.02.2011: Baden (Schweiz) - One Of A Million Festival
13.02.2011: Wien - Fluc
14.02.2011: Innsbruck, Weekender
15.02.2011: Dresden, Ostpol
16.02.2011: Berlin, Café Zapata
17.02.2011: Hannover, Feinkost Lampe
18.02.2011: Leipzig, UT Connewitz
19.02.2011: Offenbach, Hafen 2
20.02.2011: Karlsruhe, Kohi
25.02.2011: Köln, King Georg

Ausgewählte Konzertermein Maps & Atlases (ohne Gewähr)

07.02.2011: Oberhausen, Drucklufthaus
08.02.2011: Münster, Gebäude 9
09.02.2011: Berlin, Festsaal Kreuzberg
14.02.2011: Leipzig, UT Connewitz
15.02.2011: Prag, 007
16.02.2011: Wien, Szene
17.02.2011: München, Orangehouse
18.02.2011: Zürich, Plaza
19.02.2011: Köln, Gebäude 9

Aus unserem Archiv:

Maps & Atlases, Paris, 14.10.10


Maps & Atlases & Oh No Oh My, Paris, 03.02.11


Konzert: Maps & Atlases & Oh No Oh My

Ort: La Maroquinerie, Paris

Datum: 03.02.11

Zuschauer: voll, aber nicht ausverkauft

Konzertdauer: Oh No Oh My knapp 1 Stunde, Maps & Atlases 75 Minuten


Zu dumm nur, daß es schon die Shins gibt, die das Gleiche in besser machen! Dergestalt waren meine Gedanken, als ich am Dienstag die texanische Indiepop Band Oh No Oh My* bei einem Showcase im Plattenladen Fnac gesehen hatte. Die wohlgenährten Jungs aus Austin (haha, ich muß grad' reden, ich fetter Sack!) sind dabei ihr zweites Album People Problems ("it's absolutely great ",wie sie selbst sagten) zu promoten und touren gerade durch Frankeich, bevor sie im Laufe des Februars auch durch deutsche Indieclubs ziehen werden.



Heute durften sie als Vorgruppe von Maps & Atlases in der Pariser Maroquinerie ran. Und es war durchaus gefällig und Laune machend, was man hörte. Eine Band mit gleich zwei Sängern, die sich je nach Stück immer wieder abwechselten und dem typisch amerikanischen College Rock/Indiepopsound. Neben den Shins könnte man problemlos auch noch The New Pornographers, Death Cab For Cutie, Cursive, The Good Life, REM, Someone Still Loves You Boris Yeltsin und noch einige andere nennen. Bei sovielen ähnlichen Bands, fiel es mir schwer, das Eigenständige bei Oh No Oh My zu erkennen. Aber was soll's, man stößt halt eben nicht alle Nase lang auf eine essentielle Gruppe, die die Musikwelt revolutioniert. Und ein paar gute Songs hatten die Texaner ja allemal zu bieten. Die Variationen entstanden durch die wechselnden Sänger. Wenn der bärtige Greg Barkley sang Jamesmercerte es und wenn der rundliche Daniel Hoxmeier zum Mikro griff, Robersmithte es sogar ein wenig. Das allerletzte Lied des Sets bestritt allerdings ausnahmsweise Tim Reagan mit seiner bluesigen Whiskeystimme. Unter dem Strich ein passables Konzert, gut zur Einstimmung.

Dann durften Maps & Atlases ran. Die zahlreichen Amerikaner im Publikum scharrten schon mit den Hufen und johlten als die Truppe um den bärtigen Brillenträger die Bühne berat. Ohne die amerikannische Gemeinde in Paris wären Konzerte von US-Indierockkapellen wohl deutlich schlechter besucht und kaum einer würde die Texte kennen. Hipster nennt man diese Typen wohl. In der Regel gutsituiert, gebildet und betont lässig auftretend. Kinder reicher Eltern, die sich locker machen, den Schlips in die Ecke donnern, sich lange Haare und Bärte wachsen lassen und den Mainstream verachten. Individuell und kreativ will man sein, um sich von den anderen Pappnasen, die Jura studiert haben, abzugrenzen. Zu dumm nur, daß durch die rasend schnelle Informationsverbreitung im Internet, Bands wie Maps & Atlases in der Szene schnell bekannt werden und über kurz oder lang auch ein paar Mainstreamler anziehen werden, die der Hipster hasst. Blame it on pitchfork.

Maps & Atlases scheinen mir ohnehin der Inbegriff der Bloggerlieblinge zu sein. Schräg, gegen den Strich gebürstet, mit zahlreichen Ecken und Kanten und Tempiwechseln aufwartend und einem Sänger mit Hippielook und nasaler Stimme. Clever wie sie sind, vereinen sie alle angesagten Stile der letzten 5 Musikjahre auf sich. Mathrock, Afro-Indie, Psychedelic-Folk. Mit dieser Mischung und ihrem nonchalanten, netten Auftreten, versuchen sie an unsere Kohle zu kommen. Wenn es die Truppe aus Chicago nicht gäbe, mussten man sie als Indieplatten-Boss klonen! Schon eine clevere Masche das Ganze. Aber hey, halt, warte! Jetzt nicht aufschreien und mir Boshaftigkeit unterstellen. Wohlgemerkt, ich mag Maps & Atlases, sie sind toll, haben mir einen prima Abend beschert. Ich wollte nur anmerken, daß eine kleine Kapelle wie Maps & Atlases genau wie großkotzige Arroganzler wie die Killers ganz genau durchdachte Karrierpläne einhalten und keinen Bock darauf haben, auf immer und ewig ein paar CDs an Freude und Bekannte aus dem Kofferraum ihres bemalten VW- Busses zu verscherbeln. Das sind eben Amerikaner, denen wurde in der Schule nicht eingebläut, daß Konsum per se etwas Schlechtes ist und ein Brainwashing durch die wirren Thesen eines Karl Marx haben sie auch nicht erfahren. Daß der Sänger Dave Davison schon fast aussieht wie der Enkel des Trieres ändert daran nichts. Und wir wissen ja auch, wie Oberkomunarde Rainer Langhans geendet ist. Im Dschungel, aber anschließend mit 50.000 Euro mehr auf dem Konto.

Zu den gespielten Songs: allesamt quirlig, bunt, federnd, perlend, euphorisierend. Opener Pigeon kommt mit Afroeinschlag à la Vampire Weekend daher, Israeli duftet nach dem Saft kalifornischer, sonnengereifter Apfelsinen und hätte so ähnlich auch von den Magic Numbers stammen können, CavesWill erinnert mit seiner verwunschenen Psychedelic- Note an Grizzly Bear und Closer Solid Ground ist der Hit der Band schlechthin. Ein Ohrwurm, der Maps & Atlases noch deutlich bekannter machen wird.

Schön auch, daß die Band am Schluß vier akustische Lider inmitten des Publikums performt. Die Zuschauer bilden einen Kreis und können den Künstler aus nächster Nähe beim Musizieren zusehen.

Exklusiver geht es bei der Aftershow Session zu. Renaud von Le Cargo kam mit seiner Kamera vorbei und filmte noch zwei Tracks mit der Band in der Kabine. Zutritt für Normalsterbliche verboten. Ich selbst hätte die Chance gehabt, reinzukommen, war aber zu lahm. Aber wie das Ganze war, können wir dann ja später auf der Seite von Le Cargo bewundern.

Setlist Maps & Atlases, La Maroquinerie, Paris:

01:Pigeon
02: The Sound They Make
03: Artichokes
04: Israeli Caves
05: Ted Zancha
06: Will
07: The Charm
08: Witch
09: If This Is
10: Was
11: Every Place is A House
12: Living Decorations
13: Daily News
14: Is
15: Solid Ground

2 der akustischen Songs hat mein Freund Laurent (merci!) erkannt, es handelet sich um Carrying The Wet Wood und The Ongoing Horrible. Laurent merkte auch an, daß die Reihenfolge der getippten Setlist nicht immer eingehalten wurde.

* aufgepasst beim Namen! Nicht zu verwechseln mit Oh No Oh No. Außerdem muss man wissen, daß Oh No Oh My die ursprünglich verwendeten Ausrufezeichen aus seinem Bandnamen gestrichen hat.

Ausgewählte Konzerttermine Oh No Oh My (ohne Gewähr):

11.02.2011: Baden (Schweiz) - One Of A Million Festival
13.02.2011: Wien - Fluc
14.02.2011: Innsbruck, Weekender
15.02.2011: Dresden, Ostpol
16.02.2011: Berlin, Café Zapata
17.02.2011: Hannover, Feinkost Lampe
18.02.2011: Leipzig, UT Connewitz
19.02.2011: Offenbach, Hafen 2
20.02.2011: Karlsruhe, Kohi
25.02.2011: Köln, King Georg

Ausgewählte Konzertermein Maps & Atlases (ohne Gewähr)

07.02.2011: Oberhausen, Drucklufthaus
08.02.2011: Münster, Gebäude 9
09.02.2011: Berlin, Festsaal Kreuzberg
14.02.2011: Leipzig, UT Connewitz
15.02.2011: Prag, 007
16.02.2011: Wien, Szene
17.02.2011: München, Orangehouse
18.02.2011: Zürich, Plaza
19.02.2011: Köln, Gebäude 9

Aus unserem Archiv:

Maps & Atlases, Paris, 14.10.10


Karaocake & Munch Munch & Marnie Stern, Paris, 09.12.10


Konzert: Karaocake & Munch Munch & Marnie Stern

Ort: La Flèche d'or Paris
Datum: 09.12.10
Zuschauer: ungefähr 250


Der Winter zeigt weiterhin sein wahres Gesicht. Obwohl es so langsam taut, ist der Verkehr in Paris noch beeinträchtigt und wenn man nicht aufpasst, kann man auf den vereisten Bürgersteigen ausrutschen und sich so richtig schön auf die Fresse legen. Ich gönne das ja ein wenig den gelackmeierten Anzugträgern, die mit ihrem Blackberry in der Hand immer so sauwichtig gucken, als gehöre ihnen die Welt. Und davon gibt es nicht wenige in Paris. Schadenfreude? Nö, ach wieso denn? Leid tun mir allerdings die Clochards, die nun schon frühabends in ihre Schlafsäcke kriechen und in den U-Bahnstationen pennen. Aber was bringt ihnen Mitleid? Davon werden sie nicht satt und eine feste Bleibe finden sie dadurch auch nicht. Moloch Großstadt. Paris, die angeblich romantischste Stadt der Welt, kann so grausam sein.

Wenn man nicht weiß, wie man wirklich helfen kann, bleibt nur Ablenkung. Wegsehen. Auf Konzerte gehen und alles hinter sich lassen. Seine eigenen Sorgen und die der Mitbürger.



Die Pariser Karaocake standen als Erste auf der Bühne. Sie hatten bereits begonnen, als ich gegen 21 Uhr 15 einschneite (im wahrsten Sinne des Wortes!). Auf Grund der schwierigen Wetterverhältnisse fuhren weniger U-Bahnen und ich brauchte deutlich länger als sonst zur Flèche d'or. Dennoch sah ich den Großteil des Sets und tat mich gütlich daran. Karaocake sind ein Trio, mit der Brille tragenden Camille an der Spitze, dem Soundtüftler Domotic an der Gitarre und dem Bass und Charlotte Sampling (ein Herr wohlgemerkt, der Name ist natürlich eine Anspielung auf die Schauspielerin) am Keyboard. Ihr manchmal an Au Revoir Simone erinnernder Dreampop hat dennoch genügend Klasse und Ohrwurmigkeit um selbstständig bestehen zu können. Auf dem Debütalbum Rows & Stitches (Clapping Music) finden sich zahlreiche zartschmelzende, unschuldig süße und sanft melancholische Seelentröster, die zum Besten gehören, was dieses Jahr im Bereich Elektro Pop in Frankreich veröffentlicht wurde. Natürlich spielten sie heute fast komplett die Stücke dieses feinen Machwerks, aber gegen Ende versuchten sie sich auch an einem neuen Stück, das mir auf Anhieb gut ins Ohr ging. Der Abschluß dann mit Medications, einem schwungvollen, euphorisierenden Fetzer, der weniger veträumt und melancholisch daherkam, als der Großteil des vorgehenden Programms. Karaocake hatten mich erneut beeindruckt. Ich bleibe am Ball!

Mit Munch Munch wurde etwa zwanzig Minuten später eine junge Band aufs Publikum gehetzt, die noch nie zuvor in Paris gespielt hatte. Richard, Tom, Jack und Sarah stammen aus Bristol, klangen aber nicht nach Trip Hop wie die aus der gleichen Ecke kommenden Portishead und Massive Attack, sondern vielmehr nach Animal Collective, Deerhoof, Jonquil, Los Campesinos!, Dirty Projectors und auch den (verfluchten) Klaxons. Ihr Set war von Anfang bis Ende schwungvoll, energiegeladen und mit überraschenden Wendungen nur so gespickt. Bei Munch Munch gibt es nicht nur den Bandnamen gleich doppelt, sondern es kamen auch gleich zwei Keyboards, zwei Glockenspiele und zwei (in der Mitte der Bühne befindliche) Drumkits zum Einsatz. Ich stand gleich in der Nähe der einzigen Dame, die rasant und fingerfertig orgelte, als sei sie von der Tarantel gestochen worden. Am anderen Ende der Bühne sang ein blonder Bursche oft im Falsett und drückte dabei auf alle möglichen Knöpfchen. Die Songs galloppierten oft in völlig verschiedene Richtungen, aber irgendwie schafften es die jungen Heißsporne, halbwegs einen roten Faden beizubehalten und die Lieder vor dem Abdriften in völlig experimentelle Gefilde zu retten. Beste Titel? Vielleicht das an Yeasayer erinnerde Wolfman's Wife? Oder Wedding, bei dem Jonquil, Stereolab, Modest Mouse und Deerhoof eine wilde Ehe eingingen? Wie auch immer, Munch Munch sind etwas für Leute die schrägen Indiepop lieben und dazu abtanzen wollen.

Cooles Konzert von ihnen heute in der Fléche d'or! Spreche hiermit eine Liveempfehlung aus.



Das Gleiche gilt für die als Letzte auf das Publikum gehetzte Marnie Stern. Die Blondine gerierte sich nämlich als wahre Rampsensau, die nie den Fuß vom Gaspedal nahm, mathrockig und innovativ auf ihrer Gitarre spielte und sich die Seele aus dem Leib schrie. Richtig geil auch ihr Drummer. Der tätowierte Kerl vermöbelte sein Fell so brutal, daß es in den Ohren weh tat. Wahnsinn, wie der draufknallte! Aber er konnte nicht nur prügeln, sondern beherschte auch den abrubten Tempo-und Rhythmuswechsel auf dem Eff-Eff. Es war eine Freude ihm zuzuhören- und zu sehen. Der Bassist trat hingegen spielerisch etwas in den Hintergund, lieferte sich in den Pausen zwischen den Liedern aber immer wieder sehr komische Dialoge mit Marnie, die ihm, wenn sie nicht weiter wußte, einfach das Wort abschnitt: "Oh, shut up!"

Eine kesse Göre, diese Marnie, die bei allem was sie tat und sagte authentisch, natürlich und humorvoll rüberkam. Stilistisch erinnerte das Ganze an Hole (Courtney Love), aber auch Sleater-Kinney, Don Caballero oder The Mars Volta. Eine kunterbunte Mischung also, die nur eine Richtung kannte: nach vorne! Balladen? Fehlanzeige! Melodien? Musste man aus der Kakophonie raushören, aber es gab sie. Bestes Lied? Vielleicht For Ash? Dieses Stück blieb zumindest auf Anhieb im Ohr kleben und bestach erneut durch das völlig verrückte Schlagzeuspiel. Noch schriller war aber Nothing Left, in dem man Spurenelemente von Siouxsie and The Banshees und den Yeah Yeah Yeahs finden konnte. Mit 300 Sachen fetzte die Nummer durch die Flèche d'or und ich fragte mich, wie der Drummer ein solches Tempo halten konnte, ohne permanent die Drumsticks zu verlieren bzw. einen Tennisarm zu bekommen!

Etwa 45-50 Minuten lang wurde geküppelt und gerockt, was das Zeug hielt und das Publikum zeigte sich absolut angetan. Völlig überrascht von dem guten Empfang, war der Trommler nach dem letzten Lied schon von der Bühne gehüpft, wurde aber noch einmal zurückgepfiffen, weil noch eine nicht geplante Zugabe gespielt wurde. Er sprang also wieder auf die Stage und ließ es noch ein letztes Mal krachen. Ein hammerhartes Set!



Fotos und Setlisten gleich!

Achtung: Munch Munch heute live im Tsunmai in Köln, 10. Dezember 2010! Weitere Termine:

11.12.2010: Cafe Rocas, Luxemburg,
12.12.2010: Café Video, Ghent, Belgien




Karaocake & Munch Munch & Marnie Stern, Paris, 09.12.10


Konzert: Karaocake & Munch Munch & Marnie Stern

Ort: La Flèche d'or Paris
Datum: 09.12.10
Zuschauer: ungefähr 250


Der Winter zeigt weiterhin sein wahres Gesicht. Obwohl es so langsam taut, ist der Verkehr in Paris noch beeinträchtigt und wenn man nicht aufpasst, kann man auf den vereisten Bürgersteigen ausrutschen und sich so richtig schön auf die Fresse legen. Ich gönne das ja ein wenig den gelackmeierten Anzugträgern, die mit ihrem Blackberry in der Hand immer so sauwichtig gucken, als gehöre ihnen die Welt. Und davon gibt es nicht wenige in Paris. Schadenfreude? Nö, ach wieso denn? Leid tun mir allerdings die Clochards, die nun schon frühabends in ihre Schlafsäcke kriechen und in den U-Bahnstationen pennen. Aber was bringt ihnen Mitleid? Davon werden sie nicht satt und eine feste Bleibe finden sie dadurch auch nicht. Moloch Großstadt. Paris, die angeblich romantischste Stadt der Welt, kann so grausam sein.

Wenn man nicht weiß, wie man wirklich helfen kann, bleibt nur Ablenkung. Wegsehen. Auf Konzerte gehen und alles hinter sich lassen. Seine eigenen Sorgen und die der Mitbürger.



Die Pariser Karaocake standen als Erste auf der Bühne. Sie hatten bereits begonnen, als ich gegen 21 Uhr 15 einschneite (im wahrsten Sinne des Wortes!). Auf Grund der schwierigen Wetterverhältnisse fuhren weniger U-Bahnen und ich brauchte deutlich länger als sonst zur Flèche d'or. Dennoch sah ich den Großteil des Sets und tat mich gütlich daran. Karaocake sind ein Trio, mit der Brille tragenden Camille an der Spitze, dem Soundtüftler Domotic an der Gitarre und dem Bass und Charlotte Sampling (ein Herr wohlgemerkt, der Name ist natürlich eine Anspielung auf die Schauspielerin) am Keyboard. Ihr manchmal an Au Revoir Simone erinnernder Dreampop hat dennoch genügend Klasse und Ohrwurmigkeit um selbstständig bestehen zu können. Auf dem Debütalbum Rows & Stitches (Clapping Music) finden sich zahlreiche zartschmelzende, unschuldig süße und sanft melancholische Seelentröster, die zum Besten gehören, was dieses Jahr im Bereich Elektro Pop in Frankreich veröffentlicht wurde. Natürlich spielten sie heute fast komplett die Stücke dieses feinen Machwerks, aber gegen Ende versuchten sie sich auch an einem neuen Stück, das mir auf Anhieb gut ins Ohr ging. Der Abschluß dann mit Medications, einem schwungvollen, euphorisierenden Fetzer, der weniger veträumt und melancholisch daherkam, als der Großteil des vorgehenden Programms. Karaocake hatten mich erneut beeindruckt. Ich bleibe am Ball!

Mit Munch Munch wurde etwa zwanzig Minuten später eine junge Band aufs Publikum gehetzt, die noch nie zuvor in Paris gespielt hatte. Richard, Tom, Jack und Sarah stammen aus Bristol, klangen aber nicht nach Trip Hop wie die aus der gleichen Ecke kommenden Portishead und Massive Attack, sondern vielmehr nach Animal Collective, Deerhoof, Jonquil, Los Campesinos!, Dirty Projectors und auch den (verfluchten) Klaxons. Ihr Set war von Anfang bis Ende schwungvoll, energiegeladen und mit überraschenden Wendungen nur so gespickt. Bei Munch Munch gibt es nicht nur den Bandnamen gleich doppelt, sondern es kamen auch gleich zwei Keyboards, zwei Glockenspiele und zwei (in der Mitte der Bühne befindliche) Drumkits zum Einsatz. Ich stand gleich in der Nähe der einzigen Dame, die rasant und fingerfertig orgelte, als sei sie von der Tarantel gestochen worden. Am anderen Ende der Bühne sang ein blonder Bursche oft im Falsett und drückte dabei auf alle möglichen Knöpfchen. Die Songs galloppierten oft in völlig verschiedene Richtungen, aber irgendwie schafften es die jungen Heißsporne, halbwegs einen roten Faden beizubehalten und die Lieder vor dem Abdriften in völlig experimentelle Gefilde zu retten. Beste Titel? Vielleicht das an Yeasayer erinnerde Wolfman's Wife? Oder Wedding, bei dem Jonquil, Stereolab, Modest Mouse und Deerhoof eine wilde Ehe eingingen? Wie auch immer, Munch Munch sind etwas für Leute die schrägen Indiepop lieben und dazu abtanzen wollen.

Cooles Konzert von ihnen heute in der Fléche d'or! Spreche hiermit eine Liveempfehlung aus.



Das Gleiche gilt für die als Letzte auf das Publikum gehetzte Marnie Stern. Die Blondine gerierte sich nämlich als wahre Rampsensau, die nie den Fuß vom Gaspedal nahm, mathrockig und innovativ auf ihrer Gitarre spielte und sich die Seele aus dem Leib schrie. Richtig geil auch ihr Drummer. Der tätowierte Kerl vermöbelte sein Fell so brutal, daß es in den Ohren weh tat. Wahnsinn, wie der draufknallte! Aber er konnte nicht nur prügeln, sondern beherschte auch den abrubten Tempo-und Rhythmuswechsel auf dem Eff-Eff. Es war eine Freude ihm zuzuhören- und zu sehen. Der Bassist trat hingegen spielerisch etwas in den Hintergund, lieferte sich in den Pausen zwischen den Liedern aber immer wieder sehr komische Dialoge mit Marnie, die ihm, wenn sie nicht weiter wußte, einfach das Wort abschnitt: "Oh, shut up!"

Eine kesse Göre, diese Marnie, die bei allem was sie tat und sagte authentisch, natürlich und humorvoll rüberkam. Stilistisch erinnerte das Ganze an Hole (Courtney Love), aber auch Sleater-Kinney, Don Caballero oder The Mars Volta. Eine kunterbunte Mischung also, die nur eine Richtung kannte: nach vorne! Balladen? Fehlanzeige! Melodien? Musste man aus der Kakophonie raushören, aber es gab sie. Bestes Lied? Vielleicht For Ash? Dieses Stück blieb zumindest auf Anhieb im Ohr kleben und bestach erneut durch das völlig verrückte Schlagzeuspiel. Noch schriller war aber Nothing Left, in dem man Spurenelemente von Siouxsie and The Banshees und den Yeah Yeah Yeahs finden konnte. Mit 300 Sachen fetzte die Nummer durch die Flèche d'or und ich fragte mich, wie der Drummer ein solches Tempo halten konnte, ohne permanent die Drumsticks zu verlieren bzw. einen Tennisarm zu bekommen!

Etwa 45-50 Minuten lang wurde geküppelt und gerockt, was das Zeug hielt und das Publikum zeigte sich absolut angetan. Völlig überrascht von dem guten Empfang, war der Trommler nach dem letzten Lied schon von der Bühne gehüpft, wurde aber noch einmal zurückgepfiffen, weil noch eine nicht geplante Zugabe gespielt wurde. Er sprang also wieder auf die Stage und ließ es noch ein letztes Mal krachen. Ein hammerhartes Set!



Fotos und Setlisten gleich!

Achtung: Munch Munch heute live im Tsunmai in Köln, 10. Dezember 2010! Weitere Termine:

11.12.2010: Cafe Rocas, Luxemburg,
12.12.2010: Café Video, Ghent, Belgien




Maps & Atlases, Paris, 14.10.10


Konzert: Maps & Atlases

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 14.10.10
Zuschauer: nicht ausverkauft, aber auch nicht gähnend leer
Konzertdauer: eine gute Stunde


Hier brauche ich gar nicht lange drumrumzureden, denn das Konzert der Amis Maps & Atlases war einfach superspitzenklasse! Eine meiner Entdeckungen des Jahres, das kann ich mit Fug und Recht sagen.

Aber was ist das überhaupt für eine Band, die die Landkarten und Atlanten im Namen trägt? Welchen Musikstil pflegen sie? Nun, die pfiffigen Burschen kommen aus Chicago und haben eine höchst tanzbare, erfrischende und euphorisierende Mischung aus Elementen des Mathrock, des Indierock und des Folk geschaffen. Trotz des experimentellen Einschlags sind ihre Songs keine Spur anstrengend oder nervig, sondern melodienverliebt, ohrwurmig und auf Anhieb packend und mitreißend. Ich kannte vor dem heutigen Auftritt im Pariser Point Ephémère kein einziges Lied des Quartetts und war dennoch schon nach wenigen Takten hin und weg. Toll, toll, toll!

Ich hatte das gute Gefühl, eine neue potentielle Lieblingsgruppe für mich zu entdecken, die aus dem Sound angesagter Indiebands der letzten Jahre etwas Eigenes geschaffen hat. Freilich könnte man ihnen vorwerfen, einfach die Höhenflieger der letzten Jahre durch einen Mixer geschickt zu haben, aber irgendwie scheinen Maps & Atlases es zu schaffen, das jeweils Beste verschiedener Stilrichtungen herauszukristallisieren. Sie haben Stücke, die mit ihrem Afroeinschlag an Vampire Weekend erinnern, sind dabei aber nicht so streberhaft wie die biederen Jünglinge aus Cape Cod. Ihre mathrockige Gitarrenbearbeitung (die Finger liegen auf dem Mittelteil der Gitarre und drücken scheinbar Tasten, quasi wie auf einem Klavier) hat man auch schon mal anderswo gesehen, sie sind aber nicht so anstregend wie Battles oder Don Caballero und weniger verbissen und mürrisch wie Foals. Das sonnige Flair ihrer Lieder hat man in den letzten Jahren so ähnlich bei den Magic Numbers gehört, aber ihre Songs sind weniger konventionell und radiotauglich und mit mehr Brüchen versehen. Sie erwischen den Zuhörer immer wieder auf dem falschen Fuß und durchbrechen auch mal spontan einen Melodiebogen, werden dabei aber nie so schwer erträglich wie die Dirty Projectors, bei denen das Schräge Methode hat. Und die Stimme des rauschebärtigen Sängers ist der Hammer! Wie eine Indieversion von Cat Stevens. Kurzum: Maps & Atlases sind grandios! Die Amerikaner im Publikum schienen das schon zu wissen, den sie hüpften bei jedem Beat wie wild mit und waren auch erstaunlich textsicher. Schön auch, daß sich die Band so angenehm bescheiden und höflich präsentierte. Der zottelige Sänger bedankte sich gleich mehrfach bei der Vorband The Agency (die ich nicht gesehen hatte) und bei der Pariser Bookingagentur. Dabei hatten eigentlich wir, das Publikum, der Band zu danken!

Schade insofern, daß nach etwa einer flotten Stunde schon Schluß war. Vorerst. Denn es gab noch einen Zugabenteil, der es in sich hatte. Die Band kletterte von der Bühne, baute sich in der Mitte des Salles zwischen den Zuschauern auf und performte umringt von den Besuchern noch drei akustische Lieder im Sitzen, die großen Anklang fanden. Welch schönes Ende eines fabelhaften Konzertes!

Ausgewählte Konzerttermine von Maps & Atlases (ohne Gewähr):

15.10.2010: Botanique, Brüssel
16.10.2010: Hafenklang, Hamburg
17.10.2010: Festsaal Kreuzberg
18.10.2010: Beatpol, Dresden
19.10.2010: Cafe Cairo, Würzburg
20.10.2010: Paradiso, Amsterdam


Setlist Maps & Atlases, Point Ephémère, Paris:

01: Pigeon
02: Living Decorations
03: Israeli Caves
04: Ted Zancha
05: Will
06: The Charm
07: Witch
08: If This Is
09: Was
10: Every Place Is A House
11: Solid Ground
12: Is
13: Daily News
14: Glamorous Glowing
15: Artichokes

16: You And Me Ad The Mountain
17: Banished Be Cavalier
18: The Ongoing Horrible


Maps & Atlases, Paris, 14.10.10


Konzert: Maps & Atlases

Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 14.10.10
Zuschauer: nicht ausverkauft, aber auch nicht gähnend leer
Konzertdauer: eine gute Stunde


Hier brauche ich gar nicht lange drumrumzureden, denn das Konzert der Amis Maps & Atlases war einfach superspitzenklasse! Eine meiner Entdeckungen des Jahres, das kann ich mit Fug und Recht sagen.

Aber was ist das überhaupt für eine Band, die die Landkarten und Atlanten im Namen trägt? Welchen Musikstil pflegen sie? Nun, die pfiffigen Burschen kommen aus Chicago und haben eine höchst tanzbare, erfrischende und euphorisierende Mischung aus Elementen des Mathrock, des Indierock und des Folk geschaffen. Trotz des experimentellen Einschlags sind ihre Songs keine Spur anstrengend oder nervig, sondern melodienverliebt, ohrwurmig und auf Anhieb packend und mitreißend. Ich kannte vor dem heutigen Auftritt im Pariser Point Ephémère kein einziges Lied des Quartetts und war dennoch schon nach wenigen Takten hin und weg. Toll, toll, toll!

Ich hatte das gute Gefühl, eine neue potentielle Lieblingsgruppe für mich zu entdecken, die aus dem Sound angesagter Indiebands der letzten Jahre etwas Eigenes geschaffen hat. Freilich könnte man ihnen vorwerfen, einfach die Höhenflieger der letzten Jahre durch einen Mixer geschickt zu haben, aber irgendwie scheinen Maps & Atlases es zu schaffen, das jeweils Beste verschiedener Stilrichtungen herauszukristallisieren. Sie haben Stücke, die mit ihrem Afroeinschlag an Vampire Weekend erinnern, sind dabei aber nicht so streberhaft wie die biederen Jünglinge aus Cape Cod. Ihre mathrockige Gitarrenbearbeitung (die Finger liegen auf dem Mittelteil der Gitarre und drücken scheinbar Tasten, quasi wie auf einem Klavier) hat man auch schon mal anderswo gesehen, sie sind aber nicht so anstregend wie Battles oder Don Caballero und weniger verbissen und mürrisch wie Foals. Das sonnige Flair ihrer Lieder hat man in den letzten Jahren so ähnlich bei den Magic Numbers gehört, aber ihre Songs sind weniger konventionell und radiotauglich und mit mehr Brüchen versehen. Sie erwischen den Zuhörer immer wieder auf dem falschen Fuß und durchbrechen auch mal spontan einen Melodiebogen, werden dabei aber nie so schwer erträglich wie die Dirty Projectors, bei denen das Schräge Methode hat. Und die Stimme des rauschebärtigen Sängers ist der Hammer! Wie eine Indieversion von Cat Stevens. Kurzum: Maps & Atlases sind grandios! Die Amerikaner im Publikum schienen das schon zu wissen, den sie hüpften bei jedem Beat wie wild mit und waren auch erstaunlich textsicher. Schön auch, daß sich die Band so angenehm bescheiden und höflich präsentierte. Der zottelige Sänger bedankte sich gleich mehrfach bei der Vorband The Agency (die ich nicht gesehen hatte) und bei der Pariser Bookingagentur. Dabei hatten eigentlich wir, das Publikum, der Band zu danken!

Schade insofern, daß nach etwa einer flotten Stunde schon Schluß war. Vorerst. Denn es gab noch einen Zugabenteil, der es in sich hatte. Die Band kletterte von der Bühne, baute sich in der Mitte des Salles zwischen den Zuschauern auf und performte umringt von den Besuchern noch drei akustische Lieder im Sitzen, die großen Anklang fanden. Welch schönes Ende eines fabelhaften Konzertes!

Ausgewählte Konzerttermine von Maps & Atlases (ohne Gewähr):

15.10.2010: Botanique, Brüssel
16.10.2010: Hafenklang, Hamburg
17.10.2010: Festsaal Kreuzberg
18.10.2010: Beatpol, Dresden
19.10.2010: Cafe Cairo, Würzburg
20.10.2010: Paradiso, Amsterdam


Setlist Maps & Atlases, Point Ephémère, Paris:

01: Pigeon
02: Living Decorations
03: Israeli Caves
04: Ted Zancha
05: Will
06: The Charm
07: Witch
08: If This Is
09: Was
10: Every Place Is A House
11: Solid Ground
12: Is
13: Daily News
14: Glamorous Glowing
15: Artichokes

16: You And Me Ad The Mountain
17: Banished Be Cavalier
18: The Ongoing Horrible