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Tu Fawning, Duisburg, 08.03.11


Konzert: Tu Fawning & Boduf Songs
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: 120 vielleicht (sehr voll)
Dauer: Tu Fawning knapp 60 min, Boduf Songs 45 min


Mit Pete Doherty ist es immer das gleiche. Kaum entscheide ich mich, zu einem seiner Konzert zu gehen (diesmal Köln), erscheinen die Vorboten einer Absage am Horizont. Diesmal ist es eine echte Räuberpistole, die mich fürchten läßt, daß Peter, der durch das zusätzliche R ja wohl seriöser wirken wollte, kurzfristig absagen wird. Der Libertine dreht nämlich gerade einen Film in Regensburg. Gemeinsam mit Charlotte Gainsbourg und August Diehl steht der Engländer für eine Verfilmung des Buchs Confessions d'un enfant du siècle des französischen Poeten Alfred de Musset vor der Kamera. Offenbar passierte während dieser Dreharbeiten in Bayern in den letzten Tagen ein kleines Malheur. Es wurde in einen Musikladen eingebrochen, eine Gitarre und anderer Krimskrams gestohlen. Dabei hatte eine wackere Regensburgerin offenbar drei englisch sprechende Männer beobachtet und in einem von ihnen Pete erkannt. Die Regensburger Polizei ermittele gegen einen "Prominenten", hieß es gestern ergänzend im Radio.

Was das nun alles mit meinem Konzertabend zu tun hat?

Nun, sollte im Laufe des Wochenendes irgendwo auf ihrer Strecke ein Musikfachgeschäft überfallen sein worden, waren es diesmal ganz sicher Tu Fawning
aus Portland. Denn woher sonst sollte dieser atemberaubende Fundus aus Instrumenten, Glöckchen, exotischen Tröten, special edition schwarz-roten Melodicas, Klanghölzern, weiteren Glöckchen und bunten Trommeln stammen? Im Flugzeug mitgebracht? Na klar...

Bevor Tu Fawning aber ihre Beute zeigten, spielte erst einmal Boduf Songs aus England. Es war vorher nicht ganz ersichtlich, wer nun Vor- und wer Hauptgruppe sein sollte. Die Reihenfolge auf Ticket und Club-Website deutete auf Boduf Songs als Hauptgruppe hin. Unsere Absprache war folglich, nach Tu Fawning zu fahren (und sehr früh zu Hause zu sein). Als der Kartenkontrolleur mitteilte, Boduf Songs fingen an, ärgerte mich, daß diese Pläne durchkreuzt wurden.

Hinter Boduf Songs verbirgt sich Mat Sweet aus Southampton, der mit Gitarre auf einem Stuhl in Bühnenmitte Platz nahm. Da wir hinten standen und das Licht bis auf eine zarte Rotfärbung aus ging, fiel es schwer, viel mehr zu erkennen. Daß diese düstere Ausleuchtung zum Konzept gehört, wurde schnell klar, zunächst waren nämlich nur sehr leise akustische Gitarren- und Bass-Klänge und ein paar Glöckchen vom dritten Mann (der auch eine Trommel bediente) zu hören. Dazu sang dann irgendwann Mat leise und sehr ruhig, und ab und zu kam die Stimme seiner Kollegin ganz unverstärkt dazu. Ganz selten einmal wurde es etwas lauter, höchstens die Instrumente zogen kurzfristig ein wenig an, die Grundstimmung war leise und dunkel. Meine Genervtheit über eine Vorgruppe war ganz schnell andächtigem Zuhören gewichen. Offenbar nicht nur mir ging es so, Mat stellte irgendwann fest, daß wir sehr leise seien und unser Atem zu hören sei.

Lagerfeuermusik empfinde ich nicht als etwas schrecklich Tolles. Dies hier musste man aber wegen der Beleuchtung zwangsläufig mit Draußen und Flammengeflacker verbinden. Als ich mir dann noch vorstellte, statt des schwarzen Saals wäre da ein schwarzer Wald drumherum, wurde es gruselig.

Boduf Songs waren eindrucksvoll! Vielleicht zwei Lieder zu lang, aber sehr sehr gut. Und immer wenn die zweite (weibliche) Stimme einsetzte und auch ein paar Takte hauchte, wurde es ganz besonders gut!

In der Pause gingen wir nach vorne, jetzt wollten wir etwas sehen. Beim Umbau fiel zunächst einmal eine dicke Trommel mit Bandbemalung in Bühnenmitte auf. Ganz rechts stand nämlich ein ausgewachsenes Schlagzeug. Zusatztrommeln sind ja wahrlich nichts Neues, diese war aber zum einen hübsch dekoriert, um sie herum hingen aber auch noch einige Glocken, u.a. solch eine Windspiel-Röhre. Ganz links standen allerdings die richtig aufregenden Dinge: ein Metallkoffer mit Rasseln und Rasselartigen und zwei sehr exotische Blasinstrumente. Das eine, eine Posaune, wurde erst beim Spiel exotisch, sie ließ sich nämlich unendlich lang ausziehen. Das zweite schien mir eine Fanfare zu sein, auf der ein Schalldämpfer steckte.

Irgendwann nach halb zehn ging es los. Tu Fawning kommen aus Portland und bestehen aus Joe Haege, Corrina Repp, Liza Rietz und Toussaint Perrault. Mastermind der Band ist 31knots Mann Joe Haege, auf der Bühne allerdings bestimmte die blonde Sängerin Corrina Repp das Geschehen. Keyboarderin Liza Rietz (die eigentlich Modedesignerin zu sein scheint - es gibt sicher keine zwei Liza Rietzes in Portland) und Trompeter Toussaint Perrault waren weniger extrovertiert, spielten aber die deutlich spannender anzusehende Parts während der Lieder.

Ich war vorher nicht sicher, ob mir das Konzert nicht zu "arty", sprich anstrengend sein würde. Als das erste Stück aber damit begann, daß alle vier Musiker mit Tambourin in der Hand "oh oh oh" sangen, fühlte ich mich sehr richtig - und das sollte auch so bleiben.

Tu Fawning zuzuhören ist alles andere als anstrengend. Wie alle, die bisher über die Amerikaner geschrieben haben, tue ich mich schwer, die Musik einzuordnen. Beach House fiel mir als Vergleich ein - aber Tu Fawning sind besser. Charakteristisch sind der mehrstimmige Gesang und die vielen kleinen Glöckchen und Effekte. Die Standardinstrumentierung ist Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Trompete. Keyboarderin Liza spielte (soweit ich mich erinnere) nur bei I'm gone Geige und mehrfach Klanghölzer. Klanghölzer! Ein weiteres dieser unzähligen tollen Instrumente, die die Amerikaner einsetzten.

Meinen Pariser Kollegen Oliver hatten die Instrumentenwechsel während des Konzerts genervt, mich störten sie überhaupt nicht. Ob so etwas nötig ist, weiß ich nicht, es schadete dem Fluß aber nicht. Das Schlagzeug bedienten Joe und Corrina, im Stil höchst unterschiedlich, aber beide aus Laiensicht hervorragend, obwohl es nicht ihr Erst-Instrument ist. Toussaint war zuständig für die Blechbläser, bediente aber auch die dekorierte Trommel und viele kleine Effekte. In einer meinen zahllosen Lieblingsszenen spielte er gerade auf dem Dings, das ich für eine Fanfare halte, und schlug deren Spitze (mit Dämpfer) gegen das neben der Trommel hängende Windspiel! Lizas hatte ihre wundervollste musikalische Szene vor Mouths of young, als sie sich Drumsticks griff und auf Toussaints Rücken trommelte! Toussaint hatte während Mouths of young keinen anderen Einsatz und spielte daher kleine Fingerbecken (Zills, wie ich gelernt habe) - der Musikladen muß gut sortiert gewesen sein.

Irgendwie anstrengend war das Konzert also doch, man mußte dauernd nach links und rechts gucken, um nichts zu verpassen. Etwa Toussaints kurzen Ausflug mit Posaune ins Publikum bei Sad story, dem an die Dresden Dolls (Tu Fawning sind besser) erinnernden Stück. Er war allerdings höchstens 30 Sekunden unten und ging dann wieder auf die Bühne.

Einzig Corrinas theatralische Kniefälle mochte ich nicht. Aber wie sie da Joe anspielte, hatte auch irgendwie Stil.


Musikalisch wie visuell ein ganz großartiger Abend! Tu Fawning sind ein echter Knüller und gehören in den Himmel gelobt! Vielleicht spricht sich dann auch bis zum Ticketgestalter rum, daß die Band nicht Fu Fawning heißt. City Slang hat wieder einmal ein extrem gutes Händchen bewiesen, als sie die Oregoner verpflichtet haben.

Die großartigste Szene des Abends hatte aber wieder einmal nichts mit Musik zu tun. Joe merkte an, daß die schwarze Bühne mit ihren schwarzen Stufen im abgedunkelten Saal lebensgefährlich sei und witzelte: "there's a force that wants us dead!" - sehr zum Entsetzen von Liza, die ihn mit geschocktem Gesicht zurechtwies: "please! That's too dark!"

Tu Fawning - bisher das beste Konzert des Jahres!

Setlist Tu Fawning, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Multiply a house
02: Diamond in the forest
03: Out like bats
04: Sad story
05: Just too much
06: I'm gone
07: In silence we reached the palissades
08: I know you now
09: Mouths of young
10: The felt sense

11: Hand grenade (Z)

Links:

- Tu Fawning, Paris, 19.02.11



Tu Fawning, Duisburg, 08.03.11


Konzert: Tu Fawning & Boduf Songs
Ort: Café Steinbruch, Duisburg
Datum: 08.03.2011
Zuschauer: 120 vielleicht (sehr voll)
Dauer: Tu Fawning knapp 60 min, Boduf Songs 45 min


Mit Pete Doherty ist es immer das gleiche. Kaum entscheide ich mich, zu einem seiner Konzert zu gehen (diesmal Köln), erscheinen die Vorboten einer Absage am Horizont. Diesmal ist es eine echte Räuberpistole, die mich fürchten läßt, daß Peter, der durch das zusätzliche R ja wohl seriöser wirken wollte, kurzfristig absagen wird. Der Libertine dreht nämlich gerade einen Film in Regensburg. Gemeinsam mit Charlotte Gainsbourg und August Diehl steht der Engländer für eine Verfilmung des Buchs Confessions d'un enfant du siècle des französischen Poeten Alfred de Musset vor der Kamera. Offenbar passierte während dieser Dreharbeiten in Bayern in den letzten Tagen ein kleines Malheur. Es wurde in einen Musikladen eingebrochen, eine Gitarre und anderer Krimskrams gestohlen. Dabei hatte eine wackere Regensburgerin offenbar drei englisch sprechende Männer beobachtet und in einem von ihnen Pete erkannt. Die Regensburger Polizei ermittele gegen einen "Prominenten", hieß es gestern ergänzend im Radio.

Was das nun alles mit meinem Konzertabend zu tun hat?

Nun, sollte im Laufe des Wochenendes irgendwo auf ihrer Strecke ein Musikfachgeschäft überfallen sein worden, waren es diesmal ganz sicher Tu Fawning
aus Portland. Denn woher sonst sollte dieser atemberaubende Fundus aus Instrumenten, Glöckchen, exotischen Tröten, special edition schwarz-roten Melodicas, Klanghölzern, weiteren Glöckchen und bunten Trommeln stammen? Im Flugzeug mitgebracht? Na klar...

Bevor Tu Fawning aber ihre Beute zeigten, spielte erst einmal Boduf Songs aus England. Es war vorher nicht ganz ersichtlich, wer nun Vor- und wer Hauptgruppe sein sollte. Die Reihenfolge auf Ticket und Club-Website deutete auf Boduf Songs als Hauptgruppe hin. Unsere Absprache war folglich, nach Tu Fawning zu fahren (und sehr früh zu Hause zu sein). Als der Kartenkontrolleur mitteilte, Boduf Songs fingen an, ärgerte mich, daß diese Pläne durchkreuzt wurden.

Hinter Boduf Songs verbirgt sich Mat Sweet aus Southampton, der mit Gitarre auf einem Stuhl in Bühnenmitte Platz nahm. Da wir hinten standen und das Licht bis auf eine zarte Rotfärbung aus ging, fiel es schwer, viel mehr zu erkennen. Daß diese düstere Ausleuchtung zum Konzept gehört, wurde schnell klar, zunächst waren nämlich nur sehr leise akustische Gitarren- und Bass-Klänge und ein paar Glöckchen vom dritten Mann (der auch eine Trommel bediente) zu hören. Dazu sang dann irgendwann Mat leise und sehr ruhig, und ab und zu kam die Stimme seiner Kollegin ganz unverstärkt dazu. Ganz selten einmal wurde es etwas lauter, höchstens die Instrumente zogen kurzfristig ein wenig an, die Grundstimmung war leise und dunkel. Meine Genervtheit über eine Vorgruppe war ganz schnell andächtigem Zuhören gewichen. Offenbar nicht nur mir ging es so, Mat stellte irgendwann fest, daß wir sehr leise seien und unser Atem zu hören sei.

Lagerfeuermusik empfinde ich nicht als etwas schrecklich Tolles. Dies hier musste man aber wegen der Beleuchtung zwangsläufig mit Draußen und Flammengeflacker verbinden. Als ich mir dann noch vorstellte, statt des schwarzen Saals wäre da ein schwarzer Wald drumherum, wurde es gruselig.

Boduf Songs waren eindrucksvoll! Vielleicht zwei Lieder zu lang, aber sehr sehr gut. Und immer wenn die zweite (weibliche) Stimme einsetzte und auch ein paar Takte hauchte, wurde es ganz besonders gut!

In der Pause gingen wir nach vorne, jetzt wollten wir etwas sehen. Beim Umbau fiel zunächst einmal eine dicke Trommel mit Bandbemalung in Bühnenmitte auf. Ganz rechts stand nämlich ein ausgewachsenes Schlagzeug. Zusatztrommeln sind ja wahrlich nichts Neues, diese war aber zum einen hübsch dekoriert, um sie herum hingen aber auch noch einige Glocken, u.a. solch eine Windspiel-Röhre. Ganz links standen allerdings die richtig aufregenden Dinge: ein Metallkoffer mit Rasseln und Rasselartigen und zwei sehr exotische Blasinstrumente. Das eine, eine Posaune, wurde erst beim Spiel exotisch, sie ließ sich nämlich unendlich lang ausziehen. Das zweite schien mir eine Fanfare zu sein, auf der ein Schalldämpfer steckte.

Irgendwann nach halb zehn ging es los. Tu Fawning kommen aus Portland und bestehen aus Joe Haege, Corrina Repp, Liza Rietz und Toussaint Perrault. Mastermind der Band ist 31knots Mann Joe Haege, auf der Bühne allerdings bestimmte die blonde Sängerin Corrina Repp das Geschehen. Keyboarderin Liza Rietz (die eigentlich Modedesignerin zu sein scheint - es gibt sicher keine zwei Liza Rietzes in Portland) und Trompeter Toussaint Perrault waren weniger extrovertiert, spielten aber die deutlich spannender anzusehende Parts während der Lieder.

Ich war vorher nicht sicher, ob mir das Konzert nicht zu "arty", sprich anstrengend sein würde. Als das erste Stück aber damit begann, daß alle vier Musiker mit Tambourin in der Hand "oh oh oh" sangen, fühlte ich mich sehr richtig - und das sollte auch so bleiben.

Tu Fawning zuzuhören ist alles andere als anstrengend. Wie alle, die bisher über die Amerikaner geschrieben haben, tue ich mich schwer, die Musik einzuordnen. Beach House fiel mir als Vergleich ein - aber Tu Fawning sind besser. Charakteristisch sind der mehrstimmige Gesang und die vielen kleinen Glöckchen und Effekte. Die Standardinstrumentierung ist Schlagzeug, Gitarre, Keyboard und Trompete. Keyboarderin Liza spielte (soweit ich mich erinnere) nur bei I'm gone Geige und mehrfach Klanghölzer. Klanghölzer! Ein weiteres dieser unzähligen tollen Instrumente, die die Amerikaner einsetzten.

Meinen Pariser Kollegen Oliver hatten die Instrumentenwechsel während des Konzerts genervt, mich störten sie überhaupt nicht. Ob so etwas nötig ist, weiß ich nicht, es schadete dem Fluß aber nicht. Das Schlagzeug bedienten Joe und Corrina, im Stil höchst unterschiedlich, aber beide aus Laiensicht hervorragend, obwohl es nicht ihr Erst-Instrument ist. Toussaint war zuständig für die Blechbläser, bediente aber auch die dekorierte Trommel und viele kleine Effekte. In einer meinen zahllosen Lieblingsszenen spielte er gerade auf dem Dings, das ich für eine Fanfare halte, und schlug deren Spitze (mit Dämpfer) gegen das neben der Trommel hängende Windspiel! Lizas hatte ihre wundervollste musikalische Szene vor Mouths of young, als sie sich Drumsticks griff und auf Toussaints Rücken trommelte! Toussaint hatte während Mouths of young keinen anderen Einsatz und spielte daher kleine Fingerbecken (Zills, wie ich gelernt habe) - der Musikladen muß gut sortiert gewesen sein.

Irgendwie anstrengend war das Konzert also doch, man mußte dauernd nach links und rechts gucken, um nichts zu verpassen. Etwa Toussaints kurzen Ausflug mit Posaune ins Publikum bei Sad story, dem an die Dresden Dolls (Tu Fawning sind besser) erinnernden Stück. Er war allerdings höchstens 30 Sekunden unten und ging dann wieder auf die Bühne.

Einzig Corrinas theatralische Kniefälle mochte ich nicht. Aber wie sie da Joe anspielte, hatte auch irgendwie Stil.


Musikalisch wie visuell ein ganz großartiger Abend! Tu Fawning sind ein echter Knüller und gehören in den Himmel gelobt! Vielleicht spricht sich dann auch bis zum Ticketgestalter rum, daß die Band nicht Fu Fawning heißt. City Slang hat wieder einmal ein extrem gutes Händchen bewiesen, als sie die Oregoner verpflichtet haben.

Die großartigste Szene des Abends hatte aber wieder einmal nichts mit Musik zu tun. Joe merkte an, daß die schwarze Bühne mit ihren schwarzen Stufen im abgedunkelten Saal lebensgefährlich sei und witzelte: "there's a force that wants us dead!" - sehr zum Entsetzen von Liza, die ihn mit geschocktem Gesicht zurechtwies: "please! That's too dark!"

Tu Fawning - bisher das beste Konzert des Jahres!

Setlist Tu Fawning, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Multiply a house
02: Diamond in the forest
03: Out like bats
04: Sad story
05: Just too much
06: I'm gone
07: In silence we reached the palissades
08: I know you now
09: Mouths of young
10: The felt sense

11: Hand grenade (Z)

Links:

- Tu Fawning, Paris, 19.02.11



Lower Dens, Duisburg,


Konzert: Lower Dens
Ort: Café Steinbruch
Datum: 13.12.2010
Besucher: 5 in Worten: fünf
Dauer: fast 90 min Spielzeit


- von Micha aus Duisburg -

Für Lower Dens läuft es eigentlich sehr gut. Anfang nächsten Jahres geht die Band mit den grandiosen The Walkmen auf Tour - leider nicht in Deutschland - und bespielt die grossen Hallen in UK, eine Tour im November mit Beach House in UK war ein voller Erfolg. Das Debüt Album hat fast ausschließlich gute Kritiken bekommen (Pitchfork 8,1), gegen das Gesetz der Natur hat die Band aber keine Chance, dazu gleich mehr.

In meiner Heimatstadt Duisburg geht eigentlich fast gar nichts mehr. Die jungen Leute ziehen mit der Zeit alle nach Düsseldorf, Köln oder Essen - es wird kulturell nur wenig geboten. Ein neues Einkaufszentrum wurde in der Innenstadt errichtet, dazu gibts ne riesen Casino für Menschen, die in dieser Stadt eigentlich kein Geld haben. Um es klar zu sagen: Duisburg ist tot!

Die letzte Rettung: Das schöne Filmforum am Dellplatz, das Café Steinbruch und der beste Thai Imbiss der Welt "Sawadi", den ihr unbedingt besuchen müsst, solltet ihr euch in diese Stadt verlaufen. Im Café Steinbruch gaben sich in diesem Jahr wirklich sehr nette Künstler die Ehre - u.a. der bezaubernde Scott Matthew mit seiner Band Elva Snow im November.


Ein kleines Problem wurde gut gelöst. Da sich das Steinbruch ein wenig ausserhalb der Stadt und ohne Auto nur schwer zu erreichen, wird ab dem HBF ein kleiner Shuttle Bus Service eingerichtet. Das schöne daran ist, dass dieser Service komplett umsonst ist.

In Duisburg angekommen fing es sehr heftig an zu schneien, innerhalb von einer Stunde lagen 5cm Neuschnee, für das Ruhrgebiet ist das ne Menge. Es lag wohl grösstenteils daran, dass so wenig Leute das Konzert besuchen konnten.

Der Organistor hat 50 Freunde auf die Gästeliste gesetzt, davon wirklich gekommen ist ein einziger. Der Europa Tourmanager der Band ist extra aus Brüssel angereist um der Band neue CD`s nachzuliefern, diese wurden auf der laufenden Tour alle abverkauft. Die Support Band Yordan Orchestra aus den Niederladen musste Wetter und Krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Das alles klingt nach einem furchtbaren Abend, das war es aber keineswegs.

Jana Hunter, die Frontfrau der Band ist sympathisch, mit ihren alternativ langen Wollpullis passt sie zwar optisch gar nicht zwischen ihren Bandkollegen, ihr Wiedererkennnungswert ist jedoch groß. Die Dame ist klein gewachsen und stellt ihr Mikrofon so groß ein, das sie sich auf Zehenspitzen stellen muß, um singen zu können. Es war ein Wohnzimmerkonzert und das wurde nach einigen Songs sehr sympathisch. In den ersten 45 Minuten wurden ausschließlich und in der gleichen Reihenfolge Songs vom Debüt Album gespielt, darauf folgte eine angekündigte kurze Pause. Zurück mit den Worten "We´re playing now the same Songs for you" wurden dann doch noch für mich unbekannte Lieder gespielt.

Warum sollten Lower Dens nicht den gleichen Erfolg haben wie vergleichsweise "The XX"? Das Album ist komplexer, vielseitiger, spannender und hat mehr Gitarre, auch wenn der erste Hype ausgeblieben ist, in den nächsten Monaten werden mehr Menschen diese Band lieben und ihre Konzerte besuchen.

Setlist Lower Dens, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Blue & Silver
02: Tea Lights
03: A Dogsdick
04: Holy Water
05: I Get Nervous
06: Completely Golden
07: Rosie
08: Truss Me
09: Hospice Gates
10: Two Cocks
---
11: Tangier
12: Betty
13: John
14: Cass
15: Deerknives
16: Batman
17: Submit


Lower Dens, Duisburg,


Konzert: Lower Dens
Ort: Café Steinbruch
Datum: 13.12.2010
Besucher: 5 in Worten: fünf
Dauer: fast 90 min Spielzeit


- von Micha aus Duisburg -

Für Lower Dens läuft es eigentlich sehr gut. Anfang nächsten Jahres geht die Band mit den grandiosen The Walkmen auf Tour - leider nicht in Deutschland - und bespielt die grossen Hallen in UK, eine Tour im November mit Beach House in UK war ein voller Erfolg. Das Debüt Album hat fast ausschließlich gute Kritiken bekommen (Pitchfork 8,1), gegen das Gesetz der Natur hat die Band aber keine Chance, dazu gleich mehr.

In meiner Heimatstadt Duisburg geht eigentlich fast gar nichts mehr. Die jungen Leute ziehen mit der Zeit alle nach Düsseldorf, Köln oder Essen - es wird kulturell nur wenig geboten. Ein neues Einkaufszentrum wurde in der Innenstadt errichtet, dazu gibts ne riesen Casino für Menschen, die in dieser Stadt eigentlich kein Geld haben. Um es klar zu sagen: Duisburg ist tot!

Die letzte Rettung: Das schöne Filmforum am Dellplatz, das Café Steinbruch und der beste Thai Imbiss der Welt "Sawadi", den ihr unbedingt besuchen müsst, solltet ihr euch in diese Stadt verlaufen. Im Café Steinbruch gaben sich in diesem Jahr wirklich sehr nette Künstler die Ehre - u.a. der bezaubernde Scott Matthew mit seiner Band Elva Snow im November.


Ein kleines Problem wurde gut gelöst. Da sich das Steinbruch ein wenig ausserhalb der Stadt und ohne Auto nur schwer zu erreichen, wird ab dem HBF ein kleiner Shuttle Bus Service eingerichtet. Das schöne daran ist, dass dieser Service komplett umsonst ist.

In Duisburg angekommen fing es sehr heftig an zu schneien, innerhalb von einer Stunde lagen 5cm Neuschnee, für das Ruhrgebiet ist das ne Menge. Es lag wohl grösstenteils daran, dass so wenig Leute das Konzert besuchen konnten.

Der Organistor hat 50 Freunde auf die Gästeliste gesetzt, davon wirklich gekommen ist ein einziger. Der Europa Tourmanager der Band ist extra aus Brüssel angereist um der Band neue CD`s nachzuliefern, diese wurden auf der laufenden Tour alle abverkauft. Die Support Band Yordan Orchestra aus den Niederladen musste Wetter und Krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Das alles klingt nach einem furchtbaren Abend, das war es aber keineswegs.

Jana Hunter, die Frontfrau der Band ist sympathisch, mit ihren alternativ langen Wollpullis passt sie zwar optisch gar nicht zwischen ihren Bandkollegen, ihr Wiedererkennnungswert ist jedoch groß. Die Dame ist klein gewachsen und stellt ihr Mikrofon so groß ein, das sie sich auf Zehenspitzen stellen muß, um singen zu können. Es war ein Wohnzimmerkonzert und das wurde nach einigen Songs sehr sympathisch. In den ersten 45 Minuten wurden ausschließlich und in der gleichen Reihenfolge Songs vom Debüt Album gespielt, darauf folgte eine angekündigte kurze Pause. Zurück mit den Worten "We´re playing now the same Songs for you" wurden dann doch noch für mich unbekannte Lieder gespielt.

Warum sollten Lower Dens nicht den gleichen Erfolg haben wie vergleichsweise "The XX"? Das Album ist komplexer, vielseitiger, spannender und hat mehr Gitarre, auch wenn der erste Hype ausgeblieben ist, in den nächsten Monaten werden mehr Menschen diese Band lieben und ihre Konzerte besuchen.

Setlist Lower Dens, Café Steinbruch, Duisburg:

01: Blue & Silver
02: Tea Lights
03: A Dogsdick
04: Holy Water
05: I Get Nervous
06: Completely Golden
07: Rosie
08: Truss Me
09: Hospice Gates
10: Two Cocks
---
11: Tangier
12: Betty
13: John
14: Cass
15: Deerknives
16: Batman
17: Submit


Erland And The Carnival, Duisburg, 12.11.10



Konzert: Erland And The Carnival (& Cama Maya)
Ort: Steinbruch, Duisburg
Datum: 12.11.2010
Zuschauer: ca. 150
Dauer: Erland & The Carnival ca. 60 min, Cama Maya 30 min


Im April, als sie schon einmal auf Deutschland-Tour waren, kannte ich Erland And The Carnival wohl noch nicht, sonst hätte ich mir die Band, die so herrlich altbacken klingt, nicht entgehen lassen. Zur Zeit (Freitag und Samstag) sind die Briten wieder im Lande, für mich im ausgebuchten November nur in Dusiburg erreichbar.

Das Café Steinbruch ist eine ziemlich große Kneipe mit ziemlich kleinem Konzertsaal - aber großen Namen, die dort auftreten. Erland And The Carnival als großen Namen zu bezeichnen, wäre sicher verwegen, allerdings ist einer der Macher der Band eine größere Nummer der britischen Musikszene, nämlich der ehemalige Verve*-Gitarrist Simon Tong. Sänger der Gruppe ist Erland Cooper, ein Folksänger von den Orkneys.

Folk ist auch das Stichwort. Das Repertoire von Erland And The Carnival setzt sich zusammen aus neu arrangierten, umgedichteten oder an ihnen orrientieren Folkfetzen. Die Originale kenne und erkenne ich alle nicht, daher ist die Entstehungsgeschichte für mich zwar spektakulär aber nicht furchtbar relevant für das Hören der Stücke. Seit dem Kennenlernen der Musik beeindruckt mich vielmehr, wie wundervoll Erlands Lieder nach den 60ern klingen, ähnlich wie die Last Shadow Puppets. Ich kann leider das Wort Retro nicht verhindern, es beschreibt die Briten einfach zu gut.

Bevor Erland And The Carnival auftraten, spielte eine Band aus Dinslaken. Cama Maya stellten sich als sehr ordentliche Vorgruppe dar. Die Bandmitglieder haben in ihrer Kindheit sehr oft die Beatles gehört, was den Stil ihrer Musik geprägt hat. Es passte sehr gut zu dem, was kommen sollte. Auch wenn sie 60s Pop spielten, erinnerte mich der singende Keyboarder stimmlich auch an den einen anderen mir bekannten Sänger aus Dinslaken, den von den Kilians.

Erland And The Carnivals bestehen (live) aus fünf Musikern. Neben Erland und Simon Tong gehören Bassist Danny Wheeler, Schlagzeuger David Nock und Organist Andy Bruce dazu.

Als sie begannen, war ich überrascht, wieviel lauter und rockiger die Briten live klingen. Ich hatte mich mehr auf Folk, vielleicht sogar sitzend eingestellt, wie druckvoll die Lieder dargeboten wurden, war zwar ungewohnt allerdings auch extrem hörenswert!

Besonders gefallen hat mir der durchgängige Hintergrundsound der Kirmesorgel von Andy Bruce. Ganz typisches 60er Jahre Georgele, das quasi den Soundtrack zur Musik von Erland bildet. Dazu kamen die treibenden Gitarrenrhythmen der beiden Hauptdarsteller, die bei manchem Stück an Westernmelodien erinnern - großartig! Gentle Gwen zum Beispiel könnte einem John Wayne Film entsprungen sein.

Das eingängigste Lied der Band ist sicher Trouble in mind, ein wunderbares Pop-Stück. Deneben gefielen mir besonders zwei andere Lieder,
You have loved enough, weil das in vierstimmigem (!) Pfeifen endete und Love is a killing thing, das erst sehr ruhig beginnt, dann aber immer lauter wird. Allerdings waren das nur die auffälligeren Titel, gut waren nämlich alle Lieder, Schwächen oder Längen hatte das Set wirklich nicht.

Eine wirklich tolle Band, live noch einmal überraschend spannender, als die Platte und die übrigen Veröffentlichungen versprachen!

Setlist Erland And The Carnival, Steinbruch, Duisburg:

01: The echoing green
02: My name is Carnival
03: Gentle Gwen
04: The Derby ram
05: Everything came too easy
06: Disturbed this morning
07: Was you ever see
08: The tempest
09: ?
10: Trouble in mind
11: You don't have to be lonely
12: Love is a killing thing

13: You have loved enough (Z)
14: ?
15: One morning fair (Z)

* der auch bei Blur und The Good The Bad & The Queen gespielt hat

Fotos folgen, dann vermutlich auch noch nähere Informationen



Erland And The Carnival, Duisburg, 12.11.10



Konzert: Erland And The Carnival (& Cama Maya)
Ort: Steinbruch, Duisburg
Datum: 12.11.2010
Zuschauer: ca. 150
Dauer: Erland & The Carnival ca. 60 min, Cama Maya 30 min


Im April, als sie schon einmal auf Deutschland-Tour waren, kannte ich Erland And The Carnival wohl noch nicht, sonst hätte ich mir die Band, die so herrlich altbacken klingt, nicht entgehen lassen. Zur Zeit (Freitag und Samstag) sind die Briten wieder im Lande, für mich im ausgebuchten November nur in Dusiburg erreichbar.

Das Café Steinbruch ist eine ziemlich große Kneipe mit ziemlich kleinem Konzertsaal - aber großen Namen, die dort auftreten. Erland And The Carnival als großen Namen zu bezeichnen, wäre sicher verwegen, allerdings ist einer der Macher der Band eine größere Nummer der britischen Musikszene, nämlich der ehemalige Verve*-Gitarrist Simon Tong. Sänger der Gruppe ist Erland Cooper, ein Folksänger von den Orkneys.

Folk ist auch das Stichwort. Das Repertoire von Erland And The Carnival setzt sich zusammen aus neu arrangierten, umgedichteten oder an ihnen orrientieren Folkfetzen. Die Originale kenne und erkenne ich alle nicht, daher ist die Entstehungsgeschichte für mich zwar spektakulär aber nicht furchtbar relevant für das Hören der Stücke. Seit dem Kennenlernen der Musik beeindruckt mich vielmehr, wie wundervoll Erlands Lieder nach den 60ern klingen, ähnlich wie die Last Shadow Puppets. Ich kann leider das Wort Retro nicht verhindern, es beschreibt die Briten einfach zu gut.

Bevor Erland And The Carnival auftraten, spielte eine Band aus Dinslaken. Cama Maya stellten sich als sehr ordentliche Vorgruppe dar. Die Bandmitglieder haben in ihrer Kindheit sehr oft die Beatles gehört, was den Stil ihrer Musik geprägt hat. Es passte sehr gut zu dem, was kommen sollte. Auch wenn sie 60s Pop spielten, erinnerte mich der singende Keyboarder stimmlich auch an den einen anderen mir bekannten Sänger aus Dinslaken, den von den Kilians.

Erland And The Carnivals bestehen (live) aus fünf Musikern. Neben Erland und Simon Tong gehören Bassist Danny Wheeler, Schlagzeuger David Nock und Organist Andy Bruce dazu.

Als sie begannen, war ich überrascht, wieviel lauter und rockiger die Briten live klingen. Ich hatte mich mehr auf Folk, vielleicht sogar sitzend eingestellt, wie druckvoll die Lieder dargeboten wurden, war zwar ungewohnt allerdings auch extrem hörenswert!

Besonders gefallen hat mir der durchgängige Hintergrundsound der Kirmesorgel von Andy Bruce. Ganz typisches 60er Jahre Georgele, das quasi den Soundtrack zur Musik von Erland bildet. Dazu kamen die treibenden Gitarrenrhythmen der beiden Hauptdarsteller, die bei manchem Stück an Westernmelodien erinnern - großartig! Gentle Gwen zum Beispiel könnte einem John Wayne Film entsprungen sein.

Das eingängigste Lied der Band ist sicher Trouble in mind, ein wunderbares Pop-Stück. Deneben gefielen mir besonders zwei andere Lieder,
You have loved enough, weil das in vierstimmigem (!) Pfeifen endete und Love is a killing thing, das erst sehr ruhig beginnt, dann aber immer lauter wird. Allerdings waren das nur die auffälligeren Titel, gut waren nämlich alle Lieder, Schwächen oder Längen hatte das Set wirklich nicht.

Eine wirklich tolle Band, live noch einmal überraschend spannender, als die Platte und die übrigen Veröffentlichungen versprachen!

Setlist Erland And The Carnival, Steinbruch, Duisburg:

01: The echoing green
02: My name is Carnival
03: Gentle Gwen
04: The Derby ram
05: Everything came too easy
06: Disturbed this morning
07: Was you ever see
08: The tempest
09: ?
10: Trouble in mind
11: You don't have to be lonely
12: Love is a killing thing

13: You have loved enough (Z)
14: ?
15: One morning fair (Z)

* der auch bei Blur und The Good The Bad & The Queen gespielt hat

Fotos folgen, dann vermutlich auch noch nähere Informationen