Story Records birgt inzwischen zwar keine Geheimnisse mehr, hält also nicht mehr zurück, (un-)mittelbar auch den Namen des hinter einer Neuveröffentlichung stehenden Künstlers mitzuliefern. So weiss inzwischen jeder House-Liebhaber, dass beispielsweise der Brite Cottam die Nummer 3 und der Russe Anton Zap die Nummer 4 produziert haben. Das tut dem Erwartungshunger auf eine weitere, mit "Story" belabelte 12" jedoch keinen Abbruch, zumal in Zeiten von Facebook, unzähligen Internet-Foren, und so weiter, es nur eine Frage der Zeit ist, bis ein "Geheimnis" dieser Art gelüftet wird. Davon einmal abgesehen bezieht sich diese Offenlegung ja nur auf den Informationsgehalt "Produzent". Die einzelen Track-Bestandteile, die Identität eines Stückes bildenden Faktoren, werden nicht Preis gegeben. Wäre ja noch schöner, wenn...
Nun also ist dieser Tage die fünfte Story-Platte vom Stapel gelaufen. Produziert hat die Tracks hierfür Andreas "Audio" Werner, seines Zeichens Mitgründer von Hartchef Discos und gerne gesehener Beitragleister für Perlon, Circus Company und Hello? Repeat. Noch vor einigen Wochen habe ich wie ein frisch verliebter Teenager von "Couched" geschwärmt, den Audio Werner für die Überlängen-Compilation "Superlongevity" auf Perlon produziert hat. Dass ich mit meiner Schwärmerei nicht alleine stehe, zeigt unter anderem auch die positive Resonanz bei monday-edition.de.
Jedenfalls fand ich zuletzt auch schon "Easygoing", erschienen auf Hartchef Discos, und "Meanwhile", ebenfalls auf Hartchef Discos veröffentlicht, sehr knorke Platten. War Audio Werner so um die Mitte der Nuller-Jahre noch um eine ständige Reduktion bemüht, wirkten auf mich Tracks wie beispielsweise "Moved" immer ein wenig zu molekular und abgekühlt, scheint es jetzt so, dass er seine Ausgangszutaten langsam und bei mittlerer Hitze einköcheln lässt, das Ablöschen mit grosszügig Rotwein oder gar Portwein nicht vergisst und das Ganze obendrein noch mit jede Menge House-Fond auffüllt. Denn die Aromen auf dieser EP entfalten einen unglaublichen Geschmackskosmos. Für Geniesser.
"Feel About" ist so einer dieser Slow Food-Tracks. Nicht zu verwechsel mit Slow Motion, oder so. Denn auch wenn sich dieser Track über mehr als zehn Minuten hinzieht, legt Audio Werner mit ihm ein ordentliches Rouleur-Tempo vor. Gleichmässig, kräftig und (verhältnismässig) schnell, und das Tempo konstant durchgehalten. Pate für den Groove stand mit Sicherheit good ol' Jack. Zu deutlich tragen der swingende Bass, die kompakten Hi-Hats und die bouncey Kickdrum seine Handspur. "Return" konzentriert sich auf ein harmonisches Zusammenspiel von orgelähnlichen Sounds, mit sehr lockerem Handgelenk gespielten Hi-Hat Shuffles und punktgaren Bassdrums. House, ne?! Mein persönlicher Favorit auf dieser 12" ist jedoch "Guteaussichten". Ich hoffe sehr, dass Audio Werner mit diesem Titel uns ein kleines Vogelzeichen gibt, etwas, aus dem wir wie Auguren herauslesen können, dass er in diesem Jahr noch jede Menge grosser Tracks für uns auf Lager hat. Denn "Guteaussichten" ist einer dieser Stücke, die das "It Must Schwing"-Credo nicht nur als Lippenbekenntnis herunterbeten, sondern es verinnerlicht haben und über die volle Länge hinweg ausleben. Was ist House, wenn nicht dieser Track?!
English (short) version: Audio Werner penetrates body, mind and soul with bassey tight rhythms, satin blue deep tones and warm grooves with a wash of soulful colors. Great!
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Audio Werner - Meanwhile
Hartchef Discos, Audio Werner - hätte ich bis dato nicht für möglich gehalten, einmal eine 12" von Andreas Werner alas Audio Werner in den Blog aufzunehmen und vorzuschlagen, auch wenn er mit seiner Platte Still Jackin' vor ungefähr fünf Jahren eine durchaus sehr ansprechende House-Skizze vorgelegt hat, in der er (schon damals) seine Suche nach dem perfekten Loop eindrücklich belegte. In der Zwischenzeit veröffentlichte der Kölner u.a. auf Perlon und Trapez, Werke, denen ich allerdings nur wenig Beachtung schenkte. Mit "Easygoing" setzte Audio Werner im vergangenen Jahr jedoch ein Signal, das seine Wirkung auch bei mir nicht verfehlte und meine Aufmerksamkeit wieder nach Köln, wieder zu Audio Werner, zuwendete. Monate später meldet er sich mit einem weiteren Release auf Hartchef Discos. "Meanwhile" heisst die EP, und wenn man sich die Titel der Tracks anschaut, entdeckt man dieselbe Sprachspielerei wie bei Easygoing, und so wird - ein wenig - erahnbar, was einen erwartet: im Zentrum seines Schaffens steht auch hier die Suche und Findung nach dem perfekt produzierten Loop, einem Grundgroove, der auch nach stundenlangem Hören / Spielen nicht nervtötend wirkt. Im Unterschied zu manch einer vorangegangenen Release wich auf "Meanwhile" wich jedoch die kühle Nüchternheit, und Einkehr nahm eine harmonische Wärme, die man mit dem Überbegriff House durchaus in Verbindung bringen darf.
Mit "Mean", "While", "Whilemean" und "Meanwhile" liefert Audio Werner vier Variationen eines Themas ab, dekliniert es konsequent durch, wie man es auch in der klassischen Musik und im Jazz kennt: das am Anfang erklingende Motiv wird über die vier Tracks mehrmals verändert. Gleichbleibend pulsierend ist dabei der intensive, vom Funk beeinflusste, solide Basslauf, wie er besonders gut zu Beginn von "Mean" und "While" zu hören ist. Sanfte Synthie-Pads, (Synthie-)Streicher-Instrumentals, Hi Hat-Spielereien, verspielte perkussive elemente erfahren je nach Track ihre besondere Akzentuierung. Und da ich überaus anfällig für (alternierende) Klavierakkorde bin, ist nachvollziehbar, dass ich auf "Meanwhile" hängen geblieben bin. Nun ja, solch' leichtfüssig tänzelnde Tracks liebe ich einfach.
English (short) version: Andreas Werner a.k.a. Audio Werner was and still is an artist in search of the perfect and precise loop. I didn't pay too much attention to his previous, especially his earlier releases on labels like Trapez, Perlon and his own imprint, Harchef Discos. But "Meanwhile" is a 12" containing four of those early morning sunshine tracks that have the potential to turn a dancefloor toward the light and bright side.
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Audio Werner Live @ The Villa, Oslo - 06-02-2009 by R_co
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