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Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (solo), Paris,05.03.11



Konzert: Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (Jessica solo)

Ort: Crêperie West Country Girl, Paris
Datum: 05.03.11 (eigentlich 06.03.11, 1 Uhr morgens)
Zuschauer: etwa 40-50 Konzertdauer: Gaspar Claus, ein Lied à 20 Minuten, Gaspar & Alice und Jessica jeweils 3 Lieder


Eine ganz spezielle Sache, diese nachmitternächtliche Session in der stimmungsvollen Crêperie West Country Girl des Bretonen Erwan Le Floch und seiner Frau Sophie!

Ich gehörte zu den Auserwählten, die eine geheime Einladunsgmail erhalten hatten, um an der privaten Veranstaltung teilzunehmen. Erwan hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, diese Mail an niemanden weiterzuleiten, keine Tweets zu versenden und auch keine Facebook-Events auszurufen. Ich hielt mich an die Vorgaben, nahm aber meinen konzertbegeisterten Freund Michael mit. Zusammen hatten wir vorher das explosive Konzert von She Keeps Bees im International gesehen und es war reichlich spät geworden. 0 Uhr 30 um genau zu sein, und die Session sollte planmäßig eigentlich um 23 Uhr 30 beginnen. Trottelig wie wir nun einmal sind, hatten wir uns glatt auch noch verlaufen und kamen erst deutlich nach 1 Uhr in der zur Konzertbühne umfunktionierten Creperie an. Hier hatten in der Vergangenheit schon Größen wie Josh T. Pearson (Foto links), Bosque Brown und sogar Micah P. Hinson akustisch vom Leder gezogen und die Geschichte in Insiderkreisen bekannt gemacht. Sogar eine Platte auf Vinyl ist schon über das flux gegründete Label erschienen und über den Konzertabend im Nouveau Casino hatte ich ja berichtet. Seitdem ist es etwas stiller um die West Country Night Sessions geworden, aber Erwan und Sophie denken gar nicht daran, aufzuhören. Josh T. Pearson ist zwar aus den über der Crêperie liegenden Räumlichkeiten ausgezogen, aber mit She Keeps Bees aus Brooklyn konnte man eine Band gewinnen, die hier die allererste West Country Night- Session überhaupt gespielt hatte.

Bevor die Bienenzüchter Jessica und Andy aber loslegten, standen erst noch andere Künstler auf dem Zettel.

Kein Geringerer als der Pariser Ausnahme- Cellist Gaspar Claus hatte den Abend mit seinem innovativen und experimentellen Stil eröffnet. Der klassisch ausgebildete Musiker ist durch Videos von der Blogothèque bekannt geworden, aber auch dadurch, daß er mit der Schwester des frankophilen Bryce "The National " Dessner liiert ist.

Was Gaspar so alles mit dem Cello anstellt, verschlägt einem glatt die Sprache. Er zupft, streicht, zwirbelt und lässt Töne erklingen, die ich in dieser Form noch nie gehört hatte. Man sah deutlich, daß er eine Symbiose mit seinem Instrument einging, es fast herzte und im Arm hielt wie eine geliebten Menschen. Zwanzig Minuten dauerte der einzige Titel, den er heute abend spielte und keiner im Raume wagte es , sich auch nur zu räuspern. Die totale Stille. Diese war allerdings auch unerläßlich, denn manchmal berührte Gaspar sein Cello nur hauchzart.

Ein bizarrer, verstörend schöner Auftritt.

Fünf Minuten später leistete ihm die blondgelockte Alice Daquet aka Sir Alice aka Viva & The Diva Gesellschaft. Die ausgebildete Naturwissenschaftlerin spielte Akustikgitarre und keifte wie zu den Hochzeiten des Grugne aggressive Töne ins Rund. Ein Mikro hatte sie nicht. Gaspar spielte Cello dazu und er und Alice ergänzten sich meisterhaft. Das Cello, die Gitarre und die tiefe Stimme von Sir Alice schufen eine düstere, aber anziehende Atmosphäre. Da es extrem spät war, schienen schon einige Leute hinwegzudämmern, aber das kurze, dreistückige Set (darunter ein Cover von k.d. Lang) hatte es in sich!

Auch Jessica Larrabee äußerte sich euphorisch und meinte Richtung Sir Alice: "My goodness, I would love to have your voice!" Sympatisch, wenn man bedenkt, daß Jessica für ihre vokalen Fertigkeiten Lobhudelei von allen Seiten (z.B. von Sharron von Etten etc.) erfährt und in der New Yorker Indieszene einen extrem guten Ruf genießt. Ihr Partner Andy saß an der Bar während sie ebenfalls drei Songs auf der Akustikklampfe performte, den letzten 'a cappela.

Inzwischen war es 2 Uhr geworden, viele Mitbürgerinnen und Mitbürger verdrückten sich, noch in der Hoffnung die letzte U-Bahn zu kriegen. Ich persönlich führte aber noch ein schönes, angeregtes Gespräch mit Jessica, bei dem ich die ganze Herzlichkeit und Warmherzigkeit der Amerikanerin erfahren durfte. Besonders der Gig im Deutschen Theater in Berlin war ihr in bester Erinnerung geblieben.

Dann war es Zeit zu gehen. Von draußen blickte ich auf den Laden und sah das obere Stockwerk in dem Jessica und Andy nächtigen würden, genau wie Josh T. Pearson damals. Nun ist der legendäre Bartträger gerade dabei, Karriere zu machen. Hier im West Country Girl werden Helden gemacht. Eine tolle Sache das, Riesenkompliment an Erwan und Sophie!





Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (solo), Paris,05.03.11



Konzert: Gaspar Claus, Sir Alice & Gaspar Claus, She Keeps Bees (Jessica solo)

Ort: Crêperie West Country Girl, Paris
Datum: 05.03.11 (eigentlich 06.03.11, 1 Uhr morgens)
Zuschauer: etwa 40-50 Konzertdauer: Gaspar Claus, ein Lied à 20 Minuten, Gaspar & Alice und Jessica jeweils 3 Lieder


Eine ganz spezielle Sache, diese nachmitternächtliche Session in der stimmungsvollen Crêperie West Country Girl des Bretonen Erwan Le Floch und seiner Frau Sophie!

Ich gehörte zu den Auserwählten, die eine geheime Einladunsgmail erhalten hatten, um an der privaten Veranstaltung teilzunehmen. Erwan hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, diese Mail an niemanden weiterzuleiten, keine Tweets zu versenden und auch keine Facebook-Events auszurufen. Ich hielt mich an die Vorgaben, nahm aber meinen konzertbegeisterten Freund Michael mit. Zusammen hatten wir vorher das explosive Konzert von She Keeps Bees im International gesehen und es war reichlich spät geworden. 0 Uhr 30 um genau zu sein, und die Session sollte planmäßig eigentlich um 23 Uhr 30 beginnen. Trottelig wie wir nun einmal sind, hatten wir uns glatt auch noch verlaufen und kamen erst deutlich nach 1 Uhr in der zur Konzertbühne umfunktionierten Creperie an. Hier hatten in der Vergangenheit schon Größen wie Josh T. Pearson (Foto links), Bosque Brown und sogar Micah P. Hinson akustisch vom Leder gezogen und die Geschichte in Insiderkreisen bekannt gemacht. Sogar eine Platte auf Vinyl ist schon über das flux gegründete Label erschienen und über den Konzertabend im Nouveau Casino hatte ich ja berichtet. Seitdem ist es etwas stiller um die West Country Night Sessions geworden, aber Erwan und Sophie denken gar nicht daran, aufzuhören. Josh T. Pearson ist zwar aus den über der Crêperie liegenden Räumlichkeiten ausgezogen, aber mit She Keeps Bees aus Brooklyn konnte man eine Band gewinnen, die hier die allererste West Country Night- Session überhaupt gespielt hatte.

Bevor die Bienenzüchter Jessica und Andy aber loslegten, standen erst noch andere Künstler auf dem Zettel.

Kein Geringerer als der Pariser Ausnahme- Cellist Gaspar Claus hatte den Abend mit seinem innovativen und experimentellen Stil eröffnet. Der klassisch ausgebildete Musiker ist durch Videos von der Blogothèque bekannt geworden, aber auch dadurch, daß er mit der Schwester des frankophilen Bryce "The National " Dessner liiert ist.

Was Gaspar so alles mit dem Cello anstellt, verschlägt einem glatt die Sprache. Er zupft, streicht, zwirbelt und lässt Töne erklingen, die ich in dieser Form noch nie gehört hatte. Man sah deutlich, daß er eine Symbiose mit seinem Instrument einging, es fast herzte und im Arm hielt wie eine geliebten Menschen. Zwanzig Minuten dauerte der einzige Titel, den er heute abend spielte und keiner im Raume wagte es , sich auch nur zu räuspern. Die totale Stille. Diese war allerdings auch unerläßlich, denn manchmal berührte Gaspar sein Cello nur hauchzart.

Ein bizarrer, verstörend schöner Auftritt.

Fünf Minuten später leistete ihm die blondgelockte Alice Daquet aka Sir Alice aka Viva & The Diva Gesellschaft. Die ausgebildete Naturwissenschaftlerin spielte Akustikgitarre und keifte wie zu den Hochzeiten des Grugne aggressive Töne ins Rund. Ein Mikro hatte sie nicht. Gaspar spielte Cello dazu und er und Alice ergänzten sich meisterhaft. Das Cello, die Gitarre und die tiefe Stimme von Sir Alice schufen eine düstere, aber anziehende Atmosphäre. Da es extrem spät war, schienen schon einige Leute hinwegzudämmern, aber das kurze, dreistückige Set (darunter ein Cover von k.d. Lang) hatte es in sich!

Auch Jessica Larrabee äußerte sich euphorisch und meinte Richtung Sir Alice: "My goodness, I would love to have your voice!" Sympatisch, wenn man bedenkt, daß Jessica für ihre vokalen Fertigkeiten Lobhudelei von allen Seiten (z.B. von Sharron von Etten etc.) erfährt und in der New Yorker Indieszene einen extrem guten Ruf genießt. Ihr Partner Andy saß an der Bar während sie ebenfalls drei Songs auf der Akustikklampfe performte, den letzten 'a cappela.

Inzwischen war es 2 Uhr geworden, viele Mitbürgerinnen und Mitbürger verdrückten sich, noch in der Hoffnung die letzte U-Bahn zu kriegen. Ich persönlich führte aber noch ein schönes, angeregtes Gespräch mit Jessica, bei dem ich die ganze Herzlichkeit und Warmherzigkeit der Amerikanerin erfahren durfte. Besonders der Gig im Deutschen Theater in Berlin war ihr in bester Erinnerung geblieben.

Dann war es Zeit zu gehen. Von draußen blickte ich auf den Laden und sah das obere Stockwerk in dem Jessica und Andy nächtigen würden, genau wie Josh T. Pearson damals. Nun ist der legendäre Bartträger gerade dabei, Karriere zu machen. Hier im West Country Girl werden Helden gemacht. Eine tolle Sache das, Riesenkompliment an Erwan und Sophie!





She Keeps Bees & Wild Moccasins, 05.02.11


Konzert: She Keeps Bees & Wild Moccasins (Tornado)
Ort: L'International, Paris
Datum: 05.02.2011
Zuschauer: sauviele



So, jetzt ist hier mal Schluss mit Süßwarenpop à la Those Dancing Days. Zumindest vorübergehend. She Keeps Bees aus Brooklyn gastierten in Paris und boten saftigen Rock ohne Schnörkel und Chichi. Die hatte ich Christoph mal gegönnt, aber der hätte wahrscheinlich mit der bluesig-rohen Darbietung nix anfangen können. Zu wenig Honig für ihn, trotz der Bienen im Namen. Egal. Ich zumindest ließ mir gerne von Jessica und Andy den Arsch aufreißen. Eine Rockröhre am Fender Stratocaster und ein Bursche hinter den Drums, mehr brauchte es nicht, um für gehörigen Lärm zu sorgen. Das banausenhafte Samstag-Abend Publikum gröhlte mit, ohne zu wissen, wer da eigentlich spielt. Deppen. Gesindel. Gutdurchesser. Und eine Arschgeige von Fotograf vor mir, der hunderttausend Fotos geschossen hat und mir permanent die Sicht versperrte. Ich hätte ihm am liebsten seine Canon über die Rübe gezogen.

Dennoch ließ ich mir meinen Spaß am Auftritt von She Keeps Bees nicht nehmen. Schließlich war es mein erstes Konzert von und mit Jessica und Andy und das wollte ich so gut es geht genießen. Durch geschicktes Lückenausnutzen (man könnte auch sagen: vordrängeln), war es mir gelungen, in die allererste Reihe zu gelangen. Und das ist in einem kleinen Laden wie dem International unbezahlbar, denn wenn es wie heute proppenvoll ist, sieht man hinten und an den Seiten so gut wie nichts. Wäre sehr schade gewesen, Jessica Larrabee nicht aus nächster Nähe zu beobachten, denn sie hat ein bildhübsches Gesicht und ein unverschämt charmantes Lächeln, mit dem sie nicht geizte. Bestens gelaunt war sie zu später Stunde (etwa 23 Uhr 30) auf der Bühne erschienen und gab von Anfang bis Ende Vollgas. Ihr Drummer, Produzent und Lover Andy saß unterdessen ganz relaxt hinter seiner Schießbude und teilte aus wie ein Preisboxer.

Das gespielte Songmaterial war mir unbekannt. Obwohl ich vor allem durch wohlwollende Besprechungen auf dem Klienicum auf She Keeps Bees aufmerksam geworden war, hatte ich bis zum heutigen Tage keine CD der beiden New Yorker im Regal.
Bislang stehen zwei Longplayer (Minisink Hotel 2006, Nests 2008) und zwei EPs (Shhh Ep 2007 und Revival 2009) auf der Habenseite, im Laufe dieses Jahres soll dann das dritte Werk Dig On erscheinen, von dem heute auch bereits ein paar Songs performt wurden. Alles klang roh, stripped to the bone und direkt und verfehlte nicht seine stimulierende Wirkung. Meine Müdigkeit war wie weggeblasen und wurde postwended durch Adrenalinstöße ersetzt. Keine Frage: was She Keeps Bees da boten, war aggressiv und brachial. Ich hätte fast Lust gehabt, ein wenig Pogo zu tanzen und Rumzuschreien wie ein gesenktes Schwein. Man darf nicht vergessen, daß ich als junger Mensch Death Metal gehört habe (ich Held, ich!) und irgendwo schlummert noch ein nicht unbedeutendes Aggressionspotential in mir (ich Rambo, ich!). Trotzdem blieb ich ruhig, obwohl ein paar Leute richtig nervten.

Ich beachtete sie nicht und konzentrierte mich stattdessen auf die Musik, die frontal und punktgenau serviert wurde. Bluesig und leicht verraucht sang Jessie die Lyrics der oft sehr kurzen Stücke. Schwüle Wüstensand- Atmosphäre breitete sich aus, die Spannung der Lieder war kisternd und es war klar, daß auch schleppend beginnende Stücke irgendwann ausbrechen würden. In diesen Momenten drehte Jessica gesanglich voll auf und keifte wie eine Furie, während Andy hinten cool as fuck seine Felle vermöbelte. Das Ganze erinnerte mich an die frühen Black Keys, weniger an die oft zitierten White Stripes und schon gar nicht an die aktuelle PJ Harvey.
Auch Cat Power passte als Referenz nicht. Stattdessen sah ich eher Parallelen zu Liela Moss und The Duke Spirit, der Band Of Skulls oder den Raveonettes.

Zwei Lieder performte Jessica sogar a'cappella und greinte tief und bluesgetränkt.

Dann war Schluß. Zumindest was das International anbelangt. Handverlesene Gäste wie ich kamen nämlich noch in den Genuß eines sehr späten Privatkonzertes mit She Keeps Bees in der Crêperie von Erwan Le Floch in Saint Ambroise. Davon berichte ich in einem anderen Post.

Ein paar Worte gilt es aber noch zu den vor She Keeps Bees auftretenden Wild Moccasins zu sagen, denn die fünfköpfige Band aus Texas wusste mit ihrem Powerpop und der rassigen, hyperaktiven Sängerin Zahira Gutierrez (die sich prima mit dem Sänger Cody Swann ergänzte) zu gefallen. Zu dumm nur, daß es vor der Bühne so dermaßen voll war, das es für mich keine Möglichkeit gab, nahe am Geschehen zu sein. Die Leute trampelten sich halb tot, es drangen immer mehr und mehr vergnügungsgsüchtige Mitbürger in den Laden und ließen die Temperaturen auf gefühlte 55 Grad Celsius steigen. Ich musste mich mit dem undankbaren Platz auf der Treppe begnügen, sah die Gruppe nur von der Seite und kam auch nicht in den Genuß eines normalen Sounds. Was ich aber hörte, machte total Laune und ich habe es nicht bereut, die CD skincollisionpast erworben zu haben. Die ist dermaßen frisch und perlend, das gibt es gar nicht!

Tornado aus Frankreich hingegen waren öde und langweilten mich gräßlich.



Konzerttermine Wild Mocassins (ohne Gewähr):

06.03.11: Kaffe und Kuchen Matinee, Az Achen, Achen
07.03.11: Halle, Heidelberg
08.03.11: Gasthaus Sutter, Zweibrücken
09.03.11: La Brasserie du.., Lausanne, Schweiz
10.03.11: Sinkkasten, Frankfurt
11.03.11: Swamp, Freiburg
12.03.11: Zwölf Zehn, Stuttgart
13.03.11: Asta-Kneipe, Rosenheim
14.03.11: rhiz, Wien
15.03.11: Paris Syndrom, Leipzig
16.03.11: Bang Bang Club, Berlin
17.03.11: Kulturhaus III & 70, Hamburg
20.03.11: Prinz Willy, Kiel
22.03.11: Café Glocksee, Hannover
23.03.11: Druckluft, Oberhausen
24.03.11: Hafen 2, Offenbach
26.03.11: d:qliq, Luxemburg

Lesenswert: Blogger-Dr. Freiherr von und zu Eike vom Klienicum zu She Keeps Bees mit Link zu einem Interview. Klick! (@ Eike: Jessica lässt dir schöne Grüße aurichten ("How do you spell his name? Eike? What a nice guy! He is so supportive for many many years now")







She Keeps Bees & Wild Moccasins, 05.02.11


Konzert: She Keeps Bees & Wild Moccasins (Tornado)
Ort: L'International, Paris
Datum: 05.02.2011
Zuschauer: sauviele



So, jetzt ist hier mal Schluss mit Süßwarenpop à la Those Dancing Days. Zumindest vorübergehend. She Keeps Bees aus Brooklyn gastierten in Paris und boten saftigen Rock ohne Schnörkel und Chichi. Die hatte ich Christoph mal gegönnt, aber der hätte wahrscheinlich mit der bluesig-rohen Darbietung nix anfangen können. Zu wenig Honig für ihn, trotz der Bienen im Namen. Egal. Ich zumindest ließ mir gerne von Jessica und Andy den Arsch aufreißen. Eine Rockröhre am Fender Stratocaster und ein Bursche hinter den Drums, mehr brauchte es nicht, um für gehörigen Lärm zu sorgen. Das banausenhafte Samstag-Abend Publikum gröhlte mit, ohne zu wissen, wer da eigentlich spielt. Deppen. Gesindel. Gutdurchesser. Und eine Arschgeige von Fotograf vor mir, der hunderttausend Fotos geschossen hat und mir permanent die Sicht versperrte. Ich hätte ihm am liebsten seine Canon über die Rübe gezogen.

Dennoch ließ ich mir meinen Spaß am Auftritt von She Keeps Bees nicht nehmen. Schließlich war es mein erstes Konzert von und mit Jessica und Andy und das wollte ich so gut es geht genießen. Durch geschicktes Lückenausnutzen (man könnte auch sagen: vordrängeln), war es mir gelungen, in die allererste Reihe zu gelangen. Und das ist in einem kleinen Laden wie dem International unbezahlbar, denn wenn es wie heute proppenvoll ist, sieht man hinten und an den Seiten so gut wie nichts. Wäre sehr schade gewesen, Jessica Larrabee nicht aus nächster Nähe zu beobachten, denn sie hat ein bildhübsches Gesicht und ein unverschämt charmantes Lächeln, mit dem sie nicht geizte. Bestens gelaunt war sie zu später Stunde (etwa 23 Uhr 30) auf der Bühne erschienen und gab von Anfang bis Ende Vollgas. Ihr Drummer, Produzent und Lover Andy saß unterdessen ganz relaxt hinter seiner Schießbude und teilte aus wie ein Preisboxer.

Das gespielte Songmaterial war mir unbekannt. Obwohl ich vor allem durch wohlwollende Besprechungen auf dem Klienicum auf She Keeps Bees aufmerksam geworden war, hatte ich bis zum heutigen Tage keine CD der beiden New Yorker im Regal.
Bislang stehen zwei Longplayer (Minisink Hotel 2006, Nests 2008) und zwei EPs (Shhh Ep 2007 und Revival 2009) auf der Habenseite, im Laufe dieses Jahres soll dann das dritte Werk Dig On erscheinen, von dem heute auch bereits ein paar Songs performt wurden. Alles klang roh, stripped to the bone und direkt und verfehlte nicht seine stimulierende Wirkung. Meine Müdigkeit war wie weggeblasen und wurde postwended durch Adrenalinstöße ersetzt. Keine Frage: was She Keeps Bees da boten, war aggressiv und brachial. Ich hätte fast Lust gehabt, ein wenig Pogo zu tanzen und Rumzuschreien wie ein gesenktes Schwein. Man darf nicht vergessen, daß ich als junger Mensch Death Metal gehört habe (ich Held, ich!) und irgendwo schlummert noch ein nicht unbedeutendes Aggressionspotential in mir (ich Rambo, ich!). Trotzdem blieb ich ruhig, obwohl ein paar Leute richtig nervten.

Ich beachtete sie nicht und konzentrierte mich stattdessen auf die Musik, die frontal und punktgenau serviert wurde. Bluesig und leicht verraucht sang Jessie die Lyrics der oft sehr kurzen Stücke. Schwüle Wüstensand- Atmosphäre breitete sich aus, die Spannung der Lieder war kisternd und es war klar, daß auch schleppend beginnende Stücke irgendwann ausbrechen würden. In diesen Momenten drehte Jessica gesanglich voll auf und keifte wie eine Furie, während Andy hinten cool as fuck seine Felle vermöbelte. Das Ganze erinnerte mich an die frühen Black Keys, weniger an die oft zitierten White Stripes und schon gar nicht an die aktuelle PJ Harvey.
Auch Cat Power passte als Referenz nicht. Stattdessen sah ich eher Parallelen zu Liela Moss und The Duke Spirit, der Band Of Skulls oder den Raveonettes.

Zwei Lieder performte Jessica sogar a'cappella und greinte tief und bluesgetränkt.

Dann war Schluß. Zumindest was das International anbelangt. Handverlesene Gäste wie ich kamen nämlich noch in den Genuß eines sehr späten Privatkonzertes mit She Keeps Bees in der Crêperie von Erwan Le Floch in Saint Ambroise. Davon berichte ich in einem anderen Post.

Ein paar Worte gilt es aber noch zu den vor She Keeps Bees auftretenden Wild Moccasins zu sagen, denn die fünfköpfige Band aus Texas wusste mit ihrem Powerpop und der rassigen, hyperaktiven Sängerin Zahira Gutierrez (die sich prima mit dem Sänger Cody Swann ergänzte) zu gefallen. Zu dumm nur, daß es vor der Bühne so dermaßen voll war, das es für mich keine Möglichkeit gab, nahe am Geschehen zu sein. Die Leute trampelten sich halb tot, es drangen immer mehr und mehr vergnügungsgsüchtige Mitbürger in den Laden und ließen die Temperaturen auf gefühlte 55 Grad Celsius steigen. Ich musste mich mit dem undankbaren Platz auf der Treppe begnügen, sah die Gruppe nur von der Seite und kam auch nicht in den Genuß eines normalen Sounds. Was ich aber hörte, machte total Laune und ich habe es nicht bereut, die CD skincollisionpast erworben zu haben. Die ist dermaßen frisch und perlend, das gibt es gar nicht!

Tornado aus Frankreich hingegen waren öde und langweilten mich gräßlich.



Konzerttermine Wild Mocassins (ohne Gewähr):

06.03.11: Kaffe und Kuchen Matinee, Az Achen, Achen
07.03.11: Halle, Heidelberg
08.03.11: Gasthaus Sutter, Zweibrücken
09.03.11: La Brasserie du.., Lausanne, Schweiz
10.03.11: Sinkkasten, Frankfurt
11.03.11: Swamp, Freiburg
12.03.11: Zwölf Zehn, Stuttgart
13.03.11: Asta-Kneipe, Rosenheim
14.03.11: rhiz, Wien
15.03.11: Paris Syndrom, Leipzig
16.03.11: Bang Bang Club, Berlin
17.03.11: Kulturhaus III & 70, Hamburg
20.03.11: Prinz Willy, Kiel
22.03.11: Café Glocksee, Hannover
23.03.11: Druckluft, Oberhausen
24.03.11: Hafen 2, Offenbach
26.03.11: d:qliq, Luxemburg

Lesenswert: Blogger-Dr. Freiherr von und zu Eike vom Klienicum zu She Keeps Bees mit Link zu einem Interview. Klick! (@ Eike: Jessica lässt dir schöne Grüße aurichten ("How do you spell his name? Eike? What a nice guy! He is so supportive for many many years now")