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Leseempfehlung (7)

Freitagabend. Zeit für eine Leseempfehlung. Der zahlenmässigen Besonderheit gerecht werdend, es ist der siebte Eintrag in dieser Kategorie, fällt sie entsprechend multimedial aus, überschreitet Genregrenzen und untergräbt damit womöglich auch die eine oder andere Lesererwartung.

Nicht nur auf dem Gebiet der Musik bin ich schwerst nostalgisch veranlagt, sondern auch in Sachen (Kinder-)Spielzeug. Heute noch ertappe ich mich hin und wieder dabei, wie mein Blick diese eine Sekunde zu lang auf der Schaufensterauslage eines Spielwarengeschäftes haften bleibt. Nachvollziehbar, dass die Bauanleitung eines Lego DJ-Pultes eine starke Anziehungskraft auf mich ausgebübt hat. Zu entdecken gibt es diese auf Kai Müllers Blog StyleSpion. Here you go:

StyleSpion - Bauanleitung Lego DJ-Pult von Morsebakke
Morsebakke - Lego DJ-Deck

StyleSpion @ Facebook
Morsebakke
Morsebakke @ Facebook


Von Lego-Bausteinen zur Politik überleiten - kein leichtes Unterfangen. Deshalb lass' ich's lieber gleich sein und verweise einfach auf das Interview, welches Peter Lindner in der Süddeutschen Zeitung mit der Grande Dame der Deutschen Politik, Hildegard Hamm-Brücher, geführt hat, und welches am Mittwoch, den 08. September 2010 veröffentlicht wurde. Jede einzelne ihrer Aussagen unterschreibe ich, da Hildegard Hamm-Brücher es vermocht hat, meine gegenwärtige politische Gefühlslage in Worte zu kleiden. Vielen Dank dafür!

Hildegard Hamm-Brücher: Zu viele Politiker sind Anti-Vorbilder.


Ebenfalls in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist ein Gespräch, geführt von Katharina Riehl mit Quincy Jones. Ausnahmeproduzent ist bei seiner Person kein bisschen untertrieben. Worth to read:

Quincy Jones: Berühmt wurden wir aus Versehen.


Da die Tage merklich kürzer werden, die Biergartenzeit längst vorbei zu sein scheint und auch ein Altweibersommer in weitester Ferne liegt, empfiehlt es sich, zuhause zu bleiben und bei einem Getränk seiner Wahl, Kaffee, Bier, Wein, meinetwegen auch selbstgebraute Limonade, ein gutes Buch zur Hand zu nehmen und sich darin zu vertiefen. Dazu vielleicht noch ein Listening-Album auflegen, und der Abend ist perfekt.

Ein Werk der deutschen Literatur, das mich die letzten Wochen begleitet hat, trägt den schlichten Titel "Verbrechen". Geschrieben hat es der Rechtsanwalt und Strafverteidiger Ferdinand von Schirach. Die kommenden Wochen wird mich "Schuld", das zweite und Nachfolgewerk aus seiner Hand begleiten. Ferdinand von Schirach schöpft als Strafverteidiger für den Inhalt seiner Bücher - mit seziermesserscharfer Präzision verfasste Skizzen aus seiner Arbeitspraxis - aus dem Vollen. A must read in literature!

Dazu noch zwei Videos:







English (short) version: Friday evening. I hope you'll find the time for a chilled beer or a glass of well-tempered wine that will accompany you when laying back and relaxing. If you feel in the mood to grab a dictionary in order to better understand the articles I point at in this blog entry. You'll find Quincy Jones in an interview, one of Germanys most respected politician, Hildegard Hamm-Brücher, sharing her thoughts on politician's moral responsibility and society's disenchantment with politics. To finish off, I recommended two books written by German criminal defense lawyer Ferdinand von Schirach.

Leseempfehlung (6)

Nach den ganzen Southport Weekender- und Deep Space Network-Video-Einträgen in der vergangenen Woche, Leri Ahels Guest Mix am Wochenende und der montäglichen Mix-Selection soll dieser Eintrag wieder etwas mehr zum Lesen aufforden und somit den Geist fördern. Denn bekanntermassen heisst es ja: "Lesen ist für den Geist, was Gymnastik für den Körper ist."

Blicke ich, dieses Zitat im Hinterkopf bewahrend, selbstkritisch auf die letzten Jahre zurück, komme ich zu dem Schlusss, nicht Gymnastik sondern Marathonläufe betrieben zu haben. Dies ist kein Selbstlob, wohlgemerkt, denn erst sehr spät habe ich erkannt, dass ich mich zu einseitig in eine (Lese-)Richtung bewegt habe, sozusagen ohne Ausgleichstraining. Das muss - und wird sich - hoffentlich bald ändern. Der Stapel ungelesener - wesentlicher - Bücher ist viel zu gross. Und die Wish-List erst. Doch ich schweife ab.


Einleiten möchte ich diese Leseempfehlung mit einem Hinweis auf den Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts vom 09. August 2010 (Az.: 5 W 84/10), der seit einigen Tagen rege diskutiert wird. Wer sich diesen Beschluss (hier nachzulesen) nicht in voller Länge geben möchte, der sei an dieser Stelle kurz gebrieft:

Ausgangslage, stark verkürzt und die Tatsachenlage möglicherweise nicht vollumfänglich wiedergebend, ist der Rechtsstreit zweier Unternehmen. Eines mit Hauptsitz in Cupertino (Kalifornien, USA) tritt weltweit auf und wirft seit Jahren Produkte mit vor allem einem schönen Zusatznutzen auf den Markt, den man mit sozialem Geltungsnutzen zusammenfassen kann. Das andere Unternehmen hat seinen Firmensitz im hessischen Erbach, stellt Dinge her, die zwar kein Mensch braucht, die aber dennoch in den Absatzmarkt Eingang finden, weil jeder von uns irgendwann einmal auf einer Geburtstags- oder Hochzeitsfeier eingeladen ist. Und bevor man sich den Kopf über in Frage oder nicht in Frage kommende Geschenksartikel macht, wählt man einen "custom made" Gegenstand für Bad, Küche oder Wohnbereich aus. Einer dieser Gegenstände aus dem Angebot des streitbefangenen Unternehmens ist der "eiPott". Ein banaler Eierbecher. Verschiedenfarbiges Oberflächenlayout, kreisrunde Vorrichtung, um das Frühstücksei vor dem Davonkullern abzuhalten, Zweckentfremdungsmöglichkeit als Aschenbecher.

Diese Namensgebung und das Produkt selbst kamen bei dem weltweit auftretenden Unternehmen nicht gut an. Es sah Marktanteile schwinden, den guten Ruf gar in Gefahr, Verwässerungs- und Verwechslungsgefahr hinsichtlich der Marke, und ging deswegen gegen den Eierbecher vor. Ein Produktverbot konnten die Rechtsanwälte dieses Unternehmens zwar nicht erwirken, dafür immerhin ein Verbot, den Produktnamen "eiPott" weiterhin zu verwenden. Im Leitsatz des Bescheides liest sich das folgendermassen:


"Zwischen dem eingetragenen Gemeinschaftsmarke "IPOD" und dem vom Antragsgegner verwendeten Begriff "eiPott" für Eierbecher besteht eine Verwechslungsgefahr, die eine markenrechtliche Untersagung rechtfertigt. Die Zeichenähnlichkeit liegt darin begründet, dass die beide Begrifflichkeiten klanglich identisch sind. Da die Marke "IPOD" unter anderem auch für „Geräte und Behälter für Haushalt und Küche“ geschützt ist, liegt zudem auch eine Warenidentität vor."


Nun ja. Dem kleinen Unternehmen verhalf diese Aktion zumindest dazu, seine Namensbekanntheit zu verbessern.


Mehr dazu:

eiPott @ Handelsblatt
eiPott @ Süddeutsche
eiPott @ Netzwelt



Nun wieder zu Artikeln zum (weiten) Themenkreis der (Club-)Musik. In Freiburg aufgrund eines freundschaftlichen Verhältnisses zu Rainer Trüby verhältnismässig oft zu Gast ist der Brite Gilles Peterson. Im letzten Jahr veröffentlichte er mit "Havana Cultura" eine (weitere) Compilation, die sich kubanischer Jazz-Soul-Funk-Fusion-Sounds angenommen hat. Louie Vega, MJ Cole und auch Rainer Trüby haben sich dieser ausgewählten Stücke angenommen, und jeweils einen Remix abgeliefert. Freunde von Freunden, ein sehr nettes Blog, hat sich mit Gilles Peterson im Juni diesen Jahres getroffen und in ein kurzes Gespräch verwickelt - genauso wie den Musiker Paul Frick (von Brandt Brauer Frick), der auf die an ihn gerichteten Fragen doch etwas ausführlicher eingegangen ist als der Brite.


Auf The European bin ich auf ein Interview mit einer wahren Grösse des Berliner Nachtlebens gestossen, Heinz Gindullis a.k.a. Cookie, Gründer und Betreiber des legendären ehemaligen gleichnamigen sowie Gründer und Betreiber des aktuellen gleichnamigen Clubs in Berlins Mitte. Im Gespräch lässt er das Nachtleben der Vergangenheit, insbesondere des Jahres 1994, Revue passieren, setzt es in Vergleich zu 2010 - und bestätigt für mich wieder einmal, dass in solchen Rückschauen nicht viel mehr als belangloses Zeug geredet wird, Dinge, die jeder selbst schon wusste, so dass ich guten Gewissens mit Wilhelm Raabe schreiben kann: "Erst durch lesen lernt man, wie viel man ungelesen lassen kann." Und die Klage oder das Bedauern darüber, zu den Betreibern eines ganz bestimmten Clubs keinen persönlichen Kontakt zu haben - ja mein Gott, den hab' ich auch nicht, doch: wer will das wissen?!

Heinz Gindullis - Das Berliner Nachtleben im Wandel @ The European


Im Juli diesen Jahres stand der Berliner René Pawlowitz alias Shed dem britischen Fact Magazine Rede und Antwort. Das Ergebnis? Lesenswert! Wer's noch nicht getan hat, kann es hier nachholen und, wer dazu eine Geräuschkulisse benötigt, kann sich Sheds bald erscheinendes Künstleralbum anhören, ebenfalls auf der Website des Fact Magazines und obendrein noch seinen Podcast auf Resident Advisor.


Ebenfalls im Fact Magazine erschien heute ein Interview mit Theo Parrish. Must read! The Essential...Theo Parrish @ Fact Magazine.


Über Sherard Ingram im Gespräch mit Little White Earbuds sowie Juan Atkins in einem Interview Feature auf Hybrid Life geht es zu Spiegel Online. Dort erschien vor fast vierzehn Tagen ein Artikel zum Thema Persönlichkeitsforschung mit dem Titel: "Warum Soul-Fans warmherziger sind" ( SPON - Warum Soul-Fans warmherziger sind). "Gehirn und Geist" erklärt, warum eine CD mit unseren Lieblingsliedern wie eine Visitenkarte ist." - so die den Artikel einleitenden Worte, die mich an die Zeit erinnert haben, als ich für die eine oder andere Angebetete in mühevoller Kleinarbeit ein Mixtape erstellt habe - damals noch Kassettentape. A-Seite Hip Hop, mehrheitlich französisches Material, B-Seite House, was damals so bei mir und in den Sammlungen der Nachbarkinder herumlag. Kerri Chandler, Moodymann, Glenn Underground und komisches Zeug, an das ich mich nicht mehr erinnern kann. Ach ja. damals.

P.S. Morgen geht's dann wirklich weiter mit Reviews.


English (short) version: another recommendation for all your reading needs. I started off with some personal thoughts about Apple vs. Koziol - get an overview here. Then head over to an awesome and attractive blog "Freunde von Freunden". There, you'll find more than a handful interviews with Berlin based and international artists. I put a link to the one with Gilles Peterson and Paul Frick of Brandt Brauer Frick. After that, hurry to Fact Magazine that is questioning Shed and Theo Parrish. From there, move on to Little White Earbuds with Sherard Ingram as interview partner, Hybrid Life with Juan Atkins and to finish of this blog entry, read about why soul fans are more warm-hearted (than others) at Spiegel Online.

P.S. We will serve you with some reviews from tomorrow on.

Leseempfehlung (5)

Noch einmal komme ich in dieser Woche auf das tragische Ereignis, das sich während der diesjährigen Loveparade in Duisburg zugetragen hat, zu sprechen. Als Aussenstehendem steht es mir in keiner Weise zu, ein Fernurteil abzugeben, beziehungsweise in irgendeiner Art und Weise Meinungen und Stimmungen zu schüren (es sei denn, sie richten sich gegen Frau Unerträglich - hier ist auch ein heftiges sich im Ton vergreifen und die Ebene der Sachlichkeit verlassen ausnahmsweise einmal angebracht).

Aus einer ganzen Vielzahl verfasster Artikel zu diesem Vorfall möchte ich drei herausgreifen, die weit entfernt sind von Tränendrüsenformulierungen und unangebrachter Gefühlsduselei, deren Verfasser aber auch nicht mahnend den Finger gegen wen auch immer erheben, und schon gar nicht: die Würde des Verstorbenen (auch so etwas gibt es, Frau Herman) und die Gefühle der Angehörigen verletzen.


Krystian Wozniki in Berliner Gazette - Die Kehrseite des Ecstasy-Raves


HD Schellnack in HD Schellnack - Tod und Spektakel


Martin Hortig in Legal Tribune Online - Grundsätzlich Hat Der Veranstalter Den Hut Auf

Leseempfehlung (4)

Bevor ich morgen endlich einmal wieder (Neu-)Veröffentlichungen thematisieren werde, folgt an dieser Stelle noch eine kurzer Eintrag unter der Rubrik "Leseempfehlung".


Beginnen möchte ich diesen mit einem aktuellen Artikel aus der taz. Ich hätte an dieser Stelle auch auf Spiegel Online, ZEIT online, die FAZ oder Süddeutsche verlinken können, doch beinhaltet die Taz nach meinem persönlichen Dafürhalten doch ein etwas stärkeres Polarisierungspotenzial - was in diesem Fall nicht das schlechteste ist. Denn die Chinesische Regierung in Peking plant, die Nutzung von Internet und Mobilfunk an die Offenlegung von Klarnamen zu koppeln, um - unter anderem - kritische Kommentare leichter zurückverfolgen zu können.

Die Chinesische Regierung in Peking folgt damit dem Beispiel der Badischen Zeitung, welche diesen Schritt bereits im Februar diesen Jahres vollzog. Ein Nachziehen war da zumindest aus regierungshöriger chinesischer Sicht überfällig.

Zum vollständigen Artikel in der Taz: Klarnamen für das Internet.


Erfreulichere Neuigkeiten zu finden sind hingegen auf der Website von Little White Earbuds. Die Blogger-Crew hat sich vor kurzem aufgemacht nach Bridgeport / Connecticut, um sich mit DJ Jus-Ed bei einem kleinen Barbecue über sein Label "Underground Quality" zu unterhalten. Ein Barbecue mit DJ Jus-Ed stelle ich mir genial vor, denn sowohl in seiner Radio Show, an den Decks im Rahmen einer Clubnacht als auch in diesem Interview blitzen Entertainerqualitäten durch. Obendrein liefert Label-Sozius Anthony Parasole den entsprechenden Soundtrack ab. Sahnehäubchen.

Talking Shopcast with Underground Quality @ Little White Earbuds


Ein weiteres - meiner Ansicht nach - lesenswertes Interview / Gespräch trägt den wunderschönen Titel "House Relief" und ist zu finden auf dem Blog der Warm Agency. Gesprächspartner ist Achim Brandenburg alias Prosumer. Ganz besonders gefallen hat mir seine Antwort auf die Frage, wie er sich auf einen Gig, auf ein DJ Set vorbereite und nach welchen Kriterien er seine Platten dafür aussuche.

House Relief w/ Prosumer


Wer sie noch nicht lechzend verzehrt, sollte sich spätestens jetzt daran machen, die einzelnen Artikel / Blogeinträge unter dem Titel "Rewind" zu lesen. Zu finden sind sie - der Conaisseur hat es längst erraten - auf dem Blog von Finn Johannsen, den er sehr regelmässig mit Einträgen rund ums Thema Musik füttert. Die Reihe "Playing Favourites" ist natürlich auch sehr interessant - schon nur weil sich nicht immer alles nur um House, House and more fucking House dreht.

Finn Johannsen - Features - Rewind / Playing Favourites


Und zum Abschluss dieses Eintrags noch der Hinweis auf einen Artikel und ein Blog mit dem Inhalt Gentrifizierung - für (Wahl-)Freiburger kein Thema, hier war schon immer ist auch heute noch alles so gut wie gentrifiziert.

Report: Nation's Gentrified Neighborhoods Threatened By Aristocratization

Gentrification Blog


English (short) version: some articles I recommend you to read. Their authors thematize internet censorship in China, the DJ Jus-Eds Underground Quality label, Prosumer, and so on, and so forth. In German. In English.

Leseempfehlung (3)

Ich hoffe, ihr entschuldigt, dass ich derzeit nicht ganz so regelmässig und ausführlich über aktuell(er)e Veröffentlichungen blogge. Da ich mich seit einigen Tagen jedoch in der Hauptstadt eines angeblichen "Schurkenstaates" (so haben Sie es doch formuliert, Claus Schmiedel - wer mit politischen Inhalten nicht aufwarten kann, muss absichtlich provozieren, um wenigstens einmal von der Medienöffentlichkeit wahrgenommen zu werden, was?!) aufhalte, die zunehmende Frühlingswärme im Tal sowie den Firnschnee und typischen Frühlingssulz in den Alpen geniesse, lasse ich kontemplativ ein wenig die Seele baumeln mit dem sicheren Wissen, dass diese Ruhe- und Versenkungsphase mit den schon bald auf mir lastenden Alltagswidrigkeiten korreliert.



Dennoch ein paar Hinweise auf Artikel beziehungsweise Themen, die ich persönlich als lesenswert erachte. Zunächst gibt es zwei runde Geburtstage zu feiern. Zwar bewegen sich die Jubilare nicht im Bereich der (elektronischen) (Club-)Musik, doch waren und sind beide herausragende Kunstschaffende ihrer Generation und der Gegenwart sowie ihres Genres.



Es ist zum einen der deutsche Maler Neo Rauch, der vor einigen Tagen seinen fünfzigsten Geburtstag begehen durfte, und aus dessen Anlass zwei deutsche Städte, Leipzig und München, dem Künstler zwei grosse Ausstellungen widmen.



Bergfest zum 50. - Neo Rauch feiert Geburtstag (ZEIT, 18. 04. 2010)

Gretchen ist eine Domina (von Uwe Tellkamp, ZEIT, 21. 04. 2010)

Jünger werden - Neo Rauch wird 50. (F.A.Z., 14. 04. 2010)

Existenzielle Weltaneignung - Zum 50. Geburtstag des Malers Neo Rauch (taz, 19. 04. 2010)

Bärendienst - Uwe Tellkamp verteidigt Neo Rauch (NZZ, 21. 04. 2010)





Zum anderen ist es die brasilianische Hauptstadt Brasilia, die am 21. April 1960 feierlich eingeweiht wurde, deren Architekt, Oscar Niemeyer mit seinen 103 Jahren fürwahr als lebende Legende der Architekturgeschichte bezeichnet werden darf.



Tropischer Rationalismus - 50 Jahre Brasilia (NZZ, 21. 04. 2010)

50 Jahre Brasilia - Vom Betonmonster zur Boomtown (Spiegel Online, 21. 04. 2010

Wie der Leib der geliebten Frau - 50 Jahre Brasilia (Spiegel Online, eines tages, 21. 04. 2010)

Niemeyer und Costa: Brasilia wird 50 (ZEIT, 20.04. 2010)

Verdammt zu ewiger Schönheit - Brasilia-Geburtstag (Stuttgarter Zeitung, 21. 04. 2010)





Nach diesem kleinen Abstecher in andere Kunst- und Kulturgefilde dreht es sich bei den folgenden beiden Leseempfehlungen wieder um Musik. So sei kurz auf das Interview mit Gerd Janson hingewiesen, zu finden bei Little White Earbuds: Talking Shop with: Running Back. Abschliessen möchte ich ebenfalls mit einem Interview, das Jacob Arnold auf Infinitestatemachine mit dem Disco Nihilist geführt hat: Disco Nihilist - Interviewed by Jacob Arnold.



P.S. Bild folgt nach :).

Leseempfehlung (2)

Nach langem wieder einmal ein Eintrag unter der Rubrik "Leseempfehlung", den ich eröffnen möchte mit einem Themengebiet, das nicht wirklich etwas mit (Deep) House oder (Detroit) Techno zu tun hat.

Es geht um die aktuelle Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Frage der Zulässigkeit der Vorratsdatenspeicherung, die vor rund fünfzehn Tagen mit grosser (An-)Spannung erwartet, freudig begrüsst und aufgefasst wurde.

Unverständlich war und ist auch heute noch für mich das strohfeuerartig aufflackernde Jubelgeschrei insbesondere unter zahlreichen Anhängern der Piratenpartei. Einträge wie "BVerfG kippt Vorratsdatenspeicherung" und viele weitere ähnliche Kurznachrichten schickten sie, kaum dass der scheidende Bundesverfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier zur Urteilsverkündung angesetzt hatte, über ihre Twitter-Accounts im Netz umher - nur um Minuten später, nach Bekanntwerden und Verarbeitung der Urteilsbegründung und somit der rechtlichen Ausführungen, diese (Zwitschernachrichten) zu revidieren.

Denn die entscheidenden Richter des Ersten Senates zeichneten trotz Nichtigerklärung des streitgegenständlichen Gesetzes kein allzu positives Bild hinsichtlich datenschutzrechtlicher Fragen, schon gar nicht, weil der zentrale Satz des Urteils folgendermassen lautet(e):

"Zwar ist eine solche Vorratsdatenspeicherung mit dem Grundgesetz nicht schlechthin unvereinbar..."

Der Senat führt(e) im Folgenden aus, dass eine reine Speicherungspflicht, wie sie das ursprüngliche Gesetz vorgesehen hatte, grundsätzlich nicht verfassungswidrig sei - im konkreten Fall habe es lediglich an der Berücksichtigung von (sogenannten) Verhältnismässigkeitsgrundsätzen gefehlt. Ein Gesetz über die Vorratsdatenspeicherung müsse die Datensicherheit gewährleisten; es müsse die Begrenzung des Verwendungszweckes der Daten sicherstellen; und zudem müsse das Gesetz - ein neues, wohlgemerkt - verfassungsrechtlichen Transparenz- und Rechtsschutzanforderungen genügen. Liest man die Urteilsbegründung aufmerksam durch (und liest diese auch der Gesetzgeber aufmerksam durch), erhält man eine detailreiche Bastelanleitung für ein neues Gesetz über die Vorratsdatenspeicherung. Vorratsdatenspeicherung reloaded - ich bin schon sehr gespannt darauf.

Mehr im Web:

Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes in Sachen Vorratsdatenspeicherung
Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Vorratsdatenspeicherung

Wer das Urteil nicht lesen mag:

Bundesverfassungsgericht - Urteil zur Vorratsdatenspeicherung 1/2
Bundesverfassungsgericht - Urteil zur Vorratsdatenspeicherung 2/2


Aus den Untiefen des Rechts wieder zurück zur Musik. Zunächst geht es zu den Little White Earbuds, die sich mit Saheer Umar und Olivier "Liv" Spencer a.k.a. House Of House zu einem Interview eingefunden haben. Themen des Gespräches sind New York, die 80er und 90er-Jahre, und selbstverständlich auch der Überhit des Duos, "Rushing To Paradise".

Wer's im Februar versäumt hat, die Gespräche mit Levon Vincent und Moritz von Oswald zu lesen, kann dies bei dieser Gelegenheit ja nachholen.

Mehr im Web:

House Of House @ Little White Earbuds
Levon Vincent @ Little White Earbuds
Moritz von Oswald @ Little White Earbuds


Und weiter zu ResidentAdvisor. Hier setzt sich Ryan Keeling mit dem britischen Label Third Ear, der (neuen) Heimat der Detroiter Beatdown Possee um Norm Talley, Delano Smith und Mike "Agent X" Clark auseinander. Als besonderes Schmankerl serviert dazu der Züricher Demetrio Giannice, Neuzugang bei Third Ear, ein überzeugendes Label-Showcase.

Desweiteren lohnt es sich, im Anschluss das Portrait des (mittel-)englischen DJs und Produzenten Cottam zu studieren, der im vergangenen Jahr mit seiner Veröffentlichungsreihe Cottam 01 - 03 ein mehr als deutliches Ausrufezeichen zu setzen. Ihn, Cottam, hatten bereits die Jungs & Mädels von RandomCircuits am Start, doch warum dieser feine Blog derzeit nicht am Netz ist, ist mir ein grosses Rätsel.

Mehr im Web:

Third Ear @ ResidentAdvisor
Cottam @ ResidentAdvisor


Ein Vorletztes: Essens DPlay und Berlins Hunee im Interview auf "The Muted Noise Of The Metropolitan Coldstore":

DPlay @ The Muted Noise Of The Metropolitan Coldstore
Hunee @ The Muted Noise Of The Metropolitan Coldstore


Und zum Schluss Berlin, Spreeblick, Szenemensch. Die Autorin und Bloggerin Sara Charrour arbeitet sich dort ab an der Herauslösung typischer Charakteristika, äusserer sowie Verhaltensmerkmale, die "attitude" betreffend, die ein "typischer" Berliner, zugereist oder nicht, einfach haben muss, um nicht im Hipster-Sieb schon zu Beginn aussortiert zu werden.

Man mag von ihrer Auflistung, von ihrer Beschreibung halten, was man will, und ich als Nicht-Berliner und Nicht-Zugereister kann ihr bei ihrer Typologisierung auch nicht wirklich (weiter)helfen. Doch: auf welchen Parties, in welchen Clubs, hängt und hing die gute Autorin ab, dass sie sich folgendermassen zum Thema Party, Club, Musik, etc. auslässt:

"Party: Nicht lächeln! Ein latent gelangweilter Gesichtsausdruck mit einem halb-arroganten Blick ist absolut kritisch, um zu überzeugen. Die Musik auf einer Party muss immer als schlecht bewertet werden. Wenn es sich um Animal Collective handelt, muss mindestens „der Sound“ oder „die Soundanlage“, abgekürzt auch „Anlage“ als schlecht hervorgehoben werden.

Anders, als man es noch in der Schule im Heimatdorf gelernt hat, ist Ziel der Party nicht, Konversation zu führen, sondern besonders oft fotografiert zu werden...


Mein persönlicher Höhepunkt dieses Abschnittes:

"Niemals, unter keinerlei Umständen, darf getanzt oder gar mitgesungen werden..."

Was sind das nur für Veranstaltungen (gewesen), auf die es Dich, liebe Sara Charrour, verschlagen hat?!

Mehr im Web:

Sara Charrour & Der Berliner Szenemensch @ Spreeblick


English (short) version: letters instead of drum patterns, basslines, synth chords and melodies. The first ones are about the German data retention law that didn't pass the German Federal Constitutional Court who ruled it as unconstitutional. I highly recommend you to watch the youtube videos for getting an impression an overview of the most characteristic and - in my opinion - best institution of German democracy. Then head over to Little White Earbuds and ResidentAdvisor for some portraits, House Of House, Levon Vincent, Moritz von Oswald, Cottam; then, check the interviews with DPlay and Hunee. The last article is a short typology of Berlin and its hipster scene - dunno where the author went out at night because she wrote: "You better never dance..."


P.S. Ab morgen geht's hier wieder weiter mit Beschreibungen und Empfehlungen von 12". Bis dahin...

P.P.S. Das Bild stammt von einer bezaubernden jungen Frau aus Schwäbisch-Gmünd, Anastasia Stricker, die für meinen Geschmack verdammt gute Bilder macht!

Leseempfehlung (1)

In Zukunft wird es regelmässig Freitags im Rahmen der Rubrik "Leseempfehlung" ein paar Hinweise meinerseits auf Artikel, Blogeinträge, und so weiter geben, die ich für lesenswert erachte und daher gerne verlinken und (weiter-)empfehlen möchte. Vermutlich werdet ihr die jeweiligen Artikel alle bereits verinnerlicht haben, doch dann soll diese Rubrik als Link- bzw. Artikelsammlung dienen.

[Ausnahmsweise erscheint die erste Ausgabe der Leseempfehlungsreihe an einem Donnerstag, da ich in wenigen Stunden mich auf eine etwas längere Reise in den Nord(-osten) der Republik machen werde. Von kommender Woche an, jedoch freitags. Nach Möglichkeit und vorbehaltlich aller Änderungen.]


Der erste Artikel setzt sich mit dem neuen Künstleralbum von Paul Kominek a.k.a. Turner a.k.a. Pawel auseinander. Erschienen ist's auf Dial, und mehr Informationen dazu gibt es bei den Jungs von monday-edition: Pawel - Pawel @ monday-edition.de.

Ihr alle habt mit Sicherheit die Interviews mit Innervision's Dixon in der de:bug und Groove verinnerlicht. Daher, ergänzend, das Frage-Antwortspiel auf djhistory.com: Dixon @ djhistory.com.

Und zum Schluss noch das Musikgespräch zwischen Finn Johannsen und Terre Thaemlitz a.k.a. DJ Sprinkles auf ResidentAdvisor. Zu schade, dass ich sein Set vor einer Woche in der Panoramabar nicht miterleben konnte. Muss gut gewesen sein. DJ Sprinkles playing favourites @ ResidentAdvisor.


Das war's auch schon. Ich denke, zum Einstieg genügen drei Artikelchen. (Und ein passendes Bild für diese Beitragsreihe suche ich noch).