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Troy von Balthazar, Paris, 31.03.11


Konzert & Photoausstellung: Troy von Balthazar

Ort: La Flaq, 36, rue Quincampoix, 75004 Paris

Datum: 31.03.2011
Zuschauer: vielleicht 80



In Paris passiert im Moment auch abseits der ausgetrampelten Konzertpfade so einiges. Heute zum Beispiel postete der Wirt vom Pop In bei Facebook ein Foto, das Will Sheff und einen anderen Musiker von Okkervil River beim Abjammen in dem kleinen Pub zeigte (klick!). Okkervil River gratis und akustisch, auch nicht schlecht, oder? Und dann war in den letzten Tagen auch noch Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten in der Stadt. Die Leute von der Blogothèque waren ihm auf den Fersen und am 30. November spielte er völlig umsonst in der Cigale. Ähnlich aktiv wie die Blogothekler sind auch die Jungs von Le Cargo, insbesondere Wirbelwind Renaud. Auch er filmt Musiker an ungewöhnlichen Orten und hat erst diese Woche eine Session mit Dark Dark Dark gedreht.

Und sein Kollege Micky Troy akustisch. Bitte sehr, brandaktuell:



Insofern auch nicht weiter verwunderlich, daß ich Renaud heute spätabend (gegen 23 Uhr) in einer neuen, sehr geschmackvoll dekorierten Bar names La Flaq unweit des Centre Pompidou traf. Er hatte mal wieder sehr früh spitz bekommen, daß Troy von Balthazar dort eine akustische Session spielen würde und das Ganze natürlich wieder für uns eingefangen. Zu dumm bloß, daß ich persönlich diesen kurzen Auftritt im wundervollen Gewölbekeller der Bar nicht gesehen habe. Mir ging es ohnehin in erster Linie darum, mir die Ausstellung der Pariser Fotografin Magali Boyer anzusehen, die von Balthazar seit über 5 Jahren auf Schritt und Tritt verfolgt und ihn unzählige Male abgeknipst hat. Selbst bei meiner Oliver Peel Session mit Troy war sie vor Ort, aber von dieser Veranstaltung schaffte es letztlich kein Bild in die Ausstellung.

TROY VON BALTHAZAR Heroic Little Sisters @ Oliver Peel Session from stephaned on Vimeo.



Dennoch gab es etliche absolut hochkarätige Fotos zu sehen, bis auf eine einzige Ausnahme alle schlicht und elegant in schwarz-weiß gehalten. Die Vernissage lief unter dem Motto "Troy magnified by Magali Boyer" und man kann die Pics noch bis zum 23. April in aller Ruhe ansehen.

Troy selbst wird man dann aber wohl kaum dort antreffen, er war nur heute zur Feier des Tages da und zeigte sich gewohnt höflich und natürlich. Als ich in die Bar kam, saß er gerade an einem der urigen Holztische und unterhielt sich. "Hey man, nice to see you!", raunte er mir zu, als er mich wiedererkannte und wir plauderten ein wenig über seine aktuelle Tournee, die ihn neben Frankreich auch durch Deutschland führen wird. Mit dabei ist sein Drummer von Chokebore, der charismatische Christian Omar Madrigal Izzo, und auch die süße französische Backgroundsängerin Adeline Fargier, der ich heute zum ersten Mal überhaupt begegnete. Sie wohnt im kalifornischen Passadena und ist deshalb nicht so oft in Paris anzutreffen. Ein total nettes Mädel, keine Spur arrogant und nun ja... sie hat eine super Stimme!

Morgen geht es für Troy, Christian und Adeline in die schöne Bretagne nach Lorient und bald werden sie auch in Germany aufkreuzen. Geht hin, es lohnt sich!

Zwei nette Ereignisse noch zum Anschied: zum einen gab es in der Ausstellung ein Foto der Zuschauer beim Festival in Evreux, wo man auch mich erkennen kann und dieses Bildchen wird auch im offiziellen Büchlein zur Ausstellung (Kostenpunkt: 25 Euro) drin sein. Und zum anderen schenkte mir Troy sein erstes Buch 3 Girls. Ja, ja, Buch, nicht CD! Der Mann ist auch Schriftsteller und arbeitet gerade schon an seinem zweiten Opus. Eigentlich wollte er es schon fertig geschrieben haben, aber das scheiterte aus einem einfachen und sehr gut nachvollziehbaren Grund: "Yeah, Oliver, when I was in Hawaii I wanted to finish my book, but then I went swimming all the time, you know?"

Foto- Ausstellung Troy von Balthazar:
La Flaq
36, rue Quincampoix
75004 Paris
Bis zum 23. April

Deutsche Konzerttermine Troy von Balthazar:

04.04.2011: Thalia Kino, Dresden
05.04.2011: Babylon, Berlin
07.04.2011: Jubez, Karlsruhe

und:

15.04.2011: La Machine du Moulin Rouge, Paris


Anmerkung: das hervorragende zweite Foto stammt von Micky alias L'esprit d'escalier
Mehr Fotos von dieser Show und einen französischen Bericht gibt es bei Le Cargo.

Aus unserem Archiv:

Troy von Balthazar, Paris, 23.11.09
Troy von Balthazar, Paris, 18.04.09
Troy von Balthazar, Paris, 04.12.06
Chokebore, Evreux, 27.06.10
Chokebore, Brüssel, 20.02.10
Chokebore, Paris, 19.02.10




Troy von Balthazar, Paris, 31.03.11


Konzert & Photoausstellung: Troy von Balthazar

Ort: La Flaq, 36, rue Quincampoix, 75004 Paris

Datum: 31.03.2011
Zuschauer: vielleicht 80



In Paris passiert im Moment auch abseits der ausgetrampelten Konzertpfade so einiges. Heute zum Beispiel postete der Wirt vom Pop In bei Facebook ein Foto, das Will Sheff und einen anderen Musiker von Okkervil River beim Abjammen in dem kleinen Pub zeigte (klick!). Okkervil River gratis und akustisch, auch nicht schlecht, oder? Und dann war in den letzten Tagen auch noch Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten in der Stadt. Die Leute von der Blogothèque waren ihm auf den Fersen und am 30. November spielte er völlig umsonst in der Cigale. Ähnlich aktiv wie die Blogothekler sind auch die Jungs von Le Cargo, insbesondere Wirbelwind Renaud. Auch er filmt Musiker an ungewöhnlichen Orten und hat erst diese Woche eine Session mit Dark Dark Dark gedreht.

Und sein Kollege Micky Troy akustisch. Bitte sehr, brandaktuell:



Insofern auch nicht weiter verwunderlich, daß ich Renaud heute spätabend (gegen 23 Uhr) in einer neuen, sehr geschmackvoll dekorierten Bar names La Flaq unweit des Centre Pompidou traf. Er hatte mal wieder sehr früh spitz bekommen, daß Troy von Balthazar dort eine akustische Session spielen würde und das Ganze natürlich wieder für uns eingefangen. Zu dumm bloß, daß ich persönlich diesen kurzen Auftritt im wundervollen Gewölbekeller der Bar nicht gesehen habe. Mir ging es ohnehin in erster Linie darum, mir die Ausstellung der Pariser Fotografin Magali Boyer anzusehen, die von Balthazar seit über 5 Jahren auf Schritt und Tritt verfolgt und ihn unzählige Male abgeknipst hat. Selbst bei meiner Oliver Peel Session mit Troy war sie vor Ort, aber von dieser Veranstaltung schaffte es letztlich kein Bild in die Ausstellung.

TROY VON BALTHAZAR Heroic Little Sisters @ Oliver Peel Session from stephaned on Vimeo.



Dennoch gab es etliche absolut hochkarätige Fotos zu sehen, bis auf eine einzige Ausnahme alle schlicht und elegant in schwarz-weiß gehalten. Die Vernissage lief unter dem Motto "Troy magnified by Magali Boyer" und man kann die Pics noch bis zum 23. April in aller Ruhe ansehen.

Troy selbst wird man dann aber wohl kaum dort antreffen, er war nur heute zur Feier des Tages da und zeigte sich gewohnt höflich und natürlich. Als ich in die Bar kam, saß er gerade an einem der urigen Holztische und unterhielt sich. "Hey man, nice to see you!", raunte er mir zu, als er mich wiedererkannte und wir plauderten ein wenig über seine aktuelle Tournee, die ihn neben Frankreich auch durch Deutschland führen wird. Mit dabei ist sein Drummer von Chokebore, der charismatische Christian Omar Madrigal Izzo, und auch die süße französische Backgroundsängerin Adeline Fargier, der ich heute zum ersten Mal überhaupt begegnete. Sie wohnt im kalifornischen Passadena und ist deshalb nicht so oft in Paris anzutreffen. Ein total nettes Mädel, keine Spur arrogant und nun ja... sie hat eine super Stimme!

Morgen geht es für Troy, Christian und Adeline in die schöne Bretagne nach Lorient und bald werden sie auch in Germany aufkreuzen. Geht hin, es lohnt sich!

Zwei nette Ereignisse noch zum Anschied: zum einen gab es in der Ausstellung ein Foto der Zuschauer beim Festival in Evreux, wo man auch mich erkennen kann und dieses Bildchen wird auch im offiziellen Büchlein zur Ausstellung (Kostenpunkt: 25 Euro) drin sein. Und zum anderen schenkte mir Troy sein erstes Buch 3 Girls. Ja, ja, Buch, nicht CD! Der Mann ist auch Schriftsteller und arbeitet gerade schon an seinem zweiten Opus. Eigentlich wollte er es schon fertig geschrieben haben, aber das scheiterte aus einem einfachen und sehr gut nachvollziehbaren Grund: "Yeah, Oliver, when I was in Hawaii I wanted to finish my book, but then I went swimming all the time, you know?"

Foto- Ausstellung Troy von Balthazar:
La Flaq
36, rue Quincampoix
75004 Paris
Bis zum 23. April

Deutsche Konzerttermine Troy von Balthazar:

04.04.2011: Thalia Kino, Dresden
05.04.2011: Babylon, Berlin
07.04.2011: Jubez, Karlsruhe

und:

15.04.2011: La Machine du Moulin Rouge, Paris


Anmerkung: das hervorragende zweite Foto stammt von Micky alias L'esprit d'escalier
Mehr Fotos von dieser Show und einen französischen Bericht gibt es bei Le Cargo.

Aus unserem Archiv:

Troy von Balthazar, Paris, 23.11.09
Troy von Balthazar, Paris, 18.04.09
Troy von Balthazar, Paris, 04.12.06
Chokebore, Evreux, 27.06.10
Chokebore, Brüssel, 20.02.10
Chokebore, Paris, 19.02.10




Chokebore & The Black Keys & Caribou, u.a., Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats, Evreux, 27.06.10


Konzert: Chokebore & The Black Keys & Caribou, u.a., Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats,
Ort: Hipodrome d'Evreux, Normandie, Frankreich

Datum: 27.06.10

Zuschauer: tausende
, aber leider weniger als in den letzten Jahren



Weiber, Weiber, Weiber! Obwohl glücklich verheiratet und seit 15 Jahren absolut treu, kann ich nicht davon lassen, hübschen Mädchen hinterherzugucken. Bei Festivals ist der Augenschmaus besonders groß und ich bin nicht der einzige Mann, der vom Kopfumdrehen einen steifen Nacken bekommt. Ein kleiner Tiger Woods schlummert irgendwo in jedem von uns. Und umgekehrt ist es ja genauso, bloß, daß die Mädels diskreter und weniger plump die Männer auf den Festivalwiesen inspizieren. An diesem heißen Juni Samstag war ich für einen Tag eine Frau. Sozusagen. Meine Augen waren nämlich zumindest eine gute Stunde lang auf den Womanizer Troy von Balthazar, seines Zeichens Frontmann der hawaiianischen Grunge/Sadcore Band Chokebore gerichtet. Wie gebannt beobachtete ich die Mimik und die auffällige Körpersprache des höchst charismatischen Sängers und Gitarristen. Was für ein Heißsporn! Dabei ist er zwischen den Songs so unglaublich höflich und wohlerzogen. Nie kommt ihm ein vulgärer Spruch über die Lippen, immer ist er anständig, sympathisch und kommunikativ. Wehe aber einer der unzähligen saumäßig traurigen und oft saumäßig harten Lieder von Chokebore wird angestimmt! Dann erkennt man ihn nicht wieder! Sein Blick wird diabolisch, der Körper bebt vor lauter Spannung und die Gitarre wird zur Waffe. Er scheint meistens einen Kampf gegen sich selbst zu führen, wimmert, brüllt, winselt wie ein geschlagener Hund. Ein Wechselbad der Gefühle, auch für die Fans. Nur Elliott Smith (der Allergrößte unter den Melancholikern) und Conor Oberst singen ähnlich weinerlich und voller Selbstmitleid, so daß man am liebsten gleich mitheulen möchte. Ein Troy Bruno von Balthazar verweilt aber nie lange im Jammertal, sondern begehrt mit aller Macht gegen die Depression auf. So als wolle er ausdrücken: "Ich lasse mich nicht von Dir unterkriegen, du verfluchte Schwermut! Nicht ich! Ich bin ein Held, ein Siegertyp, auch wenn ich manchmal hadere wie dereinst Boris Becker, der wie ein kleines Kind fluchte und schrie: "Miiissssssttt! Ich spiele mir eine Scheiße zusammen! Und so etwas in einem Wimbledonfinale!"

Sowieso seltsam und gleichzeitig ungemein faszinierend, wieso ausgerechnet ein blendend aussehender Sunnyboy wie Troy so traurig und verzweifelt sein kann. Man nimmt ihm seine Seelenpein dennoch ungeprüft ab, soviel Wut und Frustration kann man einfach nicht spielen. Oder aber Troy hat das Talent eines Hollywood Schauspielers. Alles ist möglich bei diesem ungekrönten Superstar der Indiemusikszene. Warum ist er eigentlich so unbekannt? Warum spielen Chokebore nicht im Stade de France wie die verfluchten Typen von Muse? Sind die Hawaiianer etwa nicht die famoseste Rockband der Welt? So dufte, daß Kurt Cobain himself Fan von ihnen gewesen sein soll? Hardcore Fans von Chokebore (und davon gibt es ein paar, selbst wenn es nicht allzuviele sind) wissen die Antwort. Klar ist das die beste Band der Welt! Man frage nur Florent, der sich seit Jahren um das Chokebore-Forum kümmert (auch in der Zeit, in der die Gruppe auf Eis lag) und natürlich heute auch wieder mit dabei war. Eine eingeschworene Anhängergemeinde haben die "alten Herren" also, aber Mainstream werden sie sicherlich nie werden. Zu wenig Kompromisse an die Massentauglichkeit machen die vier Mitvierziger und das ist auch gut so. Dennoch haben sie etliche Lieder, die als catchy zu bezeichnen sind (Days Of Nothing, You Are The Sunshine Of My Life, It Could Ruin Your Day etc.) ohne daß man aber wie bei fiesen Stadionrockern wie Muse oder Green Day mitgröhlen oder gar mitklatschen könnte. Pogo tanzen hingegen schon eher. Am Ende ging hier wirklich ziemlich der Punk ab und Troy gab noch einmal alles, strauchelte theatralisch über den Boden, schrie wie am Spieß und schleuderte wild mit seiner Gitarre durch die Gegend, bevor er nett lächelnd und "winke winke" machend mit seinen Jungs von der Bühne schlich. Eine Zugabe gab es noch, dann war Sense. Was für ein granatenhaftes Konzert! Oder wie der Franzose sagen würde: "Quel concert! Put... de sa mère!"

Setlist Chokebore, Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats, Evreux (merci à Florent!!):

01: Narrow
02: Little Dream
03: Thin As Clouds
04: Alaska
05: Days Of Nothing
06: Popular Modern Themes
07: Lawsuit
08: Bad Things
09: Police
10: One Easy Pieces
11: You Are The Sunshine Of My Life
12: Coat

13: It Could Ruin Your Day

Es gab natürlich noch ein paar andere Bands beim Festival in Evreux. Viele kannte ich allerdings gar nicht. TV Glory, Shining, FM Belfast, wem sagen solche Namen schon etwas? Da hat man beim Line-Up im Gegensatz zu den letzten Jahren wo Headliner wie Franz Ferdinand, Gossip oder die Kaiser Chiefs aufgeboten wurden, doch deutliche Abstriche gemacht. Ein paar bekannte Formationen gab es aber doch:

Caribou: Elektro-Pop mit Grips, vorgetragen von einem nerdigen Vierer, der bühnentechnisch ganz kompakt aufgestellt war. Vorne links Ober-Caribou Dan Snaith, der ähnlich wie ein Konstantin Gropper ein Solokünstler mit Live Bandbegleitung ist und alle Fäden zusammenhält, rechts von ihm ein energischer Trommler und im Windschatten dahinter ein Bassist und ein Gitarrist. Die vier lieferten sich einen Wettkampf, wer am ehesten dem Klischeebild des einsamen, aber genialen Mathegenies entspricht, derart uncool wirkten sie. Einem Teil des Publikums gefielen sie trotzdem und wenn man sich auf die synthetische Musik einließ, konnte man in der Tat abtauchen und sich treiben lassen. Ich hingegen schwitzte bei über 30 Grad wie ein Blöder und wäre am liebsten Baden gegangen oder so. (witzigerweise heißt das aktuelle Album von Caribou Swim, das passt!) Da kein Schwimmbad oder See in der Nähe war, verweilte ich aber bei den Kritikerlieblingen und konnte dem ein oder anderen Song etwas abgewinnen. Zum wirklichen Fan werde ich aber wohl nie, weil die Kerle ihre verfluchten Gitarren nicht einsetzten, wie sich das für richtige Männer gehört. Ich hörte nur Computerklänge und zuweilen zwei Schlagzeuge auf einmal. Ein paar Titel kannte ich, so z. B. Melody Day vom Album Andorra oder auch Odessa vom neuen Longplayer. Innovativ und ideenreich sind Caribou ja, aber es gibt charismaterische Bands. Live also am besten mit geschlossenen Augen genießen...

The Jim Jones Revue: Was war das denn für ein Käse? Wild posende alte Herren, die klangen als hätten sie Jerry Lee Lewis oder Elvis mit der Muttermilch aufgesogen?! Vermutlich sollte das bluesiger Gargenrock oder Rockabilly sein und die jungen Leute im Publikum fanden das so stark, daß sie das Crowdsurfen anfingen, mir wurde es nach 5 Liedern aber zu bunt und ich ging eine Runde pinkeln. Pfui Teufel! Äh, ich meine natürlich den Zustand der Stehklos in Evreux. Obwohl...

The Black Keys:

Dan Auerbach sieht mit gestutztem Bart und kürzeren Haaren gar nicht so übel aus! Da fragt man sich, warum der Sänger und Gitarrist der Black Keys früher immer wie ein Waldschrat rumgelaufen ist. Wollte er sein wahres Gesicht verstecken? Wie auch immer, die Black Keys haben jedenfalls gerockt wie damals, als ich sie 2006 in der Pariser Cigale gesehen habe und von dem rohen, staubtrocken Bluesrock sehr angetan war. Seitdem sind sie Album für Album die Karriereleiter kontinuierlich heraufgeklettert, Dan Auerbach hat ein vielgelobtes Solowerk veröffentlicht und mit Brothers gibt es einen aktuellen Output. Um die neuen Stücken live umzusetzen, kamen heute zwei zusätzliche Musiker mit hinzu. Wozu genau die da waren, wußte ich allerdings nicht so recht, denn die Black Keys machen schon als Duo einen Höllenlärm und brauchen eigentlich keine Verstärkung, um ein Festivalgelände in Wallung zu versetzen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, daß ich die neuen Tracks vom aktuellen Opus Brothers vorher nicht kannte und so war es auch nicht weiter verwunderlich, daß mich ein altes Lied am Ende am meisten packte. Your Touch ist so herrlich auf den Punkt gespielt und so kompromisslos hart, daß ich noch eimal richtig in Fahrt kam.

The Black Keys sind cool, schaut sie euch an, wenn sie in eurer Nähe aufkreuzen!

Suicidal Tendencies: Genau das Gegenteil empfehle ich für Leute mit Geschmack, wenn Suicidal Tendencies in eurer Stadt spielen. Ein einziges Gehaue und Gesteche, feiste Typen die mit Football Shirts rumhüpfen wie verfluchte Rapper und mit diesem Käse natürlich beim Publikum super ankommen. Schauderhaft! Aber so ist das eben bei Festivals, da gewinnen immer die Krachmacher und Bulldozer die Sympathien und mir wurde hinterher zugetragen, daß am Ende jede Menge Leute auf die Bühne geholt wurden. Da war ich zusammen mit meinen beiden Kumpels längst schon im Auto Richtung Paris unterwegs. Wir waren uns einig: Chokebore allein waren die Anreise wert!


Aus unserem Archiv:

Chokebore, Paris, 19.02.2010
Chokebore, Brüssel, 20.02.2010 (bei Christophs Bericht blieb es leider bei einer Einleitung. Das Konzert hat ihm die Sprache verschlagen, gell?
Chokebore, München, 16.02.2010 von Eike vom Klienicum


Chokebore & The Black Keys & Caribou, u.a., Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats, Evreux, 27.06.10


Konzert: Chokebore & The Black Keys & Caribou, u.a., Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats,
Ort: Hipodrome d'Evreux, Normandie, Frankreich

Datum: 27.06.10

Zuschauer: tausende
, aber leider weniger als in den letzten Jahren



Weiber, Weiber, Weiber! Obwohl glücklich verheiratet und seit 15 Jahren absolut treu, kann ich nicht davon lassen, hübschen Mädchen hinterherzugucken. Bei Festivals ist der Augenschmaus besonders groß und ich bin nicht der einzige Mann, der vom Kopfumdrehen einen steifen Nacken bekommt. Ein kleiner Tiger Woods schlummert irgendwo in jedem von uns. Und umgekehrt ist es ja genauso, bloß, daß die Mädels diskreter und weniger plump die Männer auf den Festivalwiesen inspizieren. An diesem heißen Juni Samstag war ich für einen Tag eine Frau. Sozusagen. Meine Augen waren nämlich zumindest eine gute Stunde lang auf den Womanizer Troy von Balthazar, seines Zeichens Frontmann der hawaiianischen Grunge/Sadcore Band Chokebore gerichtet. Wie gebannt beobachtete ich die Mimik und die auffällige Körpersprache des höchst charismatischen Sängers und Gitarristen. Was für ein Heißsporn! Dabei ist er zwischen den Songs so unglaublich höflich und wohlerzogen. Nie kommt ihm ein vulgärer Spruch über die Lippen, immer ist er anständig, sympathisch und kommunikativ. Wehe aber einer der unzähligen saumäßig traurigen und oft saumäßig harten Lieder von Chokebore wird angestimmt! Dann erkennt man ihn nicht wieder! Sein Blick wird diabolisch, der Körper bebt vor lauter Spannung und die Gitarre wird zur Waffe. Er scheint meistens einen Kampf gegen sich selbst zu führen, wimmert, brüllt, winselt wie ein geschlagener Hund. Ein Wechselbad der Gefühle, auch für die Fans. Nur Elliott Smith (der Allergrößte unter den Melancholikern) und Conor Oberst singen ähnlich weinerlich und voller Selbstmitleid, so daß man am liebsten gleich mitheulen möchte. Ein Troy Bruno von Balthazar verweilt aber nie lange im Jammertal, sondern begehrt mit aller Macht gegen die Depression auf. So als wolle er ausdrücken: "Ich lasse mich nicht von Dir unterkriegen, du verfluchte Schwermut! Nicht ich! Ich bin ein Held, ein Siegertyp, auch wenn ich manchmal hadere wie dereinst Boris Becker, der wie ein kleines Kind fluchte und schrie: "Miiissssssttt! Ich spiele mir eine Scheiße zusammen! Und so etwas in einem Wimbledonfinale!"

Sowieso seltsam und gleichzeitig ungemein faszinierend, wieso ausgerechnet ein blendend aussehender Sunnyboy wie Troy so traurig und verzweifelt sein kann. Man nimmt ihm seine Seelenpein dennoch ungeprüft ab, soviel Wut und Frustration kann man einfach nicht spielen. Oder aber Troy hat das Talent eines Hollywood Schauspielers. Alles ist möglich bei diesem ungekrönten Superstar der Indiemusikszene. Warum ist er eigentlich so unbekannt? Warum spielen Chokebore nicht im Stade de France wie die verfluchten Typen von Muse? Sind die Hawaiianer etwa nicht die famoseste Rockband der Welt? So dufte, daß Kurt Cobain himself Fan von ihnen gewesen sein soll? Hardcore Fans von Chokebore (und davon gibt es ein paar, selbst wenn es nicht allzuviele sind) wissen die Antwort. Klar ist das die beste Band der Welt! Man frage nur Florent, der sich seit Jahren um das Chokebore-Forum kümmert (auch in der Zeit, in der die Gruppe auf Eis lag) und natürlich heute auch wieder mit dabei war. Eine eingeschworene Anhängergemeinde haben die "alten Herren" also, aber Mainstream werden sie sicherlich nie werden. Zu wenig Kompromisse an die Massentauglichkeit machen die vier Mitvierziger und das ist auch gut so. Dennoch haben sie etliche Lieder, die als catchy zu bezeichnen sind (Days Of Nothing, You Are The Sunshine Of My Life, It Could Ruin Your Day etc.) ohne daß man aber wie bei fiesen Stadionrockern wie Muse oder Green Day mitgröhlen oder gar mitklatschen könnte. Pogo tanzen hingegen schon eher. Am Ende ging hier wirklich ziemlich der Punk ab und Troy gab noch einmal alles, strauchelte theatralisch über den Boden, schrie wie am Spieß und schleuderte wild mit seiner Gitarre durch die Gegend, bevor er nett lächelnd und "winke winke" machend mit seinen Jungs von der Bühne schlich. Eine Zugabe gab es noch, dann war Sense. Was für ein granatenhaftes Konzert! Oder wie der Franzose sagen würde: "Quel concert! Put... de sa mère!"

Setlist Chokebore, Festival Le Rock Dans Tous Ses Etats, Evreux (merci à Florent!!):

01: Narrow
02: Little Dream
03: Thin As Clouds
04: Alaska
05: Days Of Nothing
06: Popular Modern Themes
07: Lawsuit
08: Bad Things
09: Police
10: One Easy Pieces
11: You Are The Sunshine Of My Life
12: Coat

13: It Could Ruin Your Day

Es gab natürlich noch ein paar andere Bands beim Festival in Evreux. Viele kannte ich allerdings gar nicht. TV Glory, Shining, FM Belfast, wem sagen solche Namen schon etwas? Da hat man beim Line-Up im Gegensatz zu den letzten Jahren wo Headliner wie Franz Ferdinand, Gossip oder die Kaiser Chiefs aufgeboten wurden, doch deutliche Abstriche gemacht. Ein paar bekannte Formationen gab es aber doch:

Caribou: Elektro-Pop mit Grips, vorgetragen von einem nerdigen Vierer, der bühnentechnisch ganz kompakt aufgestellt war. Vorne links Ober-Caribou Dan Snaith, der ähnlich wie ein Konstantin Gropper ein Solokünstler mit Live Bandbegleitung ist und alle Fäden zusammenhält, rechts von ihm ein energischer Trommler und im Windschatten dahinter ein Bassist und ein Gitarrist. Die vier lieferten sich einen Wettkampf, wer am ehesten dem Klischeebild des einsamen, aber genialen Mathegenies entspricht, derart uncool wirkten sie. Einem Teil des Publikums gefielen sie trotzdem und wenn man sich auf die synthetische Musik einließ, konnte man in der Tat abtauchen und sich treiben lassen. Ich hingegen schwitzte bei über 30 Grad wie ein Blöder und wäre am liebsten Baden gegangen oder so. (witzigerweise heißt das aktuelle Album von Caribou Swim, das passt!) Da kein Schwimmbad oder See in der Nähe war, verweilte ich aber bei den Kritikerlieblingen und konnte dem ein oder anderen Song etwas abgewinnen. Zum wirklichen Fan werde ich aber wohl nie, weil die Kerle ihre verfluchten Gitarren nicht einsetzten, wie sich das für richtige Männer gehört. Ich hörte nur Computerklänge und zuweilen zwei Schlagzeuge auf einmal. Ein paar Titel kannte ich, so z. B. Melody Day vom Album Andorra oder auch Odessa vom neuen Longplayer. Innovativ und ideenreich sind Caribou ja, aber es gibt charismaterische Bands. Live also am besten mit geschlossenen Augen genießen...

The Jim Jones Revue: Was war das denn für ein Käse? Wild posende alte Herren, die klangen als hätten sie Jerry Lee Lewis oder Elvis mit der Muttermilch aufgesogen?! Vermutlich sollte das bluesiger Gargenrock oder Rockabilly sein und die jungen Leute im Publikum fanden das so stark, daß sie das Crowdsurfen anfingen, mir wurde es nach 5 Liedern aber zu bunt und ich ging eine Runde pinkeln. Pfui Teufel! Äh, ich meine natürlich den Zustand der Stehklos in Evreux. Obwohl...

The Black Keys:

Dan Auerbach sieht mit gestutztem Bart und kürzeren Haaren gar nicht so übel aus! Da fragt man sich, warum der Sänger und Gitarrist der Black Keys früher immer wie ein Waldschrat rumgelaufen ist. Wollte er sein wahres Gesicht verstecken? Wie auch immer, die Black Keys haben jedenfalls gerockt wie damals, als ich sie 2006 in der Pariser Cigale gesehen habe und von dem rohen, staubtrocken Bluesrock sehr angetan war. Seitdem sind sie Album für Album die Karriereleiter kontinuierlich heraufgeklettert, Dan Auerbach hat ein vielgelobtes Solowerk veröffentlicht und mit Brothers gibt es einen aktuellen Output. Um die neuen Stücken live umzusetzen, kamen heute zwei zusätzliche Musiker mit hinzu. Wozu genau die da waren, wußte ich allerdings nicht so recht, denn die Black Keys machen schon als Duo einen Höllenlärm und brauchen eigentlich keine Verstärkung, um ein Festivalgelände in Wallung zu versetzen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, daß ich die neuen Tracks vom aktuellen Opus Brothers vorher nicht kannte und so war es auch nicht weiter verwunderlich, daß mich ein altes Lied am Ende am meisten packte. Your Touch ist so herrlich auf den Punkt gespielt und so kompromisslos hart, daß ich noch eimal richtig in Fahrt kam.

The Black Keys sind cool, schaut sie euch an, wenn sie in eurer Nähe aufkreuzen!

Suicidal Tendencies: Genau das Gegenteil empfehle ich für Leute mit Geschmack, wenn Suicidal Tendencies in eurer Stadt spielen. Ein einziges Gehaue und Gesteche, feiste Typen die mit Football Shirts rumhüpfen wie verfluchte Rapper und mit diesem Käse natürlich beim Publikum super ankommen. Schauderhaft! Aber so ist das eben bei Festivals, da gewinnen immer die Krachmacher und Bulldozer die Sympathien und mir wurde hinterher zugetragen, daß am Ende jede Menge Leute auf die Bühne geholt wurden. Da war ich zusammen mit meinen beiden Kumpels längst schon im Auto Richtung Paris unterwegs. Wir waren uns einig: Chokebore allein waren die Anreise wert!


Aus unserem Archiv:

Chokebore, Paris, 19.02.2010
Chokebore, Brüssel, 20.02.2010 (bei Christophs Bericht blieb es leider bei einer Einleitung. Das Konzert hat ihm die Sprache verschlagen, gell?
Chokebore, München, 16.02.2010 von Eike vom Klienicum